Inhalt der gedruckten Ausgabe 37/2015

Leitartikel

Warum will niemand Ohren haben?

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Information

Papst Franziskus empfing den abgesetzten Bischof Gaillot und sprach mit ihm lange über „heiße Eisen“

Papst Franziskus hat am 1. September den 79-jährigen französischen Bischof Jacques Gaillot zu einem 45-minütigen privaten Gespräch in Santa Marta empfangen. Gaillot war wegen seiner vom kirchlichen Lehramt kritisierten Ansichten 1995 von Papst Johannes Paul II. als Diözesanbischof abgesetzt worden.

„Franziskus unter Wölfen“: Viele warten ab, nur wenige unterstützen ihn

In der römischen Kurie unterstützen den Papst 20 Prozent, 10 Prozent sind Gegner, 70 Prozent warten einfach ab. Diese Einschätzung traf der deutsch-italienische Starjournalist Marco Politi am 4. September im überfüllten Pfarrsaal von Purgstall (NÖ) bei der Präsentation seines neuen Buches „Franziskus unter Wölfen: Der Papst und seine Gegner“.

36 Kardinäle gegen Kardinal Kasper?

Das ultrakonservative Internet-Magazin „Katholisches“ veröffentlichte in der vergangenen Woche eine Liste von 36 Kardinälen, „die sich in Verteidigung des Ehesakramentes zu Wort gemeldet und der Kasper-These eine Absage erteilten.“

Vergebung von Abtreibung: Sondererlaubnis gilt ein Jahr lang weltweit

Mit seiner Ankündigung, dass im sogenannten Heiligen Jahr – es beginnt am 8. Dezember – alle Priester der Weltkirche in der Beichte Abtreibungen vergeben dürfen, hat Papst Franziskus erneut Schlagzeilen gemacht.

Evangelische und Katholiken „brauchen einander“

Die evangelische Kirche braucht die katholische Kirche und Theologie, um sich selber ganz begreifen zu können.

US-Abgeordnete bitten Papst um Stellungnahme

Eine Gruppe von 96 demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses hat Papst Franziskus gebeten, am 24. September bei seiner Rede vor dem US-Kongress über Mindestlohn, Hunger und Klimawandel zu sprechen.

Papst-Enzyklika zieht weite Kreise

Zwei neue Schulamtsleiterinnnen

Kirche startet Website zur Asyl- und Flüchtlingshilfe

Mit einer neuen Website bietet die katholische Kirche in Österreich einen Überblick über die kirchlichen Hilfsangebote für Flüchtlinge und Asylwerber: Unter http://asylhilfe.katholisch.at findet man ab sofort nicht nur die diözesanen Flüchtlingskoordinatoren und Ansprechpersonen, sondern auch Informationen über kirchliche Hilfsprojekte und Möglichkeiten, wie man sich selbst aktiv an der Hilfe beteiligen kann.

Ungarn: Kaum Kirchenkritik zum Grenzzaun nach Serbien

Der ungarische Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Serbien, mit dem die Orban-Regierung die Flüchtlingsbewegungen kontrollieren will, hat bisher nur zaghafte Reaktionen seitens der großen Kirchen des Landes hervorgerufen.

Schönborn: „Genug des Sterbens!“

„Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen.“

Vatikan-Diplomat: Muslimische Migranten sind Herausforderung

Die Ankunft von immer mehr muslimischen Flüchtlingen in Europa kann nach den Worten des Vatikan-Vertreters bei den Vereinten Nationen in Genf zur Herausforderung für die christliche und demokratische Identität des Kontinents werden.

Pro und contra Bevorzugung christlicher Flüchtlinge

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki lehnt eine Bevorzugung christlicher Flüchtlinge in Deutschland ab.

Bayern: Flüchtlingshilfe wurde Chefsache

Nach Kritik von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist in den sieben bayrischen Diözesen das Thema „Flüchtlingshilfe“ zur Chefsache geworden.

NÖKISS: Kinderfestspiele im Zeichen der Flüchtlingsdebatte

Die aktuelle Flüchtlingsdebatte stand heuer auch im Mittelpunkt der 44. Niederösterreichischen „Kinder Sommer Spiele NÖKISS“ im Stift Herzogenburg, an denen 15.000 Kinder, darunter viele Flüchtlinge, teilnahmen.

