Inhalt der gedruckten Ausgabe 3/2016

Leitartikel

Silvester 2015

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Information

„Charlie Hebdo“ provoziert ein Jahr nach Islamisten-Morden die Christen
Blutverschmierter Gott mit Kalaschnikow und Dreifaltigkeitssymbol

Vor einem Jahr, am 7. Jänner 2015, drangen in Paris islamistische Terroristen in die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ ein und töteten insgesamt 12 Menschen, 10 von ihnen waren Redaktionsmitglieder. Im Gedenken daran erschien jetzt eine provokante Sonderausgabe.

Erste monatliche Videobotschaft des Papstes wirbt mit Buddhistin, Juden und Muslim für Dialog der Religionen

Papst Franziskus veröffentlicht von 2016 an monatlich eine Videobotschaft, die über Twitter, Facebook und Youtube verbreitet wird – in elf Sprachen, auch in Deutsch, Chinesisch und Arabisch. Der Papst erklärt darin die Gebetsanliegen des jeweiligen Monats.

Religionsunterricht wird künftig noch wichtiger

Die Notwendigkeit und Bedeutung des Religionsunterrichts wird künftig noch zunehmen. Davon ist Josef Rupprechter, Direktor des Schulamtes der Erzdiözese Salzburg, überzeugt.

Kardinal Burke kritisiert Kardinal Marx

US-Kardinal Raymond Burke (Foto) hat Kardinal Reinhard Marx eine Aufweichung der katholischen Morallehre vorgeworfen.

Spanien fordert Auslieferung mutmaßlicher Jesuiten-Mörder

Die spanische Justiz fordert von El Salvador offiziell die Festnahme und Auslieferung von 17 Militärangehörigen, die 1989 an der Ermordung von sechs Jesuiten beteiligt gewesen sein sollen.

Polnischer Bischof protestiert  gegen EU-Parlamentspräsident

In scharfer Form hat ein polnischer Bischof gegen die Kritik von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz am Kurs der neuen Regierung des Landes protestiert.

Deutschland: Nach Vorfällen in der Silvesternacht Warnung vor „irrationaler Stimmung“

Die katholische Kirche muss nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderen deutschen Städten der pauschalen Verurteilung muslimischer Flüchtlinge entgegentreten. Das fordert der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der in der Deutschen Bischofskonferenz für den Interreligiösen Dialog verantwortlich ist.

Caritas bezahlt keine Handys für Flüchtlinge

Die Caritas hilft allen Menschen in Not unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion. Das ist auch in der Flüchtlingsarbeit nicht anders.

Betroffenheit über IS-Bomben auf Christen
Lehrer in Mossul rebellieren gegen IS-Lehrpläne

Die Christen in Syrien sind zu Beginn des Jahres 2016 – es ist das sechste Kriegsjahr – durch eine neue islamistische Terrorwelle im kurdisch kontrollierten Kamischlie in der Djazira zutiefst betroffen und erschüttert.

Ägypten: Präsident Sisi warb bei koptischen Weihnachten für Toleranz

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben die koptischen Christen in Ägypten ihr Weihnachtsfest begangen. An einem Gottesdienst am Mittwochabend, 6. Jänner, mit Papst Tawadros II. in der Markus-Kathedrale in Kairo nahm laut ägyptischen Presseberichten auch Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi teil. Dabei rief er Christen und Muslime auf, sich nicht spalten zu lassen.

Panorthodoxes Konzil auf der Kippe
Treffen der Kirchenführer am 21. Jänner

Die „Synaxis“ (Versammlung) der Oberhäupter aller autokephalen (selbständigen) orthodoxen Kirchen ist für 21. Jänner vorgesehen, wie die Website „romfea“ berichtet. Dabei geht es um das geplante Panorthodoxe Konzil.

