Inhalt der gedruckten Ausgabe 4/2016

Leitartikel

Statistik und Leben

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Information

In 86 Ländern erscheint das neue Buch von Papst Franziskus über die Barmherzigkeit

In Rom ist am 12. Jänner das neue Interviewbuch von Papst Franziskus vorgestellt worden. Es trägt den Titel „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ und beinhaltet ein Gespräch zwischen dem Papst und dem italienischen Journalisten Andrea Tornielli.

61 von 100 Österreichern sind noch katholisch

Mit Stichtag 31. Dezember 2015 gab es in Österreich 5,21 Millionen Katholiken. Das sind etwa 61 Prozent der Bevölkerung.

Anglikaner konstatieren bei ihrer US-Kirche „Abkehr vom Glauben“

Die Mehrheit der anglikanischen Nationalkirchen hat den US-Zweig der Konfessionsfamilie, die Episcopal Church (Episkopalkirche), für drei Jahre von ihren gemeinschaftlichen Entscheidungen ausgeschlossen.

Slowakei: Staat trauert um P. Srholec

Der am 7. Jänner verstorbene slowakische Priester und Menschenrechtsaktivist Pater Anton Srholec ist von führenden Politikern geehrt worden.

Italienischer Bischof offen für Adoptionen durch Homo-Paare

Abweichend von der offiziellen Linie der nationalen Bischofskonferenz hat sich ein emeritierter Bischof in Italien offen für Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare gezeigt.

Bischöfe aus 13 Ländern appellieren im Heiligen Land zu Frieden

Mit einem Aufruf zu stärkeren internationalen Bemühungen um eine Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt hat eine 13-köpfige internationale Delegation katholischer Bischöfe aus Europa, USA, Kanada und Südafrika am 14. Jänner ihren Solidaritätsbesuch im Heiligen Land beendet.

Das neue Buch des Papstes: Kirche wie ein Feldlazarett

Die Interviews für das neue Papst-Buch wurden im Juli 2015 im vatikanischen Gästehaus Santa Marta aufgenommen, kurz nach der Südamerikareise des Pontifex.

Theologe Häring: Franziskus sollte endlich dogmatisch werden

Papst Franziskus ist nach Einschätzung des emeritierten Theologieprofessors Hermann Häring bisher im Papstamt noch nicht richtig angekommen. „Es ist ihm noch nicht richtig bewusst, dass er auch rechtlich und dogmatisch als der oberste Lehrer gilt“, sagte der 78-jährige deutsche Dogmatiker im Interview mit den Salzburger Nachrichten.

Papst an Mütter: Stillt eure Kinder in der Messe

Papst Franziskus hat am Festtag „Taufe des Herrn“ 26 Kindern in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan das Taufsakrament gespendet.

Caritas contra ÖVP: Einführung von Obergrenzen ist „klarer Rechtsbruch“

Caritas-Präsident Michael Landau hält das Vorhaben von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Obergrenzen bei der Aufnahme von Asylwerbern einzuführen, für einen „klaren Rechtsbruch“.

Berliner orthodoxer Abt: Muslime mobben christliche Flüchtlinge

Die russisch-orthodoxe Kirche in Deutschland sorgt sich um die Sicherheit christlicher Flüchtlinge in Asylwerberheimen.

Orthodoxe lösen tschechisch-slowakische Krise

Am 11./12. Jänner konnte im Phanar eines der diffizilsten interorthodoxen Probleme gelöst werden, das bisher eine schwere Belastung für die Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils darstellte.

Syrien: Kurden greifen christliche Selbstverteidigungsgruppe an

In der de-facto-autonomen syrischen Kurdenregion („Westkurdistan-Rojava“) haben die Spannungen zwischen Kurden und Christen zugenommen.

Kirchenexperten fordern Verbot der „Fortpflanzungsarbeit“

Vehementen Einsatz der österreichischen Regierung für ein weltweites klares Verbot der Leihmutterschaft fordert das Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE).

