Inhalt der gedruckten Ausgabe 32/2016

Leitartikel

Märtyrer der Jetzt-Zeit

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Erstmals Kirche Europas im Visier der IS-Terroristen
Französischen Priester während der Frühmesse ermordet

Zwei junge IS-Terroristen stürmten am Dienstagvormittag, 26. Juli,  die katholische Kirche Saint Etienne in der französischen Kleinstadt Saint-Etienne-du-Rouvray (28.000 Einwohner) nahe Rouen und nahmen fünf Menschen, die dort eine Messe feierten, als Geiseln. Die Täter schnitten dem 85-jährigen Priester Jacques Hamel am Altar die Kehle durch.

Entwicklungshelferin frei

Die katholische indische Entwicklungshelferin Judith D´Souza, (Foto) die am 9. Juni in Afghanistan entführt worden war, ist frei, berichtet Radio Vatikan.

Messwein-Verbot in Indien

Der indische Bundesstaat Bihar hat der katholischen Kirche die Verwendung von Messwein im Gottesdienst untersagt. Andernfalls verstoße die Kirche gegen das seit Anfang April geltende komplette Alkoholverbot in Bihar, betonten Regierungsvertreter laut einem Bericht des asiatischen katholischen Pressedienstes Ucanews.

Chaldäische Christen und Schiiten wollen mehr Dialog

Die schiitischen Muslime und die chaldäisch-katholischen Christen in Nahost wollen freundschaftliche Beziehungen untereinander stärken.

Fiechter Benediktiner gehen auf den Georgenberg zurück

Der Konvent der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht in Tirol übersiedelt in das Ursprungskloster am Georgenberg.

Blitz setzt Kirchturm in Brand

In der Nacht auf Sonntag, den 24. Juli 2016, zog ein schweres Unwetter über den Bezirk Krems. Dabei schlug gegen 1:15 Uhr ein Blitz in den Kirchturm der Pfarre Dross ein und setzte diesen in Brand.

Papst wünscht sich eine „rebellische“ Jugend

Mit einem farbenfrohen Fest ist Papst Franziskus am 28. Juli auf dem Weltjugendtag (WJT) im polnischen Krakau offiziell willkommen geheißen worden.

Papst: Geistliche sollen die Barmherzigkeit verbreiten

Papst Franziskus hat Polens Kleriker zu Dienstbereitschaft und zu konkreter Hilfe für Notleidende und Migranten gemahnt.

Keine Kopfwäsche für polnische Bischöfe

Papst Franziskus hat vor den polnischen Bischöfen betont, dass für die Aufnahme von Flüchtlingen stets die Gegebenheiten eines Landes berücksichtigt werden müssten.

Franziskus ruft Polen zur Aufnahme von Flüchtlingen auf

Zum Beginn seines Polenbesuchs hat Papst Franziskus Respekt vor der Würde der Person auch im Umgang mit Migranten verlangt.

Sturz in Tschenstochau

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner Polenreise den Marienwallfahrtsort Tschenstochau besucht. Für eine Schrecksekunde sorgte der Papst durch einen Sturz während der Messe.

„Grausamkeit ist mit Auschwitz noch nicht zu Ende“

Am Freitagvormittag hatte der Papst das Stammlager Auschwitz und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Während des Besuchs schwieg er, was von Spitzenvertretern des Judentums begrüßt worden ist.

Jesuit Christian Marte: Katholische Führung braucht „Upgrade“

Als Global Player mit Tradition braucht die katholische Kirche nach Ansicht des Wiener Jesuiten Christian Marte in ihren Führungssystemen ein „Upgrade“.

Neues Beratergremium in Salzburg

Ein neues Beratungsgremium, von dem er sich „konkrete Unterstützung im Hirtenamt“ erwartet, hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner unter seinem Vorsitz jetzt eingerichtet.

Kräutler-Nachfolger: „Es tobt Krieg in Brasilien vor Olympia“

Aus der Sicht des Nachfolgers von Bischof Erwin Kräutler als Präsident des brasilianischen Indianermissionsrates CIMI, Erzbischof Roque Paloschi aus Porto Velho, tobt in Brasilien im Vorfeld der olympischen Spiele ein „ständiger Krieg, der größer ist als jener im vorderen Orient“.

