Inhalt der gedruckten Ausgabe 9/2016

Leitartikel

Kritiker und Schweiger

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Information

Bischof Kräutler gegen „viri probati“ und für die von der Sonntagsmesse ausgeschlossenen Gemeinden

Bischof Erwin Kräutler hat die Deutsche Bischofskonferenz dazu aufgerufen, über Alternativen zum zölibatär lebenden Priester zu diskutieren.

Drei von vier Russen sind für eine Papstreise in ihr Land

Drei von vier Russen befürworten einer aktuellen Umfrage zufolge einen Besuch von Papst Franziskus in ihrem Land.

Papstflugzeug Ziel von Laser-Attacke

Das Flugzeug von Papst Franziskus ist Ziel einer Laser-Attacke geworden. Wie die Fluggesellschaft Alitalia am Mittwoch bekanntgab, ereignete sich der Zwischenfall bereits am Freitag.

US-Kardinal Dolan verteidigt Papstkritik an Trump

Kardinal Timothy Dolan hat die kritischen Worte des Papstes über den US-Präsidenschaftsanwärter Donald Trump verteidigt.

Fastensuppe in St. Pölten

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll und der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng haben die „Aktion Familienfasttag“ der Katholischen Frauenbewegung (kfb) gewürdigt.

Italiens Geburtenzahl auf Rekordtief

Die Geburtenzahl in Italien ist im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordtief gesunken.

Papst Franziskus möchte den Großimam von Al-Azhar treffen

Papst Franziskus möchte den Großimam von Al-Azhar, Großscheich Ahmad Al-Tayyeb, treffen und China besuchen. Das sagte der Papst bei der „fliegenden Pressekonferenz“ am 18. Februar auf dem Rückflug von Ciudad Juarez nach Rom.

Kuba und Mexiko: Positive Bilanz der 4. Lateinamerikareise

Mit symbolträchtigen Gesten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA hat Papst Franziskus am Mittwoch (Ortszeit) seine einwöchige Reise nach Kuba und Mexiko beendet.

Franziskus zu Freundschaft Wojtylas zu Tymieniecka
„Papst braucht auch das Denken von Frauen“

Papst Franziskus hat sich am Donnerstag im „AeroMexico“-Flug nach Rom auf die Frage eines Journalisten auch zur Freundschaft des heiligen Papstes Johannes Paul II. zur Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka (1923-2014) geäußert.

Deutschland: Kirche nimmt christliche Flüchtlinge mehr in Blick

Die katholische Kirche in Deutschland will sich – nach politischen und innerkirchlichen Protesten – künftig verstärkt um christliche Flüchtlinge kümmern.

Flüchtlingskrise: Bischöfe aus Europa und Nahost tagten in NÖ

„Facing a Crisis with many Faces“: Unter diesem Motto stand das von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) organisierte Treffen von Bischöfen und kirchlichen Migrationsexperten aus dem Nahen Osten, Süd-, West- und Osteuropa, das in Heiligenkreuz (NÖ) stattfand.

Bischöfe aus Syrien/Irak gegen Migration der Christen nach Europa

Mehrere Nahost-Bischöfe haben die EU-Politik der offenen Grenzen für alle kritisiert.

Appell des FORUM XXIII an die Bischöfe: Unterstützt Franziskus! Beruft Synoden ein!

Besorgt über die zunehmenden Berichte von latentem Widerstand innerhalb und außerhalb des Vatikans gegen die pastorale Linie von Papst Franziskus, appelliert das FORUM XXIII an die österreichischen Bischöfe, ihre Unterstützung für die Vorhaben des Papstes noch ausdrücklicher zum Ausdruck zu bringen.

Papst ermahnt Mexikos Bischöfe zu Bescheidenheit

Papst Franziskus hat die Bischöfe Mexikos ermahnt, engagiert das Evangelium zu verkünden und die Drogenprobleme des Landes energisch anzugehen.

Prominente unterstützen „Familienfasttag“ der Frauenbewegung für Gerechtigkeit auf den Philippinen

Zu Solidarität mit benachteiligten Frauen auf den Philippinen hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gemeinsam mit prominenten Vertretern aus Kirche und Politik in Wien zum bundesweiten Termin der Aktion Familienfasttag „Teilen spendet Zukunft“ aufgerufen.

