Inhalt der gedruckten Ausgabe 43/2016

Leitartikel

Mit Luther zum Papst

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

Neuer UN-Chef Antonio Guterres: „Meine Motivation ist der katholische Glaube“

Die UN-Versammlung hat am 13. Oktober Antonio Guterres einstimmig zu ihrem neuen Generalsekretär gewählt. Der 67-jährige Portugiese ist ein überzeugter Katholik.

Castel Gandolfo wird Museum

Papst Franziskus öffnet alle Räume der Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Albaner Bergen für Besucher.

Diözese Würzburg will 620 Pfarren auf 40 reduzieren

Die bisher rund 160 Pfarrgemeinschaften in der Diözese Würzburg (Bayern) sollen nach Willen der Dechanten und deren Stellvertreter langfristig zu etwa 40 Pfarren zusammengeschlossen werden.

Weihbischof Krätzl – 85 Jahre alt und immer noch hoch aktiv

Helmut Krätzl wurde am 23. Oktober 1931 in Wien geboren. Nach der Priesterweihe 1954 und einer zweijährigen Kaplanstätigkeit wurde er Zeremoniär von Kardinal Franz König.

Erstmals Nicht-Europäer Jesuiten-General

Der General des Jesuitenordens wird auch „schwarzer Papst“ genannt. Nach der Wahl des Argentiniers Jorge Bergolio zum „weißen Papst“ kommt nun auch der neue „schwarze Papst“ aus Südamerika.

Europarat gegen Leihmutterschaft

Die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) hat eine heftig umstrittene Empfehlung zur Leihmutterschaft in einer knappen Abstimmung abgelehnt. 83 Abgeordnete sprachen sich gegen den Bericht und 77 dafür aus.

17 neue Kardinäle – unter ihnen der Botschafter in Syrien

Papst Franziskus wird am 19. November 17 neue Kardinäle ernennen. An erster Stelle: Mario Zenari.

Wiener Weihbischof Helmut Krätzl: „Meine große Hoffnung für die Kirche ist Papst Franziskus“

Papst Franziskus ist „meine große Hoffnung für die Kirche“ – auch wenn im Blick auf die „Weiterentwicklung der Lehre“ durchaus Rückfragen erlaubt seien: Das hat der Konzilszeuge und emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl im Interview mit „Kathpress“ unterstrichen.

Steiermark ehrt Pater Karl Schauer

Bischofsvikar Pater Karl Schauer ist am 12. Oktober in der Grazer Burg mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark ausgezeichnet worden.

„Christusfest“ ist „Unsinn“

Scharfe Kritik hat der Wiener evangelische Theologe Christian Danz am gemeinsamen Vorschlag von EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx, das Reformationsgedenken als gemeinsames „Christusfest“ zu begehen.

Papst traf erstmals Bischof aus der Volksrepublik China

Papst Franziskus hat in der vergangenen Woche erstmals in der Öffentlichkeit einen Bischof vom chinesischen Festland getroffen. Das berichtete Radio Vatikan.

US-Katholiken im Dilemma

Das konservative katholische Interessenbündnis CatholicVote.org hat nach Bekanntwerden eines Videos mit vulgären Äußerungen Donald Trumps dessen Rücktritt gefordert.

Indien: Zwei Drittel der Schulen katholisch

Indien ist das Schwerpunktland zum heurigen „Weltmissions-Sonntag“ am 23. Oktober. Nur rund 1,5 Prozent der Bevölkerung (1,21 Milliarden) sind Christen, mehr als 80 Prozent Hindus und 13 Prozent Muslime.

Pakistans Kirche ruft zu Gebeten für Asia Bibi auf

Die katholische Kirche in Pakistan hat am 12. Oktober zum Gebet für die wegen Blasphemie-Anschuldigungen zu Tode verurteilte Christin Asia Bibi aufgerufen.

Papst bittet jüdische Gemeinde, für ihn zu beten

Papst Franziskus hat seinem langjährigen Freund, dem argentinischen Rabbiner Abraham Skorka, einen langen handgeschriebenen Brief zu den jüdischen Festen Rosch Haschana (Neujahr; 3. Oktober) und Jom Kippur (Versöhnungsfest; 12. Oktober) geschickt.

