Inhalt der gedruckten Ausgabe 33/2016

Leitartikel

Verwirrend

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Information

Theologen rufen Kardinäle zum Widerstand gegen den Papst auf
Unter ihnen drei Lehrende aus den Diözesen Wien und St. Pölten

47 Professoren und Geistliche haben alle Kardinäle weltweit zum Widerstand gegen die Gefahren für den katholischen Glauben und die Moral aufgerufen, die vom nachsynodalen Schreiben „Amoris laetita” des Papstes Franziskus ausgehen. Unter ihnen: drei in den Diözesen St. Pölten und Wien Lehrende.

CNN: Stift Admont hat elftschönste Bibliothek der Welt

Der US-Fernsehsender CNN hat die Admonter Siftsbibliothek unter die schönsten Plätze der Welt fürs Lesen gereiht, wie ORF-Steiermark berichtete.

Wiener Professorin in päpstlicher „Diakoninnen-Kommission“

Es geht nicht, wie vielfach erhofft, um die Frage, ob Frauen in der katholischen Kirche demnächst Diakoninnen werden können, sondern um mehr Klarheit bei den Argumenten. Papst Franziskus hat eine Kommission aufgestellt, die die Geschichte des Frauendiakonats untersuchen soll.

1200 Jahre Münster Reichenau

Auf der Bodensee-Insel Reichenau wird zu Mariä Himmelfahrt mit einem Festgottesdienst an die Weihe der Vorgängerkirche des heutigen Münsters vor genau 1.200 Jahren erinnert.

UN-Aufwertung des Indigenen-Missionsrats

Zum Start der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat der Indigenen-Missionsrat Brasiliens (Conselho Indigenista Missionario/CIMI) einen Sonderstatus innerhalb des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen (ECOSOC) erhalten.

Berliner Bürgermeister fordert eine offene Diskussion über den Stellenwert von Religion in Deutschland

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, ein evangelischer Christ, hat in einem FAZ-Interview eine offensivere Diskussion darüber gefordert, welchen Stellenwert Religion in unserer Gesellschaft hat: „Das gilt für den Islam, aber genauso für Christentum oder das Judentum. Wir sind ein säkularer Staat, aber Religion hat eine wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion.“

Papst: Islam ist nicht gewalttätig

Papst Franziskus hat sich gegen eine Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewandt. „Es ist nicht richtig und nicht wahr, dass der Islam gewalttätig ist“, sagte er am Sonntagabend während des Rückflugs vom Weltjugendtag in Krakau.

Islamischer Theologe sieht Verbindung von Islam und Extremismus

Der Freiburger islamische Theologe Abdel-Hakim Ourghi lobt die Haltung von Papst Franziskus. Zugleich kritisierte er aber im Deutschlandfunk weitergehende Aussagen von anderer Seite: „Es ist einfach nicht mehr vertretbar zu behaupten, dass der Islam nichts mit dem Extremismus zu tun hat oder dass die Extremisten keine Muslime sind.“

Panama: Weltjugendtag 2019 findet im Winter statt

Der nächste internationale Weltjugendtag in Panama wird im Jänner oder Februar 2019 stattfinden.

Caritas: Übernehmen keine Strafen von Flüchtlingen

Die Caritas bezahlt keine Strafen von Flüchtlingen, vielmehr müssen diese die rechtsstaatlichen Konsequenzen für eigenes Fehlverhalten selbst tragen.

Caritas-Experte: „Verlorene Generation“ im Libanon vermeiden

Im Libanon wächst eine verlorene Generation von syrischen Flüchtlingskindern heran, die aufgrund fehlender Schulbildung keinerlei Zukunftschancen haben.

Vor 75 Jahren stoppten Predigten Bischof Galens die NS-Euthanasie

„Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ‚unproduktiven‘ Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden“.

Mehr als 1.600 Menschen bei Trauerfeier für ermordeten Priester

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben am 2. August mehr als 1.600 Menschen im nordfranzösischen Rouen des ermordeten Priesters Jacques Hamel gedacht.

Italien: 23.000 Muslime in katholischen Gottesdiensten

Als Solidaritätsbekundung nach dem Mord an dem Priester Jacques Hamel in Frankreich haben in Italien am Sonntag, 31. Juli,  tausende Muslime katholische Kirchen besucht.

