Inhalt der gedruckten Ausgabe 6/2016

Leitartikel

Keine Wahl

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Information

Papst reist zu Reformationsgedenken nach Schweden
Erstmals gibt es eine ökumenisch entwickelte Liturgie
Franziskus  bittet Christen anderer Konfessionen um Vergebung

Papst Franziskus wird gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes die ökumenische Gedenkveranstaltung zum 500. Jahrestag der Reformation im schwedischen Lund leiten. Wie der Vatikan und der Lutherische Weltbund (LWB) am 25. Jänner in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, findet die Zeremonie am 31. Oktober dieses Jahres statt.

Patriarchen beschließen orthodoxes Konzil von Kreta

Das lange vorbereitete Konzil der orthodoxen Kirchen soll vom 16. bis 27. Juni auf Kreta stattfinden. Das beschlossen die Oberhäupter der 14 orthodoxen Kirchen bei ihrer einwöchigen Versammlung (Synaxis) in Chambesy bei Genf, die am Donnerstag zu Ende ging.

Zurückgetretener US-Erzbischof beendet Job als Pfarrseelsorger

Der US-amerikanische Erzbischof John Nienstedt (68) hat seinen Dienst als Aushilfsgeistlicher in einer Kleinstadt vorzeitig beendet.

225 Jahre Hochschule St. Pölten
Scheuer:  Theologen müssen heute  „Vor-Denker“ sein

Die Aufgabe von Theologen, aber auch von Priestern und Seelsorgern besteht heute mehr denn je darin, nicht nur „auskunftsfähig“ in Fragen des Glaubens zu sein, sondern auch aufrichtige Dialogpartner im Ringen um Fragen des Gemeinwohls und des Zusammenlebens zu sein.

Zornige Milchbauern beim Papst

Über einhundert Milchproduzenten aus ganz Europa haben am 27. Jänner an der Generalaudienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teilgenommen, um auf Missstände in der Milchwirtschaft aufmerksam zu machen.

Zwei Katholiken, ein Evangelischer und zwei Politiker ohne Bekenntnis bewerben sich um das Amt des Bundespräsidenten

In wenigen Wochen küren die Österreicher einen Nachfolger für Bundespräsident Heinz Fischer. Wie aber halten es seine möglichen Nachfolger mit der Religion?

Zulehner zu Asylthema: In Bibel 366 Mal „Fürchtet euch nicht!“

Gegen die derzeit beim Flüchtlingsthema vorherrschenden „diffusen Ängste“ hilft nach der Überzeugung des Wiener Theologen und Werteforschers Paul Zulehner nur eine „standfeste und einsichtige Politik, die nicht nur an den Symptomen arbeitet, sondern vorrangig die Ursachen bekämpft“.

Papst empfing Klasnic-Kommission

Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz am 27. Jänner alle Mitglieder der Unabhängigen Opferschutzkommission in Österreich empfangen.

Die Aramäer werden bei den Syrien-Gespräch vergessen

Bei zwei Anschlägen in einem christlichen Wohnviertel in der nordostsyrischen Stadt Qamischli an der Grenze zur Türkei sind am Sonntag, 24. Jänner,  offenbar zwei Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden.

Pinz: Religionsunterricht fördert Zusammenhalt in Gesellschaft

Der konfessionelle Religionsunterricht ist für ein gelingendes Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Davon zeigt sich die neue Leiterin des Wiener Schulamtes, Andrea Pinz, überzeugt.

Alois Glück: Afrikapolitik für EU-Zukunft wichtig

Der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und CSU-Spitzenpolitiker Alois Glück hat zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms mehr außenpolitische Anstrengungen gefordert, die auch Afrika einschließen müssen.

Tag der Straßenkinder: Kinderflüchtlinge brauchen besseren Schutz

Zum kirchlichen „Tag der Straßenkinder“ (31. Jänner) hat die Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ (J1W) in Wien konkrete Schutzmaßnahmen der EU für jugendliche Flüchtlinge gefordert.