Jordaniens König erhielt den Westfälischen Friedenspreis

Der jordanische König Abdullah II. und die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste sind  in Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens geehrt worden. Sie erhielten die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr herausragendes Engagement für Verständigung, Frieden und Toleranz.

Syrische Bischöfe mit „Peace for the Children“-Petition bei UNO

Die von dem syrischen Jesuiten Pater Ziad Hilal im Sommer gestartete weltweite Schülerpetition „Peace for the Children“ hat laut der Mailänder katholischen Zeitung „Avvenire“ bereits mehr als eine Million Unterschriften von Schülerinnen und Schülern in zahlreichen Ländern erhalten.

Tiroler Ärztin in Kenia erhält Romero-Preis 2016

Der mit 10.000 Euro dotierte Romero-Preis von „Sei so frei“, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung Österreichs, geht heuer an die Tiroler Ärztin Maria Schiestl.

Literaturnobelpreis für religiös inspirierte Rocklegende Dylan

Die US-Rocklegende Bob Dylan (75) erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Die aktuell mit umgerechnet rund 825.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als der weltweit bedeutendste Preis für Literatur.

Salzburger Erzbischof pilgerte auf dem Jakobsweg

„Ich bin dann mal weg“: Dieser Titel des bekannten Jakobsweg-Reiseberichts des deutschen Entertainers Hape Kerkeling galt in den vergangenen Wochen auch für den 60-jährigen Salzburger Erzbischof Franz Lackner. 25 Tage lang pilgerte er zu Fuß auf dem Jakobsweg von den französischen Pyrenäen bis ins spanische Heiligtum Santiago de Compostela.

Leitartikel

Mit Luther zum Papst

Als 28-jähriger war Martin Luther 1512 in Rom. Der fromme Mönch legte dort eine Generalbeichte ab und erklomm auf Knien die „Heilige Treppe“ am Lateran, um Sündenvergebung für sich zu erlangen und seine verstorbenen Verwandten aus dem Fegefeuer zu befreien. Er war jedoch schon entsetzt über den Unernst und Sittenverfallin der „Heiligen Stadt“. Sieben Jahre später wurde er als „Häretiker“ nach Rom zitiert – er erschien nicht.
1520 verdammte eine Papst-Bulle 41 aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers ohne Begründung und Widerlegung. Dennoch widmete Luther im Oktober 1520 Papst Leo X. seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ und appellierte an ein neues Konzil.
Am 10. Dezember aber vollzog er den endgültigen Bruch, indem er auf Verbrennungen seiner Bücher mit der Verbrennung der Bulle antwortete. Drei Wochen später wurde er exkommuniziert. Später sagte er: „Wer Gott reden hören will, der lese die Heilige Schrift, wer den Teufel reden hören will, der lese des Papstes Dekrete und Bullen.“
Dieser Tage nun Erstaunliches: 1.000 evangelische Jugendliche aus der Luther-Heimatregion unternahmen eine Reise nach Rom. Motto: „Mit Luther zum Papst.“ Sie überreichten ihm ein Buch mit 95 Thesen zur Ökumene, die sie während ihrer Reise erarbeitet hatten. Wohl andere Sätze als jene von 1517.
Zeiten und Menschen ändern sich, sogar das Papsttum.
Lebte Martin noch, wäre er vielleicht mitgekommen.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Sir 35, 15b-17.20-22a

Das Flehen der Armen dringt durch die Wolken

Der Herr ist der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung. Er ist nicht parteiisch gegen den Armen, das Flehen des Bedrängten hört er. Er missachtet nicht das Schreien der Waise und der Witwe, die viel zu klagen hat. Wer Gott wohlgefällig dient, der wird angenommen, und sein Bittruf erreicht die Wolken. Das Flehen des Armen dringt durch die Wolken, es ruht nicht, bis es am Ziel ist. Es weicht nicht, bis Gott eingreift und Recht schafft als gerechter Richter.

 

Zweite Lesung:   2 Tim 4, 6-8.16-18

Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit

Mein Sohn!
Ich werde nunmehr geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

 

Evangelium:   Lk 18, 9-14

Der Zöllner kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der Pharisäer nicht

In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

beurteilt. verurteilt. ausgegrenzt.

Auf Wunsch der Autorin wurde dieser Text gelöscht.

