Inhalt der gedruckten Ausgabe 30/2017

Leitartikel

Staatskirche ohne Einfluss auf Staat

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Information

Prominenter Kirchenrechtler fordert Klärung,
ob die Menschenrechte auch in der Kirche Geltung haben

Die katholische Kirche muss nach Auffassung des Münchner Kirchenrechtlers Helmuth Pree (67) dringend klären, ob und inwiefern die Menschenrechte auch in ihrem Bereich gelten.

Bartholomaios I.: Mutterkirche der Ukrainer ist Konstantinopel, nicht Moskau

Starke Beachtung findet in der Ukraine ein Aufruf des Ökumenischen Patriarchen für kirchlichen und politisch-militärischen Frieden im zweitgrößten Land der Orthodoxie. Bartholomaios I. hat diese Botschaft Anfang Juli an ukrainische Journalisten bei ihrem Besuch im Phanar gerichtet.

„75 Prozent der Kinder leben bei ihren verheirateten Eltern“

Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff hat ein zentrales Argument der Befürworter der „Ehe für alle“ zurückgewiesen und auf die Ökumene-Belastung hingewiesen.

Missbrauch: Papst verschärft Strafe für Promi-Geistlichen

Der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilte italienische Priester Mauro Inzoli (67) ist von Papst Franziskus aus dem Priesterstand entlassen worden. Damit nimmt Franziskus eine Strafmilderung vom Juni 2014 zurück.

Pakistan: Christliche Mädchen entführt, vergewaltigt und verheiratet

In Pakistan werden laut Menschenrechtsaktivisten christliche Mädchen entführt, vergewaltigt und zur Heirat mit den Tätern gezwungen, berichtet „National Catholic Reporter”.

Neuer Salzburger Weihbischof will „an Ränder gehen“

Hansjörg Hofer ist am 9. Juli im Salzburger Dom zum Weihbischof geweiht worden.

Stift St. Paul wählt Göttweiger Prior zum Administrator

Das Stift St. Paul im Lavanttal hat am 14. Juli P. Maximilian Krenn (48), den Prior des Stiftes Göttweig, zum Administrator gewählt.

Schönborn contra Papst-kritische Kardinäle: „Absolut ungebührliches Verhalten“

Beim Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen hat die „Unterscheidung der Situationen“ – ein Begriff, der aus der ignatianischen Theologie kommt – eine zentrale Bedeutung: Das hat Kardinal Christoph Schönborn am 13. Juli bei einem Pressegespräch am Rande der Familienpastoraltagung der Irischen Bischofskonferenz in Limerick betont.

„Bambino Gesu“-Spendenskandal: Ex-Klinikchef Profiti vor Gericht

Weil er einem Kardinal die aufwendige Renovierung von dessen Wohnung mit Krankenhaus- und Spendengeldern bezuschusste, muss sich der frühere Verwaltungschef der päpstlichen Kinderklinik „Bambino Gesu“ nun im Vatikan vor Gericht verantworten.

Caritas-Jahresbericht: Über 900 Millionen Euro für Notleidende

Über 900 Millionen Euro – um mehr als 100 Millionen Euro mehr als 2015 – hat die Caritas Österreich im Vorjahr für bedürftige Menschen aufgewendet.

Caritas Socialis betreute 2016 über 14.000 Menschen

Über 1.900 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der „Caritas Socialis“ (CS) haben im vergangenen Jahr mehr als 14.000 Menschen betreut. Das geht aus dem Jahresbericht der Schwesterngemeinschaft für 2016 hervor.

Südafrikas Vizepräsident lobt Kirchen für ihre Kritik

Südafrikas Vizepräsident Cyril Ramaphosa hat die Kirchen des Landes für ihre jüngste Kritik an der Regierung gelobt. „Die Kirche bleibt eine wichtige moralische Stimme in unserer Gesellschaft“, sagte der Anwärter auf das Präsidentenamt bei einer Veranstaltung in einer Methodistenkirche in der Provinz Ostkap.

Korea: Neo-Kardinal soll vermitteln

Der frisch berufene Kardinal Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador soll nach dem Willen des Papstes zwischen Süd- und Nordkorea vermitteln.

Kongo-Expertin: Krisenvermittlung der Kirche gescheitert

Die politische Krise in der Demokratischen Republik Kongo spitzt sich nach Ansicht von Afrikawissenschaftlerin Gesine Ames weiter zu.

Kommunionempfang bei Zöliakieerkrankung weiterhin möglich

Der Kommunionempfang ist bei Zöliakieerkrankung weiterhin möglich und es gibt dafür zahlreiche Hostienprodukte, die den kirchlichen Vorgaben entsprechen.

