Inhalt der gedruckten Ausgabe 7/2016

Leitartikel

Begegnung in der Neuen Welt

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Information

In der Zentralafrikanischen Republik beendete Franziskus einen Krieg im Vorbeigehen, doch keiner hat es bemerkt

„Papst-Reisen sind teuer und bringen wenig? Falsch! In der Zentralafrikanischen Republik beendete Franziskus einen Krieg im Vorbeigehen. Doch keiner hat es bemerkt.“ Schreibt Julius Müller- Meiningen in Christ & Welt (05/2016) unter dem Titel „Friede all inclusive“.

Wien: PI veranstaltet Aktionstag
Studium der Kirche auf den Philippinen

Die Pfarrer-Initiative (PI) veranstaltet am 5. März in Wien, Mautner Markhof G. 50, von 9.30 bis 17.30 einen Aktionstag: „Pfarren mit Zukunft – statt XXL-Gemeinde“.

Historische Begegnung in Kuba: Papst  trifft Moskauer Patriarchen

Eine historisch erste Begegnung zwischen den Oberhäuptern der römisch-katholischen Kirche und der russischen Orthodoxie findet am 12. Februar in Kuba statt.

Papst gab der chinesischen Zeitung „Asia Times“ ein Interview

In seinem ersten Interview mit einer chinesischen Zeitung hat Papst Franziskus China als große Kulturnation gewürdigt.

Weißrussischer Radiosender übernimmt Programm von Radio Vatikan

Seit 1. Februar überträgt der Radiosender „Radio Racja“ täglich das weißrussische Programm von Radio Vatikan.

Zahl der Diözesen in Italien soll halbiert werden

Der Vatikan hat die italienische Kirche aufgefordert, die Anzahl ihrer Diözesen drastisch zu reduzieren.

Auto- und Fleischfasten

Die katholische und evangelische Kirche rufen zum elften Mal gemeinsam österreichweit zu einem „Autofasten“ während der Fastenzeit auf.

ORF-Stiftungsrat: Hauft-Ablöse sorgt für „Empörung“

Der langjährige Kirchenvertreter im ORF, der steirische Caritas-Direktor Franz Küberl, und Erika Kirchweger, die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung (kfb) der Diözese Linz, haben die Ablöse von Margit Hauft im ORF-Stiftungsrat scharf kritisiert.

Polens Kirchenspitze schweigt zu Verfassungskrise

Wenn es in Polens Parlament um künstliche Befruchtung oder um das Thema Gender geht, melden sich die Bischöfe des Landes schnell und deutlich zu Wort.

Orthodoxes Konzil: Gegen westlichen Anthropozentrismus
Keine Verurteilung Homosexueller, aber auch keine Segnung

In der Vorwoche sind zwei Entwürfe für das orthodoxe Konzil auf Kreta bekannt geworden – zu Familie und zu Ökologie.

Protest gegen neuen Gebetsbereich an der Klagemauer

Die Palästinensische Autonomiebehörde protestiert gegen die Einrichtung eines neuen Gebetsbereichs an der Jerusalemer Klagemauer.

Aufwind für Orthodoxie in Russland: In sieben Jahren 10.000 neue Priester

Die Zahl der Priester der russisch-orthodoxen Kirche ist unter Patriarch Kyrill I. stark gestiegen.

Kardinal Marx: Deutschland kann nicht „alle Notleidenden der Welt aufnehmen“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, spricht sich für eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen aus.

Spaemann: Christen nicht zwangsweise mit Muslimen unterbringen

Der katholische Philosoph Robert Spaemann hat sich entschieden gegen eine zwangsweise gemeinsame Unterbringung christlicher und muslimischer Flüchtlinge gewandt.

Landau: Asyl auf Zeit ist „Placebo“ und „Integrationshindernis“

Mit scharfen Worten hat Caritas-Präsident Michael Landau auf die jüngsten Verschärfungen in der Asylpolitik reagiert.

Kirchenkritik an britischer Erlaubnis zu Eingriffen in Keimbahn

Als verhängnisvoll wertet die katholische Kirche die britische Entscheidung, Eingriffe ins menschliche Erbgut zu erlauben.

Burgenland: Mehrheit in St. Andrä für Bau des orthodoxen Klosters

In der burgenländischen Gemeinde St. Andrä/Zicksee wurden die Bürger zum geplanten orthodoxen Kloster befragt. Am 1. Februar stand das Ergebnis fest: 433 Bewohner stimmten für das kirchliche Projekt, 398 votierten dagegen, sieben Stimmen waren ungültig. Knapp 65 Prozent der Bürger beteiligten sich an der Befragung.

