Inhalt der gedruckten Ausgabe 28/2016

Leitartikel

Briten werden zu Migranten

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Information

Neue Runde im Streit zwischen Rom und den US-Nonnen

Neue Runde in der Auseinandersetzung zwischen Rom und den US-Nonnen: Die Ordenskongregation hat 15 US-Frauengemeinschaften aufgefordert, nach der sechs Jahre dauernden Untersuchung der gesamten US-Frauenorden „einige Punkte” zu klären, berichtet „National Catholic Reporter” (NCR).

Pax Christi für Beendigung der EU-Sanktionen gegen Russland

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat die EU zu einer Beendigung der Sanktionen gegen Russland aufgerufen.

Papst Franziskus vergleicht Orthodoxe mit Babys

Papst Franziskus hat das „Heilige und Große Konzil“ der orthodoxen Kirche gewürdigt.

Spendenrekord beim katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“

Das internationale katholische Hilfswerk für verfolgte und bedrohte Christen „Kirche in Not“ kann erneut einen Spendenrekord verbuchen.

Papst: Kirche sollte sich bei Homosexuellen entschuldigen

Die katholische Kirche sollte sich nach Ansicht von Papst Franziskus für die Ausgrenzung von Homosexuellen entschuldigen.

Papst in Armenien auf Friedensmission

Drei Tage war Papst Franziskus in Armenien auf Friedensmission: Versöhnung der Kirchen, Versöhnung der Völker.

Glücksfall im Burgenland

Aufgrund fehlenden Nachwuchses müssen in Österreich immer mehr Klöster geschlossen werden. In Linz etwa ist 1991 das seit 1612 bestandene Kapuzinerkloster aufgehoben worden, die Kirche wurde am 3. Juli profaniert.

Protestbewegung gegen TTIP und CETA wächst

Während die Verhandlungen für das CETA-Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada in die heiße Phase gelangen, wächst in Österreich die Ablehnung dagegen.

Papst würdigt Martin Luther

Papst Franziskus hat den deutschen Reformator Martin Luther (1483-1546) gewürdigt.

Orthodoxes Konzil endet nach Protest der Griechen

Mit einem festlichen Gottesdienst ist am 26. Juni in der Peter-und-Paul-Kirche in Chania auf Kreta das „Heilige und Große Konzil“ der orthodoxen Kirche zu Ende gegangen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. konzelebrierte die Göttliche Liturgie mit den Oberhäuptern der anderen autokephalen (selbständigen) orthodoxen Kirchen.

Diakoninnen: Was wird aus der Kommission?

Die von Papst Franziskus angekündigte Studienkommission zu Diakoninnen nimmt offenbar Gestalt an.

Sinai: Koptischer Priester von IS-Terroristen ermordet

Trauer und Empörung in der weltweiten koptischen Gemeinschaft: In El Arish im nördlichen Sinai wurde am 30. Juni der Priester Rafael Moussa vor dem Eingang der Georgskirche von Terroristen erschossen. Die Terrororganisation IS bekannte sich zu dem Verbrechen.

Terror-Anschläge auf ein libanesisches Christendorf

Nach mehreren Selbstmordanschlägen gegen Christen im libanesisch-syrischen Grenzgebiet hat Maronitenpatriarch Kardinal Bechara Rai den Libanon zu nationaler Einheit und Solidarität aufgerufen.

Äthiopien: Zwei Jahre ohne Regen und Millionen Hungernde

Äthiopien steht vor einer der schlimmsten Dürre- und Hungerkatastrophen seit 30 Jahren.

Jesuitenpater Mertes fordert Aufarbeitung kirchlicher Homophobie

Jesuitenpater Klaus Mertes fordert eine systematische Aufarbeitung von Homophobie in der katholischen Kirche.

Studie: Besonders viele männliche Opfer bei Missbrauch in Kirche

Eine neue Studie zeigt, dass der Anteil männlicher Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche deutlich höher ist als in anderen Institutionen.

Ein interreligiöser Brückenbauer wird 90

Pater David Steindl-Rast, gebürtiger Wiener und in die USA emigrierter Benediktiner, ist für viele eine der großen spirituellen Gestalten der christlichen Welt der Gegenwart.

Theologe: Wiederverheiratete entscheiden selbst über Kommunion

Katholische wiederverheiratete Geschiedene können nach Auffassung des Münsteraner Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke selbst darüber entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen dürfen oder nicht.

