Inhalt der gedruckten Ausgabe 30/2016

Leitartikel

Das wahre Ärgernis

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Information

Papst bekommt erstmals auch eine Sprecherin

Der 73-jährige italienische Jesuitenpater Federico Lombardi geht als Papstsprecher in Pension. Benedikt XVI. hatte ihn im Juli 2006 zum Leiter des vatikanischen Presseamtes berufen. Sein Nachfolger wird am 1. August sein bisheriger Stellvertreter, der 56-jährige US-Amerikaner Greg Burke. Das Opus Dei-Mitglied ist der erste Vatikansprecher aus dem angelsächsischen Raum.

Mehrere israelische Religionsratsmitglieder festgenommen
Neuer umstrittener Armee-Oberrabbiner

In Jerusalem sind vier Mitglieder des Religionsrats wegen Verdachts auf Betrug, Vertrauensbruch und illegale Vorteilsnahme festgenommen worden. Der Festnahme am Sonntag waren längere verdeckte Ermittlungen vorausgegangen, wie die Tageszeitung „Haaretz“ berichtete.

Christophorus-Aktion 2016: Maultiere für Frauen in Haiti

Um einen Zehntel Cent pro unfallfreiem Kilometer bittet die österreichische Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft (MIVA) bei ihrer Spendenaktion zum bevorstehenden Christophorus-Sonntag am 24. Juli.

Trump und Clinton spalten die Kirche

Die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump spalten die katholische Kirche: 77 Prozent der registrierten hispanischen Katholiken wollen Clinton wählen. Bei den weißen Katholiken findet derzeit Trump eine Mehrheit: 50 Prozent wollen ihn wählen, 46 Prozent Clinton.

Papstattentäter Ali Agca will auf einmal Priester werden

Ali Agca (58), Papstattentäter, will katholischer Priester werden. In der Türkei lebe er „wie ein Rentner, der seine Zeit vertut“, sagte Agca der italienischen Zeitung „Il Giornale“. „Deshalb will ich Papst Franziskus bitten, dass er mich im Vatikan empfängt und ich Priester werde.“

Papst-Stiftung „Scholas Ocurrentes“: Kurienbischof auf Distanz

Der argentinische Kurienbischof Marcelo Sanchez Sorondo hat sich von Funktionären der Papst-Stiftung „Scholas Ocurrentes“ in Buenos Aires distanziert.

Medienhaus der Erzdiözese Wien hat neuen Chefredakteur

Michael Ausserer (35), bisheriger Sendechef der erfolgreichen österreichischen Privatfernseh-Sendung „Café Puls“ ist designierter neuer Chefredakteur des Medienhauses der Erzdiözese Wien.

Tschechien: Die Kluft zwischen dem Theologen Halik und Kardinal Duka wird immer größer

In der anhaltenden Kontroverse zwischen Tomas Halik und Kardinal Dominik Duka hat der Priester und Soziologe den Prager Erzbischof nun erneut scharf kritisiert.

Forum Romanum: Kerker des Petrus wieder zugänglich
Fresko einer „Muttergottes der Barmherzigkeit“ entdeckt

Der Carcer Tullianus, das antike Verlies römischer Staatsfeinde am Forum Romanum, ist nach Jahren wissenschaftlicher Untersuchungen und Restaurierungen wieder zu besichtigen.

Pakistans „Vater Teresa“ ist tot

Der wohl bedeutendste caritative Aktivist Pakistans, Abdul Sattar Edhi, wurde am 9. Juli  in Karachi mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt.

In Österreich prozentuell  mehr kirchlicheTrauungen als in Italien

Eine Studie prophezeit ein baldiges Verschwinden kirchlicher Eheschließungen in Italien, wo 56 Millionen katholisch sind.

US-Bischof warnt vor Militarisierung der Gesellschaft

Der katholische Bischof von El Paso, Mark Seitz, warnt nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten in Dallas vor einer noch stärkeren Bewaffnung der amerikanischen Bevölkerung.

Ungarische Kleinkirchen erhalten Entschädigungszahlungen

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat mehreren Kleinkirchen und Religionsgemeinschaften in Ungarn teils hohe Entschädigungszahlungen zugesprochen.

„Liturgiereform“: Papst korrigiert seinen Kardinal

Der Vatikan hat Spekulationen dementiert, dass katholische Priester künftig Messen wieder mit dem Rücken zum Volk gewandt zelebrieren sollen.

