Inhalt der gedruckten Ausgabe 35/2015

Leitartikel

Altevangelischer Neuevangelist

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Information

Donald Trump poltert gegen Immigranten, seine Pfarre hilft ihnen

Wird der 69-jährige Donald Trump nach Martin van Buren (1837-1841) und Theodor Roosevelt (1901-1909) 2016 der dritte US-Präsident, der Mitglied der Reformed Church in America (früher Dutch Reformed Church) ist, der ältesten protestantischen Kirche in den USA?

Syrien: IS-Terroristen zerstören 1.600 Jahre altes Kloster

Die Terrormiliz IS hat in den vergangenen Tagen unter Einsatz von Bulldozern das jahrhundertealte syrisch-katholische St. Elian-Kloster in der syrischen Kleinstadt Qaryatain zerstört. Bilder der Zerstörungsorgie wurden am 20. August von den IS-Terroristen im Internet verbreitet. Am 5./6. August hatte die Terrormiliz Qaryatain eingenommen.

Mohammed ist der häufigste Babyname in England

 

Bischof: Ägypten will IS nicht

Nach dem jüngsten Attentat in Kairo befürchtet der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William weitere Aktionen von Islamisten.

Papst: Messe bedingt Gemeinschaft

„Die Eucharistie ist nicht ein privates Gebet oder eine bloße schöne spirituelle Erfahrung – und auch nicht nur eine Erinnerung an das, was Jesus beim Letzten Abendmahl getan hat“.

Iranischer Film „Paradise“ erhält Ökumenischen Preis in Locarno

Der iranische Wettbewerbsbeitrag „Paradise“ hat am Wochenende den Preis der Ökumenischen Jury beim diesjährigen Filmfestival Locarno (Schweiz) erhalten.

Katholische Frauen wollen in Bioethik-Fragen mitmischen

Eizellspende, Pränataldiagnostik, Leihmutterschaft, Genetik, Sterbehilfe – die rasante Entwicklung neuer Technologien fordere Frauen heraus, sich zu informieren, Position zu beziehen und den öffentlichen Diskurs zu den ethischen Aspekten dieser Technologien qualifiziert mitzugestalten.

Asylkrise kann nur international gelöst werden

Die gegenwärtige Krise bei der Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen in Europa kann nur auf internationaler Ebene gelöst werden. Das betonte der gebürtige Syrer und Flücht­lingsbeauftragte von Kardinal Christoph Schönborn, Manuel Baghdi, in einem Interview mit der „Wiener Zeitung“.

Afroamerikanischer Weihbischof von New Orleans beklagt Rassismus in den USA

Der zur afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe gehörende Weihbischof von New Orleans (Louisiana), Fernand Cheri, sieht einen „strukturellen Rassismus“ in den USA. Bis heute, zehn Jahre nach der verheerenden Katastrophe durch Hurrikan „Katrina“, habe es keine richtige Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Armut gegeben, sagte der Bischof in einem Interview mit der deutschen  Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Autor Kermani: Außer in Westeuropa kein Rückzug der Religion

Die Religionen spielen nach Ansicht des deutsch-iranischen Orientalisten und Schrift­stellers Navid Ker­mani weiter eine wichtige Rolle.

Kardinal Zen verurteilt Pekinger Kreuzentfernungs-Befehl

Hongkongs emeritierter Kardinal Joseph Zen Ze-kiun hat die Entfernung von Kreuzen in der chinesischen Provinz Zhejiang durch Behörden verurteilt. Die Maßnahme sei ein „schwerer Rückschritt“ der Religionspolitik, stelle eine Beleidigung der Glaubensgemeinschaften dar und verletze deren verfassungsmäßige Rechte, sagte der 83-jährige Kardinal laut der Bangkoker katholischen Presseagentur UCA News.

Empörung in Italien über pompöse Mafia-Beerdigung

Die pompöse kirchliche Beerdigung für den römischen Mafia-Boss Vittorio Casamonica stößt bei Politikern und Kir­chen­vertretern auf Empörung.

