Inhalt der gedruckten Ausgabe 38/2015

Leitartikel

Mariä Geburt und Mariä Empfängnis

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Information

Papst veröffentlicht Erlass zur Eheannullierungs-Vereinfachung
Kurie tobt: „Jetzt hat Franziskus seine Maske fallen gelassen“

Papst Franziskus hat am 8. September einen 9-seitigen Erlass veröffentlicht, mit dem Eheannullierungs-Verfahren erheblich vereinfacht werden. Er trägt den Titel: „Mitis Judex Dominus Jesus“ („Der gütige Richter Jesus“).

Jeder zweite US-Katholik verlässt seine Kirche

Etwa jeder zweite in einem katholischen Haushalt aufgewachsene US-Bürger kehrt der Kirche im Laufe seines Lebens den Rücken. Davon wiederum kehren elf Prozent laut einer Anfang September publizierten Erhebung des „Pew Research Centers“ (PRC) wieder zurück. Den Daten zufolge ist der Anteil praktizierender Katholiken an der Gesamtbevölkerung rückläufig.

Weltweite Petition gegen Pfarrschließungen

Anlässlich der Reise von Papst Franziskus durch die USA hat „FutureChurch“ – in Zusammenarbeit mit dem internationalen Netzwerk von Pfarrer-Initiativen – eine Online-Petition  gegen Pfarrschließungen erstellt.

Vatikanurteil: Bischof Tebartz muss nicht Schadenersatz zahlen

Der zurückgetretene Lim­burger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keinen Schadenersatz an seine frühere Diözese zahlen.

Chinas Katholiken bitten um Gnade für Untergrundbischof

Chinesische Katholiken haben die Kommunistische Partei Chinas um Gnade für Untergrundbischof Su Zhi­min gebeten.

Papst empfing Pariser „Rockerpriester“ Guy Gilbert

Guy Gilbert (Foto) , Pariser „Roc­ker­priester“ und Sozialarbeiter, ist zu seinem 80. Geburtstag  von Papst Fran­ziskus begrüßt worden. Die kurze Begegnung fand am Freitagmorgen im Vatikan statt.

St. Pöltner Bischof Küng 75

Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng begeht am 17. September seinen 75. Geburtstag.

Kanzlerin Angela Merkel appelliert an deutsche Christen:
„Bitteschön mal wieder in den Gottesdienst gehen“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Christen in Europa dazu ermutigt, ihren eigenen Glauben zu bekennen und öfter einen Gottesdienst zu besuchen statt Angst vor gläubigen Muslimen zu haben.

Bischof Gaillot fühlt sich rehabilitiert

Der Mitte der 1990er Jahre amtsenthobene Bischof Jacques Gaillot fühlt sich nach seiner Audienz bei Papst Franziskus rehabilitiert: „Es hat sich nach 20 Jahren eine Wunde geschlossen“.

Kirchliche Sexuallehre basiert auf Denken des Mittelalters

Vor der Weltbischofssynode hat der emeritierte Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt von der katholischen Kirche ein Umdenken in ihrer Sexuallehre gefordert.

Papst: „Jede Pfarre soll eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“

Während die EU-Staaten weiter um Länderquoten für die Aufnahme von Flüchtlingen streiten, hat Papst Franziskus beim Mittagsgebet am 6. September einen eigenen Schlüssel für ihre Verteilung ins Spiel gebracht: „Jede Pfarre, jede Gemeinschaft, jedes Kloster und jeder Wallfahrtsort möge eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“. Mit dieser Aufforderung nach dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz sorgte er am Sonntag für Aufsehen.

Ungarn: Benediktinerabtei Pannonhalma nimmt Flüchtlinge auf

Die ungarische Benediktinerabtei Pannonhalma setzt sich über staatliche Verbote und Drohgebärden hinweg und nimmt Flüchtlinge auf.

Türkischer Außenminister gegen „christliche Festung Europa“

Der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu hat einen „lächerlich geringen Anteil“ der EU-Mitgliedstaaten an der Flüchtlingshilfe kritisiert.