Wallfahrtskirche Maria Schutz steht unter neuer Leitung

Die Wallfahrtskirche und das Passionistenkloster Maria Schutz stehen ab 1. September unter einer neuen Leitung.

In Syrien existiert keine Spaltung zwischen Christen und Muslimen

Der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Homs, Jean-Abdo Arbach, macht ausländische Mächte für den Syrienkrieg verantwortlich.

USA: Demokraten-Vize Kaine ist praktizierender Katholik

Hillary Clinton hat mit Senator Tim Kaine (58), dem früheren Gouverneur von Virginia, einen praktizierenden Katholiken des „liberalen Flügels“ zu ihrem Vizepräsidentschaftskandidaten berufen.

Orthodoxer Priester schafft Rekord für Erdumrundung per Ballon

Ein russischer Extremabenteurer, der zugleich Priester ist, hat einen neuen Weltrekord für die Erdumrundung in einem Heißluftballon aufgestellt.

„Kardinal König-Gespräch 2016“ thematisiert Zukunft der Seelsorge

Das mittlerweile zu einem sommerlichen Fixpunkt in der Diözese St. Pölten gewordene „Kardinal König-Gespräch“ widmet sich heuer der Zukunft der Seelsorge. Es findet am 27. und 28. August in Königs Heimat in Rabenstein/Pielach statt und hat zum Thema: „Unsere Pfarrgemeinden: bisher. Und morgen? – Unsere beiden Pfarrer erzählen und ein Theo-loge fragt nach“. Hauptreferent ist der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner.

Leitartikel

Märtyrer der Jetzt-Zeit

Mit der Ermordung eines katholischen Priesters in Frankreich hat der islamistische Christenhass auch das „Abendland“ erreicht. Getauft wurde der enthauptete Geistliche einst auf den Namen Jakobus, den Namen des ersten Apostels, der enthauptet worden ist. Brutal getötet wurde er während der Messe in seiner Kirche, die seit Jahrhunderten dem Hl. Stephanus, dem ersten Märtyrer der Christen, geweiht ist.
Außerhalb Europas sind Kirche und Christen schon lange im Visier der islamistischen Terrormiliz. In Syrien hat der IS nicht nur damit Aufsehen erregt, dass „Ungläubige“ geköpft wurden. In mehreren Fällen ließen die Terroristen christliche „Feinde des Islam“ demonstrativ kreuzigen.
Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung. In der umkämpften Stadt Aleppo, wo erst jüngst ein elfjähriger Bub von einer vom Westen als „gemäßigt“ eingestuften Gruppe wegen „Zusammenarbeit mit der Regierung“ geköpft worden ist, geben junge Christen nicht auf. Etwa 1.200  von ihnen haben dort den Weltjugendtag gefeiert und dem Papst in Krakau Grüße geschickt.
Gleichzeitig haben schiitische Spitzenvertreter aus dem Irak und dem Iran mit dem Bagdader Patriarchen vermehrten Dialog vereinbart.
Noch wichtiger wären freilich Umkehr und Einlenken der Sunniten – von Saudi-Arabien bis zum IS. Geschieht das nicht, wird Jacques Hamel nicht der letzte Märtyrer gewesen sein.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Weish 18, 6-9

Während du die Gegner straftest, Herr, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht

Die Nacht der Befreiung wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten. So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht. Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter.

 

Zweite Lesung:   Hebr 11, 1-2.8-12

Er erwartete die Stadt, die Gott selbst geplant und gebaut hat

Schwestern und Brüder!
Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten. Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat. Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte. So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.

