Inhalt der gedruckten Ausgabe 5/2016

Leitartikel

Nur eine harmlose Geste?

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Information

Papst ändert Fußwaschungs-Ritual: Auch Frauen zugelassen

Papst Franziskus ändert offiziell das Ritual der Fußwaschung zum Gründonnerstag für die Weltkirche. In Zukunft kann die Symbolhandlung bei der Abendmahlsmesse auch an Frauen und Mädchen, nicht mehr nur an Männern oder Knaben, vollzogen werden.

Papst Franziskus besuchte die römische Synagoge

Erstmals seit seinem Amtsantritt hat Papst Franziskus am 17. Jänner die Synagoge von Rom besucht.

Kurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter

50 Teilnehmer haben dieser Tage die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter erfolgreich absolviert.

Papst: Kirche soll in Ehepastoral kein Eliten-Ideal darstellen

„Die Familie, wie sie von der Kirche verkündet wird, ist kein Ideal, das nur wenige erreichen können, sondern sie soll Lebensform vieler sein“.

Hausbank der russisch-orthodoxen Kirche pleite

Wegen Zahlungsunfähigkeit hat Russlands Zentralbank am 15. Jänner die als Hausbank der orthodoxen Kirche bekannte Moskauer Ergobank geschlossen.

Papst zur italienischen Polizei: Voller Einsatz im Heiligen Jahr

Papst Franziskus hat die italienischen Polizisten der Vatikan-Wache (Ispettorato di Pubblica Sicurezza presso il Vaticano) zu erhöhter Wachsamkeit im Heiligen Jahr aufgerufen. Da mehr Pilger als üblich kämen, müssten auch die Sicherheitskräfte mehr leisten, sagte Franziskus am 18. Jänner im Vatikan bei einer Audienz für die Polizisten.

Neuer Übergriff auf deutsches Kloster am Zionsberg

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat antichristliche Schmierereien an der deutschen Benediktinerabtei auf dem Zionsberg in Jerusalem verurteilt.

Neue IS-Untaten schocken Vatikan und Ortsbischöfe

Neue IS-Untaten schocken den Vatikan und die Ortsbischöfe in Syrien und dem Irak. So wurde das weltberühmte Elias-Kloster (Deir Mar Elia) bei Mossul offenbar dem Erdboden gleichgemacht und hunderte Zivilisten – Männer, Frauen und Kinder – nach der Eroberung von Deir-ez-Zor am Euphrat ermordet oder verschleppt.

Küberl: Asyl-Obergrenzen nur Keim für neue Probleme

Österreichs Festlegung auf einen Richtwert für die Aufnahme von 37.500 Asylwerbern im Jahr 2016 trägt aus Sicht des steirischen Caritas-Direktors Franz Küberl nicht zur Lösung der Flüchtlingskrise bei.

Kardinal Marx: Ausbeutung der Entwicklungsländer Fluchtursache

Kardinal Reinhard Marx hat das Konsumverhalten und Wirtschaftsgebaren der westlichen Welt angegriffen.

Jesuit Zollner: Theologie meidet das Thema „Missbrauch in der Kirche“

Die akademische Theologie sollte sich nach den Worten des vatikanischen Missbrauchsexperten Hans Zollner intensiver mit dem Missbrauch in der Kirche befassen. Bisher halte sie Abstand zu dem „so schweren, abgründigen Thema“, sagte der Vizerektor der Päpstlichen Universität Gregoriana im Interview der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Publik Forum“. Bischöfe delegierten das Problem gerne an Psychologen und Kirchenrechtler, aber „das genügt nicht“.

Roms Muslime laden Papst  ein

Die muslimische Gemeinde Roms hat Papst Franziskus zu einem Besuch in die Große Moschee der Stadt eingeladen.

Manfred Scheuer neuer Bischof von Linz

Manfred Scheuer (60), ist neuer Bischof der Diözese Linz, zuvor war er zwölf Jahre Bischof von Innsbruck.

Bischof Krautwaschl gibt Freundebuch zur Erstkommunion heraus

„Weil es dich gibt“ lautet der Titel eines „Freundebuches“, das der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl für Erstkommunionkinder herausgegeben hat.

