Inhalt der gedruckten Ausgabe 28/2017

Leitartikel

Eh alles möglich

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Information

Papst beurlaubt Finanz-Chef des Vatikans und setzt den Präfekten der Glaubenskongregation ab

Papst Franziskus hat die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller (69) überraschend nicht verlängert. Sie endete nach fünf Jahren am 2. Juli. Kurz zuvor beurlaubte er den unter Missbrauchsverdacht stehenden Kurienkardinal George Pell von seinem Amt als Finanzchef des Vatikan.

US-Reform-Priester tagten vier Tage mit drei Bischöfen
„Kampf um die Seele Amerikas, auch des US-Katholizismus“

Über 175 der 1.200 Mitglied zählenden „Association of US Catholic Priests” (AUSCP) kamen zur 6. Jahresversammlung nach Atlanta. Thema der vom 19. bis 22 Juni anberaumten Tagung war: „Friedenstiften in einer zerrissenen Gesellschaft”.

Irland: Aktive Reform-Priester

Die Reform-orientierte irische „Association of catholic priests“ veranstaltet für ihre Mitglieder regelmäßig Regionaltreffen. An den drei letzten Veranstaltungen Ende Mai und Anfang Juni haben 91 Priester teilgenommen.

Ein Drittel der Australier konfessionslos

Zum ersten Mal hat die Anzahl der Australier, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, alle anderen Religionsgruppen übertroffen.

Armee: Philippinische Islamisten enthaupten christliche Geiseln

Islamistische Terrormilizen auf der philippinischen Insel Mindanao sollen einige ihrer christlichen Geiseln enthauptet haben. Das sagte am Montag ein Armeesprecher in der Stadt Marawi philippinischen Medien.

Abtreibungsstatistik: Aktion Leben hofft auf „freies Kräftespiel“

Das „freie Spiel der Kräfte“, das nach dem Ausrufen der vorzeitigen Neuwahlen für Herbst im Parlament nun herrscht, sollte für die Einführung einer anonymen Statistik über Schwangerschaftsabbrüche und wissenschaftlicher Motivenerforschung genutzt werden: Das hat die „Aktion Leben“ in einer Aussendung gefordert.

Russland: 1.600 orthodoxe Männer traten ins Priesterseminar ein

In der russisch-orthodoxen Kirche nimmt die Zahl der Priesteramtskandidaten stark zu.

Papst nimmt sich 90 Minuten Zeit für geschiedene Frauen

Papst Franziskus hat sich den oft schwierigen Alltag von Frauen nach einer Ehescheidung oder Trennung schildern lassen. Am Mittwoch empfing er im Vatikan eine Gruppe spanischer Katholi-kinnen aus der Erzdiözese Toledo, deren Ehen gescheitert sind.

Deutscher Bundestag votiert für Homo-Ehe

Homosexuelle Paare in Deutschland können künftig die Ehe schließen. Das entschied der Bundestag am 30. Juni in Berlin mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken und mehreren Unions-Abgeordneten. Die katholischen Bischöfe kritisierten die Entscheidung des Bundestags für eine „Ehe für alle“ scharf, die evangelische Kirchenführung warb für gesellschaftliche Versöhnung.

Kardinal setzt Wiener Pastoralrat aus

Kardinal Christoph Schönborn hat beschlossen, den Pastoralrat der Erzdiözese Wien bis auf weiteres auszusetzen und stattdessen das Gespräch mit den unterschiedlichen Ständen und Gruppen der Erzdiözese in anderen, teils schon bestehenden sowie neuen Formen zu führen.

Papst an neue Kardinäle: Großväter, keine Kirchenfürsten

Papst Franziskus hat am 28.Juni im Vatikan das vierte Konsistorium seines Pontifikats geleitet und fünf Kardinäle kreiert. Er forderte seine engsten Berater auf, immer die Realität der Notleidenden im Blick zu behalten und sich nicht als „Kirchenfürsten“ zu gerieren.

Dürre in Afrika: „Sterben die Tiere, sterben auch die Menschen“

„Es sind diejenigen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, die am meisten darunter leiden“.

