Inhalt der gedruckten Ausgabe 44/2015

Leitartikel

Kulturelle und andere Wurzeln

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Familien-Synode endet mit einem Minimal-Konsens
Papst-Reaktion: Dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie

Nach dreiwöchigen Beratungen haben die – ausschließlich männlichen – Mitglieder der Bischofssynode ihr Schlussdokument zu Ehe und Familie mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet.

Franziskus fordert eine synodale Kirche auf allen Ebenen

Papst Franziskus nutzte den Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Welt-Bischofssynode  am 17. Oktober zu einer programmatischen Rede, die manche italienische Medien (etwa „La Stampa“) als „Wende“ für die Kirche bezeichneten.

Patriarch mit Synode unzufrieden: Es fehlten vor allem die Familien

Der in Beirut residierende syrisch-katholische Patriarch von Antiochien, Ignatius Joseph III. Younan, hat eine unzureichende Beteiligung von Familien an der gegenwärtig im Vatikan tagenden Bischofssynode über Ehe und Familie kritisiert. Es handle sich um eine „Synode für Bischöfe mit weiteren eingeladenen Zuhörern, aber das reicht nicht aus“, sagte der Patriarch in einem Interview mit der „Kathpress“.

„Nacht der 1000 Lichter“ statt „Halloween-Rummel“

Mit der „Nacht der 1000 Lichter“ möchte die Katholische Jugend Österreich (KJ) am kommenden Samstag den Oktober jenseits von kommerziellem „Halloween-Getöse“ ausklingen lassen und zu einer besinnlichen Einstimmung auf Allerheiligen einladen.

ORF-Friedenslichtreise wegen Sicherheitsbedenken abgesagt

Die traditionelle Friedenslichtreise des ORF-Landesstudio Oberösterreich ins Heilige Land findet heuer nicht statt.

Junge Flüchtlinge sollen außerordentliche Schüler bleiben dürfen

Der steirische Caritas-Direktor Franz Küberl hat sich dagegen gewandt, dass junge Flüchtlinge künftig in der Steiermark nicht mehr als außerordentliche Schüler an Pflichtschulen unterrichtet werden sollen.

Ehepaar heiliggesprochen

Papst Franziskus hat am 18. Oktober, dem Sonntag vor der letzten Synoden-Beratungswoche, ein französisches Ehepaar für dessen vorbildliche Partnerschaft heiliggesprochen:  Louis (1823-1894) und Zelie Martin (1831-1877). Es sind dies die Eltern der bereits 1925 heiliggesprochenen Therese von Lisieux.

Papst gegen Zentralismus und für synodalere Strukturen

Papst Franziskus hat beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Bischofssynode im Vatikan starke Impulse für mehr Kollegialität in den Entscheidungsprozessen der katholischen Kirche gesetzt. Das dritte Jahrtausend erfordere eine synodale Kirche, sagte er am Samstag. „Kathpress“ dokumentiert Auszüge aus seiner Rede in einer eigenen Übersetzung:

Synode: Die 13 Gruppen waren bei Wiederverheirateten völlig uneins

In ihren Schlussberichten sprachen sich drei der 13 Gruppen ausdrücklich für eine Beibehaltung der derzeitigen offiziellen Praxis aus: Keine Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Diese Position wird von zwei englischsprachigen und einer französischsprachigen Gruppe vertreten. Sie wurden von Kardinal George Pell (Vatikan), Erzbischof Charles Chaput (USA) und Kardinal Robert Sarah (Vatikan) geleitet.

Das Schlussdokument der Synode

Noch einmal sind 248 Änderungsvorschläge eingearbeitet worden, am Samstag war er fertig, der Abschlusstext der Bischofssynode. Er wurde in der Versammlung per Abstimmung angenommen. Alle Abschnitte bekamen eine Zweidrittelmehrheit.  Danach: die Übergabe an den Papst, der mit diesem Text den letzten Schritt des synodalen Prozesses zum Thema Familie gehen wird. Eine Zusammenfassung von P. Bernd Hagenkord:

Kardinal von Washington: Kritik an Bischofssynode zielt auf Papst

Washingtons Kardinal Donald Wuerl hat Manipulationsvorwürfe im Zusammenhang mit der Bischofssynode über Ehe und Familie zurückgewiesen.

