Inhalt der gedruckten Ausgabe 48/2015

Leitartikel

Stadt des enthaupteten Heiligen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Papst zur eucharistischen Mahlgemeinschaft:
„Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr.
Sprechen Sie mit dem Herrn, und schreiten Sie voran!“

Bei seinem Besuch in der deutschsprachigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom hat Papst Franziskus am 15. November nicht die vorbereitete Rede vorgelesen, sondern frei gesprochen. Er beantwortete auch drei Fragen, wie man auf der Homepage der protestantischen Pfarre nachlesen kann. Auch Radio Vatikan brachte Auszüge.

Terroranschläge werfen Schatten auf Heiliges Jahr in Rom

Nach den Terroranschlägen von Paris wurden in Rom Vorschläge zur Verschiebung des „Heiligen Jahres“ laut, aber der Vatikan und Italien halten an den Plänen fest und setzen die Vorbereitungen fort.

Schlussbericht  der Synode auf Deutsch

Der Abschlussbericht der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie im Vatikan liegt jetzt auch in einer vollständigen deutschen Arbeitsübersetzung vor. Ab sofort kann das Dokument inklusive der Abstimmungsergebnisse auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz unter www.dbk.de abgerufen werden.

Papst Franziskus schickt Bischof Scheuer von Innsbruck nach Linz

Papst Franziskus hat den 60-jährigen Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer zum neuen Bischof von Linz ernannt. Er folgt auf Ludwig Schwarz, der Oberösterreichs Kirche zehn Jahre lang geleitet hat.

Schönborn: Integration kann gelingen, das zeige die Fußball-Nationalmannschaft

Integration von Flüchtlingen kann gelingen: Mit dieser Botschaft hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner Freitags-Kolumne der Zeitung „Heute“ für einen positiven Blick auf Schutzsuchende geworben.

Rat der Bischofssynode ist vollständig

Der Rat der Bischofssynode ist vollständig: Papst Franziskus ernannte laut Vatikanangaben (Samstag) drei weitere Mitglieder, in Ergänzung zu den zwölf von der Versammlung der Bischofssynode gewählten Kardinälen und Erzbischöfen.

IS-Attentat auf italienischen Priester

Drei IS-Terroristen haben am 18. November im Norden von Bangladesch ein Schuss-Attentat auf den 64-jährigen italienischen Priester Parolari Piero verübt.

Das Pariser Gebet gegen den Terror

„Seigneur, désarme-les. Et désarme-nous“: So fängt ein Gebet für Paris an, das die Französische Bischofskonferenz am Mittwoch veröffentlicht hat. Es reagiert auf den Massenmord von Paris und wurde vom Dominikanerfrater Dominique Motte aus Lille „im Geist von Tibhirine“ verfasst – also im Geist der sieben Trappisten-Mönche, die 1996 in Algerien als Geiseln von islamistischen Kämpfern ums Leben kamen. Hier finden Sie die Übersetzung des Gebets von Radio Vatikan.

Zulehner nach Paris-Terror: „Wesen der Religion ist nicht Gewalt“

Gegen eine perspektivische Verengung auf Religion und Gewalt nach den jüngsten Anschlägen in Paris hat sich der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner ausgesprochen.

Plattform „Christen und Muslime“: Dialog wichtiger denn je

Zum Widerstand gegen das „erkennbare Ziel der Drahtzieher des Terrors, den Konflikt anzuheizen, unsere europäische Gesellschaft zu spalten und Zwietracht zwischen den Religionen zu säen“, hat die in Wien ansässige Plattform „Christen und Muslime“ aufgerufen.

Katholische Jugend will mit Muslimen „Dialog vorleben“

Die Katholische Jugend Österreich widmet ihren nächsten Jahresschwerpunkt den Themen Nächstenliebe und Solidarität.

US-Bischöfe kritisieren Forderung nach Aufnahmestopp für Syrer

Die Bischöfe der USA haben Forderungen nach einem Aufnahmestopp für Syrer kritisiert. Bei den Flüchtlingen handle es sich um „extrem verletzliche Familien, Frauen und Kinder, die ihr Leben gerettet haben“.

Irakisches Parlament will Rechte christlicher Eltern jetzt doch stärken

Das irakische Parlament hat in einer überraschenden Kehrtwende einer Änderung seines Konversionsgesetzes zugunsten nichtmuslimischer Minderheiten zugestimmt.

