Inhalt der gedruckten Ausgabe 29/2017

Leitartikel

Favorit und Einheimischer

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Information

Benediktiner-Mönch und Autor Anselm Grün lädt auch Protestanten zur Kommunion ein

„Die Spaltung der Christenheit spricht gegen die Wirksamkeit der Botschaft Jesu“, schreibt P. Anselm Grün in der Juli-Ausgabe des Münsterschwarzacher „Ruf in die Zeit“. Daher lädt der 72-jährige Benediktinermönch und Bestseller-Autor auch Protestanten ein, zur Kommunion zu gehen.

Ex-Glaubenspräfekt Müller kritisiert Papst scharf:
„Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren“

Die fünfjährige Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der Glaubenskongregation wurde am 2. Juli von Papst Franziskus nicht verlängert.

Jugendsynode: Fragebogen ab sofort auch auf Deutsch online

Endlich: Ab sofort ist die offizielle deutschsprachige Fassung des Fragebogens zur Bischofssynode 2018 online. Er wendet sich an alle jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren. Bis zum 30. November 2017 kann man sich an der Umfrage des Vatikans beteiligen.

Schuldspruch nach Brandstiftung im Benediktinerkloster Tabgha

Rund zwei Jahre nach dem Brand im deutschen Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth ist am Montag ein jüdischer Israeli vor dem Bezirksgericht in Nazareth der Brandstiftung schuldig gesprochen worden.

Zsifkovics: Priester sind besser als James Bond

Priester sind wie James Bond, haben aber einen „noch besseren, wenn auch nicht immer leichteren und populäreren Weg“ gewählt als der Serienheld.

Neuer Präfekt  der Glaubenskongregation ist ein Mann der Mitte

Der aus Spanien stammende Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer ist am 1. Juli von Papst Franziskus zum neuen Präfekten der Römischen Glaubenskongregation ernannt worden.

Priester und Laien protestieren gegen indonesischen Bischof

Auf der Insel Flores in Indonesien rebellieren Laien und Priester gegen Bischof Hubertus Leteng. Sie werfen dem Bischof der Diözese Ruteng Amtsmissbrauch und Unterschlagung vor, wie die regionale katholische Presseagentur UCA-News am Montag berichtete.

Türkei: Vorläufiger Rückzieher bei Konfiskation von 50 Kirchen

Die türkische Regierung hat ihre Entscheidung zurückgenommen, die Eigentumsrechte an 50 Kirchen und Klöster der syrischen Tradition im Gebiet von Mardin im Zusammenhang mit der Munizipalreform an das „Diyanet“ (die im Prinzip nur für den islamisch-sunnitischen Kultus zuständige Religionsbehörde) zu übertragen.

Ambrosianischer Ritus

Der Ambrosianische Ritus ist ein liturgischer Ritus, der im größten Teil der Kirchenprovinz Mailand, in einigen angrenzenden Gebieten und in ungefähr fünfzig Pfarren des Bistums Lugano (Schweiz) noch heute neben dem römischen Ritus verwendet wird. Er wird auf den Hl. Ambrosius zurückgeführt.

Bischof Scheuer legt nach 12 Jahren Pax Christi-Vorsitz zurück

Die Friedensbewegung Pax Christi Österreich hat den Rücktritt ihres Präsidenten Bischof Manfred Scheuer bedauert und ihm für seinen zwölfjährige Vorsitz gedankt.

Kardinal Joachim Meisner gestorben

Kardinal Joachim Meisner ist während seines Urlaubs in Bad Füssing (Bayern) „friedlich eingeschlafen“. Meisner wurde 83 Jahre alt und stand von 1989 bis 2014 an der Spitze der Erzdiözese Köln. Zuvor war er von 1980 bis 1989 Bischof von Berlin und von 1982 bis 1989 Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz.

Nigeria: Innerkirchlicher Konflikt geht trotz Papstappell weiter

Auch nach dem Papstappell an die Katholiken in Ahiara (Nigeria) halten die Spannungen um die Leitung der dortigen Diözese an.