Papst besuchte Assisi  und hörte dort die Beichte

Papst Franziskus war am 4. August auf Kurzbesuch in Assisi. Ziel des als privat bezeichneten Besuchs in der Stadt seines Papstnamenspatrons war die Kirche Santa Maria degli Angeli.

Salzburg: „Theologischer Preis“ für Jan und Aleida Assmann

Die deutschen Kulturwissenschaftler und Ägyptologen Jan und Aleida Assmann sind mit dem „Theologischen Preis“ der „Salzburger Hochschulwochen“ ausgezeichnet worden.

Jesu Sprache sprechende syrische Christin wurde Trierer Weinkönigin

Die 25-jährige syrische-orthodoxe Christin Ninorta Bahno wurde am 3. August zur Trierer Weinkönigin gekrönt. Bahno floh vor vier Jahren vor dem Krieg in ihrem Heimatland Syrien. Es ist deutschlandweit erstmalig, dass ein Flüchtling zu einer Weinhoheit wird.

Rio 2016: 285.000 Protestkilometer gegen Menschenrechtsverletzungen

Rekord schon vor Start der Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro: fast 10.000 Menschen – darunter die Olympiastarterinnen Sabrina Filzmoser und Ana Roxana Lehaci – haben sich in Österreich bislang an der Aktion „Menschenrechte sind Olympisch“ beteiligt, ihre Trainings-, Workout- sowie Wettkampfkilometer gespendet und so bereits mehr als 285.000 Protestkilometer gegen Menschenrechtsverletzungen im Schatten von Olympia gesammelt.

Leitartikel

Verwirrend

Wirrsal 1: Auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Polen wurde Papst Franziskus auch zu Missbrauchsvorwürfen gegen den australischen Kurienkardinal George Pell befragt, einem der acht Kardinäle des von ihm ins Leben gerufenen Kardinalsrates. Pell wurde von ihm obendrein vor zwei Jahren zum Chef des neuerrichteten vatikanischen Wirtschaftssekretariats ernannt.
Die Geschichten um Pell, seien „verwirrend“, die Beurteilung komme der Justiz und den Gerichten zu. Franziskus: „Wenn ich jetzt pro oder contra Kardinal Pell urteilen würde, wäre das nicht richtig, denn ich würde vorverurteilen“, kommentierte der Papst den Vorgang. „Sobald die Justiz gesprochen hat, werde auch ich sprechen.“
Sensationell: Ein Papst gibt weltlichen Gerichten den Vorrang. Derlei hat es vorher noch nie gegeben. JP II und sein Kardinal HHG drehen sich jetzt wohl im Grab verwirrt um.
Wirrsal 2: Einige Theologen schrieben allen Kardinälen, sie sollen auf die vom päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ ausgehende Gefahren reagieren. Darunter ist auch ein Professor der Internationalen Theologischen Instituts (ITI) in Trumau.
Der Papst verweist, wenn es um die Auslegung des Schreibens geht, regelmäßig auf den Wiener Kardinal. Warum hat der Professor nicht diesen befragt? Christoph Schönborn ist immerhin Großkanzler des ITI. Verwirrend. Oder?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jer 38, 4-6.8-10

Weh mir, Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mir aller Welt in Zank und Streit liegt

In jenen Tagen sagten die Beamten zum König: Jeremia muss mit dem Tod bestraft werden; denn er lähmt mit solchen Reden die Hände der Krieger, die in dieser Stadt noch übrig geblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes. Denn dieser Mensch sucht nicht Heil, sondern Unheil für dieses Volk. Der König Zidkija erwiderte: Nun, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch. Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Prinzen Malkija, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm, und Jeremia sank in den Schlamm.
Ebed-Melech verließ den Palast und sagte zum König: Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr. Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier drei Männer mit, und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt.

 

Zweite Lesung:   Hebr 12, 1-4

Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist

Schwestern und Brüder!
Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren. Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.

