Inhalt der gedruckten Ausgabe 44/2016

Leitartikel

Um die Jugend kämpfen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

„Bibel in Leichter Sprache“ für Behinderte

Auf der internationalen Frankfurter Buchmesse wurde am  Samstag der erste Band der Reihe „Bibel in Leichter Sprache“ vorgestellt. Damit sollen Menschen einen Zugang zu Texten bekommen können, die aus unterschiedlichen Gründen nur ein geringes Sprachvermögen besitzen, etwa Behinderte.

Frankreich: Immer mehr Katholiken wählen Front National

Immer mehr Katholiken in Frankreich würden der rechtsextremen Partei Front National ihre Stimme abgeben. Das geht aus einer Umfrage der Zeitschrift „Pélerin“ hervor. So hätten die französischen Katholiken bei den letzten Regionalwahlen 2015 etwa zu 32 Prozent für die Partei von Marine Le Pen gestimmt. Früher überstieg ihre Quote nie die Neun-Prozent-Hürde.

Konservativer US-Erzbischof: Vizepräsident soll Kirche verlassen

Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus die Ernennung des 67-jährigen moderaten Erzbischofs Blase Cupich zum Kardinal bekanntgegeben. Jetzt hat ein Führer konservativer US-Bischöfe auf sich aufmerksam gemacht.

Lichter und Messe statt Halloween

Zum zwölften Mal gibt es heuer in mehr als 100 Pfarren eine „Nacht der 1000 Lichter“ statt „Halloween-Rummel“. Infos unter www.nachtder1000lichter.at.

Jesuit warnt EU vor Finanzierung von afrikanischen Diktaturen

Der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) in Ostafrika, Pater Endashaw Debrework, hat die Europäische Union davor gewarnt, autoritäre Regime in Afrika durch Mittel der Entwicklungszusammenarbeit zu stützen.

Jesuit warnt EU vor Finanzierung von afrikanischen Diktaturen

Der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) in Ostafrika, Pater Endashaw Debrework, hat die Europäische Union davor gewarnt, autoritäre Regime in Afrika durch Mittel der Entwicklungszusammenarbeit zu stützen.

Neuer Abtprimas der Chorherren

Die Augustiner-Chorherren haben einen neuen Abtprimas.

Vatikan: Neuer EU-Botschafter

Der neue Botschafter der Europäischen Union beim Heiligen Stuhl, Jan Tombinski, hat am 10. Oktober seinen Antrittsbesuch bei Papst Franziskus absolviert.

Sankt-Orte: Georg vor Maria

Insgesamt finden sich in Österreich nicht weniger als 153 (Teil-) Gemeinden, die nach Heiligengestalten benannt sind.

Studie: Ein Viertel der jungen Muslime bejaht Gewalt

In der vergangenen Woche wurde eine brisante Studie publiziert. Für sie haben der Soziologe Kenan Güngör und die Minderheiten-Forscherin Caroline Nik Nafs im Auftrag der Stadt Wien rund um den Jahreswechsel 2014/2015 insgesamt 401 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, die in Jugendzentren und Parks im Rahmen der „offene Jugendarbeit“ betreut werden, zu ihren Einstellungen und Werten befragt.

743 religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge

Religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften geschehen bundesweit. Zu diesem Schluss kommt der zweite Lagebericht zu diesem Thema des deutschen Zweigs von Open Doors und weiteren Hilfsorganisationen. Auch in Österreich sind Asylsuchende betroffen.

König von Bahrain schenkt Kopten Grundstück für Kirchenbau

Der König von Bahrain schenkt der koptisch-orthodoxen Gemeinde ein Grundstück für den Bau einer Kirche.

St. Pölten trauert um Sepp Winklmayr

Sepp Winklmayr, seit 2008 Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten, ist am Donnerstagvormittag plötzlich und überraschend verstorben. Er stand im 62. Lebensjahr und hinterlässt seine Ehefrau und drei Kinder.

Jesuitengeneral war einst Lehrer von Venezuelas Staatschef Hugo Chavez

Der neue Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa Abascal, hat in der ersten Predigt nach seiner Wahl die Mitglieder seines Ordens zu „Kühnheit“ und furchtlosem Einsatz für Gottes Auftrag aufgerufen.

Papst sprach mexikanischen Märtyrerbuben heilig

Papst Franziskus hat am 16. Oktober sechs Männer und eine Frau heiliggesprochen, darunter einen mexikanischen Kindermärtyrer. Jose Sanchez del Rio (1913-1928) wurde im Alter von 14 Jahren während der blutigen Christenverfolgung unter Präsident Plutarco Elias Calles, dem sogenannten „Cristeros“-Konflikt, gefoltert und erschossen.