Schönborn-Gruppe: Papst soll katholische Ehe-Lehre reformieren

Eine umfassende Erneuerung der katholischen Ehe-Theologie durch das kirchliche Lehramt hat die von Kardinal Christoph Schönborn geleitete deutsche Sprachgruppe (Circulus Germanicus) bei der Familiensynode in Rom vorgeschlagen.

Über 1,25 Milliarden Katholiken weltweit
Jahreszuwachs: 25 Millionen Katholiken und 1.000 Priester

Weltweit gab es am 31. Dezember 2013 über 1.253.926.000 Katholiken: Diese Zahl, die 17,68 Prozent der gesamten Weltbevölkerung entspricht, nennt die vatikanische Nachrichtenagentur „Fides“ in ihrer jährlich am „Weltmissionssonntag“ herausgegebenen Statistik.

Irakischer Bischof: Leute denken, Europas Tore wären alle offen

Im Irak bliebt die humanitäre Lage für christliche Flüchtlinge über ein Jahr nach ihrer Flucht und Vertreibung trotz Besserungen ernst.

Hymnen einer katholischen Ordensfrau werden in ganz Indien gesungen

Um Gott zu loben und zu preisen, singen unzählige Menschen in Indien Hymnen einer ihnen unbekannten katholischen Ordensfrau, berichtet „Global Sisters Report”.

„Slowakische Legende“ Kardinal Korec verstorben
Hilfsarbeiter, Nachtwächter und neun Jahre im Kerker

Der emeritierte Bischof von Nitra, Kardinal Jan Chryzostom Korec, ist am Samstagnachmittag im 92. Lebensjahr in seiner Heimatstadt verstorben.

Herbert-Haag-Preis 2016

Die Schweizer Kirchenreformer-Auszeichnung „Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche“ geht an das „Haus der Religionen“ in Bern, den bayerischen evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Foto) sowie das deutsche Theologiestudierenden-Team, das die große internationale Katholikenbefragung 2015 durchgeführt hat.

Leitartikel

Kulturelle und andere Wurzeln

Die Bischofssynode zu Ehe und Familie ist mit einem vagen Kompromiss zu Ende gegangen.
Unterschiedliche kulturelle Wurzeln der Synoden-Männer seien dafür verantwortlich, heißt es. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Wer konnte seine Dominanz offen ausspielen? Männer, die ob ihrer ultrakonservativen Ansichten von den Vorgängern des jetzigen Papstes auf dubiose Art zu Bischöfen bestellt wurden, oft Außenseiter in ihren eigenen Diözesen und vom gläubigen Volk wenig angenommen. Völlig im Widerspruch zur alten Kirche, wo Bischöfe von den eigenen Gläubigen, und nur von ihnen gewählt wurden.
Die Frauen, die Mehrheit der Kirche, waren bei der Synode zu stummen Beobachtern degradiert.
Papst Franziskus ist nicht zufrieden, wie seine Reaktion in der Schlussansprache zeigt. Er fordert eine Dezentralisierung und ein Zuhören. Beides muss es in Hinkunft auch bei Bischofs-Bestellungen geben, will die Kirche Evangeliums-gemäß und in der Welt von heute glaubwürdig erscheinen.
Frauen als Priester? Wurde gar nicht angesprochen, weil völlig undenkbar für alte Männer, denen die eigene absolute Macht und die völlige Untergeordnetheit alles Weiblichen Dogmen sind.
Der indische Kardinal Garcias sagte, was der Papst aus dem Dokument mache, „sei ihm überlassen.“Franziskus will nicht nur hören, sondern zuhören. Wann wird das Volk gehört? Wann Jesus? Dieser nahm Frauen ernst, Hohepriester hingegen gar nicht.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Offb 7, 2-4.9-14

Ich sah eine große Schar aus allen Nationen und Sprachen; niemand konnte sie zählen

Ich, Johannes, sah vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben. Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen: Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

 

Zweite Lesung:   1 Joh 3, 1-3

Wir werden Gott sehen, wie er ist

Schwestern und Brüder!
Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Schwestern und Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.