 

Evangelium:   Lk 12, 32-48

Haltet auch ihr euch bereit

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Am Ende bleibt alles zurück

Wirklich interessant, Petrus fragt nach. Er, der später an der Spitze der jungen Kirche stehen wird, fragt nach. Er lässt sich von Jesus erklären, wie ein treuer und ordentlicher Verwalter zu sein hat. Er und seine Nachfolger haben die Kirche zu verwalten. Und von Jesus kommen die klaren Ansagen.
Als Vorgesetzter hat man die Mitarbeiter ordentlich zu behandeln, man darf sich keine ungerechten Privilegien herausnehmen. Selbst voll gefressen und angesoffen hat kein Vorgesetzter jemandem Anweisungen zu geben, weil er damit mehr als unglaubwürdig ist. Das ist auch sinngemäß anzuwenden.
Jeder und jede von uns sind in Situationen, in denen wir Anweisungen erteilen – ganz klar, wie das zu tun ist. Wir haben Verantwortung für uns selbst, wie wir vor den Menschen, der Welt und schlussendlich vor Gott da stehen. Egal ob ich Lehrerin oder Priester bin, muss ich vor jedem Glas Wein überlegen, ob ich dann noch Auto fahren werde. Auch im Supermarkt werde ich überlegen, was ich in den Einkaufswagen lege: wenn ich keine 10 Euro locker machen kann für die Caritassammlung oder die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr, aber dann nur hochpreisige Delikatessen einsammle, ergibt sich ein verstörendes Bild, ein fragwürdiger Eindruck. Auch kann ich schlecht für Umweltschutz eintreten, wenn der Preis meines Autos das Jahresgehalt einer allein erziehenden Mutter bei weitem übersteigt. Und schließlich habe ich alle meine Sachen nur zu verwalten und am Ende meiner Tage muss ich alles zurück lassen: das Sparbuch, die Lebensversicherung, die Aktien, das Wochenendhaus, den Schmuck, die Antiquitäten, das Auto, die Markenkleidung, das Handy, die neu renovierte Kirche, die teuren Messgewänder, den Dom, den Vatikan, … und alle Ausreden.

 

Information

Erstmals Kirche Europas im Visier der IS-Terroristen
Französischen Priester während der Frühmesse ermordet

Zwei junge IS-Terroristen stürmten am Dienstagvormittag, 26. Juli,  die katholische Kirche Saint Etienne in der französischen Kleinstadt Saint-Etienne-du-Rouvray (28.000 Einwohner) nahe Rouen und nahmen fünf Menschen, die dort eine Messe feierten, als Geiseln. Die Täter schnitten dem 85-jährigen Priester Jacques Hamel am Altar die Kehle durch.

Medienberichten zufolge sollen sie diese Tat gefilmt haben. Eine weitere Geisel (86) wurde schwer verwundet, befindet sich aber mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. Als die Angreifer die Kirche gegen 11 Uhr verließen, wurden sie von der Polizei erschossen.

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Der 85-jährige Priester Jacques Hamel.

Jacques Hamel feierte 2008 sein Goldenes Priesterjubiläum. Nach seiner Pensionierung als Pfarrer arbeitete er als Hilfspriester weiter. Der als sehr menschenfreundlich geschilderte Geistliche war in seiner Region auch dafür bekannt, den interreligiösen Dialog zu fördern. Regelmäßig traf er sich mit einem Imam.
Papst Franziskus zeigte sich „zutiefst erschüttert darüber, dass dieser Akt der Gewalt in einer Kirche während eines Gottesdienstes stattfand, einer liturgischen Handlung, die den Frieden von Gott erbittet“. Zahlreiche weitere Religionsvertreter und Politiker aus aller Welt verurteilten die Tat.
Von einem „Terroranschlag“ sprach der französische Präsident Francois Hollande bei einem Besuch in der Gemeinde Saint-Etienne-du-Rouvray noch am selben Tag; er versicherte allen Katholiken in Frankreich seine Rückendeckung.

