Inhalt der gedruckten Ausgabe 33/2015

Leitartikel

Tod und Flucht statt Wiedergeburt

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Information

Papst: Wiederverheiratete nicht wie Exkommunizierte behandeln

Wiederverheiratete Geschiedene sind nach den Worten von Papst Franziskus „durchaus nicht exkommuniziert und werden absolut nicht so behandelt“. In seiner Generalaudienz am 5. August im Vatikan pochte der Papst auf einen offenen und verständnisvollen Umgang mit ihnen in den Gemeinden.

China: Erste Bischofsweihe im Pontifikat von Franziskus

Erstmals seit drei Jahren ist in China wieder ein katholischer Bischof ordiniert worden.

Katholisch-muslimisches Jugendlager

Katholische und muslimische Pfadfinder haben in Rhens am Rhein ihr erstes gemeinsames Zeltlager veranstaltet. Unter dem Motto „Gemeinsam leben“ gestalteten die rund 150 Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 21 Jahren das achttägige Camp.

Frankreich: Streit um kostenlose Pilgerherbergen auf dem Jakobsweg

In Frankreich sorgen kostenfreie Herbergen für christliche Jakobspilger für Unmut.

Asiens jüngster Staat katholisch

Timor-Leste (Osttimor), der jüngste unabhängige Staat Asiens, hat am 15. August mit dem Vatikan ein Konkordat abgeschlossen. Außer den Philippininen ist Timor-Leste das einzige katholisch geprägte Land Asiens. 96 Prozent der Bewohner sind katholisch.

Erzbischof verteidigt Platzvergabe an irischen Schulen

Dublins Erzbischof Diarmuid Martin hat die Bevorzugung getaufter Kinder bei der Platzvergabe an Irlands katholischen Schulen verteidigt.

Hitliste der Vornamen

Statistik Austria hat die Hitliste der 2014 am häufigsten gegebenen Vornamen veröffentlicht.

Irakische Christen auf der Flucht: „Glauben keinem Muslim mehr“

Die Luft ist stickig im Pfarrsaal der St. Teresa-Kirche in der jordanischen Millionenstadt Zarqa. In dem Saal reiht sich ein Holzverschlag an den nächsten, rund 50 christliche Flüchtlinge aus dem Irak haben hier Unterschlupf gefunden, leben auf engstem Raum ohne Privatsphäre. In der Mitte des Saales ste­hen einige Tische und Stühle. Auch die einzige Sanitäranlage müssen die 50 Menschen teilen. „Das reicht gerade für zwei Mal duschen in der Woche“, klagt eine Frau im mittleren Alter.

Wieder Christenmord in Pakistan

Eine muslimische Frau in Pakistan, die zum Christentum konvertiert ist, wurde schwer verletzt. Ihr Mann getötet. Das berichtet der römische Nachrichtendienst Asianews. Traurig an der Geschichte: die Frau musste mit ansehen, wie ihr Ehemann niedergestochen wurde.

Südfrankreich läutet Glocken für verfolgte Christen – „Les Pretres“ ersangen 200.000 Euro

Im mehreren südfranzö­si­schen Diözesen werden am 15. August die Glocken zur Solidarität mit den verfolgten Christen des Nahen Ostens aufrufen.

Caritas: Situation in Traiskirchen ist eine „humanitäre Tragödie“

Den Aufnahmestopp im Flüchtlings-Erstaufnahmezentrum Trais­kirchen begrüßt die Caritas als „einen ersten guten Schritt“.

Syrien: Mindestens 150 Christen von IS-Terroristen entführt

Mindestens 150 syrische Christen wurden am 6. August von IS-Terroristen in der syrischen Stadt Qaryatain gefangengenommen, berichtete die Stiftung „Pro Oriente“.

Papst kritisiert das Schweigen zu den Verbrechen gegen die Christen

Papst Franziskus hat angesichts der Gewalt gegen Christen in aller Welt, vor allem im Nahen Osten, ein Schweigen der Welt kritisiert.

Kardinal Duka untersagt „Prague Pride“-Veranstaltungen in Pfarren

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Durchführung von zwei Veranstaltungen zum Thema Homosexualität im Rahmen des Begleitprogramms zur Prager Regenbogenparade auf katholischem Boden untersagt.

Jesuit: Papst war in seinem Orden lange umstritten

Der Jesuit Jorge Bergoglio, heute Papst Franziskus, war in seinem Orden bis zur Wahl zum Nachfolger von Benedikt XVI. lange umstritten. Das berichtet der deutsche Jesuitenprovinzial Stefan Kiechle in einer neuen Publikation über „Papst Fran­ziskus und seine jesuitischen Wurzeln“.