Flüchtlingshilfe: „Österreich Vorbild für EU“

Der Wiener Westbahnhof, der am ersten Wochenende im September  erst­mals zum zentralen Umschlagplatz für Flüchtlinge aus Ungarn geworden ist, wurde zugleich zu einem „Ort der Menschlichkeit“ und damit zu einem „Vorbild für ganz Eu­ropa“, lobte Caritas Wien-Geschäftsführer Klaus Schwertner.

IS senkt Lösegeld für Christen

In die Verhandlungen um 230 syrische Christen in der Hand des „Islamischen Staats“ (IS) ist offenbar Bewegung gekommen.

Pater Srholec bereitet sich auf den Tod vor
Sein Sozialwerk unter neuer Leitung

Der Kardinal-König-Preisträger Pater Anton Srholec hat auf eigenen Wunsch das Krankenhaus verlassen. Er wolle jetzt „zu Hause sterben“, erklärte er laut slowakischen Medien.

Keine Entschädigung für Kloster Tabgha, weiterhin Schulstreit in Israel

Entgegen einer früheren Zusage wird das deutsche Kloster Tabgha am See Genezareth offenbar nicht vom israelischen Staat entschädigt. Ein entsprechender Antrag der Benediktiner wurde laut einem Bericht der Zeitung „Times of Israel“ (Donnerstag) abgelehnt.

Griechen trauern um ihren „Retter der Flüchtlinge“

Viele Griechen trauern um den „Retter der Flüchtlinge“ auf der Insel Lesbos, den orthodoxen Priester „Papa Stratis“, der mit 57 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist.

Nach EU ehrt auch Spanien den Orden der Barmherzigen Brüder

Der Orden der Barmherzigen Brüder erhält mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis für Völkerverständigung eine bedeutende spanische Auszeichnung. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr im Herbst im spanischen Oviedo verliehen.

Vatikan-Flagge vor UN-Sitzen

Die Flaggen Palästinas und des Heiligen Stuhles werden in Zukunft vor den UN-Sitzen in New York, Genf und Wien gehisst.

Sonderbriefmarken zum 200. Geburtstag Don Boscos

Im Rahmen eines Festgottesdienstes der Wiener Pfarre Unter St. Veit wurde die neue Don Bosco-Sondermarke der Post präsentiert wird.

Leitartikel

Mariä Geburt und Mariä Empfängnis

„Das gewählte Vorgehen widerspricht der viel beschworenen Synodalität und der offenen Diskussion.“ Das ist der Kernsatz eines an der römischen Kurie zirkulierenden antipäpstlichen Dossiers, verfasst nach der überraschenden Vereinfachung von Eheannullierungen durch Franziskus. Dieser habe die Bischofskonferenzen und die „zuständigen Gremien“ (damit meinen die Kritiker sich selbst) übergangen und weise grobe Fehler auf.
Der Papst begründet seinen kurz vor der Familiensynode veröffentlichten Entscheid damit, dass „Nächstenliebe und Barmherzigkeit verlangen, dass die Kirche als Mutter auf die Kinder zugeht, die sich getrennt wähnen.“
Der Papst legt damit auch eine Latte für die kommende Bischofssynode. Er erwähnt die Voten der „Mehrheit meiner Mitbrüder im Bischofsamt“, die gleichfalls „in diese Richtung“ gingen. Gleichzeitig betont er die Bedeutung der Ortsbischöfe.
Im Klartext: Es muss nicht für alles einmütige Beschlüsse geben. Und: Die Bischöfe sollen ihre Eigenverantwortung wahrnehmen.
Besonders bitter für Ultrakonservative ist, dass der Papst sich des höchsten himmlischen Beistands sicher zu wähnen glaubt.
Er hat sein Dekret am Fest Mariä Geburt veröffentlicht, in Kraft treten soll es am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Zeichen des Vertrauens in die arme Frau von Nazareth – und natürlich ihren Sohn.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Weish 2, 1a.12.17-20

Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen

Die Frevler tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.

Zweite Lesung:   Jak 3, 16 – 4, 3

Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut

Schwestern und Brüder!
Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut.
Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden.

