Inhalt der gedruckten Ausgabe 48/2016

Leitartikel

Verharmlosen und wegschauen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Information

Amoris laetitia-Streit eskaliert: Vier Kardinäle wollen Aufklärung
Papst Franziskus reagiert gelassen: „ Einige verstehen es nicht“

Vier Kardinäle haben an Papst Franziskus appelliert, mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Nach dem päpstlichen nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ gebe es „eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung“, heißt es in einem Brief, den die in Denver (USA) angesiedelte „Catholic News Agency“ (CNA) im Wortlaut veröffentlicht hat.

Irische Priester kritisieren Bischöfe und Nuntius scharf

Die Jahrestagung der Vereinigung katholischer Priester Irlands (ACP) am 16. November in Athlone hat die geringe  Unterstützung ihrer Bischöfe, aber auch den Nuntius  betreffs Bischofsbestellungen scharf kritisiert.

Das kommunistische Kuba lässt zum „Jahr der Barmherzigkeit“ beinahe 800 Häftlinge frei

Der Oberste Gerichtshof in Kuba hat auf Initiative von Papst Franziskus 787 Häftlinge freigelassen. Aus humanitären Gründen seien besonders Frauen, Jugendliche, Kranke und andere besonders gefährdete Gefängnisinsassen freigelassen worden, meldete das Onlineportal der Zeitung „Granma“. Man folge damit einem „Aufruf des Papstes an die Staatschefs im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“, so das offizielle Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas.

Weiter Hoffnung auf Freigabe der Bibel-Einheitsübersetzung im Web

Rund 2.200 Theologen, Seelsorger und Ordensleute fordern freien Zugriff auf die neue katholische Bibelübersetzung. Sie unterstützen eine Online-Petition, nach der die seit September verfügbare Einheitsübersetzung in den modernen Medien kostenfrei zur Verfügung gestellt werden soll.

Ganztagsschule: „Ungleichbehandlung“

Die Regierung plant den Ausbau ganztägiger Schulformen, dürfte bei der Erarbeitung des entsprechenden Bildungsinvestitionsgesetzes aber darauf vergessen haben, auch die Privatschulen in die entsprechenden Finanzierungsmaßnahmen miteinzubeziehen.

US-Bischöfe: Konservative Chefs

Die katholischen Bischöfe der USA haben am 15. November bei ihrer Herbstvollversammlung in Baltimore den konservativen Kardinal Daniel DiNardo (67), Erzbischof der texanischen Diözese Galveston-Houston, zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Schönborn bei Staatsakt: Missbrauch nur mit Wahrheit begegnen

Im Umgang mit Missbrauch kann es nach den Worten von Kardinal Christoph Schönborn nur den Weg der Wahrheit geben. Viel zu lange sei verharmlost, vertuscht, verleugnet und weggeschaut worden, betonte der Wiener Erzbischof beim Staatsakt für Missbrauchsopfer am 17. November im Parlament.

Nach Predigt gegen Hofer Priester abberufen

Kirchliche Mitarbeiter, hauptamtliche wie ehrenamtliche, dürfen sich in ihrer Funktion nicht in tages- und parteipolitische Diskussionen einmischen. Das hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am 18. November erklärt.

Erzbischof von Aleppo: Menschen im Nahen Osten setzen Hoffnung auf Donald Trump

„Wenn Ihr uns wirklich helfen wollt, dann beendet endlich diesen Krieg und lasst uns Christen weiter in unserer Heimat Syrien leben“: Mit scharfen Worten hat der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, im „Kathpress“-Interview die westliche Syrien-Politik kritisiert.

Irak: In befreitem Dorf IS-Schmierereien auf Deutsch entdeckt

In einer zerstörten Kirche im irakischen Ort Batnaya sind nach Angaben von „Kirche in Not“ Schmierereien des sogenannten Islamischen Staats (IS) auf Deutsch gefunden worden. Darin würden Christen als „Kreuzsklaven“ bezeichnet.

Kirchenbündnis fordert „andere“ christliche Politik

Ein deutliches Zeichen gegen soziale Kälte hat ein breites Bündnis kirchlicher Einrichtungen und zahlreicher Einzelpersonen im Vorfeld der Bundespräsidentschaftswahl gesetzt.