Bezaks Kanzler arbeitet jetzt für die Stadt Trnava

Die Frage nach der Vereinbarung von geistlichen und politischen Ämtern beschäftigt aus Anlass eines prominenten Falls die slowakische Öffentlichkeit.

Ökumene trauert um Superintendent Paul Weiland

Der 65-jährige evangelische Superintendent Paul Weiland, ist am Sonntagnachmittag, 16. August, überraschend gestorben. Er stand fast 17 Jahre an der Spitze der evangelischen Kirche in Niederösterreich.

Bischof Krätzl: Don Bosco zeigt Weg zu „jugendgerechter“ Kirche

Eine „jugendgerechte“ Kirche hat der emeritierte Wie­ner Weihbischof Helmut Krätzl eingefordert.

In memoriam P. Josef

In Erinnerung an den vor drei Jahren verstorbenen charismatischen P. Josef García-Cascales findet am 12. September ab 16:00 Uhr im Wiener Haus Claret (Bennog. 21) eine Feier statt.

Leitartikel

Altevangelischer Neuevangelist

Der plötzliche Herztod des niederösterreichischen Superintendenten Paul Weiland hat seine ganze große Familie in tiefe Trauer gestürzt. Die Jesus-Familie, die keine Grenzen kennt.
Landeshauptmann Erwin Pröll sprach bei der Trauerfeier aus, was  unzählige Landsleute denken: Paul Weiland war ein Seelsorger im besten Sinne des Wortes. Aufrichtig und aufrichtend, ruhig und beruhigend, überzeugt und überzeugend.
Weiland habe es immer geschafft, glaubhaft zu sein, also den Glauben zu verkörpern und auch zu vermitteln. Er habe durch seine unglaubliche Fähigkeit, auf die Menschen zuzugehen, viele Brücken gebaut, ob nun zwischen den Menschen, den Institutionen oder zwischen der Kirche und der Politik, so Pröll.
Auch zahlreichen Nichtevangelischen war Paul ein lieber Weggefährte und Freund.
Katholiken verwechseln bisweilen „Evangelischer“ und „Evangelist“. Paul war beides. Protestant und Glaubensverkünder. Andere predigen „Neuevangelisierung“, er hat sie gelebt.
Selbst sein Begräbnis gab noch ökumenische Impulse: Die trauernden katholischen Geistlichen waren allesamt männlich und im weltlichen Pensionsalter, die große Zahl der evangelischen Pastoren waren jung bzw. im besten Alter, darunter viele Frauen.
Weilands irdisches Ende fordert heraus, über die eigene Zukunft nachzudenken. Du bleibst in unserem Herzen, Paul.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Dtn 4, 1-2.6-8

Achtet auf die Gebote des Herrn! Fügt nichts hinzu!

Mose sprach zum Volk: Israel, höre die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch zu halten lehre. Hört, und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen. Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, achten, auf die ich euch verpflichte. Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennen lernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk. Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen? Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?

Zweite Lesung:   Jak 1, 17-18.21b-22.27

Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach!

Meine lieben Schwestern und Brüder!
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien. Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.

Evangelium:   Mk 7, 1-8.14-15.21-23

Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen

In jener Zeit hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Schmuddelkinder

