Inhalt der gedruckten Ausgabe 47/2016

Leitartikel

Jerusalems Tempelberg

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Information

USA: Auch Mehrheit der Katholiken für Donald Trump

Gegen alle Vorhersagen haben bei den US-Präsidentschaftswahlen auch die Katholiken mehrheitlich für Donald Trump gestimmt. 52 Prozent votierten für ihn, 45 für Hillary Clinton, erhob das „Pew Research Center“.

Weckruf für Österreich: PGR-Wahl nur in jeder zweiten Pfarre Südtirols

Am 19. März 2017 wählen die Katholiken in den 3.000 österreichischen Pfarren ihre neuen Pfarrgemeinderäte (PGR) für die kommenden fünf Jahre.

Papst traf verheiratete Priester

Papst Franziskus hat sich mit ehemaligen Priestern getroffen. Am 11. November besuchte er im Osten Roms sieben Männer, die das Priesteramt aufgegeben und eine Familie gegründet haben.

Buddhisten wollen größten Weihnachtsbaum der Welt errichten

Im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka soll als Zeichen interreligiöser Harmonie der größte Weihnachtsbaum der Welt entstehen.

Frühere italienische Außenministerin Bonino beim Papst

Papst Franziskus hat am 8. November die frühere italienische Außenministerin Emma Bonino (68) im Vatikan empfangen.

Bischöfe: Drei Appelle an Regierung, zwei an Gläubige, keiner an Rom

Die Herbstvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz tagte vom 7. bis 11. November in Eisenstadt.

Papst entschuldigt sich bei 4.000 Obdachlosen fürs „Wegschauen“

Papst Franziskus hat am 11. November im Vatikan mehr als 4.000 Obdachlose, psychisch Kranke, Suchtrehabiltierte und Menschen am Rand der Gesellschaft aus 22 Ländern Europas empfangen, darunter 110 Österreicherinnen und Österreicher. In seiner Ansprache entschuldigte er sich im Namen der Kirche für diejenigen Katholiken, „die wegschauen, wenn sie Arme oder Elendssituationen sehen“.

Kirchen schreiben Ökumene-Preis aus

Die Reformation vor 500 Jahren ist Anlass für einen Ökumene-Preis, den die Österreichische Bischofskonferenz, der Evangelische Oberkirchenrat A. und H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche erstmals gemeinsam vergeben.

Katholische und evangelische Kirchen: Vom Gegeneinander zum Miteinander

Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 haben die katholische Bischofskonferenz und die evangelischen Kirchen in Österreich am 8. November eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.Sie trägt den Titel „500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander“ und will ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Kirchen aufschlagen.

Lage der Christen in Gaza besorgniserregend

Der Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, hat als Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales der katholischen Gemeinde Gaza im Palästinensergebiet einen Solidaritätsbesuch abgestattet.

Stadt Bamberg stellt sich hinter bedrohten Erzbischof Schick

Der aus AfD-Kreisen mit dem Tod bedrohte Erzbischof Ludwig Schick hat in einer bundesweit einmaligen Erklärung Rückendeckung durch die Stadt Bamberg erhalten.

Kardinal Zen warnt Vatikan vor Anerkennung „falscher Bischöfe“

Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen Ze-kiun hat den Vatikan eindringlich vor einem Abkommen mit der Regierung in Peking gewarnt.

Indien: Blitz-Umstellung bei Banknoten trifft die Armen hart

Sorge angesichts der aktuellen radikalen Bargeldreform in Indien hat die katholische Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ (J1W)geäußert.

Stift Heiligenkreuz beschließt Neubesiedlung von Kloster Neuzelle

Das Stift Heiligenkreuz hat sich am 8. November entschieden: Es will das im 13. Jahrhundert gegründete und 1817 säkularisierte ostdeutsche Kloster Neuzelle neu besiedeln. Damit folgt es einer Einladung des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt.

Syrien: Rebellen-Überfall auf Patriarchalvikar von Aleppo

Der syrisch-orthodoxe Patriarchalvikar von Aleppo, Prälat Raban Boutros Kassis, ist von Rebellen überfallen und angeschossen worden.

Experte: Rückkehr von Christen nach Mossul ist unwahrscheinlich

Christen im Irak beobachten die Offensive auf Mossul nach Einschätzung des Nahost-Experten Otmar Oehring inzwischen mit Ernüchterung. „Nach Mossul werden keine Christen zurückkehren“, sagte er im Interview der in Würzburg erscheinenden katholischen „Tagespost“. Er hat den Irak vor kurzem bereist.

Papst Franziskus beantwortet 30 Kinderbriefe aus aller Welt

Unter dem Titel „Lieber Papst Franziskus“ ist im Kösel-Verlag in München ein bunter Bildband erschienen. Darin beantwortet der Papst Briefe von Kindern aus aller Welt auf eine sehr liebevolle, einfühlsame Art.

