Inhalt der gedruckten Ausgabe 31/2017

Leitartikel

Polnischer Umgang mit „Reformen“

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Information

Polens Bischöfe schweigen zu Demokratie-Rückbau
Präsidentin des Obersten Gerichts enttäuscht über Kirche

Trotz Protesten aus der EU haben beide Häuser des polnischen Parlaments in der vergangenen Woche das Gesetz zum Umbau des Obersten Gerichtshofs beschlossen.

Deutschland: 162.000 Kirchenaustritte
Rekordhoch an Kirchensteuer-Einnahmen

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland bleibt auf hohem Niveau, ist jedoch prozentuell erheblich geringer als in Österreich.

Bibel als E-Book erhältlich

Die neue Einheitsübersetzung der Bibel ist ab sofort auch als E-Book erhältlich. Die revidierte Übersetzung der Heiligen Schrift für elektronische Lesegeräte kann über die handelsüblichen E-Book-Shops zum Preis von EUR 8,99 erworben werden.

Glocken gegen Hunger: Diözesen sammeln für Afrika

Kommenden Freitag (28. Juli) läuten um 15.00 Uhr in ganz Österreich fünf Minuten lang die Kirchenglocken. Das Geläut zur Sterbestunde Jesu soll daran erinnern, dass Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind – und dass die Caritas mit ihrer Augustsammlung den Kampf gegen den Hunger durchführen will.

Koptische Kirche: Fünf Prozent der Arbeitsplätze für Behinderte

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros Il. hat bestimmt, dass fünf Prozent der Arbeitsplätze in den kirchlichen Einrichtungen Ägyptens ab sofort für Menschen mit Behinderung zur Verfügung gestellt werden.

Neue Äbtissin für Abtei Nonnberg

Das älteste – seit 714 durchgehend besetzte – Frauenkloster im deutschen Sprachraum hat eine neue Äbtissin. Der Konvent der Benediktinerinnenabtei auf dem Salzburger Nonnberg wählte am 20. Juli die bisherige Priorin Veronika Kronlachner (Foto) zur 93. Nachfolgerin der Heiligen Erentrudis.

Gänswein: Benedikt XVI. wollte Franziskus nicht kritisieren

Erzbischof Georg Gänswein hat Spekulationen zurückgewiesen, Benedikt XVI. habe Papst Franziskus in seinem Grußwort zum Begräbnis von Kardinal Meisner kritisieren wollen.

Russlands Justiz stellt Zeugen Jehovas auf gleiche Stufe wie IS

Das Oberste Gericht Russlands hat die Berufung der Zeugen Jehovas gegen ihr Verbot abgelehnt. Der Einspruch der Glaubensgemeinschaft sei zurückgewiesen worden, teilte das Gericht am 17. Juli mit, berichtet das Portal „Newsweek“.

Kritische Lage in Jerusalem

Die Führer der 13 anerkannten Kirchen im Heiligen Land haben sich in einer gemeinsamen Erklärung besorgt über die jüngste Gewalteskalation geäußert und zum Respekt des historischen Status Quo an den Heiligen Stätten und in Jerusalem aufgerufen.

Papstvertrauter Spadaro warnt vor der Verschmelzung des evangelikalen und katholischen Fundamentalismus mit der Politik

Der Jesuit und Papstvertraute Antonio Spadaro hat vor der Verschmelzung des evangelikalen und katholischen Fundamentalismus mit der Politik gewarnt, indem eine „apokalyptische Geopolitik“ geschaffen wird, wie sie von Trump-Berater Steve Bannon befürwortet wird.

Publizist Hubert Feichtlbauer: Papst Franziskus ist „ein Glück für Masse der Hoffenden“

Der renommierte katholische Publizist und Ehrenvorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“ Hubert Feichtlbauer sieht in Papst Franziskus „ein Glück für die Masse der Hoffenden“.

Euthanasie-Vorkämpfer: „System in den Niederlanden ist entgleist“

Der niederländische Psychiater Boudewijn Chabot zeigt sich erschrocken über die Zustände der Euthanasie in seinem Heimatland. Chabot gilt als Befürworter und Vorkämpfer der dortigen Euthanasiegesetze, die weltweit zu den liberalsten zählen und seit 2002 in Kraft sind.

