Inhalt der gedruckten Ausgabe 46/2015

Leitartikel

Verwässert und eingeebnet

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Kunst und Kirche – eine spannungsgeladene Beziehung

„Das Werk verrät mehr über Künstler und Kunst als beiden lieb sein kann.“ Schrieb jüngst Raoul Löbbert  in „Christ & Welt“ über Michael Triegels neue Kirchenfenster in Köthen. Gleiches gilt aber auch für die Illustration anderer Bücher.

Maradiaga: „Papst ist auf den  Kampf vorbereitet“

Papst Franziskus setzt trotz harter Opposition von konservativer Seite und neuen Enthüllungen von Finanzdesastern im Vatikan seinen Reformkurs in Ruhe fort. Das sagte der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (73) am 3. November nach einem Vortrag an der Jesuiten-Universität in New York, berichtet „National Catholic Reporter”.

Jeder Dritte Asylwerber wird von Caritas betreut

Die kirchliche Hilfe für Asylwerber hat weiter zugenommen: Insgesamt 20.920 Personen in der Grundversorgung und somit rund jeder Dritte werden derzeit von der kirchlichen Caritas österreichweit betreut.

Bischof entschuldigt sich für KZ-Äußerung über Transitzonen

Der deutsche Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich für seine Äußerung zu den umstrittenen Transitzonen für Flüchtlinge entschuldigt.

Kirchenrückgabe an Unierte: EGMR rügt Rumäniens Justiz

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) hat den jahrelangen Rechtsstreit um Immobilieneigentum zwischen der unierten griechisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche im rumänischen Sisesti gerügt.

Großnichte des Papstes bestohlen

Diebe haben der früheren Schönheitskönigin und Großnichte von Papst Franziskus, Ayelén Bergoglio, im argentinischen Mendoza ihr Hündchen Phill gestohlen. Neben zahlreichen Wertgegenständen verschwand laut der Zeitung „La Nacion“ auch der weiße Mischling aus dem Haus in einem Vorort von Mendoza.

US-Missbrauchs-Skandal:  4 Milliarden Dollar

Sexueller Missbrauch durch Geistliche hat der katholischen Kirche der USA nicht nur einen enormen Glaubwürdigkeitsverlust beschert, sondern auch hohe Kosten. Diese  betrugen in den vergangenen 65 Jahren etwa 4 Milliarden Dollar.

Syrischer Patriarch kritisiert Aufnahmebereitschaft Deutschlands

Der syrische griechisch-katholische Patriarch Gregorios III. Laham hat Vorbehalte gegen die hohe Aufnahmebereitschaft Deutschlands geäußert.

Papst gab Straßenzeitung Interview: „Wollte als Bub Fleischhauer werden“

Papst Franziskus hat der niederländischen Obdachlosen-Zeitung „Straatnieuws“ ein Interview gegeben.

„Alles muss ans Licht – Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“

Der umstrittene italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hat am 4. November in Rom sein neues Skandalbuch „Via Crucis“ präsentiert. Die deutschsprachige Ausgabe des Buchs über finanzielle Unregelmäßigkeiten im Vatikan und Intrigen der Kurie gegen Papst Franziskus kam am Donnerstag in den Handel. Es wird vom Salzburger „Ecowin“- Verlag mit dem Titel „Alles muss ans Licht – Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“ verlegt.

„Halloween-Aktion im Vatikan“: Führender Opus Dei-Priester verhaftet

Kurz vor Erscheinen zweier  Bücher setzte der Vatikan Schritte gegen die Informanten Nuzzis und Fittipaldis, den spanischen Opus Dei-Priester Lucio Angel Vallejo Balda und die italienische PR-Spezialistin Francesca Chaouqui.

Zweckentfremdeter „Peterspfennig“?

Der Vatikan hat den Vorwurf einer Zweckentfremdung von Spendengeldern für den Papst zurückgewiesen.

Berliner Bundestag verbietet organisierte Beihilfe zum Suizid

Organisierte Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland künftig verboten. Nach zweijähriger Debatte entschied der Bundestag in Berlin am 6. November mit breiter Mehrheit ein Gesetz, das geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe stellt.

Bischof Zsifkovics Flüchtlingskoordinator für EU

Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics wurde bei der Herbstversammlung der EU-Bischofskommission ComECE in Paris zum Koordinator für Flüchtlingsfragen ernannt.

