Inhalt der gedruckten Ausgabe 32/2015

Leitartikel

„Wann geht er denn nun?“

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Information

Syrien: Erzbischof Hindo „Fast-Bürgermeister“ von Hassake

Die Leitung der Müllabfuhr in Großstädten gehört gewöhnlich nicht zu den Aufgaben von Bischöfen. In der zuletzt hef­tig umkämpften syrischen Großstadt Hassake hat der syrisch-katholische Erzbischof nun mehrere öffentliche Ämter wahrgenommen, um dem Notstand bei Lebensmittelver­sor­­gung und öffentlicher Gesundheit entgegenzuwirken. „Niemand hat sich darum gekümmert“, schilderte Jacques Behnan Hindo der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“.

Chinesischer Bischof ruft zu Protest gegen die Entfernung von Kreuzen auf

Der katholische Bischof von Wenzhou Zhu Weifang ruft die Gläubigen in China zu Protesten gegen die systematischen Entfernung von Kreuzen von Kirchen durch die kommunistischen Behörden auf.

Papst Franziskus 40 Jahre ohne Urlaub

Papst Franziskus gönnt sich nach Aussage eines engen Mitarbeiters auch in den Som­merwochen kaum Erholung.

Witwen für den geistlichen Stand

Immer mehr katholische Witwen in Italien entdecken den geistlichen Stand.

Pfarr-Iniative „Willkommen Mensch“ hilft Flüchtlingen

Mit schneller und unbürokratischer Hilfe greift die in der Diö­zese St. Pölten gegründete pfarrliche Initiative „Willkommen Mensch“ seit einigen Monaten Flüchtlingen unter die Arme.

Muslime weiter uneins über Islamgesetz

Das Islamgesetz bleibt unter den Muslimen in Österreich weiter umstritten.

Vatikan beendet Kooperation mit Stiftung von Bergbau-Milliardär

Der Vatikan hat sich aus einem vom australischen Milliardär und Minenbetreiber Andrew Forrest finanzierten Netzwerk gegen Menschen­han­del und Zwangsarbeit zurückgezogen.

Streit um Klosterverkauf an Katy Perry

Der Rechtsstreit zwischen Popstar Katy Perry, US-Ordensfrauen und der Erzdiözese Los Angeles um ein früheres Kloster geht in die nächste Runde.

Syrien-Krieg: 2,7 Millionen Kinder ohne Schulbildung

2,7 Millionen syrische Kinder – entweder im Land selbst oder auf der Flucht in Nachbarländern – können keine Schule besu­chen. Die Caritas und viele weitere Hilfsorganisationen versuchen dagegen nach Kräften anzukämpfen.

Patriarch Sako: 1.264 Christen im Irak seit 2003 getötet

Seit dem Sturz Saddam Hus­seins 2003 sind im Irak 62 Kirchen angegriffen und 1.264 Christen getötet worden.

Menschen in der Ostukraine „darben“

Der Präsident der Caritas in der Ukraine, Andrij Was­kowycz, hat die dramatischen Zustände im Osten seines Landes als „größte humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet. Die Kämpfe beeinträchtigten nicht zuletzt die Arbeit der Hilfswerke, und es fehle derzeit an allen Ecken und Enden, sagte Waskowycz in einem Interview dem Kölner Domradio.

Klage gegen Linzer Domglocken abgewiesen

Das Landesgericht Linz hat die Klage eines Anrainers gegen die nächtlichen Glockenschläge des Linzer Ma­rien­doms abgewiesen.

Kenia: Kritik an Obamas Einsatz für Homo-Rechte

Bei seinem Kenia-Besuch hat US-Präsident Barack Obama die Diskriminierung von Homosexuellen angeprangert.

Römische Rüge für US-Papstkritiker

Der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Bischof Marcelo Sanchez Sorondo, hat Papst Franziskus gegen konservative Kritiker in den USA in Schutz genommen.

Asyl: Kirche begrüßt Maßnahmen der Regierung

Die Caritas und die „Katholische Aktion Österreich“ (KAÖ) begrüßen die am Freitag von der Regierung bekannt gegebenen Reformpläne für die Flüchtlingspolitik.

Neuer Militärbischof vereinfacht Militärseelsorge-Strukturen

Der neue Militärbischof Werner Freistetter hat wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Vereinfachungen in der Struktur der österreichischen Militärseelsorge angekündigt.