Ungarn verstärkt Hilfe für Christen in Libanon, Syrien und Irak

Der ungarische Vizestaatssekretär für die Hilfe an verfolgte Christen, Tamas Török, besucht derzeit den Libanon. Er wurde vom syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Mar Ignatius Aphrem II., im Kloster Ajaltoun im Libanon empfangen, wo Flüchtlinge aus Syrien beherbergt werden.

Linz: Begeisternde Uraufführung von „Der Fall Gruber“

Minutenlange Standing Ovations sowie begeisterte Kritiken hat das Stück über jenen Linzer Priester erhalten, der als Reformpädagoge Konflikte mit der staatlichen und kirchlichen Obrigkeit einging und 1944 als Widerstandskämpfer vom NS-Regime ermordet wurde.

Tschechischer Theologe kritisiert Flüchtlingspolitik und Kirche

Der tschechische Theologe und Soziologe Tomas Halik hält die restriktive Flüchtlingspolitik der Prager Regierung für eine „Verleugnung des Evangeliums“.

Kardinal-König-Gespräch 2017 über „Mensch und Schöpfung“

Der Mensch und die Schöpfung stehen heuer im Mittelpunkt des 10. „Kardinal-König-Gesprächs“ am 26. und 27. August in Kirchberg an der Pielach in Niederösterreich. Hauptreferent ist der langjährige Sekretär von Kardinal Franz König und nunmehrige Leiter des „Kardinal-König-Archivs“, der Theologe und Mediziner Prof. Johannes Huber.

Mossul: Syrisch-orthodoxe Thomaskirche äußerlich unbeschädigt

In Mossul ist die syrisch-orthodoxe Thomaskirche wie durch ein Wunder erhalten geblieben. Dies berichtet die römische katholische Nachrichtenagentur „AsiaNews“ unter Berufung auf die Gruppe „Monuments of Mosul in Danger“.

Armenpfarrer Pucher erfreut über Bettelverbots-Aufhebung

Erfreut über die Aufhebung des sektoralen Bettelverbots hat sich der Lazaristenpater Wolfgang Pucher geäußert.

Spendenrekord beim katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“

Das internationale katholische Hilfswerk für verfolgte und bedrohte Christen „Kirche in Not“ kann mit rund 130 Millionen Euro erneut einen Spendenrekord verbuchen.

Leitartikel

Favorit und Einheimischer

Papst Franziskus hat am 7. Juli den Mailänder Weihbischof und Generalvikar Mario Enrico Delpini (66) zum neuen Erzbischof der lombardischen Diözese ernannt.
Die Erzdiözese Mailand zeichnen Besonderheiten aus: Mit fünf Millionen Katholiken ist sie größte Diözese Italiens und Europas. In weiten Teilen der Diözese wird neben dem Römischen Ritus auch der Ambrosianische Ritus verwendet. (Siehe Seite 3!)
42 ihrer Bischöfe werden als Heilige verehrt, darunter Ambrosius, einer der vier abendländischen Kirchenväter, und Karl Borromäus. Im 20. Jahrhundert wurden zwei Erzbischöfe zu Päpsten gewählt: 1922 Achille Ratti (Pius XI.) und 1963 Giovanni Battista Montini (Paul VI.).
Bei der jetzigen Neubestellung stechen zwei Infos hervor:
„Delpini gilt als spiritueller Mensch mit bescheidenem Auftreten und als bildreicher Prediger. Eine interne Sondierung in der Erzdiözese Mailand hatte ihn als Favoriten bezeichnet; Papst Franziskus war dieser Empfehlung gefolgt.“
Und: „Anders als seine Vorgänger aus den letzten Jahrzehnten hat Delpini sein gesamtes Priesterleben in der Erzdiözese Mailand verbracht.“
Kommen diese Voraussetzungen auch bei den nächsten Bischofsernennungen in Österreich zur Anwendung?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 55, 10-11

Wie der Regen die Erde zum Keimen und Sprossen bringt, so bewirkt mein Wort, was ich will

So spricht der Herr: Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.

