Inhalt der gedruckten Ausgabe 45/2016

Leitartikel

Sichtbare Apostel, unsichtbarer Herr

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Information

Berührende Sensation: Delegation von Al-Azhar besucht Kirche des von Islamisten ermordeten Pfarrers

Fünf Vertreter der Al-Azhar-Universität in Kairo – der höchsten Lehrautorität des sunnitischen Islam – haben am 26. Oktober die Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen besucht, um des ermordeten Priesters Jacques Hamel zu gedenken.

Kardinal Koch: Luther wurde von drei Päpsten rehabilitiert
Papst Franziskus: Er legte Wort Gottes in die Hände des Volkes

Von der katholischen Lehre her ist die Exkommunikation Martin Luthers (1483-1546) bereits aufgehoben. Dies sei mit dem Tod des Reformators geschehen, sagte der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kurienkardinal Kurt Koch am 26. Oktober vor Journalisten im Vatikan.

Türkei provoziert Bartholomaios I: Ständiger Imam für die Hagia Sophia

Zum ersten Mal seit Umwandlung der Hagia-Sophia-Moschee in ein Museum vor 81 Jahren ist am 21. Oktober von der staatlichen türkischen Religionsbehörde (Diyanet) wieder ein Imam für das ursprünglich christliche Gotteshaus eingesetzt worden.

Kritik an Hofer-Wahlplakaten

Die Spitzenvertreter der evangelischen Kirchen in Österreich kritisieren FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer, der auf seinen neuen Wahlplakaten mit dem Satz „So wahr mir Gott helfe“ um Stimmen wirbt.

Bischöfe gratulieren Muslimischer Jugend zum 20-jährigen Bestehen

Kardinal Christoph Schönborn und der lutherische Bischof Michael Bünker haben der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) zu ihrem 20. Geburtstag gratuliert.

Erzdiözese Paderborn erzielt Überschuss von 44 Millionen Euro

Die westfälische Erzdiözese Paderborn (1,5 Million Katholiken) verzeichnet für 2015 einen Jahresüberschuss von rund 44,2 Millionen Euro.

Früherer Anglikaner-Primas räumt Versäumnisse bei Missbrauch ein

Der frühere anglikanische Primas von England, Lord Carey of Clifton (80), räumt laut einem Pressebericht Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Bischof ein.

Vatikan: Das Ausstreuen der Asche Verstorbener bleibt verboten

Mit einer neuen Instruktion schafft der Vatikan Klarheit für den Umgang mit der Asche Verstorbener.

Kardinal Schönborn auf Solidaritäts-Besuch in Ägypten

Kardinal Christoph Schönborn hat in der zweiten Oktober-Hälfte Ägypten besucht, um die Beziehungen zwischen der katholischen und der koptischen Kirche zu vertiefen.

Umfrage: „Klares Bekenntnis“ der Österreicher zum Christentum

„Österreich ist ein christliches Land und sollte es auch bleiben“: Dieser Aussage  stimmen 51 Prozent der Österreicher „sehr stark „zu, weitere 25 Prozent „einigermaßen stark“

Patriarch Sako besucht das vom IS befreite Gebiet bei Mossul

Das Oberhaupt der irakischen Christen, der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako, hat am 26. Oktober die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zerstörten und jetzt wieder befreiten sechs christlichen Gemeinden bei Mossul – darunter die Stadt Karakosch – besucht. Das berichtet der Informationsdienst des Österreich-Zweigs der Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity International“ (CSI).

Ethikerin: Sterbehilfe macht Selbsttötung zur „sozialen Pflicht“

Als eindringliches „Warnbeispiel“ bezeichnet die Bioethikerin Susanne Kummer den niederländischen Vorstoß, die Tötung auf Verlangen für gesunde alte Menschen freizugeben.

UnbekannteTäter schänden Tabor-Kirche in Israel

Unbekannte Täter sind am 24. Oktober in die Verklärungsbasilika auf dem Berg Tabor in Nordisrael eingebrochen.

Papst Franziskus ist unzufrieden mit dem von Johannes Paul II. gegründeten Familieninstitut und fordert „Neuorientierung“

Konservative Katholiken sind äußerst erbost: Papst Franziskus hat das römische „Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“ zu einer Neuorientierung aufgerufen.

Knesset wendet sich nach Unesco-Entscheid zu Jerusalem an Vatikan

Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, begrüßt die Entscheidung der UNESCO, eine zweite umstrittene Jerusalem-Resolution anzunehmen.

