Inhalt der gedruckten Ausgabe 34/2015

Leitartikel

47 Jahre…

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Information

Synode: Konservative wünschen Verurteilungen, auch Weihbischof Laun
Schönborn hoffnungsvoll: „Heiliger Geist wird nicht Urlaub machen“

Mehr als 470.000 Katholiken, darunter drei Kardinäle und 105 Bischöfe, haben einen Appell an Papst Franziskus unterzeichnet, in dem es heißt: „Durch die Zulassung zur Eucharistie von geschiedenen – wiederverheirateten Paaren  und die Annahme von homosexuellen Partnerschaften wird ein Zustand erzeugt, der kategorisch verurteilt werden muss, da er im Widerspruch zu den Geboten Gottes und den Gesetzen der Natur steht.“

Papst ernennt zwei progressive US-Bischöfe für Synode

Die Delegation der US-Bischöfe zur Familiensynode im Herbst wird laut Medienberichten durch zwei enge Gefolgsleute von Papst Franziskus ergänzt.

Papst greift orthodoxe Idee auf: Gebetstag für die Schöpfung

Papst Franziskus hat eine orthodoxe Idee aufgegriffen und den 1. September zu einem jährlichen Gebetstag für die Schöpfung festgesetzt.

Justizminister gegen Lockerung des Sterbehilfeverbots

Justizminister Wolfgang Brandstetter hat sich gegen eine Lockerung des Verbots der aktiven Sterbehilfe ausgesprochen.

Ägypten: Seligsprechungsprozess für bedeutendsten Laien eröffnet

Für den ägyptischen griechisch-katholischen Ökumene-Pionier und Sozialapostel Boutros Cassab (1913-1986) ist ein Seligsprechungsprozess eröffnet worden.

Vatikan erstmals bei Filmfestspielen in Venedig

Der Vatikan ist erstmals mit einem eigenen Beitrag bei den Filmfestspielen in Venedig vertreten.

Syrien: Sorge um entführte Christen

Die Christen Syriens sind in größter Sorge über das Schicksal ihrer vor wenigen Tagen in der Stadt Qaryatain entführten Glau­bensgeschwister – mindestens 130, aber es könnten auch 250 sein. Am Wochenende sei es allerdings rund 30 Christen gelun­gen, aus der von den IS-Terroristen besetzten Stadt zu fliehen.

Landau: Bürgermeister können Not in Traiskirchen beenden

Die Caritas hat einen dringenden Appell an alle Gemeinden Österreichs gerichtet, Flüchtlinge aufzunehmen und damit die Not in Traiskirchen zu beenden.

Lega-Nord kritisiert Asylappell des Papstes

Der Lega-Nord-Politiker und Präsident der italienischen Region Venetien, Luca Zaia, hat die Appelle von Papst Franziskus für die Aufnahme von Migranten kritisiert. „Vielleicht hat dem Papst noch niemand erklärt, dass zwei von dreien gar keine Flüchtlin­ge sind“, sagte er der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.

Staatssekretariat weiß nichts von Papstentscheid im Fall Tebartz

Die deutschsprachige Abteilung im vatikanischen Staatssekre­tariat hat entgegen einem Bericht der „Bild“-Zeitung bisher keine Informationen über eine Entscheidung des Papstes im Streit um Schadenersatz durch den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Kirchliches Frauenhilfswerk „Solwodi“ empört über Amnesty

Die deutsche Ordensschwester, Prostitutionsgegnerin und Gründerin der international tätigen Hilfs- und Lobbyorgani­sation „Solwodi“, Lea Ackermann, ist empört über die Forderung von Amnesty International (AI) nach einer Legalisierung der Prostitution.

Aktion Leben: Ohne Kinderfreundlichkeit viele Abtreibungen

Eine hohe Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen weist vor allem auf fehlende Kinderfreundlichkeit in der Gesellschaft hin: So hat die „Aktion Leben“ Angaben über Abtreibungen in Salzburg kommentiert, die  in den „Salzburger Nachrichten“ unter Bezugnahme auf die Abtreibungsambulanzen „Gynmed“ veröffentlicht wurden.

Großbritannien: Kritik an geplanten Anti-Extremismus-Gesetzen

Christenvertreter in Großbritannien befürchten mit Blick auf die geplanten Anti-Extremismus-Verordnungen von Premierminister David Cameron Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

Für unsere Schokolade müssen immer mehr afrikanische Kinder arbeiten

Fälle von Kinderarbeit in der Kakaoproduktion in Westafrika sind im Steigen begriffen.

