Inhalt der gedruckten Ausgabe 42/2016

Leitartikel

0,0004 Prozent

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

Bischofssynode 2018 : „Jugend, Glaube und Berufung“

Papst Franziskus hat für Oktober 2018 eine weltweite Bischofssynode zum Thema Jugend, Glaube und Berufungsfindung angekündigt.

ACP-Führer traf den Papst

Sean McDonagh, Mitglied des Führungsteams der irischen Reformpriestervereinigung ACP, hat jüngst Papst Franziskus getroffen. Das gab die Organisation mit dem Zusatz bekannt: „Vielleicht nehmen sich der Nuntius und die irischen Bischöfe das zum Vorbild – auf regulärer Basis”.

Syrien: Über eine Million Kinder unterzeichnen Friedensappell

Unter dem Motto: „Frieden für Kinder“ malen und schreiben die Kinder aus mehr als 2000 Schulen in ganz Syrien in diesen Tagen Botschaften, die sie an die politischen Verantwortlichen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen richten.

Wer wird Bischof in Innsbruck und St. Pölten?

Die „Wiener Zeitung“ hat jüngst über die kommenden Bischöfe von Innsbruck und St. Pölten spekuliert.

Nachbar in Not: Spenden für Syrien sind jetzt „dringender denn je“

Um Hilfe für Syrien im Rahmen der am Mittwoch angelaufenen ORF-Hilfsaktion „Nachbar in Not“ hat die Caritas Österreich aufgerufen.

Graz: Neue Lehrende an Katholisch-Theologischer Fakultät

Die Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Graz vermeldet zu Beginn des Studienjahres zwei neue Lehrende.

Prag erhielt deutschsprachige Pfarre

Die von den Redemptoristen betreute Prager deutschsprachige katholische Gemeinde ist mit 1. Oktober zu einer Personalpfarre erhoben worden.

Aserbaidschan: Franziskus sprach erstmals in einer Moschee
Georgien: Orthodoxe boykottierten Gottesdienst mit Papst

Was bleibt von der Reise von Papst Franziskus von 30. September bis 2. Oktober nach Georgien und Aserbaidschan?

Papst: Arme Straßenkicker brauchen ordentliche Fußbälle

Papst Franziskus hat gemeinsam mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, eine internationale Konferenz über Glaube und Sport eröffnet.

Papst Franziskus: Alle Länder sind heute „Missionsländer“

Das traditionelle Bild vom europäischen Missionar in Afrika ist nach Überzeugung von Papst Franziskus überholt.

Philippinen: Erzbischof beklagt „Erosion der Werte“ unter Duterte

Der Vorsitzende der Philippinischen Bischofskonferenz ist „traurig“ und „beschämt“ über eine „Erosion der philippinischen Werte“ unter der Staatsführung von Präsident Rodrigo Duterte.

Polens Parlament diskutierte über Abtreibung und Sonntagsöffnung

Polens Parlament hat mit großer Mehrheit eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes abgelehnt.

Russlands Kirche unterstützt Petition für Abtreibungsverbot

In Russland ruft die orthodoxe Kirche immer lauter nach einem Abtreibungsverbot. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. unterschrieb laut Kirchenangaben eine Petition gegen die „legale Ermordung von Kindern vor der Geburt“.

Argentinien: Proteste bei Trauerfeier für populären Priester

Der Abschied vom katholischen Geistlichen Padre Juan Viroche in Argentinien wurde von lautstarken Protestbekundungen überschattet.

Reiche Erzdiözese Köln

Die Erzdiözese Köln verzeichnet für 2015 einen Jahresüberschuss von rund 52 Millionen Euro. Die Erträge stiegen gegenüber dem Vorjahr um 7,9 Prozent auf 832,6 Millionen Euro, wie aus dem jetzt  in Köln vorgestellten Finanzbericht hervorgeht.

„ ‚Gender‘ zielt auf Gleichberechtigung, nicht Gleichmacherei“

Der Vorwurf, das kritische Hinterfragen von Geschlechterrollenvorgaben im Zuge der Genderdebatte sei ein ideologisch motivierter Angriff auf christlich-abendländische Werte und Institutionen, geht meist ins Leere. Denn nach den Worten des Wiener Theologen und Mitveranstalter des  „Gender-Symposions“, Gunter Prüller-Jagenteufel, kritisiert der in kirchlichen Kreisen verbreitete „Anti-Genderismus“ überwiegend nicht haltbare Generalisierungen – die da sind: Geschlecht ist eine bloß soziale Konstruktion; heterosexuelle Paarbeziehungen sollen aufgelöst, die traditionelle Familie zerstört werden.

