Inhalt der gedruckten Ausgabe 35/2016

Leitartikel

Fördern statt fordern

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Information

Deutsche Dörfer und Kirchen sterben für die Braunkohle

Für die Braunkohle reißt der Energieversorgungskonzern RWE im Rheinland immer weiter Gotteshäuser ab. Die Gemeinden können sich nicht wehren, schreibt die Hamburger „Zeit“.

Kulturkampf in Griechenland: Messe gestört, Kirchen beschmiert, Molotowcocktails gegen Kloster

In Griechenland nimmt der Kulturkampf gegen die orthodoxe Kirche nun sogar gewalttätige Formen an.

Äthiopien: Orthodoxer Patriarch ruft zum Frieden auf

Der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Mathias I. hat zu einer friedlichen Lösung der jüngsten Konflikte im Land aufgerufen, wie die Stiftung „Pro Oriente“ berichtet.

Stift Heiligenkreuz mit historischem Höchststand an Mönchen

Historischer Höchststand an Ordensmännern im Stift Heiligenkreuz: Die Zisterzienser im Wienerwald zählen seit 14. August 97 Mönche, wie sie auf ihrer Website bekanntgaben. An diesem Tag wurden sechs neue Novizen „eingekleidet“.

Papst bei ehemaligen Prostituierten

„Ich bitte um Vergebung für alle Katholiken und Gläubigen, die euch ausgenutzt, missbraucht und vergewaltigt haben“, sagte Franziskus laut italienischen Medienberichten  bei einem Besuch bei ehemaligen Zwangsprostituierten am 13. August.

Minister Kurz setzt auf Wertekurse und Imame
Landau: „Ein-Euro-Jobs“ sind Schritt in die falsche Richtung

Integrationsminister Sebastian Kurz, Integrationsexperte Prof. Heinz Faßmann und „Statistik Austria“-Bereichsleiter Stephan Marik-Lebeck haben am 16. August in Wien umfassende Daten zum Thema Zuwanderung und Integration in Österreich präsentiert.

Kaiser Karls Sterbehaus zerstört

Bei den auf Madeira wütenden Waldbränden ist auch jenes höchst renovierungsbedürftige Haus ein Raub der Flammen geworden, das die letzte Zufluchtsstätte des seliggesprochenen Kaisers Karl von Österreich war.

Neos-Parteichef Strolz für Pflichtfach „Ethik, Werte, Religion“

Neos-Parteichef Matthias Strolz hat sich erneut für die Abschaffung des Religionsunterrichts in seiner derzeitigen Form ausgesprochen.

Jesuit: Christen in Aleppo halten zusammen

Die Solidarität der Christen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo ist nach den Worten des Jesuitenpaters Ziad Hilal ungebrochen.

Theologe Zulehner warnt vor angstdominierter Politik

Der Theologe Paul Zulehner warnt vor einer von Angst dominierten Politik und Gesellschaft.

Rio: Olympia-Kaplan firmt österreichische Sportler

„Vor Gott zählt ein Olympiasieger genau so viel wie der Letzte.“ Das hat der österreichische Olympia-Seelsorger P. Johannes Paul Chavanne im „Kathpress“-Interview  betont. Er zog dabei persönlich eine sehr positive Bilanz der Olympischen Spiele.

Berlin: Nach erster evangelischer „Homo-Trauung“ vorerst Pause

Nachdem die Evangelische Kirche Berlin/Brandenburg/Oberlausitz (EKBO) im Juli grünes Licht für die Trauung homosexueller Partnerschaften gegeben hat, ist nach einer medial breit rezipierten Premiere am Wochenende vorerst Pause.

Tragen Nonnen die Burka?

Ein Posting des Tiroler Grünen Landtagsabgeordneten Ahmet Demir sorgt in Tirol für politische Aufregung.

Zwei österreichische Ordensschwestern haben in Südkorea Kult-Status

Eine Delegation aus Vorsitz und Geschäftsführung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs hat in Südkorea stellvertretend für die beiden österreichischen Ordensschwestern Marianne Stöger und Margit Pissarek den „Manhae-Preis für soziales Handeln“ entgegengenommen.