Kirche stand auf „Ziel-Liste“
Nach Angaben der britischen Zeitung „The Sun“ stand die katholische Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray auf einer „Ziel-Liste“, die bei dem im April 2015 in Paris festgenommenen mutmaßlichen IS-Terroristen Sid Ahmed Ghlam gefunden worden sei. Diese Kirche sei „eine von mehreren katholischen Kirchen“, die von der Terrorgruppe für Anschläge ausgesucht wurde.
Auch vorher wollten Islamisten offenbar schon gegen Kirchen in Frankreich zuschlagen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am 22. April 2015, dass die französischen Sicherheitsbehörden „eher zufällig“ ein geplantes Attentat auf zwei katholische Kirchen in Villejuif im Süden von Paris vereitelt hätten. Die Kirchen Saint Cyr und Sainte Therese in dem Vorort südlich der Hauptstadt sollten vermutlich während der Sonntagsmesse angegriffen werden, hieß es.

Papst wünscht sich eine „rebellische“ Jugend

Mit einem farbenfrohen Fest ist Papst Franziskus am 28. Juli auf dem Weltjugendtag (WJT) im polnischen Krakau offiziell willkommen geheißen worden.

Regnerisches Wetter hielt die 600.000 überwiegend jugendlichen Teilnehmer nicht davon ab, dem 79-Jährigen einen jubelnden Empfang zu bereiten. Franziskus bestärkte die Jugendlichen darin, „rebellisch“ zu sein und die Gesellschaft zu verändern. Ausdrücklich rief er zu Offenheit gegenüber Fremden auf.

papst polen straßenbahn
Papst Franziskus bei seiner Straßenbahnfahrt durch Krakau.

Franziskus ermutigte die Jugendlichen, „sich allen entgegenzustellen, die behaupten, es könne sich nichts ändern“. In gesellschaftlichen Debatten engagierte junge Menschen nannte er „ein Geschenk des Himmels“. Wörtlich sagte der Papst: „Es ist schön und es tröstet mein Herz, euch so rebellisch zu sehen.“ Die Kirche wolle von ihnen lernen, „wieder neu auf die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters zu vertrauen“.
Betrübt äußerte sich der Papst über Jugendliche, die „das Handtuch geworfen haben, bevor sie zum Wettkampf angetreten sind“. Viele schienen „vorzeitig in Pension gegangen zu sein“. Dies seien zugleich „gelangweilte und langweilige Jugendliche“. Es werfe Fragen auf, wenn junge Menschen ihr Leben für Rauscherlebnisse aufgäben oder Verkäufern falscher Vorspiegelungen nachliefen.
Den Jugendlichen wünschte der Papst das „Abenteuer, Brücken zu bauen und Mauern niederzureißen, Zäune oder Gitter“. Es gelte denen zuzuhören, „die wir nicht verstehen, denen, die aus anderen Kulturen und anderen Völkern kommen, und sogar denen, die wir fürchten, weil wir glauben, sie könnten uns schaden“.

Kräutler-Nachfolger: „Es tobt Krieg in Brasilien vor Olympia“

Aus der Sicht des Nachfolgers von Bischof Erwin Kräutler als Präsident des brasilianischen Indianermissionsrates CIMI, Erzbischof Roque Paloschi aus Porto Velho, tobt in Brasilien im Vorfeld der olympischen Spiele ein „ständiger Krieg, der größer ist als jener im vorderen Orient“.

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Erzbischof Roque Paloschi.

Paloschi bezog sich damit auf die vielen Menschenrechtsverletzungen, die im Zuge der Vorbereitungen auf Olympia 2016 in Rio de Janeiro täglich passieren. Die Lage sei hoffnungslos und verzweifelt, „es tobt ein Krieg der Auslöschung der Armen und der Jugend“, so der Bischof im Interview mit „Kathpress“.
Von den politischen Entscheidungsträgern erwartet er auch angesichts der Umwälzungen in den letzten Monaten keine Unterstützung. Es gebe nur sehr wenige in der gesetzgebenden Versammlung, die sich auf die Seite der Armen stellen. Die Politiker, die während der sechsmonatigen Suspendierung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff das Ruder übernahmen, bezeichnete er als „Mehl vom gleichen Sack“. Sie würden den Verfall der sozialen Rechte weiter betreiben.
In Brasilien herrsche eine „weiße Rassenideologie, die nicht nur die indigene Bevölkerung, sondern auch die vielen Schwarzen ablehnt, die als Sklaven von Afrika nach Brasilien geholt wurden“, erklärte der Erzbischof, der als CIMI-Präsident für die Rechte u.a. der Indios in Amazonien eintritt. Eine negative Rolle spielten auch die Medien, „die ganz ausdrücklich gegen die indigene Bevölkerung Stellung beziehen und diese als Hindernisse auf dem Weg zur Modernisierung darstellen“.