Jugendproduktion „Nathan der Weise“ im Stift Göttweig kann Nachdenkprozess auslösen

Im Stift Göttweig wird seit Dezember für eine weitere große Theaterproduktion des dort beheimateten diözesanen Jugendhauses geprobt: Ab 12. August spielen jugendliche Laiendarsteller das Aufklärungsdrama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing mit der weltberühmten Ringparabel, derzufolge sich die Glaubwürdigkeit der drei abrahamitischen Weltreligionen an deren Früchten erkennen lassen soll.

Neue Kirche im irakischen Erbil geweiht

Mit vielfältigen Initiativen zeigen die Christen im Irak, dass sie nicht aufgeben.

Caritas: „Gepflegte Erholung“ für Pflegebedürftige und Angehörige

Die Caritas startet jetzt in Wien und Niederösterreich ein Pilotprojekt, das zeigen soll, dass Urlaub auch für pflegebedürftige Menschen möglich ist und dabei auch betreuende Angehörige Erholung finden.

Fest der Vinzenzgemeinschaft

Für zwei Tage lang hat sich der Grazer Hauptplatz am letzten Juni-Wochenende in den „VinziPlatz“ verwandelt. Anlass war das „25+1-Jahr-Jubiläum“, das die von Pfarrer Wolfgang Pucher gegründete „Vinzenzgemeinschaft Eggenberg – VinziWerke“ mit rund 1.000 Besuchern und u.a. Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, Caritas-Direktor Franz Küberl und dem Grazer Bürgermeister Sigfried Nagl in Graz feierte.

Leitartikel

Briten werden zu Migranten

Europa ist kleiner geworden, die politische Union schwächer. So das Urteil nach dem knappen britischen Volksentscheid, die EU zu verlassen. Tatsache ist, dass der Brexit Großbritannien und der EU wirtschaftlich schaden wird. Um die „politische Union“ stand es jedoch ohnehin miserabel.
Großbritannien hat sich stets eindeutig an Washington und nicht an Brüssel orientiert. Siehe Irak-Krieg, mit dem beide Länder ein neues Kapitel in der Demokratisierung der Welt aufschlagen wollten (In Wahrheit ging es um wirtschaftliche Interessen, vor allem um Öl) und damit genau das Gegenteil erreicht haben. Bekanntlich waren dann Bürgerkrieg, Chaos, und der kometenhafte Aufstieg des IS die Folge, vor dem heute die halbe Welt erzittert.
Großbritanniens und der USA Kampf gegen Saddam Hussein und dann Baschar al-Assad hat zu jener Flüchtlingskrise geführt, die heute Europa zu zerreißen droht.
Lügenhafte und rassistische Argumente gegen Einwanderer und Flüchtlinge haben jetzt mit dazu beigetragen, dass das Vereinigte Königreich selbst zum Migranten geworden ist.
80 Prozent der britischen Jungwähler waren für den Verbleib in der EU. Sie beklagen, die Älteren, die für den Brexit gestimmt haben, hätten ihnen die Zukunft genommen. Allerdings: Von den über 65-Jährigen gingen 83 Prozent zur Wahl, von den unter 25-Jährigen nur 36 Prozent. Wo liegt da die Schuld?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Dtn 30, 10-14

Das Wort ist ganz nah bei dir, du kannst es halten

Mose sprach zum Volk: Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören und auf seine Gebote und Gesetze achten, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind. Du sollst zum Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurückkehren. Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, so dass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so dass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

 

Zweite Lesung:   Kol 1, 15-20

Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen

Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

 

Evangelium:   Lk 10, 25-37

Wer ist mein Nächster?

In jener Zeit wollte ein Gesetzeslehrer Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

 