Auch im Glauben Weltspitze

Die Medaillengewinner Usain Bolt (dreimal Gold) und David Boudia (Silber) sind auch im Glauben olympisch, schreibt die Londoner katholische Zeitung „Catholic Herald“.

Leitartikel

Fördern statt fordern

Papst Franziskus wird nicht müde zu sagen, dass Islam und Gewalt nicht gleichgesetzt werden dürfen. Die Geschichte zeigt, dass das Christentum oft intoleranter als der Islam war.
1492 fiel die letzte maurische Bastion in  Spanien, woraufhin die „katholischen Könige“ Muslime und Juden zwangstaufen ließen. 300.000 taufunwillige Juden mussten auswandern.
1453 wurde die Hauptstadt des byzantinischen Reiches von den muslimischen Türken erobert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Istanbul trotzdem noch mehrheitlich christlich.
IS-Terror und Migration verursachen Angst. Wie dem begegnen?
Der jüngst präsentierte Integrations-Bericht von Minister Kurz nennt als eines der 50 Ziele die Förderung eines „Islam europäischer Prägung“. Es ist geplant, bis Herbst 2017 die Voraussetzungen eines islamisch-theologischen Studiums in Österreich zu schaffen. Das schafft Freiraum für einen islamischen Diskurs, der so in islamisch geprägten Ländern nur bedingt möglich ist. Das ist realistisch und wird auch von islamischen Gelehrten in Europa unterstützt.
Unrealistisch hingegen ist es, wenn katholische Würdenträger eine grundlegende Reform des Islam einfordern. Religionen sind schwer reformierbar, schon gar nicht durch Zurufe von Andersgläubigen. Nur interne Entwicklungen haben eine Chance.
Doch Reformer in den eigenen Reihen haben es oft sehr schwer. Nicht nur im Islam.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:  Sir 3, 17-18.20.28-29 (19-21.30-31)

Bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott

Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt. Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott. Denn groß ist die Macht Gottes, und von den Demütigen wird er verherrlicht. Für die Wunde des Übermütigen gibt es keine Heilung, denn ein giftiges Kraut hat in ihm seine Wurzeln. Ein weises Herz versteht die Sinnsprüche [der Weisen], ein Ohr, das auf die Weisheit hört, macht Freude.

 

Zweite Lesung:   Hebr 12, 18-19.22-24a

Ihr seid zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes

Schwestern und Brüder!
Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind, zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden; Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes.

 

Evangelium:   Lk 14, 1.7-14

Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Gastfreundschaft aus der Fülle

In den vergangenen Wochen war ich viel in der Welt unterwegs. Da ist mir bewusst geworden, wie unsicher und bedürftig ich bin, wenn ich fremd bin. Ich war dankbar für die gute Versorgung bei einem Seminar, für den Kaffee am Nachmittag, für die Organisation der Besichtigungen und Ausflüge und für die aufmerksame Fürsorge der Gastgeber_Innen. Besonders dankbar war ich für eine langsame und deutliche Aussprache um die ungewohnte Sprache verstehen zu können.
Es waren diese kleinen Gesten der Gastfreundschaft, die diese Zeit der Arbeit und der Erholung so wertvoll gemacht haben. Dadurch waren schöne Begegnungen und ein gutes Miteinander möglich.
Jesus spricht im heutigen Evangelium von Gastfreundschaft, die nicht darauf achtet, dass etwas zurückgegeben wird.
Er sieht die Besitzenden, die sich miteinander arrangieren, die sich um die eigene Macht, ihr Ansehen und ihre Ehre bemühen und keinen Blick darüber hinaus haben.
Jesus fühlt sich hier nicht wohl. Er weist den Gastgeber darauf hin und entwirft ein anderes Bild von Gesellschaft. Menschen, die arm und an den Rand gedrängt sind, sollen teilhaben.
Diejenigen, die Mittel dazu haben und in der Fülle leben, tragen Verantwortung für das Teilen des guten Lebens.
Es liegt an unserer Achtsamkeit und unserem Willen unseren Wohlstand zu teilen, uns zu öffnen und über unseren kleinen Horizont hinauszuschauen.
Ich kann aus der Erfahrung der Fülle mit einem offenen Blick und einem weiten Herzen zur positiven Veränderung beitragen.