Wiltener Sängerknaben nahmen auf Bitte von Arvo Pärt CD auf

Die neue CD „Babel“ ist die Frucht einer bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen dem österreichisch-estnischen Komponisten Arvo Pärt und den Wiltener Sängerknaben. Das Projekt kam – wie Chorleiter Johannes Stecher in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Kirchenzeitung „Tiroler Sonntag“ bekannt gab – auf Einladung des Achtzigjährigen zustande.

St. Pöltener Bischofssprecher wird Ungarn-Botschafter im Vatikan

Der frühere Sprecher des St. Pöltner Bischofs Klaus Küng, Eduard Habsburg-Lothringen (48), tritt ab Herbst das Amt des ungarischen Botschafters beim Vatikan an.

Caritas Tirol hilft 120.000 Menschen in Mali und Burkina Faso

Während in Österreich die durchschnittlichen Monatsausgaben für Lebensmittel nur zwölf Prozent der Haushaltsausgaben betragen, sind es in Entwicklungsländern oft bis zu 80 Prozent.

Leitartikel

„Wann geht er denn nun?“

In Zeiten wie diesen könnte ein Blatt wie JA Woche für Woche locker mit Berichten über den Papst oder die Caritas gefüllt werden. Franziskus wird nicht müde, für jene einzutreten, deren Not die katholische Hilfsorganisation weltweit artikuliert und verringern möchte.
Offen gesagt: Nie hatte die Caritas einen besseren „Pro-Motor“ als den heutigen Pontifex maximus.
Diesem jedoch schlägt innerkirchlich viel Widerstand entgegen.
„Wann geht er denn nun?“ titelte Ende Juli die Zeit-Beilage „Christ & Welt“. Und spielte damit auf immer wieder kursierende Rücktrittsgerüchte an, deren „Väter“ im vatikanischen Dunkel bleiben.
Zurecht sorgt man sich um die Gesundheit von Franziskus, für den Urlaub ein Fremdwort war und ist. Das jüngst in Lateinamerika absolvierte Mammut-Programm des 78-Jährigen, der nur einen Lungenflügel besitzt, hätte ein Jüngerer kaum meistern können.
Reformer hoffen, dass er die Familiensynode erfolgreich abschließen kann. Konservativen käme ein Ende des Pontifikats noch vorher nicht ungelegen.
Die einen sorgen sich um sein Wohlergehen, die anderen sehen durch ihn jenes der Kirche in Gefahr.
Und seine „Freunde“, die Bischöfe? Einige kritisieren seine Linie lautstark, andere loben ihn in Predigten, halten sich ansonsten jedoch vornehm zurück.
Braucht noch Feinde, wer solche Freunde hat?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Kön 19, 4-8

Durch diese Speise gestärkt, wanderte er bis zum Gottesberg

In jenen Tagen ging Elija eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin. Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

Zweite Lesung:   Eph 4, 30 – 5, 2

Liebt einander, weil auch Christus uns geliebt hat

Schwestern und Brüder!
Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.

Evangelium:   Joh 6, 41-51

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist

In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Eine Liebesgeschichte

Die murrenden Juden – eigentlich sind sie mir sympathisch. Sie lassen sich nicht gleich ein X für ein U vormachen und denken selber nach. Sie gleichen die Selbstaussage Jesu mit ihrem Wissen ab. „Brot vom Himmel? Wir kennen doch seine Eltern!“ Das waren bestimmt angesehene Leute. Aber die Selbstaussage Jesu stößt auf Skepsis.
Die Skepsis gegenüber dem Glauben an Jesus dem Christus ist keine Erfahrung, mit der die Gemeinde des Johannesevangeliums allein konfrontiert war. Die „Juden“ sind horizontal denkende, skeptische Menschen wie viele Menschen in unserer säkularen Umwelt. Auch unsere Botschaft stößt auf Skepsis und im Kontakt mit Judentum und Islam sogar auf Unverständnis. Es ist dort unvorstellbar, dass Gott die Grenze zu seiner Schöpfung und zum Tod übersprungen haben könnte.
Als Christen glauben wir an die Inkarnation des Wortes Gottes in Jesus Christus. Unser Gott ist so voll Liebe, dass er Grenzen überschreitet. Es ist eine lange Liebesgeschichte von der Schöpfung bis zur Vollendung. Der Ankerpunkt dieser Liebesgeschichte ist das Leben Jesu, sein Tod, seine Auferstehung und seine Geistsendung an uns, seine Kirche. Letztlich ist es seine Gnadengabe, die Skepsis überwinden zu können. Wenn wir wie er lieben und dienen, machen wir es auch Skeptikern leichter, sich für seine Liebe zu öffnen und sie selbst zu leben.
Dazu braucht es uns Menschen seiner Kirche, die selbstbewusst, freudvoll und in Demut Zeugnis von dieser wunderbaren Liebesgeschichte zwischen Gott, den Menschen und seiner Schöpfung geben.

