Inhalt der gedruckten Ausgabe 46/2016

Leitartikel

Eine neue Kommission

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Information

Kolumbien verhandelt jetzt auch mit dere Rebellengruppe des katholischen Priesters und Guerillakämpfers Camilo Torres

Nach dem historischen Friedensvertrag mit der Guerillabewegung FARC hat Kolumbiens Regierung jetzt mit der ELN, der zweitgrößten Rebellengruppe, Friedensverhandlungen aufgenommen. Deren prominentestes Mitglied war ein katholischer Priester: Camilo Torres. Die ELN war die erste südamerikanische Guerillabewegung, die auch aktive Christen in ihren Einheiten hatte.

„Pfarre neu“ mit 10.000 Katholiken: Beispiel Hollabrunn

Der Oktober-Pfarrbrief der Pfarre Hollabrunn zeigt exemplarisch, wie in der Erzdiözese Wien kleine Pfarren zu einer Großpfarre werden. Aus neun Pfarren mit über 10.000 Katholiken soll eine „Pfarre neu“ gebildet werden.

Papst bleibt beim „Nein“ zu Priesterweihe für Frauen

Papst Franziskus hat einer Priesterweihe für Frauen in der katholischen Kirche erneut eine Absage erteilt.

Deutsche haben ein gespaltenes Verhältnis zum Christentum

Die Deutschen haben laut einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ ein gespaltenes Verhältnis zum Christentum.

Carl-Lampert-Woche mit NS-Zeitzeugen Marko Feingold

Die katholische Kirche in Vorarlberg erinnert ab 8. November mit einer Gedenkwoche an den 1944 von den Nationalsozialisten ermordeten seligen Provikar Carl Lampert (1894-1944).

„Papst ist einzige Kirchenstimme gegen den Kapitalismus“

Papst Franziskus ist nach Ansicht des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler die einzig vernehmbare Kirchenstimme gegen die Auswüchse des globalen Kapitalismus.

Erstmals nahm ein Papst gemeinsam mit Lutheranern an einer Gedenkveranstaltung für die Reformation teil

Papst Franziskus und Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben in Schweden gemeinsam an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert.

Prag: Innerkirchlicher Wirbel um Ordensverleihung an Kardinal Duka

Die Ehrung des Prager Kardinals Dominik Duka mit dem höchsten Orden der Tschechischen Republik durch Präsident Milos Zeman schlägt in Prag Wellen.

Pfingstkirchenbischof Crivella gewann Bürgermeisterwahl in Rio

Der umstrittene Senator und Bischof der evangelikalen Universal-Pfingstkirche, Marcelo Crivella, wird Bürgermeister von Rio de Janeiro. Damit wächst auch der politische Einfluss der Evangelikalen.

Vatikan vermittelt in Venezuela

In Venezuela haben die mit Spannung erwarteten Gespräche zwischen der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolas Maduro und Vertretern der bürgerlich-konservativen Opposition zur Lösung der schweren innenpolitischen Krise begonnen.

Ex-Manchester-United-Fußballer wird Priester

Philip Mulryne, 27-facher Fußballnationalspieler Nordirlands und Ex-Kicker bei Manchester United, ist vom Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin zum Diakon geweiht worden.

Berlin stoppt religiöse Trauung von Minderjährigen ohne Zivilehe

Das deutsche Bundesinnenministerium will zumindest bei Minderjährigen religiöse Trauungen ohne vorherige zivilrechtliche Eheschließung nicht mehr zulassen. Dies solle religionsneutral und damit für alle Religionen gelten. Damit soll das sogenannte Voraustrauungsverbot, das 2009 abgeschafft worden war, zumindest für Minderjährige wieder eingeführt werden.

Missbrauchskommission hält Kurienkardinal Pell für unglaubwürdig

Kurz nach seiner Befragung durch die australische Polizei in Rom muss Kurienkardinal George Pell einen Rückschlag bei der Untersuchung seiner Rolle im australischen Missbrauchsskandal hinnehmen.

Islamisten wollen einen christlichen Gouverneur stürzen

Zehntausende ultrakonservative Muslime und Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) sind in Jakarta gegen den chinesischstämmigen christlichen Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama auf die Straße gegangen.

Neuer Verein „Hands On“:  Kirche fördert erwerbslose Jugendliche

Vier weibliche und fünf männliche Mentoren stehen künftig im Otto Mauer Zentrum in Wien zur Verfügung, um erwerbslose Jugendliche sechs bis zwölf Monaten lang zu begleiten.