Jugendzentrum „Sale für alle“ gewinnt Bank Austria-Sozialpreis

Das offene Jugendzentrum „Sale für Alle“, eine Wiener Studenteninitiative vor allem für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, hat den „Bank Austria Sozialpreis“ erhalten.

Leitartikel

Kritiker und Schweiger

Im Flugzeug von Mexiko nach Rom gab Papst Franziskus nach alter Tradition eine „fliegende Pressekonferenz“.
Eine Journalistin befragt ihn zum Zika-Virus: „Das größte Risiko haben wohl die Schwangeren. Sie haben Angst. Einige Institutionen haben Abtreibungen vorgeschlagen oder die Vermeidung von Schwangerschaften. Kann die Kirche in diesem Fall den Begriff des ‘geringeren Übels’ in Betracht ziehen?“
Antwort des Papstes: „Abtreibung ist kein geringeres Übel. Es ist ein Verbrechen, ein absolutes Übel. Das Vermeiden einer Schwangerschaft ist hingegen kein absolutes Übel.“ Franziskus verweist auf einen seiner Vorgänger: „Paul VI. – der Große! – hat in einer schwierigen Situation in Afrika den Nonnen erlaubt, Verhütungsmittel zum Schutz vor den Folgen von Vergewaltigungen zu nehmen.“
Im Vatikan angekommen, erfährt Franziskus, der auch „Primas von Italien“ ist, dass die Geburtenzahl in Italien im Jahr 2015 auf ein neues Rekordtief gesunken ist. Im Rom-kritischen Deutschland und Österreich kamen prozentuell weit mehr Kinder zur Welt.
Die Antipillenenzyklika „Humanae vitae“ von Paul VI. hat in Italien seinerzeit zwar viel geringere Proteste verursacht als nördlich der Alpen. Befolgt wurde und wird sie jedoch dort anscheinend noch weit weniger…
Erneut ein Beweis, dass Gehorsam heuchelnde Schweiger keineswegs besser sind als kritische Geister?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ex 3, 1-8a.13-15

Der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch gesandt

In jenen Tagen weidete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 10, 1-6.10-12

Das Leben des Volkes mit Mose in der Wüste wurde uns zur Warnung aufgeschrieben

Ihr sollt wissen, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer. Alle aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise, und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus. Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen. Das aber geschah als warnendes Beispiel für uns: damit wir uns nicht von der Gier nach dem Bösen beherrschen lassen, wie jene sich von der Gier beherrschen ließen. Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten; sie wurden vom Verderber umgebracht. Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat. Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.

 

Evangelium:   Lk 13, 1-9

Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt

Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Gottes Hände

So alt wie die Geschichte der Menschheit ist auch die Suche nach dem höheren Wesen, nach Gott. Alle Kulturen haben versucht, sich vorzustellen, wie Gott ist und wollten mit dem Überirdischen in Kontakt treten.
Was mir an unserer Religion so gefällt ist das Bild von Gott, welches uns in der Bibel überliefert wird. In der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja wird von einem nahen Gott, von einem Gott, der mit uns etwas zu tun haben möchte, berichtet. Dieser Gott sagt von sich: „Ich bin der Ich bin da“. Ist das nicht wunderbar, dass uns da jemand versichert, dass er da ist, auch wenn wir manchmal nichts davon merken. Ganz egal, wohin Menschen in ihrem Leben gehen, sie brauchen keine Angst zu haben, dass Gott ihnen abhandenkommt. Gott ist immer ein Gott, der da ist. Manchmal wünschen wir uns vielleicht einen Gott, der dreinschlägt und alles Unrecht dieser Welt beseitigt (zumindest das, was wir als Unrecht empfinden). Auf jeden Fall soll er auf unserer Seite stehen und immer zu unseren Gunsten entscheiden. Es ist eben viel bequemer, wenn Gott für uns die Arbeit macht, dann brauchen wir nur zuzuschauen, die Hände in den Schoß zu legen.
Auch Mose hat erkannt, dass nicht Gott allein sein Volk aus Ägypten herausführt, sondern dass er, Mose, das Volk führen soll, immer aber mit dem Wissen, dass er nie alleine diese große Aufgabe bewältigen muss, sondern dass Gott ihm immer nahe ist. Er ist sein großer Rückhalt, durch ihn hat er die Kraft, seine Aufgaben zu bewältigen.
Auch wir sind in den Dienst Gottes gerufen, sein Werk in dieser Welt zu vollbringen. Für Gott, so heißt es in einem Gebet aus dem 14. Jahrhundert, der nur unsere Hände hat, um seine Arbeit heute zu tun.