„Open Doors“: Radikaler Islam Hauptursache für Christenverfolgung

Im Jahr 2015 hat es eine weitere Zunahme der Christenverfolgung gegeben.

Seelsorger sollen „Hebammen, Schwimmlehrer und Trüffelschweine“ sein

Wer in der kirchlichen Seelsorge tätig ist, braucht künftig nach Einschätzung des neuen Feldkircher Pastoralamtsleiters Martin Fenkart zentrale Fähigkeiten von „Hebammen, Schwimmlehrern und Trüffelschweinen“.

Letzter Sternsingerbesuch führte die Heiligen Drei Könige nach Brüssel

„Eure Botschaften, die ihr heute als Sternsinger aus eurer christlichen Verantwortung hier ins Europaparlament gebracht habt, sind wichtiger als je zuvor.“

Obama zitiert Papst in seiner Rede

US-Präsident Barack Obama hat sich in seiner Rede zur Lage der Nation wie bereits im Vorjahr auf Papst Franziskus berufen.

Österreichischer Laie übersetzte vor 700 Jahren Bibel ins Deutsche

Lange vor Martin Luther (1483-1546) gab es bereits im 14. Jahrhundert die ersten Übersetzungen der Bibel ins Deutsche.

Leitartikel

Statistik und Leben

Wieder heißt es bei der Bekanntgabe der Katholikenzahl 2015, diese sei „weitgehend stabil“. Rechnet man nach, ist sie innerhalb von 10 Jahren um etwa 8 Prozent gesunken.
Von der Evangelischen Kirche wird für 2015 ein „geringer Mitgliederrückgang“ gemeldet. Die Austritte betragen prozentuell mehr noch als bei den Katholiken.
Was ist stabil, was ist gering? Was Doping, was Placebo?
Vor 25 Jahren waren 81 Prozent der Österreicher katholisch, heute sind es 61 Prozent. Doch was sagen Zahlen über unsere Gemeinden aus, in denen sich heute genauso viel Unsicherheit ob der Taubheit ihrer Führung breitmacht wie in der Gesellschaft ob der Blindheit der Staatslenker? Hier wie dort  zählt bekanntlich nicht „small is beautiful“, sondern das Stärkere, Größere.
Das vor 50 Jahren abgeschlossene Konzil wollte den Klerikalismus zurückdrängen und die Laien ermutigen. Gott sei Dank nahmen diese ihren Auftrag ernst, sonst gäbe es Leere statt Leben.
Vielerorts sind seither die Gottesdienste lebendiger geworden, auch durch Verwendung der Muttersprache anstelle des fremden Latein.
Vielerorts sind die Pfarrgemeinden aktiv wie überhaupt noch nie in der Geschichte zuvor.
Übrigens: Nicht alle Statistiken verleiten zu Pessimismus. So erlebt derzeit das Pilgern einen Höhenflug sondergleichen.
Doch warum sucht nur die Basis neue Wege?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Neh 8, 2-4a.5-6.8-10

Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute verstehen konnten

In jenen Tagen brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung; zu ihr gehörten die Männer und die Frauen und alle, die das Gesetz verstehen konnten. Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes. Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle. Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig, und weint nicht! Alle Leute weinten nämlich, als sie die Worte des Gesetzes hörten. Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 12, 12-14.27

Ihr seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm

Schwestern und Brüder!
Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.