Integration: Caritas begrüßt den 50-Punkte-Plan

Die Caritas begrüßt jenen 50 Maßnahmen umfassenden Integrationsplan, den Integrationsminister Sebastian Kurz kürzlich von Experten ausarbeiten hat lassen.

Molenbeeks Weihbischof warnt vor vorschneller Verurteilung

Der Weihbischof in Mecheln-Brüssel Leon Lemmens  warnt vor einer Vorverurteilung der Menschen aus dem Brüsseler Stadtteil Sint-Jans-Molenbeek.

Franziskus an deutsche Bischöfe: Missionieren, nicht resignieren

Die deutschen katholischen Bischöfe haben ihren fünftägigen Ad-limina-Besuch im Vatikan beendet. Papst Franziskus empfing sie am Freitag zu einer Abschlussaudienz. Dabei rief er die deutsche Kirche zu einem neuen missionarischen Aufbruch im Geist der Verkündigung auf.

Wiener Weihbischof Krätzl mit Kardinal-König-Preis ausgezeichnet
Der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ist am 19. November in Wien mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet worden.

Der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl ist am 19. November in Wien mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet worden.

Papst Franziskus in Roms Christuskirche: „Ich bin gern Pfarrer,
am meisten gefällt mir, mit Kindern zu sprechen“

„Dialog – Fragen von Gemeindemitgliedern und Antworten des Heiligen Vaters“. Unter diesem Titel publizierte die Homepage der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom die drei an Papst Franziskus gerichteten Fragen und dessen Antworten. Frage zwei lesen Sie auf Seite 1, Frage drei in der nächsten Ausgabe von JA.

Leitartikel

Stadt des enthaupteten Heiligen

Einer der schrecklichen IS-Anschläge am 13.11. fand vor der Fußballarena Stade de France in Saint-Denis statt. In dieser 100.000 Einwohner zählenden Stadt nördlich von Paris wurde wenige Tage später der mutmaßliche Drahtzieher, der Islamist Abdelhamid Abaaoud, bei einem Anti-Terror-Einsatz getötet.
Der Heilige Denis (Dionysius) war der erste Bischof von Paris. Er wurde um 250 enthauptet. Ein ähnliches Schicksal haben in den vergangenen Jahren in von Islamisten beherrschten Regionen Asiens und Afrikas zahlreiche Christen erlitten, die ihrem Glauben nicht abschwören wollten.
Über dem Grab des römischen Märtyrers wurde 626 eine nach dem Heiligen benannte Abtei mit der Basilika Saint-Denis erbaut. Später wurden fast alle französischen Könige hier begraben. So wurde Denis zu einem der Nationalheiligen des Landes.
Heute ist Saint-Denis Sitz des gleichnamigen Bistums und eines der Zentren des Islam in Frankreich. Die gotische Kathedrale soll am 28. November Versammlungsort des internationalen ökumenischen Treffens der „Klima-Pilger“ sein.
Etwa 40 Prozent der 1,5 Millionen Menschen der Diözese Saint-Denis sind katholisch. Ihnen stehen 35 aktive Priester zur Verfügung, 2024 werden es nur noch 24 sein.
2013 wurden im Bistum nur noch 9 Prozent der Neugeborenen katholisch getauft und 785 junge Christen gefirmt.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jer 33, 14-16

Ich werde für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

 

Zweite Lesung:   1 Thess 3, 12 – 4, 2

Der Herr möge euer Herz festigen, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus, unser Herr, kommt

Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt. m übrigen, Brüder, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.