Evangelium:   Mk 9, 30-37

Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert
Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein

In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.
Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

 

Gedanken zum Sonntag

Simmerstaetter Josef Georg-72

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Herrschen und Dienen

Es ist nicht mehr neu, dass manche Aussagen der Heiligen Schrift nicht wortwörtlich genommen werden können und dass sogar manche gar nicht von Jesus genau so gesagt worden sind, wie sie da stehen. Aber es ist auch nicht neu, dass es Aussagen gibt, die zweifelsfrei ein ernstes Anliegen Jesu zum Ausdruck bringen.
Dass es Jesus total gegen den Strich ging, wenn seine Jünger untereinander stritten, wer von ihnen denn der Größte im Reich Jesu sein werde, ist offensichtlich. Erstens zeigt das, dass die Jünger vom Reich Gottes eine vollkommen falsche Vorstellung hatten und zweitens konnte er es nicht leiden, wenn jemand so überheblich war und meinte, der Größte von allen sein zu dürfen.
Im heutigen Evangelium stellt er seinen Freunden ein Kind vor Augen, das solche Avancen nicht kennt. Schlichtheit des Herzens, würde ich das nennen. „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Wie ernst ihm mit dieser paradoxen Aussage war, muss ihnen wohl bei der Fußwaschung klar geworden sein und da waren sie ja auch wirklich tief betroffen, das zeigt die anfängliche Weigerung des Petrus. Ja, tief betroffen aber leider nicht nachhaltig. Wenn wir heute die „rechtmäßigen Nachfolger der Apostel“ und auch sonstiges Führungspersonal unserer Kirche anschauen, dann ist die Frage, was von dieser Betroffenheit geblieben ist, leicht zu beantworten: NIX – rein GAR NIX; mit rühmlichen Ausnahmen allerdings, zu denen ich den „Bischof von Rom“ rechne, auf den ich die Hoffnung für unsere Kirche setze.
Ist es zu viel verlangt, wenn ich empfehle, Mt 23, 8 – 12 und Mk 10, 42 – 45 aufzuschlagen? Liebe Schwester, lieber Bruder, nimm wieder einmal die Hl. Schrift in die Hand! – Danke!

 

Information

Papst veröffentlicht Erlass zur Eheannullierungs-Vereinfachung
Kurie tobt: „Jetzt hat Franziskus seine Maske fallen gelassen“

Papst Franziskus hat am 8. September einen 9-seitigen Erlass veröffentlicht, mit dem Eheannullierungs-Verfahren erheblich vereinfacht werden. Er trägt den Titel: „Mitis Judex Dominus Jesus“ („Der gütige Richter Jesus“).

Papst Franziskus

Papst Franzsikus.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Wenige Stunden später warnte Kardinal Raymond Burke bei einem Vortrag in der Franziskaner-Universität Steubenville in Ohio (USA) vor einem „teuflischen Angriff“ auf die Ehe durch die Gesellschaft und bestimmte katholische Kreise.
In Rom sind viele Monsignori, die nominell an den Schaltstellen der Weltkirche sitzen,  außer sich, schreibt „Christ&Welt“. Franziskus habe „seine Maske fallen gelassen“, sagt ein hoher Geistlicher.
In der Kurie – darunter in der Glaubenskongregation und im Staatssekretariat – zirkuliert ein Dossier, das „Christ&Welt“ in der „Zeit“ vorliegt. Es listet die vermeintlichen Sünden des Papstes systematisch auf und zerpflückt das Gesetz zur Erleichterung der Ehenichtigkeits-Prozesse juristisch in seine Einzelteile.

Vorwurf: „Papst führt katholische Scheidung ein“
Die Hauptvorwürfe lauten, der Papst habe die bei einer für die Kirche derart essentiellen Materie zuständigen Gremien umgangen und de facto die „katholische Scheidung“ eingeführt. Von einer „bedenklichen Entwicklung“ ist in dem mehrseitigen Schreiben die Rede, das geregelte Verfahren der Gesetzgebung in der Universalkirche sei „ausgehebelt“ worden. Die meisten Sicherungen im Eheprozess seien wissentlich „ausgeschaltet“ worden.
„Keiner der vorgesehenen Schritte eines Gesetzgebungsverfahrens wurde eingehalten“, lautet es in dem Text. Weder seien die Bischofskonferenzen, die zuständigen Kongregationen und Räte noch die Apostolische Signatur einbezogen worden. „Schon formal liegen gravierende Mängel vor.“ Hingewiesen wird auch darauf, dass es auf der vergangenen Bischofssynode „keine einhellige Zustimmung“ zu dem nun vom Papst beschlossenen Modus bei Ehenichtigkeitsverfahren gab. „Das gewählte Vorgehen widerspricht der viel beschworenen Synodalität und der offenen Diskussion.“