 

Evangelium:   Lk 1, 1-4; 4, 14-21

Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt

Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Funkenflug des Geistes

Voll Begeisterung und voller Tatendrang kehrt ein junger Mann in seinen Heimatort zurück. Er hat schon Bestätigung für das gefunden, was er als Weg in eine geglückte Zukunft entdeckt hat. Auf viele sind die Funken seiner Begeisterung schon übergesprungen.
Wie wird das nun zuhause sein? Er möchte es seinen Mitmenschen leichter machen, er möchte ihnen entgegenkommen – er tut Dinge wie man es zuhause gewöhnt ist. Und man kommt ihm entgegen, man lässt ihn reden und zeigt sich beeindruckt von seiner Sprachbegabung.
Und er versucht es mit den altbekannten Prophezeiungen. Denn er weiß, dass sein Auftrag vielen Menschen zunächst den Boden unter den Füssen wegziehen wird – Gott, der erhabene, dessen Namen man nicht einmal aussprechen soll als frommer Jude, kommt nicht in der Gestalt eines „Tischlerbuam“ aus der Nachbarschaft daher.
Der Gott Israel wurde zwar nie als Bild oder Standbild verehrt, aber auf einen hohen Sockel – nicht begreifbar für viele – war er trotzdem gestellt. Dass sich dieser Allererhabene zu den Menschen neigen würde, selbst einer würde, war für den traditionell gläubigen Juden trotz aller Prophetie über den Gottesknecht nicht real vorstellbar.
Und es ist bis heute in Wahrheit so geblieben – auch für uns Christen. Wer aufsteht und sagt, dass Reich Gottes ist nah, wird von den vielen Realisten, Vernunftmenschen und klugen Köpfen gerne mit der Idealismus-Etikette in den Winkel gestellt.
Trotzdem bahnt sich dieser Funke seinen Weg durch die Jahrtausende – in den Menschen guten Willens, die mutig genug sind, sich anstecken zu lassen vom Funkenflug des Heiligen Geistes!

 

Information

In 86 Ländern erscheint das neue Buch von Papst Franziskus über die Barmherzigkeit

In Rom ist am 12. Jänner das neue Interviewbuch von Papst Franziskus vorgestellt worden. Es trägt den Titel „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ und beinhaltet ein Gespräch zwischen dem Papst und dem italienischen Journalisten Andrea Tornielli.

Es ist in deutscher Übersetzung im Münchner Kösel-Verlag erschienen (€ 17,50). Auf 128 Seiten  erläutert Franziskus, warum für ihn die Barmherzigkeit im Mittelpunkt des Christentums steht. In einfacher und direkter Sprache fasst er weitere Gedanken zusammen und wendet sich gegen Selbstgerechtigkeit, Korruption, Anmaßung und Scheinheiligkeit. Außerdem gewährt Franziskus Einblicke in seine Zeit als Priester in Argentinien. Er erzählt von Priestern, die ihn geprägt und einfachen Menschen, die ihn mit ihrem Glauben beeindruckt haben. Das Buch erscheint in 86 Ländern, neben Italienisch und Deutsch auch in Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch.

tornielli andrea
Andrea Tornielli.

Weder Kurioses noch Konkretes
Bei der Präsentation in Rom sprach neben Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auch der italienische Schauspieler, Komiker und Oscar-Preisträger Roberto Benigni. In seiner humoristischen Rede zeigte dieser sich begeistert von Papst Franziskus und seiner Botschaft an die Welt.
Benigni, der 1997 mit seinem Film „Das Leben ist schön“ weltberühmt wurde, sagte, für ihn sei die Freude das Wesensmerkmal des christlichen Glaubens. Dieser habe mit fröhlichen Menschen begonnen.
Parolin führte aus, der Papst liefere in dem Buch keine kuriosen Anekdoten oder konkrete Stellungnahmen zur Reform der Kirche oder zur Weltpolitik. Er mache aber deutlich, dass die Barmherzigkeit gegenüber den Mitmenschen die Leitlinie für den einzelnen wie für den Umgang zwischen Staaten sein müsse.

buch franziskus

In der Haft bekehrt
Eingeladen zu der Buchvorstellung war auch der aus China stammende Häftling Zhang Agostino Jianqing. Der frühere Buddhist, der in Italien eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt und sich im vergangenen Jahr im Gefängnis hat taufen lassen, berichtete über seine Bekehrung zum Christentum. Entscheidend sei dabei für ihn die christliche Lehre von Vergebung und Barmherzigkeit gewesen, so der 30-Jährige. In dem Buch sagte Franziskus unter anderem, er fühle sich Häftlingen besonders verbunden. Jeder Mensch, auch der Papst, sei ein Sünder und auf die göttliche Barmherzigkeit angewiesen. Bei seinen Reisen besucht Franziskus häufig Gefängnisinsassen und ermutigt sie, den Glauben an die Liebe Gottes nicht zu verlieren.