Drei afrikanische Friedensstifter

Drei führende Geistliche aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) – ein Muslim und zwei Christen – sind am Genfer Sitz der Vereinten Nationen mit dem Sergio-Vieira-de-Mello-Preis ausgezeichnet worden: Pfarrer Nicolas Guérékoyamé-Gbangou (Präsident der Evangelischen Allianz in der ZAR), Monsignore Dieudonné Nzapalainga (Katholischer Erzbischof von Bangui) und Imam Omar Kobine Layama (Präsident des Islamischen Rates der ZAR).

Heiliger Altmann: 950 Jahre Bischof von Passau

Leitartikel

Warum will niemand Ohren haben?

Franz von Assisi gelang es vor 800 Jahren, die mittelalterliche Armutsbewegung in die Kirche zu integrieren und damit jene vor der totalen Entfremdung zwischen Volk und Führung zu retten.
Der selbst höchst asketisch lebende Mann fand zahlreiche Anhänger. Viele wollten aber mit ihm nicht in voller Konsequenz marschieren. Zuletzt musste er sich von der Leitung der Seinen zurückziehen und starb einsam.
Wie in dem Mann von Assisi sehen in dem Mann von Buenos Aires heute schon viele einen „zweiten Christus“. Und wie der Mann aus Nazareth hat er unter den „Frommen“ wenig Freunde.
Papst Johannes Paul II. wurde einst weltweit von kirchlichen Bewegungen (Opus Dei, Communione e Liberazione u. a.) bedingungslos unterstützt.
Franziskus hat das Volk hinter sich, jedoch völlig unorganisiert. Bewegungen, die sein Gedankengut global propagieren könnten, wurden unter Vorgängern brutal unterdrückt.
Die konservativen Homepages agieren immer aggressiver gegen ihn, gespeist mit Gerüchten von „oben“ in der Kirche.
In der vergangenen Woche hat der Papst zweimal aufhorchen lassen: Er empfing demonstrativ einen von JP II. abgesetzten Bischof. Und er warnte neuerlich vor „scharfen Zungen“: „In der Kirche gibt es eine Krankheit: Spaltung und Zwietracht säen.“
Wer Ohren hat, der höre. Warum will niemand Ohren haben?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 50, 5-9a

Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen

Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen.

 

Zweite Lesung:   Jak 2, 14-18

Der Glaube für sich allein ist tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat

Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben, und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke, und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke.

 

Evangelium:   Mk 8, 27-35

Du bist der Messias.
Der Menschensohn muss vieles erleiden

In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.
Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

 

Gedanken zum Sonntag

Simmerstaetter Josef Georg-72

Josef Georg Simmerstätter
AHS-Prof. i. R.
Angerberg / Tirol
jg.simmerstaetter@gmail.com

Für wen halten die Leute den Menschensohn?

Jeder Mensch ist gefragt. Auch ich. – Für wen halte ich ihn? –
Wir haben alle die gleiche Schwierigkeit, Geistiges (z. B. Gott, die Liebe) als real, wirklich, wirksam zu betrachten. Wenn uns das nicht gelingt, dann kommen wir mit Überlegungen über Christus nicht weit.
Ja, wer ist er wirklich? Vor Kurzem haben wir die Antwort des Petrus gehört: „Du bist der Heilige Gottes.“ Ich finde keine bessere Antwort.
Wenn wir die Auskunft der Bibel wirklich als Wort Gottes ernst nehmen, ist die richtige Antwort zu finden. „Gott ist Liebe“.
Liebe! – Wir meinen zu wissen, was das ist, wenn wir auch sicher sind, dass das, was wir als Liebe bezeichnen, nur ein schwacher Schatten von dem ist, was hier in dieser Bibelstelle gemeint ist: die totale, allumfassende, absolute Liebe! Ja, ich bekenne frei aus Überzeugung, dass in diesem Mann aus Nazareth „die ganze Fülle der Gottheit (= Liebe) wohnt.“ Warum soll nicht in einem Menschen, egal ob Mann oder Frau, die GANZE Liebe wohnen können? Und ich glaube, dass in uns allen „etwas“ von der Gottheit wohnt, wenn in uns Liebe ist. Ein ganz klein wenig, aber immerhin!
Gott ist so Liebe, wie das Meer Wasser ist. Wenn sonst irgendwo Wasser ist, in einem See, Bach, Wasserglas oder auch in einer Pfütze, dann ist es nicht das Meer, aber es ist das, was das Meer ist, kommt aus dem Meer, ist „etwas vom Meer““
Gott ist Liebe. Wenn sonst irgendwo Liebe ist, Mutterliebe, Kindesliebe, Freundesliebe, oder auch in einem „Freudenhaus“ (Pfütze) , dann ist es nicht Gott, aber es ist das, was Gott ist, kommt aus Gott, ist „etwas von Gott“.
Für wen also, halte ich den Menschensohn?
Er ist die „fleisch“-gewordene Liebe, die sagt: „Wer mein Fleisch (mich) isst und mein Blut trinkt, der / die bleibt in mir und ich bleibe in ihm / ihr.“
Er ist die Liebe, die in uns, in der Gesamtheit aller Getauften und in jedem Einzelnen der Getauften beiderlei Geschlechts (bG) in der Welt leben und wirken will.
Er ist die Liebe, die in der Welt an die Stelle des Konkurenz- und Konfrontationsdenkens das Solidaritäts- und Kooperationsdenken setzen wollte.
Er ist die Liebe, die das Gute, das sie tun will, nur durch uns tun kann, so wie ich, wenn ich schreiben will, es nur durch meine Hand tun kann.