Panorthodoxes Treffen zum 70. Geburtstag des Moskauer Patriarchen

Aus Anlass des 70. Geburtstags des Moskauer Patriarchen Kyrill I. am 20. November sind höchste Repräsentanten der Weltorthodoxie in die russische Hauptstadt gekommen.

Jakarta: Blasphemie-Anklage gegen christlichen Gouverneur Basuki

Der christliche Gouverneur von Jakarta, Ahok Basuki Tjahaja Purnama, muss sich wegen des Vorwurfs der Blasphemie vor Gericht verantworten.

Vatikan sieht erste Erfolge im Venezuela-Dialog

In Venezuela haben die sozialistische Regierung und die bürgerliche Opposition in dem vom Vatikan und dem Südamerika-Staatenverband UNASUR vermittelten Dialog Fortschritte erzielt. Beide Seiten verpflichteten sich laut einer gemeinsamen Erklärung am Wochenende auf friedliche und verfassungskonforme Weise einen Ausweg aus der innenpolitischen Krise zu suchen.

„Vinzenzgemeinschaft so etwas wie soziales Gewissen von Graz“

Die frühere Grazer Vizebürgermeisterin Martina Schröck (SPÖ) übernimmt als Obmann-Stellvertreterin eine Funktion im Vorstand der „VinziWerke“.

Ältester Textdruck von „Stille Nacht“ in Wien aufgetaucht

In einem Wiener Antiquariat ist heuer ein bisher nicht bekannter Textdruck des Weihnachtslied-Klassikers „Stille Nacht“ aufgetaucht.

Hospizeinrichtungen erfreut über mehr Mittel

Freude über die Ankündigung der Regierung, mehr Geld in die flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung einzusetzen, haben die Vertreter von Österreichs Hospizeinrichtungen  geäußert.

Umfrage: Die Klöster erfüllen eine wichtige Gesellschaftsfunktion

Auch heute noch werden Klöster als wichtig angesehen: Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Herder-Zeitschrift „einfach leben“ zwischen August und Oktober 2016 durchgeführt hat.

Kapuziner eröffnen „modernsten Beichtstuhl Wiens“

Die Kapuzinerkirche in der Wiener Innenstadt öffnete am 20. November nach der Generalsanierung erstmals wieder ihre Pforten und präsentierte dabei ein neues Beichtzimmer.

Leitartikel

Verharmlosen und wegschauen

Am 17. November fand im Parlament ein Staatsakt für Missbrauchsopfer statt.
Bundesratspräsident Mario Lindner würdigte den Mut jener Missbrauchsopfer, die sich in den vergangenen Jahren zu Wort gemeldet und somit den Mantel des Schweigens gelüftet haben.
Kardinal Christoph Schönborn betonte, man könne nur den Weg der Wahrheit gehen. Viel zu lange sei verharmlost, vertuscht, verleugnet und weggeschaut worden.
Ohne die Tapferen, die sich zu reden getrauten, obwohl sie wussten, auch in der Kirche als „Verräter“ gebrandmarkt zu werden, hätte es keine Wende gegeben. Was ihnen widerfuhr, war noch mehr als „eine Schande für das Land“ (Nationalratspräsidentin Doris Bures), mehr als „das finsterste Kapitel“ (Bundeskanzler Christian Kern) – es war Leben-zerstörend!
Doch das Verharmlosen, Vertuschen, Verleugnen und Wegschauen gilt in vielen anderen Bereichen immer noch als von Obrigkeiten gewünschte Tugenden. Auch in der Kirche. Wer sie nicht hat, wird bedroht, oder zumindest mit Missachtung gestraft. Die gar nicht häretische oder umstürzlerische „Pfarrer-Initiative“ kann ein Lied davon singen.
Wird man sich im „Jahre Schnee“ bei jenen kleinen Seelsorgern entschuldigen, die es heute wagen, die großen Kirche-zerstörenden Probleme anzusprechen?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 2, 1-5

Der Herr führt alle Völker zusammen in den ewigen Frieden des Reiches Gottes

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat. Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

 

Zweite Lesung:   Röm 13, 11-14a

Jetzt ist das Heil uns näher

Schwestern und Brüder!
Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an.