Petersdom: Schrein eines Altösterreichers als Barmherzigkeitsjahr-Patron ausgestellt

Mit Beginn der Fastenzeit soll im Zuge des vom Papst ausgerufenen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Vorbild von zwei großen Persönlichkeiten des Verzeihens und der Bekehrung ins Bewusstsein gerufen werden. Bei einem der beiden handelt es sich um einen Altösterreicher.

Ostdeutschlands größter Kirchenbau weitaus teurer als geplant

Die Gesamtkosten für Ostdeutschlands größten Kirchenneubau seit der Wiedervereinigung sind deutlich höher als bislang bekannt.

Philippinen: Proteste gegen Beurlaubung des Hoverboard-Priesters

Der Hoverboard-Auftritt des katholischen Pfarrers von Binan auf den Philippinen, Falbert San-Jose, während der Christmette ist bei den Leitungsverantwortlichen  seiner Diözese San Pablo schlecht angekommen.

Von Kommunisten inhaftiert, von Amtskirche schikaniert: P. Anton Srholec war eine „Lichtgestalt des Evangeliums“

Der bekannte slowakische Ordensmann und Menschenrechtsaktivist Pater Anton Srholec ist am 7. Jänner 86-jährig in Bratislava verstorben. Der einstige Dissident in Zeiten des kommunistischen Regimes erlag einem Lungenkrebsleiden.

69 Prozent der Lateinamerikaner vertrauen der Kirche

Die Kirche ist nach wie vor die Organisation, der die Bewohner Lateinamerikas am meisten vertrauen.

Neues spirituelles Projekt der Orden in Oberösterreich

Umbruch im Exerzitienhaus „Subiaco“ im oberösterreichischen Kremsmünster: Die Steinerkirchner Schwestern („Benediktinerinnen vom unbefleckten Herzen Mariens“) verlassen ihr Exerzitienhaus.

Leitartikel

Silvester 2015

Wenn hunderttausende junge Männer ins Land strömen, brauchen sie – völlig unabhängig von Religion und Herkunft – nicht nur Kost, Quartier und Sprachkurse, sondern auch Arbeit und Frauen. Das blieb vielen Mächtigen in Politik-und Medienwelt verborgen – bis zur Silvesternacht, als in Köln, Hamburg und anderen deutschen wie europäischen Städten Frauen von Männergruppen sexuell belästigt und ausgeraubt wurden.
Dem Skandal folgten weitere: Die Polizei vertuschte anfangs die Herkunft der Männer, Medien berichteten mit tagelanger Verspätung. Beschämende Ratschläge für Frauen: „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“ (Kölner Oberbürgermeisterin), „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein.“ (Wiener Landespolizeipräsident).
Offenkundig entwickelt sich unsere Gesellschaft zurück.
Rechte und Linke sind sich inzwischen in der Analyse, dass Österreich die Flüchtlingskrise allein nicht bewältigen kann, ziemlich einig, nur die Formulierungen sind verschieden. Die einen wollen „Obergrenzen“ – doch wie? Die anderen fordern, weil „Deutschland, Österreich und Schweden es allein nicht schaffen werden“, EU-weite Regelungen – ein unrealistischer Traum. Genauso wie jener, dass in der EU Sozialverbände die Richtung vorgeben und nicht die Wirtschaft allein.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 62, 1-5

Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich

Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel. Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit und alle Könige deine strahlende Pracht. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des Herrn für dich bestimmt. Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des Herrn, zu einem königlichen Diadem in der Rechten deines Gottes. Nicht länger nennt man dich „Die Verlassene“ und dein Land nicht mehr „Das Ödland“, sondern man nennt dich „Meine Wonne“ und dein Land „Die Vermählte“. Denn der Herr hat an dir seine Freude, und dein Land wird mit ihm vermählt. Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 12, 4-11

Ein und derselbe Geist teilt einem jeden seine besondere Gabe zu, wie er will

Schwestern und Brüder!
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten. Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

 

Evangelium:    Joh 2, 1-11

So tat Jesus sein erstes Zeichen – in Kana in Galiläa

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und
Pfarrassistentin in Pucking, OÖ