 

Information

Papst Franziskus empfing den abgesetzten Bischof Gaillot und sprach mit ihm lange über „heiße Eisen“

Papst Franziskus hat am 1. September den 79-jährigen französischen Bischof Jacques Gaillot zu einem 45-minütigen privaten Gespräch in Santa Marta empfangen. Gaillot war wegen seiner vom kirchlichen Lehramt kritisierten Ansichten 1995 von Papst Johannes Paul II. als Diözesanbischof abgesetzt worden.

An dem Gespräch in Santa Marta nahm ein enger Vertrauter Gaillots, Abbé Daniel Duigou – Pfarrer von Saint-Merri in Paris -, teil. Franziskus habe im Blick auf kirchenrechtlich nicht konforme Gemeinschaften gesagt, dass der Segen Gottes für alle da sei, so die Berichte.

Gaillot - Franziskus

Papst Franziskus im Gespräch mit Bischof Jacques Gaillot.
Foto: begegnungunddialog.blogspot.com.

„Segen Gottes ist für alle da“

Gegenüber der französischen Zeitung „Le Figaro“ sagte Duigou nach der Audienz, der Papst habe durch „Nähe, Authentizität und Einfachheit“ beeindruckt. Er habe sich für sein schlechtes Französisch entschuldigt.
Im Blick auf die Segnung von wiederverheiratet Geschiedenen oder homosexuellen Paaren habe der Papst gelächelt und gesagt: „Der Segen Gottes ist für alle da.“ Zum Thema der Sorge für die Flüchtlinge und Migranten – eine der zentralen Aufgaben Gaillots seit seiner Absetzung – habe Franziskus betont: „Die Migranten waren und sind immer das ‚Fleisch‘ der Kirche.“

Gaillot von Synode enttäuscht

Jacques Gaillot, der am 11. September 80 wird, hatte im November Franziskus einen Unterstützungsbrief geschrieben. Er anerkenne auch die Bemühungen des Papstes, „den Familien der modernen Gesellschaft Türen zu öffnen“, so Gaillot.

Dazu zählte er Geschiedene und Wiederverheiratete, Kinderlose, Familien mit Alleinerziehenden und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Gleichwohl seien die Texte der ersten Familiensynode vom Oktober 2014 „enttäuschend“ gewesen, so der suspendierte Bischof. Franziskus hatte Gaillot laut dem Schweizer Portal „cath.ch“ zunächst angerufen und ihn dann schriftlich nach Rom eingeladen.

Autor und Seelsorger für Randgruppen

Gaillot wurde über Frankreich hinaus wegen seiner kritischen Anmerkungen über die Haltung der Kirche zum Zölibat, zur künstlichen Empfängnisverhütung oder zu Homosexualität bekannt. Damit stieß er nicht nur im Vatikan, sondern auch bei den Bischöfen in Frankreich auf Kritik. Mehrfach gab es symbolische Gesten Gaillots und der Französischen Bischofskonferenz zu einer Aussöhnung; praktische Schritte folgten jedoch nicht. Zahlreiche seiner Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt.
Nach seiner Amtsenthebung und bis 2010 war Gaillot Titularbischof von Partenia in Nordafrika, einer untergegangenen Diözese. Er trat als Autor, Seelsorger für Randgruppen und Blogger in der von ihm gegründeten „virtuellen Diözese“ www. partenia.org in Erscheinung.
Seit 2013 veröffentlicht Gaillot Kolumnenbeiträge in der Zeitung „Huffington Post“, in denen er etwa aktive Sterbehilfe und gleichgeschlechtliche Ehen propagiert.