Papst Franziskus entsendet 1.000 Missionare der Barmherzigkeit

Neun österreichische Priester werden am Aschermittwoch in Rom gemeinsam mit hunderten anderen Priestern aus aller Welt von Papst Franziskus als „Missionare der Barmherzigkeit“ ausgesendet werden. Dabei handelt es sich um eine besondere Initiative  des Papstes anlässlich des aktuellen „Jahres der Barmherzigkeit“.

Hunderttausende Teilnehmer bei „Family Day“-Protesten in Rom

Hunderttausende Teilnehmer zählte eine Großdemonstration am 30.Jänner in Rom zu der Familienorganisationen und christliche Gruppen aufgerufen hatten.

Vor 1.700 Jahren starb Bischof Blasius als Märtyrer

Tausende Menschen feierten am 3. Februar in Dubrovnik den 1.700. Todestag des Hl. Blasius. Der armenische Märtyrer wird in der kroatischen Hafenstadt seit 972 hochverehrt. Im Mittelalter soll er Dubrovnik vor einer Einnahme durch die Venezianer bewahrt haben, 1991-1996 vor der Besetzung durch serbisch-montenegrinische Streitkräfte.

Leitartikel

Begegnung in der Neuen Welt

Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe deutete alles noch darauf hin, dass Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch noch lange nicht zueinander finden werden. Dann der Paukenschlag.
Der Heilige Stuhl und das Moskauer Patriarchat betonen laut „Radio Vatikan“, die Begegnung in Kuba sei „schon seit langer Zeit vorbereitet worden“. Sie werde eine „wichtige Etappe in den Beziehungen zwischen beiden Kirchen darstellen“. Beide Seiten hofften, dass das Treffen auch „als Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens“ diene: „Sie laden alle Christen dazu ein, inständig darum zu beten, dass Gott diese Begegnung segnen möge, damit sie gute Früchte bringt.“
In den 1990er Jahren waren mehrere Bemühungen um ein solches Gipfeltreffen etwa in Wien oder im ungarischen Pannonhalma gescheitert. Im Pontifikat von Johannes Paul II. galt auch dessen polnische Herkunft als ein Hinderungsgrund für eine Begegnung der beiden Kirchenführer.
Franziskus hatte in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, zu einem Treffen mit Kyrill I. an jedem beliebigen Ort bereit zu sein.
Jetzt findet die Begegnung in Amerika statt.
Als der Kontinent von Kolumbus entdeckt wurde, waren Ost- und Westkirche schon vier Jahrhunderte lang getrennt.
Ob das Treffen in der lange so genannten Neuen Welt ein Tor öffnet in eine neue ökumenische Welt?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Dtn 26, 4-10

Glaubensbekenntnis des auserwählten Volkes

In jenen Tagen sprach Mose zum Volk: Wenn du die ersten Erträge von den Früchten des Landes darbringst, dann soll der Priester den Korb aus deiner Hand entgegennehmen und ihn vor den Altar des Herrn, deines Gottes, stellen. Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Der Herr führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, Herr. Wenn du den Korb vor den Herrn, deinen Gott, gestellt hast, sollst du dich vor dem Herrn, deinem Gott, niederwerfen.

 

Zweite Lesung:   Röm 10, 8-13

Bekenntnis der an Christus Glaubenden

Schwestern und Brüder!
Was sagt die Schrift? Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist der Herr“ und in deinem Herzen glaubst: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt“, so wirst du gerettet werden. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen. Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

 

Evangelium:   Lk 4, 1-13

Der Geist führte ihn in der Wüste umher, und dabei wurde er vom Teufel in Versuchung geführt

In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Das Bestimmende im Leben

Haben Sie sich auch schon einmal gedacht, dass es ganz praktisch wäre, wenn da jemand aus Steinen Brot machen könnte? Da gäbe es keine Hungersnot mehr und ein riesiges Problem der Menschheit wäre ausgeräumt. Aber ist es wirklich so einfach? Beim genauen Hinschauen fällt uns ja doch auf, dass es genug zu essen gibt auf unserem Globus, dass eher die Verteilung der Güter das Problem darstellt.
Die zweite Versuchung, in die Jesus geführt wird, ist die Versuchung zur Macht. Alles würde Ihm gehören, wenn er sich nur den teuflischen Mächten unterwürfe. Auch als großer Wundertäter vor den Leuten zu erscheinen, ist kein erstrebenswertes Ziel für Jesus. Nur Gott allein zu dienen ist sein Weg und diesem Weg unterstellt er sich voll und ganz, davon lässt er sich durch nichts abhalten.
Was haben diese Versuchungsgeschichten mit uns heute zu tun? Ich meine, dass es um die grundsätzliche Ausrichtung geht: Was ist das Bestimmende in unserem Leben? Wonach orientieren wir uns? Was treibt uns an? Sind materielle Dinge, Macht, das Verlangen nach An- und Aufsehen, das Prägende im Leben?
All das, so die Antwort Jesu, engt uns letztlich ein und bündelt unsere Interessen auf uns selbst. Jesus aber will uns die Augen öffnen, nicht um uns selbst zu sehen, sondern Gott, dem wir in unseren Mitmenschen begegnen. Wer sich für die anderen interessiert, wird Gottes Spuren in ihnen entdecken und mit einer ganz anderen Achtsamkeit den Mitmenschen gegenüber treten. Wer das versucht, wird erkennen, dass dadurch das eigene Leben reicher und lebenswerter wird.

