Inhalt der gedruckten Ausgabe 51/2016

Leitartikel

Botschaft und Bodenpersonal

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Robert Zinterhof
Freier Journalist
Pabneukirchen, OÖ

Information

Papst Franziskus will eine gemeinschaftliche Kirchenleitung
„Kirche entsteht von den Gemeinden, aus der Taufe“

Papst Franziskus strebt ein gemeinschaftliches Leitungsmodell für die Kirche an. Eine Vielfalt von Schattierungen sei charakteristisch für die Kirche; in ihr bestehe „Einheit in Verschiedenheit“, sagte Franziskus in einem bereits vor einigen Wochen geführten Interview, das die belgische Zeitschrift „Tertio“ sowie auch der Vatikan am 7. Dezember veröffentlichten.

Niederlande: In den nächsten 15 Jahren werden weitere 2.000 Kirchen verkauft

Immer weniger Kirchen in den Niederlanden werden für ihren ursprünglichen Zweck genutzt. Von rund 6.000 Gotteshäusern werde mindestens ein Drittel in den kommenden 10 bis 15 Jahren ihre religiöse Funktion verlieren, berichtet die niederländische Zeitung „Trouw“ (8. Dezember) unter Berufung auf den staatlichen Dienst für Kulturerbe.

„Amoris laetitia“-Konflikt:
Patriarch Bartholomaios I. solidarisiert sich mit Papst Franziskus

In den Streit um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedene in der katholischen Kirche hat sich jetzt auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel eingeschaltet.

Roms Busfahrer suchen Beistand vom Papst

Im Streit um Arbeitszeiten an Weihnachten haben Roms Busfahrer jetzt Papst Franziskus um Hilfe angerufen.

Exorzisten haben mehr zu tun

Mangelberuf Teufelsaustreiber: Den weltweit rund 400 speziell ausgebildeten katholischen Priestern im Internationalen Exorzisten-Verband AIE steht eine wachsende Zahl von Klienten gegenüber, wie der Pressedienst der Italienischen Bischofskonferenz meldete.

Wiener Pfarrer: Kirche sollte noch mehr Gotteshäuser verschenken

Die katholische Kirche in Österreich würde wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie angesichts der rückgängigen Mitgliederzahlen weitere wenig genutzte Kirchengebäude abgäbe: Dafür hat sich Martin Rupprecht, Pfarrer und Dechant im 15. Wiener Gemeindebezirk, in einem Gastkommentar in der „Wiener Zeitung“ ausgesprochen.

Nach der BP-Wahl: Kirchen gratulieren

Nachdem Kardinal Christoph Schönborn noch am 4. Dezember via „Kathpress“ Alexander Van der Bellen zur Wahl zum Bundespräsidenten gratuliert hatte, haben sich am Montag auch weitere Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich zu Wort gemeldet.

Jesuit Walter Fernandes: Indiens Wirtschaftswunder geht auf Kosten von Millionen Ureinwohnern

Große Teile der Bevölkerung Indiens leiden unter den großen Industrie- und Infrastrukturprojekten nationaler und internationaler Konzerne: Das hat der indische Jesuit Walter Fernandes, Gründer des von der Dreikönigsaktion unterstützten „North Eastern Social Research Centre“, im Interview mit „Kathpress“ dargelegt.

„Radio Maryja“ spaltet Polen und die Päpste

Der einflussreiche polnische nationalkonservativ-katholisch geprägte Sender Radio Maryja feierte am 3. Dezember sein 25-jähriges Bestehen. Im nordpolnischen Torun, dem Sitz der Hörfunkstation, beging der Sender das Jubiläum mit einer Konzertgala eines Armee-Ensembles und einer Messe in einer großen Sporthalle.

Heiliges Land: Patriarch bestraft extremistischen Klerus

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat die Anführer der nationalistisch-palästinensischen Klerikerfraktion seiner Kirche sanktioniert. Das berichten internationale Medien.

Sieben Landesregierungen befürworten Abtreibungsstatistik

In sieben österreichischen Bundesländern – alle mit Ausnahme von Wien und Salzburg – haben sich die Landesregierungen für eine bundesweite, anonymisierte Statistik über Schwangerschaftsabbrüche ausgesprochen.

Armenische Kirche klagt in Straßburg gegen Türkei

Die Armenisch-apostolische Kirche will beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg auf die Rückgabe von Immobilien klagen.

