Inhalt der gedruckten Ausgabe 52/2015

Leitartikel

Die UNO und der Vatikan

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margit Hauft
Erwachsenenbildnerin
Wels

Information

Protest gegen Bischöfe: Immer mehr französische Katholiken wählen FN
Le Pen-Enkelin fordert junge Christen zu politischem Engagement auf

Zweieinhalbmal so viele praktizierende Katholiken haben im ersten Durchgang der zweiteiligen Regionalwahlen für den rechtspopulistischen Front National gestimmt als noch bei den Departementswahlen im vergangenen März. Und die nicht praktizierenden, sprich die nur auf dem Papier Katholischen, sind gar die Triebfeder, die den Front landesweit als Sieger aus der Wahlrunde am 6. Dezember hervorgehen ließ.

Mindestens 17 Berliner Gotteshäuser wurden seit 1995 umgewidmet

Die beiden großen Kirchen in Berlin haben in den vergangenen 20 Jahren mindestens 17 Gotteshäuser umgewidmet.

Taize-Treffen in Valencia im Zeichen des Weltfriedens

Zehntausende Jugendliche aus ganz Europa werden von 28. Dezember 2015 bis 1. Jänner 2016 zum traditionellen europäischen Taize-Jugendtreffen in Valencia erwartet.

Katholisches Handbuch zu Menschenrechten für Arme

Die Kirche will armen und diskriminierten Bevölkerungsgruppen weltweit bei der Einforderung ihrer Rechte helfen.

Gambia erklärt sich zur Islamischen Republik

Gambias Präsident Yahya Jammeh hat sein Land zur Islamischen Republik erklärt.

Anglikaner schließen Geistlichen wegen „Homo-Ehe“ vom Amt aus

Ein homosexueller anglikanischer Geistlicher darf nach seiner Hochzeit mit seinem Partner sein Amt nicht länger ausüben.

„Medien-Prälat“ Josef Eichinger mit 88 Jahren verstorben

Das katholische Medienwesen in der Diözese St. Pölten und in ganz Österreich trauert um „Medien-Prälat“ Josef Eichinger, der am 16. Dezember, wenige Wochen nach seinem 88. Geburtstag, nach schwerer Krankheit im Krankenhaus Hietzing in Wien verstarb.

Koptenpapst Tawadros empfing libanesischen Patriarchen Rai

Der koptische Papst Patriarch Tawadros II. hat am dritten Adventsonntag den libanesischen Kardinal-Patriarch Bechara Boutros Rai empfangen, der einen viertägigen Besuch in Ägypten absolviert hat. Rai kehrte am Sonntagabend wieder nach Beirut zurück, wo er in der politischen Krise seines Heimatlandes weiter vermitteln muss.

Italiens Kirchen initiieren humanitären Korridor nach Europa

Asylsuchende, die über den Libanon, über Äthiopien oder über Marokko nach Europa wollen, brauchen künftig nicht unbedingt mehr ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Flüchtlinge beziehen erstmals Kirchen

In die katholische Kirche Sankt Benedikt in Bremen zogen am 17. Dezember die ersten Flüchtlinge ein.

Flüchtlingshilfe: Britischer Plan benachteiligt Christen

Prinz Charles und der Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, haben sich besorgt über die Situation von Christen im Nahen Osten geäußert.

Asylwerber-Herberge der Caritas im Stift Melk

Die Caritas der Diözese St. Pölten präsentierte gemeinsam mit dem Stift Melk die neue Asylwerber-Herberge für 30 Flüchtlinge am Gelände der Sportanlage des Stiftes.

Kirchenhistoriker Wolf: Papst sollte konkreter sagen, was er will

Der in Münster lehrende deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf begrüßt den Reformkurs von Papst Franziskus, fordert aber konkrete Festlegungen. Franziskus deute vieles an, definiere aber nicht genau, was er will, sagte der katholische Priester in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA.

Irak: Gouverneur von Kirkuk erklärt 24. Dezember zum Feiertag

Völlig unterschiedliche Signale im Hinblick auf die Situation der Christen kommen aus dem Irak.

US-Präsident Obama führt keine muslimischen Feiertage ein

US-Präsident Barack Obama wird die beiden muslimischen Feiertage Eid al-Adha und Eid al-Fitr nicht offiziell zu freien Tagen für Bundesbedienstete erklären.

Ungarns Benediktiner auf Konfrontation mit Vatikan-Kongregation

Der innerkatholische Konflikt um die ungarische Benediktinerkommunität in der slowakischen Stadt Komarno geht weiter.