Kardinal König Gespräche 2015: „Europa – wozu?“

Die bereits traditionellen „Kardinal König-Gesprächen“ in Kirchberg an der Pielach stehen heuer am 29. und 30. August unter dem Leitwort „Europa – wozu? Zwischenstopp am Schauplatz Pielachtal“.

Papst Franziskus: Ministranten sind „Missionare der Nächstenliebe“

10.000 junge Ministranten aus 23 Ländern – davon 3.000 aus Österreich – sind am 4. August Papst Franziskus begegnet.

Ehrendoktorat für Teresa von Avila

Die Mystikerin Teresa von Avila (1515-1582) ist posthum mit der Ehrendoktorwürde ihrer Heimatuniversität ausgezeichnet worden. Die Ehrung erfolgte im Rahmen einer Konferenz zum 500. Geburtstag der gelehrten Ordensfrau.

Bayern München überreicht Millionen-Scheck für den Papst

Der FC Bayern München hat einen Scheck über eine Million Euro für Papst Fran­ziskus überreicht.

Leitartikel

Tod und Flucht statt Wiedergeburt

Nach Alkoholproblemen und Entzugskuren ist der 40-jährige George W. Bush 1986 zu den Methodisten konvertiert, um fortan als „Wiedergeborener Christ“ völlig auf Alkohol zu verzichten. Was dann der Abstinente als US-Präsident zustande brachte, wäre einer Armada von Total-Besoffenen nicht eingefallen.
2003 wollte er mit dem Irak-Krieg im Nahen Osten eine neue Weltordnung schaffen. Der Despot Saddam Hussein musste gestürzt werden, die Nachbardespoten in Saudi-Arabien hatten nichts zu befürchten. Welcher Diktator böse war, bestimmte Bush.
Seine Initiative führte ein Chaos herbei und womöglich ein Ende des 2000-jährigen Christentums im Zwischenstromland. Der Großteil der Christen ist auf der Flucht, viele wurden getötet.
Jetzt bombardieren die Türken mit Gutheißung der Amerikaner im Kampf gegen die PKK auch die Kurdenregion im Irak, den einzigen sicheren Rückzugsort der vor einem Jahr von IS-Terroristen aus der Ninive-Ebene vertriebenen Christen.
Aus Syrien sind mehr als vier Millionen geflüchtet. Der Christ Putin steht auf Assads Seite, der Christ Obama auf jener der Rebellen. Ein gemeinsames Engagement für Frieden – und damit für die Christen – ist nicht in Sicht.
Christen appellieren zu Recht an ihre Regierungen, Flüchtlingen zu helfen. Doch wo bleibt ihr Druck, den Christen am Ort beizustehen, damit diese gar nicht flüchten müssen?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Spr 9, 1-6

Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte

Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt. Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg: Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie: Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte. Lasst ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben, und geht auf dem Weg der Einsicht!

Zweite Lesung:   Eph 5, 15-20

Begreift, was der Wille des Herrn ist

Schwestern und Brüder!
Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist. Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos -, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn! Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!

Evangelium:   Joh 6, 51-58

Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Liebe oder Machtkampf?

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt – eine blutrünstig-kannibalistische Vorstellung?
Nein, es ist das Ergebnis der Bewältigung eines Traumas. Die junge Gemeinde hat erlebt, wie ihr Gründer Opfer einer Machtintrige und eines Justizmordes wurde. Zuvor hat er mit ihnen das Pessachfest gefeiert. Das gemeinsame Essen von Brot und das Trinken von Wein aus einem Kelch war ein eindrucksvolles Erleben von Gemeinschaft.
Dieses Mahl und dieses Erleben von Gemeinschaft wiederholen sie: Es fokussiert Existenz, Botschaft, Scheitern am Kreuz und Auferstehung. Es fokussiert die Botschaft an seine Jünger und deren Nachfolger: Das sind wir Christen im heute. Es ist die Botschaft grenzenlosen Liebens und Dienens über den Tod hinaus bis zur Erfüllung der Welt.
Es ist doch verwunderlich, wie dieses Erleben von Gemeinschaft, das Sakrament der Liebe zur Waffe wurde. Nämlich gegen die, die nicht in die Gemeinschaft passen, weil sie anders denken, anders beten, anders lieben, sich nicht an Moralvorstellungen der Mächtigen halten und sich nicht den Machtansprüchen der Mächtigen in der Institution Kirche unterwerfen wollten.
Christen predigen die Botschaft der Liebe und des Dienens. Die Realität der Institution Kirche ist geprägt von Machtkämpfen. Die gibt es in jeder kirchlichen Gemeinschaft, auf allen Ebenen. Sind sich die Teilnehmer solcher Machtspiele im Klaren, wie weit sie vom Gründer ihrer Kirche entfernt sind? Wie pervers ist es, angesichts der Botschaft des Kreuzes Machtspiele zu verfolgen und immer wieder Menschen von der Eucharistie auszuschließen?