Beisetzung eines Mafia-Bosses ohne Messe

Der verstorbene frühere Mafia-Boss Bernardo Provenzano (83) soll nach dem Willen seiner Ehefrau und der beiden Söhne in Mailand eingeäschert werden.

Land Vorarlberg gegen Aus für Caritas-Nachbarschaftshilfe

Die Vorarlberger Landesregierung will die vom Sozialministerium eingeforderte Einstellung der Caritas-Nachbarschaftshilfe nicht auf sich beruhen lassen.

Neue DVD über NS-Widerständler P. Franz Reinisch

Eine soeben erschienene DVD dokumentiert das Leben des Pallottinerpaters Franz Reinisch, der 1942 von den Nazis hingerichtet wurde.

Kremsmünster: Reformation heute so aktuell wie vor 500 Jahren

Auch nach 500 Jahren sind die Grundanliegen der Reformation aktuell. Das war der Tenor bei der Eröffnung der 18. Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster.

Gebet für die Kirche

Junge Leute aus unserer Pfarre starteten im Jahr 1976 ein regelmäßiges Gebet um geistliche und kirchliche Berufungen.Wortgottesdienstleiter Franz Huber und P. Udo Fischer waren die Geburtshelfer für dieses so wichtige Anliegen der Kirche.

3.000 Jugendliche fahren zum Weltjugendtag, einige gehen zu Fuß

Rund 3.000 österreichische Jugendliche fahren heuer im Sommer nach Polen, um dort am 31. katholischen Weltjugendtag (WJT) in Krakau teilzunehmen.

Deutschland: Deutlicher Rückgang bei Kirchenaustritten

In Deutschland ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche 2015 um 17 Prozent  zurückgegangen, 181.925 Katholiken sind im vergangenen Jahr  aus ihrer Kirche ausgetreten.

Pfarre ermöglichte 50 Kindern Lernpatenschaften

Er gilt als Vorzeigeprojekt: Der Verein LEILA („Lernen Engagiert International – LernpatInnen Amstetten“) ermöglicht in Amstetten (NÖ) in Zusammenarbeit mit der Pfarre Herz Jesu 50 Flüchtlingskindern und anderen Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache eine Lernpatenschaft.

Kanadischer Bischof lebte als Bettler

Der kanadische Bischof Donald Bolen hat anderthalb Tage unter Obdachlosen gelebt. Er übernachtete in einem Park und bettelte Passanten um Geld an, wie er im „Radio Vatikan“-Interview erzählte.

Leitartikel

Das wahre Ärgernis

Traditionalisten stöhnen, Reformer freuen sich: Papst Franziskus hat den 67-jährigen Blase Cupich, Erzbischof von Chicago, zum Mitglied der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe ernannt. Cupich gilt in der US-amerikanischen Bischofskonferenz als Papst-Vertrauter, als „Mann von Franziskus“.
Kurz nach seinem Amtsantritt in Chicago zog er aus dem Bischofshaus aus und bezog eine Wohnung auf dem Gelände der Kathedrale der Stadt.
Die Kongregation für die Bischöfe ist für die Auswahl von Bischöfen für Europa, Amerika, Australien sowie für einige Staaten in Afrika und Asien zuständig und damit eine der einflussreichsten vatikanischen Behörden.
Nach vielen Bischofsernennungen stöhnten bisher meist Reformer und triumphierten Traditionalisten. Ärgernisse weltweit.
Offen gesagt: Ein Skandal ist es nicht, dass in dem Gremium, das Bischöfe auswählt, bisweilen falsche Männer sitzen, sondern dass es dieses überhaupt gibt.
Von der Zeit der Apostel an wählten die jeweiligen Gemeinden ihre Bischöfe selbst. Niemand durfte ihnen dreinreden, was Konzile verbrieften. Einen päpstlichen Hof, der das beansprucht hätte, gab es auch nicht.
Reform wäre, zur alten Tradition zurückzukehren.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Gen 18, 20-32

Herr, zürne doch nicht, wenn ich mit dir rede

In jenen Tagen sprach der Herr zu Abraham: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer. Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen. Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu.
Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn. Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort? Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten? Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde. Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun. Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten. Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

 

Zweite Lesung:   Kol 2, 12-14

Gott hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und euch alle Sünden vergeben

Schwestern und Brüder!
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

 