Weihbischof Helmut Krätzl gegen ein neues Konzil

Weihbischof Dr. Helmut Krätzl erläuterte bei einem Vortrag am 9. Dezember in St. Pölten, was von den beschlossenen Dokumenten und vom Geist des Konzils in den letzten 50 Jahren verwirklicht wurde und was noch immer schmerzlich vermisst wird.

Deutschland: Kein evangelisches Schisma  zu Homosexualität

Der oberste Repräsentant der Evangelikalen und Pietisten im deutschen Protestantismus, Michael Diener (Foto), hat keine Probleme bei der Akzeptanz homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer.

Mechaniker, Schauspieler, Priester, Dissident und Bischof von Budweis

Der frühere Bischof von Ceske Budejovice (Budweis), Jiri Padour, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene durfte unter dem kommunistischen Regime neun Jahre seinen Priesterberuf nicht ausüben.

Größte russisch-orthodoxe Kirche Zentralasiens geweiht

In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek wurde das bisher größte russisch-orthodoxe Gotteshaus Zentralasiens geweiht.

Stift Klosterneuburg: Propst auf Lebenszeit

Abtprimas Bernhard Backovsky (72) ist am 14. Dezember von seinen Mitbrüdern als Propst von Stift Klosterneuburg wiedergewählt worden. Die Wahl war durch den Ablauf der zehnjährigen Amtszeit des Propstes notwendig geworden. Nach nun bereits zwei Mal zehn Jahren als Probst wurde Backovsky dieses Mal auf Lebenszeit gewählt.

Zwölfjährige besiegt Krebs nach Papstbesuch

Eine zwölf Jahre alte Patientin aus den USA hat ein Jahr nach einem Treffen mit dem Papst ihre Krebserkrankung überstanden. Die New Yorkerin Gracie West sei heute „krebsfrei“, berichtete der US-Sender CBS.

Leitartikel

Die UNO und der Vatikan

An der römischen Kurie gibt es vieles auszusetzen. Niemand weiß das besser als der aktuelle Pontifex. Doch Papst Franziskus zeigt mit seinen scharfen Rügen leider nur allzu oft, dass er mehr Idealist denn Realist ist. Wie in Österreich jeder Beamtenapparat einen Minister über die Klinge springen lassen kann, so bleibt auch ein Heiliger Vater ein einsamer Wolf, dem ohne Rudel wenig Beute gelingt.
Jetzt aber kommt Kurienkritik von höchst seltsamer Seite.
Die Vereinten Nationen haben den Vatikan zu mehr ethnischer Diversität in der Führungsebene ermahnt. Ungeachtet der jüngsten Kardinalsernennungen von Papst Franziskus seien ethnische Minderheiten in Leitungs- und Entscheidungsorganen der Kirche noch immer unterrepräsentiert, heißt es in einem  vor Weihnachten  in Genf veröffentlichten Prüfbericht eines UN-Komitees.
Das erstaunt. Denn gerade die UNO gibt ein schlechtes Beispiel ab.
Im bedeutendsten UN-Gremium, dem Sicherheitsrat, dominieren fünf Staaten, die mit ihren Vetos alles verhindern können: die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien. Ganze Kontinente und führende Religionsgemeinschaften sind dort nicht vertreten. Afrika, Lateinamerika und Australien haben keine entscheidende Stimme, auch die „Minderheiten“ der 1,6 Milliarden Muslime und 900 Millionen Hindus fühlen sich nicht vertreten.
Das Sprichwort ist ein Wahrwort: „Es ist einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als vor der eigenen Türe zu kehren.“

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Sam 1, 20-22.24-28

Er soll für sein Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein

Hanna wurde schwanger. Als die Zeit abgelaufen war, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel, denn sie sagte: Ich habe ihn vom Herrn erbeten. Als dann Elkana mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog, um dem Herrn das jährliche Opfer und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen, zog Hanna nicht mit, sondern sagte zu ihrem Mann: Ich werde den Knaben erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen; dann soll er vor dem Angesicht des Herrn erscheinen und für immer dort bleiben. Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung. Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli, und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten. Ich habe um diesen Knaben gebetet, und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe. Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den Herrn an.