 

Information

Syrien: Erzbischof Hindo „Fast-Bürgermeister“ von Hassake

Die Leitung der Müllabfuhr in Großstädten gehört gewöhnlich nicht zu den Aufgaben von Bischöfen. In der zuletzt hef­tig umkämpften syrischen Großstadt Hassake hat der syrisch-katholische Erzbischof nun mehrere öffentliche Ämter wahrgenommen, um dem Notstand bei Lebensmittelver­sor­­gung und öffentlicher Gesundheit entgegenzuwirken. „Niemand hat sich darum gekümmert“, schilderte Jacques Behnan Hindo der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“.

Die Situation in Hassake ist dramatisch: Ende Juni hatten IS-Milizen die Stadt, in der traditionell eine starke christliche Minderheit lebt, angegriffen. Rund 120.000 Menschen flüchteten aus der Stadt, unter ihnen zahlreiche Christen. Kurdische Milizen und Einheiten der syrischen Armee nahmen daraufhin in den vergangenen Wochen die von den Milizen kontrollierten Vorstädte ins Visier. Am 28. Juli berichtete die französische Nachrichtenagentur afp, dass die IS-Kämpfer aus Hassake vertrieben worden seien.

Rückkehr nach der Flucht
Erzbischof Hindo hatte nach dem IS-Angriff zusammen mit vielen Christen vorübergehend in der Stadt Qamishli Unterschlupf gefunden, bevor er in seine Bischofsstadt zurückkehren konnte. Nach seiner Rückkehr habe er mehrere öffentliche Aufgaben übernommen, u.a. weil die Bevölkerung von Epidemien bedroht sei, schilderte der Erzbischof gegenüber „Fides“. „Ich habe mir diese Anforderungen zu eigen gemacht, denn ich sah, dass sich niemand darum kümmert.“
Der syrisch-katholische Erzbischof ist jetzt verantwortlich für die Straßenreinigung, den Abfall-Notstand, für Desinfektion und alle Dienstleistungen, die mit der öffentlichen Gesundheit zusammenhängen.

Jacques Behnan Hindo
Erzbischof Jacques Bahnan Hindo.

Er koordiniere eine Truppe von 130 Mitarbeitern, an die 100 von ihnen Muslime, schilderte Hindo: „Meine Leute arbeiten in Vierteln, wo 40.000 Menschen leben, und sie fordern keinerlei Entschädigung. Die Leute sagen: ‚Der Bischof ist fast Bürgermeister der Stadt geworden‘. Wir bräuchten Lastwagen für die Müllbeseitigung, aber momentan wissen wir gar nicht, wo sie zu finden wären.“

Saudi-Geld ist schuld
Was die Entwicklung des Syrien-Konflikts betrifft, verwarf der Erzbischof die im Westen zirkulierende Version, wonach der syrische Bürgerkrieg den Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten widerspiegelt. „Der IS-Terrorismus ist ein Kind der wahabitischen Ideologie und des Geldes Saudi-Arabiens, das alles in der Hand haben will“, sagte er. Die meisten Sunniten hätten nichts mit den IS-Leuten zu tun. Hindo wörtlich: „Die IS-Einheiten in unserer Gegend bestehen aus Leuten, die bis vor einiger Zeit nicht eine einzige Sure des Koran kannten. Beim IS verdienen sie so viel Geld, wie sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen haben. Es sind Leute, die gewohnt sind, sich auf die Seite derer zu schlagen, die sie bezahlen und die befehlen. Wenn am Ende das Heer Assads die Oberhand haben wird, sind sie bereit, aufs Neue ´Es lebe Bashar’ zu rufen“.

Syrien-Krieg: 2,7 Millionen Kinder ohne Schulbildung

2,7 Millionen syrische Kinder – entweder im Land selbst oder auf der Flucht in Nachbarländern – können keine Schule besu­chen. Die Caritas und viele weitere Hilfsorganisationen versuchen dagegen nach Kräften anzukämpfen.