„Bambi“ für Papst Franziskus

Papst Franziskus (79) ist mit dem Medienpreis „Bambi“ ausgezeichnet worden. Das katholische Kirchenoberhaupt nahm den Preis – ein goldenes Reh – am 10. November in Rom entgegen, wie „Hubert Burda Media“ als Preisstifter am Freitag in München bekanntgab.

Leitartikel

Jerusalems Tempelberg

Ende Oktober unternahmen katholische und  evangelische Bischöfe aus Deutschland erstmals eine gemeinsame Pilgerreise in das Heilige Land.
Im Jerusalemer Abendmahlsaal ist die Sensation bekanntlich ausge-blieben. Es wurde kein gemeinsames Abendmahl gefeiert.
Eine „Kirchen-Sensation“, allerdings eine der anderen Art,  vermeldete die große deutsche Boulevardzeitung „Bild“ am Tag nach Allerseelen aber dennoch: „Kardinal und Bischof verzichten auf Kreuz“.
Und legt nach: „Kaum zu glauben, aber wahr: Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm entledigten sich kürzlich ihres Kreuzes. Die höchsten deutschen Vertreter des katholischen und evangelischen Christentums verzichteten auf DAS christliche Symbol schlechthin aus, wie es nachher hieß, ´Respekt´ gegenüber dem Wunsch ihrer muslimischen Gastgeber auf dem Jerusalemer Tempelberg.“
Der Bischof habe sich „unterworfen“, der Kardinal päpstlicher als der Papst gehandelt, urteilt „Bild“. Papst Benedikt XVI. hätte vor fast genau zehn Jahren die Blaue Moschee in Istanbul besucht: „Mit Kreuz, versteht sich.“
Die UNESCO hat jüngst den Tempelberg in völliger Missachtung der Geschichte als rein muslimisches Heiligtum bezeichnet, ohne jeden Bezug zum Juden- oder Christentum. Israel ist wütend. Christen weltweit haben dagegen protestiert, auch das „Zentralkomitee deutscher Katholiken“. Werte Bischöfe, warum dann das?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   2 Sam 5, 1-3

Sie salbten David zum König von Israel

In jenen Tagen kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron und sagten: Wir sind doch dein Fleisch und Bein. Schon früher, als noch Saul unser König war, bist du es gewesen, der Israel in den Kampf und wieder nach Hause geführt hat. Der Herr hat zu dir gesagt: Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein, du sollst Israels Fürst werden. Alle Ältesten Israels kamen zum König nach Hebron; der König David schloss mit ihnen in Hebron einen Vertrag vor dem Herrn, und sie salbten David zum König von Israel.

 

Zweite Lesung:   Kol 1, 12-20

Er hat uns aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes

Schwestern und Brüder!
Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

 

Evangelium:   Lk 23, 35-43

Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst

In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

 

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Christkönig-Schlagwörter

•  Ruf nach dem starken Führer.
•  Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
•  Führer verspotten Jesus / das Volk schaut zu (gafft) / die Frauen weinen.
•  Rette dich selbst — Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.
•  Ablehnung (Verspottung) durch die Führer meint nicht Jesus als säkularen Thronprätendenten, sondern als religiösen Messias (Gottesknecht, Jes 42,1).
•  Verhöhnung „König der Juden“ durch Pilatus und römische Soldaten (Nichtjuden).
•  Kreuzesinschrift ist gleichzeitig Verhöhnung und Abschreckung.
•  Die Mitgekreuzigten: Der eine will Bewahrung vor dem physischen Tod; die Zurechtweisung des anderen verweist auf die wahre Rettung durch Jesus zum ewigen Leben. (Ob der Erstere noch umdenkt, wird nicht gesagt.) Ziel der Zurechtweisung in der Kreuzigungsszene ist es, zum Eingeständnis der Schuld zu führen und sich für die Vergebung Gottes zu öffnen, die er ihm durch den Kreuzestod Jesu anbietet.
•  „Heute“: der göttliche Herrschaftsanspruch Jesu tritt gleich bei seinem physischen Tod ein, nicht erst bei der Parusie. Deshalb tritt auch das Heil für den zweiten Mitgekreuzigten sofort mit seinem Tod ein.
•  Paradies: Heilsvollendung. Die Königsherrschaft Jesu und das Paradies meinen somit den selben Zustand persönlicher Vollendung im Tod.

 

Information

Papst traf verheiratete Priester

Papst Franziskus hat sich mit ehemaligen Priestern getroffen. Am 11. November besuchte er im Osten Roms sieben Männer, die das Priesteramt aufgegeben und eine Familie gegründet haben.

