Inhalt der gedruckten Ausgabe 31/2015

Leitartikel

Aufbruch an der Etsch

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Information

Bozener Diözesansynode: Laien sollen Pfarren leiten Lebendige Südtiroler Pfarren müssen erhalten bleiben

Die Diözesansynode der Diözese Brixen-Bozen sieht in der stärkeren Mitwirkung ehrenamtlicher Laien bei der Leitung von Pfarrgemeinden einen der strukturellen Schlüssel für eine auch künftig lebendige Kirche vor Ort.

USA: Papst verliert an Zustimmung, punktet jedoch in „Swing States“

Drei Monate vor seiner Reise nach Washington ist Papst Fran­ziskus in den USA zwar noch so beliebt wie zu Amtsbeginn, hat jedoch durch seine Wortmeldungen zu Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit vor allem bei Konservativen stark verloren. In den  „Swing States“ stehen die Menschen jedoch mehrheitlich hinter seiner Umwelt-Linie.

Seitenstettner Schacherhof jubelt über Franziskus-Brief

Die Jugendlichen des kirchlichen Jugendhauses Schacherhof in Seitenstetten staunten nicht schlecht, als sie kürzlich die Post öffneten: Sie bekamen Post von Papst Franziskus!

10 Prozent der Asylwerber in kirchlich betreuter Grundversorgung

„Gemeinsam mit katholischen Pfarren und Klöstern betreut die Caritas derzeit österreichweit mehr als 4.400 Asyl­werber­Innen im Rahmen der Grundversorgung – das sind knapp 10 Prozent der insgesamt 43.000 Asylwerber in Grundversorgung. Zusätzlich würden 10.500 Menschen mobil betreut“, gab die Caritas Österreich in einer Aussendung bekannt.

Salzburger Festspiele spenden 100.000 Euro für Caritas-Projekte

100.000 Euro stellen die Salzburger Festspiele der Caritas für Hilfsprojekte zur Verfügung.

Diözese Limburg will Schadenersatz von Tebartz-van Elst

Die Diözese Limburg verlangt Schadenersatz in Mil­lionen­höhe von ihrem ehemaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung bestätigte ein Diözesanspre­cher.

Papst Franziskus „mutiger als viele Linkspolitiker“

Der Vatikan hat den Impuls für einen langfristigen Dialog von mehr als 70 Bürgermeistern großer Metropolen in aller Welt über ökologische und soziale Probleme gegeben.

Theologe gegen Pflichtzölibat: Charisma kann man nicht verordnen

Für die Aufhebung des Pflichtzölibats bei Priestern und für weitere Änderungen bei oft diskutierten „heißen Eisen“ wie dem Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen und Kirchenämter für Frauen hat sich der Salzburger Theologe Prof. Dietmar Winkler ausgesprochen.

Neue Berichte über Enteignungen von Christen im Irak

In der irakischen Erdölmetropole Kirkuk und der gleichnamigen irakischen Provinz werden zahlreiche Häuser und Grundstücke im Eigentum von Christen illegal enteignet, berichtet die vatikanische Nachrichtenagentur „Fides“.

Hindu-Nationalisten: Indien soll bis 2020 rein hinduistisch sein

Indien soll nach den Vorstellungen des Führers der radikalen hindu-nationalistischen Organisation Vishva Hindu Parishad (VHP), Ashok Singhal, bis 2020 ein rein hinduistisches Land sein.

Gänswein: „Geschiedenen-Debatte hat Johannes Paul II. längst entschieden“

Kurienerzbischof Georg Gänswein sieht den Widerspruch gegen eine Nichtzulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion als veraltet und überholt an.

Emirate erlassen hartes Gesetz gegen religiöse Diskriminierung

Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen religiöse Diskrimi­nie­rung und Beleidigung von Glaubensbekenntnissen unter Strafe.

Womöglich Fragment der ältesten Koranausgabe entdeckt

Britische Wissenschaftler haben die möglicherweise älteste Koran­­ausgabe der Welt identifiziert.

Theologe Halik kritisiert Appell für christliche Flüchtlinge

Der Prager Theologe und Soziologe Tomas Halik  (Foto) hat die katholische Bischofskonferenz seines Landes für einen Aufruf kritisiert, vor allem christliche Flüchtlinge aus Bürger­kriegs­ländern aufzunehmen.

