Inhalt der gedruckten Ausgabe 47/2015

Leitartikel

„Synode bestärkt Praxis in Österreich“

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Franziskus: Kirche Italiens braucht Priester wie Don Camillo
„Keine Problem-Lösungen im Konservativismus suchen“

Papst Franziskus wünscht sich mehr Priester und Bischöfe vom Schlag eines Don Camillo. Die italienische Kirche habe große Heilige von Franz von Assisi bis hin zu Philipp Neri, die ihr helfen könnten, den Glauben in Demut und Freude zu leben, sagte er am 10. November in Florenz vor rund 2.500 Delegierten des Fünften Nationalen Konvents der katholischen Kirche Italiens.

Petition für Seligsprechung von Kardinal Groer

Der deutsche „Kardinal-von-Galen-Kreis“ hat eine „Petition zur Einleitung der Seligsprechung von Hans Hermann Kardinal Groer“ aufgelegt. Sie propagiert das Monatsblatt „Der 13.“, das im Impressum und im Titel  den verstorbenen Bischof Kurt Krenn immer noch als „Ehrenherausgeber“ führt.

Papstvertrauter: Synode bedeutet Wende für Wiederverheiratete

Die Weltbischofssynode über Ehe und Familie hat nach den Worten von P. Antonio Spadaro SJ, eines engen Papstvertrauten, die „Grundlage“ für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion gelegt.

Schwere Tage für Montecassino

Das Mutterkloster des Benediktinerordens, das 529 vom Hl. Benedikt gegründete Kloster Montecassino durchlebt schwere Tage.

Kenia: Papst soll Obdachlose sehen

Während des Papstbesuchs in Nairobi dürfen Obdachlose auf den Straßen bleiben. Das Beste, was man machen könne, sei, Franziskus „das wahre Kenia zu zeigen“, sagte der Bildungsexperte Christopher Khaemba der kenianischen Zeitung „The Star“.

Burgenland: Startschuss für 41 Seelsorgsräume

Die Diözese Eisenstadt reformiert ihre Seelsorge und die dazugehörenden Strukturen.

Italiens Traualtäre locken noch weniger als in Österreich

In Italien heiraten immer weniger Menschen. So wurden 2014 nur noch 189.765 Ehen geschlossen, fast 60.000 weniger als sechs Jahre zuvor, wie die Tageszeitung „Il Messaggero“  berichtet.

Papst traf spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino

Papst Franziskus ist mit dem in El Salvador lebenden spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino zusammengetroffen, der 2007 vom Vatikan öffentlich gerügt wurde.

Papst prangert Ausbeutung und skandalöse Arbeitsbedingungen an

Papst Franziskus hat die Ausbeutung von Arbeitern auch in Europa angeprangert.

Papst plant „Maßnahme, um Erzbischof Bezak zu helfen“

Papst Franziskus möchte mit einer Maßnahme dem im vergangenen Pontifikat ohne Angabe von Gründen abgesetzten überaus populären Erzbischof von Trnava, Robert Bezak, „helfen“. Dies teilte der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, der Pressburger Erzbischof Stanislav Zvolensky, nach der Privataudienz des Papstes für das Bischofkollegium am 12. November mit.

Weibliche Flüchtlinge sind ohne Schutz

Die Leiterin der Münchner „Solwodi“-Beratungsstelle, Gabi Höbenreich-Hajek, hat eine Anerkennung von frauenspezifischen Fluchtgründen gefordert.

Syrien: Syrisch-orthodoxer Patriarch besuchte Sadad

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II. hat am 7. November die syrische Stadt Sadad besucht, die vor wenigen Tagen das Ziel dschihadistischer Angriffe der IS-Terrormilizen war.

Bayern: Ordensobere kritisieren Seehofer wegen Flüchtlingspolitik

45 katholische Ordensobere aus Bayern haben in einem offenen Brief die Flüchtlingspolitik von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kritisiert.

Flüchtlinge, Familiensynode, Ehe, Ökologie und Jugendbibel

„Wer Österreich liebt, spaltet es nicht.“ Mit diesem Appell haben sich die österreichischen Bischöfe an die Politik und Zivilgesellschaft gewandt und gemeinsame konstruktive Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen rund um die Flüchtlinge im Land eingemahnt.