„Nicht sauber sondern rein!“ war ein Werbeslogan aus meiner Jugend. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ ein Lied, das im Umbruch der 68-er gerne gesungen wurde. Letztlich war es eine Aufforderung, Schmuddelkind zu werden…
Viele biblische Hygieneregeln sind aus unserer Sicht sinnvoll, doch Jesus kritisiert sie und wird damit nicht zum Schmuddelkind. Es geht ihm um ihren Sinn für die Beziehung zwischen Gott und Mensch und zwischen den Menschen untereinander.
Jede Religion neigt dazu, ein Regelsystem zu entwickeln. Dies schafft Identität, entwickelt aber oft eine Eigendynamik, die seinen Sinn in das Gegenteil verkehrt. So entsteht eine Betriebsblindheit, die droht, die Kirche unfähig zu machen, auf die Bedürfnisse der Menschen heute einzugehen.
Ein Bischof äußerte sich in einem Interview zur sogenannten „Homoehe“ und dozierte, dass dies keine „Ehe“ sein könne. Wenn Menschen heute die Homoehe fordern, akzeptieren sie die Schöpfungsrealität. Sie wollen eine analoge Lösung zur Ehe für gleichgeschlechtlich veranlagte Menschen. In diesem Zusammenhang darüber zu dozieren, warum dies keine Ehe ist, zeigt die Gefangenheit in einer festgefahrenen Begrifflichkeit. Es geht nicht mehr um die Legitimität, auch diese Formen von sexueller Orientierung offen zu leben. Es geht um Gerechtigkeit, allen Menschen intime Lebensbeziehungen wie Eheleuten zu ermöglichen mit allen Schutzrechten.
Eine Anregung zur anstehenden Familiensynode: Anstatt sich begrifflich immer wieder im Kreis zu drehen und Menschen zu verprellen, geht es um eine theologische Lösung: Wie geht Gott, ein liebevoller Schöpfer mit uns Menschen um, und wie schafft er Menschen, die früher als Schmuddelkinder diskriminiert wurden, Lebensraum in seiner Kirche?

 

Information

Donald Trump poltert gegen Immigranten, seine Pfarre hilft ihnen

Wird der 69-jährige Donald Trump nach Martin van Buren (1837-1841) und Theodor Roosevelt (1901-1909) 2016 der dritte US-Präsident, der Mitglied der Reformed Church in America (früher Dutch Reformed Church) ist, der ältesten protestantischen Kirche in den USA?

Zuletzt ist der Multimilliardär und republikanische Präsidentschaftsbewerber mit markigen  Sprüchen immer mehr zum ernsthaften Gegner von Hillary Clinton im Kampf um die US-Präsidentschaft geworden. Zuletzt forderte er den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, um illegale Übertritte von Hispaniern zu verhindern.

Donald Trump
Donald Trump

Trump selbst ist Abkömmling von Einwanderern. Mutter Mary Ann Mac Leod stammt aus Schottland, sein Vater Frederick Trump hat deutsche Wurzeln. Seine Großeltern  Friedrich Drumpf (1869–1918) und  Elisabeth Christ (1880–1966) waren Einwanderer aus Kallstadt in der Pfalz.

„Heimatpfarre“ in New York
Donald Trump sammelt Bibeln und bezeichnet sich selbst als „Sonntagskirchgeher“. Seine „Heimatpfarre“ ist die „First Presbyterian Church in Jamaica“ im Stadtbezirk Queens von New York. Deren erstes Gotteshaus wurde bereits 1669 errichtet.
Heute ist die Pfarre missionarisch und sozial hoch aktiv. Die Zahl der aktiven Mitglieder hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf 750 verdoppelt – sie kommen aus rund 35 Nationen, berichtet die Pfarr-Homepage.
Neben anderen Aktivitäten werden jährlich Lebensmittel für 25.000 Mahlzeiten  verteilt („die Zahl der armen Senioren und Hispanier steigt ständig“); die Suppenküche speist dazu täglich etwa 20 Personen. Regelmäßig werden Gefangene besucht und deren Familien betreut.

Hilfsprogramm
Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige in der „First Presbyterian Church
in Jamaica“, New York.

Beinahe jeder zweite der 2,3 Millionen Bewohner von Queens ist im Ausland geboren.
Seiner 300.000 Mitglieder zählenden Kirche hat Trump immer die Treue gehalten, seinen Frauen und seiner Partei nicht. Er ist dreimal verheiratet. Eine seiner Töchter ist zum Judentum konvertiert. Er selbst steht dem Islam skeptisch gegenüber.
1999 wechselte er von den Republikanern zur Independent Party, 2001 zu den Demokraten und 2009 kehrte er zu den Republikanern zurück.
Trump fordert die Ausweisung der elf Millionen illegalen Einwanderer, von denen die meisten seit vielen Jahren in den USA leben. Experten sagen, ohne diese Billiglohn-Arbeiter könnte das Land nicht auskommen.

