Inhalt der gedruckten Ausgabe 36/2016

Leitartikel

Peinlich

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Veronika Kobli
Kindergartenpädagogin
Mautern, NÖ

Information

Nach Friedens-Abkommen sollen Papst und UN-Generalsekretär helfen, Kolumbien Stabilität zu garantieren

Papst Franziskus und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sind unter denjenigen, die nach einem möglichen Friedensschluss in Kolumbien dabei helfen sollen, Stabilität zu garantieren, berichtet Radio Vatikan.

USA und Iran: eine neue Annäherung

Die katholischen Bischöfe der USA und die geistlichen Führer Irans haben zu einer Kultur der Toleranz, des Dialogs und Friedens aufgerufen.

ACP kämpft unbeirrt weiter

Keine katholische Bewegung von nach Kirchenreform rufenden Priestern wurde so bestraft wie sie, keine arbeitet trotz des Kurses von Papst Franziskus dennoch so unbeirrt weiter: Die rund 1.000 Mitglieder zählende irische ACP.

Kirche tourt mit Bus „Linie 7“ durch Steiermark

Mit einer „Kirche auf Rädern“ tourt ein Team aus Priestern und Freiwilligen zwischen 3. September und 30. Oktober durch die Steiermark und fährt belebte Plätze an.

Caritas unterstützt Familien beim Start ins neue Schuljahr

„Bildung ist die beste Armutsprävention!“ – Unter diesem Motto startet die Caritas auch heuer wieder ihre Hilfe zum Schulstart.

Visitator überprüft Dormitio-Abtei

In der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem begann am 22. August eine „außerordentliche Visitation“ durch die Ordensleitung.

100 Jahre Deutsche Caritas

Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) haben die Arbeit der Caritas als unverzichtbar gewürdigt. „Kirche ist ohne Caritas nicht Kirche“, sagte DBK-Vorsitzender Kardinal Reinhard Marx in Bonn.

Reiche Diözese Augsburg baut 600 Mietwohnungen

Die Diözese Augsburg will in den kommenden Jahren gut 600 Mietwohnungen im unteren und mittleren Preissegment errichten. Dafür werden rund 140 Millionen Euro investiert.

Gefängniskapelle in Karachi eröffnet

Im Stadtgefängnis von Karachi in Pakistan ist eine Kapelle für christliche Häftlinge eröffnet worden.

Benedikt XVI. im Interview: Rücktritt erschien mir Pflicht

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. bezeichnet seinen freiwilligen Amtsverzicht im Jahr 2013 als eine „Pflicht“. Es habe damals viele Verpflichtungen gegeben, die zu Ende zu bringen er sich nicht in der Lage gesehen habe, heißt es in einem Interview des emeritierten Papstes (2005-2013), das die italienische Tageszeitung „Repubblica“ am 24. August  veröffentlichte und das laut der Zeitung zuvor autorisiert wurde.

Papst schafft neue Großbehörde für Laien, Familie und Leben

Papst Franziskus hat eine neue vatikanische Großbehörde für Laien, Familie und Leben geschaffen. Das neue Ministerium soll bereits mit 1. September seinen Dienst aufnehmen und die bisherigen Räte für die Laien und für die Familie zusammenführen, denen zusätzlich die Akademie für das Leben angegliedert wird.

Ärztekammer unterstützt Forderung nach Abtreibungsstatistik

Die Österreichische Ärztekammer unterstützt die Einführung einer landesweiten anonymen Statistik über Schwangerschaftsabbrüche.

Perus Bischöfe nehmen Beziehungen zu katholischer Uni wieder auf

Das seit Jahren schwierige Verhältnis der Kirche zur katholischen Universität von Peru hat sich offenbar entspannt.

Kapellari: „Zu sagen, wir schaffen nicht alles, ist nicht herzlos“

Österreichs langjähriger „Europabischof“ Egon Kapellari warnt vor Naivität im Umgang mit der Flüchtlingskrise.

Bischof lehnt Präsidentschaftskandidatur in Paraguay ab

Der katholische Bischof Mario Melanio Medina Salinas hat Spekulationen über eine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2018 in Paraguay eine Absage erteilt.

Bischof von Nord-Arabien fordert klare Haltung moderater Muslime

Aus Sicht des katholischen Bischofs von Nord-Arabien sollten sich „moderate Muslime“ in der Region deutlicher gegen islamistischen Terror aussprechen.