Amstettner „Arbeiterpriester“ Franz Sieder präsentierte neues Buch

Der Amstettner „Arbeiterpriester“ (einer der letzten hierzulande) und Betriebsseelsorger Franz Sieder hat im Rathaussaal von Amstetten sein neues Buch „Gegen den Strom“ präsentiert. Darin sind die politischen Predigten und Reden des Geistlichen zusammengefasst.

„Schwestern von Betlehem“ haben keine Nachwuchssorgen

Während die meisten heimischen Frauenorden nur wenig „Nachwuchs“ verzeichnen, gibt es doch auch Ausnahmen. Etwa die „Schwestern von Bethlehem“ auf der Kinderalm bei St. Veit in Salzburg, wo derzeit rund 35 meist relativ junge Frauen leben. Die Schwestern feierten vor Kurzem das 30-jährige Bestehen des Klosters „Maria im Paradies“.

Leitartikel

Verwässert und eingeebnet

Viele in der Kirche wollen die Aufbruchsstimmung nutzen, die das Pontifikat von Papst Franziskus gebracht hat. So auch dieser Tage die Schweizer Bischöfe. Auf ihre Art.
In einem  Hirtenschreiben mit dem Titel „Das Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienseelsorger/-innen in der Feier der Eucharistie“ haben sie das Predigtverbot für Laien bekräftigt.
Man stelle nämlich „da und dort“ eine Vermischung der Rollen des Priesters, der Diakone und der Laienseelsorger und -seelsorgerinnen fest, die „weder biblisch noch sakramententheologisch zu begründen“ sei. Ein „neues und ämtertheologisch gesundes Miteinander von Priestern und Laien“ müsse erst erlernt und erprobt werden, eine Herausforderung, die alle Seelsorgeberufe betreffe.
Letztlich sei „nach wie vor die Priesterrolle maßgeblich für den Seelsorgeberuf“, so die Bischöfe. „Das führt zu Schwierigkeiten der Abgrenzung und der eigenen Identität.“ Manches werde „verwässert und eingeebnet“: „Eine Folge davon ist eine Verwirrung, die sich darin zeigt, dass manche Laientheologen faktisch ‚klerikalisiert‘ und Priester ‚laikalisiert‘ werden.
Petrus hat in seinem ersten Brief festgestellt, dass alle Getauften „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft“ sind. Wenn schon der erste Bischof von Rom nicht ganz ernst genommen wird, darf sich sein jetziger Nachfolger über mangelnde Unterstützung nicht wundern.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Dan 12,1–3

Dein Volk wird in jener Zeit gerettet

In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist. Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.

 

Zweite Lesung:   Hebr 10,11–14.18

Durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.

Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr.

 

Evangelium:   Mk 13,24–32

Er wird die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Wie der Weltuntergang

Manchmal im November sind draußen Stimmungen, als würde die Welt untergehen. Es ist finster, nebelig, die Stimmung ist am Tiefpunkt, rundherum sterben Menschen, die Nachrichten berichten über eine Katastrophe nach der anderen, dann ziehen auch noch Schnupfen und grippale Infekte in den Körper und dann ist Schluss. Weder der Sonnenschein durch die goldenen Blätter der Herbstbäume noch die vorweihnachtlichen Dekorationen können bewirken, dass sich das persönliche Gefühl der depressiven Verstimmung bessert. Manchmal hilft die Hausapotheke, der Besuch beim Hausarzt, ein paar Tage im Bett bis sich die körperliche Gesundheit wieder einstellt. Liebe Menschen können die innere Traurigkeit erhellen. Ein Wundermittel ist aber ganz sicher der Schritt auf andere Menschen zu.
In den letzten Tagen berichteten mir mehrere Leute, welche beglückende Erfahrungen die Einsätze bei den Hilfsmannschaften an Bahnhöfen, Grenzstellen, in Lagern bei den Menschen waren, die derzeit Hilfe in unserem Land suchen. Viele wollen weiter reisen und hoffen, ihren Platz in einem Nachbarland zu finden. Sie wollen weg von Bedrohung, Gefahr, Krieg, Mord und Todschlag, Bomben und Granaten, zerschossenen Häusern,… und mir fallen gar nicht alle Grauslichkeiten ein, von denen diese Frauen und Männer berichten. Es scheint für sie, als würde sich die Sonne verfinstern, der Mond nicht mehr scheinen und die Sterne vom Himmel fallen.
Es ist eine Möglichkeit für uns, einmal als Engel ausgesandt zu sein und die Menschen auf der Flucht ein ganz kleines Stück zu begleiten und ihnen einen Funken von Ruhe, Wärme, Sicherheit, Freundlichkeit und Liebe zu schenken.