Kromp-Kolb: Klimakrise nur durch Teilen überwindbar

Die bisherigen Schritte, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, haben nicht gefruchtet; als einzige Lösung bietet sich das vermehrte Teilen an.

Hoch dotierte Auszeichnung für den Philosophen Charles Taylor

Der kanadische Philosoph Charles Taylor erhält den erstmals vergebenen Berggruen-Preis für Philosophie.

„Dom der Wachau“ in neuem Glanz

Mit einem Festgottesdienst am 9. Oktober wurde die siebenjährige Renovierung der Pfarrkirche von Krems-St. Veit abgeschlossen. Zuvor wurden die zwei restaurierten Turmkreuze geweiht und aufgesetzt.

Papst und Anglikanerprimas unterzeichnen Ökumene-Erklärung

Papst Franziskus und der anglikanische Primas von England, Justin Welby, haben am 6. Oktober in Rom eine gemeinsame Erklärung zur Ökumene unterzeichnet.

Dänemarks Königin outet sich als regelmäßige Kirchgängerin

Dänemarks Königin Margrethe II. geht so oft wie möglich in die Kirche, wenn sie sich in Dänemark aufhält.

Leitartikel

0,0004 Prozent

Am 16. September hat Papst Franziskus die Bischöfe zu einer sorgfältigen Auswahl von Priesteramtskandidaten ermahnt. Doch wer wählt die Bischöfe sorgfältig aus?
Kaum wer in Rom will heute an die nachapostolische Zeit erinnert werden, als jeder Bischof von seiner Gemeinde gewählt wurde und das Verschieben von einer Stadt in eine andere verboten war. Das Argument, die Kirche wird sich doch wohl weiterentwickeln dürfen, hört man bekanntlich sonst meist nicht…
Am 18. September hieß es nach einem Treffen des Papstes mit dem von ihm zur Leitungsreform der Kirche berufenen Kardinalsrat, die Nuntien, die eine wichtige Rolle bei der Auswahl von Bischofskandidaten spielen, sollten auf deren „geistliches und seelsorgliches Profil“ achten. Warum traut man dem gläubigen Volk, das seine Priester am besten kennt, kein Urteil zu?
Der prominente US-Theologe und Chefredakteur Robert Mickens, der 11 Jahre für Radio Vatikan gearbeitet hat, sagte jüngst, die 5.400 zu Bischofswürden erkorenen Männer machen 0,0004 Prozent der 1,3 Milliarden Katholiken aus, doch ihre Auswahl sei allemal „das Resultat eines inzestiösen Netzwerks alter Knaben“.
Michail Gorbatschow proklamierte einst in Moskau Perestrojka und Glasnost, Umbau und Transparenz. Wann endlich erhebt jemand in Rom Reform und Offenheit zu seinem Programm?
99,9 Prozent dürfen immer nur zuschauen und bangen.

P.Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ex 17, 8-13

Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker

In jenen Tagen kam Amalek und suchte in Refidim den Kampf mit Israel. Da sagte Mose zu Josua: Wähle uns Männer aus, und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen auf den Gipfel des Hügels stellen und den Gottesstab mitnehmen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben ihn unter Mose, und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, so dass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging. So besiegte Josua mit scharfem Schwert Amalek und sein Heer.

 

Zweite Lesung:   2 Tim 3, 14 – 4, 2

Durch die Schrift belehrt, wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereitgemacht

Mein Sohn!
Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst. Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein. Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.

 

Evangelium:   Lk 18, 1-8

Sollte Gott seinen Auserwählten, die zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen?

In jener Zeit sagte Jesus ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

gerechtigkeit ist nicht selbstverständlich

Auf Wunsch der Autorin wurde dieser Text gelöscht.

 

Information

Syrien: Über eine Million Kinder unterzeichnen Friedensappell

Unter dem Motto: „Frieden für Kinder“ malen und schreiben die Kinder aus mehr als 2000 Schulen in ganz Syrien in diesen Tagen Botschaften, die sie an die politischen Verantwortlichen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen richten.

Unter dem Motto: „Frieden für Kinder“ malen und schreiben die Kinder aus mehr als 2000 Schulen in ganz Syrien in diesen Tagen Botschaften, die sie an die politischen Verantwortlichen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen richten. Außerdem wird von mehr als einer Million Kindern eine Petition unterzeichnet. Dieser Friedensappell ist eine gemeinsame Aktion von katholischen und orthodoxen Christen in Syrien, zu der auch die Angehörigen aller anderen Religionsgemeinschaften eingeladen sind.

friedensappell
Foto: Kirche in Not.