Evangelium:   Lk 11, 1-13

Bittet, dann wird euch gegeben

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

 

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Ein Gott, der retten will

Die Menschen klagen zu Gott über die Bosheit, die sie in Sodom erleiden und flehen Gott an, einzugreifen und dem Spuk ein Ende zu setzen. Da legt Abraham Fürbitte ein, Gott möge die Unschuldigen verschonen vor der Strafe. Um ihretwillen soll er die Stadt verschonen. Er appelliert an Gottes Gerechtigkeit und gleichzeitig an Gottes Erbarmen. Wie ein Händler auf dem Basar feilscht er mit Gott um sein Erbarmen. Und Gott geht auf den Handel ein. Aber es gibt keine zehn Gerechten in Sodom und so wird die Stadt untergehen.
Es lohnt sich, Gottes Gesetze zu halten und sie zu befolgen. Denn die Taten der Gerechten haben viel größeres Gewicht in Gottes Augen, als die der Bösen. Denn Gott ist ein Gott des Erbarmens. Ein Gott, der um die Schwäche der Menschen weiß. Ein Gott, der retten will.
Gott ist unser Vater. Und unsere Mutter. Wir können uns vertrauensvoll an Gott wenden mit unserer Sehnsucht und unseren Sorgen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott uns gibt, was wir brauchen, um unsere Bestimmung als Kinder Gottes zu erfüllen.
Wer Gott wirklich sucht, mit offenem Herzen, der wird Gott finden. Gott drängt sich nicht auf. Gott will, dass wir uns frei entscheiden für Gottes Liebe und für Gottes Erbarmen. Dazu gehört aber eben auch, dass wir selbst Erbarmen üben. Dass wir geben, wenn wir darum gebeten werden. Dass wir öffnen, wenn angeklopft wird. Denn so wie wir angeschaut werden wollen von Gott, so sollen wir unseren Nächsten anschauen.

 

Information

Papst bekommt erstmals auch eine Sprecherin

Der 73-jährige italienische Jesuitenpater Federico Lombardi geht als Papstsprecher in Pension. Benedikt XVI. hatte ihn im Juli 2006 zum Leiter des vatikanischen Presseamtes berufen. Sein Nachfolger wird am 1. August sein bisheriger Stellvertreter, der 56-jährige US-Amerikaner Greg Burke. Das Opus Dei-Mitglied ist der erste Vatikansprecher aus dem angelsächsischen Raum.

Der jungenhaft wirkende Burke gilt als umgänglicher, bodenständiger und humorvoller Typ, kompetent und äußerst eloquent.
Zur Seite steht Burke künftig erstmals in der Geschichte des Presseamtes eine Frau: die 40 Jahre alte spanische Hörfunk-Journalistin Paloma Garcia Ovejero. Sie war seit 1998 Redakteurin, Moderatorin und später Chefredakteurin des spanischen katholischen Radiosenders „Cadena Cope“, der zu den meistgehörten des Landes zählt.

vatikan
Greg Burke und Paloma Garcia Ovejero.

Burke wertete seine eigene und die Berufung seiner Kollegin als Ausdruck einer Internationalisierung des Vatikan. Spanisch und Englisch seien in der katholischen Kirche heute unentbehrlich. Ovejero spricht auch Chinesisch.

„Papst will Freimut“
Über ihr erstes Arbeitstreffen bei Papst Franziskus gemeinsam mit ihrem „Chef“ Greg Burke hat Paloma Garcia Ovejero in einem Interview mit „Radio Vatikan“ berichtet: „Franziskus ist sehr bewusst, dass Kommunikation einer der Pfeiler des Pontifikats und auch der Kirche ist. Er hat uns um Ausgeglichenheit, Treue und Klarheit gebeten, auch ihm gegenüber.“ Ihr sei dabei ein Leitwort in den Sinn gekommen, das der Papst auch bei der Familiensynode im Oktober verwendete: „Parresia, Freimut. Ich glaube, das ist es, was er sich von uns erwartet. Dieser Freimut, um den er auf der Synode auch die Bischöfe gebeten hat.“

„Frauen waren die ersten“
Gegenüber CNA sagte Ovejero: „Gut, ich bin die erste Frau. Aber ist nicht Maria die erste Frau in der Kirche. Und waren es nicht Frauen, die als erste gelaufen sind, um die Auferstehung zu verkünden? So scheint meine Berufung ganz natürlich zu sein. Wir lieben es, große Neuigkeiten zu verkünden.”