 

Information

Neuer UN-Chef Antonio Guterres: „Meine Motivation ist der katholische Glaube“

Die UN-Versammlung hat am 13. Oktober Antonio Guterres einstimmig zu ihrem neuen Generalsekretär gewählt. Der 67-jährige Portugiese ist ein überzeugter Katholik.

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UN-Generalsekretär
Antonio Guterres.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Guterres bereits in der vergangenen Woche nominiert. Er setzte sich gegen zwölf weitere Kandidaten durch, darunter sieben Frauen.
Guterres war von 1995 bis 2002 portugiesischer Ministerpräsident. Von 2005 bis 2015 war er zehn Jahre lang UN-Flüchtlingshochkommissar. Bis 2002 war Guterres auch Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS) in Portugal und bis 2005 Präsident der Sozialistischen Internationale.

Drängende Probleme lösen
Der künftige UN-Generalsekretär und Katholik Antonio Guterres bekennt sich öffentlich zum Christentum. Der Portugiese ist zudem ein vehementer Gegner des Abtreibungsrechts.
In einem Gespräch mit indischen Diplomaten im vergangenen Juli wurde Guterres gefragt, warum er ein Amt ohne echte Macht anstrebe. Guterres antwortete: „Ich bin Katholik. Das, was ich glaube, ist meine Motivation.“ Anschließend habe er auf das biblische Gleichnis von den anvertrauten Talenten verwiesen, berichtete das indische Nachrichtenportal „The Wire“: „Ich glaube, dass es meine Verpflichtung ist, meine Fähigkeiten einzusetzen, um drängende Probleme zu lösen.“

Gegner der Abtreibung
Auch gegen das Recht auf Abtreibung macht sich der designierte UN-Chef stark. Als Premierminister Portugals stimmte er bei einer Volksabstimmung über die Liberalisierung des Abtreibungsrechts gegen seine sozialistische Partei. Er verwies dabei auf seine Verantwortung gegenüber seinen Landsleuten: „Ich möchte gerne meine Religion, die eine private Frage ist, trennen von der politischen Haltung, die eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft darstellt“, zitierte ihn der Berliner  „Tagesspiegel“. Der Politiker gelte als einer, „der sich auch durch Politik nicht verbiegen lässt, als einer, der ehrlich ist“.

Motto: „Helfen und Demut“
Guterres sei zunächst in der katholischen Studentenbewegung in Lissabon aktiv gewesen, berichtete die „Tagesschau“ in einem Porträt. In den Slums der Stadt habe der studierte Elektrotechniker „Helfen und Demut“ gelernt. „Politischen Populismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und radikalen Extremismus benennen und besiegen – dafür bin ich mein Leben lang gestanden“, sagte er über seine Ziele als UN-Generalsekretär.

Vatikan hocherfreut
Der vatikanische Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin gratulierte vom portugiesischen Marienwallfahrtort Fatima aus, wo er die Internationale Oktober-Wallfahrt geleitet hatte: „Die Wahl von Guterres ist ein Grund zu großer Freude und Zufriedenheit. Antonio Guterres ist eine Persönlichkeit, der einen eindrucksvollen Weg zurückgelegt hat, eine Strecke, in der er Größe bewiesen hat. Ich weiß, wie er hier in Portugal als Politiker gearbeitet hat und danach als UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge.“

17 neue Kardinäle – unter ihnen der Botschafter in Syrien

Papst Franziskus wird am 19. November 17 neue Kardinäle ernennen. An erster Stelle: Mario Zenari.

Der Italiener ist päpstlicher Botschafter auf einem der gegenwärtig schwierigsten Posten: in Damaskus. Überraschender als der Name noch war das, was der Papst dann sagte: dass Zenari auch als Kardinal in Syrien bleibe.
Einen päpstlichen Nuntius im Kardinalsrang hat es lange nicht gegeben. Diese Geste werten Beobachter auch als Zeichen der Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung.

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Erzbischof Mario Zenari.