Kirchenrechtler: Kardinal Meisner illoyal gegenüber dem Papst

Der prominente deutsche Kirchenrechtler Thomas Schüller wirft Kardinal Joachim Meisner illoyales Verhalten gegenüber Papst Franziskus vor.

Erzbischof fordert VW-Manager zur Boni-Rückzahlung auf

Der deutsche Erzbischof Stephan Burger hat VW-Topmanager aufgerufen, Verantwortung für den Abgasskandal zu übernehmen und Bonuszahlungen zurückzuerstatten.

Christophorus-Aktion hilft Kindern in Peru mit Rollstühlen

Jedes Jahr im Juli führt die MIVA Austria (Missions- Verkehrs- Arbeitsgemeinschaft) ihre bekannte Christophorus-Aktion durch und bittet vor allem Autofahrerinnen und Autofahrer um ihren Beitrag. Mit diesen Spenden werden verschiedenste Fahrzeugprojekte in rund 60 Ländern der Welt finanziert.

Erzdiözese Wien führt „Pfarrvikare“ ein

Für die mehr als 1.000 Priester, die in der Erzdiözese Wien ihren Dienst versehen, gibt es ab 1. Jänner 2017 ein neues Dienstrecht.

Großbritannien verwehrt irakischen Erzbischöfen Einreise

Zwei syrisch-orthodoxen Erzbischöfen aus dem Irak ist wegen zu geringer Bargeldmittel die Einreise nach Großbritannien verweigert worden.

Kindergarten-Konzept der Erziehungspartnerschaft der Ordensfrau Mater Schörl wiederentdeckt

In immer mehr Kindergärten wird versucht, eine „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Eltern und Kindergartenpädagogen aufzubauen.

Flüchtlingsbetreuung: Gutes Zusammenleben fördern

Das gute Zusammenleben in den Gemeinden zu fördern sei bei der Flüchtlingsbetreuung die größte Herausforderung für die Zukunft. Das war der Tenor eines Vernetzungstreffens von Flüchtlingsinitiativen im Mostviertel.

Erste Frauenvereinigung im Vatikan

Erstmals seit Gründung des Vatikanstaates gibt es dort nun eine Frauenvereinigung. Der Verein mit dem Namen „D.VA“ (Donne in Vaticano, Frauen im Vatikan) steht laut eigenen Aussagen allen 750 Frauen offen, die derzeit am Heiligen Stuhl und im Vatikanstaat beschäftigt sind.

Papst Franziskus wird 80

Am 17. Dezember hat Papst Franziskus Geburtstag, 80 Jahre wird er alt. Das ist schon Gratulationen wert. Und zwar von Ihnen, findet „Radio Vatikan“ und appelliert:  Nehmen Sie Ihre Glückwünsche für Papst Franziskus´ 80. Geburtstag auf und schicken Sie uns Fotos, Videos oder Audios per E-Mail an facebook.rv.tedesco@gmail.com.

Leitartikel

Botschaft und Bodenpersonal

Der neue Bundespräsident Van der Bellen hat in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eines Pfarrers wegen der evangelischen Kirche den Rücken gekehrt, die ihm jüngst dennoch den Vorzug vor Norbert Hofer gab, der 2009 aus der katholischen Kirche aus- und in sie übergetreten ist.
Van der Bellens Vorgänger Heinz Fischer hat 1995 wegen der „causa Groer“ die katholische Kirche verlassen.
Es ist wahrlich nicht immer leicht, himmlische Botschaften vom Bodenpersonal zu trennen. Sollte man aber dennoch, sonst gäbe es im Land nur noch einen nebulosen Jesus-Fanclub und keine organisierte Kirche. Politiker hätten kein Gegenüber mehr.
Nostalgisch erinnere ich mich an Bundespräsident Rudolf Kirchschläger (1974-1986). Als junger Priester und Redakteur habe ich ihn um sein Lieblingsgebet gefragt. Freimütig nannte er mir einen zeitgenössischen Hymnus, den wir Benediktiner jeden Dienstag am Abend beten. Darin heißt es:
„Schenke im Ende    auch die Vollendung.
Nicht in die Leere    falle die Vielfalt irdischen Seins.
Herr, deine Pläne    bleiben uns dunkel.
Doch singen Lob wir    dir dem dreieinen, ewigen Gott.“
Auch wenn vieles dunkel bleibt, lasst uns den Unsichtbaren preisen – gemeinsam in der sichtbaren Kirche.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

1. Lesung:   Jes 7, 10-14

Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen; sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben

In jenen Tagen sprach der Herr noch einmal zu Ahas; er sagte: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen. Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen? Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.