Allein in Jordanien wurden bisher rund 630.000 Syrer offiziell als Flüchtlinge registriert, die Dunkelziffer liegt freilich viel höher. Schätzungen reichen bis zu 1,5 Millionen Syrer im Land. Mehr als die Hälfte der Syrien-Flüchtlinge sind Kinder. Das kleine Jordanien ist damit am Ende seiner Kapazitäten angelangt.
Von den syrischen Flüchtlingskindern könnten nur rund die Hälfte die Schule besuchen, schildert Samar Bandak von der Caritas Jordanien im „Kathpress“-Gespräch vor Ort. Es fehle schlicht am Platz. „Die jordanische Regierung tut, was sie kann“, räumt Bandak ein, doch das reiche einfach nicht. In den jordanischen Schulen wurde längst der Schichtbetrieb eingeführt: Am Vormittag werden die jordanischen Kinder unterrichtet, am Nachmittag die syrischen – zumindest einige.

Samar Bandak
Caritas-Mitarbeiterin Samar Bandak.

Schulglocke löst Angst aus
Laut jordanischem Innenministerium besuchen aktuell von 230.000 schulfähigen syrischen Kindern nur rund 140.000 eine öffentliche Schule. Dazu kommt, dass die Quote der Schulabbrecher bei 25 Prozent liegt. Aus mehreren Gründen: Die Kinder hätten durch Krieg und Flucht zu viel Lehrstoff versäumt und kämen mit den gleichaltrigen Jordaniern nicht mehr mit, so Bandak. Sie würden teilweise in den jordanischen Schulen auch gemobbt und diskriminiert. Und vor allem: Viele seien von ihren Erlebnissen schwer traumatisiert.
„Manche Kinder bekommen Angstzustände, wenn sie nur die laute Schulglocke hören. Andere wiederum sitzen völlig lethargisch da und können nicht einmal einen Bleistift halten“, erzählt die Englisch-Lehrerin Manal Majed Hejazeen. Sie unterrichtet in der sogenannten Sommerschule der Caritas in der jordanischen Stadt Zarqa.

Caritas-Sommerschule in Zarqa
Lehrerin Manal Majed Hejazeen beim Englischunterricht mit ihren Schützlingen in der Caritas-Sommerschule in Zarqa.
Fotos: kathpress.at/bild.

UNHCR stellt Zahlungen ein
Vielleicht das größte Problem, weshalb Flüchtlingskinder so oft keine Schule besuchen: Die Hälfte aller Flüchtlingsfamilien in Jordanien gibt an, dass zumindest ein Kind arbeiten muss, um zur Ernährung der Familie beizutragen. Flüchtlingen ist es in Jordanien offiziell verboten zu arbeiten, Kinder werden freilich weniger oft erwischt als Erwachsene.
Und diese Problematik wird sich künftig noch verstärken, nachdem das „World Food Programm“ der Vereinten Nationen ab 1. August aus Geldmangel eine Reihe von Hilfszahlungen einstellen muss. Das bestätigt die UNHCR-Mitarbeiterin Aoife McDonell gegenüber „Kathpress“. Die Konsequenzen für die Flüchtlinge: „Die Familien essen weniger, die Kinder verlassen die Schule und müssen irgendwo Arbeit finden, Mädchen werden schon mit 14 Jahren verheiratet, damit sich ein anderer um sie kümmert.“

Vielfältige Caritas-Hilfe
Jordanien ist eines der Schwerpunktländer der heurigen Augustsammlung/Hungerkampagne der Caritas. Die Caritas Österreich hat seit Ausbruch des Syrien-Konfliktes im März 2011 über acht Millionen Euro für die Nothilfe für Syrien-Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Damit wurden bzw. werden 112.000 Menschen, rund die Hälfte davon Kinder, über Partner in Jordanien, Syrien und im Libanon unterstützt.

Menschen in der Ostukraine „darben“

Der Präsident der Caritas in der Ukraine, Andrij Was­kowycz, hat die dramatischen Zustände im Osten seines Landes als „größte humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet. Die Kämpfe beeinträchtigten nicht zuletzt die Arbeit der Hilfswerke, und es fehle derzeit an allen Ecken und Enden, sagte Waskowycz in einem Interview dem Kölner Domradio.

Andrij Waskowycz
Andrij Waskowycz.