Nürnberg: Muslimenchef spricht am Reformationstag in Kirche

Premiere für einen der bekanntesten Repräsentanten der Muslime: Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, wird am Reformationstag (31. Oktober) erstmals in einer evangelischen Kirche auftreten.

Adventisten: Beinahe jeder zweite Getaufte tritt wieder aus

Die evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat nach eigenen Angaben zugleich steigende Mitgliederzahlen und hohe Mitgliederverluste.

Erste österreichische Entwicklungshelferin verstorben

Die kirchliche Entwicklungshilfe trauert um Maria Leeb (79): Die am 9. Oktober verstorbene gebürtige Steirerin war die erste Entwicklungshelferin Österreichs.

Sant’Egidio: UNESCO beleidigt Juden

Die katholische Gemeinschaft Sant’Egidio „missbilligt“ die jüngste UNESCO-Resolution über den Jerusalemer Tempelberg, welche die historische Stätte nur mit ihrer muslimischen Bezeichnung „Haram-esch-Scharif“ (edles Heiligtum) bezeichnet und jede Beziehung zum Judentum ausklammert.

4.000 Jugendliche engagierten sich bei Österreichs größter Jugendsozialaktion

Am Samstag ist die Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ der Katholischen Jugend (KJ), der  youngCaritas und von Ö3 zu Ende gegangen. Im ganzen Bundesgebiet engagierten sich 4.000 Jugendliche in 350 Sozialprojekten.

„Du musst wieder wissen, wofür du kämpfst, und nicht wogegen“

In den 15 Jahren seines Missionseinsatzes in Ghana schrieb der jetzige Pfarrer von Groß Sieghart (Bezirk Waidhofen/Thaya), Josef Pichler (64), jährlich 2 Freundesbriefe an rund 300 Spenderinnen und Spender in Österreich. Darin informiert er, wie und wo die Spenden investiert wurden. Jetzt hat er zu den Briefen auch über 400 Farbfotos hinzugefügt und daraus ist das Buch „Euer dankbarer Father Joe“ mit 240 Seiten geworden. JA dokumentiert das Vorwort.

Leitartikel

Um die Jugend kämpfen

Angesichts der jüngsten Studie, die jeden vierten jungen Muslim in Gefahr sieht, sich zu radikalisieren, mahnt die Pastoraltheologin Regina Polak zu einer differenzierten Ursachenanalyse und warnte vor Lösungsvorschlägen, die einzelne Gruppen wie etwa Muslime stigmatisieren. Notwendig sei ein gemeinsames politisches Projekt vieler gesellschaftlicher Kräfte, auch der Kirchen und Religionsgemeinschaften. „Wir müssen um diese jungen Menschen kämpfen, damit wir hier gemeinsam zusammenleben können“, sagte Polak.
Doch welche Macht haben Österreichs Kirchen? Es gelingt ihnen bekanntlich kaum, die eigenen Jugendlichen zu erreichen.
Welche Macht hat die Kirche weltweit? Auf den Philippinen, dem einzigen großen mehrheitlich katholischen Land Asiens, befürworten 80 Prozent das von Präsiden Duterte angeordnete wahllose Töten von Drogendealern und Kleinkriminellen.
Wenn die Kirche die eigenen Jugendlichen kaum erreicht, wie soll sie auf andere einwirken können?
Diese wie auch viele andere offene Fragen hätten auf Synoden angesprochen und beantwortet zu werden, bei denen die Basis Stimm- und Entscheidungsrecht haben müsste. Doch das wird, obwohl gute alte katholische Tradition, von oben her konsequent blockiert.
Schade. Um junge Menschen zu kämpfen ist Investition in die Zukunft.

P.Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Weish 11, 22 – 12, 2

Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles liebst, was ist

Herr, die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt. Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist. Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.

 

Zweite Lesung:   2 Thess 1, 11 – 2, 2

Der Name Jesu soll in euch verherrlicht werden und ihr in ihm

Schwestern und Brüder!
Wir beten immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und jedes Werk des Glaubens vollende. So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus. Schwestern und Brüder, wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unsere Vereinigung mit ihm und bitten euch: Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da.

 

Evangelium:   Lk 19, 1-10

Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist

In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

cool. himmlisch. was für eine freude.