Zögern ist erlaubt

Der gedankliche Sprung von Jesus, dem Gotteskind, zum erwachsenen, wunderwirkenden Rabbi in gerade 3 Wochen ist für unsere Vorstellungsgabe immer ein wenig herausfordernd. Aber gerade die Schilderung des zögernden Jesus, der bei der Hochzeit von Kana einen mütterlichen Anstoß braucht, ist heilsam für unsere Vorstellung vom wirklich Mensch gewordenen Gott. Die Erzählungen von all den wundersamen Zeichen um seine Geburt, die die Evangelisten bemühen, um ihn von Anfang an als Messias zu legitimieren, lassen leicht vergessen, dass Jesus das Menschsein wirklich gelebt hat. Uns wurde in Bethlehem kein perfekter „Wunderrabbi“ geboren. Gott hat nicht nur die äußere Entwicklung eines Menschen vom Kind zum Mann angenommen, sondern auch den inneren Reifungsprozess, den jeder Mensch durchlaufen muss. Wie jedem von uns haben ihm seine Erziehung und die Wegzeichen seines frühen Lebens wahrscheinlich Hinweise gegeben – aber die klare Erkenntnis wuchs auch in ihm erst allmählich. Das Suchen nach dem eigenen Lebensauftrag – tastend manchmal, auch irrend und oft verunsichert – diese Phase hat auch er durchlebt.
Dass Jesus in der Wüste seinen Weg auch suchen musste und manchmal einen wohlmeinenden Anstoß von außen brauchte, macht ihn nicht nur menschlich sympathisch, sondern kann uns helfen, unsere Wege gelassener zu suchen. Auch wir dürfen auf unserer Lebensreise zögern und manchmal irren, wir dürfen Hilfe annehmen und uns die nötige Zeit nehmen. In der Beziehung zu Gott müssen wir nicht schnell perfekt funktionieren, sondern dürfen hineinwachsen und reifen.

 

Information

„Charlie Hebdo“ provoziert ein Jahr nach Islamisten-Morden die Christen
Blutverschmierter Gott mit Kalaschnikow und Dreifaltigkeitssymbol

Vor einem Jahr, am 7. Jänner 2015, drangen in Paris islamistische Terroristen in die Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“ ein und töteten insgesamt 12 Menschen, 10 von ihnen waren Redaktionsmitglieder. Im Gedenken daran erschien jetzt eine provokante Sonderausgabe.

Die französische Satirezeitung hat dafür eine Titelseite gewählt, die jedoch weniger die Muslime als die Christen beleidigt. Über das Cover rennt ein blutverschmierter Gott mit einer umgehängten Kalaschnikow, dazu die Überschrift: „Ein Jahr danach: Der Mörder ist noch immer auf der Flucht.“

Das Auge Gottes im Dreieck
Der „Osservatore Romano“  kritisiert das Titelbild von „Charlie Hebdo“. Die Zeitschrift verletze damit die Gefühle der Gläubigen aller Religionen, so die vatikanische Tageszeitung. Doch sie irrt. Der dargestellte Gott ist keiner „aller Religionen“, sondern der Christengott. Er trägt ein christliches Symbol: Das Auge Gottes im Dreieck. Letzteres verweist auf den dreifaltigen Gott der Christen.

charlie-hebdo

Stilbildend für dieses Symbol waren die diversen Illustrationen zu den ersten Gesamtausgaben des Werkes des Mystikers Jakob Böhme in Holland, Deutschland und England in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. „1677 begegnet das Auge Gottes im Dreieck mit Wolkenring sodann in der Bekrönung des Hl. Kreuzaltars der nördlichen Kreuzkapelle des Klosters Springborn (Bildhauer Joh. Schmitt) in Rößel (Polen); 1683 auf der deutschen (österreichischen) Medaille auf die erste Belagerung Wiens; 1690 wiederum auf einer englischen Medaille König Wilhelm III. (1689–1702). In der Folge ist das Auge Gottes mit und ohne Dreieck sozusagen allgegenwärtig“ (Georg Stuhlfauth, Das Dreieck, S. 26f.)