Archäologen untersuchen Steinbett in Jerusalemer Grabeskirche

Bei Restaurierungen in der Jerusalemer Grabeskirche haben Forscher erstmals seit 200 Jahren die Abdeckungen der als Grab Christi verehrten Stätte entfernt und möglicherweise das Steinbett der ursprünglichen Grablege freigelegt. Die Untersuchungen fanden hinter verschlossenen Türen und im Beisein der regionalen Oberhäupter der beteiligten Kirchen statt, wie die Franziskaner-Kustodie berichtete.

Barmherzige Brüder bauen neues Pflegeheim in Niederösterreich

Mit einem feierlichen Spatenstich haben die Bauarbeiten für den Neubau des Alten- und Pflegeheims der Barmherzigen Brüder in Kritzendorf begonnen. Bis 2019 entsteht auf dem Gelände des bisherigen Pflegeheims ein Neubau.

500 Führungskräfte bei erster „Woche der Wirksamkeit“

500 Teilnehmer aus Österreich und Deutschland, hauptsächlich Führungskräfte aus Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft, dazu Vertreter aus Kunst und Kultur haben an der ersten „Woche der Wirksamkeit“ im Wiener Kardinal-König-Haus teilgenommen.

Leitartikel

Eine neue Kommission

Papst Franziskus hat in Schweden Martin Luther und seine Reformation gewürdigt. Das verzeihen ihm Konservative nicht. Gleichzeitig hat er sich, wie Benedikt XVI. es befahl, nicht getraut, die lutherische Kirche als „Kirche“ zu bezeichnen. Das werden Evangelische und katholische Reformer nicht vergessen.
In Schweden hat Franziskus die lutherische Bischöfin herzlich umarmt und die schwedischen Frauen gerühmt. Das verzeihen ihm Konservative nicht.  Wenige Stunden später hat er, wie Johannes Paul II. es befahl, ausgeschlossen, dass es in der katholischen Kirche je Priesterinnen geben werde. Das werden Reformer nicht vergessen.
Nach dem „historischen Besuch“ in Lund soll jetzt eine Kommission Wege zum gemeinsamen Abendmahl prüfen. Wird sie ähnlich effizient arbeiten wie jene, die derzeit das Frauen-Diakonat prüft?
Der gelernte Österreicher weiß: Wenn einst Bruno Kreisky keine Entscheidung treffen wollte, hat er eine Kommission eingerichtet.
Durch unbedachte grobe Äußerungen gegenüber der römischen Kurie hat sich Franziskus dort so viele Feinde gemacht, dass er alle Kraft darauf verwenden muss, diese in Schach zu halten. Da bleibt nicht mehr viel Energie für Reformen.
Katholiken wissen: Der Hof des Papstes ist der eigentliche Machtapparat der katholischen Kirche, nicht der Papst selbst. Dieser ist ja nur Nachfahre eines proletarischen Fischers.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Mal 3, 19-20b

Für euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen

Seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu, und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben. Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung.

 

Zweite Lesung:   2 Thess 3, 7-12

Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen

Schwestern und Brüder!
Ihr wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemand unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen sie und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbst verdientes Brot zu essen.

 

Evangelium:   Lk 21, 5-19

Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen

In jener Zeit als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt? Er antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

 

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Woher die Kraft zur Hoffnung nehmen?

Diese Endzeitrede höre ich nicht so gerne. Die Wiederkunft Christi als großes Weltgeschehen hat auch nach 2000 Jahren nicht stattgefunden. Die Geschichte ist vielfach eine Geschichte von Kriegen, Katastrophen, menschlichen Tragödien. Die Zerstörung unserer Mitwelt zeitigt bedrohliche Auswirkungen. Neu in unserer Zeit ist nur, dass wir jeden Tag mit üblen Nachrichten überschüttet werden.
Und viele „Irrlehrer“ bzw. Scharlatane bieten innerweltliche Heilslehren an. Kein Wunder, dass viele das Heil nicht mehr bei Gott suchen. Denn zu oft haben kirchliche Autoritäten die Botschaft Jesu bis zur Unkenntlichkeit entstellt durch Bündnisse mit unmenschlichen Machthabern oder durch unverständliche Lehrsätze.
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“(Lk 20,19) Gefragt sind Zeichen der Hoffnung. Optimismus statt Gleichgültigkeit und Resignation. Aber woher die Kraft dazu nehmen? „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht mehr allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt,“ schrieb Alfred Delp im NS-Gefängnis wenige Monate vor seiner Hinrichtung. Ich erlebe immer wieder Menschen, die mit ihrer Art zu leben Gottes heilende Gegenwart vermitteln. Es sind nicht solche, die fromme Sprüche klopfen. Sie handeln. Als Privatpersonen, als Ehrenamtliche, in einer der vielen positiv wirkenden Organisationen, in und außerhalb der Kirche. Wer will, kann darin Gottes Zukunft schaffendes Eintreten in die Welt sehen, sein Wiederkommen.
Der erlösende Herr der Welt ist in meinem Leben schon des Öfteren wiedergekommen. Und am Ende wird er ganz da sein.