Gedanken zum Sonntag

Elfriede Harth
Suchende, Lernende, Hoffende
Frankfurt, BRD

Was das Leben ermöglicht

Empathie, also die Fähigkeit, uns in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen, ist eine zutiefst menschliche Fähigkeit. Zu spüren, dass es der oder dem anderen schlecht geht, dass er oder sie leidet, macht uns überhaupt erst zu Menschen. Darin sind wir Ebenbild des dreifaltigen Gottes, dass wir auf das Du angewiesen sind, um überhaupt ein Ich zu werden und zu sein und dass dann aus dem Du und dem Ich ein Wir wird. Christentum, Menschsein kann nicht gelebt werden in der Vereinzelung, es ist auf Gemeinschaft angewiesen. Unser Ich entstammt einem Wir. Wir sind alle aufeinander angewiesen und auf die Fürsorge anderer, ein Leben lang. Keiner hat sich selbst geboren, sich großgezogen, sich die eigene Muttersprache beigebracht, sich sein eigenes Haus gebaut und seine Nahrung und Kleidung ohne fremde Hilfe besorgt, ohne dass z.B. jemand anders einen Kaufladen führt. Deshalb tragen wir aber auch Verantwortung dafür, dass wir anderen gegenüber ebenfalls fürsorglich sind. Dass wir uns nicht davor drücken, z.B. mit Briefkastenfirmen in Panama oder gedankenlosem Konsumwahn oder mit Abschottung unserer Grenzen und Fremdenfeindlichkeit. Denn Gott spricht: „Was du dem geringsten meiner Brüder oder Schwestern getan hast, das hast du mir getan“.
Es ist nicht von Ungefähr, dass Jesus nicht die Arbeit eines Geldwechslers oder reichen Kaufmanns zum Beispiel für Nächstenliebe nimmt, sondern die Geschichte eines barmherzigen Ausländers, der sich eines Fremden in Not annimmt. Gerade die „Sorgearbeit“, Kranke oder Alte pflegen, Kinder betreuen, Geflüchtete aufnehmen, Kochen, Waschen, Einkaufen, Klos putzen, Beziehungen pflegen, den Müll abholen, als Feuerwehr Keller leerpumpen oder Brände löschen, etc.. Diese so schlecht bezahlten und wenig angesehenen Arbeiten sind es, die eine Gesellschaft im Innersten zusammenhalten und daher überhaupt erst das Leben ermöglichen.

 

Information

Neue Runde im Streit zwischen Rom und den US-Nonnen

Neue Runde in der Auseinandersetzung zwischen Rom und den US-Nonnen: Die Ordenskongregation hat 15 US-Frauengemeinschaften aufgefordert, nach der sechs Jahre dauernden Untersuchung der gesamten US-Frauenorden „einige Punkte” zu klären, berichtet „National Catholic Reporter” (NCR).

Kardinal Joao Braz de Aviz, seit 2011 Präfekt der Ordenskongregation, erklärte gegen-über NCR, die Gespräche sollen als „gelassener Dialog“ transparent geführt werden, ohne Angst und Verurteilung. Er räumte ein, dass der Beginn der „Apostolischen Visitation“ der 50.000 Ordensfrauen umfassenden 341 Gemeinschaften (2008-2014) „nicht gut“ begonnen habe.

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Kardinal Joao Braz de Aviz.

Ein Orden, der zu Gesprächen in Rom am 18. Oktober dieses Jahres aufgefordert wurde, um in fünf Punkten Unklarheiten über ihre Lebensweise und ihre Stellung zur Kirchenlehre zu beseitigen, sind die „Sisters of Loretto“
Sr. Teri Hadro, Oberin der  „Sisters of Charity of the Blessed Virgin Mary“, die auch einen Brief der Ordenskongregation erhalten hat, nennt diesen „freundlich“. Sie glaubt nicht, dass die als Meinungsverschiedenheit interpretierten Angelegenheiten wirklich solche sind.

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Oberin Teri Hadro.

Sie nennt ein Beispiel: Die US-Bischöfe hätten in der vergangenen Dekade die Abtreibung zur „causa prima“ erklärt, die US-Nonnen hingegen „Essen, Wasser und Schutz für die Menschen am Rand.“ Bischöfe und Ordensfrauen hätten die selben Anliegen, doch in anderer Reihenfolge. Die Schwestern hätten alles bereits getan, was die Enzyklika „Laudato si“ fordert.
Sr. Hadro: „Ich glaube, das europäische hierarchische Verständnis des Ordenslebens unterscheidet sich von jenem eines Frauenordens in den USA.“

Orthodoxes Konzil endet nach Protest der Griechen

Mit einem festlichen Gottesdienst ist am 26. Juni in der Peter-und-Paul-Kirche in Chania auf Kreta das „Heilige und Große Konzil“ der orthodoxen Kirche zu Ende gegangen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. konzelebrierte die Göttliche Liturgie mit den Oberhäuptern der anderen autokephalen (selbständigen) orthodoxen Kirchen.

Patriarch Bartholomaios I.
Patriarch Bartholomaios I.