USA: Demokraten-Vize Kaine ist praktizierender Katholik

Hillary Clinton hat mit Senator Tim Kaine (58), dem früheren Gouverneur von Virginia, einen praktizierenden Katholiken des „liberalen Flügels“ zu ihrem Vizepräsidentschaftskandidaten berufen.

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Senator Tim Kaine.

Der Jesuiten-Schüler lobte im Vorjahr die Enzyklika „Laudato si“ in einem langen Kommentar und hält große Stücke auf Papst Franziskus. Doch es gibt auch innerkirchliche Kritik an seiner unklaren Positionierung zur Todesstrafe und zur Abtreibung.

Besuch einer Jesuiten-Schule
Das neue Gesicht im US-Wahlkampf stammt aus einer gläubigen Familie im Mittleren Westen. „Wenn wir am Sonntagabend um halb acht aus dem Urlaub zurückkamen, wussten unsere Eltern garantiert, wo es in Kansas City noch eine Abendmesse um acht Uhr gab“, sagte Kaine jüngst dem Fernsehsender „C-Span“.
Kaines Vater besaß einen kleinen Handwerksbetrieb in Kansas City und verdiente sein Geld mit Schweißarbeiten. Ein Teil der Einkünfte floss in die Ausbildung Tims an einer jesuitischen Privatschule, die Spuren hinterließ.

Freiwilligenjahr in Honduras
1980 unterbrach Kaine sein Studium an der renommierten Harvard Law School für ein Jahr, um als Freiwilliger im Rahmen des Programms der US-Jesuiten in Honduras den Ordensmitgliedern zu helfen. Das Jahr war prägend für den jungen Mann, der in dem zentralamerikanischen Land Spanisch lernte und seine Leidenschaft für den Kampf um soziale Gerechtigkeit vertiefte. Bei seinem ersten Auftritt an der Seite Hillary Clintons an der Florida International University in Miami konnte er sich in fließendem Spanisch an seine Zuhörer, darunter viele Latinos, richten. Er hieß sie mit freundlichen Worten willkommen, was eine demonstrative Abgrenzung zum republikanischen Kandidaten Donald Trump war. Dieser ist unter Hispano-Amerikanern wegen seiner kritischen Aussagen zu mexikanischen Einwanderern eher unbeliebt.

Aktives Pfarrmitglied
Zusammen mit seiner Ehefrau Anne Holton schloss er sich in Richmond der Gemeinde St. Elizabeth an, in der die Mehrheit der Gemeindemitglieder Schwarze sind. Der Politiker gründete einen Studienkreis für Männer und engagierte sich im Gospel-Chor.Stark befürwortet er die Priesterweihe von katholischen Frauen.

Todesstrafe und Abtreibung
Der Jazz-Freund und Harmonika-Spieler steht offen zu seinem Glauben, den er als „meinen Polarstern“ bezeichnet. Allerdings ist die von ihm auf Befragung erklärte  Ablehnung von Abtreibung und Todesstrafe nicht manifest geworden: „Persönlich bin ich dagegen“, betonte er in einem Interview seine Position. Er müsse aber als angelobter Gouverneur Verfassungsbestimmungen einhalten, weshalb er Todesurteile unterzeichnet habe. Als Gouverneur von Virginia erlaubte er die Exekution von elf zum Tode verurteilten Gefangenen.
In puncto Schwangerschaftsabbruch will er das „Ja“ zum Kind zwar erleichtern, hält die Entscheidung zugleich jedoch für eine persönliche: „Das Letzte, was Frauen benötigen, ist eine Regierung, die sich in persönliche Entscheidungen einmischt.“ Persönlich ist er gegen die Abtreibung.