 

Evangelium:   Lk 21, 25-28.34-36

Eure Erlösung ist nahe

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, wie eine Falle; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Herbergssuche 2015

Wir werden in diesem Jahr den Advent zwiespältig erleben. Einerseits drängt sich das Bild des Weltenendes realistisch auf. Wir erleben durch die Medien in unserem Wohnzimmer, dass Teile der Welt aus den Fugen geraten.
Wenn man bedenkt, dass durch das Auto wesentlich mehr Menschen zu Tode kommen als durch Attentate, dann ist auch das eine Bedrohung unvorstellbaren Ausmaßes. Ich rede nichts klein.
Angst an sich macht aber auch krank, sei sie begründet oder nicht. Das angekündigte Weltende ist im ersten Jahrhundert nach Christus nicht gekommen, auch nicht bei allen anderen Ankündigungen.
Gerade in diesen Tagen ist die Ermahnung des Paulus recht tröstlich. Alle Angstmacherei ist krank machend und schlecht für das Zusammenleben der Menschen. Wir wissen nicht, wann unser persönlich jüngster Tag kommt.
Zu Beginn des Advents rufen wir „Maranatha“ – „Unser Herr wird kommen“ und wir denken an das Christkind in der Krippe.
An der österreichischen Grenze ist bereits ein Kind geboren worden. Die Herbergssuche ist in diesem Jahr sehr aktuell. Es wird nicht genügen, ein Bild von Haus zu Haus zu tragen und Adventlieder zu singen.
Wenn unser Herr kommen will, dann heißt es auch, leer stehende Räume zu putzen, Betten zu beziehen und mit Unruhe im Haus zu rechnen. Dann sollten wir überflüssige Winterkleidung zu den Sammelstellen bringen, weil damit auch Kästen leer werden.
Wir werden damit in der Liebe wachsen zueinander und zu allen. Wir haben ja von Jesus und seinen Aposteln gelernt, wie wir leben müssen, um Gott zu gefallen.

 

Information

Papst zur eucharistischen Mahlgemeinschaft:
„Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr.
Sprechen Sie mit dem Herrn, und schreiten Sie voran!“

Bei seinem Besuch in der deutschsprachigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom hat Papst Franziskus am 15. November nicht die vorbereitete Rede vorgelesen, sondern frei gesprochen. Er beantwortete auch drei Fragen, wie man auf der Homepage der protestantischen Pfarre nachlesen kann. Auch Radio Vatikan brachte Auszüge.

Zweite Frage:
Ich heiße Anke de Bernardinis, und wie viele Menschen unserer Gemeinde bin ich mit einem Italiener verheiratet, einem römisch-katholischen Christen. Seit vielen Jahren leben wir glücklich miteinander und teilen Freud und Leid. Daher schmerzt es uns sehr, dass wir im Glauben getrennt sind und am Abendmahl des Herrn nicht gemeinsam teilnehmen können. Was können wir tun, um endlich die Gemeinschaft in diesem Punkt zu erlangen?

Papst Franziskus:
Danke, Frau de Bernardinis. Auf die Frage über das gemeinsame Abendmahl des Herrn zu antworten, ist nicht einfach für mich, vor allem vor einem Theo-logen wie Kardinal Kasper. Da „fürchte“ ich mich! Ich denke: Der Herr hat uns gesagt, als er diesen Auftrag gab: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und wenn wir das Abendmahl des Herrn teilen, erinnern wir daran und ahmen wir nach, tun wir das Gleiche, was Jesus der Herr getan hat. Und das Mahl des Herrn wird es geben, das Hochzeitsmahl am Ende wird es geben, aber dieses wird das letzte sein.

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Der Evangelisch-Lutherische Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse und Papst Franziskus.
Foto: Ev.-luth.Gemeinde Rom.

