Inhalt der gedruckten Ausgabe 41/2016

Leitartikel

Römische Schachzüge

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

Altösterreicher P. Engelmar Unzeitig seliggesprochen
„Deutscher Maximilian Kolbe“ war nur drei Monate Pfarrer

Der im Konzentrationslager Dachau 1945 gestorbene 34-jährige sudetendeutsche Ordensmann Engelmar Unzeitig ist am 24. September im Würzburger Dom seliggesprochen worden. Zur Feier kamen auch 200 Tschechen aus Unzeitigs Heimat, der Prager Kulturminister und der Bischof von Budweis.

Zahl der Lutheraner steigt weltweit, sinkt aber in Europa

Die Mitgliederzahl in den Kirchen des Lutherischen Weltbunds (LWB) ist in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 74 Millionen gewachsen. Dies bedeute einen Anstieg von 2,1 Millionen Mitgliedern seit 2013, teilte der LWB am Dienstag in Genf mit.

KU Linz: 40 Prozent Frauen

Die Katholische Privat-Universität (KU) Linz setzt in Forschung und Lehre verstärkt auf Frauen.

Limburgs neuer Bischof fordert mehr Mut zum Experiment

Der neue Bischof von Limburg, Georg Bätzing, wünscht sich „mehr Mut zum Experiment“ in der katholischen Kirche.

Exorzist sprach Latein, Teufel erwiderte auf Italienisch

Der wohl bekannteste Exorzist der katholischen Kirche ist tot.

Osservatore: Diakoninnen waren in der frühen Ostkirche verbreitet

Das Amt der Diakonin war in der frühen Kirche im Osten offenbar wesentlich stärker verbreitet als in Rom.

Kirchenrechtler wünscht sich vom Papst klarere Vorgaben

In der theologischen Debatte über wiederverheiratete Geschiedene wünscht sich der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier klarere Vorgaben von Papst Franziskus.

Boff: „Was die Kirche retten kann, sind die Basisgemeinden“

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff misst den Basisgemeinden eine entscheidende Rolle für die Zukunft der katholischen Kirche zu.

Katholische Frauenbewegung: Asylwerberinnen oft benachteiligt

Maßnahmen zur Gewährleistung von „Geschlechtergerechtigkeit“ in der Durchführung von Asylverfahren hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) anlässlich des „Internationalen Tags der Flucht“ am 30. September gefordert.

Bischof Lahham: Mord an Christ war nicht religiös motiviert

Die Ermordung des jordanischen islamkritischen Autors Nahed Hattar (56), der ein getaufter Christ – wenn auch nichtpraktizierend – war, hatte nach Ansicht des katholischen Erzbischofs Maroun Lahham keine religiösen Motive. Auslöser seien „politische und ideologische Faktoren“, sagte Lahham dem vatikanischen Pressedienst Fides.

„Drei Eltern-Kind“: Skepsis und Kritik

Bedenken gegenüber der neuen medizinischen Technik des Zellkerntransfers hat der Wiener Moraltheologe und Mediziner Matthias Beck geäußert

Weg für Vermittlerrolle des Vatikans in Venezuela frei

Der Weg für eine Vermittlung des Vatikan in der politischen Krise in Venezuela ist frei. Wenige Tage nach der Regierung hat laut südamerikanischen Medienberichten auch die Opposition den Vatikan offiziell um Vermittlung gebeten.

Caritas: Flüchtlingskoordinator Konrad hat „enorm viel bewegt“

Caritas-Präsident Michael Landau hat dem scheidenden Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Christian Konrad, für dessen großen persönlichen Einsatz gedankt.

Terrorexperte: Jeder fünfte deutsche Syrienkämpfer ist Konvertit

Nach neuesten Erkenntnissen des Terrorismus-Forschers Peter Neumann hat sich das Gesicht des islamistischen Terrors 15 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September verändert.

Wiener orthodoxe Georgskirche: Erste Priesterweihe nach 50 Jahren

Nach über einem halben Jahrhundert war die Wiener orthodoxe Georgskirche am 25. September erstmals wieder Ort einer Priesterweihe.

Barmherzigkeit schafft Sünde nicht ab

Barmherzigkeit schafft nach Aussage von Papst Franziskus die Sünde nicht ab.