Weitreichende Veränderungen bei Orden in Oberösterreich

Die heimischen Orden sind bemüht, Werke und Häuser, die sie selbst nicht mehr führen können, in solche Trägerschaften zu übergeben, die die Einrichtungen im Geiste der Orden weiterführen; so geschehen dieser Tage zwei Mal in Oberösterreich.

Kaum ein Kirchenneubau in der Diözese St. Pölten, der nicht die Handschrift Robert Herferts trägt

Religiöse Werke aus dem Nachlass des St. Pöltner Sakralkünstlers Prof. Robert Herfert (1926-2011) sind derzeit bis 10. April. im Bildungshaus St. Hippolyt der Diözese St. Pölten zu sehen.

TV-Kommentator leitet Papst-Exerzitien
„Schauen Sie im Kalender nach, ob Sie Zeit haben“

Der italienische Priester, Theologe und TV-Kommentator Ermes Ronchi (68) wird die diesjährigen Fastenexerzitien von Papst Franziskus leiten.

Mährischer KZ-Häftling P. Unzeitig wird seliggesprochen

Der Vatikan hat den im nazideutschen Konzentrationslager Dachau gestorbenen mährischen Ordenspriester P. Engelmar Unzeitig (1911-45) als Märtyrer anerkannt. Der Seligsprechung des aus Hradec nad Svitavou (Greifendorf) in Mähren stammenden Mariannhill-Missionars, der sich im Lager freiwillig zur Pflege von Typhuskranken gemeldet und sich dabei angesteckt hatte, steht damit nichts mehr im Wege.

Leitartikel

Nur eine harmlose Geste?

Am Gründonnerstag wird der Einsetzung zweier Sakramente gedacht: der Eucharistie und des Priestertums.
Die christliche Ikonographie zeigt dabei nur Männer, denen Jesus die Füße wäscht. Die biblischen Berichte nennen die zwölf Apostel, Vertreter der zwölf Stämme Israels, doch waren nur sie beim letzten Abendmahl dabei? Waren die Frauen ausgeschlossen, die Jesus nach Jerusalem begleitet hatten, doch wenige Stunden später unter dem Kreuz plötzlich wieder zu finden waren?
Jetzt gestattet Papst Franziskus, am Gründonnerstag auch Frauen die Füße zu waschen. Nur eine  Geste? Der Erlass des Papstes wird die Diskussion um das Frauenpriestertum neu beflügeln.
Schließlich hat Jesus denen, die von ihm die Füße gewaschen bekommen haben, am denkwürdigen Abend dann auch die Eucharistie anvertraut.
Kommt endlich die Zeit, in der Frauen den Männern nicht nur symbolisch, sondern auch faktisch gleichgestellt werden?
Dann würde man vielen Problemen begegnen können, die heute als unlösbar gelten. In Ländern, wo unzählige Katholiken der Sakramente ermangeln, könnten diese in Fülle gereicht werden. In Mitteleuropa müsste man keine Pfarren schließen.
Und den Frauen würde jene Dankbarkeit erzeigt, die ihnen seit Maria Magdalena zusteht – in der patriarchalischen Welt von gestern jedoch vorenthalten worden ist.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jer 1, 4-5.17-19

Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt

In den Tagen Joschijas, des Königs von Juda, erging das Wort des Herrn an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. Du aber gürte dich, tritt vor sie hin, und verkünde ihnen alles, was ich dir auftrage. Erschrick nicht vor ihnen, sonst setze ich dich vor ihren Augen in Schrecken. Ich selbst mache dich heute zur befestigten Stadt, zur eisernen Säule und zur ehernen Mauer gegen das ganze Land, gegen die Könige, Beamten und Priester von Juda und gegen die Bürger des Landes. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 12, 31 – 13, 13

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe

Schwestern und Brüder!
Strebt nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

 

Evangelium:   Lk 4, 21-30

Wie Elija und Elischa, so ist Jesus nicht nur zu den Juden gesandt

In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Das geht eindeutig zu weit!