„Franziskus unter Wölfen“: Viele warten ab, nur wenige unterstützen ihn

In der römischen Kurie unterstützen den Papst 20 Prozent, 10 Prozent sind Gegner, 70 Prozent warten einfach ab. Diese Einschätzung traf der deutsch-italienische Starjournalist Marco Politi am 4. September im überfüllten Pfarrsaal von Purgstall (NÖ) bei der Präsentation seines neuen Buches „Franziskus unter Wölfen: Der Papst und seine Gegner“.

Politi skizzierte das Leben des früheren Erzbischofs von Buenos Aires, der gern in die Slums ging,  es ablehnte, im Bischofshaus zu wohnen und mit Bus und U-Bahn fuhr.
Der als Nachfolger des Fischers Petri und nicht des Kaisers Konstantin wahrgenommen werden möchte. Der von den Bischöfen verlangt, sich nicht als Bürokraten, Funktionäre oder Renaissancefürsten zu gebärden.

Marco Politi bei seinem Vortrag in Purgstall.

Marco Politi bei
seinem Vortrag in Purgstall.

Die Isolation des Papstes sei größer als vorgesehen: Als der Bischof und Theologe Bruno Forte, den Franziskus persönlich zum Sondersekretär der Synode bestellt hatte, im November 2014 für den stellvertretenden Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz kandidierte, erteilte ihm die Vollversammlung eine spektakuläre Abfuhr.

„Agieren im Untergrund“
Politi: „Die Feinde von Papst Franziskus agieren und reden im Verborgenen. Sie applaudieren mit den anderen, heucheln Papsttreue und mögen es gar nicht, wenn man sie als Gegner des argentinischen Pontifex bezeichnet. Schließlich, so sagen sie, wollen sie doch nur verhindern, dass er Fehler macht. Doch wenn sie unter sich sind, wetzen sie ihre Messer. Ähnlich wie Kardinal Giuseppe Siri, der von Kriegsende bis 1987 Erzbischof von Genua war. Er hielt Johannes XXIII. für unfähig und nannte das Zweite Vatikanische Konzil eine Katastrophe.“

Synode als Schaukampf
Als „Gradmesser“ für das Pontifikat von Franziskus bezeichnete Politi die im Oktober stattfindende Familiensynode. Sie sei deswegen so wichtig, da hier die Konflikte innerhalb der Kurie und der Weltkirche „offen zur Schau getragen werden“. Über den Ausgang der Synode könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Prognose abgeben. Allerdings würde der Kreis der Gegner des Papstes in letzter Zeit zunehmend aggressiver agieren.

„Offen für alle“. Purgstalls Motto ist laut Marco Politi das Ziel von Papst Franziskus.

„Offen für alle“. Purgstalls Motto ist laut Marco Politi das Ziel von Papst Franziskus.

Passivität der „Freunde“
Die Passivität seiner „Freunde“ sei ein deutliches Signal. Die Umfrage an das Kirchenvolk im letzten Jahr habe viele in der Kurie verunsichert. Sichtbar sei dadurch geworden, welche Bischöfe den Vorhaben des Papstes skeptisch gegenüberstehen, da sie sich in der Verbreitung und Aufarbeitung der Umfrage äußerst passiv verhielten. Diese Passivität sei bei nahezu allen Vorstößen des Papstes deutlich zu erkennen, so Politi.

Die Herkunft prägt
Franziskus sei der erste Papst, der die Globalisierung der Welt in seiner ganzen Bandbreite kennengelernt habe. Er ist in Buenos Aires (13 Millionen Einwohner) geboren. Johannes XXIII. kam aus einem 800-Seelen-Dorf, Johannes Paul II. aus einer polnischen Kleinstadt.
Es sei ihm deswegen ein besonderes Anliegen, auch die Kurie so international wie möglich zu gestalten. Er wünsche sich, dass sich die Mitglieder der Kirche so frei und offen wie möglich untereinander austauschen können. Dieser Versuch, die Kirche in eine Gemeinschaftskirche zu wandeln, würde aber bei einer Reihe von Kardinälen und Bischöfen auf wenig positive Resonanz stoßen, da sie einen Autoritätsverlust der katholischen Kirche fürchten.

Marco Politi mit dem Purgstaller Pfarrer Mag. Franz Kronister.

Marco Politi mit dem Purgstaller Pfarrer Mag. Franz Kronister.