Schönborn: Kein Verständnis für Widerstand gegen Papst Franziskus

Kardinal Christoph Schönborn hat sich erschüttert über den Widerstand aus Kirchenkreisen gegen Papst Franziskus geäußert.

Bischof Kräutler mit Memminger Freiheitspreis geehrt
EKD-Chef: „Er Ist Inspirator auch für Protestanten“

Erwin Kräutler (77), langjähriger Bischof der brasilianischen Amazonasdiözese Xingu, hat den mit 15.000 Euro dotierten „Memminger Freiheitspreis 1525“ erhalten. Der aus Vorarlberg stammende Ordensmann nahm die Auszeichnung am 25. September in Memmingen aus den Händen von Oberbürgermeister Ivo Holzinger (SPD) entgegen. Kräutler gilt als einer der wichtigsten Kämpfer für die Rechte indigener Völker in Lateinamerika sowie für den Schutz des Regenwaldes.

Christlicher TV-Kanal EWTN erhält deutsche Sendelizenz

Der christliche Fernsehsender EWTN (Eternal Word Television Network)  hat von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen die deutsche Sendelizenz erhalten. Bislang wurde das Programm mit einer in Großbritannien erteilten europäischen Lizenz ausgestrahlt.

Christliche und muslimische Kinder von Aleppo beten für Frieden

Ein Friedensgebet christlicher und muslimischer Kinder soll, ausgehend von Aleppo, am 6. Oktober in ganz Syrien stattfinden.

Leitartikel

Römische Schachzüge

Wie das Kirchenrecht es vorschreibt, hat der St. Pöltner Bischof Klaus Küng im Vorjahr zu seinem 75. Geburtstag den Rücktritt eingereicht. Nun wartet die Diözese gespannt auf den Nachfolger.
Sein Vovorgänger Franz Zak ist 30 Jahre Diözesanbischof, aber noch nicht 75, als er völlig unvermutet aus dem Radio erfährt, dass Kurt Krenn sein Nachfolger wird.
Dieser Tage hat Kardinal Christoph Schönborn von Papst Franziskus ein Glückwunschschreiben zum Silbernen Bischofsjubiläum erhalten. Schönborn wurde am 11. Juli 1991 zum Weihbischof von Wien ernannt, am selben Tag der Wiener Weihbischof Kurt Krenn zum Bischof von St. Pölten. Zufällig?
Es gab damals Anzeichen, dass der erst fünf Jahre im Amt befindliche Erzbischof Hans Hermann Groer aus eigenem Antrieb  zurücktreten könnte. Um eine Nachfolge von Krenn in Wien zu verhindern, den Erzkonservative schon nach Kardinal Franz König dort an der Spitze sehen wollten, reagierte Rom prompt. Niemand kannte dort Schönborn und Krenn besser als Kardinal Joseph Ratzinger, Glaubenskongregations-Chef, später Papst Benedikt XVI. Salopp formuliert: Schönborn her, Krenn weg. Die Freude der einen war das Leid der anderen.
25 Jahre später: Gratulation nach Wien. Und St. Pölten?  Entschuldigt hat sich für die Rochade, die später von Rom mit Absetzung rückgängig gemacht werden musste, bisher niemand. Wer auch?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   2 Kön 5, 14-17

Naaman kehrte zum Gottesmann zurück und bekannte sich zum Herrn

In jenen Tagen ging Naaman, der Syrer, zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein. Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein.

 

Zweite Lesung:   2 Tim 2, 8-13

Wenn wir standhaft bleiben, werden wir mit Christus herrschen

Denk daran, dass Jesus Christus, der Nachkomme Davids, von den Toten auferstanden ist; so lautet mein Evangelium, für das ich zu leiden habe und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt. Das alles erdulde ich um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus und die ewige Herrlichkeit erlangen. Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

 

Evangelium:   Lk 17, 11-19

Ist keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

ein danke tut nicht weh

Auf Wunsch der Autorin wurde dieser Text gelöscht.