„Jugend Eine Welt“: Ergebnis des G20-Gipfel enttäuschend

Das Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ hat sich vom Ergebnis des G20-Gipfels hinsichtlich des groß angekündigten Afrika-Schwerpunktes enttäuscht gezeigt.

Langjähriger SPÖ-Parlamentarier: Papst Franziskus ist „Balsam auf die Seele“

Die Signale, die Papst Franziskus in seinem bisherigen Pontifikat gesetzt hat, „sind für einen Sozialdemokraten Balsam auf die Seele“: Das hat der langjährige SPÖ-Parlamentarier Günter Kiermaier am 13. Juli  in Amstetten bei der Präsentation seiner Lebenserinnerungen mit dem Titel „Mit Kreuz und roter Fahne“ betont.

Kirchliche Klimawandel-Tagung: „Pessimismus ist keine Option“

Statt Pessimismus erfordert der dramatische Klimawandel als Reaktion verantwortliches Handeln mit einem rechten Verhältnis von Ökonomie und Ökologie: Das war der Tenor bei der Ökumenischen Sommerakademie in Stift Kremsmünster.

„Roter Teufel“ zum Priester geweiht

Der irische Ex-Profifußballspieler Philip Mulryne (39) ist am 8. Juli in Dublin von Kurienerzbischof Augustine Di Noia zum Priester geweiht worden.

Leitartikel

Staatskirche ohne Einfluss auf Staat

In vergangenen Jahrhunderten hat sich die katholische Kirche dort, wo sie Minderheit war, für Liberalismus ausgesprochen, für Gewissensfreiheit, für Trennung von „Kirche und Staat“.
Wo sie die Mehrheit besaß, pochte sie auf „Staatskirchentum“. Andere Konfessionen sahen es ähnlich.
Einer der wenigen Staaten, wo die Kirche heute noch offiziell den Status „Staatskirche“ hat, ist Malta, wo 88 Prozent katholisch sind. Doch der half ihr nichts bei der jüngsten Abstimmung im Parlament von Valletta über die „Ehe für alle“. Ein einziger Abgeordneter (!) stimmte dagegen.
In England ist die anglikanische Kirche auch „Staatsreligion“. Von religiösem Vorteil oder gar Blühen keine Rede.
In Deutschland gibt es schon urlange keine „Staatskirche“ mehr. Die katholische Kirche war jüngst empört über das Ergebnis zur „Ehe für alle“, der Rat der Evangelischen Kirche (EKD) hingegen stimmte zu. Bei der Abstimmung im Bundestag haben jedoch „fast alle exponierten Protestanten“ gegen die Gesetzesvorlage gestimmt, heißt es in einer Analyse von „Christ & Welt“.
Damit stellt sich laut der Zeitung die Frage, „ob der Rat der EKD noch für die evangelische Kirche spricht“.
Für die katholische Kirche in Malta stellt sich die Frage, was es ihr bringt, dort „Staatskirche“ zu sein.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Weish 12, 13.16-19

Du hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst

Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alle Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit, und deine Herrschaft über alles lässt dich gegen alles Nachsicht üben. Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung. Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst. Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.

 

Zweite Lesung:   Röm 8, 26-27

Der Geist selber tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können

Schwestern und Brüder!
Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

 

Evangelium:   Mt 13, 24-43

Lasst beides wachsen bis zur Ernte

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.
Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreiche ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.
Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. Damit sollte sich erfüllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verkünde, was seit der Schöpfung verborgen war. Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

 

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Entscheidender Punkt: Wachsen lassen

Jesus redet in Gleichnissen, weil sie seine Botschaft und sein Leben auf den Punkt bringen: Das Himmelreich kommt, wächst und wird groß. Wie der Weizen, das Senfkorn oder der Sauerteig. Wir sehen die Kirchen in Dorf und Stadt und die Kreuze auf den Bergen und an der Brust und zweifeln. Petersdom und Ablass, Jugendarbeit und Missbrauch, Mission und Kapital. Unkraut im Weizen.
Jesus sieht das auch, aber er zweifelt nicht. „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“. Und die Kirche wächst in der Tat; in vielen Ländern in Zahlen, in anderen im Zeugnis des Martyriums, bei uns vielleicht im Engagement und in der Versöhnung. Aber auch in Neid und Streit, Eifersucht und Angst. Unkraut im Weizen.
Mühe habe ich mit der Deutung des Gleichnisses. Teufel und Engel, Böse und Gute, Feuer und Sonne. Während in der Allegorie möglichst viele Einzelheiten eine geheime Bedeutung haben, zielt das Gleichnis auf den entscheidenden Punkt:  Wachsen lassen. Das ist die Sprache Jesu; sein Acker ist offen. Offen für Geduld und Vertrauen, für Zurechtbringen statt Rechthaben. Für Bilderverbot statt Pranger.
Jesus redet in Gleichnissen, weil da wie selbstverständlich Wunder geschehen; eben das Himmelreich.