 

Information

In der Zentralafrikanischen Republik beendete Franziskus einen Krieg im Vorbeigehen, doch keiner hat es bemerkt

„Papst-Reisen sind teuer und bringen wenig? Falsch! In der Zentralafrikanischen Republik beendete Franziskus einen Krieg im Vorbeigehen. Doch keiner hat es bemerkt.“ Schreibt Julius Müller- Meiningen in Christ & Welt (05/2016) unter dem Titel „Friede all inclusive“.

müller meiningen julius
Julius Müller-Meiningen.

Auch traditionell eher zurückhaltende internationale Beobachter wie Tim Glawion vom German Institute of Global and Area Studies sehen in der Papst-Visite einen Beitrag zum Frieden. Zwar markiere der Besuch keine generelle Wende zum Guten, sei aber ein »positiver Aspekt bei der langsamen Verbesserung der Lage«, sagt Glawion, schreibt Müller-Meiningen.
Papstbesuche stünden wie die Olympischen Spiele immer unter Verdacht, das jeweilige Gastland mehr zu kosten, als ihm zu nützen. „Der Besuch von Papst Franziskus in der Zentralafrikanischen Republik jedoch hatte eine unbestreitbare Folge: Der Waffenstillstand, der im Umfeld des Besuchs verabredet wurde, hält bis heute. Beobachter vor Ort berichten, dass die Lage in Bangui mittlerweile so sicher wie seit Jahren nicht mehr sei.“
Der päpstliche Nuntius vor Ort, Erzbischof Franco Coppola, gegenüber Radio Vatikan: „Auf seine Botschaft ist gehört worden, er hat immer wieder gesagt ‚Ihr seid alle Brüder und Schwestern’. Eine Gesellschaft, die sich über Jahre an die Spaltung gewöhnt hat, ist vom Papst zur Einheit aufgerufen worden. Und dank seines Besuches haben sie auch gesehen, wie sehr sie Brüder und Schwestern sind.“

Gemeinsam mit dem Imam
Der Papst habe mit seinen Besuchen dort bei protestantischen Christen und bei Muslimen viele Brücken geschlagen, so der Papstbotschafter. Vorher habe es eine große Angst gegeben, vor allem vor den Muslimen. Aber man habe gesehen, wie freudig der Imam den Papst begrüßt habe und wie der Papst ihn auf dem Papamobil mitgenommen habe; das seien kleine, aber wichtige Gesten gewesen. „Die Menschen haben das mit großem Applaus begleitet und voller Freude. Ich glaube, dass den Menschen dort klar geworden ist, dass in ihnen allen Angst vorm Anderen steckt. Und der Papst hat sie entdecken lassen, dass alle Geschwister sind und nichts anderes als den Frieden wollen.“
Papst Franziskus war am 29. und 30. November vergangenen Jahres in Bangui, der Hauptstadt des Landes, zu Gast – gegen den Rat westlicher Geheimdienste.

ORF-Stiftungsrat: Hauft-Ablöse sorgt für „Empörung“

Der langjährige Kirchenvertreter im ORF, der steirische Caritas-Direktor Franz Küberl, und Erika Kirchweger, die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung (kfb) der Diözese Linz, haben die Ablöse von Margit Hauft im ORF-Stiftungsrat scharf kritisiert.

Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) hatte am 2. Februar  in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ (OÖN) bestätigt, dass Hauft vor der Ablöse im Stiftungsrat steht, obwohl sie ihre Vertretungsaufgabe bisher „sehr gut“ erfüllt habe. Doch die Koalitionspartnerin FPÖ habe mitgeteilt, dass sie hier eine Veränderung wünsche, und das Regierungsübereinkommen sehe für die Entsendung in den ORF-Stiftungsrat Einvernehmlichkeit hinsichtlich der Person vor.

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Margit Hauft.

Hauft, vor Kirchweger kfb-Vorsitzende,  war seit 2001 Vertreterin Oberösterreichs im wichtigsten Entscheidungsgremium des ORF.

Polens Kirchenspitze schweigt zu Verfassungskrise

Wenn es in Polens Parlament um künstliche Befruchtung oder um das Thema Gender geht, melden sich die Bischöfe des Landes schnell und deutlich zu Wort.