Weltkirche zuerst
Auch diesmal bleibt Franziskus seinem Grundsatz treu: Zuerst die Weltkirche, dann der Vatikan. Nur ein einziger vatikanischer Spitzenvertreter ist unter den neuen Kardinälen: Kevin Joseph Farrell, der Präfekt der neuen Behörde für Familie, Laien und Lebensschutz. Stattdessen geht Franziskus wie bei den Kardinalsernennungen zuvor an die Ränder der Welt – nach Mauritius, Bangladesh und Zentralafrika. Nur zwei stammen aus Europa: Es sind die Erzbischöfe von Madrid und Mecheln-Brüssel.

Signal an US-Bischöfe
Mit drei Kardinälen stellen die Lateinamerikaner die größte Gruppe. Bemerkenswert sind die beiden neuen Kardinäle aus den USA. Mit Chicagos Erzbischof Blase Cupich befördert Franziskus seinen treuesten Gefolgsmann in der konservativen US-amerikanischen Bischofskonferenz. Mit dem Erzbischof von Indianapolis, Joseph William Tobin, ernennt er einen Geistlichen, der bis zum Oktober 2012 zweiter Mann der vatikanischen Behörde für die Orden war. Mit dieser Entscheidung habe der Papst die katholische Kirche in den USA mehr in die Mitte gerückt hin zu einer weniger „kulturkämpferischen Haltung“, schrieb ein US-amerikanischer Kommentator.

Neo-Kardinal attackiert USA und Russland
Der designierte Kardinal Zenari hat schwere Vorwürfe gegen die internationalen Bündnispartner in dem Konflikt erhoben. Russland und die USA beteiligten sich am „Stellvertreterkrieg“ von Regionalmächten wie Saudi-Arabien und Iran. Allen gehe es um Eigeninteressen und geopolitische Strategien. Der „gemeinsame Nenner“ seien Verletzungen jedweder Menschenrechte, etwa in der Bombardierung von Schulen, Krankenhäusern und Märkten.

Ehrung eines Verfolgten
Ein außergewöhnliches Zeichen setzt Papst Franziskus auch mit der Ernennung des albanischen Priesters Ernest Simoni (88) zum Kardinal. Dieser war in der Zeit der kommunistischen Verfolgung im Geheimen zum Priester geweiht worden. 18 Jahre verbrachte er im Gefängnis, teilweise in Isolationshaft.

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Pfarrer Ernest Simoni.

Mehrmals war er zum Tode verurteilt worden. 1981 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und musste als „Feind des Volkes“ in den Kloaken der Stadt Shkodra im Norden des Landes arbeiten. Papst Franziskus war ihm bei seinem Besuch in Tirana am 21. September 2014 begegnet.

Tiroler Ärztin in Kenia erhält Romero-Preis 2016

Der mit 10.000 Euro dotierte Romero-Preis von „Sei so frei“, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung Österreichs, geht heuer an die Tiroler Ärztin Maria Schiestl.

Die gebürtige Zillertalerin wird für ihren jahrelangen und unermüdlichen Einsatz für die Massai in Kenia ausgezeichnet. In Entasekera, einem abgelegenen Ort im knapp 300 Kilometer von Nairobi entfernten Loita-Hochland, leitet die 64-Jährige seit elf Jahren ein ab den 1990er-Jahren von „Sei so frei“ mitaufgebautes Krankenhaus und Bildungszentrum.
1952 in Zell am Ziller geboren, war Maria Schiestl zunächst einige Jahre lang Hauptschullehrerin in Tirol. 1979 ging sie nach Kenia, wo sie in einer Mädchenschule im Massailand tätig war, bevor sie die Leitung einer Mädchenschule in Westkenia übernahm. Konfrontiert mit der schwierigen Lebenssituation vieler Massai und der schlechten Gesundheitsversorgung, entschloss sie sich im Alter von 37 Jahren, ein Medizinstudium zu beginnen.

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Die gebürtige Zillertalerin Maria Schiestl wird für ihren jahrelangen und unermüdlichen Einsatz für die Maasai in Kenia ausgezeichnet. In Entasekera, einem abgelegenen Ort im knapp 300 Kilometer von Nairobi entfernten Loita-Hochland, leitet die 64-Jährige seit elf Jahren ein ab den 1990er-Jahren von „Sei so frei“ mit aufgebautes Krankenhaus und Bildungszentrum.
Foto: KMB.

