Inhalt der gedruckten Ausgabe 31/2016

Leitartikel

Der Wahrheit in Liebe dienen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Information

Vor 75 Jahren starb P. Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz freiwillig für einen ihm zuvor unbekannten Familienvater

Vor 75 Jahren wurde der polnische Minoritenpater Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz ermordet, nachdem er sich freiwillig an Stelle eines Familienvaters in den Todesbunker sperren ließ.

Europäischer Menschenrechtsgerichtshof legalisiert „Verkauf von Babys“

Die Föderation der Katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE) hat das Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) zur Leihmutterschaft in Frankreich kritisiert.

Kardinal Koch: „Zerreißprobe“ durch Frauenpriestertum

Kardinal Kurt Koch, „Ökumene-Minister des Vatikans“, hat sich am Schlusstag der Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster zur Frage des Frauenpriestertums geäußert.

Flüchtlingsintegration: Caritas-Initiativen in West und Ost

Die Caritas verstärkt mit zwei Projekten ihre Bemühungen um Integration von Flüchtlingen in Österreich.

Papst erlässt neue Vorschriften für kontemplative Frauenorden
„Kein Rekrutieren von Kandidatinnen aus anderen Ländern“

Papst Franziskus fordert von katholischen Frauenorden, deren Angehörige in Klausur leben, größere Weltzugewandtheit. Das Leben in Gebet und Kontemplation dürfe nicht als „Rückzug auf sich selbst“ gelebt werden, sondern müsse die „gesamte Menschheit umarmen“, heißt es in einem päpstlichen Erlass, den der Vatikan am 22. Juli  veröffentlichte.

Schönborn: Papst hat starke Opposition trotz breiter Zustimmung

Papst Franziskus stößt nicht nur auf breite allgemeine Zustimmung, sondern ist zugleich weltweit mit einer intensiven innerkirchlichen Debatte konfrontiert. Das konstatierte Kardinal Christoph Schönborn im Interview mit der Tageszeitung „Standard“.

Gänswein fordert Klarheit ein: Papst redet „zuweilen etwas unpräzise“

Papst Franziskus redet nach den Worten von Kurienerzbischof Georg Gänswein „zuweilen etwas unpräzise, ja flapsig“. Das führe zu gelegentlicher Konfusion und Unsicherheiten, sagte der Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikts XVI. der „Schwäbischen Zeitung“.

Kirchliche Untersuchung nach Korruptionsfall in Argentinien

Ein in Zusammenhang mit einem Korruptionsfall stehendes argentinisches Kloster muss sich einer kirchenrechtlichen Untersuchung stellen. Das teilte die zuständige Erzdiözese Mercedes-Lujan mit.

Papst würdigt verstorbene Mitbegründerin des „Neokatechumenalen Weg“

Carmen Hernandez, Mitgründerin der katholischen Gemeinschaft „Neokatechumenaler Weg“ ist im Alter von 85 Jahren in Madrid gestorben, wie die Gemeinschaft in Rom mitteilte. Gemeinsam mit der Künstlerin  Kiko Argüello gründete Hernandez 1964 den Neokatechumenalen Weg.

Papst schickt Kardinal in Südsudan

Kardinal Peter Turkson, im Vatikan zuständig für Gerechtigkeit und Frieden, ist von Papst Franziskus in den Südsudan geschickt worden.

Forscher macht Europäer für radikalen Islam mitverantwortlich

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Jonathan Laurence macht die Europäer dafür mitverantwortlich, dass sich unter eingewanderten Muslimen extreme religiöse Ideologien verbreiten konnten.

Priester führt Widerstand gegen Heldenbeisetzung für Marcos an

Ein Priester hat auf den Philippinen eine Demonstration gegen die Beisetzung des 1989 verstorbenen früheren Diktators Ferdinand Marcos auf dem Heldenfriedhof des Landes angeführt.

Landau befürwortet Dienstleistungscheck für Asylwerber

Caritas-Präsident Michael Landau und weitere Vertreter von Hilfsorganisationen begrüßen den Vorschlag von Sozialminister Alois Stöger, Asylwerbern mehr Arbeitsmöglichkeiten über die sogenannten Dienstleistungsschecks einzuräumen.

Gebetsraum im neuen Rapid-Stadion

Kardinal Christoph Schönborn hat am 19. Juli den neuen Andachtsraum im neuen Allianz-Stadion des SK Rapid in Wien-Hütteldorf mit einem Gottesdienst eröffnet.

