Inhalt der gedruckten Ausgabe 8/2016

Leitartikel

Verklärungsberg Havanna, Ölberg Rom

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Information

Papst und Patriarch: Nicht Konkurrenten, sondern Geschwister
Gegen Proselytismus, aber für Existenzrecht der Unierten

Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kyrill I. haben sich bei ihrem historischen Gipfeltreffen am 12. Februar auf Kuba für die Wiederherstellung der christlichen Einheit und zur Zusammenarbeit bei den Herausforderungen der Welt ausgesprochen.

Kardinal Schönborn: „Maria Loley hatte das Evangelium in sich“

„Maria Loley hatte das Evangelium wirklich in sich, es ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen, sie hat es aus ganzem Herzen gelebt.“

Kairo: Hochkarätige Ökumene-Tagung „in Zeiten der Verfolgung“

Christen aller Konfessionen müssen „in diesen Zeiten der Verfolgung“ geeint auftreten.

Papst fordert Schuldennachlass für die Ärmsten

Papst Franziskus hat bei seiner Generalaudienz am Aschermittwoch auf dem Petersplatz an das von den biblischen Propheten eingemahnte Jahr des Schuldennachlasses (Erlassjahr oder Jubeljahr) erinnert und die Verantwortlichen heute zu Solidarität und Teilen aufgerufen.

Papstreise-Zielland mit konservativer Ortskirche

Fünf Tage lang besucht Papst Franziskus derzeit Mexiko. Das gefährlichste Land für Priester – in den letzten zehn Jahren wurden 40 ermordet – hat nach Brasilien die zweitgrößte Katholikenzahl. Es gilt als tiefgläubig, gleichzeitig pflegen die politische Elite und intellektuelle Kreise einen erbitterten Antiklerikalismus, der durch die wechselhafte Vergangenheit des Landes geprägt ist.

Fliegende Pressekonferenz: Papst bekundet Sympathie für Merkel

Papst Franziskus hat seine Wertschätzung und Sympathie für Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundet. Auf dem Flug von Rom nach Havanna sagte er im Zuge der „Fliegenden Pressekonferenz“ Freitagmittag gegenüber „Kathpress“: „Ich mag sie und ich schätze sie sehr. Frau Merkel ist eine Person guten Willens. Ich bete für sie.“

Ordensfrau: Menschenhandel nach wie vor Tabu-Thema

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind nach wie vor gesellschaftliche Tabu-Themen: Darauf hat Sr. Anna Mayrhofer, Leiterin einer Schutzwohnung für Opfer von Menschenhandel, hingewiesen.

Neuer Nuntius in der Schweiz auf Anti-Franziskus-Kurs?

Erzbischof Thomas E. Gullickson, seit Oktober 2015 Apostolischer Nuntius in der Schweiz, sorgt für Wirbel in eidgenössischen Kirchenkreisen und darüber hinaus.

Europaweite Kirchen-Aktion zu Ungleichheit und Besteuerung

Mit einer europaweiten Aktion ab Aschermittwoch wollen die katholischen „Iustitia et Pax“-Kommissionen auf die wachsende ökonomische Ungleichheit hinweisen.

Kardinal Pell per Videoschaltung vor Missbrauchsausschuss

Aus gesundheitlichen Gründen wird Kardinal George Pell nicht persönlich vor der australischen Missbrauchskommission erscheinen.

Salzburg: Lackner kündigt Erneuerungsprozess an

Im Rückenwind der Auf- und Umbruchsstimmung der Fastenzeit beschreitet die Erzdiözese Salzburg heuer neue Wege in der Pastoral.

300 Erwachsene empfangen zu Ostern die Taufe

Die Erwachsenentaufe findet in Österreich immer mehr Zuspruch: 83 Menschen über 14 Jahren werden in der Osternacht allein in Pfarren von Wien und des östlichen Niederösterreichs die katholische Taufe empfangen, bundesweit sind es deutlich über 300, Tendenz steigend.

Nahost: Caritas-Experte warnt vor „gigantischem Flüchtlingsstrom“

Vor einem weiteren „gigantischen Flüchtlingsstrom“ aus dem Nahen Osten nach Europa hat der Caritas-Nahostexperte Stefan Maier gewarnt.

Fünf junge NiederösterreicherInnen gehen auf Auslandseinsatz

Völlig neue Horizonte kennenlernen möchten fünf junge NiederösterreicherInnen, die am 31. Jänner im Wiener Salesianum ihre baldige Entsendung in Don Bosco Hilfsprojekte feierten.