 

Evangelium:   Lk 12, 49-53

Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.Päd.in Erika Kirchweger
Lehrerin, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ
Linz

Von Frieden und Zwietracht

Den Unfrieden, der hier beschrieben wird, kennen wir doch gut! Streit im eigenen Haus, was ist zermürbender? Und da ist dieser Satz: „Meint ihr ich bin gekommen um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein sage ich euch, sondern Spaltung.“
Wenn ich mich nicht einfach über diesen Text schwindle, muss ich ihn wohl genauer lesen. Da sagt Jesus auch: „Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und wie sehr bin ich bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist!“
Getaufte auf Jesus Christus sind seiner Botschaft verpflichtet. Wenn wir seine Botschaft ernst nehmen, heißt das, gerecht und barmherzig zu leben. Das heißt, jeden Tag und immer wieder neu einzutreten für das Leben, für ein gutes Leben für alle Menschen. Diese Botschaft spaltet und das merken wir täglich, wenn wir uns für Flüchtlinge einsetzen oder für jene, die am Rand unserer Gesellschaft stehen.
Wir dürfen dem Leben nicht ausweichen und und müssen uns hinein begeben in den Streit und in den Unfrieden der Welt. Gewalt, Krieg, Ausbeutung, Hass, Terror, Isolation und Neid machen gutes Leben unmöglich. Da müssen wir aufstehen, uns zusammentun und einstehen für Menschlichkeit, Toleranz, einer Offenheit der Herzen und Liebe leben.
In den nächsten Zeilen des Evangeliums fordert Jesus uns auf, die Zeichen der Zeit zu sehen und zu deuten und uns mit unserem Nächsten zu versöhnen. So lange wir in dieser Welt leben, ist Friede unsere eigene Aufgabe. Diese Aufgabe müssen wir immer wieder, jeden Augenblick neu annehmen und erfüllen.

 

Information

Theologen rufen Kardinäle zum Widerstand gegen den Papst auf
Unter ihnen drei Lehrende aus den Diözesen Wien und St. Pölten

47 Professoren und Geistliche haben alle Kardinäle weltweit zum Widerstand gegen die Gefahren für den katholischen Glauben und die Moral aufgerufen, die vom nachsynodalen Schreiben „Amoris laetita” des Papstes Franziskus ausgehen. Unter ihnen: drei in den Diözesen St. Pölten und Wien Lehrende.

Das 13seitige Dokument, das nicht in voller Länge publik gemacht wurde, erhielten Kardinaldekan Angelo Sodano und alle 218 Kardinäle und Patriarchen der katholischen Kirche. Das berichtete das renommierte US-Magazin „National Catholic Reporter“. Es veröffentlichte gleichzeitig die Liste der Unterzeichner. Diese stammen vorwiegend aus dem angloamerikanischen Raum. Es finden sich darunter jedoch auch drei aus Österreich:
* Anthony McCarthy lehrt Philosophie am Internationalen Philosophischen Institut (ITI) in Trumau (NÖ).
* Thomas Stark, Philosophieprofessor an der Phil.-Theol. Hochschule St. Pölten und Gastprofessor an der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz (NÖ).
* Ebenfalls in Heiligenkreuz lehrt der 33-jährige Zisterzienserpater Edmund Waldstein.
Bemerkenswert: Unterschrieben haben auch zwei erst 2011 und 2012 für das „Ordinariat ULF von Walsingham“ geweihte Priester.
Das Ordinariat war 2011 von Papst Benedikt XVI. für Anglikaner errichtet worden, die zum Katholizismus übertreten wollten.
Einige Unterzeichner sind Mitglieder des 1979 gegründeten Ordens „Fraternity of St. Vincent Ferrer”, der sich 1988 mit dem Vatikan versöhnt hat, nachdem er zuvor Papst Johannes XXIII. Häresie unterstellt hatte.
Unterschrieben ist der Brief auch vom Kirchenhistoriker Roberto de Mattei, von dem sich „Radio Maria Italien“ wegen seiner kritischen Haltung zu Papst Franziskus bereits 2014 getrennt hat.

Berliner Bürgermeister fordert eine offene Diskussion über den Stellenwert von Religion in Deutschland

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, ein evangelischer Christ, hat in einem FAZ-Interview eine offensivere Diskussion darüber gefordert, welchen Stellenwert Religion in unserer Gesellschaft hat: „Das gilt für den Islam, aber genauso für Christentum oder das Judentum. Wir sind ein säkularer Staat, aber Religion hat eine wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion.“

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Bürgermeister Michael Müller.
F: Senatskanzlei/Martin Becker.