„Schau aufs Herz“

Zum laufenden „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ hat die Diözese St. Pölten jetzt offiziell ihre schon traditionelle Sommerkampagne gestartet, die das Thema „Schau aufs Herz“ ganz wörtlich nimmt.

Leitartikel

Der Wahrheit in Liebe dienen

Angesichts des Terrors weltweit blicken wir umso dankbarer auf P. Maximilian Kolbe, der vor 75 Jahren im Namen des Gottes der Liebe sein Leben für einen Familienvater gegeben hat.
Im KZ Auschwitz, wo er trotz strengen Verbots seelsorglich tätig ist, wird er brutal misshandelt. Seine Reaktion: „Ich bin bereit, für Jesus noch viel mehr zu erleiden. Die unbefleckte Gottesmutter ist mit mir. Sie hilft mir.“
Als im Juli 1941 ein Häftling fehlt, wählt KZ-Chef Fritsch zehn Männer aus, die zur Strafe im Hungerbunker verrecken sollen.
Ein Mann, den P. Kolbe bisher nicht gekannt hat, klagt: „Meine arme Frau, meine armen Kinder, die ich nicht mehr sehe!“ Da tritt P. Kolbe aus der Reihe. Fritsch greift zur Pistole und brüllt: „Was willst du, Polenschwein?“ – „Ich möchte für einen dieser Verurteilten sterben!“ – „Warum?“ Darauf der 47-jährige Pater: „Ich bin alt und tauge nichts mehr. Ich möchte für Franz Gajowniczek sterben. Er hat Frau und Kinder.“ – Fritsch: „Wer bist du?“ – „Katholischer Priester!“ Fritsch, der nie einen Häftlingswunsch erfüllt, dreht sich um und trägt schweigend „Kolbe“ in die Todesliste um. Am Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt wird P. Maximilian ermordet.
In der letzten Ausgabe seiner Monatszeitschrift schrieb P. Kolbe 1939: „Niemand auf der Welt kann die Wahrheit verändern. Aber wir können und müssen sie suchen, finden und ihr dienen.“

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Koh 1, 2; 2, 21-23

Was hat der Mensch von all seiner Mühe?

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Denn es kommt vor, dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt. Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt? Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger, und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.

 

Zweite Lesung:   Kol 3, 1-5.9-11

Strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt

Schwestern und Brüder!
Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist. Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.

 

Evangelium:   Lk 12, 13-21

Wem wird all das gehören, was du angehäuft hast?

In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

 

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Weg zum inneren Frieden

Der Text aus dem Kolosserbrief ist für uns Frauen, für alle „Minderheiten“, besonders wichtig, weil er erklärt, dass durch die Annahme Christi in unserem Leben alle gesellschaftlichen Unterschiede gegenstandlos werden. Wir sind in eine Gemeinschaft aufgenommen worden, den Leib Christi, die nur noch eines kennt, nämlich die Kindschaft Gottes aller. Damit das Reich Gottes, das ja mitten unter uns ist, für uns und für alle sichtbar wird, müssen wir alle gesellschaftlichen Diskriminierungen überwinden. Wir müssen das Begehren loslassen, besser, heiliger, mehr als andere zu sein. Wir müssen aufhören, danach zu streben, uns irgendwelche Privilegien zu verschaffen durch ein Verhalten, das andere schädigt, benachteiligt, herabsetzt, verarmt. Erst dann wird die Nachfolge wirksam, erst dann wird der alte Mensch abgelegt und der neue mit Christus auferweckt. Die wahre Taufe ist nämlich nicht die mit Wasser, sondern die mit Feuer und dem Heiligen Geist.
Auch das Lukas-Evanglium ermahnt, nicht der Versuchung zu erliegen, den Sinn des Lebens in der Suche nach Selbstoptimierung zwecks gesellschaftlichem Ansehens und materiellen Wohlstands zu sehen. Nicht das Spiel mitzumachen, zu dem uns Werbung und kapitalistisches Wirtschaftssystem verführen wollen: immer mehr haben und sein zu wollen, mehr als die anderen um uns herum. Gesellschaftliches Ansehen und materieller Wohlstand als solche werden keinesfalls veurteilt. Vielmehr geht es darum, dass nicht sie unser Ziel im Leben sein sollen, sondern allenfalls ein – unter Umständen angenehmer – Nebeneffekt unserer Anstrengungen. Wichtig ist es vielmehr, genügsam, dankbar, gelassen, achtsam, friedfertig und großherzig durch das Leben zu gehen und die oder den Nächsten zu lieben wie uns selbst. Wichtig ist, im Hier und Jetzt zu leben, innerlich alles das loszulassen, was letzlich Leid bringt, um inneren Frieden zu finden.