Wiener Caritas-Hotel „magdas“: 22.000 Gäste im ersten Jahr

Vor rund einem Jahr hat in Wien das Caritas-Hotel „magdas“ seine Türen geöffnet, in dem 20 anerkannte Flüchtlinge gemeinsam mit 10 Hotel-Experten arbeiten. Wie die Betreiber bei einer Pressekonferenz resümierten, sei das soziale Konzept zur Gänze und das wirtschaftliche Ziel auch weitgehend erreicht worden.

Seitenstetten & Göttweig: Hochkarätige kirchliche Jugendkunst-Produktionen

In der Diözese St. Pölten gibt es heuer zwei große Jugendkulturproduktionen, bei denen die Proben und Vorbereitungen schon voll angelaufen sind: Das diözesane Seitenstettner Jugendhaus Schacherhof bietet im März das Musical „Jesus Christ Superstar“ an und das Jugendhaus Stift Göttweig führt im August „Nathan der Weise“ auf.

Leitartikel

Verklärungsberg Havanna, Ölberg Rom

Die Ökumene ist Papst Franziskus ein Herzensanliegen. Wenige Tage nach der Ankündigung seiner Reise zum evangelischen Reformations-Gedenken in Schweden hat die historische Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen auf Kuba stattgefunden.
Der im 80. Lebensjahr stehende Franziskus ist an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit gegangen. Nach einem 12-stündigen Flug hat er in Havanna gemeinsam mit Kyrill I. ein ebenfalls historisches Dokument unterzeichnet.
Die Arbeit, die auf beide in ihrer Heimat wartet, ist jedoch noch anstrengender.
Kyrill weiß: Weite Kreise der vom russischen Staat umklammerten Orthodoxie stehen einer Annäherung an Rom kritisch bis ablehnend gegenüber.
Papst Franziskus geht es nicht besser. Hier der bremsende konservative Vatikan-Apparat, dort das auf Reformen drängende Volk.
Der Zölibat steht angeblich derzeit nicht auf der Agenda des Papstes, erklärte jüngst Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
Franziskus besucht in diesen Tagen Mexiko, das an argem Priestermangel leidet und wo die Freikirchen stark im Vormarsch sind. Ob das eine neue Sicht bewirkt?
Anspruchsvoll, aber heiß ersehnt, nannte Franziskus das Ereignis von Kuba. Ähnliches gilt für die Kirchenreform. Nach dem Berg der Verklärung in Havanna wartet auf ihn der Ölberg in Rom.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Gen 15, 5-12.17-18

Abraham glaubte dem Herrn – der Herr schloss mit ihm einen Bund

In jenen Tagen führte der Herr Abram hinaus und sprach: Sieh zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu Eigen zu geben. Da sagte Abram: Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, dass ich es zu Eigen bekomme? Der Herr antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine Haustaube! Abram brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie und legte je eine Hälfte der andern gegenüber; die Vögel aber zerteilte er nicht. Da stießen Raubvögel auf die Fleischstücke herab, doch Abram verscheuchte sie. Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf; große, unheimliche Angst überfiel ihn. Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden. Auf einmal waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch. An diesem Tag schloss der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom, dem Eufrat.

 

Zweite Lesung:   Phil 3, 17 – 4, 1

Christus wird uns verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes

Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.

 