 

Evangelium:   Mt 24, 37-44

Seid wachsam, und haltet euch bereit!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

 

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Schlagworte zum Ende der Welt

• Eschatologische Mahnrede (Mt 24-25), aus verschiedenen Überlieferungen komponiert; letzte große Rede Jesu, Ölberg, nur für die Jünger (Gemeinde; Insider, Schlüssellochblick)
• Das Kommen des Menschensohnes ist sicher, das Ende nahe, aber aus der Unmöglichkeit, Ereignisse zu terminieren, können nur Aufmerksamkeit und Bereitschaft folgen.
• Bilder, die sich in schneller Abfolge präsentieren, sind: der Menschensohn, der Feigenbaum, die Tage vor der Sintflut und letztlich der Dieb in der Nacht.
• Theophanien  (vgl. Ps 18,18-16; 77,17-20; 97,2-5; 50,1-6, Hab 3,3-15): Wenn Jahwe kommt, gerät die Erde ins Wanken und die Grundfesten der Berge erbeben, er selbst aber tritt nie in Erscheinung. Auf dieser Folie wird das Unermessliche sichtbar. Hier fällt selbst der Himmel zusammen und der Menschensohn kommt mit Kraft und viel Herrlichkeit.
• Die Worte Jesu sind zu tun. Dass die Worte Jesu nicht vergehen, ist keine zeitliche Vorgabe, gibt ihnen aber das Gewicht von Ewigkeit.

 

Information

Amoris laetitia-Streit eskaliert: Vier Kardinäle wollen Aufklärung
Papst Franziskus reagiert gelassen: „ Einige verstehen es nicht“

Vier Kardinäle haben an Papst Franziskus appelliert, mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Nach dem päpstlichen nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ gebe es „eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung“, heißt es in einem Brief, den die in Denver (USA) angesiedelte „Catholic News Agency“ (CNA) im Wortlaut veröffentlicht hat.

Unter Theologen, Bischöfen und Gläubigen gebe es einander widersprechende Interpretationen.
Die Unterzeichner bitten den Papst, „die Ungewissheiten zu beseitigen und Klarheit zu schaffen“. Sie selbst lassen Zweifel daran erkennen, dass eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zum Kommunionempfang nun möglich sei. Unterzeichner sind der emeritierte Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, gefolgt von Raymond Burke und den beiden deutschen Kardinälen Walter Brandmüller und Joachim Meisner. Sie fordern vom Papst in fünf Punkten ein klares Ja oder Nein.
Papst Franziskus weist in einem Interview der Mailänder katholischen Tageszeitung „Avvenire“ den Vorwurf zurück, nicht klar genug im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu sein: „Einige – denken Sie an gewisse Entgegnungen zu ‚Amoris laetitia‘ – verstehen es weiter nicht.“
Es gebe nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern es müsse „im Fluss des Lebens unterschieden“ werden. „Das hat uns das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) gesagt.“ Es brauche wohl noch etwas Zeit, bis das überall ankomme. Die Geschichtsschreiber sagen, ein Konzil braucht ein Jahrhundert, um richtig die Kirche zu durchdringen… Wir sind bei der Hälfte.“

Schönborn bei Staatsakt: Missbrauch nur mit Wahrheit begegnen

Im Umgang mit Missbrauch kann es nach den Worten von Kardinal Christoph Schönborn nur den Weg der Wahrheit geben. Viel zu lange sei verharmlost, vertuscht, verleugnet und weggeschaut worden, betonte der Wiener Erzbischof beim Staatsakt für Missbrauchsopfer am 17. November im Parlament.

„Ich bitte um Vergebung“, so Schönborn bei seiner Rede wörtlich in Richtung der Missbrauchs-Betroffenen, von denen 250 bei der Veranstaltung zugegen waren, neben den Spitzen von Staat und Kirche. Der Staatsakt sei ein Signal dafür, dass das schreckliche Geschehen der Vergangenheit angehöre, so die Überzeugung des Kardinals, der sich vor den Opfern und ihrem erfahrenen Leid verbeugte.

„Es wurde viel geprügelt“
Als „Vertreter jener Einrichtung, die für viele von Ihnen mit schlimmsten Erinnerungen verbunden ist“, hatte Schönborn seine an die Missbrauchsopfer gerichtete Ansprache begonnen. Er sei selbst in den Nachkriegsjahren aufgewachsen in einer Volksschule und später einem Gymnasium, „in dem die schwarze Pädagogik selbstverständlich war. Es wurde sehr viel geprügelt“, so der Kardinal.

Gäste der Veranstaltung im Gespräch mit Nationalratspräsidentin Doris Bures (S)
Nationalratspräsidentin Doris Bures im Gespräch mit Gästen.
Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner.