Papst ist in sich gekehrt
Trotz seines stets offenen und fröhlichen Wesens beschreibt Politi Franziskus als eher zurückgezogenen Charakter. „Er ist als Gläubiger stark nach innen gekehrt, das ist auch in seinen Messen, die oft von Momenten der Stille geprägt sind, zu spüren.“ Diese zwei Seiten machen ihn zu einem äußerst komplexen Menschen. Auch durch sein Leben in Südamerika, in dem er systematisch und intensiv den Kontakt zu den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft gesucht hat, sei seine Vorstellung von Kirche nachhaltig geprägt worden.

„Kirchenvolk ist gefragt“
Unter dem Kirchenvolk ortete Politi eine zunehmende Passivität bei der Unterstützung des Papstes. Im Großen und Ganzen fehle eine Reformbewegung innerhalb der Kirche, die den Papst von der Basis aus stärke. Die Gefahr sei, „dass alle dem Papst zuhören und ihn schätzen, ihn aber bei der Umsetzung alleine lassen.“
Und die Zukunft nach Franziskus? Während sich Paul VI., Nachfolger von Johannes XXIII. in der Umsetzung der Reformen auf eine breite Basis von am Zweiten Vatikanum teilgenommenen Bischöfen stützen konnte, ist von einer solchen derzeit nichts zu sehen.
Marco Politi schrieb 20 Jahre lang für die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ und war für das Blatt Berichterstatter aus dem Vatikan. Er gilt als profunder Kenner des Vatikan und der römischen Kurie.

Marco Politi, Franziskus unter Wölfen, Verlag Herder, 224 Seiten, € 19,99.

Kirche startet Website zur Asyl- und Flüchtlingshilfe

Mit einer neuen Website bietet die katholische Kirche in Österreich einen Überblick über die kirchlichen Hilfsangebote für Flüchtlinge und Asylwerber: Unter http://asylhilfe.katholisch.at findet man ab sofort nicht nur die diözesanen Flüchtlingskoordinatoren und Ansprechpersonen, sondern auch Informationen über kirchliche Hilfsprojekte und Möglichkeiten, wie man sich selbst aktiv an der Hilfe beteiligen kann.

Derzeit sind rund 5.000 Asylwerber im Bereich der Grundversorgung im kirchlichen Bereich untergebracht und werden von der Caritas betreut. Darüber hinaus werden 12.000 Asylwerber von der Caritas mobil betreut.
Laufend würden neue kirchliche Plätze im Bereich der Grundversorgung dazukommen: So seien in den letzten Wochen Plätze im „Stephanusheim“ in Horn für bis zu 100 Asylwerber bereitgestellt worden; weitere 200 Flüchtlinge sollen bis Jahresende in Quartieren der Diözese Eisenstadt eine Unterkunft finden. Die Unterbringung erfolgt in 30 Pfarrhöfen, die dafür adaptiert werden. Weitere 50 Plätze im Rahmen der Grundversorgung hat auch die Diözese Gurk-Klagenfurt zugesagt.

Graz und Wien: 1.300 neue Quartiere
Neben der Caritas engagieren sich auch die Pfarren und die Orden stark in der Flüchtlingsbetreuung. So werden laut Website-Angaben die Stifte Admont und Rein in diesen Tagen 82 zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen.
Die Erzdiözese Wien wird in den nächsten Wochen insgesamt rund 1.000 Flüchtlingen Quartier geben,  kündigte Kardinal Christoph Schönborn in der ORF-Sendung „ZIB 2“ am 1. September an.
Die Diözese Graz-Seckau baut ihre Kapazitäten zur Aufnahme von Flüchtlingen weiter aus und wird in den nächsten Monaten bis zu 300 neue Quartiere zur Verfügung stellen.

Redemptoristen betreuen täglich 100 Flüchtlinge
Seit einem Monat hat der Orden der Redemptoristen in der von ihm geführten Pfarre in Wien Räumlichkeiten für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak geöffnet. Der Orden bietet täglich Unterkunft für über 100 Menschen, vor allem für Flüchtlinge, die auf der Durchreise sind und sonst im Freien in Parkanlagen übernachten müssten.
Die meisten Flüchtlinge, die das kirchliche Hilfsangebot annehmen, würden sich in Wien nur auf der Durchreise befinden und wollten weiter nach Deutschland oder Skandinavien, so Pfarrer P. Lorenz Voith.