Tschechien: Die Kluft zwischen dem Theologen Halik und Kardinal Duka wird immer größer

In der anhaltenden Kontroverse zwischen Tomas Halik und Kardinal Dominik Duka hat der Priester und Soziologe den Prager Erzbischof nun erneut scharf kritisiert.

Man habe völlig unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft sowie zu aktuellen Weltproblemen, sagte der bekannte tschechische Intellektuelle in einem Zeitungsinterview. Duka warf er darin unter anderem eine zu große Annäherung an die Spitzenpolitik vor.


Professor Tomas Halik.

kardinal duka dominik
Kardinal Dominik Duka.

Lange habe er geglaubt, der Kardinal und er würden einander ergänzen, schilderte der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie und Soziologieprofessor an der Prager Karlsuniversität. Duka würde sich „um ein diplomatisches Entgegenkommen zu den Machtinhabern bemühen“ und ihm selbst würde die „undankbare kritisch-prophetische Rolle in der Beziehung zu den Mächtigen obliegen“. Jetzt aber, sagte Halik in dem Interview mit der Tageszeitung „Lidove noviny“, sei ihm klar geworden, dass der Unterschied der beiden Konzeptionen größer sei, als er bisher angenommen habe.
„Politik“ und „Geschichte“ seien die beiden Steckenpferde Dukas, sagte Halik. Nach seiner Ansicht habe der Prager Erzbischof jedoch in beiden „seine ideologischen Schemata“, und die „allzu große Verliebtheit in die Vergangenheit“ erschwere ihm die „Wahrnehmung des Wandels des gesellschaftlich-kulturellen Zusammenhangs“. Was früher „natürlicher Ausdruck der Stellung der Kirche“ gewesen sei, werde heute „zu nostalgischer Folklore am Rande der  Lächerlichkeit“, meinte Halik wörtlich. Kritisiere er den Kardinal etwa dafür, dass dieser im Zuge der traditionellen Johannes-von-Nepomuk-Feierlichkeiten in einer goldenen Kutsche durch Prag fahre, halte ihm Duka entgegen: „Du hast das Barock nicht gern.“

Zu nahe an der Macht
Mit Papst Franziskus beginne „ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte“, diese Entwicklung sei „nicht mehr aufzuhalten“, setzte Halik fort. Kardinal Duka vertrete eher eine „extrinsische Religion“, die den Glauben „als Mittel zu etwas anderem benützt, etwa zur Stabilisierung der Gesellschaft und Aufrechterhaltung einer konkreten Gesellschaftsordnung“, der Papst hingegen eher „eine intrinsische Auffassung, die sich auf den ethischen und spirituellen Glaubensinhalt konzentriert“. Ihm selber, so der Theo-loge, stehe am nächsten ein dritter Glaubenstyp: „eine dynamische Wegsuche, die die offenen Fragen und Paradoxe des Lebens erträgt und mit dem Geheimnis zu leben versteht“.
Scharf kritisiert der tschechische Intellektuelle auch die Nähe seines kirchlichen Vorgesetzten zur Macht. Dukas Entgegenkommen gegenüber Staatspräsident Milos Zeman könne „der Kirche zwar zwei Gebäude auf der Burg einbringen“, spielte Halik auf die jüngst erfolgte Rückgabe zweier in der kommunistischen Ära enteigneter Immobilien auf der Prager Burg an.
Die Gebäude könnten jedoch „abermals verstaatlicht werden und die Verluste, die diese Anhänglichkeit an die Macht für die Glaubwürdigkeit der Kirche“ bedeute, seien „unverhältnismäßig größer“, warnte Halik.

