Inhalt der gedruckten Ausgabe 37/2016

Leitartikel

Wie „Mutter Kirche“ sein soll

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Veronika Kobli
Kindergartenpädagogin
Mautern, NÖ

Information

Zwei mit Lehrverbot bestrafte Ordensfrauen erhalten den Herbert-Haag-Preis 2017

Den Herbert-Haag-Preis 2017 erhalten die Pastoraltheologin Jadranka Rebeka Anic aus Kroatien und die Bibelwissenschaftlerin und Psychologin Mercedes Navarro Puerto aus Spanien; beide sind Ordensfrauen, beide engagieren sich in der Frauenforschung und beide haben auf Druck der Hierarchie die universitäre bzw. theologische Lehrerlaubnis verloren.

Mutter Teresas Nachfolgerin: „Lächeln war ihr Geschenk“

Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) ist am 4. September heiliggesprochen worden. Die Generaloberin ihres Ordens, Mary Prema Pierick, eine gebürtige Deutsche, sagte, die Ordensgründerin sei für sie weiterhin präsent.

Friedensgebet  in Assisi

Lange war es fraglich, ob der Papst am Friedenstreffen der Religionen in Assisi teilnimmt. Jetzt ist es sicher, und sein Programm ist äußerst dicht.

Kolumbien: Papst lehnt Beteiligung am weiteren Friedensprozess ab

Nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung Kolumbiens und der Rebellengruppe FARC ist man an den Papst und den UN-Generalsekretär mit der Bitte um weitere Mitwirkung herangetreten.

ACP baut zielstrebig aus

Die Bewegung der irischen Reform-Priester (ACP) baut zielstrebig aus.

Kirche wird Fahrradmuseum

Eine Kirche in Flandern soll zur „Fahrradkirche“ umfunktioniert werden: Neben Ausstellungen zum Fahrrad sollen auch Picknickbänke und Ladestellen für E-Bikes aufgestellt werden, berichtet die belgische Zeitung „Het Nieuwsblad“.

Facebook-Gründer bewundert Papst

Mark Zuckerberg (32), Facebook-Gründer, hat am 30. August gemeinsam mit seiner Frau Priscilla Papst Franziskus besucht.

Priestermangel: Deutsche Katholiken fordern neue Wege
XXL-Pfarren und Import-Priester sind „keine Lösung“

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert von der Kirchenführung Konsequenzen aus dem dramatischen Rückgang der Zahl der Priesterweihen in Deutschland.

Zulehner: Zukunft der Seelsorge ist Spiritualität und Solidarität

Die Zukunft der Seelsorge wird in einem Mix aus Spiritualität und Solidarität bestehen: das hat der Wiener Religionssoziologe Paul M. Zulehner bei den heurigen „Kardinal König-Gesprächen“ in Rabenstein/Pielach betont.

Ägyptens Parlament verabschiedet ein neues Kirchenbaugesetz

Das ägyptische Parlament hat am 31. August  das neue Gesetz über den Kirchenbau verabschiedet, das in christlichen Kreisen nach wie vor umstritten ist.

Papst gründet neues Ministerium für Soziales und Menschenrechte

Papst Franziskus hat eine neue Kurienbehörde für soziale und menschenrechtliche Fragen geschaffen. Ihre Aufgabe soll sein, „die ganzheitliche Entwicklung des Menschen im Licht des Evangeliums zu fördern“, wie es in dem am 31. August veröffentlichten Erlass (Motu proprio) „Humanam progressionem“ heißt.

Papst und Kretschmann sprachen über Umweltschutz und Flüchtlinge

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat mit Papst Franziskus über Umweltschutz und Flüchtlinge gesprochen.

Moskau: Opposition gegen patriarchatsnahe russische Ministerin

Die Ernennung der neuen patriarchatsnahen Bildungsministerin Olga Wasiljewa hat in Russland Diskussionen ausgelöst. Wie die Stiftung „Pro Oriente“ berichtete, steht Wasiljewa für die enge Verbindung von Staat und Orthodoxie im Russland Wladimir Putins; ihre Ernennung wurde vom Moskauer Patriarchat begrüßt.

Limburgs neuer Bischof will nicht in umstrittener Residenz wohnen

Der künftige Limburger Bischof Georg Bätzing will nicht im Bischofshaus wohnen, aber dort arbeiten. Die Bischofsresidenz hatte weit über Deutschland hinaus für Schlagzeilen gesorgt.