Altkanzler Schmidt war ein Freund Kardinal Königs

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben Altkanzler Helmut Schmidt gewürdigt.

Bertone räumt Zuschuss von Stiftung zu Wohnungsrenovierung ein

Kardinal Tarcisio Bertone hat die Mitfinanzierung der Renovierung seiner Privatwohnung im Vatikan durch die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik „Bambino Gesu“ eingeräumt.

Kulturszene und Kirche trauern um Ernst Fuchs
Künstler war überzeugt, Gott gesehen zu haben

Ernst Fuchs, der Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus ist am 9. November im Alter von 85 Jahren an Altersschwäche gestorben. Sein Werk mit leuchtenden Farben und kräftigen Kontrasten war von individuellen, mythologisch verwurzelten Motiven und apokalyptischen Visionen geprägt.

Frühe Bibelübersetzung aus Österreich

Die Bibel wurde im heutigen Österreich schon vor Martin Luther ins Deutsche übersetzt.

Zu Weihnachten  „Schenken mit Sinn“

Ein Esel unterm Christbaum: Die Caritas-Aktion „Schenken mit Sinn“ soll vor Weihnachten dazu anregen, den Weihnachtsbrauch, sich gegenseitig zu beschenken, zu nutzen, um „Gutes zu tun“.

Leitartikel

„Synode bestärkt Praxis in Österreich“

Die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie „bestärkt die seelsorgliche Praxis, die vielerorts zur gelebten Realität in Österreich gehört“. Man sehe diese Rückenstärkung namentlich beim Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen, der vielfach „als die Testfrage der Synode gesehen“ worden sei. „Es geht um den aufmerksamen, nüchternen und liebevollen Blick auf die jeweils besondere Situation, um die sorgfältige Unterscheidung und die Begleitung auf dem Weg der Teilnahme am kirchlichen Leben“, heißt es in einer Erklärung der österreichischen Bischöfe nach ihrer Herbst-Vollversammlung.
Ein wenig ungläubig reiben wir uns die Augen.
Gewiss: Einzelne Bischöfe haben auch früher schon so gedacht. Sprachen sie es jedoch aus, wurden sie nicht selten von Amtskollegen gerügt oder gar in Rom zur Anzeige gebracht.
Jetzt sind unsere Hirten unisono dieser Meinung? Dagegen verblasst selbst die neu gewonnene Sehkraft eines blinden Bartimäus.
In Rom hat sich in den letzten Jahren manches gewandelt. Von dort stammt bekanntlich die alte Redewendung: „tempora mutantur et nos mutamur in illis“.Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.
„Zeiten“ müssen realpolitisch auch in der Kirche mit „Herrschaftsverhältnissen“ gleichgesetzt werden. Letztere könnten sich noch schneller wieder einmal ändern als Zeiten. Die einen hoffen, die anderen bangen. Wohl auch Bischöfe.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Dan 7, 2a.13b-14

Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft

Ich, Daniel, hatte während der Nacht eine Vision: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.

 

Zweite Lesung:   Offb 1, 5b-8

Der Herrscher über die Könige der Erde hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott

Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.
Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen. Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.

 

Evangelium:   Joh 18, 33b-37

Du sagst es, ich bin ein König

In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Wer ist wirklich großartig?