Kurienreform: Neue Aufgaben für Erzbischof Paglia

Der Mitbegründer der Sant’Egidio-Gemeinschaft, Erzbischof Vincenzo Paglia, wird neuer Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben (Pontificia Accademia per la Vita/PAV), gleichzeitig übernimmt er das Amt des Großkanzlers des „Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Fragen von Ehe und Familie“.

Radikale Hindus stoppen Kirchenbau in Indien

Im indischen Bundesstaat Chhattisgarh haben mehr als 2.000 radikale Hindus den Bau einer Kirche verhindert und den Christen gedroht, sollten sie nicht zum Hinduismus übertreten.

Norwegische Lutheraner: 15.000 Austritte in vier Tagen

Norwegens lutherische Volkskirche hat nach eigenen Angaben innerhalb von vier Tagen mehr als 15.000 Kirchenmitglieder durch Austritt verloren.

Steyler Missionare im Südsudan geben auf

Die Steyler Missionare haben ihre 2012 errichtete Missionsstation im Südsudan aufgegeben.

Deutschland: Nur 37.500 im islamischen Religionsunterricht

Die Hälfte der 16 deutschen Bundesländer bietet im neuen Schuljahr 2016/2017 islamischen Religionsunterricht an.

KJ: Boom bei Gruppenleiter-Ausbildung

Die Katholische Jungschar der Erzdiözese Wien meldet einen „Run“ auf die jüngsten Grundkurse für Gruppenleiter.

Ein Leben für die Verkündung des Evangeliums in der Arbeitswelt

Bei einem Festakt im niederösterreichischen Gaming ist der bekannte niederösterreichische „Arbeiterpriester“ Franz Sieder in den Ruhestand verabschiedet worden.

Auch nach Rio viele Klicks auf Nike-Spot mit Ironman-Ordensfrau

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind zu Ende, aber ein Werbespot des US-Sportartikelherstellers Nike sorgt weiter für Rekorde: Mehr als 1,5 Millionen Klicks auf Youtube hat der Spot mit der amerikanischen Ordensfrau Sr. Madonna Buder alias „Iron Nun“ aus Spokane schon bekommen. Denn Sr. Madonna ist 86 und tritt weiter zu Iron Man an. Sport sei Teil ihres Lebens, sagt sie.

Neymar mit Jesus-Stirnband

Nach seinem Sieg im olympischen Fußballfinale am 21. August gegen Deutschland hat Brasiliens Superstar Neymar für Diskussionen in den sozialen Netzwerken gesorgt.

Leitartikel

Peinlich

Wer das Wort „Saujude“ hört, denkt unwillkürlich an die Nazis. Doch das Schimpfwort ist wie „Judensau“ schon lange vorher in der deutschsprachigen Literatur belegt.
Wer diese Ausdrücke heute gegenüber Menschen benutzt oder öffentlich über sie äußert, macht sich in Deutschland und Österreich wegen Beleidigung strafbar.
Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Juden verhöhnen, ausgrenzen und demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein gilt.
Eine anstößige „Judensau“ befindet sich seit 700 Jahren an der Hauptkirche der Lutherstadt Wittenberg, Doch jetzt wurde zum Reformationsjahr 2017 vom Londoner messianisch-evangelikalen Theologen Richard Harvey eine Online-Petition dagegen gestartet: „Diese Skulptur ist bis heute ein Angriff auf Juden und verspottet sie und ihren Glauben.“ An der Außenwand der Kirche dürfe sie jedenfalls nicht sichtbar bleiben.
Wäre es nicht besser, eine Tafel mit Erklärung, Eingeständnis und Entschuldigung anzubringen? Eine Skulptur zu entfernen, ist einfach. Die Geschichte mit ihren tragischen Folgen kann dadurch jedoch nicht rückgängig gemacht werden.
Das steinerne Mal ist peinlich für heutige Christen, die Folgen für Juden waren einst mit noch viel mehr Pein verbunden.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Weish 9, 13-19

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen?

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist. Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten, was dir gefällt; durch die Weisheit wurden sie gerettet.

 

Zweite Lesung:   Phlm 9b-10.12-17

Nimm ihn auf, nicht mehr als Sklaven, sondern als geliebten Bruder

Lieber Bruder!
Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst!