Verunglimpfung des Westens
Generell werde Zeman mit seiner Politik, die sich verstärkt den Ländern im Osten zuwende, zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko, so der Intellektuelle. „Tschechentum ohne bewusstes Europäertum“ sei „muffiger Provinzialismus“ und „Isolierung vom Westen und den Herzländern der Union“ wäre für die Tschechen „politischer und kultureller Selbstmord“, sagte Halik.
Das Russland von heute sei „noch gefährlicher als jenes Breschnjews“, meinte er. Am meisten störe ihn „Putins zynischer Missbrauch des Christentums und der orthodoxen Kirche“.
Leider finde die „demagogische Verunglimpfung des verdorbenen Westens auch in gewissen katholischen Kreisen bei uns und in der Slowakei ihren Widerhall“, kritisierte Halik. Diese wiederholten nur, „was einst die kommunistische Propaganda behauptet hat“.
Anlass des bereits Mitte Juni geführten, aber erst jetzt veröffentlichten Interviews waren die Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Oxford an Tomas Halik sowie die Eröffnung des von ihm geleiteten „Zentrums für politische Philosophie, Ethik und Religion“ in Prag.
Nach den Staatspräsidenten Tomas Masaryk (1850-1937), Edvard Benes (1884-1948) und Vaclav Havel (1936-2011) ist Halik erst der vierte Tscheche, der in Oxford mit einem Ehrendoktorat ausgezeichnet wurde.

Pakistans „Vater Teresa“ ist tot

Der wohl bedeutendste caritative Aktivist Pakistans, Abdul Sattar Edhi, wurde am 9. Juli  in Karachi mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt.

Unter den Tausenden Pakistanern, die dem immens populären Edhi das letzte Geleit gaben, waren die Spitzen der pakistanischen Politik und des Militärs, wie pakistanische Medien berichteten. Edhi ist der erste Pakistaner, dem seit dem Tod des Juntachefs General Zia-ul Haq im Jahr 1988 die Ehre eines Staatsbegräbnisses zuteil wurde.

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Abdul Satter Edhi.

In einem Nachruf der Onlineausgabe der pakistanischen Tageszeitung „The Tribune Express“ hieß es, Edhis humanitäres Engagement habe die in Pakistan oft scheinbar unüberwindbaren religiösen und ethnischen Barrieren überwunden. Das habe dem gläubigen Muslim aber auch die Feindschaft islamischer Hardliner eingebracht, die ihn als „Ungläubigen“ und seine Arbeit als „unislamisch“ gebrandmarkt hätten. Seinen islamistischen Feinden habe Edhi jedoch entgegengehalten: „Keine Religion ist größer als die Menschlichkeit.“
Abdul Sattar Edhis 1951 gegründete Edhi-Foundation gilt als größter Wohlfahrtsverband Pakistans in privater Trägerschaft. Die Stiftung verfügt über Krankenhäuser, Kinderheime, Frauenhäuser, Behinderteneinrichtungen, mobile Apotheken, Krankenwagen und Rettungshubschrauber. Edhi galt auch als Pakistans „Vater Teresa“ – in Anspielung auf Mutter Teresa von Kalkutta.

Pfarre ermöglichte 50 Kindern Lernpatenschaften

Er gilt als Vorzeigeprojekt: Der Verein LEILA („Lernen Engagiert International – LernpatInnen Amstetten“) ermöglicht in Amstetten (NÖ) in Zusammenarbeit mit der Pfarre Herz Jesu 50 Flüchtlingskindern und anderen Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache eine Lernpatenschaft.

Mit einem großen Fest im Pfarrgarten wurde jüngst das Schuljahr beendet, wie die Diözese St. Pölten berichtete. Als Sponsor des Projekts trat auch das diözesane Seitenstettner Jugendhaus Schacherhof in Erscheinung: Der Reinerlös des dort produzierten und aufgeführten Musicals „Jesus Christ Superstar“ wurde den LEILA-Aktivitäten gewidmet.

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Pfarrer P. Franz Schwarzl und MitarbeiterInnen des Vereins LEILA mit ihren Flüchtlingskindern.
Foto: Wolfgang Zarl.

Im Schuljahr 2015/2016 betreuten 40 Lernpatinnen und Lernpaten einmal mal pro Woche für zwei Stunden über 50 Kinder in den Räumlichkeiten der Pfarre und leisteten damit ehrenamtlich insgesamt über 2.500 Arbeitsstunden, berichtete Monika Distelberger von LEILA. Die Lernpaten übernehmen ihre Aufgabe für ein Jahr und treffen sich einmal wöchentlich für zwei Stunden mit einem Kind. Als Mentoren ist es ihr Anliegen, auf die Interessen und Bedürfnisse des jeweiligen Kindes einzugehen, Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern. Neben dem Lernen steht Beziehungsarbeit im Mittelpunkt, das Kennenlernen verschiedener Kulturen, der Abbau von Angst und Unsicherheit. Der Verein hofft aufgrund des großen Bedarfs auf weitere Freiwillige im kommenden Schuljahr.