Regensburg-Schlussbericht: Übergriffe gegen 547 „Domspatzen“

Die Untersuchung der Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe beim weltberühmten  Regensburger „Domspatzen“-Kirchenchor ist nach zwei Jahren beendet. In seinem rund 450 Seiten starken Abschlussbericht bezifferte der von der Diözese Regensburg beauftragte unabhängige Sonderermittler Ulrich Weber die Zahl der „hoch plausiblen“ Opfer am Dienstag auf 547.

Expertin: Tiere besser geschützt als ungeborene Kinder

Tierschutz ist in Österreich sorgfältiger und tiefer geregelt als das Töten ungeborener Kinder. Mit dieser These hat Barbara Breunlich, ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Verwaltungsgerichtshof, im Rahmen einer Dissertation an der Universität Wien aufhorchen lassen und dabei die Problematik bei Mehrlingsschwangerschaften analysiert.

Erstmals verabschiedete der Bundespräsident 23 junge Volontäre

23 junge Erwachsene starten demnächst ihren freiwilligen Auslandsdienst mit dem Verein „Volontariat bewegt“. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sie am 17. Juli im Beisein von Sozialminister Alois Stöger bei einer Feier in der Präsidentschaftskanzlei offiziell verabschiedet.

Kaplan Franz Sieder beim Friedensgebet: „Europa braucht eine Seele“

Pax Christi und die Wiener Friedensbewegung organisierten bei der auf der Friedensburg Schlaining stattgefundenen Sommerakademie „Welt im Umbruch – Perspektiven für eine europäische Friedenspolitik“ ein Friedensgebet mit dem langjährigen Betriebsseelsorger Kaplan Franz Sieder.

Sudan: Christliche Schulen für Kinder aus entwurzelten Familien

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt im Sudan Kirchenvertreter beim Bau von Schulen und Kirchen.

St. Pölten: Sommerkampagne fordert „Mehr Mut, Glauben zu leben“

Die Diözese St. Pölten macht mit ihrer traditionellen Plakatkampagne im Sommer heuer „Mehr Mut, den Glauben zu leben“.

57 Jahre Einsatz in Patagonien

Der Salesianerorden trauert um den in der vergangenen Woche verstorbenen Pater Josef Kindslehner. Der gebürtige Niederösterreicher wirkte seit 1960 als Missionar im argentinischen Patagonien, wo er zahlreiche Sozialprojekte insbesondere für die Kleinbauern und Hirten der Mapuche-Ureinwohner ins Leben rief.

Leitartikel

Polnischer Umgang mit „Reformen“

In der vergangenen Woche war hier von „Staatskirchen“ die Rede.
Auch wo Kirchen offiziell keine Staatskirchen sind, gerieren sie sich bisweilen heute noch als solche.
Beispiel 1: In Russland begrüßte die mit der Regierung verbundene orthodoxe Kirche vor Tagen das Verbot der „Zeugen Jehovas“ und deren Gleichsetzung mit den IS-Terroristen.
Beispiel 2: In Polen stellten sich zur selben Zeit die katholischen Bischöfe nicht gegen den von der Regierung initiierten Abbau der Demokratie. Immerhin ging es um die Abschaffung der Unabhängigkeit des Obersten Gerichts. Die Justiz sollte unter die Oberaufsicht der Politik gestellt werden.
Die Bischofskonferenz wollte den „Streit“ darüber nicht kommentieren. Sie bevorzugte das Schweigen zur Justiz-„Reform“.
Bemerkenswert, denn bei anderen Reformansätzen sind Polens Bischöfe nicht sprachlos. Etwa wenn es um die eigenen Glaubensgemeinschaft geht.
Als Papst Franziskus mit seinem Schreiben „Amoris laetitia“ neue Wege für geschiedene Wiederverheiratete aufzeigte, schwiegen sie nicht und dekretierten: In Polen keine Kommunion für solche Gläubige.
Jaroslaw Kaczynski, dem Vorsitzender der nationalkonservativen Regierungspartei, widersprechen die Bischöfe nicht, ihrem Papst Franziskus schon. Sehr bemerkenswert.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Kön 3, 5.7-12