 

Information

Papst: Wiederverheiratete nicht wie Exkommunizierte behandeln

Wiederverheiratete Geschiedene sind nach den Worten von Papst Franziskus „durchaus nicht exkommuniziert und werden absolut nicht so behandelt“. In seiner Generalaudienz am 5. August im Vatikan pochte der Papst auf einen offenen und verständnisvollen Umgang mit ihnen in den Gemeinden.

In der Vergangenheit hätten schon seine Vorgänger das Bewusstsein dafür geschärft, dass wiederverheiratete Geschiedene immer Teil der Kirche bleiben. Diese Haltung müsse in den Gemeinden nun vertieft werden. Franziskus bezeichnete es als besonders wichtig, dass sie an der Messfeier teilnehmen.
Den ihnen nach kirchlichem Recht verbotenen Sakramentenempfang wie Eucharistie und Beichte sprach er aber nicht an. Über eine mögliche Zulassung wird derzeit in der katholischen Kirche intensiv diskutiert. Die Kirche wisse gut, dass die Zweitehe der Lehre von den Sakramenten widerspreche, hob der Papst hervor. Sie müsse die Menschen aber mit mütterlichem Herzen betrachten, „das immer um das Wohl und die Rettung des Einzelnen bemüht ist“.

Verantwortung für Zweitehe-Kinder
Wenn aus der Zweitehe Kinder hervorgehen, trägt die Kirche aus Franziskus’ Sicht eine besondere Verantwortung. „Wie könnten wir diesen Eltern zusprechen, alles zu tun, um ihre Kinder christlich zu erziehen, indem sie ihnen das Beispiel eines überzeugten und praktizierten Glaubens geben, wenn wir sie im Gemeindeleben auf Distanz halten?“, so Franziskus.
Wichtig sei, dass die Kinder die Kirche als liebende Mutter erlebten, die immer offen für die Begegnung bleibe. Wichtig sei die besondere Sorge für die Kinder auch deshalb, da sie an Trennungen ihrer Eltern oft am meisten leiden würden.

Madrider Erzbischof steht hinter dem Papst
Der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro, hat den Vorstoß von Papst Franziskus für einen offeneren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen verteidigt.
„Der Papst sucht die Nähe zu allen Menschen“, sagte Osoro laut dem spanischen Internetportal „Infovaticana“. Dazu gehörten auch jene, die „in einem Widerspruch zu unserer Lebensauffassung“ lebten.
Franziskus hatte Osoro im August 2014 zum Nachfolger des konservativen Kardinals Antonio Maria Rouco Varela (78) als Erzbischof von Madrid bestimmt.

Erzbischof Carlos Osoro
Erzbischof Carlos Osoro.

Bischof soll über Einzelfälle befinden
„Eine strenge Haltung gegenüber Mitmenschen beinhaltet eine Brutalität, die das Gegenteil der Zärtlichkeit Gottes ist.“ Das betont der ehemalige Päpstliche Haustheologe und Dominikaner, der Schweizer Kurienkardinal Georges Cottier, in einem Interview mit der italienischen Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica“. Die Barmherzigkeit gehöre zum kirchlichen Lehramt, fügt Cottier an. „Nur eine eingeengte Sichtweise kann einen Legalismus verteidigen und die Barmherzigkeit von dem Lehramt als getrennt ansehen“, kritisiert der Schweizer Kardinal. Die Kirche könne niemanden „im Stich“ lassen, das gelte insbesondere für jene, die eine gescheiterte Ehe erlebt hätten. Was die wiederverheirateten Geschiedenen betrifft, so denke er, dass jeder Bischof die Möglichkeit haben sollte, „mit der entsprechenden Vorsicht“ über die Einzelfälle zu befinden. Ihm sei bewusst, dass es unter den Bischöfen eine geteilte Meinung zu dem Thema gebe.