 

Evangelium:   Lk 14, 25-33

Keiner von euch kann mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet

In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

 

Gedanken zum Sonntag

Veronika Kobli
Kindergartenpädagogin
Mautern, NÖ

Wie wir Jesus besser folgen könnten

Ich glaube, wenn man die im sonntäglichen Evangelium aufgezählten Personen gering achtet, ist das nicht christlich. Wenn jemand sein Kreuz nicht tragen kann, weil es eben für ihn zu schwer ist, bin ich überzeugt, Gott versteht das. Es gibt Menschen, die schaffen es, andere eben nicht. Beides ist in Ordnung, beides wird sicher von Gott akzeptiert.
Was den Glauben betrifft, hat jeder Mensch ein anderes Fundament. Manche haben von Geburt an ein solides Fundament – sie können gläubig darauf aufbauen.
Andere haben das nicht – diesen Menschen sollte man besonders beistehen, dass auch sie ihr Ziel erreichen.
In unserer Zeit wird oft nicht mehr überlegt „Kann ich mir das leisten oder nicht?“ – es gibt ja supergünstige Kredite. Über finanzielle Unterstützungen und Spenden freuen sich Kinder, Enkelkinder, Mitbewohner und Notleidende. Aber noch wichtiger wäre es, traurige Menschen aufzuheitern, Streitende zu versöhnen und Kranken besondere Fürsorge zukommen zu lassen, Menschen zum Lachen zu bringen.
Ich glaube, wenn wir einige dieser Eigenschaften anderen Menschen übermitteln können und nicht egoistisch für uns behalten, könnten wir Jesus besser folgen.

 

Information

Nach Friedens-Abkommen sollen Papst und UN-Generalsekretär helfen, Kolumbien Stabilität zu garantieren

Papst Franziskus und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sind unter denjenigen, die nach einem möglichen Friedensschluss in Kolumbien dabei helfen sollen, Stabilität zu garantieren, berichtet Radio Vatikan.

Sie gehören zu einer Gruppe, welche die Richter aussuchen soll, die sich um die Sondergerichtsbarkeit nach dem Ende der Rebellion kümmern.
Am 24. August hatten in Havanna die Rebellengruppe FARC und die Regierung Kolumbiens einen gemeinsamen Text unterzeichnet. Damit gibt es Hoffnung, dass einer der ältesten Bürgerkriege der Welt zu Ende gehen wird.
Die Einbeziehung des Papstes melden der Sonderbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Tom Koenigs, und das Hilfswerk Adveniat.
Die Übereinkunft soll nun am 2. Oktober in einer Volksabstimmung angenommen werden, so hat es Kolumbiens Staatschef Manuel Santos festgelegt.

Auswahl von Richtern
Monika Lauer Perez, Länderreferentin für Kolumbien beim Hilfswerk Adveniat, blickt auf einen Prozess zurück, der schwierig war und immer wieder zu stocken drohte, jetzt aber immerhin bei einer schriftlichen Übereinkunft gelandet ist. Sie hält die Übereinkunft zurecht für historisch, zu häufig habe der Prozess vor dem Aus gestanden. „Da hat sich das Durchhaltevermögen gelohnt, zu zeigen, dass nicht alles mit Gewalt ausgehandelt werden muss“.

lauer perez monika
Monika Lauer Perez.
Foto: Adveniat.

In wichtigsten Punkten einig  
Sechs Punkte enthält die Übereinkunft, als erstes wird eine Landreform genannt, dann geht es um politische Partizipation der dann ehemaligen Rebellen, es geht um die Aufgabe der Kämpfe, um den Kampf gegen den die FARC  finanzierenden Drogenhandel, um die Opfer und um Mechanismen der Umsetzung der Übereinkunft. Aber Lauer Perez warnt auch gleich: „Das steht jetzt erst einmal auf dem Papier, wie das dann umgesetzt werden wird, ist noch eine ganz andere Frage.“

Vorsichtig hoffnungsvoll
Diese Vorsicht teilt die Länderreferentin mit der Kirche des Landes, die Bischöfe haben sich in einer ersten Reaktion hoffnungsvoll gezeigt, aber vor Euphorie gewarnt. „Erst einmal verfügt Kolumbien gar nicht über die Institutionen, die in der Lage sind, dies alles umzusetzen“, urteilt die Expertin. „Und es ist noch nicht klar, ob wirklich alle Guerilleros bereit sind, ihre Waffen nieder zu legen.