Die Sehnsucht der Menschen nach Glanzfiguren, starken Persönlichkeiten die gerne in der Öffentlichkeit auftreten, nach Stars und Starlets, nach Berühmtheiten und Seitenblicke-Gästen wird in zahlreichen Illustrierten und Doku-Soaps befriedigt. Ich will nicht leugnen, dass mich die Hochglanzbilder und Berichte der Gesellschaftjournalisten in den Postillen beim Friseur gut unterhalten. Aber alle Adelsjournale und Schauspielerinnen-Reporte haben nichts damit zu tun, was in den biblischen Geschichten über das Königreich im Himmel gemeint ist. Weil ja niemand weiß, was im Himmel wirklich los ist, ja nicht einmal bekannt ist, wie und wo dieser Zustand sein könnte werden Bilder und Geschichten angeboten, als Vergleich für Großartiges aus unserer bekannten Welt.
Jesus mahnt seine Jünger „bei euch aber soll es anders sein“, denn sein Königtum ist nicht von dieser Welt. Großartigkeit bei Gott ist nicht das Herrschen über die anderen, das Bessersein und Großartigersein, die anderen übertrumpfen und unterdrücken. Es sind diejenigen, die ein gutes Selbstbewusstsein haben, aber gerade darum zurückstehen können.
Großartig und königlich bei Gott sind diejenigen, die anderen helfen, die teilen, die die Werke der Barmherzigkeit tun. Die Königlichen bei Gott sind durchaus im Stande, für andere den Dreck wegzuräumen, sich hinten anzustellen, nicht auf den Ehrenplätzen zu sitzen, weil sie ohnehin dabei sind, die anderen zu bedienen.
An dieser Prinzessinnenkrone muss ich noch arbeiten.

 

Information

Franziskus: Kirche Italiens braucht Priester wie Don Camillo
„Keine Problem-Lösungen im Konservativismus suchen“

Papst Franziskus wünscht sich mehr Priester und Bischöfe vom Schlag eines Don Camillo. Die italienische Kirche habe große Heilige von Franz von Assisi bis hin zu Philipp Neri, die ihr helfen könnten, den Glauben in Demut und Freude zu leben, sagte er am 10. November in Florenz vor rund 2.500 Delegierten des Fünften Nationalen Konvents der katholischen Kirche Italiens.

„Aber ich denke auch an die Einfachheit von Romanfiguren wie Don Camillo und seinen Widerpart Peppone“, so Franziskus. Ihn beeindrucke an dieser Figur, dass Volksnähe und Gebet „Hand in Hand“ gingen.
Don Camillo stelle sich selbst als einfacher Landpfarrer vor, der alles und jeden in seiner Pfarrei kenne und die Sorgen und Nöte seiner Gläubigen teile, erklärte Franziskus weiter. Das sei zusammen mit dem Gebet der Schlüssel für einen „volksnahen, demütigen, großzügigen, freudigen Humanismus“, betonte Franziskus. Der „neue Humanismus in Jesus Christus“ war Thema der  Kirchenversammlung.

don camillo
Don Camillo, gespielt von  Fernandel.

Gegen Konservativismus und Fundamentalismus
Bei seiner Ansprache vor dem Nationalen Konvent rief der Papst zudem die Kirche zur beständigen Erneuerung auf und warnte vor Weltflucht. „Es bringt keinen Nutzen, angesichts der Übel oder Probleme der Kirche die Lösungen im Konservativismus oder Fundamentalismus zu suchen, in der Restauration von Verhalten und Formen, die nicht einmal mehr kulturelle Bedeutung haben“, so Franziskus.
Die christliche Lehre sei kein geschlossenes System, das keine Fragen oder Zweifel zulasse, „sondern sie ist lebendig, sie kann beunruhigen, anregen“. Der Papst warnte die Kirche, in eine Defensive zu verfallen aus Angst, etwas zu verlieren. Er wiederholte seine bekannte Äußerung, eine zerbeulte und verletzte Kirche, die auf die Straßen gehe, sei ihm lieber als eine Kirche, die sich verschließt und dadurch krank werde.

Demut sichert Zukunft
Demut, Verzicht auf Eigeninteressen und das Streben nach Seligkeit bezeichnete Franziskus als die Säulen der kirchlichen Zukunft. Jesus habe seiner Kirche alle drei Eigenschaften vorgelebt. Dies bedeutet nach den Worten des Papstes vor allem, sich im Dienst an den Nächsten, besonders den Armen, zu erniedrigen und nicht auf die falsche Sicherheit überkommener Strukturen zu vertrauen. „Unsere Pflicht ist es, dafür zu arbeiten, um aus dieser Welt einen besseren Ort zu machen, und zu kämpfen.“

Option für die Armen
Ausdrücklich sprach Franziskus von der „Option für die Armen“, ein Begriff aus der lateinamerikanischen Befreiungstheologie.
„Unser Glaube ist revolutionär aus einem Impuls, der vom Heiligen Geist kommt.“ Die Nächstenliebe und das Gebet seien der Schlüssel für den christlichen Humanismus.