Das neue Buch des Papstes: Kirche wie ein Feldlazarett

Die Interviews für das neue Papst-Buch wurden im Juli 2015 im vatikanischen Gästehaus Santa Marta aufgenommen, kurz nach der Südamerikareise des Pontifex.

Hauptthema des Gesprächs war die „Barmherzigkeit“ mit Blick auf das „Jahr der Barmherzigkeit“, welches fünf Monate später eröffnet wurde. Gebete, Reflexionen des vorhergehenden Pontifikats und das Bild der Kirche als Feldlazarett seien die Gründe dafür gewesen, ein Jahr der Barmherzigkeit auszurufen, betonte der Papst. Es sei jetzt der „richtige Zeitpunkt dafür“, denn wir würden ein doppeltes Drama erleben: der Sinn der Sünde sei verloren gegangen und daher sei die Menschheit verletzt. Geschwächt von den vielen „sozialen Krankheiten“ – der Armut, der Ausgrenzung, Menschenhandel, Gleichgültigkeit.

Sich-Schämen ist Gnade  
Ein zentraler Punkt ist die päpstliche Reflexion zum Thema der „Schande“. Dass Sich-Schämen sei eine „Gnade“, denn sie rufe dem Sünder die Sünde erst ins Bewusstsein. Hier betonte der Papst die Notwendigkeit des „Zuhörens“, das „Apostolat des Ohres“. Denn die Menschen hätten heute am notwendigsten, dass ihnen jemand Zeit schenke und ihnen wirklich zuhöre. Daher würden viele einen Wahrsager aufsuchen. Außerdem betonte der Papst, dass jeder Beichtende einen Segen bekomme, auch wenn er das Sakrament der Beichte und der Absolution nicht empfangen könne.

Niemanden wegschicken
„Seid liebevoll zu diesen Personen“ – richtete der Papst sein Wort an die Geistlichen – „und schickt sie nicht weg“, denn „die Menschen leiden“. Die Verantwortung des Beichtvaters sei genau aus diesem Grund nicht zu unterschätzen.
Er erzählte hier die Geschichte seiner Nichte, die standesamtlich mit einem äußerst religiösen Mann verheiratet war, der jedoch noch keine kirchliche Ehe-Annullierung hinter sich hatte. Er bat bei der Beichte daher nicht um Absolution, sondern um einen Segen.

Treffen mit Gottes Liebe ermöglichen
Papst Franziskus selbst definierte sich als „Mann, der die Barmherzigkeit Gottes brauche“. Er rate dem Beichtenden, „nicht hochmütig, sondern ehrlich seine Sünden zu betrachten“, und dem Beichtvater, „die Sünden mit Zärtlichkeit zu betrachten und auch die eigenen Sünden nicht zu vergessen“. Keine Sünde, so schlimm diese auch sei, sei nicht zu vergeben. Die Kirche sei nicht auf dieser Welt, um zu „verurteilen, aber um ein Treffen von inniger Liebe und der Barmherzigkeit Gottes zu ermöglichen“.