Die 166 Bischöfe der zehn beteiligten Kirchen berieten und beschlossen unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. sechs Dokumente zu innerorthodoxen Fragen sowie zum Verhältnis der orthodoxen Kirche zur modernen Welt und den Beziehungen zur „übrigen christlichen Welt“.
An der Schlussversammlung am Samstagabend durften auch die 15 eingeladenen „Beobachter“ aus anderen Kirchen wieder teilnehmen.
Unter ihnen waren der vatikanische „Ökumeneminister“, Kardinal Kurt Koch, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.
Dabei legte Patriarch Bartholomaios I. ein ausdrückliches Bekenntnis zur Ökumene ab: „Alle von uns haben die vitale Bedeutung des Dialogs mit anderen christlichen Kirchen betont“.

Schlussgottesdienst ohne Erzbischof von Athen
Der Patriarch von Antiochia aus Damaskus, seine Amtsbrüder von Moskau, Bulgarien und Georgien waren gar nicht gekommen. Erzbischof Hieronymos von Athen ging dem Konzil noch am letzten Abend verloren, weil er sich mit den extremen Positionen der Kirche von Griechenland nicht durchgesetzt hatte: Nein zu Reform und Ökumene, Anschluss von über 40 Diözesen des Patriarchen von Konstantinopel an Athen und eine Ächtung der in Gemeinschaft mit Rom stehenden Ostchristen.

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Erzbischof Hieronymos von Athen.

Mit diesem Verlangen ist Griechenlands Erzbischof jedoch abgeblitzt, worauf er mit seinen erzkonservativen Bischöfen den Abschlussgottesdienst des „Rumpfkonzils“ boykottiert hat.

Zentrale Aussagen des orthodoxen Konzils

Radio Vatikan veröffentlichte zentrale Aussagen der elfseitigen Enzyklika des orthodoxen Konzils:
Kirche: „Die Orthodoxe Kirche ist, in ihrer Einheit und Katholizität, die Kirche der Konzilien, vom Jerusalemer Apostelkonzil angefangen bis heute. Die Kirche ist von Natur aus Konzil…“ (Kap. 1)
Heutige Zeit: „Die Kirche Christi wird heute mit extremen oder auch provokanten Formen der Ideologie der Säkularisierung konfrontiert“ (Kap. 5).
Politik: „Es ist willkürlich und unangemessen, die Kirche mit „konservativ“ zu identifizieren und zu meinen, sie sei nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation zu vereinbaren… Die orthodoxe Kirche proklamiert vor den „Menschengöttern“ unserer Zeit den „Gott-Menschen“ (Christus) als letztes Maß aller Dinge.“ (Kap. 5)
Bioethik: „Das Recht, geboren zu werden, ist das erste der Menschenrechte. Die Kirche als göttlich-menschliche Einrichtung … widersetzt sich jedwedem Versuch, den Menschen auf ein Objekt zu reduzieren oder ihn in eine messbare Menge zu verwandeln.“ (Kap. 5)
Globalisierung: „Die zeitgenössische Ideologie der Globalisierung, die unmerklich durchgesetzt wird und sich rasch verbreitet, führt weltweit zu großer Unstabilität für die Wirtschaft und für die Gesellschaft… Die Kirche widersetzt sich der Bedrohung für den Menschen unserer Zeit und für die kulturellen Traditionen der Völker.“ (Kap. 6)
Kirche und Staat: „Die Kirche mischt sich nicht in die Politik im engeren Sinn ein, aber ihr Zeugnis ist doch grundlegend politisch, weil es Sorge um den Menschen und seine geistliche Freiheit ist.“ (Kap. 6)
Fundamentalismus: „Fundamentalismus ist Ausdruck einer krankhaften Religiosität.“ (Kap. 6)
Flüchtlingskrise: „Die Kirche stand im Lauf ihrer Geschichte immer auf der Seite der Mühseligen und Beladenen… Wir bitten die Behörden, die orthodoxen Gläubigen und die anderen Bürger der Länder, in denen Flüchtlinge Zuflucht suchen, ihnen jede nur mögliche Hilfe zu gewähren.“ (Kap. 6)
Ökumene: „Die multilateralen Dialoge, die die Orthodoxe Kirche durchführt, bedeuten keinesfalls irgendeinen wie auch immer gearteten Kompromiss in Fragen des Glaubens.“ (Kap. 7)

Diakoninnen: Was wird aus der Kommission?

Die von Papst Franziskus angekündigte Studienkommission zu Diakoninnen nimmt offenbar Gestalt an.

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, und die Präsidentin der Internationalen Vereinigung der Ordensoberinnen, Carmen Sammut, hätten auf seinen Wunsch hin jeweils eine Liste mit möglichen Mitgliedern eines solchen Gremiums eingereicht, sagte der Papst während des Rückflugs von Armenien nach Rom vor mitreisenden Journalisten. Diese Listen lägen nun auf seinem Schreibtisch.