Du hast um Weisheit gebeten

In jenen Tagen erschien der Herr dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. Und Salomo sprach: Herr, mein Gott, du hast deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht, wie ich mich als König verhalten soll. Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

 

Zweite Lesung:   Röm 8, 28-30

Gott hat uns im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben

Schwestern und Brüder!
Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

 

Evangelium:   Mt 13, 44-52

Er verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

 

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Ein hörendes Herz

Die Bitte des Königs Salomo um Weisheit hat mich schon immer fasziniert. Als ich in Leitungsämter unserer Kirche gewählt wurde, war dieses jeweils mein erstes Stoßgebet. Die Vielfalt unseres Lebens ist ein großes Geschenk; wie werde ich dem weiten Feld der Möglichkeiten aber tagtäglich gerecht?
Schön finde ich die Übersetzung „ein hörendes Herz“. Ich verbinde damit Verstand und Gefühl, Geduld und Wachsamkeit, eine offene, dialogische Existenz.  Wenn aber eine Sache klar ist, dann wird dieses hörende Herz auch beherzt handeln, wie der Mann mit dem Acker oder mit der Perle.
Salomo bittet um Weisheit, damit er im Rechtsstreit gut und böse unterscheiden kann, wie es ihm bei dem Streit zweier Mütter um ihr Baby auch so trefflich gelingt. Im Angesicht des Hungers, der Umweltzerstörung, von Krieg und Flucht im Großen und den vielen Gehässigkeiten im Kleinen wird deutlich, dass wir nicht warten können auf das jüngste Gericht, sondern als Engel des Alltags uns einmischen müssen in das Ringen um Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Da wird ein hörendes Herz zu dem Schatz, um den wir bitten dürfen. Vielleicht liegt er schon bereit vor unseren Füssen, damit wir zugreifen und beherzt leben.


Ein neues Buch von Herwig Sturm

Herwig Sturm, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich von 1996 bis 2007, gibt mit diesem Band Einblick in sein ständiges Bemühen, für die Menschen in ihrer Zeit das Evangelium auf den Punkt zu bringen. Das Kirchenjahr ist dabei der Leitfaden, an dem die theologische Phantasie des Autors oft überraschend sichtbar wird.
„Der Punkt im I.CH“, Fromm Verlag
ISBN 978-3-8416-0929-8, € 17,80.

 

Information

Polens Bischöfe schweigen zu Demokratie-Rückbau
Präsidentin des Obersten Gerichts enttäuscht über Kirche

Trotz Protesten aus der EU haben beide Häuser des polnischen Parlaments in der vergangenen Woche das Gesetz zum Umbau des Obersten Gerichtshofs beschlossen.

Das Gesetz sieht vor, dass die Richter des Gerichts in den Ruhestand versetzt werden. Die Zahl der Richter soll in etwa halbiert und eine neue Disziplinarkammer geschaffen werden. Diese soll Richter bei Vergehen bestrafen.
Regierungsgegner werfen der nationalkonservativen Regierungspartei PiS vor, so das abgesehen vom Verfassungstribunal höchste Gericht des Landes unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Die Opposition und namhafte Künstler sprechen von einem „Staatsstreich“. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani und die EU-Kommission hatten Warschau aufgerufen, die Justizreform zu stoppen. Sie sehen die Rechtsstaatlichkeit in Gefahr.

Kirche stützt Regierung
Vor dem Parlamentsvotum äußerte sich die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs enttäuscht über die Zurückhaltung der katholischen Kirche in der Debatte um die Justizreform. Die Kirche habe Einfluss und könne etwas erreichen, erklärte Gerichtspräsidentin Malgorzata Gersdorf im Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Aber die Kirche sei mit der Regierungspartei PiS „eng verbunden. Deswegen hat sie bisher nichts gesagt und wird auch in Zukunft nichts sagen.“


Gerichtspräsidentin
Malgorzata  Gersdorf.