Auf Wunsch der Autorin wurde dieser Text gelöscht.

 

Information

Frankreich: Immer mehr Katholiken wählen Front National

Immer mehr Katholiken in Frankreich würden der rechtsextremen Partei Front National ihre Stimme abgeben. Das geht aus einer Umfrage der Zeitschrift „Pélerin“ hervor. So hätten die französischen Katholiken bei den letzten Regionalwahlen 2015 etwa zu 32 Prozent für die Partei von Marine Le Pen gestimmt. Früher überstieg ihre Quote nie die Neun-Prozent-Hürde.

Die Präsidentin der „Semaines Sociales de France“ – eine Art Katholikentag – ruft dazu auf, die neuen Zahlen sehr „ernst zu nehmen“. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt Dominique Quinio, dass es vor allem da-rum gehe, über die Gründe für die starke Zuwendung der Katholiken zum Front National nachzudenken.

quinio-dominique
Präsidentin der
„Semaines Sociales de France“
Dominique Quinio.

„Wir müssen verstehen, weshalb die Katholiken diese Partei wählen würden. Es geht nicht darum, das einfach nur zu kritisieren. Verstehen bedeutet, die Verantwortung der Wähler ernst zu nehmen.
Viele fühlen sich von den jetzigen gewählten Politikern im Stich gelassen, und deshalb müssen wir auf diese Protestwähler eingehen.“
Da sei auch die katholische Kirche gefordert, auch wenn diese nicht Parteipolitik betreibe und dies in Frankreich auch nicht tun werde. „Wir sollten regelmäßig die Wähler auf die Bedeutung der Wahlen hinweisen. Es geht nicht darum, die eine oder andere Partei schlecht zu reden. Es geht darum, die christliche Verantwortung für das Allgemeinwohl zu berücksichtigen. Ein Christ muss vor allem an das Wohl der Gemeinschaft denken, und das impliziert eine große Verantwortung bei der Wahl der entsprechenden Partei. Darauf hinzuweisen, ist also eine christliche Pflicht!“

743 religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge

Religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften geschehen bundesweit. Zu diesem Schluss kommt der zweite Lagebericht zu diesem Thema des deutschen Zweigs von Open Doors und weiteren Hilfsorganisationen. Auch in Österreich sind Asylsuchende betroffen.

Das deutsche Büro von Open Doors legt bei einer Pressekonferenz in Berlin am 17. Oktober einen neuen Lagebericht vor. Dazu wurden im Zeitraum Mai bis September Gespräche mit hunderten Flüchtlingen im gesamten Bundesgebiet geführt.
Neu dokumentiert wurden dabei religiös motivierte Übergriffe auf 512 christliche sowie 10 jesidische Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften. Die Hilfswerke appellieren – nach der Veröffentlichung des ersten Lageberichts am 9. Mai mit 231 erfassten Übergriffen – erneut an Politik und Behörden, wirksamen Schutz für christliche Flüchtlinge und Angehörige anderer religiöser Minderheiten zu gewährleisten.

AfD attackiert Kirchen
Der Bericht hat zu einer Kontroverse zwischen der rechten Protestpartei AfD und den deutschen Bischöfen geführt. AfD-Vorstandsmitglied Paul Hampel kritisierte am Dienstag in Berlin, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würden „keinen Finger“ rühren und der nötige Aufschrei bleibe aus.
Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, erklärte dazu, die Feststellung Hampels entbehre jeder Grundlage. „Gerade Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm haben sich oft zur Frage christlicher Flüchtlinge geäußert“, sagte Kopp.

Nürnberg: Muslimenchef spricht am Reformationstag in Kirche

Premiere für einen der bekanntesten Repräsentanten der Muslime: Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, wird am Reformationstag (31. Oktober) erstmals in einer evangelischen Kirche auftreten.

mazyrek-aiman
Vorsitzender des ZMD
Aiman Mazyek.