Prozessdauer maximal ein Jahr
Nach dem päpstlichen Erlass, der am 8. Dezember in Kraft tritt, soll das Urteil in sogenannten Ehenichtigkeitsprozessen unter bestimmten Bedingungen bereits binnen einiger Wochen durch den Ortsbischof gefällt werden können. Außerdem muss das erstinstanzliche Urteil künftig nicht mehr von einer zweiten Instanz bestätigt werden. Bislang mussten solche Entscheidungen von einem Gremium aus drei Kirchenrichtern getroffen werden und wurde erst rechtskräftig, wenn ein zweites Kirchengericht zu derselben Auffassung kam. In manchen Ländern konnte sich ein solches Verfahren über Jahre hinziehen.
Die Maximaldauer eines Ehenichtigkeitsprozesses beträgt nun ein Jahr. In einem Ehenichtigkeitsprozess geht es um die amtliche Feststellung, ob eine Ehe je bestanden hat. Es handelt sich nicht um eine „katholische Scheidung“, also die Auflösung einer bestehenden Ehe.
Am 8. September veröffentlichte der Papst auch ein separates Ostkirchen-Motu Proprio zum Procedere der Eheannullierungen, in dem die Rolle der ortskirchlichen bischöflichen Synoden betont wird.

USA führt Statistik an
Nach jüngsten vatikanischen Angaben wurden 2013 weltweit rund 47.150 Ehen für nichtig erklärt – bei insgesamt 71.800 abgeschlossenen Verfahren. Davon entfielen mit 24.600 mehr als die Hälfte der annullierten Ehen auf die USA. In Deutschland waren es in diesem Zeitraum 740.
Gut ein Viertel (26 Prozent) aller geschiedenen US-Katholiken strebt eine kirchliche Nichtigkeitserklärung der früheren Ehe an.

 

Kanzlerin Angela Merkel appelliert an deutsche Christen:
„Bitteschön mal wieder in den Gottesdienst gehen“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Christen in Europa dazu ermutigt, ihren eigenen Glauben zu bekennen und öfter einen Gottesdienst zu besuchen statt Angst vor gläubigen Muslimen zu haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen, sagte Merkel bei einer Veranstaltung an der Universität Bern: „Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind.“
Gefallen sind die Aussagen bereits am 3. September an der Schweizer Universität, wo Merkel mit einem Ehrendoktorat ausgezeichnet wurde. Das Schweizer Fernsehen stellte jetzt Ausschnitte der Veranstaltung ins Internet, die sich seit einigen Tagen über die Sozialen Netzwerke rasch verbreiten.
Sie werfe es niemandem vor, wenn er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, betonte Merkel und plädierte gleichzeitig dafür, sich mit der eigenen christlichen Kultur auseinanderzusetzen: „Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind; haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dia-log eintreten; haben wir dann aber bitteschön auch die Tradition, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch ein Bild in der Kirche noch erklären zu können.“
Viele Menschen wüssten nicht mehr über christliche Feiertage Bescheid, ergänzte  Merkel, die selbst Tochter eines evangelischen Pastors ist. „Wenn sie Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch.“
Die Debatte um Flüchtlinge, von denen viele aus islamisch geprägten Staaten kommen, könne auch dazu führen, „dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und ein bisschen mehr Kenntnis darüber haben“.

Papst: „Jede Pfarre soll eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“

Während die EU-Staaten weiter um Länderquoten für die Aufnahme von Flüchtlingen streiten, hat Papst Franziskus beim Mittagsgebet am 6. September einen eigenen Schlüssel für ihre Verteilung ins Spiel gebracht: „Jede Pfarre, jede Gemeinschaft, jedes Kloster und jeder Wallfahrtsort möge eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“. Mit dieser Aufforderung nach dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz sorgte er am Sonntag für Aufsehen.