Wenn die von der PiS geplanten Gesetze in Kraft treten würden, gäbe es „keine Gewaltenteilung mehr in Polen“, so Gersdorf. Die Macht werde dann „in der Hand von Justizminister Zbigniew Ziobro sein, der gleichzeitig Generalstaatsanwalt ist“.
Ein Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz hatte im Vorfeld eine kirchliche Stellungnahme zu der umstrittenen Justizreform abgelehnt. Nach der Abstimmung im Unterhaus rief der Primas der katholischen Kirche in Polen, Erzbischof Wojciech Polak, zu „einem sachlichen Dialog“ auf.

Publizist Hubert Feichtlbauer: Papst Franziskus ist „ein Glück für Masse der Hoffenden“

Der renommierte katholische Publizist und Ehrenvorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“ Hubert Feichtlbauer sieht in Papst Franziskus „ein Glück für die Masse der Hoffenden“.


Publizist Hubert Feichtlbauer.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

In einem Interview für die aktuelle Juli-Ausgabe des „Wir sind Kirche“-Infoblatts würdigt der frühere „Furche“-Chefredakteur die an mehr Kollegialität ausgerichtete Amtsführung Franziskus’.
Er wolle keinen „vollkommenen Papst“ für die Kirche, betonte Feichtlbauer. Ein solcher bestärke bloß „wieder jene, die froh sind einen starken Mann an der Spitze zu haben, der alles entscheidet“.
Ihm sei ein Papst wie Franziskus, „der sagt, jetzt denkt doch einmal selber nach, schon lieber“.

Ein Zölibatärer entscheidet für alle
Dass in der katholischen Kirche mit einer Milliarde Mitgliedern „ein zolibatärer Mann alles entscheidet“ irritiere ihn schon lange, so der Publizist. Die päpstliche Unfehlbarkeit habe enge Voraussetzungen, erinnerte Feichtlbauer. „Das wird schon richtig gelehrt, dass der Papst nicht alles weiß, aber getan wird trotzdem so, als wüsste er alles.“
Beispiel für die Veränderungen durch Franziskus ist für Feichtlbauer etwa dessen neuer Umgang mit den alle fünf Jahre üblichen Ad-limina-Besuchen der Mitglieder der Bischofskonferenzen aus aller Welt beim Papst. „Dass er sagt, kommt nicht und fragt mich, was ihr tun sollt, sondern erzählt mir, was ihr tut, und ich sage euch, was ich davon halte. Das ist doch viel gescheiter, auch wenn es mühsamer ist“, ist Feichtlbauer überzeugt. Die Bischöfe müssten rascher als bisher lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen: „Der Übergang zu mehr Mitsprache ist schwierig und langwierig. Jetzt kommt vieles darauf an, wie lange er [der Papst, Anm.] noch lebt“.

„Konsequenz des Glaubens ist Hoffnung“
In berührenden Worten spricht der 85-jährige Journalist und Autor in dem Interview auch erneut über seine schwere Krebserkrankung und seinen offenen Umgang mit dem Sterben. Er habe zusammen mit seiner Familie die Entscheidung getroffen, die nicht mehr anschlagende Chemotherapie einzustellen, so Feichtlbauer. Die wachsende Schwäche seines Körpers sei ein „täglicher Kampf um Bewahrung eines Rests von Selbstachtung und Menschenwürde in hundert nur scheinbar kleinen Dinge im Alltag“, sagte er: „Da sollte man nicht Wunderheiler suchen, sondern innere Stabilität.“
Kraft gebe ihm die vor allem von Christus ausgehende Hoffnung. „Wenn wir wirklich glauben, was wir glauben, dann ist die Konsequenz Hoffnung, auch in dieser Lebenslage“, so Feichtlbauer. In der Frage, wie es nach dem Tod weitergehe, sei er Anhänger eines Vermächtnisses des Theologen Karl Rahner: „Hört auf, die Ewigkeit im Detail zu beschreiben, wir haben alle keine Ahnung. Ein Leben ganz anderer Art, aber wie, das können wir nicht sagen.“

„Leben lebenswert, Gott sterbenswert“
In diesem Sinne habe sich seine „Glaubensneugier“ erhöht und er grüble nun stärker als je zuvor in seinem Leben über die Dinge des Glaubens, schilderte der Publizist. Und fügte in der für ihn typischen Rede hinzu: „Das Leben ist lebenswert, die Begegnung mit Gott ist sterbenswert, aber man braucht bei beidem nicht hudeln.“

Erstmals verabschiedete der Bundespräsident 23 junge Volontäre

23 junge Erwachsene starten demnächst ihren freiwilligen Auslandsdienst mit dem Verein „Volontariat bewegt“. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sie am 17. Juli im Beisein von Sozialminister Alois Stöger bei einer Feier in der Präsidentschaftskanzlei offiziell verabschiedet.