 

Information

Kulturkampf in Griechenland: Messe gestört, Kirchen beschmiert, Molotowcocktails gegen Kloster

In Griechenland nimmt der Kulturkampf gegen die orthodoxe Kirche nun sogar gewalttätige Formen an.

Einerseits setzt der linke Ministerpräsident Alexis Tsipras im Parlament seine „Entklerikalisierung“ des öffentlichen Lebens mit Einbringung eines Gesetzes fort, das alle Formen der Gotteslästerung entgegen der bisherigen Gesetzgebung für straffrei erklärt. An der Basis geht der radikale Teil seiner Anhängerschaft mit tätlichen Angriffen auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen schon viel weiter. Dafür haben sich die griechischen Linksextremisten ausgerechnet die zweiwöchige liturgische Vorbereitungszeit auf das Marienfest am 15. August ausgesucht.

Messe in Kathedrale gesprengt
Die Ausschreitungen nahmen am 31. Juli in Saloniki ihren Anfang, wo mit Schlagstöcken bewaffnete Randalierer während des Sonntagsgottesdienstes in die Kathedrale Hagios Grigorios Palamas eindrangen, auf Geistliche und Gläubige einschlugen und so die Eucharistiefeier gewaltsam beendeten. Die Polizei ließ auf sich warten, bis sie den Spuk schließlich doch beendete.

Molotowcocktails gegen Sitz des Hl. Synods
Daraufhin verlagerte sich die Kirchenstürmerei nach Athen, wo eine Reihe von Kirchen mit Farben und Unrat beschmutzt wurden, und gelangte bis nach Kreta. Dort schmierten die Angreifer neben antiklerikalen auch satanistische Parolen an die Wände einer von ihnen verwüsteten Kapelle.
Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die kirchenfeindliche Gewaltwelle am 9. August wieder in Athen: In das Petraki-Kloster, wo der Heilige Synod der Kirche von Griechenland seinen Sitz hat, schleuderten Aktivisten zehn Molotowcocktails, die mehrere dort geparkte Autos zerstörten und einen Brand auslösten. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Vergleich mit IS
Der Mediensprecher der orthodoxen Erzdiözese Athen, Charis Konidaris, prangerte daraufhin an, dass es die griechischen Kirchen-und Klosterstürmer mit ihrer Gewalttätigkeit gegen kirchliche Objekte der Terrormiliz IS gleichtäten. Seit der deutschen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg bei der Partisanenbekämpfung habe in Griechenland niemand mehr Sakralbauten und in ihnen betende Menschen, ja sogar zelebrierende Priester angegriffen; auch die Kommunisten im griechischen Bürgerkrieg der späten 1940er Jahre nicht.
Die gegenwärtige griechische Regierung habe hingegen von Anfang an Wasser auf die Mühlen der Antiklerikalen geleitet und mit ihren Äußerungen den Hass gegen die orthodoxe Kirche und ihre Gläubigen geschürt.

Kirchenfeindliches Regierungsprogramm
Beobachter in Athen bemerken dazu, dass Antiklerikalismus im modernen Griechenland nie bei den – oft tief gläubigen – Linken, sondern im liberalen Lager beheimatet war. Gerade die griechischen Kommunisten haben der Orthodoxie immer Respekt, oft sogar Sympathie bekundet. Erst der Aufstieg des Syriza-Partei Tsipras’, in der liberale Kirchengegner mit anarchistischen Splittergruppen der äußersten Linken zusammenfanden, hatte ein kirchenfeindliches Regierungsprogramm zur Folge. Dieses rückt umso mehr in den Vordergrund, als die Regierung Tsipras auf allen anderen Gebieten von der Wirtschafts-und Sozialpolitik bis zur Diplomatie nur Misserfolge aufzuweisen hat und sich damit die Stimmung in der Bevölkerung galoppierend verschlechtert. Als Sündenbock muss dafür jetzt die orthodoxe Kirche herhalten.
Bis zum Brandanschlag auf das Petraki-Kloster hatte die Regierung die Welle antikirchlicher Gewalt mit keinem Wort verurteilt.