 

Zweite Lesung:   Röm 8, 18-23

Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes

Schwestern und Brüder!
Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

 

Evangelium:   Mt 13, 1-23

Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!
Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du ihnen in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen. An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden, und mit ihren Ohren hören sie nur schwer, und ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, damit sie mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile. Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen. Auf felsigen Boden ist der Samen gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall. In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht. Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

 

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Die Dankbarkeit für alles Leben vertiefen

Urlaubszeit, Reisezeit. Island oder Südafrika, die Dolomiten oder eine Trekkingtour durch Nepal.
Voller Wunder ist unsere Erde, Schönheit, die sprachlos macht. Zugleich ist die Natur voller Gefahr und Tod. Wie in einer „Universum“-Sendung im Fernsehen bewundern wir  die Vielfalt  und den Ideenreichtum der Schöpfung; sehen aber gleich auch das Fressen und Gefressenwerden. Sogar im Gleichnis Jesu verdorren die Pflanzen in der Sonne und ersticken unter den Dornen, „der Vergänglichkeit unterworfen“.
Da fasziniert mich die Vision des Paulus. Wohl von der Auferstehung Jesu her deutet er unsere Zeit als Geburtswehen der Befreiung. Der Geist Gottes, der uns befreit zum Glauben und Lieben, der wird die ganze Schöpfung befreien aus ihrer Verlorenheit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Urlaub, Reisezeit. Im Sinne dieser Hoffnung sollte der Blick über  Wiesen und Äcker oder auf den Himalaya unsere Freude an all dem Schönen stärken, unsere Dankbarkeit für alles Leben und Gedeihen vertiefen und vor allem Mut machen, tagtäglich alle Formen von Knechtschaft  der Vergänglichkeit zu bekämpfen. Unsere Hoffnung und ein tätiger Glaube lassen uns heute schon Gott loben in Sehnsucht und Vorfreude auf die endgültige Befreiung aller Geschöpfe.

 

Information

Benediktiner-Mönch und Autor Anselm Grün lädt auch Protestanten zur Kommunion ein

„Die Spaltung der Christenheit spricht gegen die Wirksamkeit der Botschaft Jesu“, schreibt P. Anselm Grün in der Juli-Ausgabe des Münsterschwarzacher „Ruf in die Zeit“. Daher lädt der 72-jährige Benediktinermönch und Bestseller-Autor auch Protestanten ein, zur Kommunion zu gehen.

„Wenn ich im Gästehaus unserer Abtei in Münsterschwarzach Kurse gebe, lade ich immer alle ausdrücklich ein, zur Kommunion zu gehen, weil manche evangelische Christen sich nicht trauen“, sagte er am 6. Juli dem Internetportal katholisch.de in Bonn.


P. Anselm Grün.

Glaube an Präsenz Jesu
Wichtig sei der Glaube, dass Jesus in der Hostie präsent ist, fügte der katholische Priester hinzu. „Ist dies gegeben, spricht nichts gegen ein gemeinsames Abendmahl.“
Die katholische Kirche lehnt eine Abendmahlsgemeinschaft mit Protestanten derzeit ab, weil es unterschiedliche Lehrauffassungen dazu gibt.
Zur Kommunion sind daher in der Regel nur Katholiken sowie Mitglieder der unierten orientalischen Kirchen zugelassen.
Katholiken ist Teilnahme an protestantischen Abendmahlsfeiern untersagt.

Friedlich miteinander leben
In der Ökumene gehe es heute nicht mehr darum, alle in die katholische Kirche zurückzuholen, sondern um die Suche des gemeinsamen Bandes, das alle verbindet, schreibt Grün in „Ruf in die Zeit“.
Wie in der katholischen Kirche verschiedene Spiritualitäten – benediktinische, franziskanische und ignatianische – friedlich miteinander leben, so können auch die in den unterschiedlichen Kirchen entstandenen Spiritualitäten „friedlich miteinander leben, voneinander lernen und gemeinsam auf Christus schauen.“

P. Anselm Grün…
…ist der meistgelesene christliche Autor der Gegenwart. Seine Bücher sind in 30 Sprachen übersetzt, Gesamtauflage: mehr als 15 Millionen. Jährlich hält er 200 Vorträge.
Nach seinem mit einer Dissertation über Karl Rahner abgeschlossenen Theologiestudium studierte er Betriebswirtschaft. Von 1977 bis 2013 war er Leiter der 20 Wirtschaftsbetriebe seines Klosters.
Zu seinem  Konvent gehören 115 Benediktiner, von denen etwa 80 in Münsterschwarzach und 35 in abhängigen Häusern des Klosters oder der Missionsarbeit weltweit wirken.