 

Information

Kunst und Kirche – eine spannungsgeladene Beziehung

„Das Werk verrät mehr über Künstler und Kunst als beiden lieb sein kann.“ Schrieb jüngst Raoul Löbbert  in „Christ & Welt“ über Michael Triegels neue Kirchenfenster in Köthen. Gleiches gilt aber auch für die Illustration anderer Bücher.

Michael Triegel (46) gilt als einer der bekanntesten deutschen Maler der Gegenwart. Nach diversen Kirchenaufträgen und Porträts von Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Papst Benedikt XVI. (2010) ließ er sich zu Ostern 2014 taufen.

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Michael Triegels Glasfenster in der Schlosskirche Köthen: Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit.

Neues Gotteslob
Der emeritierte Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat die mancher Kritik und auch Polemik ausgesetzten Illustrationen im neuen Gotteslob verteidigt. Die insgesamt 23 Graphiken der deutschen Künstlerin Monika Bartholomé, die in großen Abständen die Texte und Lieder des gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs der katholischen Diözesen in Österreich, Deutschland und Südtirol ergänzen, „verstärken auf unaufdringliche Art das nobel ruhige … Gesamtbild“ des Buches, erklärte Kapellari in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Singende Kirche“. Der Grazer Altbischof war als Liturgiereferent der Bischofskonferenz in Österreich für das grenzüberschreitende Buchprojekt verantwortlich.

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Gotteslob, Seite 535.

Im Unterschied zu einer die Wirklichkeit möglichst realistisch abbildenden Darstellung seien Bartholomés abstraktere, aber durchaus noch gegenständliche Illustrationen „eine Einladung, öfter hinzuschauen“ und sie beim Betrachten „entsprechend der eigenen Begabung und Biografie zu ergänzen“.

Liederbuch Religion
Das  österreichische „Liederbuch Religion“ für die katholischen Volksschüler der zweiten bis vierten Klasse ist mit vielen Tier-und Pflanzenbildern illustriert, Jesus oder Heilige sind kein einziges Mal zu sehen. Und das, obwohl die Kinder oft nur noch selten sakrale Bilder in den eigenen Wohnungen besitzen. Aufgrund des abnehmenden Kirchenbesuchs bekommen 90 Prozent  solche auch in Gotteshäusern nicht mehr zu sehen.

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Liederbuch Religion, Nr. 188.

Papst gab Straßenzeitung Interview: „Wollte als Bub Fleischhauer werden“

Papst Franziskus hat der niederländischen Obdachlosen-Zeitung „Straatnieuws“ ein Interview gegeben.

In dem von Radio Vatikan veröffentlichten Gespräch mit dem Straßenzeitungsverkäufer Marc im Vatikan berichtet der Papst etwa, dass er als Kind wegen seiner schlechten Fußballkünste „harte Pfote“ genannt wurde und früher einmal Fleischhauer werden wollte. Außerdem erklärt Franziskus gegenüber der aus Utrecht stammenden Zeitung, warum er die „Schätze der Kirche“ nicht verkaufen wolle.
Der Papst begrüßte seinen 51 Jahre alten Interviewpartner und seine Begleiter laut dem veröffentlichten Text mit den Worten „Setzt euch, Freunde. Welch eine Freude, dass ihr hier seid“.
Der Papst wollte mit dem Interview nach eigener Aussage einen Beitrag zum Kampf gegen die Armut leisten.
Das Gespräch fand bereits am 27. Oktober im vatikanischen Gästehaus statt, wo Franziskus wohnt.

Michelangelos Pieta gehört ganzer Menschheit
Franziskus sagte zu „Straatnieuws“, er sehe keinen Widerspruch zwischen seiner Forderung von einer „armen Kirche für die Armen“ und den Besitztümern der Kirche. Er könne verstehen, dass man denke, die Kirche sei sehr reich, wenn man die Auflistung ihrer Besitztümer betrachte. Die Kirche besitze zwar viele Immobilien, aber sie würden dazu verwendet, um die „Strukturen der Kirche“ sowie die zahlreichen Einrichtungen für Arme und Bedürftige zu unterhalten, etwa Krankenhäuser und Schulen.
Weiter verwies Franziskus da-rauf, dass die Kirche viele ihrer vermeintlichen „Schätze“ gar nicht verkaufen könne. Er könne nicht einfach sagen, die Pieta von Michelangelo aus dem Petersdom werde morgen versteigert. Dieses Kunstwerk stehe zwar in einer Kirche, aber es gehöre nicht eigentlich ihr, sondern der gesamten Menschheit.
In seiner Kindheit – so Franziskus weiter – habe er Fleischhauer werden wollen. Als Bub sei er mit seiner Mutter und seiner Oma stets zum Markt gegangen, weil es noch keine Geschäfte gegeben habe. Dort hätten sie beim Fleischer, beim Obsthändler und bei anderen Ständen eingekauft. Als er vier Jahre alt war, hätten ihn seine Mutter und seine Oma gefragt, was er später mal „Großes“ machen wolle. Darauf habe er geantwortet: „Fleischhauer“. In der biblischen Tradition des Petrus wurde er stattdessen Fischer – Menschenfischer.