Besonders dramatisch sei es in den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten. Hier fehle es vor allem an Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischer Versorgung, so der Caritas-Experte. Zeitweise seien zudem rund 100.000 Menschen von der Wasserversorgung abgeschnitten.
Angesichts dieser Situation seien allein 1,4 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine auf der Flucht, weitere 700.000 hätten das Land schon verlassen, sagte Waskowycz.

Tötung von Geistlichen in Kiew
Für die Tötung eines Priesters und einer Ordensfrau in der ukrainischen Hauptstadt Kiew macht der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. Stimmungsmache gegen seine Kirche mitverantwortlich.
Der 40-jährige Priester Roman Nikolajew war am 29. Juli seinen Schussverletzungen erlegen. Zwei Unbekannte sollen ihn am Wochenende in einem Wohnhaus überfallen und in den Kopf geschossen haben. Die 62-jährige Ordensfrau Alewtina wurde am selben Tag von ihrem Neffen gefesselt und tot aufgefunden.

Brief an Putin und Poroschenko
Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. appelliert angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ostukraine an die Präsidenten Russlands und der Ukraine, „alles zu tun, damit das Blutvergießen aufhört“.
In einem gleichlautenden Brief an Wladimir Putin und Petro Poroschenko anlässlich der Gedenkveranstaltungen zum 1.000. Todestag des in beiden Ländern verehrten Heiligen Wladimir (Wolodymyr), fordert Kyrill nach Angaben des Pressedienstes der Wiener Stiftung „Pro Oriente“ die Einstellung der Feindseligkeiten und die Durchführung der Vereinbarungen von Minsk, um die Sicherheit der Zivilbevölkerung wieder herzustellen.

Wiltener Sängerknaben nahmen auf Bitte von Arvo Pärt CD auf

Die neue CD „Babel“ ist die Frucht einer bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen dem österreichisch-estnischen Komponisten Arvo Pärt und den Wiltener Sängerknaben. Das Projekt kam – wie Chorleiter Johannes Stecher in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Kirchenzeitung „Tiroler Sonntag“ bekannt gab – auf Einladung des Achtzigjährigen zustande.

Arvo Pärt
Komponist Arvo Pärt.

Das eben erschienene „Babel“ ist die erste CD eines Knabenchores mit Werken des weltberühmten Komponisten Arvo Pärt, der am 11. September seinen 80. Geburtstag feiert. Der Tonträger enthält sakrale Chormusik mit Titeln wie „Magnificat“, „Nunc dimittis“ und „Vater unser“. Mit „Beatitudines“ und „Drei Hirtenkinder aus Fatima“ sind auch Ersteinspielungen dabei. Pärt selbst äußerte sich mit großer Wertschätzung über die Qualität der in den Kirchen von Telfs und Ampass (Tirol) aufgenommenen Stücke: „Die Wiltener Sängerknaben haben mich überrascht: mit der Schönheit ihrer Stimmen und einer Reife, die für einen Knabenchor bemerkenswert ist.“

Pärts spirituelle Kraft
Chorleiter Stecher unterstrich gegenüber dem „Tiroler Sonntag“ die große spirituelle Kraft der Werke Pärts. Er habe ihn im Zuge des CD-Projekts kennengelernt und „hatte den Eindruck, dass Arvo Pärt schon ein sehr religiöser, spiritueller, am Transzendenten interessierter Mensch ist. Und dass das auch den Kern seiner Kompositionstätigkeit ausmacht“. Deren für einen zeitgenössischen Musiker ungewöhnlichen Erfolg erklärte Stecher damit, dass Pärt „Musik für suchende Menschen“ schaffe. Sein Publikum wünsche eine Rückverbindung im Sinn von Religion. „Es geht um Sinn, und das ist spürbar beglückend.“

Religiöses war anstößig im Sowjetregime
Arvo Pärt, vor fast 80 Jahren in Paide (Estland) geboren, gilt als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten neuer Musik. Diese erregte bereits Anfang der 1960er Jahre den Unwillen der sowjetischen Kulturbehörden nicht zuletzt wegen ihres religiösen Gehalts. Im Jahr 1980 emigrierte er auf Druck der Regierung der UdSSR mit seiner Familie nach Wien, wo er die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Später übersiedelte er nach Berlin-Lankwitz, wo er heute noch lebt. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Estlands verbringt er Teile des Jahres in seinem estnischen Landhaus.