 

Information

Altösterreicher P. Engelmar Unzeitig seliggesprochen
„Deutscher Maximilian Kolbe“ war nur drei Monate Pfarrer

Der im Konzentrationslager Dachau 1945 gestorbene 34-jährige sudetendeutsche Ordensmann Engelmar Unzeitig ist am 24. September im Würzburger Dom seliggesprochen worden. Zur Feier kamen auch 200 Tschechen aus Unzeitigs Heimat, der Prager Kulturminister und der Bischof von Budweis.

seligsprechung-0461
Feier der Seiligsprechung von P. Egelmar Unzeitig im Würzburger Dom.
Foto: P. Andreas Rohring CMM.

Unzeitig war Sudetendeutscher. Seine Heimat Mähren wurde nach dem Ende der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie 1918 tschechoslowakisches Staatsgebiet. Im Alter von 17 Jahren trat der 1911 geborene Hubert Unzeitig der Gemeinschaft der Mariannhiller Missionare in Reimlingen bei Augsburg bei und erhielt den Ordensnamen Engelmar.
Als Spätberufener holte er 1934 das Abitur nach und studierte anschließend Theologie und Philosophie in Würzburg. Hier wurde er 1939 zum Priester geweiht, am 15. August feierte er Primiz in seinem Heimatort Greifendorf.

Protest gegen Judenverfolgung
Der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte, dass er seine Sehnsucht erfüllen konnte, in die Mission zu gehen. Stattdessen arbeitete P. Engelmar zunächst im Ordenshaus in Riedegg (Oberösterreich), wo er unter anderem französische Kriegsgefangene betreute. Ab Oktober 1940 war er Pfarrer in Glöckelberg im Böhmerwald.
Gegen die Verfolgung der Juden protestierte der junge Priester sowohl im Religionsunterricht als auch von der Kanzel. Anfang 1941 wurde P. Engelmar wegen „tückischer Äußerungen und Verteidigung der Juden“ angezeigt und am 21. April von der Gestapo verhaftet.
Ohne Gerichtsverhandlung wurde er nach sechs Wochen Untersuchungshaft in Linz am 8. Juni 1941 nach Dachau gebracht.

Retter von Russen
Im Konzentrationslager Dachau, wo er zusammen mit mehr als 2.700 anderen Geistlichen aus ganz Europa eingesperrt war, rettete er russische Kriegsgefangene vor dem Hungertod, indem er seine Essensration mit ihnen teilte; er lernte ihre Sprache und machte sie mit der christlichen Botschaft vertraut. Ein russisches Wörterbuch bei der Gabenprozession der Seligsprechungsmesse erinnerte daran.

Wie Maximilian Kolbe
Als kurz vor Kriegsende eine Typhusepidemie ausbrach, meldete er sich mit 19 Mitgefangenen freiwillig zur Krankenpflege, bis er am 2. März 1945 selbst an der Seuche starb. Wegen dieser heroischen Tat wurde er später auch „ein deutscher Maximilian Kolbe“ genannt.
„Liebe verdoppelt die Kräfte. Sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh!“, heißt eines der bekanntesten Zitate aus seinen Dachauer Briefen an seine Schwester.

Urne mit Asche aus Lager geschmuggelt
Mithäftlinge verehrten den Priester mit der Häftlingsnummer 26.147 in Anspielung auf seinen Ordensnamen und seine selbstlose Fürsorge als „Engel von Dachau“. Sie sorgten dafür, dass sein Leichnam nicht mit anderen, sondern einzeln verbrannt wurde, und schmuggelten die Asche aus dem Lager. Sein Grab befindet sich heute in der Kirche seines Ordens in Würzburg.

Prager Kulturminister würdigt „Altösterreicher“
Bei einem Empfang im Würzburger Rathaus unmittelbar vor der Seligsprechungsfeier hat der tschechische Kulturminister Daniel Herman den neuen seligen KZ-Märtyrer gewürdigt. Der sudetendeutsche Ordensmann biete mit seinem Zeugnis „grenzenloser Nächstenliebe“ eine „zeitlose Inspiration“ und sei auch für ihn persönlich in seinem öffentlichen Dienst ein „großes Vorbild“, sagte der Christdemokrat.

Vertreibung der Deutschen war „großes Unrecht“
Der aus Mähren stammende Pater repräsentiere „die große ethnische Gruppe der Altösterreicher oder Sudetendeutschen“ in Böhmen, fügte der Minister hinzu. Deren weitgehende Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein „großes Unrecht“ gewesen. Die Erinnerung an dieses Erbe sei durch die jahrzehntelange kommunistische Herrschaft in seinem Land „kontaminiert“ gewesen, sagte Herman. Er hoffe, dass die Seligsprechung ein „wichtiges Stückchen im Mosaik“ eines neuen Miteinanders zwischen Deutschen und Tschechen sein werde.

Osservatore: Diakoninnen waren in der frühen Ostkirche verbreitet

Das Amt der Diakonin war in der frühen Kirche im Osten offenbar wesentlich stärker verbreitet als in Rom.

Von rund 30 bekannten antiken Inschriften, die auf Diakoninnen verwiesen, stammten nur eine aus Rom und zwei aus Italien, jedoch 25 aus der heutigen Südtürkei, schreibt der Archäologe und Epigrafik-Experte Carlo Carletti in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Den Befund gelte es bei der historischen Frage nach Dienstämtern von Frauen in der Kirche zu berücksichtigen.
In der katholischen Kirche ist das Diakonen-Amt nach geltendem Recht Männern vorbehalten. Faktisch wird die Diakonweihe oft als Vorstufe zur Priesterweihe gespendet. Papst Franziskus setzte im August eine wissenschaftliche Kommission ein, die die Rolle der Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen soll.

Nachwirken von Paulus
Bei Diakoninnen gebe es „keine Hierarchie der Quellen“, so Carletti unter Bezug auf die spärlichen Hinweise auf weibliche Dienstamts-Ausführende in der Bibel. Als Grund für die stärkere Bezeugung von Diakoninnen im Osten vermutet der Wissenschaftler ein Nachwirken des Apostels Paulus, der in diesem Raum missioniert hatte. An dessen Verkündigung habe „eine beträchtliche Zahl von Frauen aktiv mitgewirkt“, so Carletti. Paulus erwähnt in seinem Brief an die Römer auch eine Frau namens Phöbe mit dem Titel Diakonin (Römer 16,1).

Im Westen keine Diakoninnen
Begünstigend für Diakoninnen innerhalb der Kirche Kleinasiens könnte laut Carletti auch die räumliche Nachbarschaft zu Kulten wie der sogenannten Montanisten oder Enkratiten gewesen sein, in denen Frauen kultische Funktionen ausübten.
In der westlichen Kirche entwickle sich hingegen eine „fast völlige Unkenntnis weiblicher Dienstämter“. So rühre die inschriftliche Bezeichnung „Diakonin“ in der Hälfte der wenigen bekannten Beispiele im Westen nicht von der Funktion der betreffenden Frau her, sondern vom Beruf ihres Ehemanns oder Bruders.

Mitglied der Hierarchie
Laut Carletti konzentrieren sich die Inschriftenzeugnisse für Diakoninnen auf die Landschaften Lykaonien, Phrygien und Pisidien in der heutigen Südtürkei. Größtenteils handle es sich um Grabinschriften vom Ende des 3. bis Anfang des 6. Jahrhunderts.
Zumindest in Pisidien finde sich ein Hinweis, dass eine Diakonin namens Nyna Mitglied der kirchlichen Hierarchie gewesen sei, heißt es im Gastbeitrag der Vatikanzeitung.

Caritas: Flüchtlingskoordinator Konrad hat „enorm viel bewegt“

Caritas-Präsident Michael Landau hat dem scheidenden Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Christian Konrad, für dessen großen persönlichen Einsatz gedankt.

konrad-christian
Christian Konrad.

„Er hat enorm viel bewegt und gezeigt, was Zivilgesellschaft zu leisten im Stande ist“, sagte Landau im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Kathpress“. Als „Motor in der Unterbringung und Integration“ der Flüchtlinge sei Konrad ein wichtiger Ansprechpartner gerade auch für die Caritas und andere Hilfsorganisationen gewesen.
„‚Wer will der kann‘: Ich würde mir wünschen, dass sich dieses Motto von Christian Konrad alle in das Stammbuch schreiben, beginnend mit der Bundesregierung“, sagte Landau. Er bedauere, dass Konrads offizielles Amt nun ende. „Schade, dass sich die Regierung nicht darauf verständigen konnte, weiter auf seine Expertise und sein Engagement zu setzten. Ich hätte mir gewünscht, dass er weiter macht. Es ist noch viel zu tun“, betonte der Caritas-Präsident.
Der langjährige Raiffeisen-Manager Konrad war im August 2015 angesichts der starken Flüchtlingsbewegungen und einem völlig überfüllten Aufnahmelager Traiskirchen zum Regierungskoordinator bestellt worden. Nun wurde sein Mandat von der SPÖ-ÖVP-Regierung nicht verlängert und lief mit Ende September aus.

Bischof Kräutler mit Memminger Freiheitspreis geehrt
EKD-Chef: „Er Ist Inspirator auch für Protestanten“

Erwin Kräutler (77), langjähriger Bischof der brasilianischen Amazonasdiözese Xingu, hat den mit 15.000 Euro dotierten „Memminger Freiheitspreis 1525“ erhalten. Der aus Vorarlberg stammende Ordensmann nahm die Auszeichnung am 25. September in Memmingen aus den Händen von Oberbürgermeister Ivo Holzinger (SPD) entgegen. Kräutler gilt als einer der wichtigsten Kämpfer für die Rechte indigener Völker in Lateinamerika sowie für den Schutz des Regenwaldes.

bischof-kraeutler-erwin-5
Bischof Erwin Kräutler.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der in Memmingen geborene Heinrich Bedford-Strohm, nannte Kräutler in seiner Laudatio ein Vorbild für die Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit. Der Amazonas-Bischof habe sich mutig und wirksam für die Landlosen in Brasilien, die Indios sowie für den Urwald in Amazonien eingesetzt. Er sei auch für viele Protestanten eine „Quelle der Inspiration“.

Kräutler gab wesentliche Anstöße
Als Vertreter der Befreiungstheologie habe er ihm persönlich wesentliche Anstöße gegeben, so der EKD-Ratschef. Das Verlangen der Memminger Bauern nach Recht und Gerechtigkeit gelte bis heute; es stehe allen zu, „ob Mann, ob Frau, ob weiß oder Indio, ob reich oder arm.“ Die Christen seien in der tätigen Nächstenliebe weit über die Konfessionsgrenzen hinaus vereint. „Wenn wir uns als Kirchen in Deutschland in diesen Tagen für Geflüchtete, Notleidende oder Arme einsetzen, dann stoßen wir damit auch auf Widerspruch. Wir können aber gar nicht anders“, so der bayerische Landesbischof.
Das Engagement für die Schwachen sei eine Konsequenz der „untrennbaren Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe“, die den Kern des christlichen Glaubens ausmache, fügte Bedford-Strohm hinzu. Dies gelte jenseits der politischen Diskussionen um die konkrete Umsetzung der damit verbundenen Impulse.

„Aus 7 Millionen wurden 300.000“
Kräutler erinnerte in seinen Dankesworten, dass im frühen 16. Jahrhundert, zur Zeit der Abfassung der Memminger Artikel, für die Indios in Brasilien die „Zeit des Leidens und des Schmerzes“ begonnen habe. Sie seien über Jahrhunderte hinweg ausgegrenzt, verfolgt und getötet worden. „Sieben Millionen Menschen wurden zu 300.000“, beklagte der emeritierte Bischof. Er verwies auf Bestrebungen im brasilianischen Nationalkongress, die inzwischen in der Verfassung verankerten Rechte der indigenen Völker wieder zu beschneiden. „Unser Kampf geht weiter.“

Bauern schrieben erste Verfassungsurkunde
Der Memminger Freiheitspreis erinnert an die im März 1525 von der Kramerzunft der damaligen Reichsstadt abgefassten „Zwölf Bauernartikel“. Sie gelten als erste demokratische Verfassungsurkunde auf deutschem Boden. In den Artikeln werden Grund- und Menschenrechte gefordert und formuliert, wie sie in Deutschland erst 300 Jahre später in der Paulskirchenverfassung von 1848 wieder aufgenommen wurden.