„Alles muss ans Licht – Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“

Der umstrittene italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hat am 4. November in Rom sein neues Skandalbuch „Via Crucis“ präsentiert. Die deutschsprachige Ausgabe des Buchs über finanzielle Unregelmäßigkeiten im Vatikan und Intrigen der Kurie gegen Papst Franziskus kam am Donnerstag in den Handel. Es wird vom Salzburger „Ecowin“- Verlag mit dem Titel „Alles muss ans Licht – Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“ verlegt.

Der Vatikan hatte bereits am 2. November scharfe Kritik am Nuzzi-Buch und dem ebenfalls diese Woche erschienenen zweiten Skandalaufdeckungs-Buch „Avarizia“ (Geiz) von Emiliano Fittipladi geübt. Die Bücher seien „die Frucht eines schwerwiegenden Verrats jenes Vertrauens“, das Papst Franziskus gewährt habe.

nuzzi via crusis

„Überflüssige Ausgaben“
Fittipaldi, Redakteur der Zeitschrift „L’Espresso“, listet „überflüssige Ausgaben“ des neuen vatikanischen Wirtschaftssekretariats auf. Die Kurienbehörde habe „Hunderttausende Euro für Business-Class-Flüge, maßgeschneiderte Kleidung, wertvolles Mobiliar und 4.600 Euro für den Unterschrank eines Waschbeckens“ ausgegeben.
Ferner enthüllt er in seinem Buch etwa, dass der Vatikan im Jahr 2012 insgesamt 27 Millionen Liter Benzin verkauft habe, 18 Prozent davon an „Unbekannte“. Darüber hinaus sollen für wohltätige Zwecke bestimmte Gelder für die römische Kurie zweckentfremdet worden sein.

„Desaströse Finanzlage“
Nuzzi sagte am Mittwoch, die „Cosea-Kommission“ habe Günstlingswirtschaft, die zu einer unmäßigen Zunahme beim Personalbestand des Vatikan geführt habe, die mangelnde Transparenz bei Ausgaben und Abläufen, ungenügende Kontrollen bei Lieferantenverträgen, Ineffizienz und Privilegien bei der Bewirtschaftung der Vatikan-Immobilien, mangelhafte Aufsicht sowie zu hohe Risiken bei den Kapitalanlagen des Vatikan aufgedeckt. Der Peterspfennig gehe zu 80 Prozent in die Verwaltung, was nach Meinung Nuzzis ein viel zu hoher Prozentsatz ist. Grund dafür sei „die desaströse Finanzlage der Kurie“.

Billige Luxuswohnungen
Das Buch Nuzzis führt außer dem Peterspfennig weitere heikle Beispiele an. Er berichtet etwa von 715 Wohnungen des Vatikan, von denen etliche Luxuswohnungen in Toplage sein sollen, die merkwürdigerweise unentgeltlich überlassen werden. Weitere 115 sind demnach für Monatsmieten zwischen 1,72 und 100 Euro zu haben.
Ferner schreibt Nuzzi, Nahrungsmittel, Kleidung und Medikamente im Wert von 1,6 Millionen Euro seien bei einer Bestandsaufnahme nicht mehr auffindbar gewesen. Kurios mutet auch ein Rabattvertrag an, den der Vatikan mit einem Zigarettenhersteller abschließen wollte.