Irakische Christen auf der Flucht: „Glauben keinem Muslim mehr“

Die Luft ist stickig im Pfarrsaal der St. Teresa-Kirche in der jordanischen Millionenstadt Zarqa. In dem Saal reiht sich ein Holzverschlag an den nächsten, rund 50 christliche Flüchtlinge aus dem Irak haben hier Unterschlupf gefunden, leben auf engstem Raum ohne Privatsphäre. In der Mitte des Saales ste­hen einige Tische und Stühle. Auch die einzige Sanitäranlage müssen die 50 Menschen teilen. „Das reicht gerade für zwei Mal duschen in der Woche“, klagt eine Frau im mittleren Alter.

„Wir sind nervlich am Ende“, erzählt der Arzt Bassam Hazim Abada. Er bewohnt mit seiner Frau Anwar und den beiden Kindern einen der winzigen Bretterverschläge. Bassam stammt ursprünglich, wie die meisten hier, aus der nordirakischen Stadt Mosul. Schon seit dem Einmarsch der Amerikaner und ihrer Verbündeten 2003 sei das Leben in Mosul für die Christen unerträglich geworden. Entführungen und Morde wurden alltäglich, seit 2005 hätten auch christliche Frauen ohne Kopftuch und Schleier nicht mehr aus dem Haus gehen können.

Familie Bassam Hazim Abada
Christliche Flüchtlinge aus dem Irak in Zarqa: Der Arzt Bassam Hazim Abada
mit seiner Familie in ihrer Notunterkunft.
Foto: Kathpress/Bild.

Jede Familie hier im Pfarrsaal von St. Teresa hat zumindest einen Angehörigen verloren:  Neffen, Cousins, Brüder … sie alle wurden ermordet, meist auf offener Straße; einfach weil sie Christen waren. – Wer waren die Täter? Islamistische Terroristen oder gewöhnliche Kriminelle? Bassam nennt sie „Banden“, und es seien die gleichen Leute, „die nun auch beim IS dabei sind“.
„Das war kein Leben mehr in Mosul, deshalb sind wir schon vor Jahren nach Karakosch geflohen“, erzählt Bassam. Die kleine christliche Stadt, rund 25 Kilometer von Mosul entfernt, nahm Tausende von Flüchtlingen auf. Bassam fand Arbeit in einem Krankenhaus. „Wir haben alle behandelt, Christen und auch Muslime.“
Im Juni 2014 eroberte der IS Mosul. Zu dem Zeitpunkt sei es in Karakosch noch sicher gewesen. Doch Anfang August 2014 griff der IS auch Karakosch an. Die Christen mussten in einer nächtlichen Aktion Hals über Kopf fliehen. Bassam und seine Familie spülte die Flucht schließlich über die kurdische Hauptstadt Erbil nach Zarqa.
Frau Nagham – ihren vollen Namen will sie nicht nennen und auch fotografieren will sie sich aus Angst nicht lassen – hielt bis zuletzt in Mosul aus. „Die IS-Leute haben uns aufgefordert, binnen 48 Stunden unser Haus zu verlassen, sonst würden sie unsere Kinder entführen“, erzählt sie mit brüchiger Stimme. Dann markierten die Milizen die Häuser der Christen mit dem arabischen Buchstaben „N“ (für „Nazarener“).
Am 18. Juli 2014 floh Nagham aus ihrem Haus und musste dabei noch mitansehen, wie die muslimischen Nachbarn sofort zu plündern begannen. „Die waren froh, dass der IS kam, damit sie unser Hab und Gut rauben konnten“, sagt Nagham mit verbitterter Stimme. Sie lief auf der Flucht dann auch noch einigen IS-Leuten in die Hände und wäre um ein Haar erschossen worden.
Die christlichen Flüchtlinge sind meist sehr gebildete Leute. Ärzte wie Bassam sind keine Ausnahme. Auch Nagham war an der Universität Mosul angestellt. Hier in Jordanien dürfen sie freilich als Flüchtlinge nicht arbeiten, abgesehen davon, dass es kaum Arbeit gibt. „Wir können nichts tun, nur warten“, beklagt sich Bassam. Er will eigentlich weiter zu seinem Bruder, der in Kanada lebt, doch jetzt sitzt die Familie hier fest. Zumindest können seine zwei Kinder – mit Caritas-Unterstützung – die Schule besuchen.
Ob er jemals zu seinem Bruder kommen wird? Der Arzt zuckt mit den Schultern. Jetzt muss er erst einmal eine dringend notwendige Augenoperation überstehen. Auch bei den Kosten für medizinische Behandlungen hilft die Caritas. Insgesamt versorgt die Caritas 1.000 der 7.000 irakischen christlichen Flüchtlinge in Jordanien
Im Pfarrsaal der St. Teresa-Kirche glaubt niemand, dass er jemals nach Karakosch oder Mosul zurückkehren wird. Zu viel Schreckliches haben diese Menschen erlebt. „Wir glauben keinem Muslim mehr“, sagen Bassam und seine Frau. Und sie sprechen für alle hier im Saal.