Trauriges Paradox
Dieses Titelbild spiegele das „traurige Paradox“ der heutigen Welt wieder, schreibt die päpstliche Zeitung. Diese reagiere einerseits immer empfindlicher darauf, wenn etwas lächerlich gemacht werde und fordere politische Korrektheit ein.
Andererseits sei sie nicht bereit, den Glauben der Menschen unabhängig welcher Religion anzuerkennen und zu respektieren.
Die Satirezeitschrift habe „ein weiteres Mal vergessen, was die Führer aller Religionen seit längerem immer wieder betonen“, so die päpstliche Zeitung. Gott zur Rechtfertigung von Hass zu gebrauchen, sei ein „wirklicher Fluch“.

Deutschland: Nach Vorfällen in der Silvesternacht Warnung vor „irrationaler Stimmung“

Die katholische Kirche muss nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderen deutschen Städten der pauschalen Verurteilung muslimischer Flüchtlinge entgegentreten. Das fordert der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der in der Deutschen Bischofskonferenz für den Interreligiösen Dialog verantwortlich ist.

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Weihbischof Hans-Jochen Jaschke.

Im Gespräch mit Radio Vatikan warnte Jaschke vor einer „irrationalen Stimmung“ gegen Flüchtlinge und vor politischem Missbrauch der Vorfälle, stellte aber auch klar, dass Asylsuchende in Deutschland sich auf hier geltende Grundwerte wie die gleiche Würde von Mann und Frau zu verpflichten hätten. In der Silvesternacht hatten Hunderte mutmaßlich organisiert auftretende Männer Frauen massiv sexuell attackiert, eingeschüchtert und beraubt.
Weihbischof Jaschke: „Wir sind alle als anständige Menschen erschrocken und empört. Die erste Pflicht ist, wir müssen ein klares Bild über das bekommen, was wirklich passiert ist. Man muss versuchen, die Schuldigen, die Täter dingfest zu machen, und man muss die Opfer – in Anführungszeichen – auch ermutigen, dass sie sich melden und bei der Aufklärung helfen. Ein zweites: Die Kirche muss nach der Ermittlung und Aufklärung besonders darauf achtgeben, dass nicht eine irrationale Stimmung entsteht, dass man allgemeine Verdächtigungen erhebt, etwa gegen ´die Ausländer´ oder gar gegen ´die Flüchtlinge´. Es gibt in Deutschland immer unselige Stimmen, auch in führenden Parteien, die gleich wieder Propaganda gegen Flüchtlinge machen wollen. Deswegen muss man erst wissen, wer die Täter sind.“