Abt: Surfen im Internet Hauptversuchung für Nonnen und Mönche

Das Surfen im Internet ist zur Hauptversuchung für orthodoxe Mönche und Nonnen geworden. Das erklärte bei einer Tagung über „Russische Frömmigkeit im 21. Jahrhundert“ der Abt des nach der Wende wiedererstandenen Klosters Valaam auf einer Insel im Ladogasee, Pankratij Zerdjev.

Papstbesuch: Kubas Außenministerium startet eigene Website

Das kubanische Außenministerium hat eine In­ternetseite zum bevorstehenden Papstbesuch im September freige­schaltet.

Pfarrliche Flüchtlingsbegleitung: Wie zwei Niederösterreicherinnen konkret halfen

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ – diese Worte nahmen sich Karina Höllmüller und Petra Lassels­ber­ger aus Bergland (Gemeinde Petzenkirchen, Bezirk Melk) zu Herzen und überlegten, wie sie Flüchtlingen helfen könnten.

Zehn Jahre nach Frere Rogers Tod ist seine Spiritualität auch bei uns weiter lebendig

Die ökumenische Brüdergemeinschaft von Taize hat am Sonntag ihres vor zehn Jahren ermordeten Gründers Frere Roger Schutz (1915-2005) gedacht. Zu einer Gebetsversammlung un­ter freiem Himmel kamen Tausende Christen sowie rund 100 Vertreter zahlreicher christlicher Konfessionen und anderer Religionen.

Versöhnungsmedaille für Karel Schwarzenberg

Karel Schwarzenberg (77), früherer tschechischer Außenmi­ni­ster und Vizepremier, hat die Versöhnungsmedaille der katho­lischen Ackermann-Gemeinde erhalten. Deren höchste Auszeichnung wurde ihm in Budweis (Ceske Budejovice) überreicht.

Leitartikel

47 Jahre…

…. nach dem „Pillen-Verbot“ in der Enzyklika „Humanae Vitae“ durch Papst Paul VI. hat jetzt die Vatikanische Verlagsbuchhandlung ein Buch veröffentlicht, in dem Kritik laut wurde.
Es könne auch eine Praxis künstlicher Empfängnisverhütung geben, die von einer „dauerhaften und überzeugten Verantwortlichkeit“ für die Weitergabe des Lebens geprägt sei, schreibt der Moraltheologe Maurizio Chiodi. Die Kirche dürfe sich gegenüber solchen Methoden keineswegs vorbehaltlos öffnen. Ebenso wenig sollte sie diese jedoch prinzipiell verdammen.
Das Buch fasst nur die Reden einer Tagung des Päpstlichen Familienrats zusammen.
Dessen Präsident Erzbischof Vincenzo Paglia sieht sich  in seinem Vorwort genötigt, darauf hinzuweisen, dass das Buch nicht der Vorbereitung eines offiziellen Dokuments seiner Behörde diene. Man wolle auch keine Entscheidungen vorwegnehmen, für die das Lehramt der katholischen Kirche zuständig sei.
Papst Franziskus hat sich bislang nicht direkt zum Verbot künstlicher Empfängnisverhütung geäußert, jedoch „Humanae vitae“  mehrmals gelobt.
Bei der Familiensynode 2014 schien das Thema den Bischöfen nicht sonderlich wichtig zu sein. Und die Gläubigen? Die einen können sich ohnehin weder Pillen noch Kondome leisten, den anderen ist egal, was Kinderlose dazu sagen.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jos 24, 1-2a.15-17.18b

Wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott

In jenen Tagen versammelte Josua alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen, und sie traten vor Gott hin. Josua sagte zum ganzen Volk: Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.