 

Information

Kolumbien verhandelt jetzt auch mit dere Rebellengruppe des katholischen Priesters und Guerillakämpfers Camilo Torres

Nach dem historischen Friedensvertrag mit der Guerillabewegung FARC hat Kolumbiens Regierung jetzt mit der ELN, der zweitgrößten Rebellengruppe, Friedensverhandlungen aufgenommen. Deren prominentestes Mitglied war ein katholischer Priester: Camilo Torres. Die ELN war die erste südamerikanische Guerillabewegung, die auch aktive Christen in ihren Einheiten hatte.

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Camilo Torres.

50 Jahre nach seinem Tod wird nun von der katholischen Kirche eine postume Aussöhnung mit Camilo Torres eingeleitet. Der Erzbischof von Cali, Dario de Jesús Monsalve, bezeichnete ihn in einer ökumenischen Gedenkfeier als ein Zeichen der Versöhnung für die Zeiten des Friedens in Kolumbien. Die Anweisung des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, nach den sterblichen Überresten von Torres zu suchen, wird als ein weiteres symbolisches Zeichen dafür gesehen, dass sein Andenken als hilfreich erachtet wird für die laufenden Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den beiden Guerilla-Organisationen FARC und ELN.

Deutschland und Belgien
Camilo Torres stammte aus einer der reichsten Familien Kolumbiens. Er wurde 1929 als Sohn eines ehemaligen Dekans der medizinischen Fakultät geboren. Als Kind kam er nach Deutschland, wo sein Vater kolumbianischer Konsul in Berlin war und besuchte später das Deutsche Kolleg in Bogotá.
Nach der Matura begann er ein Jurastudium und verlobte sich.
In Exerzitien entschloss er sich jedoch, Priester zu werden und studierte Philosophie und katholische Theologie. 1954 wurde er zum Priester geweiht. Auf Empfehlung von Kardinal Luque von Bogotá konnte er ein Soziologiestudium an der katholischen Universität in Löwen anschließen, wo seine sozialen Vorstellungen entscheidend geprägt wurden.

Sozialarbeiter in Berlin und Bogota
Nach einer vorübergehenden Tätigkeit als Sozialarbeiter und Seelsorger in West-Berlin kehrte Torres 1959 nach Bogota zurück. Er wurde Studentenpfarrer an der Nationalen Universität und Mitgründer der dortigen soziologischen Fakultät, wo er als Dozent tätig war.
Torres begann zunehmend, die Armut der Menschen als ein großes Problem zu sehen und setzte sich für eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Marxisten ein. Er selbst sagte dazu: „Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist.“
Seit 1965 wurde er in Kolumbien zunehmend bekannt, als er begann, seine sozialrevolutionären Ideen zu verbreiten und sich für streikende Studenten einzusetzen. Da Torres entgegen den Anordnungen seines Erzbischofs Kardinal Concha seine politische Tätigkeit fortsetzte, wurde er in seinen priesterlichen Funktionen suspendiert; auch seine Universitätsämter musste er niederlegen.

Organisator einer „christlich-kommunistischen Bewegung“
Während mehrerer Monate bereiste er das Land, um seine „christlich-kommunistische Bewegung“ zu propagieren und zu organisieren. Er gewann besonders unter der akademischen Jugend eine große Anhängerschaft und wurde von vielen als potentieller Führer der linksgerichteten Opposition zur Nationalen Front angesehen. Im Vorfeld der Wahlen von 1966 gründete Torres die Frente Unido (Einheitsfront) – eine Vereinigung nahezu der gesamten Linken des Landes.
Am 17. März 1965 veröffentlichte Torres sein Grundsatzprogramm der Einheitsfront.