 

Information

Prominenter Kirchenrechtler fordert Klärung,
ob die Menschenrechte auch in der Kirche Geltung haben

Die katholische Kirche muss nach Auffassung des Münchner Kirchenrechtlers Helmuth Pree (67) dringend klären, ob und inwiefern die Menschenrechte auch in ihrem Bereich gelten.

Das sei schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit „unausweichlich“, sagte der renommierte katholische Wissenschaftler am 11. Juli bei einer Fachtagung in München. Schließlich proklamiere die Kirche die Menschenwürde und mahne die Menschenrechte von allen Staaten an.


Professor Helmuth Pree.

Der gebürtige Oberösterreicher berät seit 2011 den Päpstlichen Rat für die Auslegung der Gesetzestexte und arbeitete als Experte auch viele Jahre für die Deutsche Bischofskonferenz. Bis zu seiner Emeritierung im Sommer 2015 lehrte er als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Entfremdung von Theologie und Kirchenrecht
Pree sieht sein Fach im 21. Jahrhundert vor großen Herausforderungen. Spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) stecke die Kanonistik in einer „heilsamen Identitätskrise, deren Endpunkt noch nicht erreicht“ sei. Theologie und Kirchenrecht hätten sich weithin voneinander entfremdet, auch zum weltlichen Recht brächen die Brücken des Dialogs zusehends ab.
So sei Kirchenrecht an staatlichen juristischen Fakultäten, wenn überhaupt, nur noch „rudimentär als Wahlfach“ vertreten. Diese Entwicklung müsse umgekehrt werden. Auch gelte es, die einseitig kontinentaleuropäische Ausrichtung des Kirchenrechts zu korrigieren.
Der doppelt promovierte Rechtsgelehrte äußerte sich bei einer Tagung anlässlich des vor 100 Jahren erstmals erschienenen kirchlichen Gesetzbuches Codex Iuris Canonici (CIC).

„Bambino Gesu“-Spendenskandal: Ex-Klinikchef Profiti vor Gericht

Weil er einem Kardinal die aufwendige Renovierung von dessen Wohnung mit Krankenhaus- und Spendengeldern bezuschusste, muss sich der frühere Verwaltungschef der päpstlichen Kinderklinik „Bambino Gesu“ nun im Vatikan vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft des Kleinstaats wirft dem Italiener Giuseppe Profiti die Zweckentfremdung von rund 420.000 Euro vor.
Die Summe soll für den Umbau des Appartements von Kardinal Tarcisio Bertone verwendet worden sein. Den Auftrag dazu soll der frühere Präsident der Stiftung „Bambino Gesu“ zudem der Firma eines befreundeten Unternehmers zugeschanzt haben.
Ebenfalls angeklagt ist der frühere Schatzmeister der Stiftung „Bambino Gesu“, Massimo Spina.


Ex-Klinikchef Giuseppe Profiti.

Nutznießer Kardinal Bertone
Bertone, früher Kardinalstaatssekretär und damit zweiter Mann im Vatikan, hat nach eigenen Angaben nichts von dem Beitrag der Stiftung gewusst. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe tauschte der Vatikan im November 2015 den kompletten Vorstand der Klinik aus.
Der italienische Kardinal war wegen der Renovierung eines 300-Quadratmeter-Appartments neben dem Petersdom wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Italienische Medien sprachen von einer Luxus-Immobilie und enthüllten die Teilfinanzierung durch die vatikanische Kinderklinik.
Laut den Berichten sollte Bertone seine Räume im Gegenzug für Veranstaltungen zur Einwerbung von Spendengeldern für das Krankenhaus zur Verfügung stellen. Bislang habe es jedoch keinen derartigen Termin gegeben. 300.000 Euro hat der frühere Kardinalstaatssekretär nach eigener Aussage selbst beigesteuert.

Drei Haushälterinnen
Bertone selbst hatte die Medienberichte über ein angebliches Luxus-Appartment stets vehement bestritten. Außerdem verwies er darauf, dass er mit drei Ordensfrauen in der Wohnung lebe, die ihm den Haushalt führen.
Im März 2016 überwies Bertone 150.000 Euro an die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik, um den „moralischen Schaden“ wiedergutzumachen. Dies sei jedoch kein Schuldeingeständnis, sondern ein „Geschenk“.