Radio Vatikan: Die Täter stammen mutmaßlich aus dem nordafrikanischen bzw. arabischen Raum, jedenfalls mit muslimischem Hintergrund. Das Grundproblem scheint mehr ein kulturelles als ein religiöses. Dennoch die Frage an Sie als Vorsitzenden der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz: Welche Rolle spielt der Umgang mit Frauen im Dialog zwischen Christen und Muslimen?
Weihbischof Jaschke: „Ich möchte erst einmal wirklich eine saubere Prüfung haben. Natürlich haben Frauen einen anderen Stellenwert im Islam, und es ist auf keinen Fall erlaubt, dass man Frauen sexuell attackiert. Es mag sein, dass manche Muslime sagen, so wie Frauen in der westlichen Gesellschaft sich geben, wie frei sie auftreten und welche Reize sie damit vermitteln, das gefällt uns nicht – aber das muss man wirklich prüfen. Und wenn es heißt nordafrikanischer Hintergrund, dann sind es ja nicht die Flüchtlinge aus Syrien, diese armen Menschen, die zu uns kommen. Es sind offenbar doch organisierte Leute. Und über kulturelle Hintergründe möchte ich erst dann reden, wenn ich etwas weiß. Aber das darf auf keinen Fall als eine Art Entschuldigung oder sogar als eine Verschärfung der Anklage angesehen werden.“
Radio Vatikan: Meinen Sie, dass die Vorfälle, die jetzt erst – Tage später – wirklich ans Licht kommen, in Deutschland einen massiven Meinungsumschwung in der Flüchtlingsfrage herbeiführen könnten?
Weihbischof Jaschke: „Das könnte dazu führen, deswegen muss man wirklich erst sehen, dann urteilen und dann handeln. Die meisten Leute wollen sofort urteilen und wollen Sündenböcke haben. Da müssen wir uns in aller Klarheit wehren. Wir müssen Unschuldige schützen, die Opfer sind, aber wir sind auch den Flüchtlingen gegenüber in der Pflicht, gerade als Menschen in unserer Kirche.“
Radio Vatikan: Sind wir in Deutschland zu zaghaft dabei, im Umgang mit muslimischen Migranten bestimmte unantastbare Werte vorzutragen, wie etwa die gleiche Würde von Mann und Frau?
Weihbischof Jaschke: „In Worten vertreten wir das immer. Wir sagen, wer zu uns kommt, wer Asyl bekommt, aber auch wer Asyl bekommen will, der verpflichtet sich auf unser Grundgesetz, auf die Grundwerte und auf die Grundhaltungen, die in unserem Zusammenleben gelten. Wer dagegen verstößt, der ist kriminell und wird bestraft, und wenn es ganz schlimm ist, muss eben auch eine Ausweisung erfolgen. Aber noch einmal: Ich möchte das Vorgefallene nicht zum Anlass nehmen, eine pauschale Verdächtigung der guten Meinung über die Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, herbeizuführen. Da werde ich ganz aggressiv und böse, weil ich die Töne jetzt schon höre, auch in bestimmten Parteien.“