Alexandria: Hany Maurice und seine 30 Kinder

„Eigentlich habe ich ja nur vier eigene Kinder, aber an manchen Tagen sind es auch 15, 20 oder sogar 30“, schmunzelt Hany Maurice. Seit gut 20 Jahren kümmert sich der stets freundliche Hany um Straßenkinder in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria.

NÖ-Kindersommerspiele: Weiße Feder für Papst Franziskus

Die 45. Niederösterreichischen Kindersommerspiele (NÖKISS) fanden heuer von 26. bis 28. August sowie von 2. bis 4. September im Augustiner-Chorherren-Stift Herzogenburg statt. Mehr als 15.000 kleine und große Besucher nahmen daran teil.

Leitartikel

Wie „Mutter Kirche“ sein soll

Am Sonntag hat Papst Franziskus Mutter Teresa offiziell als katholische Heilige proklamiert. 120 TV-Stationen übertrugen live. Die Vereinten Nationen widmeten ihr aus diesem Anlass eine Ausstellung im UN-Hauptquartier in New York.
Wie Franz von Assisi wird Mutter Teresa weit über die katholische Kirche hinaus verehrt. Doch sie hat auch absonderliche Kritiker. Nach dem Empfang des Friedensnobelpreises 1979 habe sie Abermillionen an Spenden erhalten, die sie nicht nur direkt den Armen, sondern auch der Ausbreitung ihres Ordens  „Missionarinnen der Nächstenliebe“ zukommen ließ. Die Gründerin brauchte Helferinnen und hat heute etwa 5.000. Wie Teresa gehen sie an den Rand der Gesellschaft. In 130 Ländern sind sie da für Sterbende, Lepra- und Aidskranke, Obdachlose und Straßenkinder. Jüngst wurden im Jemen vier Schwestern ermordet. Es gibt nicht zu viele, sondern viel zu wenige Menschen, die wie Teresa und die Ihren leben.
Und jene, die den Vorwurf mangelnder Hygiene in Sterbehäusern erhoben, sollten nachforschen, wer vor Mutter Teresa sich so wie sie um die Allerärmsten gekümmert hat. Sollten nachdenken, warum sie sich selbst nicht so intensiv den Bedürftigsten widmen.
Für den „Papst der Armen“ ist Mutter Teresas Heiligsprechung nicht nur emotionaler Höhepunkt seines Lebens. Auch ein Signal, wie er die ganze „Mutter Kirche“ wahrgenommen haben will: Nicht als drohende Hexe, sondern als barmherzige Mutter.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ex 32, 7-11.13-14

Der Herr ließ sich das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht

In jenen Tagen sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es für immer besitzen. Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

 

Zweite Lesung:   1 Tim 1, 12-17

Christus Jesus ist gekommen, um die Sünder zu retten

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergroß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte. Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste. Aber ich habe Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen. Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.

 

Evangelium:   Lk 15, 1-10

Im Himmel herrscht Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

 

Gedanken zum Sonntag

Veronika Kobli
Kindergartenpädagogin
Mautern, NÖ

Keine Berührungsängste!

Kein Evangelium passt so gut in die Zeit, wie dieses. Es wird einem oft negativ angekreidet, wenn man sich mit der sogenannten „unteren Menschenschicht“ abgibt. Man vergisst die Worte: „Vor Gott sind alle gleich!“ Ein Alkoholiker leistet Großes, wenn er die Entziehungskur schafft, ein Kind, das Lernprobleme hat, freut sich sehr über den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse. Welch dumme Einführung, wenn in manchen Zeitungen nur die Kinder abgebildet sind, die nur ´Sehr Gut´ haben. In manchen Einkaufszentren dürfen sich nur die Besten ein Geschenk abholen. Wie Jesus könnte der Lehrer sagen: „Freut euch mit mir, mein Schüler hat den Aufstieg in die nächste Klasse geschafft.“ Geschiedene werden noch immer ein wenig schief angesehen. Alleinstehende Mütter und Väter sind täglichem Mehrstress ausgesetzt und glücklich, wenn sie es so halbwegs schaffen. Die sogenannten glücklichen Eltern sollten über Geschiedene nicht negativ urteilen. Darum sollten auch Wiederverheiratete  das Recht haben, die Kommunion zu empfangen. Egal, was so manch anderer „Christ“ darüber denkt. Ich glaube, dass gerade solche Menschen noch mehr Kraft brauchen, als jene, denen alles in die Wiege gelegt wurde. Diese Menschen sind vor Gott keine Sünder, er wird seinen Segen dazu geben, dass es in der nächsten Beziehung besser werden kann. Eine Mutter mit Kindern hat Stress pünktlich der Sonntagsmesse beizuwohnen. Eine Kritik an solchen Menschen ist hier völlig unangebracht. Es wird andere Wege geben, den Kindern, vor allem durch Liebe, Gott zu vermitteln. Zusammengefasst sehe ich das so: Jeder Mensch ist innerlich mit Gott verbunden, auch wenn er nicht in die Kirche geht, auch wenn er nie über Gott spricht. Jeder hat einen anderen Zugang zu Gott. Akzeptieren wir das. Toleranz ist angesagt! Man weiß nie genau, warum manche Menschen in schwere Krisen hinein geraten, mit christlicher Hilfe können wir den Mitmenschen beistehen, und sagen: „Wir freuen uns – dieser Mensch „lebt“ wieder!“ Seien wir hellhörig, es gibt viel für uns zu tun – nehmen wir den anderen an so wie er ist – haben wir keine Berührungsängste, und mit etwas Liebe wird uns das gelingen.