 

Zweite Lesung:   Röm 1, 1-7

Das Evangelium von Jesus Christus, dem Nachkommen Davids, dem Sohn Gottes

Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in den heiligen Schriften: das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen; zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

Evangelium:   Mt 1, 18-24

Jesus wird geboren werden von Maria, die verlobt ist mit Josef, dem Sohn Davids

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

 

Gedanken zum Sonntag

Robert Zinterhof
Freier Journalist
Pabneukirchen, OÖ

Wir brauchen mehr Menschen wie Josef

Wir hörten heute: Jesus wird geboren werden von Maria, die verlobt ist mit Josef, dem Sohn Davids.
Wenn ich mir die gesellschaftliche Situation in der damaligen Zeit anschaue, dann musste Josef viele schlaflose Nächte gehabt haben. Joseph war mit  Maria verlobt. Damals wurde bei den Juden keine Ehe ohne Verlobung geschlossen. Erst dann folgte die Ehe. In der Verlobungszeit sah man sich nicht. Auf einmal ist Maria schwanger. Noch in der Verlobungszeit. Von einem anderen Mann? Da ist die Todesstrafe nicht weit für die Frau. Josef  stand letztendlich hinter seiner Frau. Auch wenn er kurzzeitig zweifelte und überlegte, sich scheiden zu lassen.
Vor und nach Maria hat es keine zweite Frau gegeben, die vom heiligen Geist empfangen hatte. Sicher nicht leicht zu verstehen für viele. Hier fängt der Glaube an.
Josef bleibt im Neuen Testament irgendwie im Schatten. Keine Zitate sind von ihm überliefert. Aber durch sein Verhalten hat er Vorbild-Funktion auch in der heutigen Zeit. Ich male mir Josef so vor und glaube fest, dass es richtig ist: Josef hat Verantwortung ernst genommen, war nicht verletzend und um das Wohl anderer bemüht. Er hat nicht verurteilt. Er hat geholfen in stiller Weise und Bescheidenheit. Sind das nicht wertvolle Tugenden?
Zwei Vorsätze im Advent: Ich urteile nicht vorschnell. Ich stehe jemanden bei, damit er nicht in Schwierigkeiten kommt. Josef ist Maria beigestanden. Folgen wir Josef nach. Heute brauchen wir mehr Menschen wie Josef.

 

Information

Papst Franziskus will eine gemeinschaftliche Kirchenleitung
„Kirche entsteht von den Gemeinden, aus der Taufe“

Papst Franziskus strebt ein gemeinschaftliches Leitungsmodell für die Kirche an. Eine Vielfalt von Schattierungen sei charakteristisch für die Kirche; in ihr bestehe „Einheit in Verschiedenheit“, sagte Franziskus in einem bereits vor einigen Wochen geführten Interview, das die belgische Zeitschrift „Tertio“ sowie auch der Vatikan am 7. Dezember veröffentlichten.

Nachdrücklich warb der Papst für das Prinzip der sogenannten Synodalität. Dieses verlange, nicht „von oben nach unten“ zu regieren, sondern „die Ortskirchen zu hören, sie zu harmonisieren, zu unterscheiden“. Die Kirche selbst entstehe „von der Basis, aus den Gemeinden, aus der Taufe“.

Für Synodalität
„Entweder gibt es eine pyramidenförmige Kirche, wo man das macht, was Petrus sagt, oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie hört“, sagte Franziskus. Die katholische Kirche müsse „in der Synodalität vorangehen; das ist eines der Elemente, das die Orthodoxen bewahrt haben“.
Als Beispiel für dieses Leitungsprinzip verwies er auf das Dokument „Amoris laetitia“ vom April. Das Schreiben sei „das Ergebnis zweier Synoden, auf denen die ganze Kirche gearbeitet hat, und das der Papst sich angeeignet hat“. Die Inhalte von „Amoris laetitia“ seien von den Synodenteilnehmern mit Zweidrittelmehrheit gebilligt worden: „Das ist eine Garantie“.