Dialog mit der Gesellschaft
Die Kirche rief der Papst zum Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften auf. „Dialog heißt nicht verhandeln“, sagte er. Vielmehr müsse die Kirche zielorientiert und zum Besten der Gesellschaft mit Politik, Wirtschaft, Technologie und Medien zusammenarbeiten.
„Die Nation ist kein Museum, sondern ein gemeinsames Werk, an dem ständig gearbeitet werden muss, in dem die trennenden Dinge miteinander in Einklang gebracht werden müssen, einschließlich der politischen und religiösen Fragen“, so Franziskus.

Kirche muss sich für Lebenswirklichkeit öffnen
Die katholische Kirche darf sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht vor der Lebenswirklichkeit der Menschen verschließen.
„Ohne zu wissen, was die Menschen denken, isoliert sich der Jünger und fängt an, sie nach seinen eigenen Vorstellungen und Überzeugungen zu richten“, sagte er am 10. November bei einer Messe im Franchi-Stadion von Florenz.
Die Kirche Jesu müsse stets im Kontakt bleiben „mit den Tränen und Freuden“ der Menschen, so Franziskus. Anders werde es ihr nicht gelingen, ihre Herzen zu erreichen.
Kirchenmitarbeiter dürften deshalb nicht der Versuchung verfallen, sich in ihren Ansichten vom Kirchenvolk abzukoppeln, als ginge sie das nichts an und sei ihnen nicht wichtig

Papst traf spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino

Papst Franziskus ist mit dem in El Salvador lebenden spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino zusammengetroffen, der 2007 vom Vatikan öffentlich gerügt wurde.

Befreiungstheologe Jon Sobrino SJ.
Befreiungstheologe Jon Sobrino SJ.

Die kurze Begegnung fand am 13. November im Anschluss an die Morgenmesse des Papstes in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta statt.  Derzeit hält sich der Jesuit für eine Tagung über den sogenannten Katakomben-Pakt von 1965 in Rom auf, an der auch Bischof Erwin Kräutler teilnimmt.
Franziskus habe ihm zum Abschied gesagt, er solle weiter schreiben, berichtete Sobrino im Gespräch mit „Kathpress“. Er selbst wollte diesen Worten jedoch keine größere kirchenpolitische Bedeutung beimessen. Franziskus habe damit nicht die früheren Beanstandungen gegen ihn missbilligt, erklärte der 76 Jahre alte baskischstämmige Jesuit. Es sei keine Rehabilitierung gewesen, sondern eine Ermutigung.
Die vatikanische Glaubenskongregation hatte im März 2007 beanstandet, dass einige Thesen Sobrinos „den Gläubigen durch ihre Irrtümer und Gefährlichkeit schaden“. Sie betrafen etwa Aussagen zur Göttlichkeit Christi, zur Menschwerdung Gottes und dem Verhältnis zwischen Christus und dem Reich Gottes.
Für Sobrino hatte die Beanstandung keine unmittelbaren Konsequenzen. Er behielt seine Lehrerlaubnis und durfte auch weiterhin publizieren. Es war der letzte prominente Fall, in dem der Vatikan gegen einen führenden Vertreter der Befreiungstheologie vorgegangen ist.
Papst Franziskus stand als Oberer der argentinischen Jesuiten und Erzbischof von Buenos Aires der Hauptrichtung der Befreiungstheologie distanziert gegenüber. Mit seiner Forderung einer „armen Kirche für die Armen“ greift er jedoch eine zentrale Forderung dieser Strömung auf. Zuvor hatte er bereits den peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez im Vatikan getroffen.
Sobrino ist einer der bekanntesten Befreiungstheologen. In Spanien geboren, lebt und arbeitet er seit Jahrzehnten in San Salvador, wo er die Jesuitenuniversität UCA mitbegründete und dort bis heute Theologie lehrt. Er stand dem 1980 ermordeten Erzbischof Oscar Romero nahe. Als einziger überlebte er einen Überfall auf die Jesuitengemeinschaft in dem zentralamerikanischen Land am 16. November 1989, bei dem sechs seiner Mitbrüder ermordet wurden.