Neuer Präfekt  der Glaubenskongregation ist ein Mann der Mitte

Der aus Spanien stammende Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer ist am 1. Juli von Papst Franziskus zum neuen Präfekten der Römischen Glaubenskongregation ernannt worden.

Ladaria Ferrer, der wie Franziskus dem Jesuitenorden angehört, wurde 2008 von Papst Benedikt XVI. zum Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation ernannt. Damit war er zweiter Mann nach dem Präfekten der Behörde und in den vergangenen Jahren Kardinal Müllers wichtigster Mitarbeiter.
In dieser Funktion empfing er 2008 eine Delegation der österreichischen Pfarrer-Initiative.


Kurienerzbischof
Luis Francisco Ladaria Ferrer.

Gemäßigt konservativ
Als Sekretär hatte er die Aufgabe, die tägliche Arbeit der Glaubenskongregation zu koordinieren.
Ladaria hingegen ist bislang nicht als ausgesprochener Franziskus-Mann in Erscheinung getreten. Er gilt als gemäßigt konservativ und sieht sich selbst als Mann der Mitte. In einem Interview sagte er 2008, er liebe keine Extreme – weder progressiver noch traditionalistischer Art. „Ich glaube, dass es da einen Mittelweg gibt, nämlich den, den der Großteil der Theologieprofessoren hier in Rom und die Kirche allgemein eingeschlagen haben“.

Studium in Deutschland
Der neue Präfekt wurde  1944 in Manacor (Mallorca) geboren und trat nach einer Universitätsausbildung als Jurist 1966 bei den Jesuiten ein. Sein Philosophie- und Theologiestudium absolvierte Ladaria Ferrer an der Päpstlichen Universität Comillas und an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. 1975 erwarb er einen theo-logischen Doktortitel in Rom.
Mit dem Namen Ladaria ist auch ein Projekt verbunden, auf dem unter Katholiken im deutschsprachigen Raum große Hoffnungen ruhen: Er leitet die von Franziskus 2016 eingerichtete Kommission zum Frauendiakonat. Das Gremium soll die Rolle von Diako-ninnen in der frühen Kirche erforschen. Das Ergebnis dürfte großen Einfluss darauf haben, ob Franziskus für Frauen einen Weg zum Diakonat öffnet.

Linz: Begeisternde Uraufführung von „Der Fall Gruber“

Minutenlange Standing Ovations sowie begeisterte Kritiken hat das Stück über jenen Linzer Priester erhalten, der als Reformpädagoge Konflikte mit der staatlichen und kirchlichen Obrigkeit einging und 1944 als Widerstandskämpfer vom NS-Regime ermordet wurde.

„Der Fall Gruber“ feierte am Wochenende in zwei ausverkauften Vorstellungen im leergeräumten Linzer Mariendom seine Uraufführung – und geht nun auf Tournee: Für das speziell für Kirchenräume konzipierte Gastspiel sind bisher bereits Termine in Vöcklabruck (21. September), Schwanenstadt (22. Oktober) und St. Georgen an der Gusen (9. November) fixiert.
Der Dreiakter aus der Feder des Autors Thomas Baum skizziert Johann Gruber (1889-1944) als Direktor des Linzer Blindeninstituts, als Angeklagten vor einem NS-Gericht und als Häftling im KZ Gusen. Inszeniert wurde das Auftragswerk des Vereins „Plattform Johann Gruber“ und vom „Papa-Gruber-Kreis“ in St. Georgen von Franz Froschauer, der selbst in die Rolle Grubers schlüpfte, zur Musik von Peter Androsch und unter Dramaturgie von Franz Huber.