Sister Carmen Sammut wears a t-shirt reading: "Play in favor of life, Denounce the human trafficking" as she attends a press conference at the Vatican, Tuesday, May 20, 2014. A global network of religious orders against human trafficking has announced a campaign during the upcoming World Cup in Brazil to draw attention to risks that the event will encourage an increase in child prostitution. Sister Gabriella Bottani, an Italian nun, said the "greatest concern is linked to the increase in the exploitation of child prostitution," but that such major international sporting events also attract human traffickers who trick people into cheap or slave labor. She noted that the risk for exploitation grew by 30 percent to 40 percent during the world cups in Germany and South Africa. As part of the campaign organized by Talitha Kum, members will hand out leaflets at airports and key tourist areas encouraging people to report suspected child prostitution or enslavement. (AP Photo/Gregorio Borgia)
Sr. Carmen Sammut.

Zugleich äußerte sich der Papst „verärgert“ angesichts von Medienberichten über eine angebliche Öffnung der Kirche für Diakoninnen.
Die Kommission solle nur die Rolle der Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen, so der Papst. Zugleich sagte er, dass ihm die Funktion, die eine Frau innehabe, weniger wichtig sei als ihr Denken.
Im Mai hatte Franziskus vor Ordensoberinnen aus aller Welt die Einsetzung einer Studienkommission zur Rolle von Diakoninnen in der frühen Kirche angekündigt.
Vielfach war diese Äußerung so verstanden worden, als sei damit auch die Prüfung einer möglichen Zulassung von Frauen zum Diakonat verbunden. Franziskus entfachte mit seiner Aussage die Debatte über die Zulassung von Frauen zum Diakonat neu.

Jugendproduktion „Nathan der Weise“ im Stift Göttweig kann Nachdenkprozess auslösen

Im Stift Göttweig wird seit Dezember für eine weitere große Theaterproduktion des dort beheimateten diözesanen Jugendhauses geprobt: Ab 12. August spielen jugendliche Laiendarsteller das Aufklärungsdrama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing mit der weltberühmten Ringparabel, derzufolge sich die Glaubwürdigkeit der drei abrahamitischen Weltreligionen an deren Früchten erkennen lassen soll.

Über die Details der zweiten Göttweiger Jugendtheaterproduktion nach dem erfolgreichen „Jedermann“ im Sommer 2014 informierten bei einem Pressegespräch im Stift Abt Columban Luser und „Nathan“-Darsteller Tim Tobner.
Wichtig sei ihm, dass bei dem Stück der Respekt vor anderen Religionen im Mittelpunkt stehe, sagte Luser. Zugleich sei es auch wichtig, sich mit Überzeugung als Christ, Jude oder Muslim und den damit verbundenen Positionen zu bekennen und so dem heute verbreiteten Relativismus, dem alles gleich gültig sei, entgegenzutreten.

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Vorbereitungen auf die Jugendtheaterproduktion „Nathan der Weise“ im Stift Göttweig – auf dem Bild: die Hauptdarsteller/innen sowie Abt Columban Luser.
Foto: Wolfgang Zarl.

Lessings Stück gebe somit einen guten Diskussionsanstoß, sagte der Abt. „Unsere Jugend wird mit dieser Inszenierung sicher einen Nachdenkprozess auslösen, der möglicherweise gegen den Strich kämmt – warum nicht?“ Fundamentalisten würden sich mit „Nathan der Weise“ wohl schwer tun, mutmaßte  Luser. Er will das Stift Göttweig noch stärker zu einer Stätte des Glaubens, der Kultur und der Begegnung machen.
Für den 20-jährigen St. Pöltner „Nathan“-Darsteller Tim Tobner ist das Stück deshalb so interessant, weil die Hauptfigur trotz aller Widrigkeiten und Katastrophen – so wurde seine Familie ausgerottet – das Gute im Menschen sieht. Tobner wörtlich: „Für mich ist Nathan ein chilliger Typ und das Jugendtheaterprojekt eine großartige Sache, bei der Jugendliche sich umfassend mit dem Zusammenleben der Religionen befassen.“
Weitere Aufführungstermine: 13., 14. und 15. August 2016 – Beginn jeweils um 19.30 Uhr. Der Reinerlös des Projektes kommt der Dachsanierung im Stift zugute.
Karten zum Preis von 20 Euro im Tourismusbüro des Stiftes unter Tel. 02732/85.581-231 oder E-Mail tourismus@ stift goettweig.at.