Von Militärs erschossen
Im Oktober 1965 schloss er sich gemeinsam mit einer Studententruppe der Nationalen Befreiungsfront des kommunistisch inspirierten ELN an und ging in den Untergrund. Nach monatelangem Verschwinden meldete er sich am 7. Januar 1966 als Sprecher einer ihrer bewaffneten Gruppen mit einer „Proklamation an das kolumbianische Volk“ aus den Bergen ein letztes Mal öffentlich zu Wort.
Am 15. Februar 1966 wurde Torres in dem Dorf Patio Cemento bei seinem ersten Gefecht mit der kolumbianischen Armee von Regierungstruppen getötet. Ein christliches Begräbnis wurde ihm verweigert. Seine Grabstätte ist bis heute unbekannt.

Bischofskonferenz vermittelt
Nach vierjährigen Verhandlungen hatten sich die kolumbianische Regierung und die Guerilla-Organisation FARC auf einen Friedensvertrag verständig, der zunächst unterschrieben, anschließend aber bei einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Für seine Bemühungen wurde Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Vertreter der Kolumbianischen Bischofskonferenz sind am Allerseelen-Tag in der kubanischen Hauptstadt Havanna mit der Führung der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC zusammengetroffen.  Das Treffen fand eine Woche nach Gesprächen von Kirchenvertretern mit Gegnern des bei der Volksabstimmung über den zwischen Regierung und FARC ausgehandelten Friedensvertrages statt.
Santos versucht seitdem in Gesprächen mit den Gegnern der Vereinbarung als auch der FARC eine Verhandlungslösung zu finden. Der Waffenstillstand wurde inzwischen bis Ende Dezember verlängert.

Erstmals nahm ein Papst gemeinsam mit Lutheranern an einer Gedenkveranstaltung für die Reformation teil

Papst Franziskus und Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben in Schweden gemeinsam an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert.

Während eines ökumenischen Gebets in der lutherischen Kathedrale von Lund forderten Franziskus und LWB-Generalsekretär Martin Junge am 31. Oktober mehr Anstrengungen für eine Überwindung der noch bestehenden Differenzen. „Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden“, sagte Franziskus in seiner Predigt am Reformationstag.

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Bischof Munib Younan und Papst Franziskus bei der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung  in Lund.
Foto: L‘Osservatore Romano.

Es war das erste Mal, dass ein Papst gemeinsam mit Lutheranern an einer Gedenkveranstaltung für die Reformation teilnahm. In Lund wurde der LWB 1947 gegründet. Er repräsentiert heute rund 74 Millionen evangelische Christen aus 145 Kirchen in 98 Ländern.

Weg zum gemeinsamen Abendmahl
Franziskus und der LWB-Präsident, Bischof Munib Younan, unterzeichneten bei der Gedenkzeremonie eine Gemeinsame Erklärung. Darin fordern sie einen vertieften theologischen Dialog über Wege zu einem gemeinsamen Abendmahl.
„Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit“, heißt es in dem zweiseitigen Dokument. Vatikan und LWB hätten eine „gemeinsame pastorale Verantwortung“, dem geistlichen Hunger und Durst dieser Menschen zu begegnen.

Papst würdigt Reformation
Der Papst würdigte in seiner Predigt zudem theologische Verdienste der Reformation. „Dankbar erkennen wir an, dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen“, so Franziskus.
Pastor Junge rief Katholiken und Lutheraner auf, sich „abzuwenden von einer von Konflikt und Spaltung überschatteten Vergangenheit, um den Weg der Gemeinschaft zu gehen“. Beide eine mehr, als sie voneinander trenne.
Die Bezeichnung „Kirche“ vermied Franziskus in seiner Predigt für die evangelische Seite. Er sprach stets vom „Lutherischen Weltbund“. Der Papst und der Deutschchilene Junge hielten ihre Ansprachen jeweils auf Spanisch.

Gemeinsamer sozialer Einsatz
Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib Younan, haben zum ökumenischen Einsatz für Flüchtlinge, Frieden und Umweltschutz aufgerufen.
Zum Abschluss des Treffens in der Malmö Arena unterzeichneten Caritas Internationalis, der weltweite Dachverband der nationalen Caritasverbände, und die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes „Lutheran World Federation – World Service“ ein Kooperationsabkommen. Künftig wollen beide etwa in der Flüchtlingshilfe oder bei Entwicklungshilfeprojekten zusammenarbeiten.

