Inhalt der gedruckten Ausgabe 34/2016

Leitartikel

Es geht ums Tun und nicht ums Siegen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Information

Extremer Hass im US-Wahlkampf
Ordensfrauen stehen auf, Bischöfe schweigen

Während sich die Bischöfe der USA im Präsidentschaftswahlkampf bisher kaum akzentuiert geäußert haben, üben die US-Ordensfrauen scharfe Kritik an der politischen Kultur ihres Landes und an den Hassausbrüchen wie jüngst während des Republikaner-Parteitags in Cleveland.

Nicht nur die Türkei, auch die katholischen Philippinen wollen die Todesstrafe wieder einführen

Nicht nur die Türkei, auch die Philippinen wollen die Todesstrafe wieder einführen. Die Philippinen sind neben dem kleinen Osttimor der einzige asiatische Staat mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. 80 Prozent der 101 Millionen Filipinos sind katholisch.

Linz: KA-Präsident begrüßt Absage  von Festmenü in Kirche

Der Präsident der oberösterreichischen Katholischen Aktion (KA), Bert Brandstetter, hat die Entscheidung der Pfarre Freistadt begrüßt, ein für Anfang September geplantes Kammerkonzert mit Festmenü in der Pfarrkirche abzusagen.

Papst macht nur Tagesausflüge

Papst Franziskus hat einen Ausflug in die weitere Umgebung von Rom unternommen. Am 9. August  überraschte er ein Benediktinerinnenkloster in der Abruzzen-Gemeinde Carsoli.

Nach dem Priester-Mord in Frankreich Eklat in Prag:
Die Kirchenzeitung weist einen Text von Kardinal Duka zurück

Zwischen dem Prager Kardinal Dominik Duka und der Redaktion der von der Tschechischen Bischofskonferenz herausgegebenen Wochenzeitung „Katolicky tydenik“ ist es zum Streit über einen Artikel Dukas gekommen.

„Initiative Christlicher Orient“: Neues Hilfsprojekt in Aleppo

Die „Initiative Christlicher Orient“ hat ein neues Hilfsprojekt gestartet, mit dem der Not leidenden Bevölkerung in Syrien geholfen werden soll.

Ärztekammer verteidigt Ordensspital der Barmherzigen Brüder

In der Diskussion um das im Wiener Krankenhaus der Barmherzigen Brüder verweigerte Einsetzen einer Verhütungsspirale stellte sich am 12.August die Wiener Ärztekammer an die Seite des Ordensspitals.

Islamische Theologin: Saudischer Islam ist Problem für Europa

Der Islam enthält den „Zündstoff zur Radikalisierung“ – jedoch nur dann, wenn er in einer exklusiven und theologisch einseitigen Form gelehrt und gelebt wird.

Theologe: „Politische Orthodoxie heute Staatsideologie Russlands“

Eine „politische Orthodoxie“ ist nach Einschätzung des Oldenburger evangelischen Religionspädagogen Joachim Willems die „neue Ideologie des russischen Staates“. Diese sei weitgehend säkularisiert, schreibt er in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Davon profitierten sowohl Staat als auch Kirche.

Weltsozialforum: Kirche beklagt Verfolgung von Umweltschützern

Große Sorge über eine weltweit immer häufigere Verfolgung von Umweltschützern haben Kirchenvertreter beim derzeit in Montreal tagenden Weltsozialforum (WSF) geäußert.

15. August: Türkei verbot geplante Marienfeiern in Sumela

Nach sechs aufeinanderfolgenden Jahren, in denen die türkischen Behörden die Feiern zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August im historischen Kloster der Gottesmutter von Sumela in der Region von Trapezunt erlaubt hatten, ist für dieses Jahr ein Verbot erlassen worden.

Erfolgreicher Untergrund-Bischof  in China gestorben

Der von der chinesischen Regierung nicht anerkannte katholische Bischof Vincent Huang Shoucheng ist im Alter von 93 Jahren an seinem Bischofssitz Xiapu in der südostchinesischen Provinz Fujian  gestorben.