„Böse Medien-Erfindung“
Dennoch habe er sich früher nicht vorstellen können, was die von Missbrauch betroffenen erlebt hatten, gestand Schönborn. „Was in kirchlichen Einrichtungen geschehen ist, was Priester und auch Nonnen Jugendlichen angetan haben, ich konnte mir das nicht vorstellen.“ Als dann zum ersten Mal laut und deutlich vom kirchlichen Missbrauch die Rede war, habe er es für eine „böse Erfindung der Medien“ gehalten – „bis ich sehr bald selbst erfahren habe, durch Gespräche und Begegnungen: Es ist die bittere Wahrheit“.

„Bitte um Vergebung“
„Nur eines hilft: die Wahrheit“: Diese Überzeugung, zu der er in der Folge gekommen sei, treffe auch dann zu, wenn es schwer falle, hinzuschauen, sagte der Wiener Erzbischof. „Wir haben in der Kirche wie auch im Staat zu lange weggeschaut. Wir haben vertuscht, wir haben wenn Missbrauch bekannt geworden ist, Leute versetzt und nicht abgesetzt“, so Schönborn, der dafür spontanen Applaus aus den Reihen der Betroffenen bekam. Und weiter: „Für diese Schuld der Kirche stehe ich heute vor Ihnen und sage: Ich bitte um Vergebung.“

Von links: Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit Gast
Kardinal Schönborn im Gespräch mit einem Gast.  
Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Jantzen.

„Schande für unser Land“
„Was Ihnen widerfahren ist, ist eine Schande für unser Land. Ich stehe hier und schäme mich dafür“, sagte Nationalratspräsidentin Doris Bures in Richtung der Betroffenen, für deren Anwesenheit im Saal sie dankte. Mit dem von ihr initiierten Staatsakt im Parlament solle kein Schlussstrich unter die Aufarbeitung gezogen werden, vielmehr wollten Staat und Kirche „gemeinsam das Unrecht benennen, anerkennen und ihre Schuld eingestehen“.

„Finsterstes Kapitel“
Im Namen des Staates sprach Bundeskanzler Christian Kern die Entschuldigung bei den Betroffenen aus für die Geschehnisse, die eines der „finstersten Kapitel unserer Geschichte“ darstellten.
Kern rief dazu auf, den Betroffenen zuzuhören.
Vizekanzler Reinhold Mitterlehner rief dazu auf, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Es gebe durchaus noch offene Fragen, so der VP-Chef, der hier die Regelung der Pensionen sowie der Anerkennung nannte. Zu hinterfragen sei stets auch, ob der Prävention genug Platz gewährt werde.

„Lüften des Schweigens“
Bundesratspräsident Mario Lindner würdigte den Mut jener Missbrauchs-Opfer, die sich in den vergangenen Jahren zu Wort gemeldet und somit „den Mantel des Schweigens gelüftet“ hätten. Erst Dank der Erzählungen ihrer Erlebnisse seien ihre Geschichten und ihr Schmerz nun bekannt.

Berichte von Betroffenen
Mit dem Staatsakt im Historischen Sitzungssaal des Parlaments unter dem Titel „Geste der Verantwortung“ wollten die Kirche und das offizielle Österreich das Unrecht anerkennen, das Heimkinder in den vergangenen Jahrzehnten in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen erlitten haben. Zentraler Programmpunkt waren Berichte von Betroffenen, die stellvertretend für das Schicksal tausender Kinder in staatlichen und kirchlichen Heimen standen. Vorgetragen wurden sie von den Schauspielern Karl Markovics, Regina Fritsch, Wolfgang Böck, Florian Teichtmeister und Miriam Fussenegger.

Erzbischof von Aleppo: Menschen im Nahen Osten setzen Hoffnung auf Donald Trump

„Wenn Ihr uns wirklich helfen wollt, dann beendet endlich diesen Krieg und lasst uns Christen weiter in unserer Heimat Syrien leben“: Mit scharfen Worten hat der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, im „Kathpress“-Interview die westliche Syrien-Politik kritisiert.