Zweite Lesung:   Eph 5, 21-32

Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche

Schwestern und Brüder!
Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie Christus, dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Evangelium:   Joh 6, 60-69

Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Bedürfnis nach Sinn und Spiritualität

Der Autor des Johannesevangeliums wusste selbst, wie schwer es ist, die Botschaft des Evangeliums von der Auferstehung Jesu Christi anzunehmen. Die Gemeinde, in der es sich entwickelte, hat selbst viel Ablehnung, Ausgrenzung und sogar Verfolgung erfahren.
Die Gemeinschaft schloss sich in der Verfolgung enger zusammen. Sie erlebte in dieser Not, die Solidarität in der Gemeinschaft und entwickelte ihre Identität. Sie stand vor der Frage, warum können die einen folgen und die anderen nicht?
Auch die Kirchen in unserer Zeit erleben, dass ihre Botschaft auf taube Ohren stößt. Sie befindet sich aber in keiner Situation der Verfolgung. Sie ist eine anerkannte Institution, die aber teilweise zu einem Dienstleistungsbetrieb verkommen ist. In ihrer Alltäglichkeit entwickelt sie Normen und Verfahrensweisen, die den Blick auf das Wichtige ihrer Existenz verstellen. Die Menschen, die sich heute von der Kirche entfernen, haben gute Gründe: Sie haben die Institution Kirche in ihrem Handeln oft als hart und unbarmherzig erlebt. Das Aufblühen der Esoterikbranche zeigt aber, wie groß das Bedürfnis nach Sinn und Spiritualität ist. Eine Marktlücke?
Aus horizontaler Marketingsicht sicherlich. Aber Kirche ist mehr. Glaube bedient nicht Bedürfnisse. Glaube ist ein Geschenk, das jeder „horizontal begrenzten“ Existenz eine neue Richtung gibt. Glaube gibt den Blick auf die eigene Bedürftigkeit und den eigenen Platz in der Heilsgeschichte frei: Diesen Glauben hat Petrus auf den Punkt gebracht: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

 

Information

Synode: Konservative wünschen Verurteilungen, auch Weihbischof Laun
Schönborn hoffnungsvoll: „Heiliger Geist wird nicht Urlaub machen“

Mehr als 470.000 Katholiken, darunter drei Kardinäle und 105 Bischöfe, haben einen Appell an Papst Franziskus unterzeichnet, in dem es heißt: „Durch die Zulassung zur Eucharistie von geschiedenen – wiederverheirateten Paaren  und die Annahme von homosexuellen Partnerschaften wird ein Zustand erzeugt, der kategorisch verurteilt werden muss, da er im Widerspruch zu den Geboten Gottes und den Gesetzen der Natur steht.“

Die drei Kardinäle: Der bekannte Papstkritiker Raymond Leo Burke (67), der emeritierte lettische Erzbischof Janis Pujats (85) und der emeritierte chilenischen Kurienkardinal Jorge Arturo Medina Estevez (89).
Im deutschen Sprachraum haben nur der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa und der Liechtensteiner Erzbischof Wolfgang Haas unterzeichnet.
Aus Polen und Frankreich unterschrieb je ein Bischof; aus Italien und Spanien niemand.
Die Unterzeichnerliste der Prominenten führt laut www.ergebenebitte.org der 1961 gestürzte König von Ruanda an. Mit dabei auch der US-Republikaner und Präsidentschaftskandidat Rick Santorum.

Schönborn: Heiliger Geist wird nicht Urlaub machen
Kardinal Christoph Schönborn ist in Hinblick auf die Familiensynode „sehr hoffnungsvoll“.
Papst Franziskus habe in den Fragen der Homosexualität und der wiederverheirateten Geschiedenen einen an Jesus orientierten, im Evangelium grundgelegten Standpunkt. Das betonte Schönborn in einem Interview mit der US-Kirchenzeitung „National Catholic Register“ (Onlineausgabe 10. August). Der Wiener Erzbischof zeigte sich in dem im Verlauf einer USA-Reise geführten Interview auch zuversichtlich, dass der Heilige Geist bei der bevorstehenden Bischofssynode trotz so mancher Kontroversen „nicht Urlaub machen“ wird.

Osoro: Alle Getauften sind Jünger Christi
Der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro, hat sich für einen offeneren Umgang der Kirche mit Homosexuellen ausgesprochen. „Es gibt keine Christen erster, zweiter oder dritter Klasse“, sagte Osoro laut spanischen Medienberichten bei einer Pressekonferenz am 13. August. Alle Getauften seien „Jünger Christi“, so der 70-Jährige. Homosexuelle dürften ebenso wenig wie wiederverheiratete Geschiedene oder Transsexuelle „verdammt und verurteilt“ werden.