Frauen an Österreichs theologischen Fakultäten auf dem Vormarsch

Von einer „einzigartigen Frauen-Power an der Theologischen Fakultät“ hat die Universität Salzburg in einer Aussendung in dieser Woche berichtet.

Erstmals Priesterweihen in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Aus den vielen Familien christlicher Arbeitsmigranten in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es jetzt auch Berufungen zum katholische Priesteramt.

St. Pölten:  1. diözesanes Tischtennisturnier

Am 28. Februar findet in der NMS Mautern das erste Tischtennisturnier der Diözese St. Pölten statt. Weihbischof Anton Leichtfried übte dafür schon mit Kremser Jugendlichen. Veranstalter sind die Diözesansportgemeinschaft und die Pfarre Mautern.

Leitartikel

Keine Wahl

Die Wahl des evangelischen Superintendenten für Niederösterreich erbrachte in der vergangenen Woche kein Ergebnis: Die letzte Abstimmung endete mit einem Patt. Einer Zweidrittelmehrheit hätte es bedurft.
Kandidaten waren der Kärntner Pfarrer Martin Müller (Waiern) und die Rektorin des Diakoniewerks in Gallneukirchen, Pfarrerin Christa Schrauf. Warum eigentlich kein(e) Pfarrer(in) aus Niederösterreich? Vortreffliche gäbe es genug.
Eine evangelische Insiderin erklärte das sinngemäß so: Man hole wen von auswärts, der über den Dingen stehe. Die Einheimischen seien zu sehr in das Bisherige involviert.
Das Argument ist ein Trost für uns Katholische. Der Vatikan denkt bekanntlich ähnlich und beruft häufig diözesanfremde Personen in Bischofsämter. Eine ökumenische Annäherung also? Na ja.
Nun liegt es erneut an den evangelischen Pfarrgemeinden, Kandidatinnen und Kandidaten für das Haus „St. Pölten, Julius Raab-Promenade 18“ zu nominieren.
Wenn Bischof Klaus Küng demnächst seine Pension antritt, müssen sich Katholiken nicht den Kopf zermartern, wer statt seiner in das Haus „St Pölten, Domplatz 1“ einziehen soll. Sie dürfen nicht nominieren und wählen schon gar nicht. Für sie denken andere, die meinen, dem Himmel näher zu sein, bisweilen jedoch auch schon Fegefeuer-Ähnliches produziert haben.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 6, 1-2a.3-8

Hier bin ich, sende mich

Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf, und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!

 

Zweite Lesung:   1 Kor 15, 1-11

Das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt

Ich erinnere euch, Schwestern und Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

 

Evangelium:   Lk 5, 1-11

Sie ließen alles zurück und folgten ihm nach

In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Genesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag. Franz (Samy) Schrittwieser
Diakon
Wels, OÖ

Selbst Hand anlegen!

Das neue Jahr ist schon wieder einen Monat alt. Die ersten Vorsätze für dieses Jahr sind ad acta gelegt. Nur allzu leicht verfallen wir ins Jammern, über all das, was so rund um uns geschieht. Die Welt ist schlecht, fast täglich Attentatsmeldungen, Terroristen scheinen überall zu lauern, Flüchtlinge kommen in großer Zahl und die Politiker sind sowieso an allem schuld. Da müsste doch etwas getan werden! Warum macht die Regierung nichts? Warum greifen sie nicht endlich durch in Brüssel? Warum schreitet die Polizei nicht ein? Warum tun die in den großen Konzernen nichts?
Einen ganz anderen Weg zeigen uns die Lesungen dieses Sonntags auf.
Da stellt sich einer hin (er bezeichnet sich selbst als einen mit unreinen Lippen) und spricht sein: „Hier bin ich, sende mich!“ Und auch Paulus (der sich selbst als Missgeburt bezeichnet) lässt sich von Gott ganz in den Dienst nehmen. Er bringt den Menschen die Frohe Botschaft und lässt sie spüren, dass Gott sich der Menschen annimmt, dass sie Gottes Kinder sind.
Und beide warten nicht darauf, dass andere in der Welt etwas ändern, sondern wissen, dass nur sie selbst etwas zum Besseren bewirken können. Nämlich dann, wenn sie aufhören zu jammern, dass Gott nichts tut angesichts des Elends in der Welt, und wenn sie selbst sich für die Frohe Botschaft einspannen lassen.
Haben Sie Vertrauen, dass diese Welt besser werden kann und legen Sie Hand an, wo immer sie stehen, ganz nach Ihren Fähigkeiten! Der Erfolg wird viel größer sein, als Sie das erwarten – so berichtet uns der Evangelist Lukas in seinem heutigen Evangelium.