In Damaskus, Homs, Yabroud, Aleppo, Marmarita und Tartus begingen die Kinder aller Religionsgemeinschaften den 6. Oktober als Aktionstag für den Frieden. Die Friedensaktion der Kinder  geht auf eine Anregung der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ zurück.

Aserbaidschan: Franziskus sprach erstmals in einer Moschee
Georgien: Orthodoxe boykottierten Gottesdienst mit Papst

Was bleibt von der Reise von Papst Franziskus von 30. September bis 2. Oktober nach Georgien und Aserbaidschan?

Die wohl weit über die Region hinaus bedeutsamste Begegnung kam zum Schluss der Reise: In Aserbaidschans Hauptstadt Baku hielt Franziskus in einer Moschee vor Muslimen, Juden und Vertretern orthodoxer Kirchen eine programmatische Rede zum Dialog der Religionen.

papst-baku
Großmufti Allahschükür Paschazade begrüßt Papst Franziskus in der Heydar-Aliyev-Moschee.

Solche interreligiösen Treffen gehören zwar mittlerweile zum Standardprogramm von Auslandsreisen des Papstes. Doch noch nie fand eine solche Begegnung in einer Moschee statt. In arabischen Ländern wäre es undenkbar, dass Juden in eine Moschee kommen.
Für Franziskus war es nach Istanbul in der Türkei und in der Zentralafrikanischen Republik das dritte Mal, dass er ein islamisches Gebetshaus besuchte. Eine Ansprache hielt er in Baku zum ersten Mal.

Aserbaidschan als Modell
Wie bereits in Albanien, Bosnien-Herzegowina und in der Zentralafrikanischen Republik wollte Franziskus mit Aserbaidschan und Georgien Länder würdigen, in denen das Zusammenleben von Christen, Muslimen und Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften Tradition hat  und im Großen und Ganzen funktioniert. Lobende Worte fand er vor allem in seiner Rede vor Politikern und Diplomaten in Baku.
Er stellte Aserbaidschan, das in westlichen Medien oft nur wegen seines Rohstoffreichtums oder den diktatorischen Neigungen seines Präsidenten vorkommt, als Modell für das friedliche Zusammenleben der Religionen dar. Angesichts des Exodus der Christen aus dem Nahen Osten möchte Franziskus offenbar auf oft vergessene Gegenbeispiele aufmerksam machen.

papst-iljia
Papst Franziskus und der georgisch-orthodoxe Patriarch Ilia II.                                           
Fotos. L‘Osservatore Romano.

Brüskierung in Georgien
In Georgien erwies sich die dortige orthodoxe Kirche einmal mehr als äußerst schwieriger Dialogpartner. Mit der kurzfristigen Absage der offiziellen Delegation, die zum Gottesdienst mit dem Papst in Tiflis kommen sollte, brüskierte das georgisch-orthodoxe Patriarchat den Vatikan.
Umso mehr, als dessen Sprecher Greg Burke die Teilnahme der Delegation als Premiere angekündigt hatte. Die Rede von Patriarch Ilia II. war zwar freundlich im Ton, in der Sache blieb er jedoch hart. So war an ein gemeinsames Gebet nicht zu denken; es blieb bei der Formel „gegenseitiges Gebet füreinander“. Immerhin verurteilte das Patriarchat Proteste gegen den Papst.
Vieles spricht dafür, dass der Patriarch selbst dem Papst möglicherweise weiter entgegenkommen wollte, jedoch auf Hardliner im eigenen Lager Rücksicht nehmen musste.
So hatte das Patriarchat auch 2003 kurzfristig sein Veto gegen das bereits unterschriftsreife Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Georgien über die rechtliche Anerkennung der katholischen Kirche im Land eingelegt, nachdem es Proteste in den eigenen Reihen gegeben hatte.

Philippinen: Erzbischof beklagt „Erosion der Werte“ unter Duterte

Der Vorsitzende der Philippinischen Bischofskonferenz ist „traurig“ und „beschämt“ über eine „Erosion der philippinischen Werte“ unter der Staatsführung von Präsident Rodrigo Duterte.