 

Zweite Lesung:   1 Joh 3, 1-2.21-24

Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

 

Evangelium:   Lk 2, 41-52

Sie fanden Jesus im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

 

Gedanken zum Sonntag

Margit Hauft
Erwachsenenbildnerin
Wels

Raum zur Entfaltung

„Warum tust du uns das an?“ fragen die Eltern, „Warum sucht ihr mich überhaupt?“ ertönt die Gegenfrage des Sohnes. Wer mit Heranwachsenden zu tun hat, kennt solche Szenen, wie sie im heutigen Evangelium geschildert werden wohl zur Genüge.
Schauen wir noch einmal genauer auf die Geschichte:
Jesus hat mit seinen Eltern und vielen anderen das Paschafest in Jerusalem gefeiert. Auf dem Heimweg merken sie plötzlich, dass er nicht mehr da war, fragen herum, niemand hatte ihn gesehen. So kehren sie um, gehen nach Jerusalem zurück und finden ihn schließlich im Tempel. Mitten unter den Schriftgelehrten sitzt er und diskutiert über Glaubensthemen, er hört zu, stellt Fragen, und Lukas sagt, dass alle Erwachsenen über seine Antworten erstaunt waren.
Lukas geht es aber offensichtlich nicht um die Schilderung frühreifer Klugheit, er betont hier vielmehr den Begriff des Vaters:  „Dein Vater und ich, wir haben dich gesucht“, sagt Maria leicht vorwurfsvoll, und Jesus antwortet: „Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist“
Beinahe hat man den Eindruck, dass Maria und Josef nach zwölf Jahren „normale Familie“ bewusst wird: Dieses Kind ist Gottes Kind, und zwar anders, als wir das üblicherweise von unseren Kindern sagen. Dieses Kind hat einen Auftrag und einen Weg vor sich, der seinen Eltern noch manchen Kummer bereiten wird, der für Maria schließlich unter seinem Kreuz endet. Kein Wunder, dass sie das erst mal überhaupt nicht begreifen können, begreifen wollen: Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.
Ist das Wort, die Lebensart von Heranwachsenden nicht auch für uns fallweise so anders, so unverständlich? Die wiederkehrende Frage taucht auf: wo brauchen sie unsere Begleitung, wo dürfen, ja müssen wir sie ihre eigenen Wege suchen und finden lassen, auch wenn es da Situationen gibt, die wir nicht verstehen? Nicht nur die eigenen Eltern sondern das ganze Umfeld ist da gefragt, wie damals alle miteinander auf dem Weg nach Jerusalem wichtig waren. Und was ist, wenn scheinbar alles schief geht? Besonders dann, da vertraue ich darauf, dürfen wir um die väterliche und mütterliche Sorge unseres Gottes bitten. Unsere Aufgabe aber bleibt es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich junge Menschen entfalten können, wo sie Raum haben zu lernen und vieles einzuüben. Und sie sollen wissen, dass sie umkehren dürfen und heimkommen in ein Zuhause, das sie erwartet.

 

Information

Protest gegen Bischöfe: Immer mehr französische Katholiken wählen FN
Le Pen-Enkelin fordert junge Christen zu politischem Engagement auf

Zweieinhalbmal so viele praktizierende Katholiken haben im ersten Durchgang der zweiteiligen Regionalwahlen für den rechtspopulistischen Front National gestimmt als noch bei den Departementswahlen im vergangenen März. Und die nicht praktizierenden, sprich die nur auf dem Papier Katholischen, sind gar die Triebfeder, die den Front landesweit als Sieger aus der Wahlrunde am 6. Dezember hervorgehen ließ.

Das Meinungsforschungsinstitut IFOP hat im Auftrag des viel gelesenen Magazins „Pelerin“ (Pilger) das Wahlverhalten der französischen Katholiken erhoben. Demnach war ihre Mobilisierung mit 90 Prozent noch einmal höher als sonst ohnehin schon.
Im März 2015 stimmten nur 9 Prozent der Kirchgänger für einen FN-Kandidaten. Diesmal waren es zweieinhalbmal mehr. Die nicht praktizierenden Katholiken wählten mit 34 Prozent noch weit häufiger FN als der Landesdurchschnitt (28 Prozent). Die Kirchgänger sind kein Bollwerk mehr gegen den Front National. Ihre signifikante Wählerwanderung nach rechts seit März belegt noch eine andere Zahl: Stimmten vor neun Monaten noch 69 Prozent der praktizierenden Katholiken für eine der bürgerlich rechten Parteien, waren es diesmal nur noch 56 – ein Minus von 13 Prozent.
Katholischer Rechtsruck
Vordergründige Analysen verwiesen auf den Einfluss der Pariser Attentate vom 13. November, auf Angst vor islamischer Überfremdung und Flüchtlingskrise. Auch die integrierende Rolle der erst 25-jährigen, erklärt katholischen Le Pen-Enkelin Marion Marechal-Le Pen wird angeführt. Die Wählerbefragungen des IFOP weisen jedoch noch in eine andere Richtung. Die Meinungsforscher erkennen vor allem ein Protestverhalten bei alten Kirchgängern. Sie emanzipierten sich vom impliziten Nein ihrer Bischöfe zum Front National.

