Teilentmachtung des Bischofs von Porec-Pula
Kroatische Bischöfe gehen vor Rom in die Knie

Der Vatikan hat den in einer Grundstücks-Aktion widerspenstigen Bischof der kroatischen Diözese Porec-Pula, Ivan Milovan, durch die Ernennung eines „Koadjutors“ teilentmachtet.
Am 17. Oktober ernannte Benedikt XVI. den 43-jährigen Drazen Kutlesa, einen Mitarbeiter der vatikanischen Bischofs- sowie der Gottesdienstkongregation, zum Bischof-Koadjutor für diese Diözese.
Vier Tage später stellte sich die Kroatische Bischofskonferenz im Streit um das istrische Kloster Dajla und dazugehörige Immobilien an der Adriaküste hinter den Papst und die Entscheidung einer vom Vatikan eingesetzten kirchlichen Schlichtungskommission.

Drazen Kutlesa
Koadjutor Drazen Kutlesa.
Bischof Ivan Milovan
Bischof  Ivan Milovan.

Unter Verweis auf die seit Jahren andauernde juristische Auseinandersetzung erkennen die Bischöfe die Beschlüsse des Heiligen Stuhls an, um die „aufgekommenen Spannungen zu beruhigen“, eine Lösung herbei zu führen und die Dinge, „soweit es möglich ist, in den Rahmen von Wahrheit und Recht zu bringen“, hieß es in der Erklärung.
Die Bischofskonferenz dankte in der Stellungnahme Papst Benedikt XVI. ausdrücklich, dass sie in dieser Sache mit ihm am 8. Oktober sprechen durften.
Bischof Milovan stand in den vergangenen Monaten im Zentrum eines Streits um eine exklusive Klosterimmobilie an der Adriaküste in Istrien zwischen seiner Diözese, Kroatien, dem Vatikan und italienischen Benediktinermönchen. Milovan weigerte sich dabei, eine Übereinkunft zu unterzeichnen, die von einer vom Vatikan eingesetzten Kardinalkommission erarbeitet wurde und dem Orden das Eigentum an dem Kloster zusprach. Daraufhin beauftragte der Papst den spanischen Kurienerzbischof Santo Abril y Castello, anstelle des Ortsbischofs die Übereinkunft zu unterzeichnen.
Kroatiens Regierung wertete die Entscheidung der Kardinalkommission, an der u.a. Zagrebs Erzbischof Kardinal Josip Bozanic mitwirkte, als Eingriff in die staatliche Souveränität.

Der Tod von Metropolit Staikos ist ein kaum abschätzbarer Verlust für Kirche und Staat

Er war Kardinal Franz Königs am meisten vertrauter Bischofskollege, er führte das letzte Gespräch mit dem Wiener Alterzbischof vor dessen Tod, am 18. Oktober ist er selbst nach einer Krebserkrankung in Wien verstorben: Michael Staikos, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria. Vertreter aller Kirchen würdigen und trauern um ihn.
Unter seiner Führung wurde die orthodoxe Kirche in Österreich zu einer wichtigen gesellschaftlichen und kirchlichen Größe im Land.  Bis zu 500.000 orthodoxe Christen leben mittlerweile in Österreich.

Staikos - König
Kardinal Franz König und Metropolit Michael Staikos
verband durch Jahrzehnte eine enge Freundschaft.
  
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Der Tod von Michael Staikos bedeutet einen „kaum abschätzbaren Verlust für Kirche und Staat“. Dies unterstrich in einer ersten Reaktion der katholische Publizist Heinz Nußbaumer, sein und Kardinal Königs Wegbegleiter durch Jahrzehnte,  gegenüber „Kathpress“. Mit Staikos verliere die Kirche außerdem ein „ökumenisches Herz im Geist von Kardinal König und einen Seelsorger, der wie kein zweiter den geistlichen Raum der Ostkirche für uns erschlossen hat“.
Innerhalb weniger Jahrzehnte sei es Staikos gelungen, die rasch gewachsene orthodoxe Gemeinde „als Neubürger zu integrieren“ - durch einen orthodoxen Religionsunterricht sowie durch eigene Gefangenen-, Krankenhaus- und zuletzt Militärseelsorge. So habe Staikos gezeigt, „dass das Christentum in Österreich tatsächlich mit beiden Lungenflügeln von Ost- und Westkirche atmet“. Besonders würdigte Nußbaumer die Einrichtung einer orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich im Oktober 2010 durch und unter der Leitung von Metropolit Staikos.

Staikos - Nussbaumer
Professor Heinz Nußbaumer im Gespräch mit dem
griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos.