 

Information

Bischof Kräutler gegen „viri probati“ und für die von der Sonntagsmesse ausgeschlossenen Gemeinden

Bischof Erwin Kräutler hat die Deutsche Bischofskonferenz dazu aufgerufen, über Alternativen zum zölibatär lebenden Priester zu diskutieren.

kräutler erwin
Bischof Erwin Kräutler.

„Jede und Jeder hat den Auftrag, nachzudenken“, sagte Kräutler am Sonntag im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Rande der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in Würzburg. Franziskus selbst habe ihn aufgefordert, mutige Vorschläge zu machen. Der Papst werde zwar nicht in eigener Regie von heute auf morgen etwas ändern. „Aber die Bischofskonferenzen haben den Auftrag, darüber zu befinden, um dann konkrete Vorschläge zu machen, so der emeritierte Bischof der Diözese Xingu.

Eucharistie steht zur Diskussion
Mit Blick auf seine Diözese im Amazonas-Gebiet sagte Kräutler, angesichts der geografischen Lage und der geringen Zahl von Priestern könnten 70 Prozent der Katholiken nur drei- bis viermal im Jahr Messe feiern, ansonsten Wortgottesdienst. Dabei sei die Eucharistie das Zentrum des katholischen Glaubens. „In erster Linie steht nicht der Zölibat zur Diskussion, sondern die von der sonntäglichen Eucharistiefeier ausgeschlossenen Gemeinden“, sagte Kräutler. Dies sei zwar zunächst ein Problem in Amazonien, aber die Gemeindezusammenlegungen in Deutschland seien auch nicht unbedingt die Lösung.

Problematische Alternative
Die mehrfach vorgeschlagene Beauftragung von katholischen Männern mit tadellosem Lebenswandel, sogenannte „viri probati“, ist für Kräutler eine problematische Alternative. „Was macht denn einen Mann zum „vir probatus“ und wer oder welches Forum befindet darüber, ob einem dieses Attribut zugesprochen werden kann oder nicht?“ Er frage sich auch, ob alle zölibatär lebenden Priester tatsächlich „viri probati“ seien. Zudem sei bei einer solchen Lösung von vornherein die Möglichkeit ausgeschlossen, dass eine Frau als Priesterin dem Gottesdienst vorstehen könne.

Italiens Geburtenzahl auf Rekordtief

Die Geburtenzahl in Italien ist im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordtief gesunken.

Wie italienische Medien am Samstag unter Berufung auf die nationale Statistikbehörde Istat meldeten, wurden 2015 in dem Land nur noch 487.800 Kinder geboren, 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies sei die niedrigste Zahl seit der Einigung des Landes im Jahr 1861.
Den Geburten standen 653.000 Todesfälle gegenüber. Insgesamt leben in dem Land laut Statistik noch rund 60,6 Millionen Italiener.
Die Geburtenbilanz war in Österreich (8,5 Millionen Einwohner) zuletzt erstmals seit 2011 wieder positiv. Laut den letztverfügbaren Zahlen von 2014 kamen 81.722 Kinder zur Welt, während es 78.252 Sterbefälle gab.
In Deutschland (81,2 Millionen Einwohner) kamen 2014 714.927 Kinder zur Welt, es gab 868.356 Sterbefälle.

Franziskus zu Freundschaft Wojtylas zu Tymieniecka
„Papst braucht auch das Denken von Frauen“

Papst Franziskus hat sich am Donnerstag im „AeroMexico“-Flug nach Rom auf die Frage eines Journalisten auch zur Freundschaft des heiligen Papstes Johannes Paul II. zur Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka (1923-2014) geäußert.