 

Evangelium:   Mt 5, 1-12a

Freut euch und jubelt:

Euer Lohn im Himmel wird groß sein
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Wie man Heilige erkennt

Wenn ich zum Fest Allerheiligen einmal von geschmückten Gräbern und den Pflichtbesuchen auf den Friedhöfen absehe, dann begegne ich an diesem Fest eben allen Heiligen. Zahllose Männer und Frauen stehen im Kalender, im ökumenischen Heiligenlexikon noch mehr. Alle sind tot, einige auch noch nicht lange. Es stellt sich die Frage, ob man Heilige auch schon erkennt, wenn sie noch leben. Auch wenn sie keine Päpste, Ordensgründerinnen, Engel der Armen oder mit Wundmalen an den Händen ausgestattet sind.
Es stellt sich mir die Frage, in wieweit die Heiligen auch verliebt, zornig, gelangweilt, berufstätig sind. Auf jeden Fall sind sie erfüllt von Gottesbeziehung, die manchmal gut, manchmal weniger gut sein wird. Sie sind auf dem Weg der Gottsuche und bleiben da auch. Gottesbeziehung ist nicht immer sehr angenehm, weil Gott und Glaube nicht nur im privaten Kämmerlein ausgemacht werden kann, sondern Handeln zufordert. Das kann bedeuten, Dinge laut auszusprechen, die die Gesellschaft oder die Kirchenmänner nicht gerne hören.
Heilige Menschen handeln auch manchmal ganz überraschend. Sie gehen an Orte, wo Menschen sie brauchen. Dort trösten sie kleine Kinder, Männer und Frauen, Alte, manchmal streicheln sie ein Tier. Sie verweigern Streit und suchen den Frieden mit ihrem Nachbarn, den Verwandten, mit anderen Völkern, in ihrem Herzen. Sie wollen nicht kämpfen, sondern setzen sich an einen Tisch und bieten den anderen Brot und Wein an. Diese Heiligen sind dann ganz verwundert, wenn Gott sie in ihre Arme schließt und sie als Söhne und Töchter willkommen heißt.

 

Information

Familien-Synode endet mit einem Minimal-Konsens
Papst-Reaktion: Dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie

Nach dreiwöchigen Beratungen haben die – ausschließlich männlichen – Mitglieder der Bischofssynode ihr Schlussdokument zu Ehe und Familie mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet.

Es wurde erwartungsgemäß ein Minimal-Konsens: Keine direkten Aussagen über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, kaum etwas über den Respekt vor der sexuellen Orientierung gleichgeschlechtlich Liebender.
In Reaktion darauf hat Papst Franziskus in seiner Schlussansprache dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie gefordert: „Jedes allgemeine Prinzip muss in die jeweilige Kultur übertragen werden, wenn es eingehalten und angewendet werden soll.“ Die Synode habe gezeigt, dass etwas, das dem Bischof eines Kontinents normal erscheine, für den Bischof eines anderen Kontinents als „Skandal“ gelten könne.
Franziskus betonte zugleich, dass es hierbei nicht um eine Änderung der kirchlichen Lehre gehe. Die „Inkulturierung“ des Glaubens schwäche nicht dessen Werte, sondern zeige ihre Stärke und mache sie authentisch.

Nicht Buchstabe, sondern Geist
Die Synode, so der Papst, habe gezeigt, „dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht diejenigen sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist, nicht die Idee, sondern den Menschen, nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung“.
Oft verstecke sich die Verschlossenheit der Herzen hinter der Lehre der Kirche. Wichtigste Aufgabe der Kirche sei es jedoch nicht zu verurteilen, sondern die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, zur Umkehr aufzurufen und die Menschen zum Heil zu führen.

Archaische Sprache verdeckt Evangelium
Die Synode habe versucht, die Horizonte zu öffnen und geschlossene Perspektiven zu vermeiden, um „die Freiheit der Kinder Gottes zu verteidigen“ und die Schönheit der christlichen Botschaft besser zu vermitteln, so der Papst.
Allerdings werde diese Botschaft manchmal „vom Rost einer archaischen, oder schlichtweg unverständlichen Sprache verdeckt“.
Die Familie steht Franziskus zufolge heute in einer historischen Phase der Entmutigung und der sozialen, wirtschaftlichen und moralischen Krise. Dagegen müsse die Kirche den Wert und die Schönheit von Familien, gegründet auf die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau, hervorheben. Denn sie seien die fundamentale Basis der ganzen Gesellschaft und des Lebens der Menschheit.