Er sei überrascht, dass das Netz der Auslandsdienste so weit reiche, sagte der Bundespräsident, der die Unterstützung von Freiwilligeneinsätzen in allen Kontinenten als „für uns eine erfreuliche Sache“ bezeichnete. „Auf diese Weise sind wir mit der ganzen Welt verbunden.“


Bundespräsident Alexander Van der Bellen verabschiedet die Volontäre.
Foto: Jugend Eine Welt

Johannes Ruppacher, Geschäftsführer von „Volontariat bewegt“, bezeichnete die erstmalige offizielle Verabschiedung von Sozialdienstleistenden durch den Bundespräsidenten als „Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung“.
Die Freiwilligen von „Volontariat bewegt“ werden in Kinder- und Jugendsozialprojekten der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in Afrika, Asien oder Lateinamerika tätig sein, vor allem als Spielkameraden, Nachhilfelehrer, Streitschlichter oder Zuhörer für benachteiligte Kinder und Jugendliche.
„Volontariat bewegt“ ist ein von „Jugend Eine Welt“ und den Salesianern Don Boscos getragener Verein. Mit den diesjährigen Entsendungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren bereits insgesamt 622 junge Erwachsene für einen Auslandseinsatz entschieden. Unterstützt werden die Einsätze von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und dem Sozialministerium.

Sudan: Christliche Schulen für Kinder aus entwurzelten Familien

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt im Sudan Kirchenvertreter beim Bau von Schulen und Kirchen.

„Viele Kinder lungern hier den ganzen Tag auf der Straße he-rum, wenn sie nicht zu uns in die Schule kommen. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie. Aufmerksamkeit, ja Zärtlichkeit kennen die meisten nicht, schon gar nicht von ihren Vätern“, beschreibt der aus Italien stammende Pater Danilie die Situation vor Ort.
Der Ordensmann nimmt sich besonders der Kinder an. Die Schule der Pfarre sei dabei sein wichtigstes Instrument. „Wir wollen ihnen zeigen, dass sie respektierte, wertvolle und von Gott geliebte Menschen sind, indem wir den Einzelnen zuhören und sie achten.“


Lehrer mit Kindern einer christlichen Schule in Khartum.
Foto: Kirche in Not.

Auch von Muslimen geschätzt
Die Schulen würden der Kirche aber auch die Akzeptanz der muslimischen Mehrheitsbevölkerung und des Staates verschaffen, der streng islamisch sei. Wegen des Bevölkerungswachstums, des Zuzugs in die Städte und der begrenzten öffentlichen Mittel sei der Staat damit überfordert, genügend Schulen bereit zu stellen und deshalb froh, „wenn die Kirche tätig wird“. Die Kirche unterhalte alleine in Khartum-Stadt fast zwanzig öffentliche Schulen, die von Christen und Muslimen besucht werden.

Frauen tragen Last der Arbeit
Seit mehr als zehn Jahren lebt Pater Danilie im Südsudan und „beackert dort ein extrem hartes Feld in der Seelsorge. Es sind völlig entwurzelte Menschen. Die Pfarrangehörigen sind meist ehemalige Landbewohner aus den Nuba-Bergen im Süden des Sudan.“
Die meisten seien bereits vor Jahren in die Umgebung Khartums gekommen, um Arbeit zu finden oder den Unruhen in ihrer Heimat zu entgehen. Aber meist könnten sie sich nur als Tagelöhner durchschlagen, das kratze am Selbstwertgefühl der Männer.
„Viele gammeln herum, wenn sie gerade keine Arbeit haben, viele arbeiten auch gar nicht. Ihrem traditionellen Selbstverständnis zufolge sind sie Hirten und Krieger. Da es derzeit aber weder Krieg noch Herden zu weiden gibt, lastet die Arbeit auf den Frauen.“