Sein Eindruck ist nicht, dass Religion in Deutschland zurückgedrängt werde: „Meine Wahrnehmung ist eher, dass sich viele Leute zurückziehen aus Parteien, Gewerkschaften und eben auch Kirchen.
Vielleicht entsteht so der Eindruck, dass die Kirchen nicht mehr zu den Säulen der Gesellschaft gehören. Das ist schade und politisch ganz sicher nicht gewollt. Die Trennung von Religion und Staat ist richtig, aber wir brauchen die christlichen Kirchen, die jüdischen Organisationen und auch die muslimischen Gemeinden als Partner für Dialog und Verständigung. Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem in unseren Beziehungen zu den Muslimen wichtige Meilensteine wie das Integrationsgesetz zurückgelegt.“

Weihnachten im Kindergarten
Müller: „Natürlich wird in einem Kindergarten weiter Weihnachten gefeiert! Zum gegenseitigen Respekt gehört auch, sich da-rauf einzustellen, dass muslimische Kinder nicht alles essen. Wo ist da der Widerspruch? Ich möchte ein soziales Gemeinwesen, in dem sich alle Menschen unabhängig von ihrer kulturellen oder religiösen Identität friedlich und frei entfalten können.“
Klar für ihn sei, dass immer das Grundgesetz gelte „für alle, die hier leben“. Auf dieser Grundlage sei Integrationsarbeit zu leisten – über Bildung, Teilhabe für alle und gute Arbeit.

Eigene Geschichte leben
Müller verweist darauf, dass Deutschland seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland sei, man könne diese Veränderungsprozesse nicht wegdiskutieren: „Meine Kinder sind 18 und 20 Jahre alt, sie gehen ganz selbstverständlich damit um und haben keine Vorurteile. Ich finde, unterschiedliche Kulturen und auch Religionen haben unsere Gesellschaft positiv geprägt. Das heißt nicht, dass man sich nicht mehr traut, seine eigene Geschichte und Biographie zu leben. Das wäre fatal. Warum soll ich nicht mit meinem türkischen Freund essen und leben und beten, genau wie er ja auch meine Lebensweise teilt? Es geht um gegenseitigen Respekt.“

Kritik an eigener Partei
„Manchmal habe ich das Gefühl, wir würden für Aliens gehalten“: Sawsan Chebli, stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes, ist das Kind einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie.
Müller übt auch Selbstkritik: „Wir hatten zu lange, auch in der SPD, die Haltung: Wenn Menschen zu uns kommen, ist das gut, und irgendwie wird sich das Zusammenleben dann schon ergeben. Das war ein Irrtum. Für das Zusammenleben muss es einen klar benannten und für alle nachvollziehbaren Rahmen geben. Es gibt keinen Automatismus, sondern wir müssen in einem Geben und Nehmen aktiv mit den Herausforderungen von Integration umgehen. Die für alle verbindlichen Regeln müssen ausgesprochen werden.“

Caritas: Übernehmen keine Strafen von Flüchtlingen

Die Caritas bezahlt keine Strafen von Flüchtlingen, vielmehr müssen diese die rechtsstaatlichen Konsequenzen für eigenes Fehlverhalten selbst tragen.

Das hat Maria Knapp, die Sprecherin der Caritas der Diözese Linz, am 4. August klargestellt. Es sei „Grundprinzip in der Betreuungs- und Beratungsarbeit in der Caritas, dass niemals Strafen für betreute Personen bezahlt werden.

knapp maria, caritas linz
Caritas-Sprecherin Maria Knapp.
Foto: Caritas Linz.

Unmittelbarer Anlass für die Klarstellung war ein Artikel, der in dieser Woche in der Oberösterreich-Ausgabe der „Kronen Zeitung“ erschienen ist. Darin wurde von einem Fall berichtet, bei dem ein Zugbegleiter am vergangenen Dienstag in Oberösterreich einen Zugstopp veranlasst hat. Er hatte einen jungen Afghanen ohne gültigen Fahrschein angetroffen und war daraufhin von dessen jugendlichen Begleitern bedrängt worden. Hinzugerufene Polizisten zeigten in der Folge einen der jungen Männer, der sich den Beamten gegen-über aggressiv verhielt, wegen Störung der öffentlichen Ordnung an. Dieser wiederum habe daraufhin erklärt, dass „die Caritas die Strafe zahlt“, berichtete die „Krone“.
Bei der zitierten Aussage handle es sich „vielleicht um ein Wunschdenken des Betroffenen, das aber mit der Realität in keinem Zusammenhang steht“, betonte die Caritas-Sprecherin. Asylwerber hätten für Fehlverhalten selbst rechtsstaatliche Konsequenzen zu tragen.