Die Türkei enteignet massiv die syrische Kirche

Die Vertreter der südosttürkischen christlichen Diaspora in Deutschland sowie christdemokratische Politiker haben die Konfiszierung von Eigentum der syrisch-orthodoxen Minderheit in der Tur-Abdin-Region scharf kritisiert.

USA: Patriarch Sako gegen Ausweisung von irakischen Christen

Mit „Trauer und Sorge“ beobachtet die chaldäisch-katholische Kirche die Maßnahmen zur Ausweisung von 144 aus dem Irak stammenden Personen  – fast alles Christen – aus den USA.

EVP-Fraktionsvorsitzender Weber will aktivere Kirchen für Europa

Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, Manfred Weber, wünscht sich mehr Aktivität der Kirchen für Europa.

Aleppo: Projekt „Drop of Milk“ hilft 2.850 Kinder

Seit sechs Monaten wird in der syrischen Stadt Aleppo nicht mehr gekämpft, die Bewohner führen aber trotzdem einen täglichen Kampf ums Überleben. Darauf hat die Hilfsorganisation „Kirche in Not“ aufmerksam gemacht.

Sommertheater in Niederösterreich mit Jesus und Judas

Zwei Antagonisten der neutestamentlichen Heilsgeschichte – Jesus und Judas – stehen im Mittelpunkt zweier Produktionen im Rahmen des sommerlichen Theaterfestes Niederösterreich.

Litauen: Märtyrer-Bischof Matulionis wurde seliggesprochen

In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurde am 25. Juni der Märtyrer-Bischof Matulionis seliggesprochen. Er war eine Symbolfigur des Widerstands gegen das Sowjetregime.

Sohn von Polens Regierungschefin Szydlo feierte Primizmesse

Tymoteusz Szydlo (25), ältester Sohn von Polens Regierungschefin Beata Szydlo, hat am 26. Juni vor seinen Eltern und zehn polnischen Ministern seine erste Messe zelebriert.

Leitartikel

Eh alles möglich

Deutschland hat die „Ehe für alle“ beschlossen, inklusive Kinderadoption. Unter einer christdemokratischen Kanzlerin, kurz vor der Wahl. Den Meinugsumfragen entsprechend.
Bis vor nicht allzu langer Zeit waren die Menschen  in unseren Breiten der Auffassung, dass  unter dem Begriff Ehe eine Verbindung von Mann und Frau zu verstehen sei. Vorbei, vergessen?
In Zeiten von Verdrehungen und Verwirrungen – diese potenzieren sich in Vorwahlzeiten – ist offenkundig vielerorts Lotto-gemäß „eh alles möglich“.
In Zeiten von Samenspenden und Leihmutterschaften können in manchen Ländern alle zu Kindern kommen – ohne „Ehe für alle“, Frauen leichter als Männer. An die Kinder denkt niemand.
Jedes Kind hat einen leiblichen Vater und eine leibliche Mutter mit von ihnen vererbten Genen. Viele Kinder werden einmal Fragen stellen. Die Politiker werden sie nicht beantworten…
Im Islam dürfen Männer vier Frauen offiziell zur Ehe nehmen. Es gibt in Deutschland wohl beinahe soviele Muslime wie Schwule, wann wird ihnen Rechnung getragen?
In Kolumbien haben jüngst drei Männer die erste „Dreier-Ehe“ des Landes geschlossen und notariell beglaubigen lassen.
Inzwischen nimmt weltweit auch die Zahl jener zu, die sich selbst heiraten, besonders Frauen – mit Zeremonie und Ringüberreichung. Sologamie. Na, dann.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Sach 9, 9-10

Siehe, dein König kommt zu dir; er ist demütig

So spricht der Herr: Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde.

 

Zweite Lesung:   Röm 8, 9.11-13

Wenn ihr durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben

Schwestern und Brüder!
Ihr seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt. Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.