Caritas Socialis betreute 2016 über 14.000 Menschen

Über 1.900 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der „Caritas Socialis“ (CS) haben im vergangenen Jahr mehr als 14.000 Menschen betreut. Das geht aus dem Jahresbericht der Schwesterngemeinschaft für 2016 hervor.

Schwerpunkt lag demnach beim Bereich Hospiz & Palliative Care. Heute sei der „Palliative Care“-Gedanke in allen Einrichtungen der CS verankert und werde über das CS Hospiz Rennweg hinaus in allen stationären und mobilen Einrichtungen der CS gelebt, heißt es in dem Bericht.
2016 betreute das Hospiz im 3. Wiener Gemeindebezirk insgesamt 829 Personen, von denen 566 in Betreuung verstorben sind. Die Beratungsstelle Hospiz beriet im Vorjahr über 2.500 Personen, das mobile Palliativteam betreute knapp 170 Klienten mit ihren 476 Angehörigen in 21.538 Stunden, geht aus der Statistik hervor. Die Palliativstation verzeichnete 279 Patienten an 3.856 Betreuungstagen.

Gute Zusammenarbeit mit der Stadt Wien
Wiens Bürgermeister Michael Häupl würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen der CS und der Stadt Wien. „Das CS Hospiz Rennweg ist seit seinem Bestehen ein sehr wichtiger Partner der Stadt Wien.“ Als Ort der Menschlichkeit und Würde in den letzten Lebenstagen und -wochen, stehe das Hospiz bedürftigen Menschen mit bestmöglicher Schmerzmedizin, professioneller Pflege und psychosozialer Beratung zur Seite. „Würdevolle letzte Lebenstage und -wochen sind damit als Maxime der Hospizbegleitung in Wien sichergestellt“, so Häupl. Ähnlich äußerte sich auch Gesundheits-Stadträtin Sandra Frauenberger.

Schwerpunkte Demenz und Langzeitpflege
Ein Schwerpunkt der CS liegt auch auf Menschen mit Demenz. Mit einem Beratungsservice werden Betroffene und Angehörige bei allen Fragen zu Pflege und Betreuung älterer und chronisch kranker Menschen unterstützt, speziell bei Demenzerkrankungen.
Im vergangenen Jahr führte die Schwesterngemeinschaft 2.621 persönliche Beratungsgespräche oder E-Mail-Beratungen zum Thema Demenz durch. Mitarbeiter der CS unterstützen Demenzkranke aber auch zu Hause, 2016 in 367.161 Einsatzstunden bei 1.405 Klienten.
In den Wohnbereichen der stationären Pflege betreut die CS zudem in Lang- und Kurzzeitbetreuung Menschen, die rund um die Uhr Unterstützung brauchen. 2016 verzeichnete die CS 343 betreute Bewohner und 85.702 Betreuungstage. In den Tageszentren für Senioren wurde 184 Besuchern an 14.555 Betreuungstagen geholfen.

Kinder in Extremsituationen
Als weiteres Aufgabengebiet sieht die CS Kinder am Beginn und Ende ihres Lebens. Im CS-Haus für Mutter und Kind (MUKI) half die Schwesterngemeinschaft im Vorjahr 33 Kindern und 27 Müttern in insgesamt 12.800 Übernachtungen bei einem Start in ein neues Leben.
Die Einrichtung „Der Rote Anker“ unterstützte in 916 Beratungsgesprächen 216 Kinder, die mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert sind.

1,4 Millionen Euro Spenden
Für das Jahr 2016 verzeichnet die „CS Caritas Socialis GmbH“ für alle Werke Umsätze von insgesamt 40,4 Millionen Euro. Dass die öffentlichen Gelder – rund 800.000 Euro gingen an das mobile Palliativteam, rund 100.000 Euro gab es an Objektförderungen – dabei nur einen kleinen Teil ausmachen, geht darauf zurück, dass ein hoher Anteil der Förderungen vom Fond Soziales Wien in Form von Klientenförderungen direkt an die Gepflegten ausbezahlt wird.
1,4 Millionen Euro erhielten die CS-Einrichtungen durch private Spenden, Testamente und Legate.