Patriarch mit Synode unzufrieden: Es fehlten vor allem die Familien

Der in Beirut residierende syrisch-katholische Patriarch von Antiochien, Ignatius Joseph III. Younan, hat eine unzureichende Beteiligung von Familien an der gegenwärtig im Vatikan tagenden Bischofssynode über Ehe und Familie kritisiert. Es handle sich um eine „Synode für Bischöfe mit weiteren eingeladenen Zuhörern, aber das reicht nicht aus“, sagte der Patriarch in einem Interview mit der „Kathpress“.

patriarch younan
Patriarch Ignatius Joseph III. Younan.

Bischöfe und Klerus, „die zu 99 Prozent dem Zölibat verpflichtet sind“, hätten nach der Synode im vorigen Herbst diesmal „weiter voranschreiten können mit Hilfe der Laien“, so Younan. Eine repräsentative Arbeitsgruppe aus Bischöfen der verschiedenen Kontinente, verheirateten Paaren, Jungen und Alten sowie Experten für Seelsorge und Kirchenrecht hätte zusammen mit dem Papst „eine bessere Arbeit leisten können“ als die derzeitige Bischofssynode.
Die 270 stimmberechtigten Mitglieder des Bischofssynode waren ausnahmslos Geistliche.

Papst gegen Zentralismus und für synodalere Strukturen

Papst Franziskus hat beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Bischofssynode im Vatikan starke Impulse für mehr Kollegialität in den Entscheidungsprozessen der katholischen Kirche gesetzt. Das dritte Jahrtausend erfordere eine synodale Kirche, sagte er am Samstag. „Kathpress“ dokumentiert Auszüge aus seiner Rede in einer eigenen Übersetzung:

Gemeinsames Unterwegssein
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis zur aktuellen Synodenversammlung haben wir nach und nach immer stärker die Notwendigkeit und die Schönheit des „gemeinsam Unterwegsseins“ erfahren. (…) Seit Beginn meines Pontifikats habe ich die Absicht verfolgt, die Synode aufzuwerten, die ja eine der wertvollsten Hinterlassenschaften des letzten Konzils darstellt. (….)  Wir müssen auf dieser Straße weiter voranschreiten. Die Welt, in der wir leben und die wir aufgerufen sind zu lieben und ihr zu dienen, auch in ihren Widersprüchen, fordert von der Kirche eine Verstärkung der Synergien in allen Bereichen ihrer Mission. Der Weg der Synodalität ist wahrhaftig der Weg, den Gott von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.

Kirche des Zuhörens
Was der Herr von uns fordert, ist in einem gewissen Sinne schon im Wort „Synode“ enthalten. Gemeinsam auf dem Weg sein – die Laien, die Hirten, der Bischof von Rom – ist ein Konzept, das man leicht aussprechen, aber nicht so leicht in die Praxis umsetzen kann. (…)
Diese Überzeugung leitete mich, als ich den Wunsch äußerte, das Volk Gottes möge in der Vorbereitung auf die Familiensynode konsultiert werden (…) Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in der Überzeugung, dass Zuhören ‚mehr ist als einfach nur hören‘. Es ist ein gegenseitiges Zuhören, bei dem jeder etwas lernen kann. Das Gottesvolk, das Bischofskollegium, der Bischof von Rom: einer dem anderen zuhörend; und alle hörend auf den Heiligen Geist… Die Bischofssynode ist der Punkt, an dem die Dynamik des Zuhörens auf allen Ebenen der Kirche zusammenfließt. (…) Durch die Synodenväter handeln die Bischöfe als authentische Wächter, Ausleger und Zeugen des Glaubens der ganzen Kirche, den sie aufmerksam vom oft unbeständigen Fluss der öffentlichen Meinung zu unterscheiden wissen müssen. (…)