Besser „gesunde Laizität“ als Laizismus
Im Interview sprach sich der Papst zudem für eine „gesunde Laizität“ in einem Staat aus. Er sehe den religionsneutralen Staat als „eine gute Sache“ und  „besser als ein religiöser Staat, weil religiöse Staaten schlimm enden“, betonte Franziskus. Die Trennung von Staat und Kirche in einem Gemeinwesen sei „gesund“. Hingegen wandte er sich gegen einen strikten Laizismus, der alles Religiöse in die Privatsphäre verbannt. Eine solche Ordnung schließe die Tür zur Transzendenz; Offenheit für das Jenseitige gehöre aber zur Natur des Menschen.

Jesuit Walter Fernandes: Indiens Wirtschaftswunder geht auf Kosten von Millionen Ureinwohnern

Große Teile der Bevölkerung Indiens leiden unter den großen Industrie- und Infrastrukturprojekten nationaler und internationaler Konzerne: Das hat der indische Jesuit Walter Fernandes, Gründer des von der Dreikönigsaktion unterstützten „North Eastern Social Research Centre“, im Interview mit „Kathpress“ dargelegt.

Der 77-jährige Sozialwissenschaftler hat sein Leben der Dokumentation und Analyse der Menschenrechtsverletzungen gegenüber der indischen Landbevölkerung gewidmet. Er besuchte Wien anlässlich einer anstehenden Genfer UNO-Sitzung über Zwangsvertreibungen, bei der er als Experte referiert.

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Sozialforscher und Ordensmann
P. Walter Fernandes.

Hier die Konzerne, dort die Armen
„Die Globalisierung macht die Konzerne immer hungriger nach Land“, berichtete der Ordensmann. In Indien würden die großen Firmen besonders ein Auge auf die Gebiete der Ureinwohner werfen, in denen über 80 Prozent der nationalen Kohle-, 60 Prozent der Kupfererz- und die Hälfte der Eisenerzvorkommen gelagert seien. Ein regelrechter Wettlauf um die Indigenen-Gebiete sei im Gange: Allein im Bundesstaat Andhra Pradesh hätten sich die Konzerne in den vergangenen 15 Jahren 150.000 Hektar Land einverleibt – doppelt so viel wie in den 40 Jahren zuvor.
Ähnlich drastisch der Anstieg im Bundesstaat Meghalaya, dessen Entwicklung Fernandes mit seinem Institut intensiv erforscht hat.

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Demonstration gegen die Eröffnung neuer Kohleminen in Karapuratel, Indien. 
Fotos: Kathpress.

Bis zu 33 Millionen zwangsvertrieben
Die angestammte Bevölkerung der betroffenen Gebiete muss dem Bergbau Tribut zollen und wird in den wenigsten Fällen ausreichend entschädigt, kritisierte Fernandes. Dasselbe Problem bestehe auch bei den großen Staudamm-Projekten.
Schon im Jahr 2000 hatten Indiens Wasserkraftwerke 21 bis 33 Millionen Menschen zwangsvertrieben, wie Fernandes in Studien aufzeigte. Bei einzelnen geplanten Großdämmen stehe auch heute bis zu einer Million Anrainern dieses Schicksal bevor.

Washington, Brüssel und Tokio entscheiden
Hoffnung äußerte der kirchliche Experte vor allem dafür, dass vermehrte Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft Indiens mit jener Europas und Nordamerikas zu besserem Verständnis und einem Bewusstseinswandel führen könne. „Schließlich werden viele der Entscheidungen, die die Menschen vielerorts zur Migration drängen, in Washington, Brüssel oder Tokio getroffen.“ Eine wichtige Unterstützung habe hier die Enzyklika „Laudato si“ geliefert, bei der Franziskus als erster Papst eindrücklich dargelegt habe, „dass zwischen Natur- und Menschenzerstörung kein Gegensatz besteht“. Die Ortskirchen sollten sich um die Verbreitung und Akzeptanz des Dokuments bemühen, regte der Ordensmann an.

Christophorus-Aktion hilft Kindern in Peru mit Rollstühlen

Jedes Jahr im Juli führt die MIVA Austria (Missions- Verkehrs- Arbeitsgemeinschaft) ihre bekannte Christophorus-Aktion durch und bittet vor allem Autofahrerinnen und Autofahrer um ihren Beitrag. Mit diesen Spenden werden verschiedenste Fahrzeugprojekte in rund 60 Ländern der Welt finanziert.