 

Information

Papst reist zu Reformationsgedenken nach Schweden
Erstmals gibt es eine ökumenisch entwickelte Liturgie
Franziskus  bittet Christen anderer Konfessionen um Vergebung

Papst Franziskus wird gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes die ökumenische Gedenkveranstaltung zum 500. Jahrestag der Reformation im schwedischen Lund leiten. Wie der Vatikan und der Lutherische Weltbund (LWB) am 25. Jänner in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, findet die Zeremonie am 31. Oktober dieses Jahres statt.

Auffallend zurückhaltend hat die Evangelische Kirche im deutschsprachigen Raum auf diese Ankündigung reagiert. Keine Pressemitteilung, keine Reaktion, auch der in den sozialen Netzwerken stets umtriebige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ignorierte das Vorhaben. Erst drei Tage nach Bekanntwerden der päpstlichen Reisepläne sagte Bedford-Strohm im Münchner Presseclub auf Anfrage, die EKD freue sich sehr darüber. „Wir werden in Wittenberg mit großer Begeisterung nach Lund winken“, fügte er hinzu. Eine Einladung an Franziskus, 2017 nach Deutschland zu kommen, sei von der EKD nie ausgesprochen worden.
Mit dem 31. Oktober 2016 beginnen zahlreiche evangelische Landeskirchen in Europa, Amerika, Asien und Afrika das Jahr des Reformationsjubiläums („Luther2017″).

Reformationsgedenken mit  ökumenisch entwickelter Liturgie
Zum Reformationsgedenken 2017 bzw. im Festjahr „Luther 2017″ laden der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen zu ökumenischen Gottesdiensten von Lutheranern und Katholiken ein. LWB-Generalsekretär Martin Junge und Kurienkardinal Kurt Koch regten in einem gemeinsamen Schreiben an die lutherischen Kirchen und katholischen Bischofskonferenzen weltweit dazu an, dafür eine von beiden Seiten erarbeitete Gebetsordnung („Common Prayer“) zu verwenden, wie der LWB in Genf mitteilte.

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LWB-Generalsekretär Martin Junge.

Bei der Vorlage handelt es sich den Angaben zufolge um die erste gemeinsam entwickelte Liturgie der Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit. Grundlage ist das 2013 von der Kommission vorgelegte Studiendokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017″.
Das „Common Prayer“ markiert nach den Worten von Junge und Koch „einen besonderen Moment auf unserer gemeinsamen Reise vom Konflikt zur Gemeinschaft“. Sie laden die nationalen Kirchen ein, an dieser „Reise“ teilzunehmen und Gottes Gnade in der Welt zu bezeugen.

„Eine offene Wunde“
Papst Franziskus hat um Vergebung für das Unrecht gebeten, das Katholiken Angehörigen anderer christlicher Konfessionen zugefügt haben. „Wir können das, was passiert ist, nicht ausradieren, aber wir wollen nicht zulassen, dass die Last der vergangenen Schuld weiter dazu beiträgt, unsere Beziehung untereinander zu vergiften“, sagte der Papst am 25. Jänner bei einem ökumenischen Abendgebet in Rom. Er bat zugleich um Vergebung für die „Sünde der Kirchenspaltungen“. Sie seien „eine offene Wunde am Körper Christi“.
Wörtlich erklärte Franziskus in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern: „Als Bischof von Rom und als Hirte der Katholischen Kirche bitte ich um Barmherzigkeit und Vergebung für das nicht evangeliumsgemäße Verhalten von Katholiken gegenüber anderen Christen“.