Marion Marchal-Le Pen
Marion Marechal-Le Pen wurde 2012 im Alter von 22 Jahren als jüngste Abgeordnete in die französische Nationalversammlung gewählt. Sie gilt in vielem als moderater als ihr Großvater.

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Marion Marechal-Le Pen.

Im Sommer dieses Jahres ist sie als erste Vertreterin der FN-Parteispitze vor einem kirchlichen Forum aufgetreten. Die Einladung durch den Bischof von Frejus-Toulon, Dominique Rey, hatte damals für großen Wirbel gesorgt. Auch die Bischofskonferenz äußerte Kritik.
Die Veranstaltung im südfranzösischen Sainte Beaume mit rund 150 Teilnehmern verlief dann ruhig, berichtete die Tageszeitung „La Provence“. Bischof Rey sagte zu Beginn der Debatte, den Dialog zu verweigern sei ein Zeichen von Schwäche. Gutes Zusammenleben fordere den Dialog.
Marechal-Le Pen äußerte sich damals unter anderem zur Migration, der finanziellen Situation in Frankreich und ihrem Glauben.
Die Situation der Flüchtlinge müsse zum Wohl der Gesellschaft dringend geregelt werden, wird sie zitiert. Marechal-Le Pen forderte junge Christen auf, ihren Glauben zu zeigen und sich in der Politik zu engagieren. Sie bedauerte „die Feindseligkeit einiger Bischöfe gegen den FN, die von einer Inkohärenz von Werten sprechen“.

Italiens Kirchen initiieren humanitären Korridor nach Europa

Asylsuchende, die über den Libanon, über Äthiopien oder über Marokko nach Europa wollen, brauchen künftig nicht unbedingt mehr ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Die römische Basisgemeinschaft Sant’Egidio, auch „UNO von Trastevere“ genannt, hat zusammen mit der Föderation Evangelischer Kirchen Italiens (FCEI) die Idee eines humanitären Korridors entwickelt: Frauen, Kinder und Behinderte, die in größter Not sind, sollen in diesen Ländern Einreisevisa nach Italien erhalten. Mit einer Million Euro sollen zunächst Aufnahme und Integration von 1.000 Menschen möglich gemacht werden, wie Radio Vatikan im Anschluss an eine ökumenische Pressekonferenz in Rom berichtete.

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Marco Impagliazzo,

Präsident der Basisgemeinschaft Sant‘Egidio.

Die Schutzsuchenden sollen demnach auf ihrer Reise von Nahost bzw. Nordafrika nach Italien begleitet und dann zunächst von Sant’Egidio aufgenommen werden. „Es wird dabei kein Problem mit der Sicherheit geben“, versprach der Präsident der Basisgemeinschaft, Marco Impagliazzo. „Anders als bei den Menschen, die in Boote steigen, werden unseren Schützlingen schon in unseren Büros vor der Abreise die Fingerabdrücke abgenommen werden. Für uns ist das ein schöner Start ins Jahr der Barmherzigkeit, denn die Aufnahme von Flüchtlingen ist ja eines der Werke der Barmherzigkeit.“ Die Aktion solle die Flüchtenden vor Todesgefahren auf dem Meer wie auch vor finanzieller Ausbeutung durch den Menschenhandel schützen.
Im Jänner soll das Projekt starten. Zugute kommen soll es den Verwundbarsten und Schwächsten, weshalb in den nun startenden Büros in den Abreiseländern Listen mit „bedürftigen“ Personen zusammengestellt werden. Die Namen werden den Behörden der italienischen Konsulate übergeben, um dann Visa „für ein begrenztes Territorium“ (also allein für Italien) auszustellen. Beteiligt ist auch das italienische Innenministerium.
Einmal in Europa, dürfen die Geretteten Italien nicht verlassen. Die Aufnahme erfolgt in Piemont, Sizilien, der Toskana und in Rom. Hier wird den Flüchtlingen ein Integrationsprogramm angeboten mit Sprachkursen, Arbeitsvermittlung und Unterstützung beim Schulbesuch für Minderjährige.