Evangelium:   Lk 9, 28b-36

Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Glücksmomente

Wie oft wünschen wir uns einen Zustand herbei, den die drei Jünger Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg erleben dürfen. Und wenn uns widerfährt, dass etwas zu etwas ganz Besonderem wird, haben wir dann nicht auch das Bedürfnis, diesen Höhepunkt festhalten zu wollen? Wir versuchen das mittels Fotoapparat im Urlaub, bei einer Wanderung in der Natur oder bei einem festlichen Ereignis. Wir halten eine bezaubernde Situation wenigsten auf dem Foto fest. Aber das ist nicht alles! Das Wichtigste, unsere Gefühle, die Gerüche, die Stimmungen, die Personen, die mit uns zusammen sind…, können wir nicht festhalten.
Während Petrus noch alles festhalten und mit dem Hüttenbau beginnen will, geraten sie in eine Wolke hinein, die ihren Schatten auf sie legt.
Höhepunkte übersteigen den Alltag und ereilen uns im Leben, da ist es ratsam, diese zu genießen und nicht die Zeit damit zu verschwenden, sie einfangen zu wollen. Das Besondere, das den drei Jüngern widerfährt, lässt sie zögern, wieder in die Realität zurückzukehren. Aber gerade gestärkt durch dieses Gipfelerlebnis meistern sie die Mühen der Ebene wieder.
Unzählig viele Menschen sind auf der Suche nach Gott, in vielen verschiedenen Facetten. In all diesem Suchen steckt die Hoffnung, dass es etwas Schöneres, etwas Besseres geben muss, etwas, was über das Alltägliche hinausgeht und Bestand hat, also nicht so flüchtig ist, wie unsere irdischen Glücksmomente.
Hier trifft sich die menschliche Hoffnung mit unserer Hoffnung als Christen: Es muss eine Welt geben mit mehr Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit. Gerade aber diese Hoffnung dürfen wir als Christen mittragen und andere Menschen teilhaben lassen.

 

Information

Papst und Patriarch: Nicht Konkurrenten, sondern Geschwister
Gegen Proselytismus, aber für Existenzrecht der Unierten

Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kyrill I. haben sich bei ihrem historischen Gipfeltreffen am 12. Februar auf Kuba für die Wiederherstellung der christlichen Einheit und zur Zusammenarbeit bei den Herausforderungen der Welt ausgesprochen.

In einer 30 Punkte umfassenden gemeinsamen Erklärung beklagen sie, dass weiterhin zahlreiche Hindernisse zwischen den Kirchen und Christen andauerten. Dennoch müssten Orthodoxe und Katholiken versuchen, ein „einmütiges Zeugnis für die Wahrheit zu geben“. „Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister“, heißt es in dem achtseitigen Text.

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Historische Begegnung: Papst Franziskus und Patriarch Kyrill am 12. Februar in Havanna.

Foto: L‘Osservatore Romano.

Für verfolgte Christen
Besorgt äußern sich Franziskus und Kyrill insbesondere über die Verfolgung von Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas. Gemeinsam müssten die Kirchen ihre Stimme zur Verteidigung der verfolgten Christen erheben. Die internationale Gemeinschaft müsse dringend handeln, um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen. Weiter sprechen sich die beiden Kirchenführer für die Achtung der Religionsfreiheit aus. Sie beklagen dabei auch die Beschränkungen von Rechten der Christen in Europa durch einen „oft sehr aggressiven Säkularismus“.

Ehe und Recht auf Leben
Weiter fordern sie ein gemeinsames Vorgehen gegen die Armut in der Welt sowie Solidarität mit allen Leidenden. Eindringlich unterstreichen beide die zentrale Rolle der auf der Ehe von Mann und Frau gegründeten Familie. Schließlich fordern sie, das unveräußerliche Recht auf Leben zu respektieren, sie verurteilen Euthanasie und äußern sich besorgt über biomedizinische Experimente.

Bewegte Umarmung
Nach einer zweistündigen privaten Unterredung in einer Flughafen-Lounge hatten Franziskus und Kyrill I. die gemeinsame Erklärung in einer italienischen und einer russischen Fassung unterzeichnet. Zum Abschluss umarmten sich die beiden Kirchenführer sichtlich bewegt erneut.
In dem Text fordern Papst und Patriarch, der Gewalt und dem Terrorismus in Syrien und dem Irak ein Ende zu setzen und durch Dialog zu einer raschen Wiederherstellung des inneren Friedens beizutragen. Ausdrücklich bitten sie, die beiden seit April 2013 verschleppten Metropoliten Pavlos und Yohanna Ibrahim von Aleppo freizulassen. Sie verneigten sich vor den Märtyrern. Gerade in diesen beunruhigenden Zeiten sei ein interreligiöser Dialog unerlässlich.

Griechisch-Katholische
Der Text geht auch auf die alten Streitpunkte zwischen katholischer Kirche und russischer Orthodoxie ein. Er verurteilt jede Form von Prosely-tismus, das Abwerben von Christen anderer Kirchen, sowie die frühere Methode des „Uniatismus“, der die Herauslösung von Gläubigen von ihrer Kirche betrieb. „Dennoch haben die kirchlichen Gemeinschaften, die unter diesen historischen Umständen entstanden sind, das Recht zu existieren und alles zu unternehmen, was notwendig ist, um die geistlichen Ansprüche ihrer Gläubigen zu befriedigen, bei gleichzeitigem Bemühen, mit ihren Nachbarn in Frieden zu leben“, heißt es in dem Text etwa mit Blick auf die Unierten in der Ukraine. Orthodoxe und Griechisch-Katholische müssten sich miteinander versöhnen und Formen des Zusammenlebens finden, die beiderseitig annehmbar seien.