Die alleinseligmachende Wahrheit gepachtet zu haben, ist eine Haltung, die nicht nur Religionsgemeinschaften eigen ist. Nicht immer steckt da ein großes Machtbedürfnis dahinter, sondern schon eher die Furcht vor Veränderung.
Und wenn man sich so richtig fest hineingesetzt hat in dieses sichernde Netz dann sind andere Ansichten oder Infragestellungen nicht nur unangenehm, sondern wirklich schmerzhaft. Das ist eine Erfahrung, die Menschengenerationen oft miteinander machen – das Erbe der Eltern zu ehren und trotzdem den eigenen Weg zu gehen – das ist, was auch Jesus tun musste.
Zwar gelingt es ihm, sprachlich gewandt die Ältesten zu beeindrucken. Doch dem Volk Israel mit ein paar Sätzen den besonderen Status des vor allen bevorzugten Gottesvolkes abzusprechen – das geht eindeutig zu weit!
Noch schmerzlicher ist, dass Jesus sich der Tradition bedient – mit Geschichten aus den alten Schriften belegt er brillant, dass Gott sich selbst nicht an diese alleinseligmachenden Wahrheiten halten wird – ER ist nicht nur der ganz andere, den wir nur anfangen können zu denken – er wirkt auch anders!
Es gibt keine erworbenen Rechte, in die Beziehung zu Gott wird man nicht einfach per (richtiger) Abstammung hineingeboren. Jeder muss sich selbst auf den Weg zu ihm machen – jeder muss, darf selbst einen eigenen Freundschaftsbund mit Gott schließen.
Und dort, wo wir nichts mehr erwarten, fängt er gerade an – dort, wo wir das Chaos fürchten, schafft er neue Perspektiven.
Von uns erwartet er nur Aufmerksamkeit – und ein wenig mehr Ausdauer als die Vernunft rät – die Ausdauer eines liebenden Herzens!

 

Information

Papst ändert Fußwaschungs-Ritual: Auch Frauen zugelassen

Papst Franziskus ändert offiziell das Ritual der Fußwaschung zum Gründonnerstag für die Weltkirche. In Zukunft kann die Symbolhandlung bei der Abendmahlsmesse auch an Frauen und Mädchen, nicht mehr nur an Männern oder Knaben, vollzogen werden.

Auf Bitte des Papstes veröffentlichte die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung am 21. Jänner, dem Fest der Märtyrerin Agnes, ein entsprechendes Dekret, das vom Präfekten Kardinal Robert Sarah unterzeichnet ist.
Franziskus hatte bereits bisher in seinem Pontifikat – und davor – die Fußwaschung bei der Abendmahlsmesse an Männern wie Frauen vollzogen. Die Päpste vor ihm hatten der Tradition gemäß jeweils zwölf Priester für diesen liturgischen Akt ausgesucht.

Einander dienen
In früheren Jahrhunderten wuschen am Gründonnerstag Bischöfe und Äbte zumeist sehr armen Männern die Füße, die danach fürstlich bewirtet und beschenkt wurden. Gleiches tat auch der österreichische Kaiser. Es folgte die Übernahme des Rituals durch Pfarren.

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Kardinal Christoph Schönborn bei einer Fußwaschung am Gründonnerstag im Wiener Stephansdom.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Die Symbolhandlung erinnert daran, dass Jesus vor dem Letzten Abendmahl seinen zwölf Jüngern die Füße wusch, um zu verdeutlichen, dass Christen einander dienen sollen.

Grenzenlose Liebe
Zugleich mit dem Dekret veröffentlichte der Vatikan einen Brief von Papst Franziskus an Kardinal Sarah, in dem das Kirchenoberhaupt erläutert, was ihn zur Änderung des Rituals bewog.
Seine Absicht sei, die Modalitäten der Anwendung des Rituals zu verbessern, „damit sie voll die Bedeutung der Geste ausdrücken, die Jesus beim Letzten Abendmahl setzte, seine Selbsthingabe, bis zum Tod´ zum Heil der Welt, seine grenzenlose Liebe.“

„Gottesvolk“ statt „Männer“
Dem Dekret zufolge können die Priester nun eine repräsentative Gruppe von Gläubigen zur Fußwaschung auswählen, die „aus Männern und Frauen sowie tunlichst aus Jugendlichen und älteren Menschen, Gesunden und Kranken, Klerikern, Ordensleuten und Laien“ bestehen kann. Die Gottesdienstkongregation verfügt die Änderung eines Satzes in der entsprechenden Rubrik des Römischen Messbuchs. Dort steht nun statt (für das Ritual) „ausgewählte Männer“ die Formulierung: „die aus dem Gottesvolk Ausgewählten“. Das Dekret ist auf 6. Jänner 2016 datiert und gilt somit erstmals für den Gründonnerstag der kommenden Fastenzeit.