Die BBC-Dokumentation „Die Geheimnisse von Papst Johannes Paul II.“, die der Kulturkanal Arte am 16. Februar gezeigt hatte, gewährte neue und überraschende Einblicke in das private Leben des Kirchenoberhaupts aus Polen. So wurden Auszüge aus dem Briefwechsel der beiden veröffentlicht.

Anna Teresa Tymieniecka. Source: http://tischner.pl/galleries-news/556/Anna_Teresa_Tymieniecka.jpg
Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka.

Männern fehlt etwas
Franziskus sagte, er habe von dieser Freundschaft schon zu seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gewusst: „Das war eine Sache, die bekannt war.“ Johannes Paul sei ein „unruhiger Mann“ gewesen, und Männern, die keine „gute Freundschaft zu einer Frau“ unterhielten, fehle doch etwas. „Der Papst ist ein Mann, er braucht auch das Denken von Frauen. Und auch der Papst hat ein Herz, das zu einer gesunden, heiligen Freundschaft zu einer Frau imstande ist. Es gibt heilige Freunde, etwa Franziskus und Klara, oder Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz – also, erschreckt nicht“, erläuterte Franziskus.

Letzter Brief kurz vor dem Tod
Die neue BBC-Doku zeichnet die intensive Beziehung des Wojtyla-Papstes zur polnisch-amerikanischen Philosophin Tymieniecka nach. Neu an der Dokumentation ist, dass mehrere Hundert Briefe und zahlreiche Privatfotos die Seelenverwandtschaft zwischen beiden dokumentieren. Dabei stellen die Autoren des Films klar: Es gebe keine Hinweise darauf, dass Karol Wojtyla den Zölibat gebrochen habe. Dennoch seien sich die verheiratete Mutter von drei Kindern und der Geistliche über drei Jahrzehnte auch emotional sehr nahe gewesen.

Briefwechsel durch Jahrzehnte
Begonnen hat die Beziehung Anfang der 1970er-Jahre, als Tymieniecka dem Krakauer Kardinal antrug, sein 1969 veröffentlichtes Buch „Person und Tat“ ins Englische zu übersetzen.
Aus dem Briefwechsel über philosophische Fragen entwickelte sich schnell eine sehr persönliche Korrespondenz. Nach dem Attentat im Mai 1981 besuchte Tymieniecka den operierten Papst in der Klinik und hatte fortan leichten Zugang zum Vatikan und zur Sommerresidenz Castel Gandolfo.
Seinen letzten Brief an sie schrieb er wenige Wochen vor seinem Tod – und unterzeichnete ihn mit Karol Wojtyla. Noch einen Tag vor dem Tod besuchte sie ihn im Krankenhaus.

Persönlich anders
Glaubt man den Autoren, wurde Tymieniecka nach dem 2. April 2005 vom Vatikan systematisch totgeschwiegen – auch um die schnelle Selig- und Heiligsprechung des Papstes nicht zu gefährden. Der Film deutet unter Berufung auf Freunde Tymienieckas an, dass zumindest die Briefe Karol Wojtylas veröffentlicht werden könnten. Damit würde ein großer Widerspruch in der Persönlichkeit des polnischen Papstes deutlicher sichtbar. Es gehe um die Frage, wie ein Mann, der auf persönlicher Ebene so offen und freimütig war, in seiner Glaubensverkündigung einen so doktrinären Kurs verfolgen habe können.

Prominente unterstützen „Familienfasttag“ der Frauenbewegung für Gerechtigkeit auf den Philippinen

Zu Solidarität mit benachteiligten Frauen auf den Philippinen hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gemeinsam mit prominenten Vertretern aus Kirche und Politik in Wien zum bundesweiten Termin der Aktion Familienfasttag „Teilen spendet Zukunft“ aufgerufen.