Der Altdorfer Dekan Jörg Breu begründete das ungewöhnliche Programm für den Reformationstag, dass es  das Anliegen der Reformation sei, „althergebrachte Denkstrukturen aufzubrechen“. Er wolle, dass die evangelische Kirche zum Reformationsjubiläum nicht nur das übliche „Lutheralala“ anbiete. Die Reaktionen aus dem Dekanat auf den muslimischen Referenten seien aber nicht nur positiv, sagte Breu.
Mazyek sagte, dass auch muslimische Fundamentalisten mit seinem Auftritt in einer Kirche Probleme haben könnten. Er habe nicht nachgedacht, ob er die Einladung annehme, sondern nur darüber, was er sagen werde.
Er wolle nach einem Festgottesdienst in einem Vortrag über Fragen der Trennung von Staat und Kirche, aber auch der Begegnung von Christen und Muslimen sprechen.
Der 47-jährige Mazyek ist in Aachen geboren. Er studierte in Kairo Arabistik und in Aachen Philosophie, Ökonomie und Politikwissenschaften.
Er gründete das Internetportal www. islam.de und schrieb das Buch „Was machen Muslime an Weihnachten?“.
2010 wurde er zum Vorsitzenden des ZMD gewählt. Politisch engagiert er sich in der FDP.

„Du musst wieder wissen, wofür du kämpfst, und nicht wogegen“

In den 15 Jahren seines Missionseinsatzes in Ghana schrieb der jetzige Pfarrer von Groß Sieghart (Bezirk Waidhofen/Thaya), Josef Pichler (64), jährlich 2 Freundesbriefe an rund 300 Spenderinnen und Spender in Österreich. Darin informiert er, wie und wo die Spenden investiert wurden. Jetzt hat er zu den Briefen auch über 400 Farbfotos hinzugefügt und daraus ist das Buch „Euer dankbarer Father Joe“ mit 240 Seiten geworden. JA dokumentiert das Vorwort.

„Du musst wieder wissen, wofür du kämpfst, und nicht wogegen“. Dieses Wort von P. Karl Maderner, dem Gründer und Leiter des „Hauses der Stille“ in der Nähe von Graz wurde für  mich sehr wichtig in einer entscheidenden Phase meines Lebens.

Bibel-Schmuggel und Taize
Ich  hatte Theologie studiert in der Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hatte sogar mit Studienkollegen die Konzilsdokumente hinter den Eisernen Vorhang bis nach Polen geschmuggelt. Im Seminar in Seitenstetten hatte ich noch lateinisch ministrieren gelernt – wie schön war es dann, die Messe in unserer Muttersprache feiern zu können.
Mit der Band der Theologiestudenten in St. Pölten, den  „Ypsilon-Brothers“, hatte ich mit Begeisterung bei den rhythmischen Messen Schlagzeug gespielt. Mit Freunden fuhr ich mehrmals zum „Konzil der Jugend“ nach Taize in Südfrankreich  und nahm an europäischen Jugendtreffen dieser Bewegung  in Rom, London und Paris teil.

Ferien im Bauorden
In den Ferien engagierte ich mich mit 10 internationalen Jugendlagern des „Österreichischen Bauordens“ in Frankreich, Portugal, Holland und Griechenland und war Nationalkaplan des Österreichischen Bauordens. Wir hofften, die von Papst Johannes XXIII. aufgestoßenen Türen und Fenster der Kirche würden noch mehr frischen Wind in die verstaubten Strukturen der Kurie und der Pfarrgemeinden bringen. Es war Aufbruchs-, ja Frühlingsstimmung in der Kirche…..
Doch es kam anders: manchen ging es mit den Reformen der Kirche zu schnell, manchen zu weit, und auf Kardinal König und Bischof Zak folgten Bischöfe, die viele engagierte ehrenamtliche MitarbeiterInnen in dieser Kirche veranlassten, sich zurückzuziehen oder sogar auszutreten.
Jugendseelsorger der Diözese
Damals war ich  Jugendseelsorger für die Diözese St. Pölten, freier Mitarbeiter im ORF-Radio mit den Morgenbetrachtungen und den unvergesslichen Sendungen „Einfach zum Nachdenken“ in Ö 3 und danach Kaplan in der Stadtpfarre Krems St. Veit. Dort erlebte ich mit dem Übergang von Prälat Josef Edelhauser zu Pfarrer Helmut Buchegger auch eine neue, missionarische Sichtweise von Kirche und Pfarrgemeinde.
Pfarrer Buchegger war über 20 Jahre lang als Missionar in der Zentralafrikanischen Republik tätig gewesen, und ermutigte mich nach seiner Rückkehr und als mein Pfarrer: wenn du Interesse hast, melde dich für einen Missionseinsatz in Afrika – du bist weiterhin daheim versichert, bekommst weiterhin deinen Gehalt von der Diözese St. Pölten, und du wirst eine junge, missionarische, jedenfalls eine andere Perspektive  von Kirche erleben.