Küberl: Asyl-Obergrenzen nur Keim für neue Probleme

Österreichs Festlegung auf einen Richtwert für die Aufnahme von 37.500 Asylwerbern im Jahr 2016 trägt aus Sicht des steirischen Caritas-Direktors Franz Küberl nicht zur Lösung der Flüchtlingskrise bei.

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Caritas-Direktor Franz Küberl.
Foto: Caritas.

Präsentiert worden sei eine „Scheinlösung, die den Keim neuer Probleme in sich birgt“, so Küberl in einer Aussendung. Zu erwarten sei nun eine Zunahme der Illegalität und des Gedränges an der Grenze – „und es kann ein Stau entstehen, der sich nach Süden fortsetzt und der Aggression und Gewalt begünstigt“.
Die Botschaft von einem Aufnahmelimit werde den Druck unter den Flüchtlingen erhöhen, möglichst rasch durch Österreich zu gelangen. „Die Wartezonen werden sich schnell auffüllen und es wird zu unmenschlichen Zuständen kommen“, befürchtet Küberl. Es sei bloß eine „Illusion“, dass Obergrenzen das Problem lösen könnten. Im Gegenteil werde das Problem „für die betroffenen Menschen, für die Bevölkerung und für die anderen Länder größer“.

Menschen in Region helfen
Scharf kritisierte Küberl den Asylgipfel auch dafür, dass die „Kernaufgabe“ zum wiederholten Mal unbeachtet geblieben sei: Erneut habe man nicht darüber gesprochen, „welchen Beitrag Österreich leisten kann, um die Menschen in der Region zu halten, um die Flucht unnotwendig zu machen“.
Dazu würden die Menschen „Perspektiven auf eine lebbare Zukunft mit medizinischer Versorgung, Bildung, Sicherheit und Arbeit“ benötigen, wofür die Politik Voraussetzungen schaffen sollte.

Kritik aus Deutschland
Die deutschen katholischen Bischöfe haben die Pläne Österreichs für eine Flüchtlings-Obergrenze kritisiert. Christen dürften nicht zulassen, dass Menschen, die unendliches Leid erfahren hätten und auf Hilfe angewiesen seien, vor verschlossenen Grenzen stünden, sagte der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße. Einer „Emnid“-Umfrage im Auftrag des Senders N24 zufolge fordert jeder Dritte Deutsche, dass das Land nun ebenfalls mit einer Obergrenze nachziehen müsse.

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Erzbischof Stefan Heße.

Vatikan fordert von Flüchtlingen Integrationsbereitschaft
Flüchtlinge haben aus Sicht des Vatikan die Pflicht, sich in ihren Aufnahmegesellschaften zu integrieren. Dies meine vor allem das Erlernen der Sprache und den Respekt vor der Kultur des neuen Landes, sagte der Präsident des päpstlichen Migrantenrats, Kardinal Antonio Maria Veglio, der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“.
Die Neuankömmlinge hätten sich nicht nur um ihre unmittelbaren Lebensbedürfnisse wie Einkommen und Wohnung zu kümmern, sondern sollten „persönliche Anstrengungen“ zur Integration unternehmen, so der Kardinal. Dafür müssten sie auch zu „Veränderungen ihrer eigenen Identität“ bereit sein. Umgekehrt müsse die Gesellschaft aber auch die Identität von Flüchtlingen achten und ihnen die Möglichkeit zur sozialen Teilhabe geben, damit sie sinnvoll zum Gemeinwohl beitragen.
Veglio kritisierte den Umgang einiger europäischer Länder mit den Migranten und forderte eine einheitliche Flüchtlingspolitik Europas.