Kardinal Duka untersagt „Prague Pride“-Veranstaltungen in Pfarren

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Durchführung von zwei Veranstaltungen zum Thema Homosexualität im Rahmen des Begleitprogramms zur Prager Regenbogenparade auf katholischem Boden untersagt.

Kardinal Dominik Duka
Kardinal Dominik Duka.

In der Akademikerpfarre St. Salvator sollte am 12. August die US-amerikanische Loretto-Schwester und Trägerin des „Mutter-Teresa-Preises“ Jeannine Gramick über „Schikanen inner- und außerhalb der Kirche“ referieren und tags darauf der polnische Film „Im Namen“ über die Lebensgeschichte eines homosexuellen katholischen Priesters gezeigt werden. Beide Veranstaltungen waren vom christlichen Homosexuellenverein „Logos“ geplant worden. Die Veranstalter der „Prague Pride“ wollen mit ihrem mehrtägigen Festival auf die Rechte sexueller Minderheiten aufmerksam machen. Der Pfarrer der Akademikerpfarre, Tomas Halik, erklärte, er teile bezüglich der „Prague Pride“ die Auffassungen Kardinal Dukas. „Derartige Aktionen“ hätten einen „Sinn in Russland, wo die Homosexuellen Gegenstand der Verfolgung sind, aber schwerlich bei uns, wo niemand jemanden verfolgt“. Den in St. Salvator geplanten innerkirchlichen Dialog zu diesen Themen im Zusammenhang mit Homosexualität werde man zu einem anderen Zeitpunkt führen.

Sr. Jeannine Gramick
Sr. Jeannine Gramick.

Der Vorsitzende des interkonfessionellen Vereins „Logos“, Stanislav Kobiha, zeigte sich in einer Stellungnahme „beunruhigt und zugleich betrübt, dass die Leitung der römisch-katholischen Kirche in der Tschechischen Republik durch Kardinal Duka die in Zusammenarbeit mit dem Festival Prague Pride angebotene Gelegenheit zum Dialog zurückweist“.  Die Kirche weiche so den Themen der Schikanierung und Diskriminierung aus. Kritiker von Dukas Vorgangsweise vermuten, dass ihn Proteste innerkirchlicher Kreise zu dem Verbot gedrängt haben. Die beiden Veranstaltungen sollen nun auf nicht-katholischem Boden stattfinden.

Papst Franziskus: Ministranten sind „Missionare der Nächstenliebe“

10.000 junge Ministranten aus 23 Ländern – davon 3.000 aus Österreich – sind am 4. August Papst Franziskus begegnet.

Der Papst dankte den Kindern und Jugendlichen auf dem Petersplatz in Rom für ihren Dienst am Altar und bezeichnete sie als „Missionare der Nächstenliebe“.
Bei den Teilnehmern der als Abendgebet gestalteten Feier handelte es sich um die mit Abstand größte Gruppe von Österreichern, die bisher dem Papst aus Südamerika begegnet ist. Begleitet wurden die heimischen Ministranten von den Bischöfen Franz Lackner, Wilhelm Krautwaschl und Ludwig Schwarz.

Ministrantenwallfahrt
Eine Ministrantengruppe aus Gföhl (NÖ).
Foto: Wolfgang Zarl.

Gegen Ende schenkte ein Jugendlicher aus Österreich sein eigenes rotes Halstuch dem Papst, der es sich auch mit einem Lachen bereitwillig umbinden ließ.
Aufgrund der vielen Österreicher sprach der Papst mehrere Feiertexte auf Deutsch, etwa in seinem Verweis etwa auf die Heiligen Franz von Assisi, Maria und Johannes Maria Vianney sowie in der Einleitung des gemeinsamen Vaterunser-Gebetes.
In österreichischen Pfarren ministrieren knapp 45.000 Mädchen und Buben.