Bartholomaios I. empört
Die Ausschreitungen in Athen und Saloniki, aber auch schon in anderen griechischen Städten, beunruhigen auch den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., der direkt für gut die Hälfte des Landes und indirekt auch für die eigenständige Orthodoxe Kirche von Griechenland in dessen Süden zuständig ist. Bereits nach dem Überfall auf die Kathedrale von Saloniki hatte der Patriarch seiner Empörung Ausdruck gegeben, dass „in einem demokratischen Griechenland der Sonntagsgottesdienst durch sogenannte Antiautoritäre gewaltsam beendet werden konnte“.

Minister Kurz setzt auf Wertekurse und Imame
Landau: „Ein-Euro-Jobs“ sind Schritt in die falsche Richtung

Integrationsminister Sebastian Kurz, Integrationsexperte Prof. Heinz Faßmann und „Statistik Austria“-Bereichsleiter Stephan Marik-Lebeck haben am 16. August in Wien umfassende Daten zum Thema Zuwanderung und Integration in Österreich präsentiert.

Das Jahr 2015 mit einer Zuwanderung von 214.400 Personen und einer Zuwanderungszunahme von 56 Prozent gegenüber 2014 übertraf demnach alle bisherigen Jahre. Mit 88.340 Asylanträgen verzeichnete Österreich 2015 so viele Asylanträge wie in den fünf Jahren zuvor zusammen (2010-2014: 88.408). 91.600 Menschen kamen zudem aus EU-Ländern und der Schweiz nach Österreich. Weil 101.300 Personen Österreich im Vorjahr wieder verlassen haben, beträgt der Zuwanderungssaldo rund 113.000 Menschen.
Sowohl Kurz wie Faßmann hoben die Bedeutung der verpflichtenden Wertekurse hervor. Es gehe darum, die Flüchtlinge mit einer liberalen und säkularen Gesellschaft vertraut zu machen.

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Integrationsminister
Sebastian Kurz.

Kurz sagte im Blick auf „Deradikalisierung“, wichtig seien Maßnahmen gemeinsam mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft. „Wir brauchen Imame, Religionslehrer und Aktive als Partner“, hob er hervor. „Null Toleranz“ müsse es mit „Anwerbern und Hasspredigern“ geben.
Im Blick auf die Integration der 2015 u.a. aus Syrien, Irak, Afghanistan und Somalia nach Österreich Geflüchteten sagte Minister Kurz, im Bereich der Unterbringung gebe es keinen Notstand mehr. Die Lösung dieser Frage sei allerdings die leichteste von allen.
Die schwierigste Herausforderung sei hingegen die Integration der Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt, so der Minister. Das Fehlen von Qualifikationen sei hier das Haupthindernis, da der Arbeitsmarkt im Gegensatz zu früher – als die Welle der Gastarbeiter gekommen war – heute keine unqualifizierten Kräfte mehr brauche.

Landau gegen „Ein-Euro-Jobs“
Die von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz geforderten verpflichtenden gemeinnützigen „Ein-Euro-Jobs“ für arbeitslose anerkannte Flüchtlinge sind für Caritas-Präsident Michael Landau ein „schlechtes Signal und ein Schritt in die falsche Richtung“. Dies könnte zur „Verelendung“ von Flüchtlingen wie auch Österreichern führen, warnte Landau auf seinem Facebook-Account.

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Caritas-Präsident
Michael Landau.

Völkerrechtlich und europarechtlich dürften anerkannte Asylberechtigte nicht schlechter gestellt werden als die eigenen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Damit sei zu befürchten, dass es bei der Idee von „Ein-Euro-Jobs“ für geflüchtete Menschen nicht um Integration geht, sondern um den Aufbau und Ausbau eines Niedriglohnsektors in Österreich.
Der Caritas-Präsident verweist auf die Entwicklung in Deutschland, wo es die sogenannten „Ein-Euro-Jobs“ bereits gibt: „Ein solcher Niedriglohnsektor, in Deutschland 22 bis 24 Prozent der Beschäftigung, ist die dunkle Seite des deutschen Jobwunders: prekäre, schlecht entlohnte und beschämende Beschäftigungen.“

Neos-Parteichef Strolz für Pflichtfach „Ethik, Werte, Religion“

Neos-Parteichef Matthias Strolz hat sich erneut für die Abschaffung des Religionsunterrichts in seiner derzeitigen Form ausgesprochen.