Stimmt das Volk dafür?
Als nächstes soll es am 2. Oktober ein Referendum geben. Ob es dabei eine Zustimmung für die Übereinkunft beim Referendum im Oktober geben wird, ist noch nicht sicher. Die Landbevölkerung sei sicherlich dafür, sie habe ja auch am meisten unter der Gewalt gelitten. Die Stadtbevölkerungen von Medellin und Cali und Bogota aber kenne das nur aus dem Fernsehen, ihnen wird – unter anderem vom ehemaligen Präsidenten Uribe – eingeredet, es gebe nur Nachteile. Und weil die Kosten des Friedens sicherlich auch eine Steuerhöhung mit sich bringen werden, macht das die Übereinkunft auch nicht populär.

Benedikt XVI. im Interview: Rücktritt erschien mir Pflicht

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. bezeichnet seinen freiwilligen Amtsverzicht im Jahr 2013 als eine „Pflicht“. Es habe damals viele Verpflichtungen gegeben, die zu Ende zu bringen er sich nicht in der Lage gesehen habe, heißt es in einem Interview des emeritierten Papstes (2005-2013), das die italienische Tageszeitung „Repubblica“ am 24. August  veröffentlichte und das laut der Zeitung zuvor autorisiert wurde.

benedikt XVI r.
Papst Benedikt XVI.

Er habe sich nach den Erfahrungen seiner Mexiko- und Kuba-Reise im Frühjahr 2012 nicht in der Lage gefühlt, eine weitere so anstrengende Reise zu machen, doch dies wäre erforderlich gewesen. Denn eine persönliche Anwesenheit beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Juli 2013 sei unumgänglich gewesen; eine bloße Video-Zuschaltung wäre keine Alternative gewesen. : „Ein Weltjugendtag ohne die physische Präsenz des Papstes ist undenkbar“, so Benedikt XVI.

Buch am 12. September
Interviews gibt Benedikt XVI. nur selten. Weltweit wird deshalb mit Spannung das neue Interviewbuch des deutschen Religionsjournalisten Peter Seewald mit dem emeritierten Papst erwartet, das im Herbst in mehreren Sprachen erscheint.
Seewald und Kurienerzbischof Georg Gänswein präsentieren die deutsche Originalausgabe – sie erscheint unter dem Titel „Benedikt XVI. – Letzte Gespräche“ im Verlag Droemer – am 12. September in München.

Franziskus volkstümlicher
Wie das römische katholische Nachrichtenportal „www.aleteia.org“ berichtete, äußerte sich Benedikt XVI. in dem Buch mit großer Wärme über seinen Nachfolger Franziskus, der – wie er zugibt -, einen volkstümlichen Touch habe, der eine Qualität sei, die ihm gefehlt habe. Beim Konklave 2013 habe er „einige Namen im Kopf“ gehabt; definitiv nicht darunter gewesen sei aber jener von Jorge Bergoglio.

Zu wenig Reformkraft
Zu den kontroversen Urteilen über Benedikts Pontifikat soll sich der „Emeritus“ teils auch mit Selbstkritik äußern. Er habe einsehen müssen, dass die gewaltige Aufgabe, das Papsttum zu reformieren – und insbesondere den Vatikan -, seine Kräfte bei weitem überstieg.

Franziskus dankt Benedikt
Papst Franziskus ist dem emeritierten Papst Benedikt XVI. dankbar für seine Unterstützung. „Seine unaufdringliche Präsenz und seine Gebete für die Kirche geben mir Halt und Trost bei meinem Dienst“, schreibt Papst Franziskus im Vorwort zur neuen Benedikt-Biografie des italienischen Theologen Elio Guerriero mit dem Titel „Servitore di Dio e dell’ umanità“ (Diener Gottes und der Menschheit). Sie  soll am 30. August in die italienischen Buchhandlungen kommen.

Neue Weg geöffnet
Die ganze Kirche müsse Benedikt XVI. dankbar sein „für die Tiefe und Ausgeglichenheit seiner theologischen Gedanken“, die er stets gelebt habe.
Der Papst lobt zudem den Mut und die Bestimmtheit Benedikts XVI. in schwierigen Situationen sowie seine „Demut und Wahrheit im Geist von Erneuerung und Reinigung“. Der emeritierte Papst habe vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten einen fundamentalen Beitrag dazu geleistet, dass die Kirche auf die heutige Zeit eingehen könne.

Perus Bischöfe nehmen Beziehungen zu katholischer Uni wieder auf

Das seit Jahren schwierige Verhältnis der Kirche zur katholischen Universität von Peru hat sich offenbar entspannt.