Loch in Rentenfonds
Das Buch offenbart zudem, dass die Vatikanbank IOR längst nicht das einzige Sorgenkind des Vatikan ist. So erfährt man, dass im vatikanischen Rentenfonds ein besorgniserregendes Loch in Höhe von 800 Millionen Euro festgestellt wurde.
Überraschend ist auch, dass ausgerechnet die vatikanische Heiligsprechungskongregation keine Bilanzen vorlegen konnte. Dabei kann eine Heiligsprechung, wie Nuzzi schreibt, in Ausnahmefällen mit den Vergütungen für Ärzte, Theologen und Bischöfe, bis zu 750.000 Euro kosten.
Manch eine Deutung Nuzzis erscheint fraglich, an der Echtheit der verwendeten Unterlagen besteht jedoch kein Zweifel. Nuzzi stützt sich auf interne Unterlagen der päpstlichen Kommission für die Neuordnung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten (COSEA). Sie wurde 2013 eingesetzt und 2014 nach Abschluss ihrer Arbeit aufgelöst.

„Überholte Informationen“
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte am Mittwoch, in beiden Büchern – in Nuzzis und in Fittipaldis – seien „überholte Informationen“ enthalten. Sie würden eine bereits abgeschlossene Arbeitsphase betreffen. Er sagte jedoch nicht, dass sie Lügen seien.

Amstettner „Arbeiterpriester“ Franz Sieder präsentierte neues Buch

Der Amstettner „Arbeiterpriester“ (einer der letzten hierzulande) und Betriebsseelsorger Franz Sieder hat im Rathaussaal von Amstetten sein neues Buch „Gegen den Strom“ präsentiert. Darin sind die politischen Predigten und Reden des Geistlichen zusammengefasst.

„Franz Sieder ist ein authentischer, ehrlicher und wertvoller Kämpfer für Gerechtigkeit“, betonte Nationalratsabgeordnete Ulli Königsberger-Ludwig. Karl Ebner, langjähriger Begleiter in der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB), sagte bei der Buchvorstellung vor vielen Freunden des Geistlichen: „Er wollte Brücken bauen zwischen der Arbeiterschaft und der katholischen Kirche und Franz Sieder war ein wichtiger Wegbegleiter der KAB zur sozialkritischen Organisation.“
Sieder, Jahrgang 1938, forderte von der Politik – und speziell von der Sozialdemokratie – wieder verstärkt Politik für Schwächere zu machen.

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„Arbeiterpriester“ Franz Sieder bei der Präsentation seines neuen Buches.
Foto: Wolfgang Zarl.

Weiters wünsche er sich, dass Jugendliche „politisch alphabetisiert“ werden. Von Lehrern wisse er, dass viele Junge oft nicht sehr viel über Politik wüssten. Auch die Kirche könne mithelfen, die Menschen über politische Grundlagen zu informieren. Denn nur politisch denkende Menschen würden sich für eine menschlichere und gerechtere Welt einsetzen.
Der Priester gilt als unerschütterlich und unbestechlich in seinem Einsatz für Menschen in Not, Unterdrückte, Arbeiter/innen und Flüchtlinge – aber auch als streitbar. Legendär sind seine handgeschriebenen Plakate im Amstettner Bahnhof, wo er sich für Schwächere einsetzt und sich kein Blatt vor den Mund nimmt.
Er setzt sich intensiv für die Integration von benachteiligten Familien und Flüchtlingen ein sowie für die Abschaffung aller Atomwaffen und für die Abrüstung der Rüstungsindustrie. Sein Mitgefühl gilt besonders den Arbeitslosen, den Akkord- und Fließbandarbeitern, den Menschen, die weniger verdienen und den Lehrlingen. Legendär ist auch sein Einsatz für den freien Sonntag.
Franz Sieder hat viele Freunde in der Arbeiterschaft, er kennt sie, weil er selbst oft an der Werkbank in den Betrieben mitarbeitete und das Gespräch suchte.
Als überzeugter Pazifist war er maßgeblich am Aufbau von Pax Christi Österreich und Pax Christi der Diözese St. Pölten beteiligt.
Er kam 1938 in Obergrafendorf zur Welt und wurde 1962 zum Priester geweiht. Mehrere Jahre wirkte er als Kaplan in Amstetten-St. Stephan, von 1965 bis 1976 war er freigestellter Kaplan für die Katholische Arbeiterjugend. Seit 1976 wirkt er als Betriebsseelsorger für die Arbeitnehmer/innen des Mostviertels.
Er wirkt in vielen weiteren Funktionen, etwa bei der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS).
Wolfgang Zarl

buch sieder
„Gegen den Strom. Politische Predigten & Reden von Franz Sieder“, hg. von Maria Honsig und Gerald Oberansmayr, guernica-Verlag, 208 Seiten, 17 Euro.