 

Information

Vor 75 Jahren starb P. Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz freiwillig für einen ihm zuvor unbekannten Familienvater

Vor 75 Jahren wurde der polnische Minoritenpater Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz ermordet, nachdem er sich freiwillig an Stelle eines Familienvaters in den Todesbunker sperren ließ.

Maximilian wurde als Raymund Kolbe 1894 in Zdunska Wola, Russisch-Polen, als Sohn einer armen Arbeiterfamilie geboren.
Auf einem Heuwagen versteckt, gelangt er nach Lemberg in Österreichisch–Polen. Dort studiert er. Mathematik und Physik sind seine Lieblingsgegenstände. Obwohl sich erst fünf Jahre zuvor das erste Flugzeug in die Lüfte erhob, berechnet er Weltraumflüge und konstruiert Raketen. Er beschäftigt sich mit dem Militärwesen, tritt jedoch mit 18 Jahren dem Minoritenorden bei.

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Der frischgebackene DDr. P. Maximilian Kolbe
1919 in Rom.

Doppeltes Doktorat in Rom
Dieser schickt ihn nach Rom, wo er spielend zwei Doktorate (Dr. theol., Dr. phil.) erwirbt. Hier gründet der glühende Marienverehrer die „Miliz der Unbefleckten“(MI). Ein Jahr nach Priesterweihe und Kriegsende wieder in Polen, doziert er in Krakau Kirchengeschichte. Im Tbc-Sanatorium Zakopane führt er 1920 Glaubensgespräche, verschenkt Marienmedaillen und bekehrt vier Freidenker und einen Juden.

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P. Maximilian (rechts hinten) gut gelaunt im Kreis seiner Mitbrüder.

Glühender Marienverehrer
Zwei Jahre später gibt er für die wachsende Schar seiner MI-Mitglieder das Monatsblatt „Ritter der Unbefleckten“ heraus, deren Auflage in den darauffolgenden 16 Jahren auf eine Million steigt.
1927 gründet er nahe Warschau das Kloster Niepokalanow („Stadt der Unbefleckten“), wo bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beinahe 700 Mönche leben.

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P. Maximilian an seinem Schreibtisch.

Missionar in Japan
1930 geht er nach Japan, um auch hier die MI mittels Presseapostolat zu verbreiten. In Nagasaki errichtet er ein Kloster, dessen Bau an „ungünstiger Stelle“ heftig kritisiert wird. Dank dieser Lage werden jedoch beim Atombombenabwurf auf die Stadt nur die Fenster beschädigt und seine Mitbrüder werden zu großen Helfern für die Überlebenden.

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P. Maximilian (links) 1929 mit seinem leiblichen Bruder Josef (P. Alfons; rechts), dazwischen der Provinzial.

Missionar und Visionär
Wieder zu Hause, gründet er eine Tageszeitung und eine Rundfunkanstalt.
Um die Botschaft des Evangeliums mit besten Mitteln rasch verbreiten zu können, plant er die Errichtung eines Flughafens für vier Flugzeuge und die Produktion guter Filme unter Mitwirkung der besten Schauspieler Europas. Doch dann folgt der deutsche Einmarsch.

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P. Maximilian 1932 mit japanischen Studenten.

Erste Verhaftung
Im Dezember 1939 wird P. Maximilian als einer der führenden Persönlichkeiten Polens mit vierzig Ordensbrüdern von der Gestapo verhaftet, jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Am 14. Februar 1941 wird er erneut festgenommen und in das Warschauer Zentralgefängnis Pawiak gebracht. Im Mai wird er in das KZ Auschwitz  verlegt, wo er weiter als Priester und Seelsorger wirkt.

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1939. P. Maximilian und seine Mitbrüder werden vom NS-Regime erstmals inhaftiert.

Familienvater erbarmt ihn
Am 29. Juli 1941 werden Männer als Vergeltungsmaßnahme für die nur vermutete Flucht eines anderen Häftlings (dessen Leiche später gefunden wurde) zur Ermordung aussortiert. Als einer der Männer, Franz Gajowniczek, in lautes Wehklagen um sich und seine Familie ausbricht, bittet P. Maximilian den Führer des Häftlingslagers Karl Fritsch darum, den Platz von Gajowniczek  einnehmen zu dürfen. Der Mann, den er zuvor nicht kannte, hatte eine Frau und zwei Söhne.