Asylkrise kann nur international gelöst werden

Die gegenwärtige Krise bei der Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen in Europa kann nur auf internationaler Ebene gelöst werden. Das betonte der gebürtige Syrer und Flücht­lingsbeauftragte von Kardinal Christoph Schönborn, Manuel Baghdi, in einem Interview mit der „Wiener Zeitung“.

Baghdi, ein Christ, ist 1989 aus Syrien nach Österreich geflohen. Er engagiert sich seither im Verein „Bewegung Mitmensch – Maria Loley“ für Menschen auf der Flucht.
Der Flüchtlingsbeauftragte plädiert für eine nachhaltige Lösung, die den „Kern des Problems und nicht nur die Schale“ behandelt. Innenpolitische Debatten in den europäischen Ländern alleine reichten nicht aus. Es brauche vielmehr die direkte Hilfe vor Ort, „in den Lagern im Libanon oder in Jordanien“.

Manuel Baghdi
Manuel Baghdi.

Baghdi spricht sich für Auffanglager aus, „sofern sie vom UNHCR oder von NGOs geleitet werden“. So könne vor Ort festgestellt werden, „wer am meisten Hilfe braucht beziehungsweise in größter Gefahr ist“. Diese Menschen sollte man „dann durch humanitäre Korridore nach Europa bringen“. Das würde auch europäische Länder entlasten, „damit könnte man sich das ersparen, was jetzt in Traiskirchen passiert“, so Baghdi.

Feldkirch sucht Quartiere
Die katholische Kirche in Vorarlberg bemüht sich um weitere kirchliche Unterkünfte für Flüchtlinge. Bischof Benno Elbs stehe aktuell u.a. mit 29 Ordensniederlassungen in Kontakt, um gemeinsam mit den Verantwortlichen Nutzungsmöglichkeiten zu erörtern, hieß es auf „Kathpress“-Anfrage aus der Diözese Feldkirch. Ein kürzlich erfolgter Aufruf unter den Vorarlberger Pfarren habe bisher 42 Grundflächen aufgetan, die sich zur Erstellung von temporären Wohneinheiten eigneten. Die Angebote müssten nun mit den Verantwortlichen des Landes Vorarlberg erörtert werden.
Derzeit sind in Vorarlberg nach Landesangaben 2.091 Asylwerber untergebracht. 1.523 von ihnen leben in den 131 Caritas-Quartieren, die die kirchliche Hilfsorganisation in Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg geschaffen hat.
Heuchlerische Vorwürfe
Gegen Pauschalangriffe auf die Kirche und speziell die Ordensgemeinschaften wegen ihres vermeintlich zu geringen Engagements bei der Flüchtlingsunterbringung hat sich die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Beatrix Mayrhofer, gewehrt.
Dass Ordensleute neben der Beherbergung auch Aufgaben der Flüchtlingsbetreuung übernehmen, bezeichnet die Frauenordens-Präsidentin schon allein aufgrund der Altersstruktur der Gemeinschaften als überfordernd. Von den 3.800 Ordensfrauen in Österreich seien  etwa 2.000 älter als 75 Jahre. Dazu komme, dass viele Flüchtlinge traumatisiert seien und geschulte Fachkräfte benötigten.

Beatrix Mayrhofer
Sr. Beatrix Mayrhofer.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Landau lobt Neudörfl
Neudörfl sei „ein Synonym dafür, dass eine menschliche Asylpolitik nicht nur hier in der Gemeinde, sondern darüber hinaus im Burgenland und in ganz Österreich möglich ist“.
In Bezug auf den Umgang mit Asylwerbern betrachtet Caritas-Präsident Michael Landau die Marktgemeinde unweit von Wiener Neustadt als Gegenmodell zu dem rund 20 Kilometer entfernten Traiskirchen und der dortigen „humanitären Katastrophe“.
Im von der Caritas geführten „Haus Sarah“ in Neudörfl sind derzeit 56 großteils unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) untergebracht und werden kompetent sozialpädagogisch betreut.
Landau besuchte die Einrichtung am Mittwoch gemeinsam mit dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl, Landesrat Norbert Darabos und SPÖ-Bürgermeister Dieter Posch.