Caritas bezahlt keine Handys für Flüchtlinge

Die Caritas hilft allen Menschen in Not unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion. Das ist auch in der Flüchtlingsarbeit nicht anders.

Dabei sind wir mit vielen Fragen konfrontiert, die wir gerne beantworten, weil Information hilft, Ängste und Vorbehalte abzubauen. Wir erleben dabei jedoch, dass Gerüchte gezielt in die Welt gesetzt werden, um die Caritas in Misskredit zu bringen und um Vorurteile gegen Flüchtlinge zu schüren. Wir möchten unsere Energie jedoch nicht auf das ständige Dementieren der gleichen Falschaussagen richten, sondern lieber dafür arbeiten, dass Menschen in Not geholfen wird. Wichtig ist uns, dass nicht eine Gruppe von Bedürftigen gegen eine andere ausgespielt wird. Deshalb möchte ich als Caritas-Direktor die hartnäckigsten Gerüchte hier öffentlich widerlegen.

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Mag. Friedrich Schuhböck.
Caritas-Direktor, St. Pölten.

1.) „Die Caritas schenkt Flüchtlingen keine neuen Smartphones“. Dennoch wird von diesen Schenkungen, die falsch sind, immer wieder berichtet. Die Beschreibung des Vorgangs ist dabei immer gleich: Jemand habe gesehen, dass ein Flüchtling im Handyshop ein Smart-phone aussuchte, ein Schreiben vorwies und das Handy mit dem Hinweis auf die Caritas ohne Bezahlung mitnehmen konnte. Diese Erzählungen sind falsch. Die Caritas kauft oder bezahlt weder Smartphones noch konventionelle Handys, und sie übernimmt auch keine Rechnungen. Die Caritas finanziert auch keine laufenden Kosten vorhandener Geräte. Die Caritas übernimmt keine Gesprächsgebühren.
2.) Die Caritas zahlt Flüchtlingen keine Markenkleidung, Küchen- und Wohnungseinrich-tungen oder Flachbildschirme. Die Caritas finanziert auch keine Zigaretten oder andere Luxusartikel. Die Caritas übernimmt keine Rechnungen für Flüchtlinge in Supermärkten, Lokalen und anderen Geschäften. Im Falle von angeblichen Bordellgutscheinen führt sich dieses Gerücht von selbst ad absurdum.
Richtig ist, dass wir Flüchtlinge mit gebrauchten Kleidern, Schuhen und anderen Sachspenden, z. B. Spielzeug für die Kinder, unterstützen. Flüchtlinge bekommen von uns Gutscheine, damit sie die gebrauchten Waren in den carlas (Caritas Secondhand Läden) in St. Pölten, Amstetten, Krems und Vitis günstig beziehen können.
Auch in den Transitquartieren helfen und halfen wir den Flüchtlingen mit Sachspenden. Das betraf/betrifft in der Diözese St. Pölten die Transitquartiere in St. Pölten, Wieselburg und Bischofstetten. Bischofstetten ist noch aktiv, wird derzeit aber nicht als Transitquartier benötigt. Sachspenden, die wir bekommen haben, aber in der aktuellen Flüchtlingshilfe nicht einsetzen können (z. B. Sommerkleidung, Stöckelschuhe usw.) werden in den carlas verkauft. Mit den Einnahmen unterstützen wir Flüchtlinge und Menschen in Not in der Region. In den carlas können alle Menschen einkaufen. Da die carlas zum Teil randvoll mit Sachspenden sind, freuen wir uns über alle Menschen, die mit ihrem Einkauf helfen.
Wir hoffen, dass wir hiermit Missverständnisse klären können und dass die zahlreichen HelferInnen und SpenderInnen, die der Caritas vertrauen, dies auch weiterhin tun.
Ich danke allen Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit bisher engagiert haben, sei es in der Unterbringung, Begleitung, Betreuung und Hilfe im alltäglichen Zusammenleben.
Ich wünsche Ihnen ein segensreiches Jahr 2016 und ich bin überzeugt, dass wir die Herausforderungen im neuen Jahr gemeinsam gut bewältigen können.

Ihr
Mag. Friedrich Schuhböck
Direktor der Caritas der Diözese St. Pölten.

Von Kommunisten inhaftiert, von Amtskirche schikaniert: P. Anton Srholec war eine „Lichtgestalt des Evangeliums“

Der bekannte slowakische Ordensmann und Menschenrechtsaktivist Pater Anton Srholec ist am 7. Jänner 86-jährig in Bratislava verstorben. Der einstige Dissident in Zeiten des kommunistischen Regimes erlag einem Lungenkrebsleiden.

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+ P. Anton Srholec.
Foto: Don Bosco.

Srholec galt in der Slowakei vielen als Vorbild für christliche Nächstenliebe und aufgrund seines Engagements für politische Häftlinge, Jugendliche in Notsituationen sowie für Obdachlose auch als „Vater der Armen“.
Der Grazer Caritasdirektor Franz Küberl würdigte P. Srholec gegenüber „Kathpress“ als eine „Lichtgestalt des Evangeliums“: „An Pater Anton konnte man die Bergpredigt ablesen. Er habe sich „ungeheuer viel eingesetzt in seinem Leben und wahnsinnig viel mitgemacht, sich dabei aber durch nichts seine Würde und die der anderen nehmen oder brechen lassen.“