Der Bedarf geht von PKWs, Geländewagen, Fahrrädern, Motorrädern über Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten bis hin zu Booten und Reit- bzw. Lasttieren.
Im letzten Jahr wurde Peru als Beispielland der MIVA Austria gewählt und ein ganz besonderes Projekt in der Hauptstadt Lima unterstützt: die Schwestern des Ordens „Siervas del Plan de Dios“ (Dienerinnen des Planes Gottes) sorgen sich mit großem Einsatz um Menschen in den Armenvierteln der Stadt und betreiben unter anderem eine Schule für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen. In dieser Schule wurden neue und bessere Rollstühle benötigt.
Über 21 Standard-Rollstühle hinaus wurden für einige Kinder ganz speziell auf ihre neurologischen Bedürfnisse angepasste Rollstühle finanziert.

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Der 8-jährige Pedro freut sich
über einen der MIVA-Rollstühle.

Die Schwestern sind unendlich dankbar, dass die MIVA auch an diejenigen denkt, die aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen nicht mobil sind und keinen Zugang zu Mobilität haben. Die Kosten für den Ankauf eines Rollstuhles betrugen € 700.

Kindergarten-Konzept der Erziehungspartnerschaft der Ordensfrau Mater Schörl wiederentdeckt

In immer mehr Kindergärten wird versucht, eine „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Eltern und Kindergartenpädagogen aufzubauen.

Das zeigte sich am Wochenende in St. Pölten, wo sich 50 Pädagogen aus ganz Österreich, Südtirol und Deutschland über ihre Erfahrungen mit den Ideen der Ordensfrau Mater Margarete Schörl (1912-1991) austauschten. Das Konzept der Pionierin moderner Kindergartenpädagogik wird in Deutschland und anderen Ländern längst erfolgreich umgesetzt. In Schörls Heimat Österreich dagegen findet die nach ihr benannte „Schörl-Pädagogik“ erst seit kurzem wieder verstärkt Verbreitung.

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Mater Margarete Schörl.

„Kleine Kinder können nicht Grundsätzen nachleben, sie können nur Menschen nachleben“, zitierte Mitveranstalterin Doris Kloimstein von der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie der Diözese St. Pölten Schörl, die dem Orden der „Englischen Fräulein“ (heute Congregatio Jesu) angehört hatte. Kindererziehung nach Schörl beinhalte nachgehende Führung, mit dem Erziehungsziel eines eigenverantwortlichen, freien Menschen mit einer humanistischen Wertehaltung. Weiters werde die Individualität jedes Kleinkindes in den Mittelpunkt gestellt und die jedem Kind eigenen Fähigkeiten im Sinne eines offenen und flexiblen Lernens gefördert.

Einsatz für Kinder dient auch Eltern
Für Margarete Schörl sei es erwiesen gewesen, dass, „was immer wir für die Kinder tun, auch den Eltern zugutekommt; was immer wir an den Kindern unterlassen, das versäumen wir auch an den Eltern“, sagte die Sonderkindergartenpädagogin Anna Ruschka, die sich seit dem Jahr 2012, dem 100. Geburtstag Schörls, für eine Wiederentdeckung von deren Leitsätzen in Österreich stark macht.
Worauf es ankomme, sei vor allem die Art des Umgangs der Erzieher – Eltern wie Pädagoginnen – mit dem „natürlichen Potenzial“ des Kindes. Die „Erziehung zur Mitmenschlichkeit“ fordere jedoch vom Kind, auch „Dinge zu tun, auf die es keine Lust hat“, sagte Ruschka. Dabei gelte es jedoch, „nicht absichtlich etwas hinzuzufügen, um es einzuüben“, fordere das normale Leben doch bereits genug; am besten wirke zudem das Vorbild der Erwachsenen.

Margarete Schörl
Margarete Schörl wurde 1912 in Wien geboren, wuchs nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei Verwandten in der Nähe von Krems auf und trat 21-jährig in den Orden der „Englischen Fräulein“ ein. Sie ließ sich als Kindergartenpädagogin ausbilden, wirkte als Erzieherin und leitete im Institutshaus des Ordens in Krems einen „Versuchskindergarten für Erziehungsreform“. Zur Pionierin der offenen Kindergartenpädagogik wurde sie mit Konzepten wie der „nachgehenden Führung“ oder dem „Raumteilverfahren“, wobei sie auf den Grundsätzen Menschenwürde, Solidarität, Gemeinwohl, Subsidiarität, Freiheit und Verantwortung aufbaute. Schörls Erkenntnisse prägten die deutschsprachige Kindergartenpädagogik nach 1945 wesentlich und sind bis heute in der Vorschulpädagogik präsent. Die Ordensfrau starb 1991 in St. Pölten.