Für konsequente Abschiebung
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist für eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber aus dem Westbalkan. Bei seiner Reise durch Albanien und den Kosovo treffe er im Moment viele Menschen, die nicht glauben wollten, dass sie wenig Chance auf politisches Asyl in Deutschland hätten, sagte Woelki  dem Sender „Deutschlandradio Kultur“. Der Erzbischof besucht derzeit mit einer Caritas-Delegation den Kosovo und Albanien.

„Anti-Asyl-Volksbegehren“
„Ein Anti-Asyl-Volksbegehren ist das letzte, was Österreich braucht“: Mit diesen Worten hat sich die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich  (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, gegen das von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angedachte Volksbegehren „Österreich zuerst, Teil zwei“ gewandt.

„Machbar in Not“
Bei der Suche nach leistbarem Wohnraum unterstützt die Caritas der Erzdiözese Wien seit kurzem Asylwerber und anerkannte Flüchtlinge im Rahmen des Projekts „Machbar in Not“. Oft scheitere die Wohnungssuche an fehlenden finanziellen Mitteln, unzureichender Sprachkenntnis oder Ängsten in der Bevölkerung.
Die kirchliche Organisation agiert im Rahmen des Projekts als Vermittler zwischen Mietern und Vermietern. Gesucht werden Privatpersonen, die Flüchtlingen, subsidiär Schutzberechtigten und Asylwerbern eine abgeschlossene Wohneinheit, also beispielsweise eigenständige Wohnungen, in gutem Zustand und mit der Möglichkeit, einen Mietvertrag abzuschließen, anbieten wollen.
In der Diözese St. Pölten bieten Caritas und Diakonie als Vertragspartner des Landes Sprachkurse für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzbedürftige an.

Afroamerikanischer Weihbischof von New Orleans beklagt Rassismus in den USA

Der zur afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe gehörende Weihbischof von New Orleans (Louisiana), Fernand Cheri, sieht einen „strukturellen Rassismus“ in den USA. Bis heute, zehn Jahre nach der verheerenden Katastrophe durch Hurrikan „Katrina“, habe es keine richtige Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Armut gegeben, sagte der Bischof in einem Interview mit der deutschen  Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Weihbischof Fernand Cheri.
Weihbischof Fernand Cheri.

Die Schwarzen seien „in die Armut gedrängt“ worden und hätten „keine Wege, da herauszukommen“. Auch von „Katrina“ seien die Ärmsten am härtesten getroffen worden, sagte Cheri. Sie hätten keine Chance gehabt, die Stadt zu verlassen; und sie seien die Letzten gewesen, die beim Wiederaufbau Hilfe erhalten hätten. „Leute wie meine Mutter wussten gar nicht, was sie machen sollten“, so der Bischof.

Über Rassismus sprechen
Rassismus in den USA zeige sich nicht nur bei Fällen von Polizeigewalt wie in der Kleinstadt Ferguson; das Problem sei struktureller Natur, sagte Cheri und forderte: „Wir müssen mit der gleichen Intensität über Rassismus sprechen wie über Abtreibung oder Sterbehilfe.“ Zudem müsse die Kirche in den USA mehr für Bildung tun. „Das war der einzige Weg heraus aus der Sklaverei, und es bleibt der einzige Weg aus Armut, Abhängigkeit und Rassismus.“

Vorurteile in Medien
Als Beispiel für alltäglichen Rassismus nannte Cheri die Medienberichterstattung über „Katrina“. Er habe zwei Bilder in der Lokalzeitung gesehen. Eines zeigte, wie Schwarze ein Geschäft ausräumen; darunter stand „plündern“. Ein anderes Bild zeigte Weiße, die das selbe taten; die Bildunterschrift lautete: „Sie nehmen sich etwas, um zu überleben.“ Der Bischof dazu: „Unsere Sprache spiegelt unsere Vorurteile in der Wahrnehmung wider.“

Ökumene trauert um Superintendent Paul Weiland

Der 65-jährige evangelische Superintendent Paul Weiland, ist am Sonntagnachmittag, 16. August, überraschend gestorben. Er stand fast 17 Jahre an der Spitze der evangelischen Kirche in Niederösterreich.