 

Information

Zwei mit Lehrverbot bestrafte Ordensfrauen erhalten den Herbert-Haag-Preis 2017

Den Herbert-Haag-Preis 2017 erhalten die Pastoraltheologin Jadranka Rebeka Anic aus Kroatien und die Bibelwissenschaftlerin und Psychologin Mercedes Navarro Puerto aus Spanien; beide sind Ordensfrauen, beide engagieren sich in der Frauenforschung und beide haben auf Druck der Hierarchie die universitäre bzw. theologische Lehrerlaubnis verloren.

Preise erhalten zudem zwei kirchliche Basisbewegungen, die sich in der Kirche für die gleichen Rechte von Frau und Mann bzw. für ein volles Mitspracherecht von Frauen bei allen Entscheidungen von Männern stark machen: die „Basler Gleichstellungsinitiative“ und die Pilgerinitiative «Für eine Kirche mit den Frauen».
Die Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche findet am 19. März 2017  in Luzern statt.Die vier Preisträgerinnen und Preisträger sind ein „Zeichen der Zeit“, betont die Herbert  Haag-Stiftung.

Sr. Anic promovierte in Wien
Die kroatische Ordensfrau Dr. Jadranka Rebeka Anic wurde 2001 von der Theologischen Fakultät der Universität Wien mit einer Arbeit über die Frauen in der Kirche Kroatiens im 20. Jahrhundert promoviert.

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Sr. Dr. Jadranka Rebeka Anic.

Sie war dann Vizedirektorin des Franziskanischen Instituts für Friedenskultur in Split, leitete Seminare über Menschenrechte der Frauen aus jüdischer, christlicher und islamischer Perspektive und Projekte über Gewalt an Frauen in der Familie und über Geschlechtsidentitäten und Geschlechterrollen. Sie beschäftigte sich auch mit der Klärung der Begriffe Gender und „Genderideologie“ und deren Verwendung in der Kirche und in soziopolitischen Kontexten.
Damit geriet sie in Konflikt mit den zuständigen katholischen Bischöfen, die in den postkommunistischen Ländern mit einer Kampagne gegen den von ihnen so benannten „Genderismus“ eine offene Reflexion der genannten Fragen diskreditieren.
Jadranka Rebeka Anic wurde öffentlich angegriffen und als „Genderideologin” denunziert. Man rief sie als Ordensschwester zu Bescheidenheit und Gehorsam gegenüber der Hierarchie auf. Derzeit arbeitet sie als assoziierte Senior Researcher am Institut für Sozialwissenschaften Ivo Pilar – Regional Centrum Split; theologische Lehre ist ihr untersagt.

Sr. Puerto studierte am päpstlichen Bibelinstitut
Die spanische Ordensfrau Dr. Mercedes Navarro Puerto ist eine am päpstlichen Bibelinstitut und an der Gregoriana in Rom ausgebildete Theologin und Psychologin, lehrte an der Universität Salamanca Bibelwissenschaft und erreichte nationale und internationale Aufmerksamkeit mit ihren Büchern und Artikeln über Maria, Eva und andere Frauen der Bibel sowie über feministische Theologie und Exegese, über Gewalt und Sexismus.

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Sr. Dr. Mercedes Navarro Puerto.