Irak: Drei Priesterweihen im Flüchtlingslager

Genau zwei Jahre, nachdem die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im August 2014 die Christen aus den Orten der Ninive-Ebene im Nordirak vertrieben haben, sind drei junge syrisch-katholische Seminaristen aus Karakosch zu Priestern geweiht worden.

Führungswechsel in Mariazell

Führungswechsel im Wallfahrtsort Mariazell: P. Karl Schauer (60) legt sein Amt als Superior zurück. Sein Nachfolger wird P. Michael Staberl, wie das Stift St. Lambrecht mitteilte.

Spanier rannten 2.300 Kilometer in acht Tagen nach Rom

Papst Franziskus begrüßte bei seiner Generalaudienz am 10. August 50 spanische Fuß-Pilger, berichtet Radio Vatikan. Sie rannten den 2.300 Kilometer langen Weg von ihrer Heimat Córdoba bis Rom aus „religiösen, sportlichen und kulturellen Motiven“, alles in acht Tagen, im Staffel-System.

Leitartikel

Es geht ums Tun und nicht ums Siegen

In der vergangenen Woche titelte NEWS: „Papst Franziskus Superstar“. Viele Menschen sind überglücklich, einen geerdeten Menschen auf dem Stuhl Petri zu sehen.
Gleichzeitig sind viele bitter enttäuscht, weil seinen sympathischen Symbolhandlungen bisher keine wirklichen Reformen folgten.
Ebenfalls in der vergangenen Woche erhielten wir eine Abbestellung: „Das hat nichts mit der Qualität ihrer Zeitung zu tun, sondern ausschließlich mit meinem Frust, dass sich in der katholischen Kirche – vor allem Richtung Frauen – auch unter dem neuen Papst nichts tut. Ich habe die engagierten Artikel gerne gelesen. Aber was hilft es – es bewegt sich viel zu wenig und ich mag nichts mehr lesen von einer Kirche, die es immer noch nicht schafft, den Frauen den gleichen Stellenwert einzuräumen, wie den Männern.“ Ähnlich denken viele. Nicht nur das JA hat damit ein Problem, sondern die Kirche insgesamt. Allerdings: Wir sind uns dessen bewusst, die Führenden in der Kirche jedoch nicht.
Warum scheinbar aussichtsloses Engagement dennoch Sinn macht, erklärt Konstantin Wecker – freilich in anderem Zusammenhang  – in eben jenem NEWS: „Für mich war Sophie Scholl immer ein Vorbild. In meinem Lied über ´Die weiße Rose´ habe ich geschrieben: ´Es geht ums Tun und nicht ums Siegen.´ Ich bin da, weil ich nicht anders kann.“
Freilich: Erfolg möchten wir eigentlich auch.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 66, 18-21

Sie werden aus allen Völkern eure Brüder herbeiholen

So spricht der Herr: Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um die Völker aller Sprachen zusammenzurufen, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf und schicke von ihnen einige, die entronnen sind, zu den übrigen Völkern: nach Tarschisch, Pul und Lud, Meschech und Rosch, Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, die noch nichts von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkünden. Sie werden aus allen Völkern eure Brüder als Opfergabe für den Herrn herbeiholen auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Dromedaren, her zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, spricht der Herr, so wie die Söhne Israels ihr Opfer in reinen Gefäßen zum Haus des Herrn bringen. Und auch aus ihnen werde ich Männer als Priester und Leviten auswählen, spricht der Herr.

 

Zweite Lesung:   Hebr 12, 5-7.11-13

Wen der Herr liebt, den züchtigt er

Schwestern und Brüder!
Ihr habt die Mahnung vergessen, die euch als Söhne anredet: Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, verzage nicht, wenn er dich zurechtweist. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt? Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest, und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden.