Denn: würden auch nur alle katholischen Gemeinden in Europa dem päpstlichen Aufruf Folge leisten, hätten bald 600.000 Flüchtlinge eine vorübergehende Bleibe. Diese Zahl ergibt sich jedenfalls dann, wenn man für jede der europaweit 142.600 Pfarreien und weiteren Seel-sorgeeinheiten die Unterbringung einer mindestens vierköpfigen Familie annimmt.  Der Papst kündigte auch an, dass die beiden vatikanischen Pfarren San Pietro und Sant’ Anna jeweils eine Familie aufnehmen wollen.
Allein für Italien, wo mit Abstand die meisten Flüchtlinge ankommen, würde dies die Aufnahme von mehr als 100.000 Flüchtlingen in kirchlichen Einrichtungen bedeuten. Bislang ist man davon jedoch noch weit entfernt. Insgesamt haben zwischen Verona und Palermo derzeit 15.000 Flüchtlinge eine Bleibe in Pfarren, Klöstern oder anderen kirchlichen Einrichtungen gefunden.

Kirchliche Reaktionen
In der katholischen Kirche in Deutschland ist der Papst-Apell auf große Resonanz gestoßen.
Die Reaktion des Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, fiel verhalten aus. In einem Interview mit „La Repubblica“ verwies er darauf, dass kirchliche Armenküchen schon jetzt jährlich sechs Millionen Essen an Bedürftige ausgäben.

Kardinal Peter Erdö.

Kardinal Peter Erdö.

Der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Kardinal Peter Erdö, kündigte zeitgleich und demgegenüber der italienischen katholischen Presseagentur SIR an, die Kirche werde jetzt dem Aufruf des Papstes nachkommen. Sie werde Pfarren und weitere Einrichtungen für Flücht-linge öffnen.

Griechen trauern um ihren „Retter der Flüchtlinge“

Viele Griechen trauern um den „Retter der Flüchtlinge“ auf der Insel Lesbos, den orthodoxen Priester „Papa Stratis“, der mit 57 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist.

„Papa Stratis“, Efstratios Dimou.

„Papa Stratis“, Efstratios Dimou.

„Papa Stratis“, mit bürgerlichem Namen Efstratios Dimou, hatte zusammen mit jungen Leuten die NGO „Agalia“ (Umarmung) gegründet, als 2009 die ersten Flüchtlingsboote von der kleinasiatischen Küste auf der Insel eintrafen. Die Freiwilligen von „Agalia“ versorgen seither Flüchtlinge mit Wasser, Nahrungsmitteln, Kleidung und verschaffen ihnen Schlafplätze.
Obwohl der Priester an chronischen Atemproblemen litt und ständig eine Sauerstoff-Flasche bei sich haben musste, war er weiterhin unermüdlich für die Flüchtlinge tätig. In einem Interview sagte er: „Diese Menschen sind keine ‚Migranten‘, sie haben sich nicht freiwillig entschieden, nach Europa zu kommen. Sie sind Opfer des Krieges, sie fliehen vor den Geschossen. Sie suchen Leben, Hoffnung, die Chance, einen neuen Tag zu erleben“.
„Papa Stratis“, der Pfarrer des Dörfchens Kalloni, sah in den Flüchtlingen laut der Stiftung „Pro Oriente“ das „Abbild Gottes“ und habe nie die Frage gestellt, ob seine Schützlinge Christen seien: „Ich sehe nur Menschen, Menschen in Not. Ich kann sie nicht wegschicken, ihnen einen Fußtritt geben oder sie einsperren. Man kann sie nicht dorthin zurückschicken, wo sie hergekommen sind, und schon gar nicht ins Meer werfen.“
Bereits Tage nach seinem Tod wurde der griechische Flüchtlingshilfe-Pionier von einem Künstler seines Landes ver-ewigt: Er wurde dargestellt auf einem Wandbild mit dem dreijährigen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi im Arm, der  tot am Strand nahe dem türkischen Bodrum aufgefunden wurde.