Für Frieden in Ukraine
Eindringlich bedauern die Kirchenoberhäupter dabei auch die Auseinandersetzungen in der Ukraine mit ihren vielen Opfern und Verwundungen bei friedlichen Einwohnern. „Wir laden alle Konfliktparteien zur Besonnenheit, zur sozialen Solidarität und zum Handeln ein, um den Frieden aufzubauen.“ Dabei fordern Franziskus und Kyrill auch ihre Kirchen in der Ukraine zur Zusammenarbeit auf, „um zur gesellschaftlichen Eintracht zu gelangen, sich einer Beteiligung an der Auseinandersetzung zu enthalten und nicht eine weitere Entwicklung des Konfliktes zu unterstützen“.

Fliegende Pressekonferenz: Papst bekundet Sympathie für Merkel

Papst Franziskus hat seine Wertschätzung und Sympathie für Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundet. Auf dem Flug von Rom nach Havanna sagte er im Zuge der „Fliegenden Pressekonferenz“ Freitagmittag gegenüber „Kathpress“: „Ich mag sie und ich schätze sie sehr. Frau Merkel ist eine Person guten Willens. Ich bete für sie.“

Am Montag hatte die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ unter Berufung auf nicht näher genannte Gesprächspartner des Papstes berichtet, Merkel habe Franziskus wegen einer kritischen Äußerung zum Thema Europa angerufen. „Sie war ein bisschen verärgert, weil ich Europa mit einer unfruchtbaren Frau verglichen hatte“, gaben die Informanten demnach den Papst wieder.

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Papst Franziskus erhielt im Flugzeug auf dem Flug nach Havanna einen mexikanischen Sombrero.

Foto: L‘Osservatore Romano.

Merkel habe damit auf die Papstrede vor dem EU-Parlament im November 2014 reagiert, hieß es.
Regierungssprecher Steffen Seibert dementierte, dass ein solches Telefonat stattgefunden habe. Auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi erklärte, die Wiedergabe der Worte von Franziskus durch den „Corriere“ sei nicht völlig korrekt: Der Papst habe sich nicht vor einem Besucher über ein derartiges Gespräch im Jahr 2014 geäußert, sondern es sei um den Small Talk beim Vatikanbesuch Merkels 2015 gegangen.

Neuer Nuntius in der Schweiz auf Anti-Franziskus-Kurs?

Erzbischof Thomas E. Gullickson, seit Oktober 2015 Apostolischer Nuntius in der Schweiz, sorgt für Wirbel in eidgenössischen Kirchenkreisen und darüber hinaus.

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Erzbischof Thomas E. Gullickson.

Die Gemüter erhitzen sich etwa über seine Kritik an den Schweizer Kirchenverhältnissen. Zudem gibt es bereits Gerüchte, der 69-jährige US-Amerikaner könnte sich dafür einsetzen, dass 2017 in der Diözese Chur auf den seit 2007 amtierenden und mit bald 74 Jahren auf die kirchenrechtliche Altersgrenze zusteuernden Bischof Vitus Huonder erneut ein sehr konservativer Oberhirte folgt, „der spaltet, statt Brücken zu bauen“.
Die breite Allianz „Es reicht“ aus katholischen Organisationen fordert die Bischöfe auf, sich klar zu den Aufbrüchen des Konzils zu bekennen. Zudem sollten sie die Äußerungen des neuen Nuntius wachsam verfolgen.
Die Allianz zeigt sich „befremdet“ über das „völlig überholte Kirchenbild“ des neuen Papstbotschafters in Bern. Gullickson, so ihre Vorwürfe, stehe offenbar den traditionalistischen Piusbrüdern nahe, und er empfehle via Twitter ein „fundamentalistisches Standardwerk“ und einen „kriegerisch anmutenden Katholizismus“. Für die Schweiz habe er bereits vorgeschlagen, alle Pfarren ohne Priester aufzuheben.
Gullickson stelle sich gegen Errungenschaften, „die für die große Mehrheit“ der Schweizer Katholiken längst selbstverständlich seien, heißt es aus den Reihen der Allianz. Deren kritische Köpfe sorgen sich vor allem um Kirchgemeinden, die von Laientheologen geleitet werden und in denen auch Frauen in Seelsorge und Liturgie Verantwortung tragen.
Verwunderung herrscht darüber, dass die theologischen Positionen des Nuntius in einem „großen Kontrast“ zu den Reformbemühungen von Papst Franziskus stünden – den Gullickson im Übrigen auch mehrmals öffentlich kritisiert habe. Konter zu der Kritik an Gullickson gab es aus dem sogenannten Churer Priesterkreis.