 

Evangelium:   Lk 13, 22-30

Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Der offene Himmel

Der Tisch im Reich des Vaters ist ein Bild für den Himmel. Jesus vergleicht das Reich Gottes auch mit dem Sämann und der aufgehenden Saat, und mit der Frau die den Sauerteig unter einen Trog mit Mehl mischt. Da ist das Reich Gottes sehr dynamisch und wachsend. Nach der Aussaat wächst es und durch das Vermischen säuert es den Brotteig.
Damit ist für mich eine gelassene Hoffnung verbunden. Einerseits tu ich etwas dazu, damit das Gottesreich wächst und andererseits wird etwas ganz Neues daraus.
Der Tisch des Vaters im Gottesreich deutet aber noch einmal eine andere Dimension an. Eine Dimension, die über diese Welt hinausgeht.
Es genügt nicht, sich Christ_in zu nennen, getauft zu sein und sich auf die Vollendung im Himmel zu freuen.
Eine Welt in der Schmerz, Leid und Gewalt so spürbare Realitäten des Lebens sind, braucht es Menschen die voll Hoffnung, Zuversicht, Freude und Liebe ihr Leben leben.
Es braucht Menschen, die aufstehen, anpacken, sich einsetzen und einmischen! Es braucht Menschen die sich in Feuerwehr, Rettungsdienst, in der Betreuung alter Menschen und Flüchtlingen, in politischer Einflussnahme und anderen Bereichen des Lebens einsetzen und Hoffnungsträger_innen für eine  bessere Welt sind.
Da beginnt ein Stück des Reiches Gottes auf Erden. Im Himmel ist Platz für alle, die das Rechte tun, egal woher die Menschen kommen und wer sie sind. Da spielen Grenzen, welcher Art auch immer, keine Rolle.

 

Information

Extremer Hass im US-Wahlkampf
Ordensfrauen stehen auf, Bischöfe schweigen

Während sich die Bischöfe der USA im Präsidentschaftswahlkampf bisher kaum akzentuiert geäußert haben, üben die US-Ordensfrauen scharfe Kritik an der politischen Kultur ihres Landes und an den Hassausbrüchen wie jüngst während des Republikaner-Parteitags in Cleveland.

Die USA scheine in einem politischen System gefangen, „das von ideologischem Extremismus und übertriebener Parteilichkeit gelähmt wird“, heißt es in einem offenen Brief vom 8. August an alle Parteien. Die Aufforderung der Ordensfrauen: Der Wahlkampf müsse wieder zu einem zivilisierten Umgangston zurückfinden. Gezeichnet ist das Schreiben von 5.671 Ordensschwestern, allen voran die Vorsitzenden des amerikanischen Ordensfrauendachverbands (LCWR).

 Appell an alle Parteien
„Wir können nicht den Stimmen des Hasses und der Angst überlassen zu sagen, wohin der Weg führen soll“, mahnen die Ordensfrauen. Alle politischen Parteien rufen sie auf, sich von jeder „respektlosen, entmenschlichenden und dämonisierenden Sprache“ zu distanzieren und stattdessen höflichen Umgang zu pflegen. Wichtig seien dabei auch aufmerksames Zuhören, ehrlicher Dialog mit Andersdenkenden und respektvolle Behandlung.

Bischöfe haben andere Sorgen
Die Äußerung der Ordensfrauen wird von Beobachtern in den USA auch als Seitenhieb auf die katholischen Bischöfe des Landes verstanden, die sich bisher nicht klar zu den Skandaläußerungen von Donald Trump distanziert haben. Der republikanische Präsidentschaftskandidat hatte jüngst bei einem Wahlkampfauftritt in North Carolina etwa auf ein mögliches Attentat auf seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton angespielt. Er war damit über Partei- und Landesgrenzen hinweg auf Empörung gestoßen.
Einzig mit Kritik am amtierenden katholischen Vizepräsidenten Joe Biden hatten die Bischöfe jüngst aufhorchen lassen; der Demokrat war einer zivilen Eheschließungszeremonie für ein gleichgeschlechtliches Paar vorgestanden, worauf der Bischofskonferenz-Vorsitzende Joseph Kurtz von einem „Gegenzeugnis statt einem Glaubenszeugnis, das in der Wahrheit begründet ist“, sprach.

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Theologe Massimo Faggioli.