„Wir brauchen keinen Religionsunterricht – sondern einen ‚Religionen-Unterricht‘. Ein Pflichtfach ‚Ethik, Werte, Religion‘, sagte er in einem Interview der Tageszeitung „Österreich“ (14. August). Im Rahmen eines solchen Fachs solle man sich an den Schulen

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Neos-Parteichef Matthias Strolz.
Foto: Parlamentsdirektion.

„gemeinsam austauschen über das, was die Gesellschaft zusammenhält“, so der Politiker.
Konfessioneller Religionsunterricht könnte nach Meinung von Strolz zusätzlich stattfinden. Der Staat solle dafür auch die räumliche Infrastruktur an den Schulen bereitstellen. Finanziert werden solle der konfessionelle Religionsunterricht jedoch von den Religionsgemeinschaften selbst.

Schulbischof bei Bildungsministerin
Schulbischof Wilhelm Krautwaschl ist am 16. August erstmals mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid zusammengetroffen. Begleitet wurde Krautwaschl vom Vorsitzenden des „Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung“, Josef Rupprechter.

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Schulbischof
Wilhelm Krautwaschl.

Im Gespräch mit der Bundesministerin und im Anschluss gegenüber „Kathpress“ hoben Krautwaschl und Rupprechter die Bedeutung der religiösen Bildung für Schule und Gesellschaft hervor und informierten über die Situation der katholischen Privatschulen. Sie orteten bei der neuen Bildungsministerin großes Interesse für die Anliegen der Kirche im Bildungsbereich und für ein konstruktives Miteinander von öffentlichem und privatem Schulwesen.

Religionsunterricht trägt zum Frieden bei
Ein kirchliches Hauptanliegen bestehe in der Sicherstellung eines professionellen Religionsunterrichts, und zwar nicht nur für die katholische Kirche sondern für alle Kirchen und Religionen, so Bischof Krautwaschl.
Der innerhalb des Schulsystems wirkende konfessionelle Religionsunterricht sei ein wichtiger Integrationsfaktor für die Gesellschaft. Die Reflexion des Eigenen und das Kennenlernen anderer Haltungen förderten Dialog und Solidarität. So trage der Religionsunterricht zu einem friedlichen Zusammenleben bei.

Gemeinsame Religionslehrer-Ausbildung
Im Gespräch zwischen der Bildungsministerin und den Kirchenvertretern wurden u.a. aktuelle Themen der Bildungsreform, die speziellen Herausforderungen durch die Flüchtlingssituation, der interreligiöse Dialog und die Qualitätssicherung in der Ausbildung der Religionslehrer diskutiert.
Seit vergangenem Herbst gibt es an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems eine gemeinsame Ausbildung für christliche, muslimische und jüdische Religionslehrer. Das Miteinander sei gut, freilich hätten sich in der Praxis auch noch eine Reihe von Herausforderungen gezeigt, so Rupprechter. Grundsätzlich sei diese gemeinsame Ausbildung aber beispielhaft.

Zwei österreichische Ordensschwestern haben in Südkorea Kult-Status

Eine Delegation aus Vorsitz und Geschäftsführung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs hat in Südkorea stellvertretend für die beiden österreichischen Ordensschwestern Marianne Stöger und Margit Pissarek den „Manhae-Preis für soziales Handeln“ entgegengenommen.

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Sr. Marianne Stöger.
sr. pissarek margit
Sr. Margit Pissarek.

Mit dem Preis, der als hohe Auszeichnung Südkoreas in unterschiedlichen Kategorien bisher an Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, den Dalai Lama, oder die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi vergeben wurde, würdigte das Land den Dienst der beiden Christkönigschwestern an den Kranken auf der „Lepra-Insel“ Sorok.
Während 43 Jahren gelang es den zwei Tirolerinnen, umfassende Einrichtungen zu initiieren, die die die Verbreitung von Lepra bzw. Morbus Hansen in Südkorea nahezu zum Stillstand gebracht haben. Die Preisverleihung am 12. August, die von den seit 2005 wieder in Österreich lebenden Ordensfrauen selbst nicht wahrgenommen werden konnte, war verbunden mit der Würdigung der langjährigen Unterstützung des Hilfsprojekts auf Sorok durch die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, die 1958 mit dem Schwerpunkt auf Südkorea gestartet worden war.