Medienpräsenz und Gerüchte
In den Medien, auch im Internet, ist jedenfalls Gullickson sehr präsent ungewöhnlich für Vatikandiplomaten, die sich oft eher durch Verschwiegenheit auszeichnen. Es kursieren Gerüchte, er habe seinen vorherigen Posten in der Ukraine auch verlassen müssen, weil er seine Meinung öffentlich kundtat. Während der Ukraine-Krise 2014/2015 hatte er den westlichen Standpunkt verteidigt und etwa Russlands Präsidenten Wladimir Putin via Twitter kritisiert.
In seinem in Bern eröffneten neuen Blog admontemmyrrhae.blogspot.ch. äußerte sich Gullickson zuletzt etwa zu Gender-Fragen und über einen Relativismus, der die „Toleranz auf den Kopf stellt“. Im Oktober kam es via Twitter zu einem Streit mit dem früheren Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, der irritiert war, dass ein Nuntius über die sozialen Medien die Deutsche Bischofskonferenz als häretisch bezeichnete.
Gullickson betreibt auch eine Presseschau-Seite. Dort verweist er u.a. auf Texte, die die Wiedereinführung der vorkonziliaren Liturgie fordern oder in denen Mitglieder der lefebvrianischen Piusbruderschaft die Kirchenleitung angreifen.
Bereits kurz nach seiner Ankunft in der Schweiz hatte der Nuntius in verschiedenen Medien die dortige Kirche kritisiert, was zu geharnischten Leserbriefen führte.

Seitenstetten & Göttweig: Hochkarätige kirchliche Jugendkunst-Produktionen

In der Diözese St. Pölten gibt es heuer zwei große Jugendkulturproduktionen, bei denen die Proben und Vorbereitungen schon voll angelaufen sind: Das diözesane Seitenstettner Jugendhaus Schacherhof bietet im März das Musical „Jesus Christ Superstar“ an und das Jugendhaus Stift Göttweig führt im August „Nathan der Weise“ auf.

Bei einer Pressekonferenz in Seitenstetten stellte das Jugendhaus sein Projekt vor, insgesamt werden 70 Jugendliche aus Niederösterreich und Oberösterreich daran teilnehmen und dafür rund 5000 Stunden investieren. Aufführungstermine sind der 18. und 19. März um 19:30 Uhr sowie der 20. März um 16 Uhr – also eine Woche vor Ostern. Zu sehen ist das Stück in der Mostviertelhalle in Haag, wo eine technisch aufwändige Bühne aufgebaut wird. Insgesamt erwarten sich die Organisatoren dafür 2000 Zuschauer/innen, der Vorverkauf laufe bereits bestens, so Jugendhaus-Leiter Michael Burghofer. Das Stück „Jesus Christ Superstar“ sorgte in den 1970er-Jahren für großen Wirbel, es geht in dieser Rockoper um die sieben letzten Tage Jesu vor seiner Hinrichtung am Kreuz. In der Aufführung will der Schacherhof auch gesellschaftspolitische Themen wie Flüchtlingskrise, Krieg, Hunger oder Umweltzerstörung ansprechen. Das solle auch aufzeigen, dass „gesellschaftspolitische Themen für Jugendliche aktueller denn je sind“, so Burghofer. Jesus werde in dem Musical nach Schacherhof-Art also mit den Themen der Gegenwart konfrontiert.

Musical_Tanzteam
Musical-Tanztraining in Seitenstetten.
Foto: Wolfgang Zarl.

Eintrittskarten und Infos für „Jesus Christ Superstar“: www. schacherhof.at oder 07477/49049.
Auch die Vorbereitungen für ein zweites Jugendkunst-Projekt sind bereits voll angelaufen: nämlich das Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, das am 12., 13., 14. 15. August jeweils um 18:30 Uhr auf den Stiegen der berühmten Göttweiger Stiftskirche aufgeführt wird.