Davon kann die rechtsliberale Ex-Ministerpräsidentin Ewa Kopacz ein Lied singen: Als sie im vergangenen Sommer ein Gesetz zur Regelung der sogenannten In-vitro-Fertilisation durchsetzte, bescheinigte ihr der Stettiner Erzbischof Andrzej Dziega, sie widerrufe damit selbst ihre „volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche“. Er riet Kopacz, auf den Empfang der Kommunion in Gottesdiensten zu verzichten, solange sie ihren Fehler nicht bereue.
Ganz anders verhält sich die Spitze der Polnischen Bischofskonferenz im heftigen Konflikt des Verfassungsgerichts mit der neuen nationalkonservativen Regierung, die seit November an der Macht ist. Sie vermeidet jeden Kommentar. Und das, obwohl sich der Streit längst zu einer Verfassungskrise zugespitzt hat und das Land spaltet. In den vergangenen beiden Monaten gingen mehrere zehntausend Menschen auf die Straße, um gegen die Entmachtung des obersten Gerichts zu protestieren.
15 ehemalige Staats- und Parlamentspräsidenten sowie Regierungschefs riefen dazu auf, die Unabhängigkeit und Autorität des Verfassungsgerichts zu verteidigen. Widerstand kommt auch von zahlreichen angesehenen Juristen. Die EU-Kommission leitete inzwischen ein Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in dem Mitgliedsstaat ein. Sie will prüfen, ob durch die von Warschau beschlossene Reform des Gerichts die Rechtsstaatlichkeit gefährdet ist und die Regierung Polens offiziell zu Änderungen aufgefordert werden muss.

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Ministerpräsidentin Beata Szydlo.

Förderung für „Radio Maryja“
Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo will die mit dem religiösen Sender „Radio Maryja“ verbundene private „Hochschule für gesellschaftliche und mediale Kultur“ in Thorn (Torun) mit 4,5 Millionen Euro fördern. Anfang Dezember hatte sich der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski bei „Radio Maryja“ für die Unterstützung vor der Wahl bedankt.

Vor 1.700 Jahren starb Bischof Blasius als Märtyrer

Tausende Menschen feierten am 3. Februar in Dubrovnik den 1.700. Todestag des Hl. Blasius. Der armenische Märtyrer wird in der kroatischen Hafenstadt seit 972 hochverehrt. Im Mittelalter soll er Dubrovnik vor einer Einnahme durch die Venezianer bewahrt haben, 1991-1996 vor der Besetzung durch serbisch-montenegrinische Streitkräfte.

Den Festgottesdienst zelebrierte Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo, mit dem Apostolischen Nuntius und 25 Bischöfen aus Kroatien, Albanien, Slowenien, Serbien, Italien, Österreich, Norwegen und den USA. Erzbischof Blase Joseph Cupich von Chicago, Nachfahre kroatischer Einwanderer, ehrte mit der Teilnahme auch seinen eigenen Namenspatron.

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In der Nacht beleuchtet: die Kirche des Hl. Blasius in Dubrovnik.

An der Spitze der Politiker stand Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic.
Aus Österreich kamen Bischof Egon Kapellari sowie zwei vom Kroatischen Kulturverein des Burgenlands und von der Pfarre Paudorf-Göttweig entsandte Gruppen.
Insgesamt pilgerten 149 Delegationen mit ihren Fahnen nach Dubrovnik.

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Der neu renovierte Hochaltar mit der vergoldeten Statue des Hl. Blasius.

Arzt und Märtyrer
Blasius war armenischer Arzt, dann Bischof in Sebaste, heute Sivas (Türkei) und starb 316 unter Kaiser Licinius als Märtyrer. Er wird weltweit verehrt, besonders jedoch in Dubrovnik mit einer jährlichen Festwoche.

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Der Bischof von Dubrovnik mit der Kopfreliquie des Stadtpatrons bei der Festprozession.

1915 lebten in Sivas 45.000 Einwohner, fast zur Gänze Christen, ein Drittel davon Armenier. Heute zählt Sivas 350.000 Einwohner, Christen gibt es dort praktisch keine mehr.

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Kardinal Vinko Puljic beim Taubenritual am Vorabend des Festes.

In Österreich finden sich mehrere alte Kultstätten. Der Salzburger Erzbischof Gebhard weihte 1074 die Mönchskirche des Stiftes Admont dem Hl. Blasius, der Passauer Bischof Altmann weihte ihm 1083 die Nonnenkirche des Stiftes Göttweig (St. Blasien in Klein-Wien). Die Blasius-Kirche von Völs in Tirol wird 1286 erstmals urkundlich erwähnt.

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Vertreter Österreichs: Bischof Egon Kapellari (rechts).

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Tausende warteten auf die Erteilung des Blasius-Segens in der Blasius-Kirche.