Flüchtlingskinder in Privatschulen
Das Schulamt der Erzdiözese Wien hat dem Stadtschulrat Unterstützung bei der Aufnahme von rund 350 Flüchtlingskindern in Wiener katholischen Privatschulen angeboten.

Oberösterreich: Pfarrer gewährt „Kirchenasyl“
Die Pfarre St. Georgen an der Gusen hat eine afghanische Familie mit drei Kindern unter Schutz gestellt. Pfarrer Franz Wöckinger bezeichnet diesen Schritt als „Ultima Ratio“, da die beabsichtigte Rückführung der Dublin-Flüchtlinge nach Ungarn für ihn „ein Unrecht“ sei, begründete er laut APA-Bericht am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in St. Georgen das gewährte „Kirchenasyl“. Der Gemeinderat steht hinter dieser Aktion.

Pfarrer Franz Wöckinger. Foto: Diözese Linz.

Pfarrer Franz Wöckinger.
Foto: Diözese Linz.

Dass es ein Kirchenasyl im rechtlichen Sinn nicht gebe, wisse er, für ihn sei das derzeit eine „praktische Maßnahme“, so Pfarrer Wöckinger.

Drei afrikanische Friedensstifter

Drei führende Geistliche aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) – ein Muslim und zwei Christen – sind am Genfer Sitz der Vereinten Nationen mit dem Sergio-Vieira-de-Mello-Preis ausgezeichnet worden: Pfarrer Nicolas Guérékoyamé-Gbangou (Präsident der Evangelischen Allianz in der ZAR), Monsignore Dieudonné Nzapalainga (Katholischer Erzbischof von Bangui) und Imam Omar Kobine Layama (Präsident des Islamischen Rates der ZAR).

Drei führende Geistliche der ZAR erhielten in Genf den Sergio-Vieira-de-Mello-Preis.

Drei führende Geistliche der ZAR erhielten in Genf den Sergio-Vieira-de-Mello-Preis.

Ihr beherzter Einsatz brachte die drei zunächst in Gefahr, mittlerweile führte er nun zu einer sichtbaren Verbesserung der Lage in der Nation, berichtet Open doors.
Die drei Geistlichen hatten sich angesichts der Gewaltexzesse in ihrem Land zusammengeschlossen, um für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen einzutreten und Wege zur Versöhnung zu ebnen. Ihr Beispiel sowie einige der jüngeren Entwicklungen in dem Land am Äquator geben Anlass zur Hoffnung für die gebeutelte Bevölkerung.
Inzwischen hat sich die Sicherheitslage in der ZAR  deutlich verbessert, obwohl es in einigen Gebieten weiterhin zu gewaltsamen Übergriffen kommt.
So hat sich das Leben in der Hauptstadt Bangui weitgehend normalisiert, und das sogar in dem berüchtigten Stadtviertel «PK5». Es bildet das wirtschaftliche Zentrum der Stadt, galt aber während der jüngsten Krise als Rückzugsgebiet der islamistischen Seleka-Miliz und damit als «No-go-Area» für alle Nicht-Muslime. Mittlerweile können sich aber wieder Menschen aller Glaubensrichtungen dort frei bewegen. Dies sei ein Anzeichen für die beginnende Normalisierung der Verhältnisse im Land.
Je 25 Prozent der 4,6 Millionen Einwohner der ZAR sind Katholiken oder Protestanten, 10 Prozent sind Muslime, die übrigen gehören indigenen Religionen an.

Heiliger Altmann: 950 Jahre Bischof von Passau

 

Vor 950 Jahren hat Kaiserin Agnes ihren Kaplan Altmann zum Bischof von Passau ernannt. Im selben Jahr erhielt er die Weihe durch Erzbischof Gebhard von Salzburg. Die von ihm gegründete Pfarre Paudorf-Göttweig feiert das Jubiläum am 20. September. Altmann ist der einzige als Heiliger verehrte Bischof der Großdiözese Passau, die seiner Zeit auch die heutigen Bundesländer OÖ, NÖ und Wien umfasste.

Vor 950 Jahren hat Kaiserin Agnes ihren Kaplan Altmann zum Bischof von Passau ernannt. Im selben Jahr erhielt er die Weihe durch Erzbischof Gebhard von Salzburg. Die von ihm gegründete Pfarre Paudorf-Göttweig feiert das Jubiläum am 20. September. Altmann ist der einzige als Heiliger verehrte Bischof der Großdiözese Passau, die seiner Zeit auch die heutigen Bundesländer OÖ, NÖ und Wien umfasste.