Der Papst habe so seine Nähe und Zuneigung gegenüber den jungen Männern ausdrücken wollen, die eine „oft von Familienangehörigen und Mitbrüdern nicht geteilte Entscheidung getroffen haben“, teilte das vatikanische Presseamt mit.

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Foto: L‘Osservatore Romano.

Nach mehreren Jahren im priesterlichen Dienst hätten Einsamkeit, Unverständnis, und „Müdigkeit aufgrund des großen Einsatzes für die seelsorglichen Verantwortungen“ zu einer Krise geführt, heißt es in der Vatikanmitteilung. Aus Jahren des Zweifels und der Unsicherheit sei oft das Gefühl erwachsen, mit dem Priesteramt die falsche Wahl getroffen zu haben. So sei die Wahl gefallen, das Priesteramt aufzugeben und eine Familie zu gründen.
Fünf der ehemaligen Priester sind Italiener, einer ist Spanier und einer Lateinamerikaner. Der Besuch war vorher nicht offiziell angekündigt worden. Er fand im Rahmen der sogenannten „Freitage der Barmherzigkeit“ statt. Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit begibt sich der Papst einmal im Monat unangekündigt zumeist in soziale Einrichtungen. Zuletzt suchte er ein SOS-Kinderdorf auf.

Stadt Bamberg stellt sich hinter bedrohten Erzbischof Schick

Der aus AfD-Kreisen mit dem Tod bedrohte Erzbischof Ludwig Schick hat in einer bundesweit einmaligen Erklärung Rückendeckung durch die Stadt Bamberg erhalten.

Durch die Hasstiraden der Partei und ihrer Sympathisanten werde nicht nur der Erzbischof, „sondern auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen“, heißt es in einer Stellungnahme von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und weiterer Vertreter der Stadtverwaltung. Sie forderten zugleich strafrechtliche Konsequenzen für die Urheber der Attacken.
Der Bamberger Erzbischof war in den vergangenen Tagen auf der Facebook-Seite der rechtspopulistischen AfD mit Hassbotschaften bis hin zu Mordaufrufen überzogen worden. Unter anderem war dort von „Pfaffengesindel“ die Rede, das liquidiert werden solle. Hintergrund sind Schicks Äußerungen über einen möglichen islamischen Bundespräsidenten. Er hatte gesagt, ein Muslim als Staatsoberhaupt sei grundsätzlich denkbar, allerdings sehe er dafür gegenwärtig keine gesellschaftliche Mehrheit.
In der Erklärung der Stadtverwaltung heißt es, Schick habe „die Verfassungslage unseres Grundgesetzes wiedergegeben, nicht mehr und nicht weniger“. Sein Hinweis auf die Wählbarkeit von Personen, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit, sei eine „rechtsstaatliche Selbstverständlichkeit“ und werde von der AfD missbraucht, um „übel zu hetzen und sogar zu kriminellen Handlungen aufzurufen“. Damit werde „eine Grenze überschritten“. Die Behörden seien gefordert, „konsequent die Urheber dieser strafrechtlich relevanten Handlungen zu verfolgen“.

Indien: Blitz-Umstellung bei Banknoten trifft die Armen hart

Sorge angesichts der aktuellen radikalen Bargeldreform in Indien hat die katholische Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ (J1W)geäußert.

Die zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Schwarzgeld eingeführte Maßnahme treffe Millionen von armen Menschen ohne Bankkonto hart, gab J1W-Vorsitzender Reinhard Heiserer in einer Aussendung zu bedenken. Transparenz-Maßnahmen und Bekämpfung von Kriminalität seien grundsätzlich zu begrüßen, doch sei zu befürchten, „dass Leute, die große Mengen an Schwarzgeld anhäufen, diese künftig einfach in Gold oder in Fremdwährungen anlegen werden“.

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Foto: Jugend Eine Welt.

Die indische Regierung hatte am 8. November überraschend alle im Umlauf befindlichen Banknoten im Wert von 500 bzw. 1.000 Rupien – umgerechnet sind dies 6,80 bzw. 13,60 Euro – kurzfristig für ungültig erklärt. Schätzungen zufolge betrifft die Maßnahme mindestens 80 Prozent des in Indien in Umlauf befindlichen Bargelds. Die alten Scheine können noch bis Jahresende auf Bankkonten eingezahlt oder in neu gedruckte 500- und 2.000-Rupien-Banknoten umgetauscht werden. Der tägliche Eintauschbetrag wurde jedoch auf 4.000 Rupien (54 Euro) begrenzt.

Papst Franziskus beantwortet 30 Kinderbriefe aus aller Welt

Unter dem Titel „Lieber Papst Franziskus“ ist im Kösel-Verlag in München ein bunter Bildband erschienen. Darin beantwortet der Papst Briefe von Kindern aus aller Welt auf eine sehr liebevolle, einfühlsame Art.