Langjähriger SPÖ-Parlamentarier: Papst Franziskus ist „Balsam auf die Seele“

Die Signale, die Papst Franziskus in seinem bisherigen Pontifikat gesetzt hat, „sind für einen Sozialdemokraten Balsam auf die Seele“: Das hat der langjährige SPÖ-Parlamentarier Günter Kiermaier am 13. Juli  in Amstetten bei der Präsentation seiner Lebenserinnerungen mit dem Titel „Mit Kreuz und roter Fahne“ betont.

Die Kirche habe hohe Bedeutung in der Solidarität mit Leidenden und Unterdrückten, wobei Papst Franziskus viele dafür wichtige Werte selbst vorlebe. Dazu gehöre etwa der Einsatz für Arme und an den Rand Gedrängte, oder auch der Verzicht auf Eitelkeit und Pomp.


Günter Kiermaier mit Vertreterinnen der Franziskanerinnen Amstetten, Pater Franz Kniewasser von den Salesianern Don Boscos, Sepp Riegler und Erwin Burghofer von der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB).
Foto: Wolfgang Zarl.

Brückenbauer
Kiermaier war von 1990 bis 2003 Mitglied des SPÖ-Klubs im Nationalrat. Als seine Lebensaufgabe bezeichnete er es, „Brückenbauer zwischen Kirche und Sozialdemokratie zu sein“ und teils noch immer bestehende Feindbilder abzubauen.
Bedarf dafür gebe es durchaus: „Die Kirche erkannte und anerkannte oft nicht, dass sich im Wollen der Sozialdemokratie etwas zutiefst Christliches, nämlich das Streben nach Menschlichem und Nächstenliebe befand.“ Umgekehrt sei es Sozialdemokraten oft nicht klar gewesen, dass Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität biblischen Ursprungs seien.
„Ich liebe die Kirche“
Sozialdemokratischer Abgeordneter und zugleich aktiver Christ zu sein, hätten für ihn einst bedeutet, mit Vorurteilen kämpfen zu müssen.
„Ich liebe die Kirche“, so der Amstettner Politiker; sie sei ebenso seine religiöse Heimat wie ihm die Sozialdemokratie die politische sei.
Faktoren, die sein eigenes  Leben beeinflusst hätten, seien einerseits der Glaube als Katholik gewesen, weiters die bei den Pfadfindern der Don-Bosco-Pfarre erlernte Hilfsbereitschaft sowie auch der Einsatz dafür, dass es Benachteiligten besser gehe.

Frühe Prägung
Sein Leben sei besonders von seinem christlichen Elternhaus, den Franziskaner-Schulschwestern, von einem Kapuzinerpater sowie besonders von den Salesianern Don Boscos geprägt worden, blickte Kiermaier zurück.
Aufgewachsen im Umfeld des Salesianerordens, habe er während der Nationalratssitzungen in Wien oft in deren Provinzzentrale im Don Bosco Haus übernachtet und am Abend lange mit prominenten Vertretern wie etwa den emeritierten Bischöfen Alois Kothgasser und Ludwig Schwarz über „Gott und die Welt“ diskutiert.

Engagierter Katholik
Kiermaier hatte neben seiner Arbeit als Gastwirt und Nationalratsabgeordneter – in der er viele parteiübergreifende Kontakte pflegte – viele ehrenamtliche Funktionen inne. Er war u.a.  13 Jahre Bundesvorsitzender der Ehemaligen Don Boscos, engagierte sich im Katholischen Laienrat und in der Arbeitsgemeinschaft für Christen und Sozialdemokratie (ACUS) und ist aktives Mitglied in der Pfadfinder-Gemeinschaft.
In der Diözese St. Pölten arbeitete er jahrelang im Pastoralrat mit sowie im diözesanen Arbeitslosenfonds. Die vielen kirchlichen Funktionen habe er aus Dank für die vielfache von der Kirche erfahrene Unterstützung übernommen, sagte er rückblickend.

Den Menschen nahe bleiben
Politiker müssten auch heute immer das Ideal des Wohles der Gesellschaft und der Menschen verfolgen statt vordergründig um das eigene Wohlergehen besorgt zu sein, forderte Kiermaier. Eine Verkleinerung des Nationalrates befürworte er nicht, da die Mandatare in ihren Wahlkreisen nahe an den Menschen bleiben und deren Sorgen und Nöte wahrnehmen sollten. Als Unternehmer und sozialdemokratischer Abgeordneter bekräftige er außerdem: „Geht es den Menschen gut, dann geht es der Wirtschaft gut.“
Das Buch „Mit Kreuz und roter Fahne“ ist ab Mitte Juli in der Buchhandlung Thalia, 3300 Amstetten, Hauptplatz 28, erhältlich.