„Stille Nacht“ kommt als Österreich-Beitrag ins EU-Liederbuch

Das weltweit beliebte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist nach einer Internetabstimmung einer von sechs Beiträgen aus Österreich für das privat initiierte und 2016 erscheinende EU-Liederbuch gekürt worden.

Neue Hoffnung für zum Tod verurteilte Christin Bibi

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat am 22. Juli die Beru­fungsbeschwerde der wegen Blasphemie zum Tod verurteilten Christin Asia Bibi zugelassen und das Todesurteils ausgesetzt.

Israel: Klagemauer wird Teil des Protokolls

Israelische Staatsgäste sollen künftig auch an die Klagemauer in Ostjerusalem geführt werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste das Außenministerium laut dem Sender Arutz Scheva.

Syrische Christen versuchen, ihr Leben neu aufzubauen Doch Krieg und Gewalt sind nie weit

Bunte Farben im Grau der Zerstörung: Kinder und Jugendliche haben jetzt eine der Straßen in der vom Krieg heimgesuchten Altstadt von Homs bemalt.

Spendenrekord beim katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“

Das internationale katholische Hilfswerk für verfolgte und bedrohte Christen „Kirche in Not“ kann für 2014 einen Spendenrekord verbuchen: Zum ersten Mal hat die Summe aller Erträge mit weltweit mehr als 106 Millionen Euro die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten.

Leitartikel

Aufbruch an der Etsch

Für die Kirche ist nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx eine neue Zeit angebrochen. Im 20. Jahrhundert sei eine Epoche der Kirchengeschichte „unwiderruflich“ zu Ende gegangen, sagte er am 19. Juli in München. Es komme darauf an, dass „wir im Kopf eine Wende vollziehen“. Es gehe nun darum, neu zum „Ursprung des Glaubens, des Evangeliums“ zu finden. Dabei sei mehr Tiefgang nötig. Gefragt sei „nicht ein oberflächlicher Glaube, der einfach mitgeht“, sondern „ein Glaube, der in der Reflexion und im Gebet eine neue Dynamik findet“.
Eine Epoche geht tatsächlich zu Ende, weil sich die Hierarchie – auch Kardinal Marx – beharrlich weigert, Reformen anzugehen.
Die Basis geht indes eigene Wege. Die Südtiroler Diözesansynode will, dass Pfarren ob des Priestermangels nicht zugesperrt, sondern künftig auch von Laien geleitet werden. Damit soll das Kirchenrecht „nach vorne interpretiert und weiterentwickelt werden.“
Bemerkenswert dabei ist, dass das Visionspapier im Süden des „Heiligen Landes Tirol“ erarbeitet und vom Bozener Bischof Ivo Muser bestätigt wurde.
Wann ziehen die österreichischen Diözesen – inklusive der Norden Tirols – nach, und raffen sich die konservativen Bischöfe endlich auf, sich des altkirchlichen Instruments der Synoden zu bedienen? Sie fürchten wohl – nicht zu Unrecht – dass deren Ergebnisse ähnlich wären wie jene an der Etsch.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ex 16, 2-4.12-15

Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen

In jenen Tagen murrte die ganze Gemeinde der Israeliten in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen. Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot, und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin. Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.

Zweite Lesung:   Eph 4, 17.20-24

Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist

Schwestern und Brüder!
Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! Das aber entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt. Ihr habt doch von ihm gehört und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist. Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Evangelium:   Joh 6, 24-35

Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben

In jener Zeit als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra

Stefan Wedra
Personalberater
Bozen, Italien

Brot ist nicht einfach nur Brot

Brot ist ein fundamentaler Ausdruck unserer Esskultur. Brot ist nicht nur Nahrungsmittel und Kalorienspender. Jeder Mann, der von seiner Freundin oder Frau für die Reise ein Brot mitgegeben bekommen hat, wird hoffentlich gemerkt haben, wie liebevoll da geschmiert wird. Es ist nicht nur eine Zusammenstellung von Brot, Butter und Wurst. Man merkt, es ist mehr. Da ist vielleicht das Gürkchen, das in Scheiben geschnittene Radieschen, oder das Salatblatt. Alles Dinge, die man sich selbst nicht auf das Brot tun würde. Aber dieses Brot, das man isst, ist schon anders: Es ist Ausdruck einer Liebe. Es ist ein Zeichen.
Die Menschen in heutigen Evangelium hatten das Brotwunder erlebt. Sie folgen Jesus, denn sie wollen mehr Brot. Doch sie haben nicht verstanden, worum es geht. Sie erkennen nicht die Bedeutung des Brotes, das sie gegessen haben, und sind gefangen im Kreislauf von Hunger, Essen, satt Sein. Es sind Grunderfahrungen aller Menschen. Auf die Sättigung folgt aber immer neuer Hunger. Wer durchbricht diesen Kreislauf horizontal-irdischer Bedürftigkeit?
Die Antwort und die Verheißung sind klar. Es ist die Öffnung und das sich Anvertrauen an Gott den Vater und seinen Sohn. Doch diese neue vertikale Perspektive wurde nicht von allen verstanden. Eine Grunderfahrung der johanneischen Gemeinde, die Christen in einer säkularen Umwelt heute auch erleben. Die Herausforderung an die Urgemeinde gilt auch für uns.

 

Information

Bozener Diözesansynode: Laien sollen Pfarren leiten Lebendige Südtiroler Pfarren müssen erhalten bleiben

Die Diözesansynode der Diözese Brixen-Bozen sieht in der stärkeren Mitwirkung ehrenamtlicher Laien bei der Leitung von Pfarrgemeinden einen der strukturellen Schlüssel für eine auch künftig lebendige Kirche vor Ort.

Statt mit Blick auf den wachsenden Priestermangel die Anzahl von Pfarren drastisch zu reduzieren, sollen auf diese Weise alle Pfarren, „die sich als lebendig und funktionsfähig erweisen, erhalten bleiben“, wird in einem von den Synodalen erarbeiteten und von Bischof Ivo Muser bestätigten Visionspapier zum Thema „Struktur“ festgehalten, das auf der Website der Südtiroler Diözese abrufbar ist. „Die einzelnen Pfarreien und Kirchengemeinden werden von einem Priester oder von Laien geleitet“, heißt es darin wörtlich.

Bischof Ivo Muser
Ivo Muser,
Bischof der Diözese Brixen-Bozen.

Gleichzeitig soll der Weg einer Zusammenarbeit der Pfarren in Form von aus mehreren Pfarren gebildeten „Seelsorgeeinheiten“ weiterentwickelt werden. Pro Einheit soll jeweils ein „Seelsorgeteam“ aus hauptamtlichen Laien, Diakonen und Priestern die pastorale Begleitung, Schulung, Unterstützung und Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Pfarren und Kirchengemeinden sicherstellen.

Neuordnung „unumgänglich“
Die künftige Organisationsstruktur ist eines der zentralen Themen der seit rund zwei Jahren laufenden Südtiroler Diözesansynode. In der Diözese Bozen-Brixen gibt es bei rund 500.000 Einwohnern aktuell 281 Pfarren. Prognosen zeigen, dass für ihre seelsorgliche Betreuung in 20 Jahren nur noch rund 70 aktive Priester zur Verfügung stehen werden. Kirche müsse aber vor Ort verankert und „in den verschiedenen Lebensbereichen der Menschen erfahrbar“ sein, wird in dem Papier betont.
Kirchliche Strukturen erfüllten ihren Zweck „dort, wo Begegnung stattfindet“.
Vor diesem Hintergrund sei eine Neuordnung der Pfarren „unumgänglich“, heißt es in dem Synodendokument weiter. Pfarren hätten dann eine Zukunft, „wenn sich genügend Laien oder Diakone finden, die das kirchliche Leben auch ohne die ständige Verfügbarkeit eines Priesters mittragen, leiten und die Grundvollzüge des Gemeindelebens, d.h. der Liturgie, der tätigen Nächstenliebe und der Verkündigung, gewährleisten“. Nur wo dies nicht der Fall sei, sollten Pfarren zusammengelegt werden, wobei davon betroffene, zuvor selbstständige Pfarren, auch künftig unter dem Titel „Kirchengemeinde“ „selbstständige, pastorale Orte“ bleiben sollen.

„Kirchenrecht nach vorn interpretiert“
Mit der Forcierung der Leitung von Pfarren durch Ehrenamtliche „formuliert die Diözesansynode ein Zukunftsbild, welches das geltende Zivil- und Kirchenrecht nach vorne interpretiert und weiterentwickelt“, verweist die diözesane Pressestelle in einer Aussendung darauf, dass die Leitung einer Pfarre durch Laien im Kirchenrecht als Ausnahmeregelung in Form der Mitwirkung in der Leitung vorgesehen ist. Diese „könnte sich durch die Synode vor allem in den kleineren Pfarren zum Regelfall entwickeln“, heißt es in der Aussendung.