Unterwegs hingegen, frage ich mich – und ich weiß nicht, wie antworten, aber ich mache mir Ihre Frage zu Eigen – da frage ich mich: das Abendmahl des Herrn zu teilen ist das Ende eines Weges oder die Stärkung auf dem Weg, um gemeinsam voranzuschreiten? Ich überlasse die Frage den Theologen, denen, die es verstehen.
Es stimmt, dass in einem gewissen Sinn teilen heißt, dass keine Unterschiede zwischen uns bestehen, dass wir die gleiche Lehre haben – ich unterstreiche das Wort, ein schwer zu verstehendes Wort –, doch frage ich mich: Aber haben wir nicht die gleiche Taufe? Und wenn wir die gleiche Taufe haben, müssen wir gemeinsam gehen.
Sie sind ein Zeugnis eines auch tiefgründigen Weges, da es ein ehelicher Weg ist, ein Weg eben von Familie, menschlicher Liebe und geteiltem Glauben. Wir haben die gleiche Taufe. Wenn Sie sich als Sünderin fühlen – auch ich fühle mich sehr als Sünder, wenn Ihr Gatte sich als Sünder fühlt, dann gehen Sie vor den Herrn und bitten um Vergebung; Ihr Gatte tut das Gleiche und geht zum Priester und bittet um die Lossprechung. Es sind Heilmittel, um die Taufe lebendig zu erhalten. Wenn Sie gemeinsam beten, dann wächst diese Taufe, wird sie stärker.
Wenn Sie Ihre Kinder lehren, wer Jesus ist, warum Jesus gekommen ist, was Jesus uns getan hat, so tun Sie das Gleiche, mit lutherischer wie auch mit katholischer Sprache, doch ist es das Gleiche.
Die Frage: „Und das Abendmahl?“ Es gibt Fragen, auf die man – nur wenn man ehrlich zu sich selbst ist und mit den wenigen theologischen „Lichtern“, die ich habe – ebenso antworten muss, Sie sehen es. „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, hat der Herr gesagt, „tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Und das ist eine Stärkung auf dem Weg, die uns voranzuschreiten hilft.
Ich pflegte eine große Freundschaft mit einem Bischof der Episkopalkirche, 48 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, der diese große Unruhe hatte: die Frau katholisch, die Kinder katholisch, er Bischof. Sonntags begleitete er seine Frau und seine Kinder zur Messe, und dann ging er den Gottesdienst in seiner Gemeinde feiern.
Es war ein Schritt der Teilnahme am Abendmahl des Herrn. Dann ging er weiter, der Herr hat ihn gerufen, einen gerechten Mann.
Auf Ihre Frage antworte ich nur mit einer Frage: Wie kann ich es mit meinem Mann machen, damit das Abendmahl des Herrn mich auf meinem Weg begleitet? Es ist ein Problem, auf das jeder antworten muss. Ein befreundeter Pastor sagte mir jedoch: „Wir glauben, dass hier der Herr gegenwärtig ist“. Er ist gegenwärtig. Ihr glaubt, dass der Herr gegenwärtig ist. Was ist der Unterschied?“ – „Nun, es sind die Erklärungen, die Deutungen …“ Das Leben ist größer als Erklärungen und Deutungen. Nehmt immer auf die Taufe Bezug: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr“, sagt uns Paulus, und von daher zieht die Schlussfolgerungen. Ich werde nie wagen, Erlaubnis zu geben, dies zu tun, denn es ist nicht meine Kompetenz. Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht voran. Ich wage nicht mehr zu sagen.

Um Verzeihung bitten
Der Papst wurde bei seinem Besuch unter anderem vom emeritierten Präsidenten des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, und dem jetzigen Amtsinhaber, Kardinal Kurt Koch begleitet.
Papst Franziskus rief Katholiken und Protestanten zur gegenseitigen Vergebung auf.
Trotz gleicher Taufe sei es in der Vergangenheit immer wieder zu grausamen Verfolgungen zwischen den Konfessionen gekommen, bis hin zur Verbrennung von Menschen, sagte er in der Christuskirche. Die Spaltung der christlichen Kirche sei ein Skandal, für den katholische und evangelische Christen Gott um Verzeihung bitten müssten.

Abendmahlskelch als Geschenk
Als Geschenk erhielt Franziskus von der Gemeinde einen typisch deutschen Adventskranz mit dicken roten Kerzen und Bändern. Seinerseits hatte der Papst für die Gemeinde einen Abendmahlskelch im Gepäck.
Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in der italienischen Hauptstadt zählt rund 500 Mitglieder in Rom und Umgebung. Die Christuskirche wurde 1922 eingeweiht und entstand auf Veranlassung des deutschen Kaisers Wilhelm II.
Ein Neunjähriger fragte den Papst am Mikrofon vor einer amüsierten Gemeinde, was er denn als Papst am liebsten tue. Die erste Antwort gab ihm der Heilige Vater, als er den kleinen Protestanten danach erst einmal innig umarmte und küsste. Um dann fortzufahren: „Papstsein wie ein Pfarrer.“

Papst Franziskus schickt Bischof Scheuer von Innsbruck nach Linz

Papst Franziskus hat den 60-jährigen Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer zum neuen Bischof von Linz ernannt. Er folgt auf Ludwig Schwarz, der Oberösterreichs Kirche zehn Jahre lang geleitet hat.