 

Evangelium:   Mt 11, 25-30

Ich bin gütig und von Herzen demütig

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Das Joch seines Friedens drückt nicht

Es gibt Kirchen, in denen mehrere Orgeln miteinander erklingen können; so die Franziskanerkirche in Salzburg mit deren drei. Die drei Texte für den 9. Juli erinnern mich daran; jeder einzelne ist voller Farbe und Klang, und zusammen ergeben sie eine berührende und begeisternde Botschaft.
Der Friedenskönig auf dem Esel; hier wird die Demut sichtbar, von der der Prophet Sacharja spricht.
Der Verzicht auf machtvolles Getue und prunkvollen Aufputz ermöglicht  ein Vertrauen und Umdenken, dem die Abrüstung der Streitwagen, Pferde und Bogen folgen kann. Dieser Friede wird nicht herrschen, sondern er reicht von Hand zu Hand, von Meer zu Meer.
Der Römerbrief  beschreibt im Kapitel 8 diese Wende: Wir müssen nicht nach dem ‚Fleisch‘ der Meinungsumfragen und Modetrends leben. Wir müssen nicht den Tod der Vorurteile und Verlustängste sterben. Der Geist des Auferstandenen wohnt in uns, durch’s Ohr ins Herz gedrungen, und befreit uns von Existenzängsten und Selbstmitleid zu Friedens-Boten und -Ermutigern.
Das ist noch nicht Realität, und doch schon Wirklichkeit; eschatologische Existenz. Einfacher gesagt: Jesus Christus legt uns, die wir uns mit Kirche und Welt  plagen, das Joch seines Friedens auf: Wir sollen den Karren also doch weiterbringen. Aber dieses Joch drückt nicht; denn unser guter Herr klopft zuerst die Steine und den Staub aus dem Fell. Damit wir losgehen, unbekümmert wie ein Fohlen, und jauchzen.

 

Information

Papst beurlaubt Finanz-Chef des Vatikans und setzt den Präfekten der Glaubenskongregation ab

Papst Franziskus hat die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller (69) überraschend nicht verlängert. Sie endete nach fünf Jahren am 2. Juli. Kurz zuvor beurlaubte er den unter Missbrauchsverdacht stehenden Kurienkardinal George Pell von seinem Amt als Finanzchef des Vatikan.

Müller ist noch von Benedikt XVI. 2012 in sein Amt berufen worden. Am 25. Mai kritisierte er in einem Fernseh-Interview, dass Franziskus drei seiner Mitarbeiter gegen dessen Willen entlassen hatte. Die Glaubenskongregation ist auch für Missbrauchsfälle zuständig.
Die Interpretation des Papstschreibens „Amoris laetitia“ entzweite Müller und Franziskus. Der Chef der Glaubenskongregation bestand darauf, dass wiederverheiratete Geschiedene nur zur Kommunion gehen dürfen, wenn sie sexuell enthaltsam leben, der Papst gestattete auch andere Auslegungen.
Zum neuen Chef der Glaubenskongregation ernannte der Papst den spanischen Jesuiten und  Kurienkardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer (73). Er ist seit 22 Jahren Berater der Glaubenskongregation.

Vorwürfe gegen Pell
Die australische Polizei hatte bekanntgegeben, ein Ermittlungsverfahren gegen Pell einzuleiten, bei dem es laut dem stellvertretenden Polizeipräsident des Bundesstaates Victoria, Shane Patton, um länger zurückliegende Missbrauchsvorwürfe geht. Es soll mehrere Kläger geben. Weitere Details nannte Patton nicht. Pell soll demnach am 18. Juli vor dem Amtsgericht in Melbourne erscheinen. Pell wies die Missbrauchsvorwürfe zurück. Der Kurienkardinal werde ab sofort nicht mehr an öffentlichen liturgischen Feiern teilnehmen, erklärte Vatikansprecher Greg Burke.

US-Reform-Priester tagten vier Tage mit drei Bischöfen
„Kampf um die Seele Amerikas, auch des US-Katholizismus“

Über 175 der 1.200 Mitglied zählenden „Association of US Catholic Priests” (AUSCP) kamen zur 6. Jahresversammlung nach Atlanta. Thema der vom 19. bis 22 Juni anberaumten Tagung war: „Friedenstiften in einer zerrissenen Gesellschaft”.

