Erzdiözese Wien: Keine Pfarren mehr unter 4000 Katholiken
Instandhaltungskosten für Kirchen ohne diözesane Hilfe

Die Erzdiözese Wien nimmt unbeirrt den nächsten Schritt auf ihrem „Reformweg“.
So wurde das Dekanat 10 (Wien-Favoriten) von Kardinal Christoph Schönborn in einem Pilotprojekt beauftragt, im Laufe des Jahres einen Neuordnungsprozess in Form einer Reorganisation von Pfarren und Gemeinden zu entwickeln.
Die Strukturreformen sollten dabei jedoch stets unter der Vorgabe eines „missionarischen Aufbruchs“ und „neuer pastoraler Initiativen“ stehen, erläuterte Schönborn das Ziel des Projekts bei einer Pressekonferenz am 16. Jänner in Wien. Bis Sommer soll ein Zwischenbericht vorgelegt werden, bis 1. September 2013 sollen die neuen Strukturen umgesetzt werden. Zugleich soll das Favoritener Pilotprojekt zum Vorbild für weitere Reformen in den anderen Wiener Dekanaten werden.
Konkret sollen neben einer „Verschlankung der pfarrlichen Strukturen“ kleinere christliche Gemeinschaften gefördert oder neu aufgebaut werden. Zu den Rahmenvorgaben gehören u.a., dass eine Pfarre zukünftig mindestens über 4.000 Katholiken verfügen müsse, fünf Prozent des Pfarrbudgets für neue Initiativen und Projekte gewidmet sein müssen, die Kosten für den Pfarrhof und das Pfarrheim nicht mehr als 20 Prozent der erwirtschafteten Einnahmen ausmachen dürfen und die Instandhaltungskosten der Sakralbauten ohne diözesane Zuschüsse auskommen können müssen. Nicht ausgeschlossen wird laut Rahmenplan auch eine alternative Nutzung von nicht erhaltbaren Kirchen.
Nach der Bedeutung der „Pfarrer-Initiative“ im Blick auf den Wiener Reformprozess gefragt, sagte Kardinal Schönborn, das prinzipiell „alle Reformbemühungen in der Kirche willkommen“ seien. Wo Menschen „Herzblut und Hirnschmalz“ in diese Reformprozesse investieren und sich darüber gegenseitig austauschen, seien sie auch willkommen.

In den USA wird Mädchen das Ministrieren wieder verboten

Durch den restriktiven Kurs der Kirche fühlen sich in den USA immer mehr Pfarrer ermutigt, Ministrantinnen wieder auszuschalten. Über einen Fall berichtete „The Washington Post“ in großer Aufmachung.
Michael Taylor, Pfarrer von „Corpus Christi“ in South Riding (Diözese Arlington) hat im Pfarrblatt das Ende der Aufnahme von Ministrantinnen bekanntgegeben. Dutzende Familien protestierten daraufhin und gaben die Absicht bekannt, ihre Pfarre zu verlassen.
Paul Loverde, Bischof von Arlington, hatte es 2006 den Pfarrern freigestellt, auch Mädchen am Altar dienen zu lassen. In 60 Prozent der Pfarren dieser Diözese ist dies aber weiterhin verboten.

Michael Taylor
Reverend Michael Taylor.

Manche Diözesen vertreten weiterhin eine „boys-only-Politik“. Zuletzt haben die Diözesen Lincoln (Nebraska) und Phönix (Arizona) ein Ministrantinnenverbot erlassen. Die neue Jugendseelsorge soll „weg vom Zeitgeist“ und „hin zu Berufungen“ orientiert werden.
Viele Pfarrer teilen Taylors Meinung, dass das Ministrieren Buben vorbehalten werden müsse, da nur sie Priester werden könnten.
In der Pfarre „Corpus Christi“ dürfen die bisherigen Ministrantinnen zwar weiter dienen, sie müssen jedoch andere Kleider anziehen als Buben.
Die von Jesuiten herausgege-bene Wochenzeitung „America“ hat bereits im Oktober 2011 eine Kampagne zur Rettung der 1994 vom Vatikan offiziell erlaubten Ministrantinnen in den USA initiiert: „Save the altar girls“.
In Deutschland gibt es mehr als 400.000 Ministranten, in Österreich schätzungsweise 50.000. Etwa die Hälfte von ihnen sind Mädchen.

Österreichische Parlamentarierin Hildegard Burjan wird am kommenden Sonntag seliggesprochen

Mit Hildegard Burjan wird am 29. Jänner erstmals eine Parlamentarierin zur Ehre der Altäre erhoben. Es ist gleichzeitig die erste Seligsprechung im Wiener Stephansdom. Der Festgottesdienst wird auf ORF III und ORF Wien Regional live übertragen.

Hildegard Burjan
Hildegard Burjan.