Würde auch der Prostituierten sehen
Aufgabe der Kirche sei es „die bedürftigen Menschen aus ihrer Not“ abzuholen, dies jedoch mit Achtung ihrer Menschenwürde. Zuhören, Verständnis, Vergebung und Liebe seien die Stichwörter. Aus Buenos Aires erinnere er sich an eine Frau, die ihren Körper verkaufen musste, um ihre Kinder zu erhalten. Sie habe sich bei ihm dafür bedankt, dass er sie immer mit „Frau“ ansprach.
Auf die Frage über den Umgang mit Homosexuellen antwortete Franziskus wie bereits bei seiner Rückreise von Rio de Janeiro 2013: „Wenn eine Person homosexuell ist, den Herren sucht und einen guten Willen zeigt, wer bin ich um zu urteilen?“

Die Logik von Jesus
Die „Doktoren des Rechtes“ seien gegen Gott gewesen, so Franzikus. Logik von Jesus sei, das Böse in Gutes zu verwandeln, die weit Entfernten erreichen und sie zu retten und die Ausgegrenzten zu integrieren.
Menschen mit einer kranken Seele brauchten offene Türen, keine Verurteilung, keine verschlossenen Türen, keine Ausgrenzung. Die Christen dürften nicht das auslöschen, was der Heilige Geist im Herzen des Sünders anzünde, so der Papst.
Er bezog sich in diesem Zusammenhang auf zu strenge Gesetze, die den Menschen nur die Türen vor den Augen zuwerfen würden und auch auf Kleriker, die sich zu sehr an der Glaubenslehre festhalten. Er nannte hierfür auch Beispiele – wie zum Beispiel eine Frau, die 500.000 Dollar für einen Ehe-Annullierungsprozess hätte zahlen sollen, oder die Verweigerung einer Beerdigung eines Kindes, weil es nicht getauft war.

Korrupte sind schlimmer als Sünder
Eine sehr ausführliche Antwort machte Franziskus auf die Frage nach der Korruption. Sie sei „die fortgeschrittene systematische Sünde, die zu einer Lebensart werde“. Der Korrupte sündige ohne zu bereuen, fingiere sein christliches Dasein und komme mit seinem Doppelleben von einem Skandal zum nächsten. Er denke, er müsse nicht mehr um Vergebung bitten. Mit seinem „Engelsgesicht“ hinterziehe er Steuern, kündige Angestellte, beute Schwarzarbeiter aus und gebe dann mit seiner „Schlauheit“ an – vielleicht sogar in der Messe am Sonntag. „Sünder sind also zum Heiligen Jahr eingeladen, Korrupte nicht“, so Franziskus.

Caritas contra ÖVP: Einführung von Obergrenzen ist „klarer Rechtsbruch“

Caritas-Präsident Michael Landau hält das Vorhaben von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Obergrenzen bei der Aufnahme von Asylwerbern einzuführen, für einen „klaren Rechtsbruch“.

Beim Thema Asyl gehe es nicht um politisches Ermessen sondern um internationales Recht, betonte Landau am Freitag im „Kathpress“-Gespräch. „Ich erwarte mir, dass Österreich auch künftig die Genfer Flüchtlingskonvention und die Europäische Menschenrechtskonvention auf Punkt und Beistrich einhält.“  Insgesamt bewertet er den von der ÖVP vorgestellten Aktionsplan zum Umgang mit dem Flüchtlingsstrom als einen „Ausdruck der Hilfslosigkeit“. „Die Innenministerin hat einmal mehr eine Reihe von Schlagworten in die Diskussion geworfen, die mehr zur Verunsicherung beitragen als zur Sicherheit.“
Anstatt über Obergrenzen, die Senkung von Sozialleistungen und Zäune zu diskutieren, sollten sich die politisch Verantwortlichen um eine europäische Lösung bemühen.

„Wettbewerb der Unattraktivität“
Eine Ausweitung der „Willkommenskultur“ statt des neuen „Wettbewerbs der Unattraktivität“, sichere Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge sowie ihre solidarische Verteilung in Europa fordern rund 90 Flüchtlingsorganisationen und NGOs, die sich unter dem Dach des „Europäischen Flüchtlingsrates“ (ECRE) organisiert haben und Mitte Jänner zu einer Tagung in Wien zusammengekommen sind.