Theologe gegen Pflichtzölibat: Charisma kann man nicht verordnen

Für die Aufhebung des Pflichtzölibats bei Priestern und für weitere Änderungen bei oft diskutierten „heißen Eisen“ wie dem Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen und Kirchenämter für Frauen hat sich der Salzburger Theologe Prof. Dietmar Winkler ausgesprochen.

Dietmar Winkler
Professor Dietmar Winkler.

Zu Diakoninnen geweihte Frauen könnten gemeinsam mit verheirateten Priestern „eine neue Dynamik in die katholische Kirche bringen“, meinte der renommierte Ostkirchenexperte, Vatikanberater und designierte Dekan der Salzburger katholisch-theologischen Fakultät  in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“.
Bei der Koppelung von Priesteramt und Ehelosigkeit gehe es um eine rein kirchenrechtliche und somit leicht änderbare Frage. Den Pflichtzölibat „könnte man schon morgen ohne Probleme abschaffen“, sagte Winkler.
Beim Thema Frauenpriestertum sprach sich Winkler für eine „freie, ergebnisoffene und vor allem theologisch fundierte Diskussion“ aus.
Keine Hindernisse sähe der Salzburger Theologe beim Diakonat der Frau, „der bis ins Mittelalter gut bezeugt ist“. Dieses Weiheamt gehöre „möglichst bald wieder eingeführt“.

Jesus kam zu Gebrochenen
Auf die Frage, ob Priester nach einer Scheidung den Beruf wechseln müssten, antwortete Winkler: „Es gibt ja auch Priester, die am Zölibat ‚scheitern‘. Scheitern muss man als Christ immer dürfen.“ Jesus sei schließlich „zu den Gebrochenen gekommen und nicht zu den Perfekten“. Deshalb sollte der Zugang der katholischen Kirche zur Ehe insgesamt neu betrachtet werden, riet der Theologe zu grundlegenden Diskussionen bei der im Oktober anstehenden Familiensynode in Rom.
Winkler, der 2008 von Papst Benedikt XVI. zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen gemacht und von Papst Franziskus in dieser Beraterfunktion bestätigt wurde, plädierte hier für einen Blick zur Ostkirche: „Dort gibt es Priesterehe und kirchliche Wiederverheiratung nach Scheidung unter bestimmten pastoralen Bedingungen.“ Für einen „wirklich falschen Zugang“ hält Winkler die derzeitige katholische Lehre, wonach jemand, der mit seiner zweiten Ehefrau glücklich zusammen ist, „quasi ununterbrochen in Sünde“ lebt.

Emirate erlassen hartes Gesetz gegen religiöse Diskriminierung

Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen religiöse Diskrimi­nie­rung und Beleidigung von Glaubensbekenntnissen unter Strafe.

Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan.
Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan.

Ebenso werden Aufstachelung zu religiösem Hass und die Beleidigung von Glaubensrichtungen in Schrift und Wort rechtlich verfolgt. Den Angaben zufolge macht sich bereits strafbar, wer andere als Ungläubige bezeichnet. Übertretern drohen Haftstrafen von sechs Monaten bis zehn Jahren und Geldstrafen zwischen umgerechnet 125.000 und 2,5 Millionen Euro.
Die Emirate sorgen sich über einen wachsenden Einfluss von Islamisten. Menschenrechtsorganisationen bemängeln in dem Zusammenschluss von Erbmonarchien hingegen Einschränkungen der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung einer friedlichen Opposition. In den größtenteils sunnitisch dominierten Emiraten leben Hunderttausende christlicher Gastarbeiter, vor allem aus den Philippinen.

Syrische Christen versuchen, ihr Leben neu aufzubauen Doch Krieg und Gewalt sind nie weit

Bunte Farben im Grau der Zerstörung: Kinder und Jugendliche haben jetzt eine der Straßen in der vom Krieg heimgesuchten Altstadt von Homs bemalt.

Homs Straße der Hoffung
Homs. Mit ihrem Malen wollen Jugendliche den Erwachsenen Hoffnung schenken.