Auch Papst muss zuhören
Schließlich kulminiert der synodale Weg im Zuhören des Bischofs von Rom, der berufen ist, sich als „Hirte und Lehrer aller Christen“ zu begreifen: nicht ausgehend von seinen persönlichen Überzeugungen, sondern als oberster Zeuge des Glaubens der gesamten Kirche, als „Garant des Gehorsams und der Übereinstimmung der Kirche mit dem Willen Gottes, dem Evangelium Christi und der Tradition der Kirche“. Die Tatsache, dass die Synode immer cum Petro et sub Petro – also nicht nur mit Petrus, sondern auch unter Petrus – agiert, bedeutet keine Einschränkung der Freiheit, sondern eine Garantie der Einheit. (…)

Autorität muss dienen
Wenn wir begreifen, dass – wie es Johannes Chrysostomos sagt-  „Kirche und Synode gleichbedeutend sind“ (…) dann begreifen wir auch, dass in ihr niemand über die anderen „erhaben“ sein kann. Im Gegenteil, in der Kirche ist es notwendig, dass man sich „erniedrigt“, um den Brüdern entlang des Weges Hilfe zu gewähren. Jesus hat die Kirche begründet, indem er an ihre Spitze das Apostelkollegium stellte, in dem der Apostel Petrus der „Fels“ ist (Mt 16,18), derjenige, der die Brüder im Glauben „bestärken“ muss (Lk 22,32). Aber in dieser Kirche befindet sich die Spitze wie bei einer umgedrehten Pyramide unterhalb der Basis. Deshalb nennen sich diejenigen, die die Autorität ausüben, „Diener“. (…) Vergessen wir das nie! Für die Jünger Jesu, gestern, heute und immer, ist die einzige Autorität die Autorität des Dienens. (…)

Mit den Menschen verbunden
Die erste Ebene der praktizierten Synodalität verwirklicht sich in den Teilkirchen. Nach der (…) Einrichtung der Diözesansynode, in der Priester und Laien berufen sind, mit dem Bischof zum Besten der ganzen kirchlichen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, widmet das Kirchenrecht dem breiten Raum, was man gewöhnlich die „Gemeinschaftsorgane“ einer Teilkirche nennt: Priesterrat, Beraterkollegium, Domkapitel und Pastoralrat. Nur in dem Maße, in dem diese Organismen mit der „Basis“ verbunden bleiben und von den Menschen, den Alltagsproblemen ausgehen, kann eine synodale Kirche Formen annehmen.(…)

Alte Kirchenordnung einbauen und modifizieren
Die zweite Ebene ist die der Provinzen und Regionen (…) und in besonderer Weise der Bischofskonferenzen. Wir müssen nachdenken, um über diese Einrichtungen noch mehr die Zwischeninstanzen der Kollegialität zu schaffen, vielleicht indem wir einige Aspekte der frühen Kirchenordnung einbauen und modifizieren. Der Wunsch des Konzils, dass solche Organismen den Geist der Kollegialität wachsen lassen, hat sich noch nicht voll erfüllt. Wir sind erst auf halbem Weg, haben erst einen Teil der Strecke zurückgelegt. In einer synodalen Kirche, wie ich schon ausgeführt habe, „ist es nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem Sinn mache ich auf die Notwendigkeit aufmerksam, in einer heilsamen ‚Dezentralisierung‘ voranzuschreiten.“ (Evangelii gaudium)

Papst ist Getaufter unter Getauften
Die letzte Ebene ist die der universalen Kirche. Hier wird die Bischofssynode, die den gesamten Episkopat repräsentiert, Ausdruck der bischöflichen Kollegialität innerhalb einer ganz und gar synodalen Kirche. (…)  Das Bemühen um den Aufbau einer synodalen Kirche (…) ist voller ökumenischer Implikationen. (…) Ich bin überzeugt, dass in einer synodalen Kirche auch die Ausübung des Petrus-Primats besser sichtbar werden kann. Der Papst steht nicht einsam über der Kirche, sondern in ihr, als Getaufter unter Getauften und im Kollegium der Bischöfe als Bischof unter Bischöfen, und er ist zugleich als Petrusnachfolger dazu berufen, die römische Kirche zu führen, die unter allen Kirchen den Vorsitz in der Liebe hat. (…)