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Reinald Tippow,
Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien.

„Eine Flüchtlingsfamilie pro Pfarre verkraftbar“
Der Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien Reinald Tippow ist weiterhin auf der Suche nach Quartieren in den Pfarren. Die Unterbringung einer Familie pro Pfarre sei nicht nur möglich, sondern auch eine „ganz bedeutsame Problemlösungsstrategie“ und Bereicherung, zeigte sich Tippow in einem Beitrag auf der Website der Erzdiözese Wien überzeugt.
Aktuell werden rund 300 Menschen auf der Flucht direkt in Pfarrhöfen, Pfarrheimen und einige in aufgestellten Containern untergebracht. In den kommenden Wochen will Tippow erneut eine Info-Kampagne in den Pfarren durchführen.
In der Erzdiözese nehme er aktuell die gleiche „große Spannung“ wahr, die auch in der Gesellschaft spürbar sei. Viele Pfarren engagierten sich, auf der anderen Seite gebe es Gemeinden, in denen „das überhaupt kein Thema ist.

Seelsorger sollen „Hebammen, Schwimmlehrer und Trüffelschweine“ sein

Wer in der kirchlichen Seelsorge tätig ist, braucht künftig nach Einschätzung des neuen Feldkircher Pastoralamtsleiters Martin Fenkart zentrale Fähigkeiten von „Hebammen, Schwimmlehrern und Trüffelschweinen“.

Goetzisw St. Arbogast am 31.01.2013, Kirche, Dioezese, Theeologie entflammbar Seminar, Kurs Veranstaltung
Pastoralamtsleiter Martin Fenkart.

Es gehe um das „Talent, das Kind ins Leben zu heben“ als auch um die Vermittlung, dass man vom Glauben ähnlich wie vom Wasser getragen werden könne, sowie um die Aufgabe, „in allen Getauften die Charismen und Talente zu erschnüffeln, zu entdecken, sie zu befähigen und zu ermutigen, ihr Christsein zu leben“, erklärte Fenkart im Interview mit dem diözesanen „KirchenBlatt“.

Was ist zielführend?
Fenkart (40), der zuvor als Radiojournalist, in der Erzdiözese Wien und als Marketingleiter bei der Supermarktkette „Spar“ wirkte und zuletzt diözesaner Referent für Berufungspastoral war, stellte für seine im Oktober 2015 begonnene Tätigkeit an der Spitze des Feldkircher Pastoralamts den Anspruch einer ständigen Hinterfragung, „ob unser Engagement auch zielführend ist“.
Als Antwort auf die vielen religiös suchenden und hoffenden Menschen, die der Kirche als Institution gegenüber kritisch und erwartungslos eingestellt sind, sei es nötig, „weniger auf den Bauchnabel zu schauen und mehr auf die Stimmung in der Gesellschaft, um auf die Bedürfnisse der Menschen antworten zu können“. Kirche dürfe sich nicht selbst im Weg stehen, sie müsse „Neues zulassen und die gute Botschaft mit neuem Mut weitergeben“.

Anfang großer Veränderung
Die Diözese befinde sich bei ihrer internen Umstrukturierung „erst am Anfang eines großen Veränderungsprozesses“, der auf gesellschaftliche Entwicklungen eine Antwort zu geben versuche. Aus Pfarrzusammenschlüssen gäbe es teils bereits positive Erfahrungen wie etwa Synergien und Zusammenarbeit „über den Kirchturm hinaus“, teils aber „klemmt es gewaltig“, so Fenkarts Beobachtung. Insgesamt gehe es darum, „in ein neues Kirchenbild hineinzuwachsen“ weg von einer „Versorgungskirche“ und hin zu einer „sorgenden und dienenden Kirche aller Getauften“. Kernfragen dieses Prozesses seien jene nach der Glaubenserneuerung, der Kultur der Ehrenamtlichen sowie der Leitung.