Burgenland: 300 Jahre alte Madonna bei Renovierung entdeckt

Im Zuge der Renovierungsarbeiten an der Gnadenkapelle neben der Basilika Loretto wurde ein kunsthistorischer Sensationsfund gemacht: Im Altar lagen Teile einer mehr als 300 Jahre alte Marienstatue verborgen, berichtet der „Standard“.

Außenminister Kurz besucht kirchliche Entwicklungshilfe-Projekte in Afrika

Außenminister Sebastian Kurz leitete dieser Tage gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl eine österreichische Wirtschaftsdelegation auf Afrika-Besuch. Dabei wurde in Johannesburg (Südafrika) eine neue Partnerschaft vorgestellt, die von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ initiiert wurde.

Sozialminister ehrt Kolping-Präsidentin Leopold

Kolping-Österreich-Präsidentin Christine Leopold ist von Sozialminister Alois Stöger mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgezeichnet worden. Die 52-jährige gebürtige Wienerin steht seit zehn Jahren als erste Frau an der Spitze des österreichischen Kolpingwerks.

Leitartikel

Sichtbare Apostel, unsichtbarer Herr

18 deutsche katholische und evangelische Bischöfe haben im Oktober erstmals  eine gemeinsame Pilgerfahrt ins Heilige Land unternommen. Unter ihnen die beiden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Rates der Evangelischen Kirche (EKD), Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
In der Benediktinerabtei Dormitio auf dem Jerusalemer Zionsberg feierten sie einen ökumenischen Abschlussgottesdienst. Wenige Meter von der Abtei entfernt liegt der Abendmahlssaal, in dem Jesus mit den Seinen die Eucharistie eingesetzt haben soll – ein „Geheimnis des Glaubens“, wie wir nach der Wandlung bekennen.
Die männlichen Zwölf wurden bekanntlich durch ihr Mahl mit Jesus nicht frei von Ängsten und Zweifeln – siehe Petrus. Frauen schienen hingegen dadurch gestärkt, ihrem Herrn bis unters Kreuz zu folgen. Auch das ein Geheimnis.
Die prominenten deutschen Apostel-Nachfolger sehen in ihrer Aktion einen Impuls für die Ökumene in ihrem Land und weltweit. Eine Chance haben sie sich jedoch vergeben.
Was, wenn sie keinen Wortgottesdienst in der Abtei gefeiert hätten? Wenn sie hingegen wie die Jünger mit ihrem heute unsichtbaren Herrn gemeinsam das Abendmahl gefeiert hätten? Was würden Petrus und Maria Magdalena dazu sagen?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   2 Makk 7, 1-2.7a.9-14

Der König der Welt wird uns zum ewigen Leben erwecken

In jenen Tagen geschah es, dass man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch zu essen, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und von uns wissen? Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten. Als der erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten zur Folterung. Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind. Nach ihm folterten sie den dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen, und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen. Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten. Als er tot war, quälten und misshandelten sie den vierten genauso. Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

 

Zweite Lesung:   2 Thess 2, 16 – 3, 5

Der Herr gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort

Schwestern und Brüder!
Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort. Im übrigen, Schwestern und Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch. Betet auch darum, dass wir vor den bösen und schlechten Menschen gerettet werden; denn nicht alle nehmen den Glauben an. Aber der Herr ist treu; er wird euch Kraft geben und euch vor dem Bösen bewahren. Wir vertrauen im Herrn auf euch, dass ihr jetzt und auch in Zukunft tut, was wir anordnen. Der Herr richte euer Herz darauf, dass ihr Gott liebt und unbeirrt auf Christus wartet.

 

Evangelium:   Lk 20, 27-38

Er ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden

In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.

 

Gedanken zum Sonntag

MMag. Dr. Hermann Austaller
Naturwissenschaftler und Theologe
Neukirchen bei Altmünster, OÖ