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P. Maximilian 1939 nach der Heimkehr aus dem Internierungslager.

Tod im Hungerbunker
P. Maximilian wird am 31. Juli 1941 in den berüchtigten „Hungerbunker“ des Blocks 11 gesperrt. Dort betet er mit seinen Leidensgenossen und tröstet sie. Nach zwei qualvollen Wochen ohne Speis und Trank sind sechs verhungert, vier leben noch. Am 14. August werden Pater Kolbe und drei andere durch Phenolspritzen, die der Funktionshäftling Hans Bock injiziert, umgebracht und im Krematorium verbrannt. Franz Gajowniczek überlebte das KZ und starb 1995.

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KZ Auschwitz, 31. Juli 1941. P. Maximilian tritt vor, um einem Familienvater das Leben zu retten.

Vater als Aufständischer hingerichtet
P. Maximilians  Vater  Julius Kolbe trat 1914 in die „polnische Legion“ ein, kämpfte mit Unterstützung der Mittelmächte gegen die russischen Besatzer und wurde dafür hingerichtet. Seine Brüder Joseph und Franz traten mit Raymund in den Minoritenorden ein, jedoch bald wieder aus, um ebenfalls gegen die Russen zu kämpfen. Joseph kehrte später wieder in das Kloster zurück, Franz ging zum Militär und heiratete.

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Der durch P. Maximilian gerettete Franz Gajowniczek (Mitte) 1983 in Mariazell. Er weilte auf Einladung der damaligen JA-Redaktion in Österreich.

Heiliger des 20. Jahrhunderts
In einem gemeinsamen Brief baten 1963 die polnischen und deutschen Bischöfe um die Seligsprechung, 1971 wurde P. Maximilian von Papst Paul VI. seliggesprochen und 1982 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer heiliggesprochen. Bei beiden Feiern war Franz Gajowniczek anwesend.
Eine besondere Ehrung Kolbes ist seine Aufnahme als Märtyrer des 20. Jahrhunderts am Westportal der Westminster Abbey in London. Die Statuen wurden 1998 von Königin Elisabeth eingeweiht.

Papst erlässt neue Vorschriften für kontemplative Frauenorden
„Kein Rekrutieren von Kandidatinnen aus anderen Ländern“

Papst Franziskus fordert von katholischen Frauenorden, deren Angehörige in Klausur leben, größere Weltzugewandtheit. Das Leben in Gebet und Kontemplation dürfe nicht als „Rückzug auf sich selbst“ gelebt werden, sondern müsse die „gesamte Menschheit umarmen“, heißt es in einem päpstlichen Erlass, den der Vatikan am 22. Juli  veröffentlichte.

Die Ordensfrauen sollten etwa für Häftlinge, Flüchtlinge, Verfolgte und Arbeitslose beten, so Franziskus. Zugleich würdigt der Papst die Unverzichtbarkeit kontemplativer Orden. Sie seien ein prophetisches Zeichen für alle Christen.
Die sogenannte Apostolische Konstitution von Franziskus trägt den lateinischen Titel „Vultum Dei Quaerere – Die Suche nach dem Antlitz Gottes“. Mit dem Schreiben wolle er der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) angesichts eines veränderten sozialen und kulturellen Kontextes Rechnung tragen, erklärt der Papst. Das letzte derartige Gesetzeswerk stammt aus dem Jahr 1950.

Kein Aufhalten des Mitgliederschwunds um jeden Preis
Franziskus wendet sich in dem Erlass auch gegen ein Aufhalten des Mitgliederschwunds um jeden Preis. „Absolut vermieden werden muss das Rekrutieren von Kandidatinnen aus anderen Ländern mit dem einzigen Sinn, das eigene Kloster zu erhalten“, heißt es in dem Text.
In dem 35 Seiten umfassenden Schreiben geht der Papst auf zwölf Punkte des Ordenslebens ein. Außer der Klausur sind dies Ausbildung, Gebet, die Rolle der biblischen Texte, die Eucharistie und Beichte, Gemeinschaftsleben,  Autonomie, Arbeit, Stille, Kommunikationsmittel und Askese.