„Ich schäme mich für die Dinge, die ich in den internationalen Medien über die Philippinen lese, und noch mehr schäme ich mich für das, was ich von unseren Führungspersönlichkeiten in den Nachrichten höre“, so Erzbischof Socrates Buenaventura Villegas in einem Hirtenbrief zum Rosenkranzfest (7. Oktober).
Die Werte der philippinischen Gesellschaft würden derzeit ersetzt „durch die Lizenz zum Gebrauch von Schimpfwörtern, orchestrierte Lügen und eine nie zuvor gehörte Vulgarität“, beklagt der Erzbischof von Lingayen-Dagupan. Der im Juni ins Amt gekommene Präsident Duterte ist immer wieder durch seinen starken Hang zur Vulgärsprache aufgefallen. So bezeichnete er sowohl Papst Franziskus als auch US-Präsident Barack Obama als „Hurensohn“.

erzbischof-villegas-socrates
Erzbischof
Socrates Buenaventura Villegas.

Will wie Hitler sein
Seit Dutertes Amtsantritt Ende Juni wurden nach Polizeiangaben mehr als 3.000 Menschen wegen Drogenhandels oder Drogenbesitzes umgebracht. Zur Rechtfertigung seines „Kriegs gegen Drogen“ hatte Duterte in der vergangenen Woche einen Vergleich zu Hitlers Massenmord an den Juden gezogen. Der Hitler-Vergleich hatte weltweit für Empörung gesorgt. Inzwischen hat sich Duterte für die Bemerkung entschuldigt.

76 Prozent sind sehr zufrieden
Drei Viertel der Filipinos zeigen sich, trotz Kritik u.a. aus der Kirche, mit der Amtsführung von Staatspräsident Rodrigo Duterte „sehr zufrieden“.
Das ist laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Social Weather Station (SWS) die höchste Zustimmungsrate, die seit dem Sturz von Diktator Ferdinand Marcos einem Präsidenten in den ersten 90 Tagen seiner Regierung zuteilwurde.  Nur 11 Prozent waren demnach unzufrieden; 13 Prozent hatten keine Meinung.

Heilen, nicht abschlachten
Der katholische Ordensmann und Menschenrechtler Shay Cullen erklärte in einem Interview der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, Dutertes Drogenpolitik sei inakzeptabel. „Wir sagen ihm immer wieder, dass man Patienten heilen muss und nicht abschlachten darf“, sagte Cullen: „Drogenabhängige sind Kranke, die unsere Hilfe brauchen. Aber diese Botschaft will da oben derzeit niemand hören.“

Hoch dotierte Auszeichnung für den Philosophen Charles Taylor

Der kanadische Philosoph Charles Taylor erhält den erstmals vergebenen Berggruen-Preis für Philosophie.

taylor-charles
Professor Charles Taylor.

Die mit einer Million Dollar (rund 900.000 Euro) dotierte Auszeichnung ist nach dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen benannt. Das Berggruen-Institute in Los Angeles will den Preis künftig jährlich an einen Denker vergeben, dessen Ideen für das Selbstverständnis und die Entwicklung der Menschheit von besonderer Bedeutung sind.

Auch in Wien tätig
Der 84-jährige Katholik Taylor ist international einer der führenden Philosophen und leitet u.a. am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) einen Forschungsschwerpunkt zum Thema „Religion und Säkularismus“. Er verfolgt das Ziel, die Beziehung zwischen Religion und Säkularismus im Zeitalter der Globalisierung näher zu beleuchten. Taylor ist dabei Kritiker eines sogenannten „säkularen Konsenses“, der religiöse Standpunkte und damit für das Selbst- und Weltverständnis wesentliche moralische Quellen der Neuzeit unberücksichtigt lässt. Deren Leugnung macht Taylor für Fehlentwicklungen der Moderne verantwortlich.
Die Kirchen und Religionen selbst sollten aber auch ihre kritische Bewertung des Prozesses der Säkularisierung, also der weitreichenden Trennung von Staat und Kirche – überdenken, forderte Taylor etwa 2012 in einem „Kathpress“-Interview. Die Säkularisierung biete als ein sehr komplexer Prozess gar die „Antwort auf das universelle Problem des Zusammenlebens verschiedener Menschen und Religionen“.

Säkularisierung als Chance
War ein „religiös geschlossener Kosmos“ für die Menschen selbstverständlich, so habe sich seit dem Mittelalter dieser Kosmos immer weiter aufgelöst.
Heute stehe man vor der Situation, dass das „Christsein in einer unchristlichen Gesellschaft nicht nur eine Möglichkeit, sondern unsere originäre Lage ist“ – diese Situation gelte es nicht zu verteufeln, sondern als Chance zu betrachten, denn Säkularisierung gehe auch mit der Ausbildung von Freiheit und Gleichheit als den heute bestimmenden Werten einher.