Afrika: Intensivere Diskussion
In der zweiten Juli-Hälfte haben sich in Nairobi prominente Theo-logen und Bischöfe zu einer mehrtägigen Konferenz getroffen, berichtet „National Catholic Reporter“. Sie konstatierten, dass die Synode 2014 viele ihren Kontinent bedrückende Probleme nicht angesprochen habe und zu sehr Europa-zentriert sei, und forderten eine intensivere Diskussion. Bischof Malindi von Kebnia forderte eine neue Theologie der Ehe in afrikanischem Kontext.
Der ugandische Theologe Katongole sagte, derzeit würden die Probleme der Kirche auf Fragen von Sexualität und Autorität reduziert: „Warum ist sexuelle Orientierung ein Grundrecht, das Recht auf Wasser jedoch nicht?”

Syrien: Sorge um entführte Christen

Die Christen Syriens sind in größter Sorge über das Schicksal ihrer vor wenigen Tagen in der Stadt Qaryatain entführten Glau­bensgeschwister – mindestens 130, aber es könnten auch 250 sein. Am Wochenende sei es allerdings rund 30 Christen gelun­gen, aus der von den IS-Terroristen besetzten Stadt zu fliehen.

Einige der Christen seien Schafzüchter und Hirten, die sich in der Gegend sehr gut auskennen, berichtete der Ordensmann P. Jihad Yousef am Mittwoch dem Hilfswerk „Kirche in Not“. Seit 5. August gibt es aber kein Lebenszeichen der restlichen Entführten.
Derzeit bemühten sich der syrisch-orthodoxe und der syrisch-katholische Bischof von Homs, über Mittelsmänner Kontakt zu den IS-Terroristen aufzunehmen. Es gebe aber keinerlei Anzeichen, dass die Terroristen wirklich verhandeln und die Geiseln freilassen wollen, so Yousef.
Nach Angaben des syrisch-orthodoxen Erzbischofs erfolgte die Eroberung von Qaryatain durch die IS-Terroristen am 5. August. Die Terroristen hätten zunächst alle Christen verhaftet, derer sie habhaft werden konnten. Dann seien 200 christliche Familien freigelassen worden, 100 christliche Familien würden weiterhin in der Befehlszentrale der Terroristen festgehalten. Die 200 freigelassenen Familien seien nach Homs geflüchtet, wo sie im Erzbischöflichen Palais aufgenommen wurden. Erzbischof Al-Nemeh: „Die Leute mussten aus ihren Häusern weg, ohne irgendetwas mitnehmen zu können, sie kamen nur mit dem, was sie auf dem Leib hatten. Wir bemühen uns, sie mit einem Dach über dem Kopf, Kleidung, Nahrung und Medikamenten zu versorgen“.

Erzbischof Selwanos Boutros Al-Nemeh
Erzbischof Selwanos Boutros Al-Nemeh.

22 christliche Geiseln frei
Die Terrororganisation IS hat mehrere vor Monaten in Syrien im Bereich des Khabour-Flusses entführte Christen freigelassen. Unter den 22 freigelassenen Geiseln sind 14 Frauen. Sie fanden zunächst in der Marienkirche in Hassakeh Aufnahme.
Das „Assyrian Human Rights Network“ (AHRN) postete  erschütternde Bilder der zumeist älteren Menschen auf seiner Facebook-Seite.
Die Geiseln gehörten zu mehr als 200 Christen, die im Februar von den IS-Terroristen aus den Dörfern am Khabour-Fluss in der Djazira-Region verschleppt worden waren. Die Freilassung sei das Resultat „unermüdlicher Bemühungen und Verhandlungen“ der Apostolischen Kirche des Ostens, so AHRN.
Die Verhandlungen über die Freilassung der restlichen 187 Geiseln, die sich in den Händen des IS befinden, dauern an. Die Terroristen hatten am 23. Februar 35 christliche Dörfer am Khabour angegriffen und nahmen mehr als 200 Christen als Geiseln. Zehntausende Christen mussten flüchten. Die jetzt Freigelassenen stammen aus den Dörfern Tell Shamiram und Tell Djazira.
Bereits am 16. Juni, am 26. Mai, am 3. März und am 1. März hatten die IS-Terroristen einzelne Christen aus den Dörfern am Khabour freigelassen. Nach Angaben des AHRN musste für jede freigelassene Geisel ein Lösegeld von 100.000 US-Dollar bezahlt werden.