Auch drei Bischöfe nahmen daran teil, darunter Erzbischof John Wester von Santa Fe als „geistlicher Moderator“. Wester ist Mitglied des Komitees „Klerus, Orden und Priesterausbildung“ der US-Bischöfe.
Drei Ziele wurden angepeilt: Reform der Immigration und Priesterausbildung sowie Weihe verheirateter Männer.
Der erste Tag war der Einkehr und Besinnung gewidmet. Ihn gestaltete Bischof Gregory Hartmayer von Savannah.
Auf der Rednerliste standen prominente Persönlichkeiten. Erzbischof Wilton Gregory, von 2001 bis 2004 erster schwarzer Präsident der US-Bischofskonferenz, sprach über „Friede, nicht wie die Welt ihn gibt“. Er feierte mit den Teilnehmern auch eine hl. Messe.


Erzbischof
Wilton Gregory.

Erzbischof
John Wester.

Martin Luther Kings Vision
Jack Jezreel, Gründer der „Just-Faith Ministries” sprach über „Papst Franziskus und ein neues Paradigma für die Pfarren”. Er betonte das allgemeine Priestertum durch die Taufe. 50.000 Gläubige haben bisher an seinen Glaubens-Kursen an 1.500 Orten teilgenommen
Der Theologe P. Bryan Messingale, früherer Präsident der „Katholischen Theologischen Gesellschaft von Amerika“ und Berater der Bischofskonferenz, sprach über „Die Seele Amerikas retten, Martin Luther Kings Vision und die daraus resultierende Herausforderung für die US-Katholiken.”
Messingale: „Wir kämpfen um die Seele des US-Katholizismus.
Wir sprechen mehr über Religionsfreiheit als über Jesus Christus, mehr über Freiheit als über das Reich Gottes.
Wir müssen weniger über Katechismus und Kirchenrecht reden als über die frohmachende Weisheit leidenschaftlicher Liebe, wie sie in der ersten Enzyklika „Deus caritas est“ von Papst Benedikt XVI. zu finden ist.“


Tagung der US-Reform-Bewegung in Atlanta.

„Johannes XXIII.-Preis“
Zwei Priester zeichnete die Priestervereinigung mit dem „Papst Johannes XXIII.-Preis“ aus:
P. Bryan Massingale für seinen „unermüdlichen Einsatz für eine Welt, in der die Würde jeder Person respektiert wird“ und Richard Rento für seine „pastorale Weisheit“. Beide sind gefragte Buchautoren.
Massingale feiert monatlich eine Messe mit Schwulen und Lesben und tritt für deren volle Integration in die Kirche ein.
Die AUSCP wählte auch ihre Führung neu. Präsident wurde Bob Bonnot, sein Stellvertreter Kevin Clinton.
Bonnot bedauerte, dass viele neugeweihte Priester noch nicht im Sinn von Papst Franziskus´ Vision einer Kirche als „Feldspital” erzogen worden sind.

USA: Patriarch Sako gegen Ausweisung von irakischen Christen

Mit „Trauer und Sorge“ beobachtet die chaldäisch-katholische Kirche die Maßnahmen zur Ausweisung von 144 aus dem Irak stammenden Personen  – fast alles Christen – aus den USA.


Patriarch Louis Sako.

Patriarch Louis Sako erklärt sich solidarisch mit den Angehörigen der betroffenen irakischen Staatsbürger und wünscht sich von den US-Behörden eine „humanitäre Lösung“, wie er in einem Schreiben an den chaldäisch-katholischen Bischof Frank Kalabat, der die chaldäische Eparchie Detroit leitet, betont.
Unter den von ICE-Beamten (Immigration Customs Enforcement) festgenommenen Irakern sind nicht wenige Familienväter, die in den USA den Lebensunterhalt für ihre Familien verdienen. Viele der ausgewiesenen Iraker seien seit langem in den USA wohnhaft, und es bestehe keinerlei Verdacht gegen sie, der Sicherheitsmaßnahmen erforderlich mache, betonte der Patriarch laut katholischer Nachrichtenagentur „Fides“.
Dienst bei US-Streitkräften
Der Internet-Dienst „Baghdadhope“ berichtete, dass viele der von den ICE-Beamten Festgenommenen seit ihrer Kindheit in den USA leben, nicht arabisch sprechen und keine irakischen Personaldokumente haben. Einige hätten sogar bei den US-amerikanischen Streitkräften gedient.
Solche Christen in ein Land zu deportieren, in dem die Bürgerrechte der Angehörigen religiöser Minderheiten nicht gesichert sind, bedeute, diese Menschen einem gravierenden Risiko auszusetzen. Daher habe sich auch Bischof Kalabat für die Festgenommenen eingesetzt und Kontakt mit dem State Department und Parlamentariern in Washington aufgenommen.