Burjan gehörte von 1919 bis 1920 als einzige weibliche Abgeordnete der Christlich-Sozialen Partei dem Parlament an. In ihrer knapp zweijährigen parlamentarischen Tätigkeit setzte sie zahlreiche soziale Initiativen, zum Teil auch über Parteigrenzen hinweg.
Hildegard Burjan ist „weltweit die erste demokratische Politikerin, die von der katholischen Kirche zur Ehre der Altäre erhoben wird“. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am 17. Jänner bei einer Festveranstaltung der ÖVP im Parlament anlässlich der bevorstehenden Seligsprechung dieser „großartigen und echten Christin“. Sie sei damit der Beweis, „dass es möglich ist, in der Politik heilig zu werden“. Und das „als Österreicherin, das sei allen Skeptikern gesagt“, so der Kardinal im Nachsatz.
Auf die eingangs vom einladenden ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf aufgeworfene Frage, „wie man heilig werden kann“, antwortete der Wiener Erzbischof mit Verweis auf das Vorbild von Hildegard Burjan: Entscheidend sei die „Glaubwürdigkeit“, die sich in der „Deckungsgleichheit von Glauben und Leben“ zeige. Heilige seien zudem „praktisch“ in dem Sinn, dass sie voll im Leben stünden.
„Nicht wegschauen, sondern hinschauen“ sei die Haltung, die auch für Burjan typisch war. Schließlich gehe es darum „an der Liebe Christi Maß zu nehmen“. Die für Burjan so maßgebliche „soziale Liebe“ habe sich in ihrer „Zuwendung, Sympathie, Empathie und Tat“ gezeigt.

„Vorreiterin, Pionierin und Visionärin“
Die bleibende Bedeutung Burjans für eine christlich inspirierte Sozialpolitik stand im Zentrum mehrerer Ansprachen im Rahmen der Festsitzung des ÖVP-Parlamentsklubs. Laut Vizekanzler Michael Spindelegger könne die ÖVP „stolz“ auf die christlichsoziale Parlamentarierin Hildegard Burjan sein, die er als „Vorreiterin, Pionierin und Visionärin“ sowie als „außergewöhnliche Frau“ und „große Österreicherin“ würdigte. Burjan sei auch heute ein Vorbild für eine „wertorientierte Politik“, die im Widerspruch zu „Populismus oder völliger Beliebigkeit“ steht. Als konkretes Beispiel dafür nannte der Bundesparteiobmann das Thema Euthanasie, wo es absolute Grenzen zu wahren gelte.

Mit „voluntaris“ zu Freiwilligeneinsätzen in aller Welt
Verein spricht vor allem Senioren an

Seit kurzem gibt es mit „voluntaris“ eine neue Plattform für Freiwilligeneinsätze in den Ländern des „Südens“, aber auch in Osteuropa.
Hauptzielgruppe für die Möglichkeit, „weltweit Erfahrung zu teilen“, sind aktive Seniorinnen und Senioren: „Sie sind in Pension und möchten sich sozial engagieren und Ihre berufliche Erfahrung mit anderen Menschen teilen?“, werden auf der Webseite www.voluntaris.at Interessierte angesprochen. Gesucht werden aber auch Berufstätige, die eine Auszeit mit sinnvollem Engagement „für sich und andere leisten“ wollen.
Initiiert wurde die Vermittlung der Freiwilligeneinsätze von Ines Refenner, die als frühere Mitarbeiterin von „Jugend Eine Welt“, dem Jugendhilfswerk der österreichischen Salesianer, viel Erfahrung mit Projektarbeit in Entwicklungsländern sammelte. Gemeinsam mit der Betriebswirtin Marianne Tiki will sie sozial engagierte Menschen „ermuntern, ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen“. Dabei werde Unterstützung bei der Vorbereitung auf den Freiwilligendienst geboten, „wir begleiten sie vor Ort und nach ihrer Rückkehr“, so Refenner gegenüber „Kathpress“.

Ines Refenner
Ines Refenner.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Der von den beiden EZA-Expertinnen gegründete gemeinnützige Verein „voluntaris“ arbeitet mit Sozialprojekten und Bildungseinrichtungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa zusammen. „Ein Freiwilligeneinsatz ermöglicht Einblicke in fremde Lebenswelten und schärft den Blick für globale Zusammenhänge“, weiß Refenner als „Lateinamerikanistin“, die selbst jahrelang in Peru und Ecuador arbeitete.
Möglich sind u.a. Einsätze in Benin, wo Don-Bosco-Schwestern traumatisierte „verkaufte“ Mädchen betreuen, in einem von den Salesianern im Norden Haitis geführten Ausbildungszentrum für junge Erdbebenopfer oder in Peru, wo ehemaligen Straßenkindern eine Berufsausbildung geboten wird.
Warum sie gerade auch jung gebliebene Senioren ermutigen will, neue Ziele zu verfolgen, begründet Refenner mit dem von Simone de Beauvoir formulierten Wunsch, auch im Alter „weiterhin Ziele zu verfolgen, die unserem Leben einen Sinn verleihen: das hingebungsvolle Tätigsein für Einzelne, für Gruppen oder für eine Sache, Sozialarbeit, politische, geistige oder schöpferische Arbeit“.
Informationstage für Bewerber sind im März in Salzburg und im April in Wien geplant. (Informationen: www.voluntaris.at)
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