Unvorstellbar

Das kann ich mir nicht vorstellen! Eine Killerphrase. Sie beendet abrupt Auseinandersetzungen mit unliebsamen Themen. Was ich mir nicht vorstellen kann, kann es nicht geben. Weil ich mir ein ewiges Leben nicht vorstellen kann, glaube ich auch nicht daran. Oder habe ich eine falsche Vorstellung davon?
Der Disput Jesu mit den Sadduzäern zeigt, was Auferstehung und ewiges Leben mit Gott nicht ist: die Fortsetzung meines irdischen Menschseins, aber halt ohne Probleme, Sorgen, Leid, Krankheiten, etc. Es ist nicht die Fortschreibung der bestehenden Gesellschaftsordnung.
Aber was sagt mir schon, dass ich im Jenseits „den Engeln gleich“ sein werde? Wie Engel sind, kann ich mir auch nicht vorstellen. Darum geht es nicht. Die Botschaft ist: Engel leben in der Gegenwart Gottes und aus ihr. Das gilt also für alle, die „an der Auferstehung von den Toten teilhaben“. Nehme ich den Erlösertod und die Auferstehung Jesu für mich an, lasse ich mir das schenken, dann bin ich dabei: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, …“ hat Gott denen bereitet, die ihn lieben (nach 1 Kor 2,9).
Das Beste daran ist aber, dass ich erst gar nicht auf den Tod warten muss. Das erlöste Leben passiert hier und jetzt. Ich muss mir kein Denkmal in dieser Welt setzen, ich muss nicht nach rücksichtsloser Selbstverwirklichung und möglichst viel Genuss gieren. Mein Gott befreit mich zur Solidarität mit denen, die es nicht so gut haben.
Ich will mich vom Unvorstellbaren überraschen lassen.

 

Information

Berührende Sensation: Delegation von Al-Azhar besucht Kirche des von Islamisten ermordeten Pfarrers

Fünf Vertreter der Al-Azhar-Universität in Kairo – der höchsten Lehrautorität des sunnitischen Islam – haben am 26. Oktober die Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen besucht, um des ermordeten Priesters Jacques Hamel zu gedenken.

Abbe Hamel war am 26. Juli von zwei 19-jährigen Franzosen algerischer Herkunft, die sich zu IS-Sympathisanten gewandelt hatten, bei der Feier der Heiligen Messe grausam ermordet worden. Die Delegation aus Kairo war Teil der „Karawane des Friedens“, einer Initiative des 2014 gegründeten muslimischen „Weisen-Rates“, dessen Vorsitzender der Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmad Al-Tayyeb, ist.
Die Delegation wurde vom Bischof von Rouen, Dominique Lebrun, und vom diözesanen Verantwortlichen für die Beziehungen zum Islam, Pfarrer Pierre Belhache, empfangen. Auf dem Programm standen auch Begegnungen mit Bewegungen, die sich für den Dialog zwischen Christen und Muslimen einsetzen, wie „Coexister“ und „Fraternite Banlieues“.

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Professor Osama Nabil.

Die islamische Delegation wurde von Prof. Osama Nabil angeführt, Mitglied des „Weisen-Rates“ und Dozent der Al-Azhar-Universität, sowie Direktor und Gründer des „Al Azhar Observatory“. Diese Dokumentationsstelle wurde vor einem Jahr gegründet, um die Verbreitung extremistischer Ideen unter Muslimen zu unterbinden.
Der 86-jährige Abbe Hamel war ein Mann des Dialogs, der immer wieder den Kontakt zur örtlichen islamischen Gemeinde gesucht hatte und dort hoch angesehen war.
Dementsprechend groß war die Bestürzung auch unter den örtlichen Muslimen. „Ich bin entsetzt über den Tod meines Freundes“, sagte der Imam der örtlichen Moschee, Mohammed Karabila, unmittelbar nach der Bluttat: „Wir beten für seine Familie und die katholische Gemeinde“. Wie gut das Verhältnis zwischen Katholiken und Muslimen in Saint-Etienne-du-Rouvray war, habe auch die Tatsache gezeigt, dass die Moschee vor rund 16 Jahren auf einem Grundstück errichtet wurde, das einer katholischen Ordensgemeinschaft gehört.

Kardinal Koch: Luther wurde von drei Päpsten rehabilitiert
Papst Franziskus: Er legte Wort Gottes in die Hände des Volkes

Von der katholischen Lehre her ist die Exkommunikation Martin Luthers (1483-1546) bereits aufgehoben. Dies sei mit dem Tod des Reformators geschehen, sagte der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kurienkardinal Kurt Koch am 26. Oktober vor Journalisten im Vatikan.

Der Schweizer Kardinal erinnerte daran, dass drei nachkonziliare Päpste bereits „viele positive Sachen über Luther gesagt haben“.
Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen äußerte sich vor der Reise von Papst Franziskus zum gemeinsamen Reformationsgedenken in Schweden am 31. Oktober.
Die wichtigen Päpste-Statements zu Luther begännen mit den Erläuterungen von Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Deutschland – in Mainz -, als er betont habe, „dass wir viel lernen können von Luther“, so Koch: „Dann haben wir die schöne Rede von Papst Benedikt in Erfurt, wo er sagte, das größte Anliegen Luthers sei die Gottesfrage gewesen. Die Zentralität der Frage Gottes und der Christozentrismus waren die wichtigsten Anliegen im Leben und Werk Luthers, und Papst Benedikt hat das ganz deutlich anerkannt. Das ist für mich auch das Wichtigste, und das ist das, was wir über Luther sagen können und was wir aus der Theologie und den Sorgen Luthers lernen können.“