Jüdischer Unternehmer kauft christliche Kinder frei
Wie die britische katholische Zeitung „The Tablet“ berichtete, hat der kanadische jüdische Unternehmer Steve Maman 120 christliche und jezidische Mädchen aus der Gewalt der IS-Terroristen frei bekommen. Maman hat die Organisation „Liberation of Christian and Yazidi Children of Iraq“ begründet, er bedient sich syrischer Unterhändler. Nach seinen Angaben würden die Terroristen für die Freilassung 1.000 bis 3.000 US-Dollar pro gekidnapptem Kind verlangen.

Für unsere Schokolade müssen immer mehr afrikanische Kinder arbeiten

Fälle von Kinderarbeit in der Kakaoproduktion in Westafrika sind im Steigen begriffen.

2,12 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten aktuell laut einer kürzlich von der Tulane Universität (New Orleans) veröffentlichten Studie unter missbräuchlichen Bedingungen vor allem in Ghana und der Elfenbeinküste auf Kakaofeldern.
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zeige einen Anstieg um 360.000 Fälle (19 Prozent), machte die Wiener entwicklungspolitische NGO „Südwind“  aufmerksam. Grund dafür sei die Steigerung in der Produktion durch die Modernisierung von Produktionsabläufen.
Mit der Kampagne „Make Chocolate Fair!“ machen Nichtregierungsorganisationen – darunter die katholische Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ – gegen die Kinderarbeit mobil.

Kinderarbeit für Schokolade
Foto: Jugend Eine Welt.

90 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Kinder gaben an, regelmäßig gesundheitsgefährdende Tätigkeiten zu verrichten. Sie müssten „schwere Kakaosäcke schleppen und mit landwirtschaftlichen Chemikalien arbeiten“; hinzu kämen „lange Arbeitszeiten“.  Über 40 Prozent der Wertschöpfung in der Schokoladeproduktion bleibe bei den Supermärkten; 35,2 bei den Schokoladenerzeugern und 7,6 Prozent bei der verarbeitenden Industrie. Lediglich 6,6 Prozent entfällt auf die Bauern selber.

Pfarrliche Flüchtlingsbegleitung: Wie zwei Niederösterreicherinnen konkret halfen

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ – diese Worte nahmen sich Karina Höllmüller und Petra Lassels­ber­ger aus Bergland (Gemeinde Petzenkirchen, Bezirk Melk) zu Herzen und überlegten, wie sie Flüchtlingen helfen könnten.

„Dieser Spruch Jesu ist für uns Christen und UnterstützerInnen der Initiative ‚Willkommen Mensch‘“ ein Auftrag, in dem wir stets dazu aufgerufen werden, jenen zu helfen, deren Leben von existenziellen Krisen und Katastrophen erschüttert wurde“, so die beiden. Sie informierten sich, suchten nach Hilfestellungen und wollten dort mit ihren Talenten helfen, wo sie es konnten – mit ihrem IT-Wissen.
Bereits in verschiedenen Regionen des Landes (z.B. Amstetten, Euratsfeld, Seitenstetten, Horn und Zwettl) haben sich in den letzten Monaten viele helfende Hände von Pfarren und Vereinen zu Gruppen unter dem gemeinsamen Namen „Willkommen Mensch!“  formiert. Diese Gruppen bieten Kriegsflüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe in der persönlichen Betreuung, Arbeits- und Wohnungssuche, in finanziellen Angelegenheiten, sowie auch beim Erlernen der deutschen Sprache. Mit der professionellen Website www.willkommen-mensch.at schufen sie jetzt ehrenamtlich eine gemeinsame, überregionale, externe, wie interne Informationsplattform um ein Netzwerk für Hilfe und Information zu spannen und auch die Dankbarkeit der meist syrischen Flüchtlinge zum Ausdruck zu bringen.

Willkommen Mensch
Petra Lasselsberger und Karina Höllmüller entwickelten die Website willkommen-mensch.at; im Bild mit Christian Köstler, Leiter der Pfarrcaritas der Diözese St. Pölten. Köstler ist ein wesentlicher Motor für die pfarrliche Initiative „Willkommen Mensch“.
Foto: Wolfgang Zarl.

Die Initiative „Willkommen Mensch!“ lädt hiermit alle solidarischen BürgerInnen und Regionen ein, die Herausforderung gemeinsam anzupacken, sich zu informieren, zu vernetzen und gemeinsam gegen Unrecht, Hass und Angst aufzustehen!
Die Botschaft der jungen Frauen: „Jede/r kann sich einbringen und vor Ort einsetzen.“