Überlegung eines Ordenseintritts
Durch Kontakte mit P. Jakob Mitterhöfer und P. Kurt Piskaty von den Steyler Missionaren in St. Gabriel hatte ich schon länger überlegt, in den Orden der Steyler Missionare einzutreten. Zur Klärung meines weiteren Weges ließ ich mich für ein Jahr beurlauben und verbrachte diese Zeit in der franziskanisch geprägten Gemeinschaft im „Haus der Stille“ in Heiligenkreuz am Waasen bei Graz. Dort  erlebte mich  P. Karl Maderner zunächst in meiner ganzen Enttäuschung und Aggression gegen „diese Bischöfe“ und sagte mir schließlich dieses wichtige Wort: „Du musst wieder wissen, wofür du kämpfst, und nicht wogegen“.

Mit 500 Schilling nach Ghana
Rückblickend kann ich heute sagen: ich bin froh, diese Entscheidung gewagt zu haben. In der Gemeinschaft der Steyler Missionare machte ich zunächst einen intensiven Englischkurs in Maynooth in Irland, danach weitere Monate der Missionsvorbereitung im Zentrum des Ordens in Steyl in Holland, und danach ging es am 3. Juli 1992 von Rom nach Ghana. Meine Mutter hatte mir noch 500.- Schillinge mitgegeben mit den Worten: wenn du es gar nicht aushältst, musst halt wieder heimkommen.  Doch nach meinen ersten Briefen aus Ghana schrieb sie dann in einem ihrer kostbaren Briefe, die ich noch alle aufbewahrt habe: „…..kann es doch nicht so schlecht sein in Afrika“.

umschlag-pfarrer-pichler-3d

Krankheiten verschwiegen
Meiner Mutter, meinen Geschwistern, Freunden und Wohltätern hatte ich in meinen Freundesbriefen verschwiegen, wie oft ich Malaria hatte, typhoides Fieber, Salmonellenvergiftung und ähnliches. Gott und meine Bischöfe und Freunde in Ghana wissen es.
Ein Jahr lang habe ich mich bemüht, eine der ghanaischen Hauptsprachen, nämlich TWI zu lernen. Ich habe es nur so weit geschafft, die Messe auf Twi feiern zu können, im Gespräch war ich dann doch bald wieder auf einen Katechisten oder meinen treuen Helfer Samuel Kwasi Kye angewiesen, mein Englisch in eine der 10 ghanaischen Hauptsprachen zu übersetzen.
Überwogen hat aber doch die Freude,  an einer jungen, missionarischen Kirche mitbauen zu dürfen, am Aufbau einer neu entstandenen Diözese und an einer Partnerschaft zwischen der Heimatdiözese St. Pölten und der jungen ghanaischen Diözese Koforidua.

Vor Flucht bewahrt
Jugendlichen  in Ghana, die von einem Leben in Europa geträumt hatten, konnte  ich aus Überzeugung sagen: bleibt hier in eurer Heimat, wir helfen euch mit Wasserleitungen, Kindergärten, Schulen, Stipendien, helfen euch Spitalsrechnungen, Medikamente usw. zu bezahlen. Aber ihr braucht nicht eine beschwerliche und lebensbedrohliche Flucht durch die Sahara bis nach Europa unternehmen, wo ihr dann doch arbeitslos, unerwünscht und unterqualifiziert seid.

Dank und Ermutigung
Von 1992 bis 2007,  also 15 Jahre lang, habe ich jedes Jahr  an etwa 300 Freunde und Wohltäter in Österreich meine Freundesbriefe geschrieben. Nun habe ich versucht, den Briefen auch die entsprechenden Fotos beizufügen und sie in Buchform herauszugeben. Ich möchte damit allen danken, die unsere missionarische Entwicklungsarbeit in Ghana  viele Jahre aus der Heimat unterstützt haben.
Immerhin sind über die Jahre etwas über eine Million Euro über mein Spendenkonto nach Ghana geflossen. Darin enthalten ist auch mein eigener Gehalt, den ich all die Jahre in Ghana in Menschen und Projekte investiert habe.
Vielleicht kann dieses Buch auch dazu beitragen, Menschen zu ermutigen, sich einzusetzen für einen gerechteren Ausgleich zwischen Armen und Reichen in unserer Welt, für Respekt, Wertschätzung und Dialog zwischen den Religionen, und für mehr Menschlichkeit und Frieden bei uns und weltweit.

Mit diesem Herzenswunsch grüßt euch herzlich in aufrichtiger Verbundenheit und Freundschaft
Euer dankbarer
Father Joe