Auf Betreiben reaktionärer spanischer Kreise wurde sie nach einem intransparenten Verfahren zuerst auf eine Professur für Religionspsychologie abgeschoben. Und obwohl ein von der Glaubenskongregation eingeleitetes Lehrentzugsverfahren beigelegt werden konnte, wurde sie schließlich völlig von der akademischen Lehre an kirchlichen Lehranstalten ausgeschlossen. Heute arbeitet sie als freischaffende Psychologin und ist in Spanien, Italien und Südamerika eine gesuchte Referentin.

Weg der Volksabstimmung
Die Basler Initiatoren der Kirchlichen Gleichstellungsinitiative haben den Weg des Rechts und der Politik beschritten, um die Anerkennung unbestreitbarer Menschenrechte in der katholischen Kirche voranzubringen.
In einem langen demokratischen Prozess und mit einem deutlichen Ja bei den Volksabstimmungen im September 2014 haben sie erreicht, dass in den Verfassungen der kantonalkirchlichen Körperschaften von Basel-Stadt und Basel-Landschaft die folgende bleibende Verpflichtung steht: Sie sollen den zuständigen kirchlichen Amtsträgern das Anliegen der gleichberechtigten Zulassung zum Priesteramt, unabhängig von Zivilstand und Geschlecht, unterbreiten.
Die Vertreter der nach staatlichem Religionsrecht organisierten kirchlichen Körperschaften haben denn auch am 1. Juli 2016 bei der vatikanischen Glaubenskongregation in Rom ein entsprechendes Schreiben deponiert.

Pilgern für Frauenrechte
Die Pilgerinitiative „Für eine Kirche mit den Frauen“ hat im Sommer 2016 öffentlichkeitswirksam eine zweimonatige Wallfahrt von St. Gallen nach Rom organisiert, wo weit über tausend Frauen und Männer an einzelnen oder mehreren Tagesetappen teilgenommen haben. Die Pilgerinitiative will die Entfremdung vieler Frauen von der Kirche überwinden und darauf hinwirken, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion nachdenken und über Belange der Kirche entscheiden.
Am 2. Juli 2016 feierten sie in der Peterskirche den Abschluss-Gottesdienst und übergaben dort dem St. Galler Bischof Markus Büchel einen entsprechenden Brief zuhanden des Papstes. Franziskus hat die Pilgerinnen nicht empfangen.

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Hauptinitiatorin der Pilgerinitiative,
Hildegard Aepli.

Mutter Teresas Nachfolgerin: „Lächeln war ihr Geschenk“

Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) ist am 4. September heiliggesprochen worden. Die Generaloberin ihres Ordens, Mary Prema Pierick, eine gebürtige Deutsche, sagte, die Ordensgründerin sei für sie weiterhin präsent.

mutter teresa
Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin
Mutter Teresa.

„Was Mutter zu Lebzeiten für uns getan hat, uns zu Jesus und zur Muttergottes zu führen, das tut sie jetzt auch.“
Seit ihrer ersten Begegnung 1980 habe Mutter Teresa sie durch ihre Energie und Führungsstärke beeindruckt, sagte Pierick, betonte aber zugleich: „Ihr Lächeln war ihr Geschenk an Jesus in die Welt. Die Menschen haben genug Leid, dem müssen wir nichts hinzufügen.“ Auch in Indien, wo Christen eine kleine Minderheit bilden, könne Mutter Teresa viel zu Verständigung und Liebe beitragen.
Der Postulator des Heiligsprechungsverfahrens, Brian Kolodiejchuk, nannte Mutter Teresa „die perfekte Heilige für das Jahr der Barmherzigkeit“. Die Ordensgründerin sei immer bereit gewesen, anderen Vergebung zu zeigen. Er zitierte ein Wort von Mutter Teresa: „Wir brauchen viel Liebe, um zu vergeben, und viel Demut, um zu vergessen.“ Solange eine Kränkung nicht vergessen sei, sei sie auch nicht vergeben.
Zu den Glaubenszweifeln Mutter Teresas, die erst lange nach ihrem Tod aus privaten Aufzeichnungen offenbar wurden, sagte Kolodiejchuk, die Ordensfrau habe mit der Zeit gelernt, ihre innere Dunkelheit zu lieben, weil sie „ein kleiner Teil der Dunkelheit Jesu“ sei. Dass sie diese Zweifel und Glaubensnöte nicht ausgespart habe, mache Mutter Teresa zu einer Heiligen für jeden.