„Danke, dass Ihr mir all Eure Briefe schickt. Es macht mir große Freude, sie zu lesen“, lautete seine Botschaft an die Kinder der Welt.
Ausgangspunkt war eine internationale Aktion von Jesuitenschulen, die ihre Schüler aufforderten, ein Bild für den Papst zu zeichnen und ihm eine Frage zu stellen. Am Ende waren es 30 ausgewählte Briefe, die der Direktor der Zeitschrift „La Civilta Cattolica“, Antonio Spadaro, vorlegte. Der Band enthält auch Fotos der betreffenden Kinder mit Namen und Alter, von ihnen gefertigte Zeichnungen und teils knifflige Fragen. In seinen Antworten gewährt Franziskus ihnen auch private Einblicke.

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Schwierige Frage
„Du hast mir eine schwierige Frage gestellt“, antwortete der Papst Tom aus Großbritannien. Der Achtjährige wollte wissen: „Was war Deine schwerste Entscheidung, was Deinen Einsatz für den Glauben angeht?“ Franziskus gab in seiner Replik zu, dass es ihm schwerfalle, Menschen wegzuschicken. „Ich vertraue anderen gerne“, schreibt Franziskus. Deshalb fühle er sich in solchen Fällen „wirklich mies“. Doch manchmal bleibe ihm nichts anderes übrig, als jemanden von seiner Aufgabe oder Verantwortung zu entbinden, weil die Person diese Rolle nicht ausfüllen könne.

Trost für Halbwaisen aus Australien
Tröstende Worte hielt der Papst für Luka aus Australien bereit. Der Siebenjährige zeichnete mit wenigen Strichen eine Engelsfigur mit Heiligenschein. Ihn trieb um, ob seiner verstorbenen Mutter im Himmel nun Flügel wüchsen. „Aber nein!“, schrieb Franziskus. Sie sei immer noch seine Mutter, „der Mensch, den du kanntest, aber sie ist strahlender als je zuvor“. Am besten solle sich der Junge seine Mutter „schön, lächelnd und voller Liebe für Dich“ vorstellen.

Keine Wundermittel
Auch der neunjährige Michael aus Nigeria stellte zu seinem eher holprig gezeichneten Männchen eine „große“ Frage: Er wollte wissen, wie die Konflikte in der Welt gelöst werden können. Dem Papst fiel sofort auf, dass in Michaels Zeichnung Traurigkeit anklingt. „Sie zeigt, dass Du mit Konflikten Erfahrung hast.“ Aber es gebe kein Wundermittel dafür. „Ich kann nicht alle Konflikte auf dieser Welt lösen, doch Du und ich wir können versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, ermutigte Franziskus den Buben.

Beim Zahnarzt beten
Ob der Papst einen Lieblingsort für das Beten habe, interessierte Josephine (8) aus Großbritannien. Eigentlich tue er das überall gerne, so das Kirchenoberhaupt dazu. Er liebe es jedoch besonders, vor dem Allerheiligsten zu stehen. „Aber ich kann auch beim Gehen beten oder wenn ich zum Zahnarzt muss. Ich entdecke Gott überall.“

Tango tanzen
Der gebürtige Argentinier verriet auch, dass er immer gerne getanzt habe: als Kind Ringelreihen und als junger Mann sogar Tango. Dem siebenjährigen William aus den USA vertraute Franziskus an, dass er, wenn er ein Wunder tun dürfte, alle kranken Kinder heilen würde. Seine Antwort auf den Schmerz der Kinder sei Schweigen oder „vielleicht ein Wort, das aus meinen Tränen entsteht“. Denn er habe keine Angst zu weinen.

Vom Fußball lernen
Richtig locker wird der Papst in seinen Kinderbriefen beim Thema Fußball. Der achtjährigen Chinesin Wing erklärte er, dass er diesen Sport einfach mag. Auch wenn er selbst „nicht gerade flinke Füße“ habe, sehe er den Mannschaften gerne zu. Man müsse als Team auftreten und für alle das Beste anstreben, ohne an den eigenen Gewinn oder Ruhm zu denken – „so müsste es auch in der Kirche sein!“
Lieber als ihnen zu schreiben hätte Franziskus mit den Kindern Auge in Auge kommuniziert. „Ich hätte sie hier bei mir haben sollen“, soll er beim Entstehen des Bandes geseufzt haben. So nahm sich der Papst Zeit, auf die jeweiligen Anliegen einzugehen und seine Antworten zu diktieren.
Das Buch „Lieber Papst Franziskus…“ ist im Kösel-Verlag in München erschienen und kostet 16,99 Euro.