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Bischof Manfred Scheuer.

Foto: Diözese Innsbruck.

Manfred Scheuer wurde am 10. August 1955 in Haibach geboren. Er studierte in Linz und Rom Theologie und wurde 1980 in Rom zum Priester geweiht. Von 1985 bis 1988 arbeitete er als Assistent bei Prof. Gisbert Geshake an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg, wo er nach einer dreijährigen Unterbrechung, während der er als Spiritual am Linzer Priesterseminar tätig war, auch unterrichtete. Ehe er als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an die Theologische Fakultät Trier berufen wurde, unterrichtete er außerdem an den Universitäten in Salzburg und St. Pölten.
2003 wurde Scheuer zum Bischof von Innsbruck ernannt.

„Mangel an Leitungskultur“
Bischof Manfred Scheuer ortet einen „Mangel an Leitungskultur“ in der Kirche. In seinem jüngst erschienenen Buch „Wider den kirchlichen Narzissmus“ macht der aktuelle Innsbrucker und designierte Linzer Bischof Mut zur Führung und plädiert für einen reflektierten Umgang mit Macht.
Die Kirche und Gemeinschaften in ihr „brauchen eine Leitung“, so Scheuer. „Wird die Leitungsaufgabe nicht wahrgenommen oder Leitung nicht zugelassen, machen sich nicht automatisch das reine Evangelium breit, auch nicht die ideale herrschaftsfreie Kommunikation, sondern andere, oft anonyme Kräfte, die meist nicht mehr benannt und so auch nicht mehr kritisch befragt werden.“
Dass die Verweigerung der Leitung bzw. das Hinausschieben von Entscheidungen und Veränderungen „massive negative Folgen haben“ könne, veranschaulicht Scheuer mit einem Beispiel aus Deutschland (ohne die Diözese Essen explizit zu nennen): Der Bischof habe dort 1995 vor dem finanziellen Ruin gewarnt, sollte nicht rasch gegengesteuert werden.
Ein Aufschrei unter den Priestern und Kirchenmitarbeitern, „das Geld dürfe doch nicht die Pastoral regieren“, habe dazu geführt, „gemeinsam den Kopf in den Sand zu stecken“ – mit dem Ergebnis, dass 2003 ein enormer Schuldenberg offen zutage trat, wie Scheuer erinnerte.
400 kirchliche Angestellte mussten entlassen, Pfarren zusammengelegt bzw. aufgelassen, zahlreiche Häuser und Liegenschaften verkauft werden.

Das Pariser Gebet gegen den Terror

„Seigneur, désarme-les. Et désarme-nous“: So fängt ein Gebet für Paris an, das die Französische Bischofskonferenz am Mittwoch veröffentlicht hat. Es reagiert auf den Massenmord von Paris und wurde vom Dominikanerfrater Dominique Motte aus Lille „im Geist von Tibhirine“ verfasst – also im Geist der sieben Trappisten-Mönche, die 1996 in Algerien als Geiseln von islamistischen Kämpfern ums Leben kamen. Hier finden Sie die Übersetzung des Gebets von Radio Vatikan.

„Herr, entwaffne sie – und entwaffne uns! Entwaffne sie. Wir wissen, dass diese extreme Gewalt das tägliche Brot im Irak, in Syrien, Palästina, Zentralafrika, Sudan, Eritrea und Afghanistan ist. Heute hat sie sich unser bemächtigt.

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Entwaffne sie, Herr. Lass in ihrer Mitte Propheten aufstehen, die ihre Abscheu und ihre Scham herausschreien darüber, wie sehr das Bild des Menschen, das Bild Gottes entstellt worden sind.
Entwaffne sie, Herr. Gib uns alle nötigen Mittel, um Unschuldige entschlossen zu beschützen. Aber ohne Hass. Entwaffne auch uns, o Herr: In Frankreich, im Westen … hat uns doch die Geschichte einiges gelehrt… Lass uns nicht in Verzweiflung versinken, auch wenn wir bestürzt darüber sind, wie weit sich das Böse in dieser Welt verbreitet hat.
Entwaffne uns und gib, dass wir uns nicht hinter verschlossenen Türen, betäubten Erinnerungen und Privilegien, die wir mit niemandem teilen wollen, verschanzen. Entwaffne uns, damit wir deinem Sohn ähnlich werden. Nur seine Logik ist wirklich auf der Höhe dessen, was uns widerfahren ist: „Nicht sie nehmen mir das Leben, sondern ich bin es, der es dahingibt.“