+ Superintendent Mag. Paul Weiland.
+ Superintendent Mag. Paul Weiland.

Die Todesnachricht des in der Ökumene überaus engagierten gebürtigen Steirers löste auch innerhalb der katholischen Kirche Bestürzung aus. Kardinal Christoph Schönborn und der St. Pöltner Bischof Klaus Küng bekundeten ihre Wertschätzung für den verstorbenen Superintendenten.
Besonders verbunden war dem Verstorbenen auch der Mariazeller Superior P. Karl Schauer – nicht nur, weil der Marienwallfahrtsort zur niederösterreichischen Superintendentur gehört, sondern vor allem wegen der menschlichen Größe Weilands, wie Schauer gegenüber „Kathpress“ betonte. Weiland habe eine große „ökumenische Weite“ und Dialogfähigkeit ausgezeichnet. Kirchenordnungen seien ihm nie so wichtig gewesen wie die Menschen, „die er geliebt hat“.

Ökumenische Akzente in Mariazell
Für Aufsehen sorgte seine buchstäblich „tragende Rolle“ beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2007 in Mariazell: Im Rahmen der ökumenischen Vesper überreichte Weiland dem Papst eine Kerze, die auf die zur selben Zeit stattfindende Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) in Sibiu verwies. Dieses Zeichen ökumenischer Verbundenheit gemäß dem Motto der EÖV3 „Das Licht Christi scheint auf alle“ war innerevangelisch nicht unumstritten, hatte die Glaubenskongregation doch zuvor erklärt, dass die Kirchen der Reformation keine „Kirchen im eigentlichen Sinn“, sondern lediglich „kirchliche Gemeinschaften“ seien.
Bereits vor dem Papstbesuch nahm Weiland an einem mariologischen Symposion teil – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit für einen evangelischen Kirchenvertreter. Auch beim Dankgottesdienst für den zuvor zurückgetretenen Benedikt XVI. war der niederösterreichische Superintendent am 3. März 2013 in Mariazell präsent.

Seit 1998 Superintendent
Paul Weiland wurde am 14. September 1949 im steirischen Rottenmann geboren, wuchs aber in Stadtschlaining im Burgenland auf. Er studierte Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien und wurde 1979 ordiniert. Weiland war u.a. AHS-Religionslehrer, Pressepfarrer beim epdÖ und wurde im September 1998 zum ersten Mal und 2010 erneut zum Superintendenten der Evangelischen Kirche in Niederösterreich gewählt.

Fünf Bischöfe bei Trauerfeier
Unter großer öffentlicher Beteiligung ist am 21. August in St. Pölten der verstorbene Superintendent beigesetzt worden.
Neben der Familie hatten sich auch zahlreiche Vertreter aus Kirche und Politik zu der Trauerfeier in der Landhauskapelle eingefunden. An der Seite von Vertretern aus der evangelischen Kirche nahmen aus der Ökumene der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl, der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin, der emeritierte altkatholische Bischof Bernhard Heitz  sowie Äbte und Ordensleute teil. Von Seiten der Politik war Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Trauerfeier anwesend. Die Predigt hielt der evangelische Bischof Michael Bünker.
Bünker bezeichnete Weiland als einen „liebevollen Kämpfer für Gerechtigkeit“ mit der unantastbaren Gabe, immer mit größter Neugierde auf das Neue und Andere zu schauen. Weiland sei ein geliebter, vertrauter und verlässlicher Partner gewesen, der immer mit größtem Einsatz den Schwachen und Benachteiligten zugewandt war.
In einer Zeit in der die Gegensätze immer größer werden, sei Weiland immer für den Zusammenhalt eingetreten, sei es zwischen den evangelischen Kirchen, in der Ökumene, oder im Land Niederösterreich. Dafür gelte ihm uneingeschränkte Dankbarkeit.