Das Schlussdokument der Synode

Noch einmal sind 248 Änderungsvorschläge eingearbeitet worden, am Samstag war er fertig, der Abschlusstext der Bischofssynode. Er wurde in der Versammlung per Abstimmung angenommen. Alle Abschnitte bekamen eine Zweidrittelmehrheit.  Danach: die Übergabe an den Papst, der mit diesem Text den letzten Schritt des synodalen Prozesses zum Thema Familie gehen wird. Eine Zusammenfassung von P. Bernd Hagenkord:

Der Sakramentenzugang für wiederverheiratete Geschiedene kommt direkt nicht vor. Auch die mit dem Namen von Kardinal Walter Kasper verbundene Idee einer „via poenitentialis“ zurück zu den Sakramenten, die im Vorfeld so heftig debattiert wurde, taucht im Abschlussdokument nicht auf. Überhaupt sind die 94 Paragrafen des Abschlusstextes der Bischofssynode nicht das, was sich die meisten erwartet haben. Am Samstag wurde der Text den Synodenteilnehmern vorgelesen – und für alle Nichtitaliener auch simultan übersetzt. Danach stimmten die Synodenväter über ihn ab. Knapp 50 Seiten sind es geworden, 94 Paragrafen, drei große Teile mit je vier Kapiteln.
Aber neben den außerhalb der Synode am meisten diskutierten Themen sind auch andere Dinge nicht im Text. So spricht das Dokument nicht von einem „objektiven Stand der Sünde“, wenn es um wiederverheiratete Geschiedene geht, und vermeidet eine rigoristische Sprache oder die Perspektive des Richters.
Der erste Satz des ersten Kapitels nimmt seinen Anfang bei der Schöpfung Gottes und spricht über das Staunen über diese Schöpfung. Die Synode verankert ihr Denken in einer theologischen Vision, beginnend mit dem Handeln Gottes.
Die Redaktion hat die drei Schritte beibehalten, die bereits in der vergangenen Bischofssynode im Oktober 2014 das Arbeiten strukturiert haben: Sehen, Urteilen, Handeln. Daraus waren im Arbeitsdokument drei Textteile und in der Synode drei Arbeitsteile geworden. Das findet sich nun auch im Abschlusstext wieder.
Die Texte geben dem ganzen Duktus eine mehr positive Richtung: Die Kirche sieht nicht nur Probleme überall, sondern hat etwas positiv beizutragen, sie bekennt ihren Glauben. Insgesamt ist das Dokument neu geordnet und systematisiert, viel besser als vorher, wie viele Synodenteilnehmer bemerkten. Es gibt klarere Zuordnungen und eine erkennbare innere Logik.
Ein Thema sticht heraus, und hier hatte es auch im Vorfeld den meisten Redebedarf gegeben: die Frage des Gewissens (vor allem in den Punkten 84 ff. entwickelt). Das Gespräch mit dem Beichtvater, die Einbeziehung der Umstände und inneren Verfassung. Klargestellt wird die Tatsache, dass aus allgemeinen Regeln nicht einfach konkrete Handlungsanweisungen folgen können, und dazu der Wunsch, zu einer volleren Teilhabe am Leben der Kirche zu kommen.
Die Pastoral und auch die Entscheidungen müssen der Wirklichkeit entsprechen, um die sie sich kümmern. Zuerst taucht dieser Gedanke bei den Flüchtlingen auf, dann aber immer wieder, unter anderem im Kapitel zur kirchlichen Lehre zur Unauflöslichkeit (51). Was zuerst selbstverständlich klingt, war in seiner Formulierung nicht unumstritten. Der Katechismus (zitiert wird § 1735) sieht vor, dass moralische Normen kein Deduzieren von korrekten Antworten in allen Fällen erlaubten. Die Frage bleibt, wie dann die Normen gelten. Oder noch genereller: Wie gelten dann die Gebote? Nur in Anwendung oder auch als solche, so dass sich die Wirklichkeit dem beugen müsste? Es sind abstrakte Fragen, die im Hintergrund dieser harmlos daher kommenden Überlegungen erscheinen. Und in diesem Licht wird man den Text lesen müssen, in diesem Licht wird Papst Franziskus ihn auch entgegengenommen haben, weiter bearbeiten und eventuell zu einem eigenen Schreiben umformulieren.