Papst Franziskus in Roms Christuskirche: „Ich bin gern Pfarrer,
am meisten gefällt mir, mit Kindern zu sprechen“

„Dialog – Fragen von Gemeindemitgliedern und Antworten des Heiligen Vaters“. Unter diesem Titel publizierte die Homepage der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Rom die drei an Papst Franziskus gerichteten Fragen und dessen Antworten. Frage zwei lesen Sie auf Seite 1, Frage drei in der nächsten Ausgabe von JA.

Erste Frage:
Ich heiße Julius. Ich bin neun Jahre alt, und ich nehme sehr gerne an den Kindergottesdiensten in dieser Gemeinde teil. Ich bin fasziniert von den Geschichten von Jesus, und mir gefällt auch, wie er sich verhält. Meine Frage ist: Was gefällt dir am meisten daran, Papst zu sein?

Papst Franziskus:
Die Antwort ist einfach. Was mir gefällt … Wenn ich dich frage, was dir vom Essen am meisten schmeckt, wirst du sagen die Torte, die Nachspeise. Oder nicht? Man muss aber alles essen.
Das, was mir, ehrlich gesagt, gefällt, ist Pfarrer sein, Hirte sein. Ich mag nicht gern die Büroarbeiten machen. Diese Arbeiten gefallen mir nicht. Ich gebe nicht gern protokollarische Interviews – dieses hier ist nicht protokollarisch, sondern familiär –, aber ich muss sie machen.
Was gefällt mir daher am meisten? Pfarrer sein. Eine Zeit lang, als ich Rektor der Theologischen Fakultät war, war ich Pfarrer der Pfarrei neben der Fakultät, und, weißt du, gerne lehrte ich die Kinder den Katechismus und feierte die Kindermesse am Sonntag. Es waren ungefähr 250 Kinder; es war schwer, dass sie alle ruhig blieben, wirklich schwer. Das Gespräch mit den Kindern … das mag ich.
Du bist ein Junge, und vielleicht verstehst du mich. Ihr Kinder seid konkret, ihr macht keine leeren theoretischen Fragen: „Warum ist das so? Warum ….?“

pope francis receives a gift by children during his visit to the lutheran church in rome november 15, 2015. reuters/tony gentilePapst Franziskus mit Kindern in der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche in Rom.
Foto: Ev-Luth.Gemeinde

Nun, ich bin gerne Pfarrer, und wenn ich Pfarrer bin, ist das, was mir am meisten gefällt, das mit den Kindern sein, mit ihnen zu sprechen, und man lernt viel, ja man lernt viel dabei.
Ich bin gerne Papst im Stil eines Pfarrers. Der Dienst. Mir gefällt es, d.h. im Sinn dass ich mich dabei gut fühle, wenn ich die Kranken besuche, wenn ich mit Menschen spreche, die ein wenig verzweifelt, traurig sind.
Ich liebe es sehr, das Gefängnis zu besuchen, aber nicht dass sie mich hinter Gitter bringen! Denn mit den Häftlingen zu sprechen … – du verstehst vielleicht, was ich dir sage – denn jedes Mal, wenn ich das Gefängnis betrete, frage ich mich: „Warum sie und nicht ich?“ Und dort spüre ich das Heil Jesu Christi, die Liebe Jesu Christi für mich. Denn er ist es, der mich gerettet hat. Ich bin nicht weniger Sünder als sie, aber der Herr hat mich an der Hand genommen. Auch das spüre ich. Und wenn ich ins Gefängnis gehe, bin ich glücklich.
Papst sein heißt Bischof sein, Pfarrer sein, Hirte sein. Wenn ein Papst nicht Bischof ist, wenn ein Papst nicht Pfarrer ist, nicht Hirte ist, dann mag er ein sehr intelligenter Mensch sein, sehr wichtig sein, großen Einfluss in der Gesellschaft haben, aber ich denke – so denke ich! –, in seinem Herzen ist er nicht glücklich. Ich weiß nicht, ob ich beantwortet habe, was du wissen wolltest.