Altkanzler Schmidt war ein Freund Kardinal Königs

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben Altkanzler Helmut Schmidt gewürdigt.

+ Altkanzler Helmut Schmidt
+ Altkanzler Helmut Schmidt.

Der Sozialdemokrat war am Dienstag im Alter von 96 Jahren in Hamburg gestorben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nannte ihn einen „Politiker mit Weitblick und Klugheit und einen überzeugten Europäer“. Im besonderen hob Marx Schmidts Beitrag zum Zusammenwachsen Deutschlands als „Teil eines vereinten Europas“ hervor. Durch die persönliche Freundschaft mit Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing habe er als Regierungschef die deutsch-französischen Beziehungen nachhaltig verbessert und vielgestaltig zu einer Stabilisierung Europas beigetragen.
Schmidt habe den Kirchen stets nahe gestanden und besonders hohe Erwartungen in sie als moralische und gesellschaftliche Impulsgeber gesetzt, so der Erzbischof von München und Freising weiter. „Wir sind dankbar, dass Helmut Schmidt in den vielen Jahren seines politischen Lebens immer wieder öffentlich betont hat, dass sein Wirken durch das christliche Menschenbild geprägt sei.“ Schmidt habe zudem immer wieder den Dialog mit den Kirchen gesucht. „Wir haben ihn als offenen und ehrlichen Gesprächspartner erlebt“, so Marx, der auch Schmidts Sicherheits- und Abrüstungspolitik würdigte: Er habe Freimut und Bereitschaft auch zu Unpopulärem bewiesen und sei damit letztlich erfolgreich gewesen.
Von einer besonderen Beziehung des Altkanzlers mit dem Wiener Kardinal Franz König (1905-2004) berichtet der Wiener Unternehmensberater und Coach Thomas Nagy: Schmidt habe als „areligiöser Mensch“ höchsten Respekt vor König bekundet und sei diesem freundschaftlich verbunden gewesen. Nach Königs Tod habe der selbst schon greise Schmidt es sich nicht nehmen lassen, dessen Grab in der Krypta des Stephansdoms aufzusuchen – „als eines der wenigen Gräber, die ich in meinem Leben besucht habe“, wie der Politiker in einem Gespräch bekundete, das Nagy in einem bei Styria erschienenen Buch „König – Kaiser – Kardinal“ dokumentiert hat.

Kulturszene und Kirche trauern um Ernst Fuchs
Künstler war überzeugt, Gott gesehen zu haben

Ernst Fuchs, der Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus ist am 9. November im Alter von 85 Jahren an Altersschwäche gestorben. Sein Werk mit leuchtenden Farben und kräftigen Kontrasten war von individuellen, mythologisch verwurzelten Motiven und apokalyptischen Visionen geprägt.

fuchs ernst
+ Ernst Fuchs.

Immer wieder widmete sich der als Zwölfjähriger getaufte Wiener jüdischer Herkunft auch religiösen Themen. Fuchs arbeitete auch in Kirchen, so in der St.-Jakob-Kirche in Thal bei Graz und der „Fuchs-Kapelle“ der Klagenfurter Stadthauptpfarre St. Egid. 1996 schuf Fuchs eine Bibel, die er selbst als Krönung seines Lebenswerkes und Summe seines künstlerischen Schaffens bewertete.

Abendmahlsbild in Jerusalem
Er sei, „mit der Gabe aufgewachsen, religiöse Bilder zu malen“, meinte Fuchs einmal. Schon als 15-Jähriger malte er einen Gekreuzigten, der in seiner Darstellung von Inkarnation und Leid heute weltberühmt ist. In der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio steht eine rund sechs Meter breite Darstellung des letzten Abendmahls, an der Fuchs seit 1957 in größeren Abständen immer wieder malte und die vom „Time“-Magazin bereits in den 1980er-Jahren auf einen zweistelligen Dollarmillionenbetrag geschätzt wurde. Zugleich erklärte der Künstler anlässlich seiner Werkschau im Dommuseum, er sei „kein Vorzeigechrist“. Er habe es mit seiner religiösen Auffassung unter den „konfessionell Glaubenden“ oft schwer, so der Maler, der 16 Kinder von sieben verschiedenen Frauen hatte.