Priestermangel: Deutsche Katholiken fordern neue Wege
XXL-Pfarren und Import-Priester sind „keine Lösung“

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert von der Kirchenführung Konsequenzen aus dem dramatischen Rückgang der Zahl der Priesterweihen in Deutschland.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg stellte in der „Augsburger Allgemeinen“ dabei auch den Pflichtzölibat für katholische Priester infrage: „Wenn es nicht mehr anders geht, dass wir personell in der Seelsorge ausbluten, und wenn es so ist, dass der Zölibat ein Hindernis darstellt, dann muss er, weil weniger wichtig, gelockert werden“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Landtagabgeordnete. „Wir haben jetzt schon sehr gute und engagierte Diakone – das sind verheiratete Männer. Warum in aller Welt sollen sie nicht zu Priestern geweiht werden?“, fügte Sternberg hinzu. „Das könnte schnell und zügig entschieden werden.“

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ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Sternberg verwies darauf, dass sich im vergangenen Jahr in ganz Deutschland nur 58 Männer zu katholischen Priestern weihen ließen. „Schon jetzt fehlen jüngere Pfarrer, um Pfarreien zu besetzen, zugleich haben die heutigen Priester einen sehr hohen Altersschnitt“, warnte er. „Die Situation wird sich künftig also in drastischer Weise verschärfen.“
Auch der scheidende Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, hat sich in die wieder aufgeflammte Diskussion über den Zölibat eingeschaltet. Er spricht sich für die Weihe bewährter verheirateter Männer aus.

Gegen Zusammenlegungen
Der Chef der katholischen Laienorganisationen kritisierte, dass die einzige Antwort der Kirche die Zusammenlegung von Pfarreien und der Einsatz ausländischer Priester sei. „Wenn unsere Kirche Bestand haben soll in Deutschland, dann geht das nicht über XXL-Pfarreien“, betonte Sternberg. Er habe rein gar nichts gegen den Einsatz ausländischer Pfarrer, „allerdings kann man nicht alle Pfarreien einfach mit Import-Priestern ausstatten, das ist auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.“

Für Diakoninnen
Zudem forderte Sternberg die Einführung des Diakonats der Frau. „Ich weiß nicht, warum das für einige ein offenbar wichtiger Streitpunkt ist“, betonte der ZdK-Präsident. „Wir müssen ohnehin eine ganz andere Präsenz von Frauen auch in den seelsorgerlichen Diensten anstreben.“ Pastoralreferentinnen müssten auch die sakramentalen Funktionen übernehmen können, die mit ihrer Seelsorgetätigkeit verbunden sind. „Ich denke da vor allem an die Krankensalbung.“

„Scheinbare Lösungen“
Die Reaktion der Hierarchie kam prompt. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sprach sich in einer Stellungnahme für den Zölibat aus. Er sollte „nicht in erster Linie aufgrund geringer Nachwuchszahlen über Bord geworfen werden“.
Verheiratete Priester und weibliche Diakone seien „scheinbar direkte Lösungen“ und auf Dauer nicht tragfähig.

Veränderungen nötig
Zur Zölibatsdebatte meldeten sich jüngst auch Protestanten zu Wort. Die kirchenpolitische Sprecherin der SPD, Kerstin Griese, schlug dabei gleich einen ganz großen Bogen und erklärte wörtlich: „Wer von den islamischen Moscheevereinen und Verbänden verlangt, sich intern nach den Prinzipien unseres Grundgesetzes zu organisieren, darf auch bei der katholischen Kirche Veränderungen einfordern.“
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist die Dachorganisation der rund 24 Millionen katholischen Laien und ihrer Verbände in Deutschland.

Alexandria: Hany Maurice und seine 30 Kinder

„Eigentlich habe ich ja nur vier eigene Kinder, aber an manchen Tagen sind es auch 15, 20 oder sogar 30“, schmunzelt Hany Maurice. Seit gut 20 Jahren kümmert sich der stets freundliche Hany um Straßenkinder in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria.

Dabei gibt es eigentlich nur wenig zu lachen, denn Straßenkinder stehen in der Rangordnung der ägyptischen Gesellschaft ganz unten. Sie betteln und stehlen, um satt zu werden.
„Die Menschen haben kein Bewusstsein für diese Kinder. Wenn es nach ihnen geht, dann sollte die Polizei einfach alle Kinder einsperren und das Problem wäre beseitigt“, ärgert sich der 53-jährige Hany. Er geht einen anderen Weg, versucht das Vertrauen der Kinder zu gewinnen und ihnen einen Weg zurück in die Gesellschaft zu weisen.