Nach Abschluss von Studium und Turnuszeit in Schwaz und an der Innsbrucker Uniklinik ging Schiestl 2005 zurück nach Kenia. In Entasekera hatten österreichische Ärzte dort unter schwierigsten Bedingungen mit dem Aufbau eines Gesundheits- und Bildungszentrums begonnen. „Daktari Maria“, wie sie von ihren Patienten genannt wird, kümmert sich seither federführend um das mittlerweile fertiggestellte Health Care Center, die einzige funktionierende Gesundheitseinrichtung für bis zu 27.000 Loita-Massai im Umkreis von 60 Kilometern.
Neben dem Gesundheitszentrum leitet Schiestl – seit ihrem Pensionsantritt Ende 2012 ehrenamtlich – mehrere mobile Gesundheitsteams, die Kinder, Frauen und Männer aus dem Massai-Volk in besonders entlegenen Gebieten erreichen können. Das Zentrum hat auch Spezialkliniken für Augen- und Zahnerkrankungen sowie für Tuberkulose- und HIV/Aids-Patienten. Allein im Vorjahr wurden von „Sei so frei“ 160 Projekte in 25 Ländern abgewickelt.

Literaturnobelpreis für religiös inspirierte Rocklegende Dylan

Die US-Rocklegende Bob Dylan (75) erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Die aktuell mit umgerechnet rund 825.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als der weltweit bedeutendste Preis für Literatur.

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Rocklegende Bob Dylan.

Der als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota, in einer jüdischen Familie deutsch-ukrainischer Abstammung geborene Dylan hat in sein einflussreiches Werk immer wieder religiöse Themen anklingen lassen, seine in der populären Musik herausragend anspruchsvollen Texte spiegeln intensive Beschäftigung mit der Bibel. Eine explizit religiöse Phase seines Schaffens hatte Dylan nach einem Erweckungserlebnis auf seiner erfolgreichen Welttournee 1978, als jemand aus dem Publikum ein kleines silbernes Kreuz auf die Bühne warf, und die Konversion zum christlichen Glauben im Jahr danach.

Freikirchlicher Christ
Dylans Hinwendung zur freikirchlichen Erweckungsbewegung schlug sich in seinen folgenden Platten deutlich nieder: Bis 1981 veröffentlichte er die drei christlich inspirierten Alben „Slow Train Coming“, „Saved“ und „Shot of Love“ und predigte bei Auftritten zu den Konzertbesuchern. Für den spirituellen Song „Gotta Serve Somebody“ bekam der Liedermacher seinen ersten Grammy. Die Lyrik des ebenfalls von tiefem Glauben durchdrungenen Songs „Every Grain of Sand“ gilt bis heute als einer von Dylans inspiriertesten Texten.
Mit der Zeit flaute die Kontroverse um seine vom Publikum oft nicht goutierte christliche Phase ab, ab 1981 erfolgte wieder eine Rückkehr zu weltlichen Themen in Dylans Musik.

Konzert 1997 vor dem Papst
Im September 1997 sang Bob Dylan mit Cowboy-Hut und Smoking vor 300.000 Jugendlichen und dem damals 77-jährigen Johannes Paul II. auf dem Eucharistischen Kongress in Bologna. „Der Papst lauschte mit geschlossenen Augen, begrüßte danach herzlich den Song-Poeten und predigte über dessen berühmte Verse, denen zufolge die Antwort, mein Freund, vom Wind verweht werde“, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ darüber.
Fast wäre es aber zu dieser außerordentlichen Begegnung nicht gekommen, denn der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte – wie er später bekannte – Bedenken gegen den „Nihilismus“ Dylans, demzufolge die Antwort auf entscheidende Menschheitsfragen „Blowing in the wind“ laute, also Windhauch. Den gleichnamigen Songklassiker sang Dylan bei seinem Auftritt 1997 aber gar nicht, sondern „Knockin’ on Heaven’s Door“ und andere Klassiker der Moderne.

100 Auftritte jährlich
Seit 1988 befindet sich Bob Dylan auf einer „Never ending Tour“ mit jährlich rund 100 Auftritten in aller Welt. Von Kritikern wird dem Sänger zugute gehalten, dass er sich im Unterschied zu anderen alt gewordenen Rockstars nie damit begnügte, Verwalter des eigenen Erbes zu sein. Im Mai erschien Dylans jüngstes Album „Fallen Angels“.