Hymnen einer katholischen Ordensfrau werden in ganz Indien gesungen

Um Gott zu loben und zu preisen, singen unzählige Menschen in Indien Hymnen einer ihnen unbekannten katholischen Ordensfrau, berichtet „Global Sisters Report”.

In den vergangenen 26 Jahren hat die heute 57-jährige Sr. Pushpanjali Paul zahlreiche Audio-Kassetten und Platten mit 300 Liedern in der Nationalsprache Hindi produziert. Sie werden landesweit von Christen, aber auch von Gläubigen anderer Religionen gesungen.
„Unabhängig von ihrer Kaste oder Religion verwenden die Menschen in den Regionen, wo Hindi gesprochen wird, ihre Lieder, um Gott anzubeten. Doch leider weiß kaum jemand, wer diese inspirierenden Lieder geschrieben hat”, sagt der emeritierte Erzbischof Paschal Topno von Bhopal und frühere Jesuiten-Provinzial von Madhya Pradesh, ein Förderer und Bewunderer der Ordensfrau. „Sie gibt mit ihrer Musik allein Gott die Ehre, leider wurde sie lange missverstanden.”

sr. paul pushpanjali
Sr. Pushpanjali Paul

Talente nicht anerkannt
Mit 21 Jahren ist Pushpanjali 1979 dem Orden der Dienerinnen des Heiligen Geistes beigetreten, nachdem sie ihr Lehramtsstudium als Hauswirtschaftslehrerin beendet hatte. Zwei Jahre später wurde sie als Lehrerin eingesetzt, doch innerlich fühlte sie sich zu Kunst und  Musik hingezogen.
Jahrelang versuchte sie, das ihren Oberinnen klar zu machen, vergeblich. Sie musste dennoch Wirtschaft unterrichten.
Daraufhin nahm sie 1999 eine Auszeit, ein Jahr später wurde sie gegen ihren Willen für drei Jahre exklaustriert und musste für sich selbst sorgen. Ihr Beichtvater gab ihr umgerechnet 110 US-Dollars als Starthilfe.
Eine ihrer leiblichen Schwestern unterstützte sie. Pushpanjali ist das zweite von elf Kindern eines Katechisten.

Fasten, Gebet und Todesdrohungen
In dieser Zeit fastete und betete sie viel, damit Gott ihr den richtigen Weg zeige. Dann ging sie in die Diözese Allahapad, von der sie Geld bekam, um ein kleines Grundstück zu kaufen. Sie gründete dort „Sadhana Sanchar“, eine Institution für spirituelle Übungen und Kommunikation, um Menschen dem Reich Gottes näherzubringen.
Sie errichtete ein Haus, wohin sich Menschen unterschiedlicher Religionen zu Meditation und Stille zurückziehen können, sowie ein weiteres Gebäude, um kleinen Kindern Musikunterricht zu erteilen. Ein viertes Gebäude ist in Bau – mit einem Gebetsraum für 70 Personen.
Doch auch hier hatte sie zu kämpfen. Lokale Hindu-Politiker warfen ihr vor, Arme zum Christentum bekehren zu wollen. Todesdrohungen folgten, sie musste von der Polizei geschützt werden.

Zur Ehre des dreieinen Gottes
P. Stany Michael D’Souza, ein früherer Musikschuldirektor und jetziger Mitarbeiter, sagt, Pushpanjalis Lyrik und Kompositionskunst sind von höchstem Niveau: „Sie spiegeln ihre persönliche Beziehung zur Heiligsten Dreifaltigkeit wider und ihr tiefes Empfinden der Schöpfung.“ Wer ihre Hymnen hört, komme in direkten Kontakt zum dreieinen Gott.
Sr. Pushpanjali ist heute Vorreiterin eines interreligiösen Dialogs und einer friedlichen Koexistenz im aufgewühlten Indien. Die 1889 gegründeten „Dienerinnen des Heiligen Geistes“ werden in Österreich „Steyler Missionsschwestern“ genannt. Provinzhaus ist seit 1917 das Kloster St. Koloman in Stockerau (NÖ).