Deutsch-arabisches Gebetsheft
Die deutsche Sektion des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ gibt ein Heft mit den wichtigsten katholischen Gebeten auf Deutsch und Arabisch für die Flüchtlingsseelsorge heraus.
Das illustrierte Gebetsheft im Postkartenformat enthält Grundgebete wie das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis, das Ave Maria, die Rosenkranzgeheimnisse, aber auch den Ablauf der Heiligen Messe. Viele christliche Flüchtlinge gehören einer mit Rom unierten Ostkirche an. Sie sind katholisch, haben jedoch andere Traditionen und Riten.
Bestellbar unter: kontakt@ kirche-in-not.de.

Manfred Scheuer neuer Bischof von Linz

Manfred Scheuer (60), ist neuer Bischof der Diözese Linz, zuvor war er zwölf Jahre Bischof von Innsbruck.

An seiner feierlichen Amtseinführung am 17. Jänner im Linzer Mariendom und dem anschließenden Fest auf dem Domplatz nahmen Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Kardinal Christoph Schönborn, weitere 18 Bischöfe aus dem In- und Ausland, Gästen aus Ökumene und öffentlichem Leben sowie Tausende Gläubige aus Oberösterreich teil.
„Wir haben Dich für geeignet befunden, die Leitung der Diözese Linz zu übernehmen, da Du Dich mit Deinen Fähigkeiten ausgezeichnet bewährt hast und sowohl in geistlichen Belangen als auch in dogmatischer wie ökumenischer Theologie gelehrt und erfahren bist“, heißt es im Ernennungsdekret von Papst Franziskus an Bischof Scheuer, das am Beginn des Festgottesdienstes verlesen wurde.

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Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Manfred Scheuer, Altbischof Ludwig Schwarz.
Foto: Diözese Linz.

Die Amtseinführung gestaltete sich auch als Zeichen für die Ökumene. So wurde im Rahmen des Festgottesdienstes die zweite Lesung von der evangelischen Pfarrerin Veronika Obermeir vorgetragen.
In seiner Antrittspredigt hat Bischof Scheuer eine Lanze für Flüchtlinge und auch für die Jugend gebrochen.
Die Diözese Linz ist mit ihren 990.000 Katholiken die zweitgrößte Diözese Österreichs.

Kaum ein Kirchenneubau in der Diözese St. Pölten, der nicht die Handschrift Robert Herferts trägt

Religiöse Werke aus dem Nachlass des St. Pöltner Sakralkünstlers Prof. Robert Herfert (1926-2011) sind derzeit bis 10. April. im Bildungshaus St. Hippolyt der Diözese St. Pölten zu sehen.

Bei der Ausstellungseröffnung sagte Festredner Wolfgang Pfoser, der langjährige Bauamtsdirektor und ein guter Kenner des Künstlers: „Es gibt kaum einen Kirchenneubau nach dem Zweiten Weltkrieg, der nicht die Handschrift von Prof. Robert Herfert trägt. Das riesige Bauprogramm in der Diözese St. Pölten war ohne ihn nicht denkbar.“

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Professor Robert Herfert.

Der aus St. Pölten stammende Maler und Bildhauer prägte mit seiner Kunst u.a. mehr als drei Dutzend Kirchenräume in der Diözese St. Pölten, darunter die Pfarrkirchen Stephanshart, Bad Traunstein, Amstetten-St. Marien, Persenbeug, Tiefental bei Tulln, Vestenthal, Langenhart, St. Pölten-Maria Lourdes, St. Pölten-St. Johannes Kapistran oder die Erweiterung von Wieselburg. In diesem Bereich war er von 1957 bis 1987 tätig. Viele Spitäler, Pensionistenheime, Aufbahrungshallen, Feuerwehrgebäude, Schulen, Kindergärten, Brunnenanlagen, andere öffentlichen Gebäude und 39 Kapellen gestaltete er ebenso mit. Er schuf eine Vielzahl von Sgraffiti, Mosaiken, Keramiken, Glasfenstern und Plastiken.

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Die Söhne von Robert Herfert, Andreas und Josef, sowie Enkelin Caroline.
Foto: Wolfgang Zarl.

Herfert hatte nach dem Zweiten Weltkrieg an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei den Malern Robin Christian Andersen (1890-1969) und Herbert Böckl (1894-1966) studiert. Danach arbeitete er ab 1955 als freischaffender Künstler. Heuer wäre der vor fünf Jahren verstorbene Herfert 90 Jahre alt geworden.