Papst Franziskus: „Reform“ und „Schrift“
Papst Franziskus hat vor seiner Reise nach Schweden ein Interview zu Themen der Ökumene gegeben. „Vorangehen, miteinander gehen – nicht in starren Perspektiven sich verschließen, denn in denen gibt es keine Möglichkeit zur Reform“, äußerte Franziskus als Vision für seine Schwedenreise, die dem 500-Jahr-Gedenken der Reformation gilt.
„Reform“ und „Schrift“ seien die zwei wichtigsten Elemente, die die Katholiken mit Blick auf die lutheranische Tradition vertiefen können, sagte der Papst in dem Interview des schwedischen Jesuiten Ulf Jonsson. Luthers Umgang mit der Heiligen Schrift findet die ausdrückliche Wertschätzung von Papst Franziskus. Der Reformator habe „einen großen Schritt getan, als er das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte“.

„Luther suchte Ausweg“
Zum Thema der historischen Abspaltung der Reformierten sagte Franziskus, Luther habe eine Geste der Reform in einer für die Kirche schwierigen Zeit gesetzt, er habe „in einer komplexen Situation einen Ausweg“ gesucht. Diese Abhilfe sei dann aber gleichsam erstarrt, erklärte der Papst. Luthers Geste der Reform „ist ein ,Status´ der Trennung geworden und nicht ein ,Prozess´ der Reform der ganzen Kirche, der hingegen grundlegend ist, denn die Kirche reformiert sich immer“. Franziskus verwies an diesem Punkt auf die Versammlung der Kardinäle vor der letzten Papstwahl, in der „die Forderung nach Reform lebendig und präsent in unseren Diskussionen“ gewesen sei.
Um die Ökumene heute voranzutragen, müssen die Christen nach Ansicht von Papst Franziskus „ihren Enthusiasmus verlegen“. Der theologische Dialog sei zwar bedeutsam, wichtiger aber sei es, gemeinsam zu beten und gemeinsam Werke der Barmherzigkeit zu tun.

Evangelische sehen Aufbruchstimmung
In der Ökumene herrscht nach Einschätzung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, eine Aufbruchstimmung. Es sei schwierig, „den Menschen heute zu vermitteln, warum die Kirchen eigentlich getrennt sind“, sagte er im Interview der „Herder Korrespondenz“.
Zugleich warnte Bedford-Strohm davor, theologische Diskussionen „zugunsten einer falschen Harmonie“ hintanzustellen. Im Bezug auf das Amtsverständnis und die Eucharistie beziehungsweise das Abendmahl gebe es weiterhin Differenzen. Bei gesellschaftlichen Fragen bestünden dagegen zahlreiche Gemeinsamkeiten.
„Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der wir so sehr mit einer gemeinsamen Stimme gesprochen haben“, unterstrich Bedford-Strohm. Das gelte etwa für die Flüchtlingsfrage, bei den Themen Sterbehilfe, soziale Gerechtigkeit und Ökologie. „Beim Thema Homosexualität könnte man am ehesten noch von unterschiedlichen Meinungen ausgehen. Aber selbst hier ist innerhalb der katholischen Kirche eine gewisse Pluralität eingetreten.

Außenminister Kurz besucht kirchliche Entwicklungshilfe-Projekte in Afrika

Außenminister Sebastian Kurz leitete dieser Tage gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl eine österreichische Wirtschaftsdelegation auf Afrika-Besuch. Dabei wurde in Johannesburg (Südafrika) eine neue Partnerschaft vorgestellt, die von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ initiiert wurde.

Künftig soll es zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Österreichischen Wirtschaftskammer, dem südafrikanischen Salesianischen Institut für Jugendprojekte (SIYP) und der „Don Bosco Service GmbH“ kommen, wie das Hilfswerk mitteilte.
Das SIYP koordiniert zahlreiche Bildungszentren in Südafrika, in denen jährlich rund 15.000 benachteiligte Jugendliche in verschiedenen Fachgebieten ausgebildet werden. Der Übergang der jungen Menschen ins Berufsleben werde sorgfältig begleitet – mehr als 75 Prozent würden nach Abschluss ihrer Ausbildung einen Job finden, hieß es in einer Aussendung von „Jugend Eine Welt“.
„Wir haben jetzt die historische Chance, Wirtschaftsinteressen und dringendste Hilfe für Südafrikas gefährdete Jugend zu verbinden, indem wir das bewährte österreichische duale Lehrlingsmodell in Don-Bosco-Zentren einführen und so die Basis für tausende qualifizierte Arbeitsplätze legen“, so Brigitte Sachs-Schaffer von „Jugend Eine Welt“, die die österreichische Wirtschaftsdelegation begleitete.