Zwei Katholiken, ein Evangelischer und zwei Politiker ohne Bekenntnis bewerben sich um das Amt des Bundespräsidenten

In wenigen Wochen küren die Österreicher einen Nachfolger für Bundespräsident Heinz Fischer. Wie aber halten es seine möglichen Nachfolger mit der Religion?

Irmgard Griss und Andreas Khol sind Katholiken, Norbert Hofer ist aus der katholischen Kirche ausgetreten und nun evangelisch, Rudolf Hundstorfer und  Alexander van der Bellen gehören keiner Religionsgemeinschaft an.

Khol: „Glaube gibt Wegleitung“
Prononciertester Katholik unter den Kandidaten für das höchste Amt im Staat ist der frühere Nationalratspräsident Andreas Khol. „Der Glaube hilft bei der persönlichen Lebensgestaltung, weil man weiß, was gut und was böse ist. Er gibt einem eine Wegleitung“, schilderte der 74-jährige ÖVP-Politiker und Verfassungsjurist, in einem „Kurier“-Interview „.

Andreas Khol
Andreas Khol.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

In den 80er Jahren sah man in Khol einen der konservativen Wegbereiter der Wende von Kardinal König zu den Bischöfen Groer, Krenn und Eder. Doch er wandelte sich. 1995 war er Mitunterzeichner des Kirchenvolksbegehrens.
2009 präsentierte er gemeinsam mit den früheren ÖVP-Politikern Erhard Busek und Herbert Kohlmaier die „Laieninitiative“, die sich für Reformvorschläge wie die Freistellung des verpflichtenden Zölibats ausspricht.
2004 war Khol einer der Verfechter des damals diskutierten Gottesbezuges in der Verfassung.

Griss: Glaube Privatsache
Als „praktizierende Katholikin“ bezeichnet sich Irmgard Griss. Die 69-jährige ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs betont dabei stets auch die Notwendigkeit einer Trennung von Kirche und Staat.

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Irmgard Griss.

„Ich bin katholisch, aber für mich ist Religion Privatsache“, strich sie etwa im vergangenen November nach der Bekanntgabe ihrer Präsidentschaftskandidatur bei einer NEOS-Fragestunde  als wesentlich für eine pluralistische Gesellschaft hervor.
Der Ehemann der gebürtigen Steirerin ist Protestant. Man besuche abwechselnd katholische und protestantische Gottesdienste erzählte Griss 2014 der „Kleinen Zeitung“.

Hofer: Religion „wichtiger Teil des Lebens“
FPÖ-Kandidat Norbert Hofer stürzte 2003 beim Paragleiten ab und zog sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu. Eine Erfahrung, die ihn auch religiös gemacht habe, vertraute der verheiratete Vater von vier Kindern 2011 der „Presse“ an. Der 44-Jährige ist Dritter Nationalratspräsident und seit Jahren FPÖ-Vizebundesparteiobmann.

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Norbert Hofer.
Foto: Parlament

2009 verkündete Hofer per Presseaussendung, dass er aus der katholischen Kirche ausgetreten sei.
Hintergrund war die Debatte um die Verwendung christlicher Symbole und Begriffe im FPÖ-Wahlkampf. Infolge einer Erklärung zahlreicher prominenter Katholiken, die die „klare Abgrenzung zur FPÖ“ zu einer „Bekenntnisfrage“ für Christen erklärten, ortete Hofer eine „linkskatholische Hexenjagd“. Er könne mit weiten Teilen der Amtskirche nichts anfangen, so Hofer damals. „Ich bleibe den Lehren Jesu, dem Frieden, der Freiheit und der Nächstenliebe verbunden. Ich bleibe Christ“, meinte er gleichzeitig.
Mittlerweile ist Hofer evangelisch, wie das Büro des FPÖ-Politikers nach dessen Präsentation als Präsidentschaftskandidat am 28. Jänner auf Anfrage von Kathpress mitteilte. Religion sei „ein ganz wichtiger Teil seines Lebens“.