Priester, Lehrer, KZ-Häftling
Johann Gruber wurde in Tegernbach (Bezirk Grieskirchen) als ältestes von vier Kindern geboren und verlor früh seine Eltern.
Nach Besuch des Linzer Gymnasiums Petrinum wurde er Priester und nach Kaplansjahren 1934 Direktor der Linzer Blindenanstalt, wobei er eine eigene Reformpädagogik entwickelte, in deren Mittelpunkt das Glück des Kindes stand. Er sprach sich gegen den Anschluss aus, nahm heftige Konflikte mit dem Kreuzschwestern-Orden und mit nationalsozialistischen Lehrern auf sich, wurde 1938 wegen eines angeblichen Sittlichkeitsdelikts denunziert, von der Gestapo festgenommen, kam ins KZ Dachau und schließlich ins KZ Gusen.

Helfer im KZ
Im Konzentrationslager war „Papa Gruber“ in der Krankenbaracke tätig und baute dabei ein regelrechtes Hilfswerk auf, indem er u.a. notleidende Mithäftlinge mit der „Gruber-Suppe“, Kleidung und Informationen über die Kriegslage versorgte und durch Organisation inhaftierter Lehrer sogar eine geheime KZ-Schule für Lagerkinder auf die Beine stellte.
Schilderungen Überlebender zufolge rettete er vielen Menschen in Gusen das Leben und galt als „Engel in der Hölle“. Grubers Netzwerk flog jedoch auf und er wurde nach tagelangem Verhör und Folter am 7. April 1944 – einem Karfreitag – grausam ermordet. In der Nachkriegszeit geriet Gruber weitgehend in Vergessenheit. Erst am 7. Jänner 2016 wurde er vom Strafgericht Wien vollständig rehabilitiert.
(Infos: www.johann-gruber.at)

Kardinal-König-Gespräch 2017 über „Mensch und Schöpfung“

Der Mensch und die Schöpfung stehen heuer im Mittelpunkt des 10. „Kardinal-König-Gesprächs“ am 26. und 27. August in Kirchberg an der Pielach in Niederösterreich. Hauptreferent ist der langjährige Sekretär von Kardinal Franz König und nunmehrige Leiter des „Kardinal-König-Archivs“, der Theologe und Mediziner Prof. Johannes Huber.

Huber ist Autor zahlreicher Publikationen aus seinen Forschungsgebieten, u.a. der Epigenetik. Sein letztes Buch „Es existiert“ befand sich über mehrere Wochen hinweg auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten der Sachbücher der österreichischen Medien. Huber wird zum Thema „Was geschah mit dem Schöpfer im 20. Jahrhundert“ sprechen.
Hubers Buch baue in vielerlei Hinsicht auf den Prinzipien von Kardinal Franz König auf, dessen Sekretär er einst war, wird Annemarie Fenzl, langjährige Mitarbeiterin Königs und nunmehr Generalsekretärin der „Kardinal-König-Stiftung“, zitiert. „Furche“-Herausgeber Heinz Nußbaumer würdigte Huber für seine Stellung als über Österreich hinaus bekannten Arzt und Theologen zugleich. „Es gibt kaum eine Zukunftsfrage, für die Johannes Huber nicht zuständig ist; von der Gentechnologie bis zur künstlichen Befruchtung und vieles mehr.“

„Kardinal-König-Förderpreis“ an fünf Theologinnen
Im Geist der interreligiösen Dialogbemühungen von Kardinal König wurde kürzlich bei einem Festakt im Wiener „Kardinal-König-Archiv“ der erste „Kardinal-König-Förderpreis“ an fünf junge Theologinnen vergeben. Judith Strauss (Evangelisch-Theologische Fakultät), Helene Wahl (Katholisch-Theologische Fakultät), Sarah Egger (Generalsekretärin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit), Denise Landau (Judaistik) und Sarah Abou El-Regal (Islamische Religionspädagogik) erhielten die Auszeichnung. Alle fünf gehören der Gruppe „Students for interreligious dialogue“ an.


Vorbereitungstreffen für das Kardinal-König-Gespräch 2017: v.l.n.r.:Gerhard Hackner, Gottfried Auer, Annemarie Fenzl, Johannes Huber, Prof. Heinz Nußbaumer, Monika Gansch, Susanna Sunk, Gabriele Lisak und Kirchbergs Vize-Bürgermeister Franz Singer.
Foto: Wolfgang Zarl.