Oftmals ausgezeichnet
Schon an der Verleihung des Leopold-Kunschak-Preises im österreichischen Parlament am 22. Mai des vergangenen Jahres und an einem für ihn veranstalteten Fest in der Wiener Hofburgkapelle wenige Wochen darauf hatte Srholec aufgrund seiner schweren Krankheit nicht mehr teilnehmen können. Im September hatte der Salesianerpriester das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen, um „zu Hause zu sterben“. Zum letzten Mal hatte er sich im August offiziell zu Wort gemeldet, als er die kirchliche Flüchtlingsinitiative „Wer wird helfen, wenn nicht wir“ unterstützte.
Der Ordensmann war für sein Engagement mehrfach im In- und Ausland ausgezeichnet worden, u.a. mit Ehrendoktoraten der Universität Trnava und der Slowakischen Universität der Heiligen Elisabeth, dem Kardinal-König-Preis für Verdienste um Glauben und Freiheit (1999), dem Jan Lango-Stiftung-Preis für Verdienste um die Demokratie (2013) sowie dem Bruno Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte (2014).

10 Jahre in KP-Haft
Anton Srholec, geboren 1929 als Sohn einer Kleinbauernfamilie in Skalica, trat schon als Jugendlicher in den Salesianerorden ein. Nachdem der Salesianerorden 1950 vom Regime der damaligen Tschechoslowakei aufgelöst worden war, misslang ihm 1951 ein Fluchtversuch, den er unternahm, weil ihm das kommunistische Regime kein Theologiestudium erlaubte.
Die Folge waren zehn Jahre Haft, den Großteil davon im berüchtigten Uranbergwerk Jachymov. Statt Missionar in einem Entwicklungsland sei er hier – durch Gründung illegaler Gebetskreise und karitativer Zirkel sowie den Aufbau einer Jugendorganisation – zum Missionar im Gefängnis geworden, blickte er Ende 2014 in einem „Kathpress“-Interview zurück. Oftmals von Spitzeln verraten, verbrachte der Pater viel Zeit in Einzelhaft und musste zahlreiche zusätzliche Schikanen der Behörden über sich ergehen lassen.

Auch von der Amtskirche schikaniert
Erst 1960 rettete Srholec eine Amnestie aus der Haft. Er arbeitete in den Folgejahren in verschiedenen Fabriken, setzte aber hier seine verbotenen Aktivitäten und auch Studien fort und bekam dadurch weiterhin immer wieder Schwierigkeiten mit dem Regime. 1969 erhielt er die Erlaubnis zur Ausreise nach Italien, wo er in zwei Semestern an der Salesianeruniversität in Turin das gesamte Theologiestudium nachholte. 1970 wurde er in Rom von Paul VI. zum Priester geweiht.
Nach der Rückkehr in die Heimat wurde er während der sogenannten Normalisierung nach dem Prager Frühling nicht nur von staatlichen Organen, sondern auch von der Amtskirche schikaniert: Er durfte zunächst nur als Mesner, dann als Kaplan in entlegenen Pfarren wirken. 1985 wurde ihm die Arbeitserlaubnis als Priester gänzlich entzogen. Die Kirche in seiner Heimat habe sich zu sehr mit dem kommunistischen Regime arrangiert, kritisierte er im Nachhinein oft.

Gründung eines Zentrums für Obdachlose
Nach seinem Pensionsantritt blieb Srholec weiterhin in Menschenrechtsorganisationen und Sozialinitiativen aktiv, vor allem durch die Gründung des Obdachlosenzentrums „Resoty“ in Bratislava im Jahr 1991, wo er über 20 Jahre lang tätig war. Die Weiterführung der Einrichtung, in der 40 Bedürftige betreut werden, gilt als gesichert durch die finanzielle Unterstützung des Mediziners Vladimir Krcmery, einem Neffen des Arztes Sylvester Krcmery, der mit Srholec zu den Schlüsselfiguren der slowakischen Untergrundkirche zur Zeit des Kommunismus zählte.
Wiederholt hatte sich Srholec in den vergangenen Jahren zudem für eine Rehabilitierung des 2012 abgesetzten Tyrnauer Bischofs Robert Bezak eingesetzt. Die Kirche habe sich mit diesem Schritt ein „Eigentor“ geschossen, an das man sich noch lange erinnern werde, zeigte sich der Ordensmann solidarisch.