Agnostiker Van der Bellen
Alexander van der Bellen ist Agnostiker. „Es ist müßig, über etwas zu sprechen, was man nicht weiß“, antwortete der ehemalige Bundessprecher der Grünen vor einigen Jahren in einem Zeitungsinterview auf die Frage, ob er an Gott glaube.

Alexander van der Bellen. Wien, 11.10.2005 © Franz Josef Rupprecht; A-7123 Mönchhof; Bank: Raiffeisenbank Mönchhof (BLZ: 33054), Konto.-Nr.: 17.608
Alexander van der Bellen.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Er lehne es ab, politische Fragen mit religiösen Fragen zu unterfüttern, meinte er etwa 2010 bei einem öffentlichen Gesprächsabend mit Kardinal Christoph Schönborn in Wien: „Ich glaube das geht schief, sowohl für die Politik als auch für die jeweiligen Kirchen.“
Keiner Religionsgemeinschaft angehörend, befürwortete der 71-Jährige in seiner politischen Laufbahn aber immer wieder Positionierungen der Kirchen beim Umweltschutz oder Themen der Gerechtigkeit.

Hundstorfer nicht getauft
Kaum öffentliche Aussagen zur Religion sind auch vom SPÖ-Kandidaten Rudolf Hundstorfer bekannt.
Der 64-jährige langjährige Gewerkschaftsfunktionär und bisherige Sozialminister ist nicht getauft und gehört keiner Religionsgemeinschaft an, wie er 2015 der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ sagte. „Ich bemühe mich aber, mit den Religionsgemeinschaften in einem sehr tiefen Dialog zu stehen“, betonte der gebürtige Wiener.

Rudolf Hundstorfer
Rudolf Hundstorfer.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Tatsächlich beschrieben kirchliche Vertreter das Verhältnis zu Hundstorfer in den vergangenen Jahren als von großer Wertschätzung geprägt. Schnittpunkte mit den Glaubensgemeinschaften ergaben sich naturgemäß in dem vom Hundstorfer geführten Sozialressort mit den karitativen Einrichtungen, aber auch beim gemeinsamen Einsatz für den freien Sonntag.
Ob er ein Verwandter des Kremsmünsterer Abtes Leonhard Hundstorfer (1524-1526) ist, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ein Verwandter des Göttweiger Abtes Rudolf Gusenbauer (1874-1876) ist.

Zulehner zu Asylthema: In Bibel 366 Mal „Fürchtet euch nicht!“

Gegen die derzeit beim Flüchtlingsthema vorherrschenden „diffusen Ängste“ hilft nach der Überzeugung des Wiener Theologen und Werteforschers Paul Zulehner nur eine „standfeste und einsichtige Politik, die nicht nur an den Symptomen arbeitet, sondern vorrangig die Ursachen bekämpft“.

Eine Obergrenze für Asylwerber sei bestenfalls die „letzte mögliche Notmaßnahme“, denen zuvor eine Reihe anderer Maßnahmen vorausgehen müssen. Und: Es brauche den Aufbau von Vertrauen als „Gegengewicht“ gegen Angst: Statt „Emotionalisierung und Hysterie“ seien „Rundumbildung der Bevölkerung“ sowie Begegnungen angesagt. „Das Gesicht eines syrischen Kindes heilt mehr Angst als gutes Zureden“, so Zulehner in seinem Blog. Nicht umsonst stehe in der Bibel 366 Mal „Fürchtet euch nicht!“ – für jeden Tag einmal.

Paul M. Zulehner
Professor Paul Zulehner.