Italien sollte Vorbild sein
Die Bischöfe hätten bislang die Gelegenheit verpasst, „bei den Wahlen zu zeigen, dass sie verstanden haben, was in ihrem Land oder bei ihrer Herde los ist“, so das Urteil des katholischen Theologen Massimo Faggioli von der University of St. Thomas in Minnesota. Er bezeichnete es als „bemerkenswert“, dass die Bischöfe „die Botschaft Donald Trumps in diesem Wahlkampf nicht angesprochen haben“. In seinem Heimatland Italien hätten die dortigen Bischöfe durch das Hinausschieben einer Zurückweisung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen „beachtlichen und anhaltenden Schaden für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in Italien hinterlassen“, so der von Faggioli gezogene Vergleich.

„Initiative Christlicher Orient“: Neues Hilfsprojekt in Aleppo

Die „Initiative Christlicher Orient“ hat ein neues Hilfsprojekt gestartet, mit dem der Not leidenden Bevölkerung in Syrien geholfen werden soll.

Seit kurzem unterstützt das in Linz ansässige Hilfswerk den Orden der „Blauen Maristen“, der in der heftig umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo nach wie vor präsent ist.

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Zerstörungen nach einem Bombenangriff in Aleppo.   
Foto: Kirche in Not.

Die Ordensleute und zahlreiche Helfer verteilen Lebensmittelpakete, kümmern sich um die medizinische Versorgung von Kriegsopfern und Kranken und bemühen sich um die Unterbringung von Obdachlosen, deren Häuser und Wohnungen durch die Kampfhandlungen zerstört wurden. Zudem wird Kindern und Jugendlichen eine Schulausbildung ermöglicht und rund 850 Familien werden mit Wasser beliefert.
Durch die Unterstützung der Blauen Maristen könne man einen Beitrag leisten, die verbliebenen christlichen Minderheiten in Syrien vor Hungersnot, Ausbeutung und Auswanderung zu schützen, so ICO-Obmann Slawomir Dadas. Aleppo gilt als „syrisches Stalingrad“ und ist die am heftigsten umkämpfte Stadt im Land.

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ICO-Obmann Slawomir Dadas.

Nachdem die Rebellen am vergangenen Wochenende den Belagerungsring durchbrochen hatten, ist nun vermutlich der von der Zentralregierung gehaltene Westteil der Stadt mit rund 1,2 Millionen Menschen von der Versorgung abgeschnitten. Zuvor war die Lage umgekehrt: Regimeeinheiten hatten mit russischer Luftunterstützung die Versorgungsroute in den Osten gekappt und bis zu 300.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.
Insgesamt wurden von der ICO im Jahr 2015 rund 400.000 Euro für Hilfsprojekte aufgewendet. Schwerpunkte waren die Hilfe für Flüchtlinge in Syrien und im Irak.

Appelle und Hilfeschreie
Die Gemeinschaft Sant’Egidio veröffentlichte in Rom einen Hilfsappell, in dem es heißt: „Aleppo ist erschöpft. Es muss sofort einen Waffenstillstand geben, um die Bewohner – vor allem die Schwächsten, die Kranken, die Kinder – von einer doppelten Belagerung zu befreien, die sie tötet.“
Auch von den Karmelitinnen von Aleppo kam ein verzweifelter Hilfeschrei.  „Es gibt  viele widersprüchliche Geschichten über die Vorgänge in Aleppo“, sagte Schwester Anne-Francoise in einem Telefonat mit dem Informationsdienst des Hilfswerks „Kirche in Not“ im hessischen Königstein. „Die einzige Wahrheit, die wir sicher wissen, ist, dass die Leute hier leiden und sterben.“  Schwester Anne-Francoise hofft, dass nicht noch mehr christliche Familien Aleppo verlassen. 2011 habe es noch 200.000 Christen in der Stadt gegeben, jetzt seien es nur mehr 40.000.

Malteser arbeiten weiter
Trotz der Kämpfe arbeiten viele kirchliche Einrichtungen weiter. Das Kinderspital des internationalen Hilfswerks des Souveränen Malteserordens im Ostteil Aleppos hat seine Aktivitäten in den Keller verlegt, um den Patienten und dem Personal ein Maximum an Sicherheit zu garantieren.
Infos: www.christlicher-orient. at; Spendenkonto: IBAN AT42 5400 0000 0045 4546, BIC OBLAAT2L, Verwendungszweck: Hilfe für die Christen im Orient.