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Hany Maurice mit seinen Straßenkindern.
Foto: kathpress.

Kinder wenig beachtet
Um welch marginalisierte Randgruppe es sich bei den Straßenkindern handelt, verdeutlichen auch folgende Zahlen: Im 90-Millionen-Einwohner-Land Ägypten sind rund 45.000 NGOs registriert. Nicht einmal 20 davon sind in der einen oder anderen Form auch für Straßenkinder da.
Wie viele Straßenkinder es in Alexandria gibt? – Das weiß niemand, sagt Hany. Einige Tausend werden es sicher sein, genauere Daten sind nicht verfügbar. Die wenigsten Kinder sind tatsächlich Waisen, vielmehr handelt es sich um sogenannte „Sozialwaisen“, ausgerissen von zu Hause vor allem wegen der Gewalt in der Familie, oder weil die Armut so groß ist, dass die Familien nicht alle hungrigen Mäuler stopfen können. Viele Familien zerbrechen auch. Bei einer erneuten Heirat sind die Kinder dann im Weg und landen auf der Straße.

Schlafplatz Strand, Parkbank oder Pappkarton
„Die Kinder schlafen am Strand, in Abrisshäusern oder in abgestellten Zügen, auf Parkbänken oder am Gehsteig in großen Pappkartons, immer auf der Hut vor der Polizei“, erzählt Hany. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern hat er einen kleinen Bus in ein mobiles Hilfszentrum umgebaut. Im hinteren Teil gibt es eine kleine medizinische Station, wo kleine Verletzungen oder leichte Krankheiten behandelt werden können. Im vorderen Teil hat Hany einen Aufenthaltsraum eingerichtet, wo die Kinder spielen oder sich einfach ausruhen können. Und es gibt auch eine Kleinigkeit zu Essen. Mit diesem Bus ist Hany täglich in Alexandria unterwegs. Er spricht schon von einem Erfolg, wenn es ihm gelingt, einige Kinder mitzunehmen in seine Notschlafstelle, die er ebenfalls betreibt. Dort gibt es saubere Kleidung, eine Dusche, Essen und ein Bett. „Wenn die Kinder einmal längere Zeit auf der Straße leben, dann wollen sie nicht mehr zurück in ein Haus mit Regeln“, erklärt Hany. Deshalb sind von den 40 Plätzen, die er in seinem Heim hat, auch nicht alle besetzt.  Einige Kinder besuchen sein Heim nur tageweise, andere wiederum haben sich entschieden, ständig im Heim zu wohnen. Gut 20 sind es derzeit. „Die Buben, die ich hier bei mir im Heim habe, gehen alle in die Schule, sie haben ein stabiles Leben und eine gute Chance auf ein besseres Leben in Zukunft“, sagt Hany. Manchmal gelingt es ihm auch, Kontakt mit den Familien der Kinder herzustellen und die Kinder wieder zurück zu ihren Familien zu bringen.

Manche schaffen es bis zur Uni
Wenn ein Kind dort gut aufgenommen wird, dann ist das ein Moment besonderen Glücks auch für Hany; oder wenn einer seiner Schützlinge die Schule erfolgreich abschließt und einen Job findet. Einige ehemalige Straßenkinder haben es sogar auf die Universität geschafft, sagt er stolz. Hany ist freilich kein Einzelkämpfer. Er leitet das „Children at Risk“-Straßenkinderprojekt der Caritas in Alexandria Mit ihm gemeinsam sind viele weitere Mitarbeiter im Einsatz.
Ein Detail am Rande: 99 Prozent aller Straßenkinder sind Muslime. Das spielt für die christliche Caritas aber keine Rolle. Die Caritas sorgt sich um jene Menschen in Not, die sonst keine Hilfe erhalten, seien es Flüchtlinge aus Syrien oder eben einheimische Straßenkinder, sagt der örtliche Caritas-Direktor Youssef Aziz, unabhängig von jeder Religionszugehörigkeit. Bei der Caritas Alexandria arbeiten auch Christen und Muslime miteinander an einer besseren Zukunft. Und noch ein Detail: Ja, es gibt in Ägypten auch Mädchen, die auf der Straße leben. Und auch um diese nimmt sich die Caritas an. Das ist in einem streng muslimischen Land wie Ägypten aber wieder eine andere Geschichte.