„Handy-Lüge“: Rückendeckung von T-Mobile
Rückendeckung für die Caritas gegen die von ihr jüngst kritisierte „Handy-Lüge“ kommt jetzt vom Netzanbieter T-Mobile. „In erhitzten Wahlkampfzeiten werden auch längst als Unwahrheiten erwiesene Behauptungen wieder neu aufgetischt“, beklagte Geschäftsführer Andreas Bierwirth am 2. August  die von einer Unterstützer-Plattform für den FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer verbreitete Behauptung, Flüchtlinge bekämen 900 Euro teure iPhones von Hilfsorganisationen geschenkt. „Dieses Gerücht wurde schon vor Monaten widerlegt“, betonte der T-Mobile-Manager.
Nachsatz: „Es würde dem mit solchen Unwahrheiten (angeblich) unterstütztem Präsidentschaftskandidaten gut anstehen, solche Aktionen seiner Wahlkämpfer zurückzuweisen.“

Jesu Sprache sprechende syrische Christin wurde Trierer Weinkönigin

Die 25-jährige syrische-orthodoxe Christin Ninorta Bahno wurde am 3. August zur Trierer Weinkönigin gekrönt. Bahno floh vor vier Jahren vor dem Krieg in ihrem Heimatland Syrien. Es ist deutschlandweit erstmalig, dass ein Flüchtling zu einer Weinhoheit wird.

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Weinkönigin Ninorta Bahno.

Vor vier Jahren hätte sich die aramäische Christin das nicht vorstellen können. Damals studierte sie Jura in ihrem Heimatland Syrien. „Ich wollte Richterin werden“, erzählt sie. Doch der verheerende Bürgerkrieg machte das Leben immer gefährlicher in Kamischli, einer Stadt an der türkischen Grenze. So flohen Ninorta und ihre Schwester Fadia, heute 29, im Jahr 2012 aus ihrer Heimat.

Berufswunsch aufgegeben
Nun wird die Syrerin statt Richterin die repräsentative Regentin des Trierer Weines – und muss sich nebenbei eine neue berufliche Perspektive aufbauen, denn die juristische Laufbahn ist in weite Ferne gerückt. In Deutschland dürfte sie zwar studieren; „ich habe die Sprachtests bestanden, meine Zeugnisse wurden anerkannt“, berichtet Bahno, doch „die Gesetze sind ganz anders, ich müsste mein Studium ganz von vorne beginnen“. Die Syrerin entschied sich stattdessen für ein Praktikum bei der Agentur für Arbeit, im September beginnt sie dort eine Ausbildung. „Das macht mir Freude, der Umgang mit Menschen“, sagt sie.

Dolmetscherin für Flüchtlinge
Anfangs sei es schwer gewesen, sich in Deutschland zu integrieren, erzählt Ninorta; doch die beiden Schwestern lernten schnell die Sprache und begannen, sich in Flüchtlingsprojekten zu engagieren. Sie dolmetschte für arabischsprachige Flüchtlinge – unter anderem beim Trierer Weinfest 2015, wo die Organisatoren auf Bahno aufmerksam wurden. Der Wein, vor allem lieblicher Riesling, ist Ninortas Lieblingsgetränk; der Weinbau hat schließlich nicht nur an der Mosel eine Jahrtausende alte Tradition, sondern auch in Syrien.

Will zurück nach Syrien
Vor dem Krieg sei das Leben dort gut gewesen, erzählt die junge Frau. Die Christen seien als Minderheit zwar Einschränkungen unterworfen gewesen, hätten ihren Glauben aber leben und ihre Sprache sprechen können. Ninorta und ihre Schwester unterrichteten an einer Schule nebenher das Aramäische, die Sprache Jesu.
„Wir möchten nur in Frieden leben, wie wir es von der Bibel gelernt haben“, sagt Bahno. Ihr Glaube sei ihr wichtig, betont sie. Ihre Eltern durften vor einem Jahr nach Deutschland nachkommen und leben nun in Gießen, wo es eine größere aramäische Gemeinschaft gibt. Die Schwestern fahren so oft es geht dort hin. Heimweh habe sie dennoch oft. Ihr größter Wunsch ist, dass der Frieden zurückkehrt nach Syrien.