Piusbrüder: „Gipfel unseres Schmerzes“
Mit starken Worten kritisieren Frankreichs Piusbrüder das jüngste Treffen von Papst Franziskus mit dem Lutherischen Weltbund. Die Begegnung im schwedischen Lund sei „der Gipfel unseres Schmerzes“.
Die Gemeinsame Erklärung zum 500. Jahrestag der „Revolte Luthers“ gegen die katholische Kirche sei ein „veritabler Skandal“, so der Distriktobere Christian Bouchacourt. Historische Fehler, schwerste Schädigungen für die katholische Lehre und ein „falscher Humanismus, der Quelle so vielen Übels ist“, seien in dieser Erklärung aneinandergereiht.
Die Piusbrüder werfen Papst Franziskus vor, „unter dem trügerischen Vorwand der Nächstenliebe und einer gekünstelten und illusorischen Einheit“ den katholischen Glauben „auf dem Altar des Ökumenismus zu opfern“, der „das Heil der Seelen“ gefährde.

Prag: Innerkirchlicher Wirbel um Ordensverleihung an Kardinal Duka

Die Ehrung des Prager Kardinals Dominik Duka mit dem höchsten Orden der Tschechischen Republik durch Präsident Milos Zeman schlägt in Prag Wellen.

Der renommierte Theologe und Soziologe Tomas Halik sagte der Zeitung „Pravo“, er würde sich schämen, von Zeman eine Auszeichnung entgegenzunehmen. „Kardinal Duka sitzt aber offenbar schon in einem Zug, aus dem auszusteigen er weder die Courage noch die Kraft hat.“
Halik sagte, er glaube, dass sich die Kardinäle Josef Beran (1888-1969) und Frantisek Tomasek (1899-1992), die sich „am Ende ihres Lebens tapfer der unmoralischen Macht entgegenstellten, im Grabe umdrehen würden“. Bei der Ehrung Dukas „für die Unterstützung Zemans“ habe er sich an Worte erinnert, mit denen ein Papst den Tod von Kardinal Richelieu (1585-1642) in Frankreich kommentiert hatte: „Wenn Gott existiert, dann muss ihm der Kardinal vieles erklären; wenn nicht, dann hat er alles ausgezeichnet gemacht.“

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Kardinal Dominik Duka.

Duka saß unter dem kommunistischen Regime gemeinsam mit Ex-Staatspräsident Vaclav Havel im Gefängnis. Er unterhielt zu ihm wie zu dessen Nachfolger Vaclav Klaus engen Kontakt.
Die engsten Beziehungen pflegt er aber mit Zeman. 2015 feierte er „für Zeman und die Heimat“ auf dessen Präsidentensitz Lany eine Messe. Beide einigten sich über ungeklärte Restitutionsfragen bei Gebäuden auf dem Prager Burgareal.
Auffallend waren in den vergangenen Wochen und Monaten nahezu gleichlautende Aussagen von Duka und Zeman gegen die Aufnahme von muslimischen Flüchtlingen in Tschechien.

Neuer Verein „Hands On“:  Kirche fördert erwerbslose Jugendliche

Vier weibliche und fünf männliche Mentoren stehen künftig im Otto Mauer Zentrum in Wien zur Verfügung, um erwerbslose Jugendliche sechs bis zwölf Monaten lang zu begleiten.

Möglich macht das der neu gegründete Verein „Kirche und Arbeitswelt – Hands On, Mentoring für Arbeit und Lehrstelle suchende Jugendliche“.
Der Verein fördert neben der Begleitung von Menschen in der Arbeitswelt und Erwerbslosigkeit auch Projekte für erwerbslose Menschen.
Zum Vorsitzenden wurde der Präsident der Katholischen Aktion Wien Walter Rijs gewählt. Geistlicher Begleiter des Vereins ist der Wiener Weihbischof Franz Scharl.

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Walter Rijs,
Vorsitzender des Vereins „Hands on“.

Seit Februar wurden acht Clearinggespräche mit jungen Erwachsenen zwischen 14 und 23 Jahren geführt und Kontakt mit verschiedenen Volkshochschulen, mit dem AMS für Jugendliche, Jugendcoachingstellen und Pfarren aufgenommen, zieht Geschäftsführer Michael Gaßmann eine erste Bilanz.
Inzwischen wurden auch bei der Freiwilligenmesse im Wiener Rathaus Anfang Oktober 60 Kontaktgespräche mit Interessierten potenziellen Mentoren geführt und das Projekt Stadträtin Sonja Wehsely vorgestellt.
Finanziert wird das Projekt über Spenden und Mitgliedsbeiträge.
5.000 Eure stellte die Finanzkammer der Erzdiözese Wien als Anschubfinanzierung zur Verfügung.
Infos: www.jobbegleitung.at.