Die Menschen in Syrien, vor allem auch in Aleppo, würden seit fünf Jahren unvorstellbar leiden.
In Aleppo lebten einst 3,5 Millionen Menschen. Jetzt sind es laut Erzbischof Jeanbart noch 1,5 Millionen. Von den 160.000 Christen sind nur mehr 60.000 in der Stadt. Die Stadt ist geteilt in einen westlichen Teil, der von der Regierung und ihren Verbündeten gehalten wird, und den östlichen Teil, in dem die „Rebellen“ ihre Stellungen halten. Christliches Leben gibt es nur mehr im Westteil.

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Erzbischof Jean-Clement Jeanbart.

Jeanbart erläuterte im „Kathpress“-Gespräch, weshalb die Menschen im Nahen Osten den künftigen Präsidenten Donald Trump weit positiver sehen würden als viele im Westen: „Das Positive an Trump: Wir wissen noch nicht, was er zu tun gedenkt.“ So gebe es möglicherweise die Chance auf eine künftig bessere Entwicklung. Mit Hillary Clinton wäre wohl klar gewesen, „dass sie die Politik der Zerstörung Syriens fortgesetzt hätte“, sagte der Bischof.

Keine militärische Lösung
Im Syrien-Krieg könne es keine militärische Lösung geben, zeigte sich Jeanbart einmal mehr überzeugt.
Die Konfliktparteien müssen zurück an den Verhandlungstisch und Kompromisse eingehen. Freilich räumte der Bischof ein, dass es mit den fundamentalistisch-terroristischen Gruppierungen keine Verhandlungen geben könne, bzw. diese daran auch gar nicht interessiert seien. Moderate Rebellengruppen würde es zum Teil noch geben, diese würden aber kaum noch eine Rolle spielen.
Die Situation sei extrem kompliziert und unübersichtlich – ein Dilemma.

Kritik an Aufnahme christlicher Flüchtlinge
Zur Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus Syrien äußerte sich der Bischof zurückhaltend. Er sieht darin sichtlich keinen erstrebenswerten Weg.
Wenn immer mehr Christen das Land verlassen, sei das ein schwerwiegender Verlust für das Christentum vor Ort und darüber hinaus für die gesamte syrische Gesellschaft, so Jeanbart. Gerade darum brauche es so dringend Frieden.
Die Christen im Land wollten nichts anderes, als mit ihren muslimischen Mitbürgern in Frieden leben. Und die Mehrheit der Muslime wolle das auch, so Erzbischof Jeanbart. So gebe es beispielsweise auch im von Regierungstruppen kontrollierten Westteil von Aleppo keine Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen, sagte der Bischof.

„Vinzenzgemeinschaft so etwas wie soziales Gewissen von Graz“

Die frühere Grazer Vizebürgermeisterin Martina Schröck (SPÖ) übernimmt als Obmann-Stellvertreterin eine Funktion im Vorstand der „VinziWerke“.

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Martina Schröck.

Die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg als Trägerorganisation der mittlerweile 38 VinziWerke in der Steiermark, aber auch in Wien und Salzburg sei für sie „so etwas wie ein soziales Gewissen in unserer Stadt“. Sie schätze deren Arbeit seit vielen Jahren „und freue mich sehr, künftig ein Teil dieser großartigen Organisation zu sein“, begründete die Ex-Politikerin ihr Engagement.
Schröck (39) war schon in ihrer Zeit als Bürgermeister-Stellvertreterin ehrenamtlich für die Vinzenzgemeinschaft im Einsatz, übernachtete z.B. anlässlich des 20-jährigen Bestehens des „VinziDorfs“ für Obdachlose in einem Schlafcontainer am Grazer Hauptplatz. Mit dem Gründer der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg, Pfarrer Wolfgang Pucher (77), ist sie freundschaftlich verbunden.

26 Jahre für die Ärmsten
Die „VinziWerke“ bestehen seit 1990, Einrichtungen wie „VinziBus“, VinziDorf“, VinziSchutz“ oder „VinziNest“ dienen jenen Menschen, „die aus der Bahn geraten sind und deshalb in Armut leben“. In den VinziWerken finden täglich bis zu 450 Personen Unterkunft, 1.400 Personen werden mit Essen und Lebensmitteln versorgt. Mehr als 700 ehrenamtliche Mitarbeiter helfen dabei aktuell mit.
Die Gemeinschaft in Graz-Eggenberg ist eine von 146 Vinzenzgemeinschaften in Österreich, weltweit sind es 50.000 in 148 Ländern. Allen gemeinsam ist das Anliegen, Armen das Leben zu erleichtern bzw. sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern.