Inhalt der gedruckten Ausgabe 39/2015

Leitartikel

Wirtschaftsimmigranten

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Information

Salzburger Weihbischof und möglicher St. Pöltner Bischofskandidat: Familiensynoden-Arbeitspapier verfälscht katholische Lehre

Just zum 75. Geburtstag des St. Pöltener Diözesanbi­schofs Klaus Küng sorgt einer seiner kolportierten Nachfolger für Aufsehen.

Papst: Es gibt keinen Gegensatz zwischen Lehre und Pastoral

Nur der Blick von der Peripherie her erlaubt wirkliche Theologie; das Subjekt der Theologie sind das Volk Gottes und der Heilige Geist; es gibt keinen Gegensatz zwischen „Lehre“ und „Pastoral“ – drei der zentralen Gedanken Papst Franziskus in einer Videobotschaft an die Teilnehmer an einem theo-logischen Kongress in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, wie Radio Vatikan berichtete.

Kuba: Mehr Gebetshäuser als Kirchen

Papst Franziskus besucht vom 19. bis 22. September Kuba. In dem kommunistischen Land hat in den vergangenen Jahren das Interesse am Christentum deutlich zugenommen.

Papst Franziskus: „Weswegen ich in die USA reise“

Bevor Papst Franziskus von Kuba her kommend das erste Mal in seinem Leben in die USA reist, hat er in einer Art virtuellen Audienz die Wirklichkeit vor Ort besser kennen lernen wollen, mit Menschen sprechen und seine Botschaft für das Land schon einmal äußern wollen, berichtet Radio Vatikan.

Drei von zehn US-Bürgern halten Obama für einen Muslim

Kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus bei Barack Obama wissen die meisten US-Amerikaner nicht, welcher Glaubensrichtung ihr Präsident angehört.

„Laieninitiative“ stellt „Kirchenreform-Enzyklika“ vor

Die österreichische Kirchenreformbewegung „Laienini­tiative“ hat eine Art „Kirchenreform-Enzyklika“ vorgestellt.

Papst mahnt EU-Umweltminister zum Kampf gegen Klimawandel

Papst Franziskus hat die Umweltminister der EU-Staaten zu einer entschlossenen Linie bei der bevorstehenden Weltklimakonferenz (30. November bis 11. Dezember) aufgefordert.

Deutschland: Reformdialog in Kirche beendet, Fortsetzung geplant

Deutschlands katholische Bischöfe und Laien haben am 13. September in Würzburg ihren Gesprächsprozess zur Zukunft der Kirche beendet. Beide Seiten betonten zum Abschluss des fünfjährigen Prozesses, den Dialog fortsetzen zu wollen.

Familiensynode: 280 „Väter“ und 120 Berater

Am 4. Oktober beginnt die Familiensynode in Rom. Bis 25. Oktober werden rund 280 Synodenväter – Bischöfe oder Ordensvertreter – über den kirchlichen Umgang mit Familie und gewandelten Familienbildern in der Welt von heute debattieren.

Caritas: Solidarität in Österreich jetzt in ganz Europa gefragt

Die Solidarität, die zuletzt in Österreich bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms deutlich wurde, ist „jetzt in ganz Europa gefragt“. Das betonte Caritas-Präsident Michael Landau in einer Zwischenbilanz der bisher von der Caritas geleisteten Flüchtlingsnothilfe.

Wien: Maria-Namen-Feier im Zeichen der Flüchtlingskrise

Die am Samstag von Erzbischof Franz Lackner und am Sonntag von Kardinal Christoph Schönborn geleitete diesjährige Maria-Namen-Feier am 12./13. September im Wiener Stephansdom stand im Zeichen der Flüchtlingskrise.

Papst präzisiert Appell zur Aufnahme von Flüchtlingsfamilien

Papst Franziskus hat seinen Appell zur Aufnahme von Flüchtlingen durch alle Pfarren Europas wiederholt und präzisiert.

Suizidhilfe: Ethikerin sieht Briten-Votum als „wichtiges Signal“

Die eindeutige Absage des britischen Parlaments an die Suizidbeihilfe-Freigabe ist in den Augen des Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) ein „historisches Votum“.

Hamburg: Kuwait finanziert Umbau einer Kirche zur Moschee

Eine frühere Hamburger Kirche wird mit finanzieller Hilfe aus Kuwait in eine Moschee umgewandelt. Das Emirat trägt etwa 40 Prozent der Kosten für den Umbau der ehemaligen evangelischen Kapernaumkirche im Stadtteil Horn. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 2,5 Millionen Euro, berichtet der Informationsdienst der deutschen Evangelischen Allianz (idea).

Zentralafrika: 360 Vertriebene verlassen Enklave im Bischofshaus

In der zentralafrikanischen Stadt Berberati haben über 360 Vertriebene, die seit Februar 2014 Unterkunft am Gelände des dortigen Bischofssitzes gefunden hatten, ihren Zufluchtsort verlassen und ein Quartier in der Stadt Potopoto bezogen.

Sinai-Kloster stellt sich auf Bedrohung durch Terror ein

Das Katharinenkloster in Sinai, Unesco-Welterbe und Sitz einer der kostbarsten Handschriftensammlungen weltweit, stellt sich auf eine Bedrohung durch Islamisten ein.

Südafrika feiert erste Seligsprechung Märtyrer, weil er „Hexen“ beschützte

Südafrika hat am 13. September die Seligsprechung seines ersten katholischen Märtyrers gefeiert.

25 Jahre Oikocredit Austria

Die Entwicklungsgenos­sen­schaft Oikocredit feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen in Österreich.

Mutter Teresa auf US-Dollar-Schein?
Ihr Orden wächst weltweit rasant

Das Porträt von Mutter Teresa sollte die für 2020 geplante neue 10-Dollar-Note zieren, schlug John Kasich bei einer TV-Diskussion mit 10 weiteren Kandidaten der Republikanischen Partei für das Präsidentenamt vor.

Europäische Bischofskonferenzen tagten erstmals im Heiligen Land

Erstmals tagte der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) im Heiligen Land und ganz oben auf der Tagesordnung standen die Situation von Christen im Nahen und Mittleren Osten sowie die aktuelle Flüchtlingskrise. Tagungsorte des Treffens waren Galiläa und Jerusalem.

Irak: Chaldäische Kirche eröffnet Museum in Basra

Die Christen im Irak lassen sich nicht unterkriegen: Die chaldäisch-katholische Erzeparchie Basra hat das erste christliche Museum im Süden des Irak eröffnet.

Leitartikel

Wirtschaftsimmigranten

Die UNO musste im Herbst die Hilfsgelder für die Grundversorgung der Menschen in syrischen Flüchtlingslagern radikal kürzen, weil reiche Mitgliedsstaaten nicht zahlen wollen.
Österreich hat laut „Salzburger Nachrichten“ 2015 noch keinen Cent dem UN-Welternährungsprogramm überwiesen, wird dafür aber mehr als 400 Millionen Euro für die Grundversorgung Geflüchteter aufwenden müssen. Wäre Hilfe am Ort nicht sinnvoller?
Da jetzt viele Flüchtlinge in ihren Zelten nicht überleben können, riskieren sie den Tod und fahren übers Meer.
Die USA, federführend im Chaos-Erzeugen in Libyen und dem Nahen Osten, haben erst 1.500 Syrien-Flüchtlinge aufgenommen.
Bootsflüchtlinge, die in Italien und Griechenland ankommen, wollen dort nicht bleiben, sondern weiter „nach Europa“ ziehen. Für die Flüchtlinge besteht „Europa“ fast ausschließlich aus Deutschland und Schweden, auch  Österreich. Die meisten übrigen EU-Länder tun auch so, als würden sie nicht zu Europa gehören und das Flüchtlingsproblem ginge sie nichts an.
Freilich: Viele dieser Vogel-Strauß-Länder dachten einst wie die heutigen Flüchtlinge. Sie wollten in eine reiche Union, um zu bekommen, nicht um zu geben. Typische „EU-Wirtschaftsimmigranten“. Hätten ihre Politiker den Wählern gesagt, sie müssten in den gemeinsamen Topf einmal mehr einzahlen, als sie erhalten könnten, die EU wäre sehr klein geblieben.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Num 11, 25-29

Willst du dich für mich ereifern?
Wenn nur das ganze Volk zu Propheten würde!

In jenen Tagen kam der Herr in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm. Zwei Männer aber waren im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie war der Geist gekommen. Sie standen in der Liste, waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen. Sie gerieten im Lager in prophetische Verzückung. Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager in prophetische Verzückung geraten. Da ergriff Josua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran! Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!

Zweite Lesung:   Jak 5, 1-6

Euer Reichtum verfault

Ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt, und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet. Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht, er aber leistete euch keinen Widerstand.

Evangelium:   Mk 9, 38-43.45.47-48

Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab!

In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

 

Gedanken zum Sonntag

Simmerstaetter Josef Georg-72

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Ausgrenzung im Sinne Christi?

Leicht hatte es Jesus nicht mit seinen Pappenheimern! Engstirnig – wie „die Leute“ halt sind – auch Jesu Jünger: kein bisschen klüger! „Der geht nicht mit uns; wie kann der in deinem Namen…?“ Ausgrenzung gibt es in allen Bereichen, fast möchte ich sagen, vor allem in Religionen. „Wir haben die Wahrheit; was will denn der?“
Jesu Jünger waren damals nicht besser als heute und heute nicht besser als damals – wie man will! Gerade wir Katholen müssen diesbezüglich ganz hart an die Brust klopfen.
Da gibt es jemanden, der sich die Gegenwart Jesu im „Sakrament des Altars“ anders zu erklären versucht, als es unsere Kirche lehrt: Konsubstantiation statt Transsubstantiation. – Ausschluss von unserem „Liebesmahl“!
Jemand verzichtet für gültige Konsekration auf die ununterbrochene „Successio Apostolica“. Ausschluss von unserem „Liebesmahl“!
Unzählige Abweichungen in der Glaubenslehre, auch wenn es nur Erklärungsversuche sind, müssen als Grund für Ausschluss aus der katholischen Kirche herhalten, mögen die „Irrlehrer“ noch so tief gläubig sein auf Christus ihre Hoffnung setzen und Liebe zu Gott und zm Nächsten durch ihre Taten beweisen, – hilft alles nicht: – Ausschluss!
Dass wir Katholiken grausame Kreuzzüge und Religionskriege geführt und Ketzer und „Hexen“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben und im 19. Jahrhundert in der Auseinandersetzung um die sozialen Rechte der Arbeiter auf der Seite der Unternehmer standen und heute noch die „Option für die Armen“ graue Theorie sein lassen, davon sagen wir nichts und schließen uns selbst nicht von der Gemeinsaft aus. Wir haben ja die Wahrheit und für die „Reinerhaltung des Glaubens“ „schweren Herzens“ die Abspaltung der Anhänger der Irrlehrer in Kauf genommen.
Hätte die Christenheit auch ab dem 4. Jahrhundert, so wie in Zeiten der Verfolgung, aus christlicher Grundhaltung konsequent auf Erziehung zu Geschwisterlichkeit und Feindesliebe (!) hingearbeitet, wie jetzt etwa „amnesty international“, könnte die Welt heute anders aussehen. Jesus hat nie über Sexualmoral und Kondome gepredigt, aber laufend als roten Faden Achtung vor dem Mitmenschen eingefordert. In 20 Jahrhunderten hätte sich „das Angesicht der Erde“ schon in Richtung Humanisierung verändern lassen, wären wir in der Spur Jesu geblieben.
Ja, leicht hat Er es nicht mit seinen „Getreuen“:
Für die rechte Lehre haben wir alles, aber für die Umsetzung der Lehre (und des Vorbildes Christi – der Fußwaschung) ins alltägliche Leben sehr wenig getan.
Unsere Glaubenspraxis ist von der Glaubenstheorie Galaxien entfernt!

 

Information

Salzburger Weihbischof und möglicher St. Pöltner Bischofskandidat: Familiensynoden-Arbeitspapier verfälscht katholische Lehre

Just zum 75. Geburtstag des St. Pöltener Diözesanbi­schofs Klaus Küng sorgt einer seiner kolportierten Nachfolger für Aufsehen.

Der an der Phil.-Theol. Hochschule Heiligenkreuz als Dozent für Moraltheologie und Ethik lehrende 41-jährige Helmut Prader, Bischofsvikar für Ehe und Familie, hat gemeinsam mit dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun und einer Gruppe von konservativen Theologen und Philosophen eine Überarbeitung des römischen Arbeitspapiers für die Bischofssynode über Ehe und Familie gefordert.
Das sogenannte „Instrumentum laboris“ für die vom 4. bis 25. Oktober stattfindende Synode konstruiere einen Gegensatz zwischen persönlichem Gewissen und Moralgesetz, könne die Gläubigen verwirren und müsse korrigiert werden, heißt es in dem im US-Magazin „First Things“ veröffentlichten Appell.

Bischofsvikar Dr. Helmut Prader. Foto: Diözese St. Pölten.

Bischofsvikar Dr. Helmut Prader.
Foto: Diözese St. Pölten.

Die 60 Unterzeichner fordern die Überarbeitung von Absatz 137. Dieser verfälsche die Lehre der katholischen Kirche. Kritisiert wird sowohl die Darstellung des Gewissens, die zweideutig und unvollständig sei, als auch die Auffassung, die moralische Norm entspreche „nicht den Erfordernissen“ des Menschen.
Unterschrieben haben den Aufruf auch der St. Pöltener Moraltheologe Josef Spindelböck (51) und der deutsche Philosoph Robert Spaemann (89).

Schönborn fordert mehr Sinn für Realität
Kardinal Christoph Schönborn wünscht sich bei der kommenden Familiensynode mehr Sinn für die gesellschaftliche Realität. Es reiche nicht aus, Entwicklungen wie etwa das Zusammenleben von Paaren ohne Trauschein zu beklagen, sagte er gegenüber der italienischen Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“. Stattdessen gelte es zu fragen, was genau sich an den Lebensumständen der Menschen verändert habe.
Der moderne Mensch sei von unterschiedlichsten Einflüssen geprägt: psychologischen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen. Diese Komplexität habe die Außerordentliche Synode im Vorjahr nicht ausreichend im Blick gehabt.

Papst: Es gibt keinen Gegensatz zwischen Lehre und Pastoral

Nur der Blick von der Peripherie her erlaubt wirkliche Theologie; das Subjekt der Theologie sind das Volk Gottes und der Heilige Geist; es gibt keinen Gegensatz zwischen „Lehre“ und „Pastoral“ – drei der zentralen Gedanken Papst Franziskus in einer Videobotschaft an die Teilnehmer an einem theo-logischen Kongress in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, wie Radio Vatikan berichtete.

Niemand hat ein Monopol der Interpretation
Als ein erstes Prinzip von Theo-logie erscheint in der Papstbotschaft das Zusammenwirken von der Wirklichkeit vor Ort und der Gemeinschaft in der einen Kirche. „Es gibt keine Ortskirche, die für sich dasteht, die für sich selber entscheiden kann, als wäre sie die Herrin und alleinige Interpretin der Wirklichkeit und des Handelns des Heiligen Geistes“, so der Papst. Aber gleichzeitig gelte auch: „Es gibt keine Gemeinschaft, die ein Monopol der Interpretation hat oder der Inkulturation. Im Gegenteil gibt es aber auch keine Universalkirche welche die Wirklichkeit vor Ort ignoriert oder sich unwissend stellt.“
Katholizität entstehe in der spannungsreichen Pluralität zwischen dem Einen und dem Vielen, zwischen dem Einfachen und dem Komplexen, zwischen dem Besonderen und dem Universalen. „Diese Spannungen auszulöschen geht gegen das Leben des Geistes.“

Tradition und Wirklichkeit
Daraus folgt bei Papst Franziskus ein zweites Prinzip, die Beziehung zwischen der empfangenen Tradition des Glaubens und der konkreten Realität des Lebens. Das eine könne es ohne das andere nicht geben, die Beziehung zu stören bedeute, „aus unserem Blick und unserer Theologie eine Ideologie“ zu machen.
Die Kirche sei heute nicht mehr dieselbe als vor 100 Jahren, als die Universität von Buenos Aires ihre theologische Fakultät – deren Geburtstag in der Konferenz gefeiert wurde – bekam. Das Gleiche gelte für alle Kirchen, für Indien wie für Kanada oder auch für Rom, so der Papst. Ein drittes Prinzip entwickelnd betonte er: „Deswegen ist es eine der wichtigsten Aufgaben des Theologen zu unterscheiden und zu reflektieren, ‚was bedeutet es heute, Christ zu sein?’, im ‚Jetzt und Hier?’“ Der Papst zitierte einen seiner Lieblingstheologen, den französischen Jesuitenpater Michel de Certeau: „Eine Theologie antwortet auf die Fragestellungen einer Zeit und niemals antwortet sie anders als in genau den Worten, welche die Worte sind, die die Menschen sprechen und in welchen sie leben.“

Versuchungen der Theologie
Papst Franziskus griff in seiner Ansprache außerdem die Versuchungen auf, deren sich die Theologie ausgesetzt sehe, ein beliebtes Mittel bei ihm die Schwächen aufzuzeigen, deren man sich ganz konkret, im eigenen Leben und Tun wie als Gruppe, stellen kann. Als erstes sei da die Versuchung zu glauben, dass früher alles besser gewesen sei, „in einen Konservatismus oder Fundamentalismus fliehend; im Gegensatz dazu ist es eine Versuchung, alles für heilig zu erklären, alles für unwichtig zu halten, was nicht nach Neuigkeit riecht, die empfangene Weisheit und das reiche kirchliche Erbe zu relativieren.“ Um diese Versuchung zu überwinden brauche es das bereits angesprochene Prinzip des Zusammenspiels von Tradition und Wirklichkeit, es brauche einen Dialog. Gerade hier sei das Studium der Theologie zu Hause.

Lehre ist kein geschlossenes System
Ausgehend von diesem Dialog wies der Papst auf ein Phänomen hin, das sich gerade in jüngerer Zeit und in aktuellen Debatten der Kirche oft zeigt, ohne auf eine bestimmte Frage einzugehen. „Nicht selten wird ein Gegensatz konstruiert zwischen der Theologie und der Pastoral, als ob es zwei gegensätzliche Wirklichkeiten wären, getrennt voneinander, die nichts miteinander zu tun hätten. Nicht selten wird die Lehre mit ‚konservativ’ identifiziert, rückwärtsgewandt. Im Gegensatz denken wir oft an die Pastoral als Anpassung, Reduzierung, Adaption.“ Der hier gemachte Gegensatz zwischen „Pastoralen“ und „Akademikern“, zwischen denen an der Seite des Volkes und denen an der Seite der Lehre, sei falsch. „Diese Trennung von Theologie und Pastoral, Glaube und Leben, zu überwinden, war einer der wichtigsten Beiträge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ich fühle mich ermutigt zu sagen, dass es in gewisser Weise die Theologie und die Weise, als Christ zu denken, revolutioniert.“ Das fortzusetzen sei die Aufgabe heute. Das nicht zu tun sei im Gegenteil ein Verrat der Botschaft Jesu, sie höre auf, eine frohe Botschaft zu sein und werde zu sterilen Worten. Die Lehre sei kein geschlossenes System, unfähig Fragen, Zweifel und Anfragen hervorzubringen.

Caritas: Solidarität in Österreich jetzt in ganz Europa gefragt

Die Solidarität, die zuletzt in Österreich bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms deutlich wurde, ist „jetzt in ganz Europa gefragt“. Das betonte Caritas-Präsident Michael Landau in einer Zwischenbilanz der bisher von der Caritas geleisteten Flüchtlingsnothilfe.

Caritas-Präsident Michael Landau.

Caritas-Präsident Michael Landau.

Nicht nur hierzulande, auch viele Menschen in der EU handelten nach dem Prinzip der Solidarität; „ihre gewählten Vertreter konnten sich bislang jedoch nicht einmal auf verpflichtende Verteilungsquoten einigen“, so Landau.
Vom Gipfel der Staats- und Regierungschefs nächste Woche erwarte er, „dass die politisch Verantwortlichen die gegenwärtige Situation der Flüchtlinge mindestens genauso ernst nehmen wie die Rettung Griechenlands“.