Weihbischof Helmut Krätzl gegen ein neues Konzil

Weihbischof Dr. Helmut Krätzl erläuterte bei einem Vortrag am 9. Dezember in St. Pölten, was von den beschlossenen Dokumenten und vom Geist des Konzils in den letzten 50 Jahren verwirklicht wurde und was noch immer schmerzlich vermisst wird.

Keine Kollegialität
Eines der großen Potenziale, das überhaupt nicht gehoben wurde, ist die Kollegialität der Bischöfe. Die besagt, dass die Bischöfe eine Mitverantwortung für die Regierung der Weltkirche haben – immer mit dem Papst, nicht ohne Papst.
Daraus ist nichts geworden. Paul VI. hat die römische Bischofssynode kreiert, in der aus jeder Bischofskonferenz der gesamten Weltkirche ein Teilnehmer dabei ist. Er hat erklärt, die Bischöfe hätten zwar dabei nur beratende Stimme, aber der Papst könnte ihnen auch in bestimmten Angelegenheiten beschließendes Stimmrecht geben. Das ist nie geschehen. Zusätzlich haben die Bischöfe sich dieser Verantwortung nicht bedient. Lange haben sie sich bei den „heißen Eisen“ auf Rom ausgeredet. Einzig nach Humane Vitae haben einzelne Bischofskonferenzen ihre Verantwortung wahrgenommen, in Österreich durch die Mariatroster Erklärung.

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Zahlreiche Zuhörer lauschten dem Vortrag von Weihbischof Helmut Krätzl.

Fotos: Axel Isenbart.

Verantwortete Elternschaft
Ein Zurück gab es  in der Frage der verantworteten Elternschaft. Aus dieser als Befreiung empfundenen Festlegung wurde die Einengung auf eine Methode der Empfängnisregelung, die für etliche nicht lebbar ist. In dieser Frage hat sich das Lehramt der Kirche sehr viel an Vertrauensverlust eingehandelt. Der Kirche wird heute in Fragen der Ehemoral weitgehend keine Kompetenz mehr zugeschrieben.

Gegen neues Konzil
Bischof Krätzl ist keineswegs dafür, ein drittes Vatikanum abzuhalten. Die Potenziale müssen erkannt und gehoben werden. Das Konzil muss weitergedacht werden: „ Nehmen wir als Beispiel den Priestermangel: Die Situation hat sich komplett verändert. Vor 50 Jahren war von Priestermangel keine Rede. Weshalb weihen wir nicht ständige Diakone (die verheiratet sein dürfen) zum Priester?“

Mechaniker, Schauspieler, Priester, Dissident und Bischof von Budweis

Der frühere Bischof von Ceske Budejovice (Budweis), Jiri Padour, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene durfte unter dem kommunistischen Regime neun Jahre seinen Priesterberuf nicht ausüben.

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+ Bischof Jiri Padour.

Seit 1989 gehörte Padour zu den herausragenden Persönlichkeiten der tschechischen katholischen Kirche. Er beteiligte sich maßgeblich an der Erneuerung des Kapuziner-Ordens, wirkte als Weihbischof in Prag und leitete zwölf Jahre die Diözese in Budweis. Im März 2014 trat Padour aus Krankheitsgründen als Diözesanbischof zurück.

Regimekritiker und Tomasek-Sekretär
Jiri Padour wurde 1943 in Vraclav in Nordostböhmen geboren und erlernte zunächst das Gewerbe eines Mechanikers für Rechenmaschinen. In den 1960er-Jahren studierte er an der Prager Akademie der musischen Künste Schauspielerei und kam dadurch in Kontakt mit dem Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel. Von 1963 bis 1967 wirkte er am Prager „Theater am Geländer“.
Über eine geistliche Berufung nachzudenken, begann er während eines Studienaufenthalts in Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Prag im Juni 1968 arbeitete er als Beifahrer und von 1969 bis 1970 als Assistent am Prager „Theater hinterm Tor“.
1970 nahm Padour an der Theologischen Fakultät in Leitmeritz (Litomerice) das Theologiestudium auf, 1975 wurde er zum Priester geweiht.
Schon zwei Jahre später verlor Padour wegen einer regimekritischen Predigt die staatliche Genehmigung. Im Jahr darauf trat er geheim dem Kapuzinerorden bei und wurde Sekretär des damaligen Apostolischen Administrators der Erzdiözese Prag, Kardinal Frantisek Tomasek.
Weil er sich weigerte, mit dem Staatssicherheitsdienst zusammenzuarbeiten, wurde er 1979 entlassen und musste sich als Reinigungskraft verdingen. Erst 1986 durfte er auch offiziell wieder als Priester wirken.