Prägendes Christuserlebnis
Manche wollten ihm nicht das Recht zugestehen, „Gott gesehen zu haben“. Doch genau dies sei ihm während eines USA-Aufenthalts widerfahren, sagte Fuchs: Im Haus einer Schauspielerin in Beverly Hills habe er aus der Bibel vorgelesen, als ihn plötzlich eine von goldenem Licht umstrahlte Gestalt für einen kurzen Zeitraum der Welt entrückt habe. Er habe diese Figur als Christus identifiziert, und er habe sich wie in einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod gefühlt, so Fuchs.
Doch eine solche mystische Erfahrung sei schwer in Worte zu fassen und erst recht nicht wiederholbar, wie er später habe erkennen müssen. In sein religiöses Schaffen würde jedenfalls viel einfließen, was sprachlich nicht fassbar ist, etwa Traum, Prophetie und Musik.

Seit 1948 „Phantastischer Realist“
Ernst Fuchs wurde am 13. Februar 1930 in Wien geboren. Er begann seine malerische Karriere in der zerbombten österreichischen Hauptstadt der Nachkriegszeit. 1942 ließ sich der Sohn eines nach Schanghai emigrierten Juden und einer Katholikin taufen. Als 15-Jähriger wurde Fuchs in die Akademie der Bildenden Künste in Wien aufgenommen, in die Klasse von Albert Paris Gütersloh. Seine frühen selbstständigen Arbeiten waren durch die Angst erzeugende, wenig Hoffnung verheißende Weltlage, aber auch durch persönliche Not geprägt.
1948 gründete Fuchs mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer und Güterslohs Sohn Wolfgang Hutter sowie dem knapp 15 Jahre älteren Rudolf Hausner die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“. Von 1950-62 lebte der Künstler in Paris, wo er unter dem Einfluss der flämischen Miniaturmalerei eine Reihe von ikonographischen Arbeiten schuf. In dieser Zeit unternahm Fuchs zahlreiche Reisen nach Italien, Spanien, England und in die USA und lernte Künstler wie Salvador Dali, Giorgio de Chirico und Jean Cocteau kennen. Er etablierte sich als herausragender Grafiker und entdeckte den Zyklus als Form. Zu den Hauptwerken aus dieser Zeit zählen die drei Bilder für die Rosenkranzkirche in Wien-Hetzendorf.

Schönborn:  „Hatte tiefen Glauben“
Kardinal Christoph Schönborn hat   in der Zeitung „Heute“ den vergangenen Montag im 86. Lebensjahr verstorbenen Maler Ernst Fuchs als tief gläubigen Christen gewürdigt.
Er habe Fuchs seit den 1950er-Jahren gekannt. „Eines weiß ich: Er hatte einen tiefen Glauben. Er kannte die Bibel bestens. Gott wird ihm seine Schwächen verzeihen. Sein Werk bleibt ein starkes Zeugnis für den Glauben, der sein Leben getragen hat.“
„Ging täglich zur Messe“
Über seine erste Begegnung mit Fuchs schrieb der Wiener Erzbischof: „Mein Vater, der selber Maler war, kannte Ernst Fuchs aus seiner Zeit in Paris in den Fünfzigerjahren. Fuchs war damals noch wenig bekannt und noch weniger bemittelt. Es muss etwa 1957 gewesen sein. Da war der junge, damals erst 27-jährige Ernst Fuchs für einige Wochen bei uns in der Wohnung zu Gast. Er arbeitete im Atelier meines Vaters und schlief im Wohnzimmer auf dem Kanapee. Uns Kinder beeindruckten seine langen Haare, die er unter dem legendären Käppchen zusammengewickelt trug. Unvergesslich aber ist mir, dass er jeden Tag um 6 Uhr früh in die benachbarte Kirche zur heiligen Messe ging. Das war ihm offensichtlich ganz wichtig.“