Mutter Teresa ähnlich
„Wir waren und sind überwältigt von der überaus hohen Wertschätzung und Dankbarkeit, die Marianne Stöger und Margit Pissarek in Südkorea entgegengebracht werden“, berichtet Eva Oberhauser. Oberhauser war als stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung und Zuständige für die Agenden der Aktion Familienfasttag gemeinsam mit der zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Andrea Ederer sowie Maria Hauer, Mitglied der Geschäftsführung, von der kfbö delegiert worden, die Ehrung für Stöger und Pissarek entgegenzunehmen. „Ich war in Kalkutta und habe das Werk von Mutter Teresa kennengelernt – das, was ich auf Sorok gesehen habe, kommt dem recht nahe“, so Oberhauser, die mit ihren Kolleginnen auf Einladung des Gouverneurs der Provinz Goheung-Gun gereist war.

Kultstatus in Südkorea
In Südkorea war die Preisverleihung auf hohes mediales Interesse gestoßen, die größte Tageszeitung des Landes wie auch elektronische Medien haben berichtet. „Marianne Stöger und Margit Pissarek genießen regelrechten Kultstatus. Man kann die Häuser, die die beiden errichten ließen, besichtigen, sie wurden zu nationalen Kulturgütern erklärt, und ein Museum informiert über die Arbeit der Schwestern“, berichtet Oberhauser.

Einsatz im Namen der Menschenwürde
Als Stöger und Pissarek 1962 im Alter von  27 bzw. 28 Jahren nach Sorok kamen, trafen sie auf nackte Not. Nach dem Ende der 35-jährigen japanischer Besatzungszeit, während der an Morbus Hansen Erkrankte auf die Insel verbannt worden waren, hatte sich nichts an der bestehenden Ächtung und Verbannung geändert. „Die Kranken hatten unterwürfig zu sein, Schläge standen an der Tagesordnung, auch Zwangsabtreibungen und Sterilisationen. Es brauchte Jahrzehnte, um das zu ändern“, erklärt Marianne Stöger. Stöger und Pissarek ging es darum,  den Kranken ihre Menschenwürde zurückzugeben. Das ließ sie mit bloßen Händen zupacken, Medikamenten- und Geldsammelaktionen starten, um ein Haus für die Kranken zu errichten, einen Krankentrakt für Tuberkulose-PatientInnen anzuschließen, einen weiteren für geistig Behinderte.

Internationales Ansehen
Die „Lepra-Station“ entwickelte sich schließlich zu einer weltweit renommierten Pflege- und Forschungseinrichtung, die jüngst das „World Hansen´s Disease Forum“ mit rund 30 nationalen Delegationen aus aller Welt ausrichtete. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen reicht inzwischen nahe an Null, das Durchschnittsalter der  verbliebenen 539 Kranken auf Sorok beträgt gegenwärtig 75 Jahre.

Für Nobelpreis vorgeschlagen
Bereits in den vergangenen Jahren haben Marianne Stöger und Margit Pissarek zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 1996 verlieh ihnen der südkoreanische Ministerpräsident die „Koreanische Nationalmedaille“, 1999 bekamen sie den „Ho-Am-Preis“ der Samsung-Foundation, und am 8. Juni diesen Jahres hat das koreanische Justizministerium den beiden Frauen die Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen, eine seltene Würdigung, die zuvor nur einer einzigen weiteren Person zuteil geworden ist. Die Verwaltung von Goheung-Gun hat die beiden Tiroler Ordensfrauen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Dem Ruf Gottes gefolgt
Marianne Stöger und Margit Pissarek haben die Einladung, ihren Lebensabend gut versorgt in Südkorea zu verbringen, ausgeschlagen. Für Stöger ist das, was sie 43 Jahre lang getan hat, „nichts Besonderes“. „Ich bin dem Ruf Gottes gefolgt“, erklärt die Tirolerin, und sie würde es wieder tun: „Unter den gleichen Bedingungen: wenn man versteht und erkennt, dass Jesus in uns lebt, dann kann man jeden Menschen lieben“. Mit großer Genugtuung erfüllte Stöger der Beschluss der südkoreanischen Regierung im Mai 2015, ehemalige Morbus Hansen-Erkrankte, die Opfer von Abtreibung und Sterilisation geworden waren, zu entschädigen.