Keine Verbindungen zum Irak
Der an der chaldäischen Patriarchalkurie in Bagdad tätige Bischof Basil Yaldo – der jahrelang als Seelsorger in Detroit war – stellte im Gespräch mit „Baghdadhope“ fest, Dutzende Familien hätten sich nach den Ereignissen des 11. Juni im Patriarchat gemeldet und um Intervention gebeten. Die Situation sei sehr schwierig. Unter den Festgenommenen seien solche, die keine Dokumente haben, weil sie schon vor Jahrzehnten illegal in die USA eingereist sind, andere seien nicht eingebürgert worden, weil sie sich etwas zuschulden kommen lassen hatten. Aber wenn man diese Menschen in den Irak deportiere, werde es große Probleme geben. Er kenne persönlich einen der Festgenommenen, einen 47-jährigen chaldäischen Katholiken, der seit 38 Jahren in den USA lebe und kein Arabisch spreche: „Wenn dieser Mann nach Bagdad kommt, ist er verloren.“ Viele der Betroffenen hätten mit dem Irak keinerlei Verbindungen.

Aleppo: Projekt „Drop of Milk“ hilft 2.850 Kinder

Seit sechs Monaten wird in der syrischen Stadt Aleppo nicht mehr gekämpft, die Bewohner führen aber trotzdem einen täglichen Kampf ums Überleben. Darauf hat die Hilfsorganisation „Kirche in Not“ aufmerksam gemacht.

„Kirche in Not“ unterstützt in Aleppo u.a. das Hilfsprojekt „Drop of Milk“ („Ein Tropfen Milch“). Dieses versorgt in der nordsyrischen Stadt rund 2.850 Kinder bzw. 1.500 Familien monatlich mit Milchpulver, um deren Ernährungslage zu verbessern.
Viele dieser Familien sind Binnenvertriebene aus anderen Teilen Syriens. „Kinder sind die Zukunft. Wir möchten ihnen helfen, damit sie gesund aufwachsen, auch wenn sie durch den Krieg ihre kindliche Unschuld verloren haben“, so der syrische Arzt Nabil Antaki, der das Projekt 2015 initiierte.
Die Hilfe kommt vor allem christlichen Familien zugute. Erreicht werden demnach so gut wie alle verbliebenen christlichen Kinder in der Stadt. „Die christliche Gemeinde wurde vom Krieg besonders betroffen. Vorher lebten 150.000 Christen in Aleppo. Zurzeit sind wir knapp 35.000“, so Antaki. „Kirche in Not“ hat die Finanzierung bis Juni 2018 zugesichert und stellt dafür rund 225.000 Euro zur Verfügung.


Mutter mit Kind in Aleppo.
Foto: Kirche in Not.

Für die Eltern wäre Milch für ihre Kinder nicht leistbar. Eine Dose Milch kostet 3.000 syrische Pfund, etwa 5 Euro. Das Durchschnittseinkommen beträgt aber nur 30.000 syrische Pfund, etwa 50 Euro, falls jemand überhaupt Arbeit hat.
In den vergangenen Monaten musste „Drop of milk“ immer mehr Kinder versorgen, berichtete Dr. Antaki. Das ist laut dem Arzt freilich nicht nur eine weitere Herausforderung, sondern auch ein Hoffnungszeichen: „Im letzten Monat haben wir 120 neue Kinder verzeichnet. Dies bedeutet, dass die Familien nach Aleppo zurückkehren – in einer solch kurzen Zeitspanne kann es nicht so viele Geburten gegeben haben.“
Wenn die Menschen zurückkehren und Unterstützung erfahren, könne man davon ausgehen, dass für die Christen in Aleppo noch Chancen bestehen, so der „Drop of Milk“-Gründer.