Tapfere hielten in Altstadt aus
Homs, Syriens drittgrößte Stadt, liegt 150 Kilometer nördlich von Damaskus und 200 Kilometer westlich von der erst jüngst von IS-Terroristen eingenommenen Stadt Palmyra. Die Stadt hatte vor dem Ausbruch des syrischen Krieges eine große christliche Gemeinde. Besonders in der Altstadt mit ihren Kirchen lebten viele Christen. Bis ins 1. Jahrhundert reicht die christliche Präsenz hier zurück. Doch im Februar 2012 erreichte der immer brutaler werdende syrische Krieg auch das strategisch wichtig gelegene Homs. Die Christen flohen aus der Altstadt. Nur einige wenige blieben, nachdem Rebellengruppen das Gebiet er-obert hatten. Die Mehrheit suchte Zuflucht in anderen Teilen der Stadt oder verließ die Gegend ganz. Mitte 2014 dann brachten Regierungstruppen auch die Altstadt wieder unter ihre Kontrolle. Doch die Zerstörung ist noch immer unübersehbar.

Jugendliche geben Hoffnung
„Absicht der Jugendlichen war es, die Christen zu ermutigen, trotz der Zerstörung wieder in ihre Häuser in der Altstadt zurückzukehren“, erklärt Pfarrer Lukas. „Und sie haben Erfolg damit. Nach diesem Projekt kamen viele zurück, besonders in die bemalte Straße.“ Dutzende Familien hätten sich seither von der Initiative inspirieren lassen, berichtet der Priester weiter. „Und jeden Tag kommen ein, zwei neue dazu.“
Manche Familien hätten Bilder des Projekts im Fernsehen gesehen und sich danach für ihre alte Heimat entschieden. „Das Gebiet ist schließlich sicher“, gibt Pfarrer Lukas zu bedenken. „Auch die Infrastruktur funktioniert, einigermaßen wenigstens. Drei Stunden haben wir Strom, dann wieder keinen. Aber das geht schon. Das Hauptproblem sind die großen Zerstörungen der Häuser und der Mangel an Arbeit. Außerdem ist alles furchtbar teuer, auch Baumaterial. Wir als Kirche tun aber, was wir können. Besonders die Reparatur der Wohnungen hat Priorität für uns.“

Krieg vor der Haustüre
Doch trotz der Fortschritte: Zu Ende sind der Krieg und seine Gefahren nicht. Daran wurden die Menschen in Homs erinnert, als die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ den Ort Palmyra eroberte. Oder als der katholische Priester Jacques Mourad Ende Mai entführt wurde. „Als Palmyra erobert wurde, flohen alle Christen aus dem Ort. Und nach der Entführung von Pater Jacques sind Christen aus Qaryatayn weggegangen. Sie alle haben Angst vor dem IS. Und auch die Menschen hier in Homs werden von dieser Angst erfasst. Sie fürchten, dass der Krieg zurückkehrt.“ Eine Familie habe deshalb ihre Rückkehr in die Altstadt von Homs verschoben. Sie will erst abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

Homs - Spuren des Bürgerkrieges
Homs. Die Spuren des Bürgerkriegs sind noch allgegenwärtig.
Fotos: Kirche in Not.

Vertrauen in Kirche
Doch Pfarrer Lukas verzagt nicht. „Als Christen haben wir Vertrauen in Gott. Wir müssen zuversichtlich sein trotz des Leids. Denn unser Herr Jesus Christus hat gesagt: Fürchtet euch nicht, ich bin alle Tage bei euch.“ Die Menschen würden viel beten, berichtet Pfarrer Lukas. Und die Tatsache, dass Bischöfe, Priester und Ordensleute auch in den schlimmsten Zeiten nie von der Seite ihrer Gemeinden gewichen sind, hat das Vertrauen in die Kirche gestärkt. „Wir als Kirche tun alles, was wir können, um unsere Gläubigen geistlich, aber auch materiell zu stärken.“
Um die Menschen weiter zu ermutigen, hat Pfarrer Lukas jetzt ein Projekt für einen Kinderspielplatz auf den Weg gebracht. Im Juli soll es eröffnet werden. „Kirche in Not“ unterstützt ihn dabei. „Ohne die Wohltäter könnten wir nichts vollbringen. Wir danken ihnen von Herzen. Sie können versichert sein, dass wir für sie beten. Möge ihnen der Herr ihre Großzügigkeit reich vergelten.“