Mit 31 Priester, seit 20 Jahren Metropolit von Austria
Michael Staikos wurde am 22. November 1946 in Athen geboren. Er besuchte ein katholisches Gymnasium in der griechischen Hauptstadt.
Sein Theologiestudium absolvierte er an der Universität von Thessaloniki. 1964 übersiedelte er nach Wien, 1965 trat er in den Dienst der griechisch-orthodoxen Metropolie von Austria - als Sekretär und Zeremoniär des damaligen Metropoliten Tsiter. Am 22.  November 1977 wurde er in Wien zum Priester geweiht, am 12. Jänner 1986 zum Bischof. Im November 1991 wählte ihn der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zum Metropoliten von Austria und Exarchen für Ungarn.
Den ökumenischen und interreligiösen Dialog in Österreich betrachtete Staikos als zentralen Auftrag. Zwei Amtsperioden hindurch (1995-2000) war er Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und war Konsultor der Stiftung „Pro Oriente“.
Als Legat des Ökumenischen Patriarchen hat Staikos die Kirche von Konstantinopel oft bei panorthodoxen und ökumenischen Ereignissen vertreten. Mehrere Jahre gehörte er auch dem Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats an.

Deutsche Ökumeniker nach Papstbesuch enttäuscht und ratlos

Die Tübinger katholischen Theologen Bernd Jochen Hilberath und Karl-Josef Kuschel sehen „Kirchenvolk“ und Wissenschaftler nach der ökumenischen Begegnung von Papst Benedikt XVI. in Erfurt verunsichert, ratlos und enttäuscht.
Zugleich zeigen sie sich in einer Erklärung befremdet, wenn „hochstilisiert“ werde, dass das Treffen an historischer Stätte stattgefunden und der Papst anerkennende Worte für den Reformator Martin Luther gefunden habe.
Dem stehen laut Hilberath und Kuschel die Formulierung des Papstes vom „ökumenischen Gastgeschenk“ als „politischem Missverständnis“ und dessen Einschätzung entgegen, Ökumene würde als „eine Art Verhandlungssache betrieben“. Dies verletze alle, die sich seit Jahrzehnten in der ökumenischen Theologie abmühten, so Hilberath und Kuschel. Mit großem Interesse hätten ökumenisch Engagierte hören wollen, wenn der Papst erklärt hätte, woran sich zeige, dass „das, was uns gemeinsam ist, größer ist als das, was uns trennt“, und wo kirchentrennende Hindernisse beseitigt werden müssten.
Die Wissenschaftler unterstreichen, die Kirche könne nicht hinter die ökumenische Öffnung durch das Zweite Vatikanische Konzil und die heutige ökumenische Praxis zurück. Die Kluft zwischen dem, was offiziell erklärt, beziehungsweise nicht erklärt werde, und dem, was die Menschen in den Gemeinden lebten, werde immer größer. Die Bereitschaft, auf das Lehramt zu hören, werde entsprechend immer weiter abnehmen.

3.000 demonstrieren in Wien für koptische Christen in Ägypten

Kardinal Christoph Schönborn und der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel haben am Freitag, 21. Oktober, in Wien bei der Solidaritätsdemonstration für die koptischen Christen das „Massaker von Maspero“ vom 9. Oktober dieses Jahres scharf verurteilt.
Die Geschehnisse von Maspero müssten lückenlos aufgeklärt werden, betonten die beiden Bischöfe. Notwendig sei die Freilassung der festgenommenen schuldlosen Kopten, die Verurteilung der wahren Schuldigen und eine Entschuldigung des Militärrates bei den Kopten wegen des brutalen Vorgehens der Armee am 9. Oktober und der nachfolgenden Desinformationskampagne, deren Ziel die Verschleierung der Verantwortung gewesen sei.

Schönborn bei Kopten-Demo
Kardinal Schönborn an der Spitze der Solidaritätskundgebung.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Nach Schätzungen der Veranstalter waren rund 3.000 Teilnehmer zur Veranstaltung gekommen. Darunter fanden sich u. a. auch Abba Birhanu Kassahun Debebe von der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der Landessuperintendent der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich, Thomas Hennefeld. Hennefeld mahnte im Gespräch mit „Kathpress“ ein „Wort der Solidarität“ auch von muslimischer Seite ein.
„Wir verlangen den Schutz von Kirchen und Christen, volle Gleichberechtigung von Christen und Muslimen im neuen Ägypten und die langersehnte Gerechtigkeit für alle“, erklärten Kardinal Schönborn und Bischof Gabriel übereinstimmend. Alle Menschen, die sich dem Grundprinzip der Religionsfreiheit verpflichtet fühlen, sollten sich mit den koptischen Christen solidarisch zeigen.

„Massaker von Maspero“
Am 9.Oktober 2011 war ein friedlicher Demonstrationszug koptisch-orthodoxer Christen in Kairo vom Militär angegriffen worden. Die Kopten, die durch diese Demonstration auf ihre missliche Lage im neuen Ägypten aufmerksam machen wollten, zogen friedlich und unbewaffnet vom Bezirk Shobra zum Maspero-Platz.
Die Menge wurde auf ihrem Weg von einer Gruppe vermutlich angeheuerter Schläger mit Steinen und anderen Utensilien attackiert. In Maspero selbst wurde die Menge, darunter auch Kinder, Frauen und Gebrechliche, von Soldaten angegriffen. Insgesamt kamen 27 Kopten ums Leben. Die Zahl der Verletzten bewegt sich im dreistelligen Bereich. Kopten seien nicht nur von Soldaten erschossen, sondern auch von Mannschaftsfahrzeugen überfahren worden, hieß es in verschiedenen Berichten
 
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