Banken höher als Menschenleben
Während der Bankenkrise hätten die EU-Spitzen „praktisch in Permanenz getagt“, nun, da es um Menschenleben geht, „scheint man es nicht ganz so eilig zu haben“, ärgerte sich der Caritas-Chef. Alle Mitgliedstaaten seien jetzt zum Einsatz für ein menschliches Europa aufgerufen. „Die vergangenen Tage haben gezeigt: Wer vor Bomben und Terror flieht, lässt sich von Stacheldraht nicht aufhalten“, wies Landau hin.
„Ein eingezäuntes Europa schützt nicht vor schutzsuchenden Menschen, sondern trennt Bürger von Mitmenschlichkeit und Solidarität.“
Die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher in der akuten Notsituation nannte Landau „überwältigend“. Mehr als 800 engagierte Freiwillige der Caritas hätten in den vergangen zwei Wochen mit der tatkräftigen Unterstützung tausender Helferinnen und Helfer „Großartiges geleistet“: Auf Bahnhöfen und Grenzübergängen wurden täglich bis zu 10.000 Frauen, Männer und Kinder willkommen geheißen und versorgt“, zog der Caritas-Präsident eine beeindruckende Zwischenbilanz.

Nicht Flüchtlings-, sondern Solidaritätskrise
„Europa hat keine Flüchtlingskrise, sondern eine Solidaritätskrise“, hielt der Caritas-Präsident erneut fest. Deutschland und Österreich hätten der EU „eine Atempause gewährt“, es brauche aber eine europäische Antwort auf die Flüchtlingsbewegungen, die aber bewältigbar sei. Problematisch seien die unterschiedlichen Belastungen der Mitgliedstaaten, führte Landau weiter aus. Es dürfe nicht sein, dass so wie jetzt in 10 von 28 Ländern 92 Prozent aller Asylverfahren in der EU durchgeführt werden.

Südafrika feiert erste Seligsprechung Märtyrer, weil er „Hexen“ beschützte

Südafrika hat am 13. September die Seligsprechung seines ersten katholischen Märtyrers gefeiert.

Tshimangadzo Samuele Benedetto Daswa Bakali (1946-1990) hatte sich gegen den Hexenglauben in der unterentwickelten Provinz Limpopo gestellt, dem dort zahlreiche Frauen zum Opfer fielen; daraufhin wurde er von einer Menschenmenge erschlagen. Die Bischöfe des Landes hatten sich intensiv für die Seligsprechung Daswas eingesetzt. Im Januar erkannte Papst Franziskus ihn als Märtyrer an. Die Seligsprechung in der Kleinstadt Thohoyandou nahe der Grenze zu Simbabwe erfolgte durch Kurienkardinal Angelo Amato.

Tshimangadzo Samuele Benedetto Daswa Bakali.

Tshimangadzo Samuele Benedetto Daswa Bakali.

Staatspräsident Jacob Zuma sprach von einem „wichtigen Moment für Südafrika“. Daswa sei gestorben, weil er an die Menschenrechte und die Menschenwürde geglaubt und sich offen gegen die Verfolgung von vermeintlichen Hexen ausgesprochen habe, die vor allem ältere Frauen traf.
Daswa wurde in die Ethnie der Lemba geboren. Da diese sich als einen der verlorenen Stämme Israels betrachten, wuchs er als Jude auf, ehe er im Alter von 17 zum Katholizismus übertrat. Als Schulleiter setzte er sich für die Bevölkerung ein, baute eine Schule und eine Kirche. 1990 steckte ein Gewitter mehrere Hütten in Brand, wofür die Bewohner „Hexen“ verantwortlich machten. Daswa weigerte sich als einziger, die Hetzjagd zu unterstützen. Er wurde gesteinigt und mit kochendem Wasser übergossen.
Nur etwa sechs Prozent der rund 53 Millionen Südafrikaner sind katholisch. Dennoch wurde die Ehrung aus dem Vatikan landesweit und konfessionsübergreifend mit Freude aufgenommen. Der staatliche Sender SABC übertrug die Feier live.