Wie lateinamerikanische Medien in dieser Woche berichteten, werden peruanische Bischöfe künftig wieder an den Sitzungen der Universitätsversammlung teilnehmen. Grund für die Wiederaufnahme der Beziehungen sei eine entsprechende Entscheidung von Papst Franziskus. Dieser hatte 2014 eine Kardinalskommission eingesetzt, um eine „einvernehmliche endgültige Lösung“ zu finden. Die Universität spricht auf ihrer Website von einer „exzellenten Nachricht“. Dies sei der Beginn einer Normalisierung der Beziehungen zwischen der Hochschule und der Kirchenhierarchie.

kardinal juan luis cipriano thorne
Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne.

Im Juli 2012 hatte der Vatikan der einzigen katholischen Universität Perus untersagt, sich weiterhin „päpstlich“ und „katholisch“ zu nennen. Hintergrund ist ein Konflikt um Leitungskompetenzen mit Limas Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne. Die Aberkennung der Titel war der Höhepunkt eines Rechtsstreits um die Führung der 1917 gegründeten Hochschule. Das vatikanische Staatssekretariat begründete seinen Schritt damals unter anderem damit, dass die Universität in ihrer Tätigkeit Kriterien folge, die „nicht mit der Disziplin und Moral der Kirche vereinbar“ seien.

Ein Leben für die Verkündung des Evangeliums in der Arbeitswelt

Bei einem Festakt im niederösterreichischen Gaming ist der bekannte niederösterreichische „Arbeiterpriester“ Franz Sieder in den Ruhestand verabschiedet worden.

Der 77-jährige Betriebsseelsorger sei „Kaplan und Anwalt für die Würde eines jeden Menschen“, betonte der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried bei der Feier. Sieder sei als Betriebsseelsorger in den vergangenen vier Jahrzehnten gerade dort unterwegs gewesen, wo die Kirche eher wenig präsent sei und damit ein „wichtiger Türöffner und Brückenbauer“.

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„Arbeiterpriester“ Franz Sieder.
Foto: Wolfgang Zarl.

Arbeiterkammer dankt
An der Feier für Sieder nahmen zahlreiche Bekannte und Wegbegleiter Sieders aus Kirche und Gewerkschaft teil. Der Präsident der niederösterreichischen Arbeiterkammer, Markus Wieser, würdigte im Rahmen der Feier u.a. den Einsatz Sieders in Fragen von Verteilung und Gerechtigkeit.
Sieder selbst berichtete, wie fasziniert er in jungen Jahren vom Beispiel der französischen Arbeiterpriester und auch des belgischen Kardinals und Gründers der Christlichen Arbeiterjugend, Joseph Cardijn (1882-1967), gewesen sei. Er wünsche sich, dass die Anliegen der Arbeitswelt künftig noch stärker in der Pastoral zum Tragen komme. Der 77-Jährige hielt unzählige Predigten und Reden zu sozialer Gerechtigkeit aus der Sicht des christlichen Glaubens. Einige davon sind in den zwei Büchern „Gegen den Strom“ gesammelt.

Einsatz für Friedensbewegung
Sieder stammt aus Obergrafendorf, wo er 1938 zur Welt kam. Nach der Priesterweihe 1962 war er Kaplan in der Pfarre Amstetten-St. Stephan und danach für die Katholische Arbeiterjugend. Seit 1976 wirkt Sieder als Betriebsseelsorger im Mostviertel. Der Priester war auch maßgeblich am Aufbau von Pax Christi Österreich beteiligt, seit 1989 ist er Geistlicher Assistent der kirchlichen Friedensbewegung. Weiters betätigt er sich seit 20 Jahren im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus (ACUS).

Rote Vespa, Legende, Unikat
Franz Sieder gilt weit über das Mostviertel hinaus als lebende Legende – u. a. kennt man den Priester überall, weil er eine spezielle Erscheinung hat: lange weiße Haare und rotes Moped-Vespa. Er ist kompromisslos für die Armen und für die Unterdrückten da, gilt in politischen Fragen als streitbar und ist wahrscheinlich einer der letzten Arbeiterpriester.
Berühmt sind seine handgeschriebenen Plakate, die er immer wieder am Amstett-ner Bahnhof platziert und auf denen er sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Viele Passanten lesen die sozialkritischen Botschaften Sieders dort, er gilt als Unikat. Ein großes Publikum erreichte er immer wieder mit seinen wirtschafts-, gesellschaftspolitischen und ethischen Veranstaltungen.