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Außenminister Sebastian Kurz im Gespräch beim Projektrundgang.

Berufsbildungsnetzwerk in Afrika   
In insgesamt 37 afrikanischen Ländern ist derzeit der Aufbau des Don Bosco-Berufsbildungsnetzwerkes „Bosco Tech Africa“ im Gange. Mit 98 berufsbildenden Einrichtungen zählen die Salesianer Don Boscos in Afrika zu den wenigen überregional agierenden Akteuren im Bereich qualitativ hochwertiger Berufsbildung. Ihre Abschlüsse werden in den meisten Staaten offiziell anerkannt.
„Wir freuen uns sehr über die neue Partnerschaft in Südafrika bzw. darüber, dass das Außenministerium und die österreichische Wirtschaft bereit sind, hier insbesondere benachteiligte Jugendliche zu fördern“, so „Jugend Eine Welt“-Vorsitzender Reinhard Heiserer. „Wir sind zuversichtlich, dass ähnliche Partnerschaften in Zukunft auch in anderen afrikanischen Ländern durchgeführt werden können.“

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Außenminister Sebastian Kurz beim Besuch  des Mathare Children Fund Panairobi.
Fotos: HORIZONT 3000.

Projekt in Kenia
Auch in der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat Außenminister Kurz kirchliche Entwicklungshilfeprojekte besucht.
In den Slums der Millionenmetropole informierte er sich über die Arbeit des Mathare Children Fund Panairobi (MCF), ein Kooperationspartner der Dreikönigsaktion und von „HORIZONT3000“.
Es gebe zwar im Mathare-Slum viele Organisationen, die sich um die Schulbildung von Kindern annehmen, doch kaum Initiativen, die den Jugendlichen nach der Schule Zukunftsorientierung und Einkommensmöglichkeiten bieten würden. Genau hier setzt das Entwicklungshilfe-Projekt an.
So fördert die Dreikönigsaktion beispielsweise den Aufbau von Produktion und Vertrieb von wiederverwendbaren Damenbinden. Durch dieses Projekt erhalten minderjährige Mütter aus den Armensiedlungen eine Ausbildung und Arbeit.
Zugleich handelt es sich um ein Produkt, das einen dringenden Bedarf in den Siedlungsgebieten aufgreift.

Sozialminister ehrt Kolping-Präsidentin Leopold

Kolping-Österreich-Präsidentin Christine Leopold ist von Sozialminister Alois Stöger mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgezeichnet worden. Die 52-jährige gebürtige Wienerin steht seit zehn Jahren als erste Frau an der Spitze des österreichischen Kolpingwerks.

foto: agnes stadlmann
Kolping-Präsidentin
Christine Leopold.
Foto: Kolping Österreich.

„Ich freue mich über diese Anerkennung meiner Arbeit und sehe darin auch ein Zeichen dafür, dass sich Kolping Österreich insgesamt auf einem guten Weg befindet“, sagte Leopold im Zuge des Festakts und goss die Bedeutung des von ihr geleiteten Sozialverbandes in Zahlen.
So finden etwa in den Jugendwohnhäusern von Kolping pro Jahr rund 5.000 junge Menschen in Ausbildung ein „Zuhause auf Zeit“.
Mehr als 1.000 Menschen leben zudem in den verschiedenen Kolping-Sozialeinrichtungen, unter ihnen Frauen, Mütter und Kinder in schwierigen Lebenslagen, Menschen mit Behinderung oder Pflegebedürftige.
Hinzu kommen Beratungseinrichtungen für Jugendliche sowie von Sucht Betroffene und für Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind.
Zu den Höhepunkten der bisherigen Amtszeit Leopolds gehörten die Eröffnung zahlreicher neuer Häuser und Sozialeinrichtungen – darunter die Kolpinghäuser Hallein, Ferlach und Wien-Jeneweingasse sowie das Mehr-Generationen-Kolpinghaus „Gemeinsam leben“ in Wien-Leopoldstadt.
Allein seit 2006 wurden nach Kolping-Angaben auf diese Weise in den Jugend-Wohnhäusern und Sozialeinrichtungen des Bundesverbandes rund 300 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
info: www.kolping.at).