Regeln gegen Überalterung
Franziskus betont die Autonomie der Klöster. Hierbei dürfe es sich nicht nur um einen kirchenrechtlichen Status handeln; nötig sei überdies eine „echte Autonomie des Lebens“. Bedingung dafür sei eine Mindestanzahl von Ordensfrauen in einem Kloster. Weitere Voraussetzungen seien, dass es keine Überalterung gebe und die Würde des liturgischen Lebens sowie die Fähigkeit zu wirtschaftlichem Überleben sichergestellt werden kann. Andernfalls sollen nach dem Willen des Papstes Kommissionen aus Vertretern der Ortskirche, des Vatikan und der Ordensleitung Lösungen für die betreffenden Klöster suchen. Zugleich legt der Papst fest, dass künftig jedes Kloster einem Zusammenschluss, einer Föderation, angehören müsse.
Alle bisherigen kirchenrechtlichen Vorschriften oder früheren Entscheidungen zum Ordensleben, die dem neuen Erlass widersprechen, hob Franziskus auf.

Papst würdigt verstorbene Mitbegründerin des „Neokatechumenalen Weg“

Carmen Hernandez, Mitgründerin der katholischen Gemeinschaft „Neokatechumenaler Weg“ ist im Alter von 85 Jahren in Madrid gestorben, wie die Gemeinschaft in Rom mitteilte. Gemeinsam mit der Künstlerin  Kiko Argüello gründete Hernandez 1964 den Neokatechumenalen Weg.

Sie leitete die Gemeinschaft zuletzt gemeinsam mit Argüello und dem italienischen Priester Mario Pezzi. Nach eigenen Angaben gehören der Gemeinschaft heute mehr als 30.000 Gemeinschaften in 120 Ländern an. Papst Franziskus telefonierte laut der Mitteilung am 1. Juli mit der bereits im Sterben liegenden Hernandez und sprach ihr Mut zu.

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+ Carmen Hernandez.

Der Neokatechumenale Weg ist geprägt von starker Gruppenbindung und einem ausgeprägten Eigenleben der Gemeinschaften – unter anderem mit von der Pfarrgemeinde getrennter und teils unterschiedlicher Feier der Eucharistie in kleinen Gruppen. Laien nehmen als Vorsteher von neokatechumenalen Gruppen eine starke Stellung ein.
Der Vatikan erkannte die Statuten der Gemeinschaft 2008 nach fünfjähriger Erprobungsphase endgültig an. Zuvor waren die Mitglieder 2005 aufgefordert worden, sich stärker als bisher in die bestehenden Pfarrstrukturen zu integrieren.
Weltweit gibt es mehr als 100 neokatechumenale Priesterseminare, die alle den Namen „Redemptoris Mater“ (Mutter des Erlösers) tragen, unter ihnen eines in der Erzdiözese Wien. In den Diözesen wird die Bewegung in der Regel auf Einladung des Ortsbischofs tätig.
In einem Beileidscheiben würdigte Papst Franziskus Carmen Hernandez. Er danke Gott für ihr Zeugnis, das „von einer aufrichtigen Liebe zur Kirche geprägt“ gewesen sei.

Landau befürwortet Dienstleistungscheck für Asylwerber

Caritas-Präsident Michael Landau und weitere Vertreter von Hilfsorganisationen begrüßen den Vorschlag von Sozialminister Alois Stöger, Asylwerbern mehr Arbeitsmöglichkeiten über die sogenannten Dienstleistungsschecks einzuräumen.

"Coffee to help": Michael Landau, Christoph Petrik-Schweifer
Caritas-Präsident Michael Landau.

Als positives Beispiel nannte Landau am Mittwoch im „Ö1-Morgenjournal“ das seit 23 Jahren bestehende und zuletzt aus arbeitsrechtlichen Gründen infrage gestellte Nachbarschaftshilfe-Projekt in Vorarlberg, bei dem Asylwerber stundenweise in Haus und Garten mithelfen konnten.
Vor diesem Hintergrund sei er froh, wenn die Politik nun nach Möglichkeiten suche, um nach Österreich geflohenen Menschen den Zugang zur Gesellschaft zu erleichtern „und sie nicht zum Nichtstun zu zwingen“.
Einen seitens der ÖVP befürchteten „Pull-Faktor“ – also eine höhere Attraktivität Österreichs als Zielland von Flüchtlingen – durch Chancen auf Arbeit sieht der Caritas-Chef nicht. Der bestehe etwa auch in der Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser, das – für viele Menschen unvorstellbar – hierzulande einfach aus der Wasserleitung komme. „Aber sollten wir es deshalb abschaffen“?, so die rhetorische Frage Landaus.