„Ohne solche mutigen Initiativen wäre es in unserer Welt finsterer, unlebbarer“, betonte Kardinal Christoph Schönborn beim traditionellen Benefizsuppenessen am Montagabend, 15. Februar, in der Hofburg. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer gefolgt.
Fischer begrüßte eine Reihe prominenter Unterstützer, darunter Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Arbeits- und Sozialminister Alois Stöger, Justizminister Wolfgang Brandstetter, die Grünen-Klubobfrau Eva Glawischnig und EU-Parlaments-Vizepräsidentin Ulrike Lunacek.  Anwesend waren auch Nuntius Peter Zurbriggen, die Bischöfe Alois Schwarz (Gurk-Klagenfurt), Werner Freistetter (Militärdiözese) und Altbischof Maximilian Aichern, Caritas-Präsident Michael Landau, der Theologe Paul Zulehner und Frauenordens-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer, sowie der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac.

benefiz-suppenessen 2
Benefiz-Fastensuppenessen mit Bundespräsident Heinz Fischer in der Wiener Hofburg.  

Foto: P. Lechner.

Verteilungsgerechtigkeit
2016 steht das Thema „Verteilungsgerechtigkeit durch eine geschlechtergerechte Budget- und Finanzpolitik“ im Zentrum der Aktion. Modellprojekt ist die auf den Philippinen beheimatete „Freedom From Debt Coalation“ (FDC), deren Vertreterinnen Yuen Abana und Zeena Manglinon die Österreicher zum weiteren „Sorgen und Teilen“ aufrief. Die NGO, der die Frauenrechtlerin angehört, setzt sich für die Entschuldung der Philippinen und für eine geschlechtergerechte Budget- und Finanzpolitik ein; seit vielen Jahren wird sie dabei materiell wie ideell von der kfbö unterstützt.

Bedrohliche Privatisierungen
„Die Privatisierung der Stromversorgung hat dazu geführt, dass wir in den Philippinen die höchsten Kosten für Strom in ganz Asien haben“, berichtete Abana. Auch die Versorgung mit Wasser, mit Dienstleistungen im Bereich von Bildung und Gesundheit läge weitgehend in privaten Händen. „Das trifft zuallererst Arme, zuallererst Frauen.“ Bedroht und eingeschränkt sei nicht nur deren materielle Existenz, sondern auch deren Würde.
Yuens Eltern konnten sich den Schulbesuch der sieben Kinder noch leisten, was heute nicht mehr denkbar wäre. Die Privatisierungswelle vieler Schulen hat das öffentliche Bildungssystem fast zum Verschwinden gebracht. „Übrig geblieben sind teure Privatschulen, die sich die wenigsten leisten können“, gibt die Aktivistin gegenüber „Kathpress“ Einblicke in das System vor Ort.

Fünf Frauen, ein Bett
Ein ähnliches Bild zeigt das Gesundheitssystem des Landes. Die Zustände in öffentlichen Spitälern beschreibt Yuen als „unvorstellbar“. Oft teilen sich fünf Frauen nach der Geburt ein Spitalsbett, „quer auf dem Bett liegend wie Sardinen“. Der Aufenthalt sei teuer, „das einzige, was du nicht zahlen musst, ist das Bett“. An eine baldige Besserung glaubt die Aktivistin nicht. Statistische Daten unterstützen die Befürchtung Yuens: Die Investitionen im Gesundheitsbereich stagnieren seit 2000 bei rund 1,5 Prozent.  Gegen die mit der Schuldenrückzahlung verbundene Sparpolitik macht die aus rund 200 Organisationen bestehende „Freedom From Debt Coalition“ (FDC) mobil.

Das Erbe des Marcos
Die Staatsschulden der Philippinen machen rund 36 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Was auf dem Papier nach nicht viel aussieht – in Österreich sind das rund 80 Prozent -, wirkt sich im Alltag der Bevölkerung aber gravierend aus. 75 Prozent des Budgets pumpt die Regierung jährlich in die Schuldenbegleichung; für Investitionen im öffentlichen Bereich bleibt da kaum Geld.
Der Großteil der Schulden stammt noch aus der Zeit der Diktatur von Ferdinand Marcos. Ihm wird nachgesagt, seinem Land während seiner 21-jährigen Herrschaft von 1965 bis 1986 zehn Milliarden Dollar gestohlen zu haben. Einen 5,5 Milliarden-Dollar-Kredit gewährte ihm der Internationale Währungsfonds, hinzu kamen Kredite anderer ausländischer Geber im Gegenwert von 3,5 Milliarden Dollar. Große Teile der Bevölkerung bezweifeln deshalb die Rechtmäßigkeit der Schulden.