Theologe: „Politische Orthodoxie heute Staatsideologie Russlands“

Eine „politische Orthodoxie“ ist nach Einschätzung des Oldenburger evangelischen Religionspädagogen Joachim Willems die „neue Ideologie des russischen Staates“. Diese sei weitgehend säkularisiert, schreibt er in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Davon profitierten sowohl Staat als auch Kirche.

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Theologe Joachim Willems.

So sei die orthodoxe Kirche zu einer „maßgeblichen Institution russischer Identitätsbildung“ geworden, schreibt der Wissenschaftler. Sie erhalte enteignete Gotteshäuser zurück, Religionsunterricht sei wieder ein Wahlpflichtfach, die Kirche erhalte Raum in den staatlichen Medien. Ihre öffentliche Stimme benutze sie wiederum, „um die politische Führung zu unterstützen, Patrio-tismus zu predigen und Proteste gegen Wahlfälschungen, Korruption und andere Missstände zu diskreditieren“.
Für die gemeinsame Ideologie sei es nicht nötig, an Gott zu glauben oder eine Religion zu praktizieren, so Willems weiter. „Das wenig verbindliche Bekenntnis zur ‚eigenen‘ Kultur reicht völlig aus.“ Dabei spielten sogenannte traditionelle Werte eine entscheidende Rolle, etwa bezüglich Sexualmoral und Geschlechterrollen.
Dieses Festhalten an „traditionellen Werten“ diene der Abgrenzung gegen den Westen, erklärte Willems.

Irak: Drei Priesterweihen im Flüchtlingslager

Genau zwei Jahre, nachdem die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im August 2014 die Christen aus den Orten der Ninive-Ebene im Nordirak vertrieben haben, sind drei junge syrisch-katholische Seminaristen aus Karakosch zu Priestern geweiht worden.

Die Weihe fand in einem Flüchtlingslager in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, statt und wurde vom syrisch-katholischen Erzbischof von Mossul, Youhanna Boutros Mouche, vorgenommen, wie die Stiftung „Pro Oriente“ am Donnerstag berichtete.

priesterweihe irak
Roni Sami Momika (links) und seine von der Priesterweihe von ihm an „Catholic News Agency“ gesandten Fotos. 

Das syrisch-katholische Priesterseminar befand sich ursprünglich in Mossul, aus Sicherheitsgründen wurde es bereits 2009 geschlossen und in Karakosch neu aufgebaut. Karakosch war eine traditionell christliche Stadt, rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul mit bis zu 50.000 Einwohnern. Als die Terrormiliz der IS im August 2014 Karakosch überrannte, konnten sich der Regens und seine Seminaristen im letzten Moment retten. Auch Erzbischof Mouche musste fliehen. Das Seminargebäude in Karakosch ist nun ein IS-Militärlager.

Jugendseelsorger im Flüchtlingslager
In der kurdischen Hauptstadt Erbil haben die syrisch-katholischen Geistlichen ihr neues Hauptquartier eingerichtet. Sie betreuen Pfarren und sind vor allem auch in den zahlreichen Flüchtlingslagern präsent.
Einer der neugeweihten Priester, Roni Salim Momika, sagte im Gespräch mit der „Catholic News Agency“ (CNA), sein Weihetag sei bisher für die Christen ein düsterer Tag gewesen, weil an diesem Tag der IS in Karakosch eingedrungen war. Aber jetzt sei dieser Tag wegen der Weihe der Neupriester zu einem „Freudentag“ geworden.
Momika ist seit zwei Jahren in der Jugendseelsorge in einem Flüchtlingslager in Erbil tätig und hofft, dies auch in Zukunft sein zu können. Er betrachte es als seine Aufgabe, Christus zu den Menschen zu bringen und den Christen, die Verfolgung und Leid durch die Hand der jihadistischen Terroristen erlitten hätten, „Kraft, Hoffnung und Mut“ zu vermitteln. Momika: „Die Menschen brauchen hier Hoffnung. Wenn sie sehen, dass wir hier bei ihnen geweiht werden, dann gibt ihnen das die Hoffnung, die sie brauchen, um hier zu bleiben.