Wie der emeritierte Pastoraltheologe schrieb (https://zulehner.wordpress.com), wolle er zum derzeitigen Streitthema Obergrenze „Differenzierungen über den Graben zwischen den Meinungslagern hinweg“ einbringen. Es gebe hier eine aus der Ethik-Diskussion bekannte „Spannung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik“. Grundsätzlich gelte: „Es gibt beim Ideal der Nächstenliebe und auch bei der Menschlichkeit kein Limit. Und Nächstenliebe von der „Fernstenliebe“ zu trennen „würde aus ihr eine Art Rudelegoismus machen“, warnte Zulehner.
Zugleich sei klar, dass Österreich nicht alle Kriegs- und armutsbedingten „Hoffnungsflüchtlinge“ aus den Krisenregionen der Welt aufnehmen könne. Grenzen würden gesetzt durch Wirtschaftskraft, verfügbare Wohnungen, Arbeitsmarkt und „(leider) aber auch durch Ängste in der Bevölkerung“.

OÖ: Caritas gegen Mindestsicherung-Kürzung
Scharfe Kritik übt die Caritas der Diözese Linz an den Plänen der in Oberösterreich regierenden ÖVP-FPÖ-Koalition zur Kürzung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte. Die Maßnahme würde tausende Menschen in Oberösterreich in die Armut stürzen.

Helmut Kukacka
AKV-Präsident Helmut Kukacka.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Katholische Verbände: Grenzen  vertretbar
Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände (AKV) hält eine „offene Diskussion über Höchstgrenzen bei der Aufnahme von Asylwerbern für sachlich gerechtfertigt und ethisch vertretbar“. Das hat AKV-Präsident Helmut Kukacka in einer Presseaussendung zur aktuellen Flüchtlingsdebatte betont. Damit vertritt die AKV als zweite große Säule des katholischen Laienapostolats eine andere Position als die Katholische Aktion Österreich. Deren Präsidentin Gerda Schaffelhofer hatte die neue Linie der Bundesregierung mit einer „Obergrenze“ bzw. „Richtwert“ für die Aufnahme von Flüchtlingen als „klägliches Versagen“ kritisiert.

Gerda Schaffelhofer
KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer.

Frauen an Österreichs theologischen Fakultäten auf dem Vormarsch

Von einer „einzigartigen Frauen-Power an der Theologischen Fakultät“ hat die Universität Salzburg in einer Aussendung in dieser Woche berichtet.

walser angelikaAngelika Walser. de troyer kristinKristin De Troyer. koch anneAnne Koch

Mit Angelika Walser, Kristin De Troyer und Anne Koch folgten drei Theologieprofessorinnen auf männliche Vorgänger und sorgten seit dem Wintersemester 2015/16 für einen „frischen weiblichen Wind“.
Dass Frauen in der theologischen Forschung und Lehre immer mehr an Boden gewinnen, sehen die Betroffenen sowie der ebenfalls neu amtierende Dekan Dietmar Winkler als ein „starkes Zeichen, dass nun auch in der Theologie ein Stück gesellschaftlicher Normalität eintritt“.
Laut Auskunft des Dekanates sind in Salzburg somit neun Professoren und vier Professorinnen tätig; unter den fünf außerordentlichen (ao.) Professoren (bzw. Dozenten) findet sich eine Frau, bei den Assistenzprofessuren beträgt der Anteil ein Drittel (zwei von sechs).
Wie eine Umfrage von „Kathpress“  an allen österreichischen theologischen Fakultäten ergab, sind lehrende und forschende Frauen überall auf dem Vormarsch, eher jedoch im akademischen Mittelbau als in der Funktion von Ordinaria oder Institutsvorständen.

Salzburg und Wien sind Vorreiter
Laut der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sind vier der 14 Professuren weiblich besetzt, dazu kommt eine Frau als Associate Professor und vier von 15 ao. Professorenposten. Zur Jahrtausendwende war lediglich eine von zwölf Professuren sowie eine von fünf ao. Professuren in weiblicher Hand.
Auch die (einzige österreichische) Evangelisch-Theologische Fakultät an der Universität Wien übermittelte entsprechende Daten: Von neun Professuren sind derzeit zwei weiblich besetzt, ausgewogen ist das Geschlechterverhältnis mit 1:1 bei den ao. Professuren. 2000 gab es insgesamt zehn Professuren, eine davon weiblich besetzt.