Inhalt der gedruckten Ausgabe 27/2017

Leitartikel

Beten und handeln

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Information

Abu Dhabi streckt Christen die Hände entgegen und gibt einer der größten Moscheen den Namen „Maria“

Eine der größten neuen Moscheen in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR), wurde jetzt in Moschee „Marias, der Mutter Jesu“ umbenannt. Das Gotteshaus mit vier Minaretten trug bisher den Namen „Scheich Mohammed Bin Zayed-Moschee“.

Bayerische Benediktiner planen erstes Kloster in Ägypten

In Ägypten, dem Geburtsland des christlichen Mönchtums, gibt es heute unter den 150.000 bis 250.000 koptischen Katholiken  weder Klöster noch Ordensleute. Das soll sich bald ändern.

NÖ: Land und Kirchen unterstreichen gute Zusammenarbeit

Angesichts in der Bevölkerung verbreiteter Zukunfts- und Existenzängste müssten Politik und Kirchen gemeinsam versuchen, den Menschen Hoffnung zu geben.

Großer Ökumene-Event zu Fronleichnam

In Linz hat die „vierte Station“ der traditionellen Fronleichnamsprozession heuer zugleich mit dem Schluss-Segen des evangelischen Kirchentags-Gottesdienstes geendet, und beide Feiern mündeten in einen Ökumene-Event auf dem Domplatz.

Religion gehört zum Menschsein

Auch ein laizistischer Staat kann nichts an der Religiosität der Menschen ändern, hat sich die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger überzeugt gezeigt, berichtet Radio Vatikan.

Personal-Rochade in Salzburg

Nach der Ernennung des bisherigen Generalvikars Hansjörg Hofer zum Weihbischof wird der Salzburger Dompfarrer und bisherige Seelsorgeamtsleiter Roland Rasser (65) neuer Generalvikar der Erzdiözese Salzburg.

Religionsfreiheit gilt nur in wenigen Ländern

Der EU-Sonderbeauftragte für Religionsfreiheit außerhalb der Union, Jan Figel, beklagt eine Verschlechterung der Lage der Religionsfreiheit in der Welt.

Bischof Zak wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden

Nachdem er gestorben ist, hat eine Krankenschwester gesagt, er habe zuletzt nicht Deutsch, nur Englisch gesprochen. Falsch, es war Tschechisch. Das war Bischof Franz Zaks Muttersprache. Franz Zak, Bischof der Diözese St. Pölten von 1961 bis 1991, wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden.

„Österreich-Dorf“ im Irak: Vier kirchliche NGOs starten Hilfsaktion

In der nordirakischen Ninive-Ebene soll mit Hilfe aus Österreich ein vom IS zerstörtes Dorf wieder aufgebaut werden, damit die einstigen Bewohner zurückkehren können.

Marx: Kirchliche Führungsposten wenn möglich mit Frauen besetzen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Frauen ermuntert, Führungspositionen in der katholischen Kirche anzustreben.

Papstkritische Kardinäle wollen von Franziskus empfangen werden

Vier Kardinäle, die öffentlich eine Klarstellung von Papst Franziskus zu dessen Ehelehre verlangt hatten, haben jetzt um eine Audienz gebeten.

„Frauen in Weiß“ wollen Papst Franziskus als Vermittler in Kuba

Mit einer Petition will die kubanische Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ Papst Franziskus davon überzeugen, mit der kommunistischen Regierung in Havanna zu sprechen. Ziel der Aktion, die im Portal Change.org veröffentlicht wurde, ist es, den Bürgerrechtlerinnen zu ermöglichen, wieder an den sonntäglichen Gottesdiensten teilzunehmen, berichtete der kubakritische Sender Radio Marti.

Anglikanischer Primas deckte Missbrauchs-Bischof

Ein Missbrauchsskandal erschüttert die anglikanische Kirche von England.

Diözese Eisenstadt will ermordeten Roma Würde zurückgeben

Auf das Schicksal der von den Nazis ermordeten Roma und Sinti hat die Diözese Eisenstadt aufmerksam gemacht. An diese Menschen soll nun intensiver als bisher erinnert werden und ihnen damit auch ihre Würde zurückgegeben werden, wie Manuela Horvath, Leiterin der Roma-Pastoral der Diözese, in einer Aussendung betont.

Papst Franziskus bestärkt deutsche Kanzlerin im Einsatz für Klimaabkommen

Vom 7. bis 8. Juli treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer  zum G20-Gipfel.

Papst: Mangelnde Liebe ist Ursache für Jugendgewalt

Viele Probleme von Hass und Gewalt rühren nach Auffassung von Papst Franziskus daher, dass sich Heranwachsende nicht geliebt fühlen.

Papst ernennt Deutschen zum Chef der Wissenschaftsakademie

Der Bonner Agrarwissenschaftler Joachim von Braun (66) ist von Papst Franziskus als erster Deutscher zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie für die Wissenschaften ernannt worden. Er folgt auf den Schweizer Mikrobiologen Werner Arber.

Von IS verschlepptes kleines Mädchen nach drei Jahren wieder bei ihren Eltern

Die Bilder im Internet verbreiteten sich wie ein Lauffeuer: Seit dem 10. Juni ist das sechsjährige Mädchen Christina aus der irakischen Ninive-Ebene wieder in den Armen ihrer Eltern. Drei Jahre lang waren sie getrennt: Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte das Mädchen verschleppt. Jetzt ist es frei und wurde zu ihrer Familie zurückgebracht, die sich derzeit als Flüchtlinge im nordirakischen Erbil aufhält.

Neuer melkitischer Patriarch

Der in Damaskus geborene Erzbischof Joseph Absi (71) ist von einer südlich von Beirut tagenden Synode zum neuen  Patriarchen der melkitischen griechisch-katholischen Kirche gewählt und vom Papst umgehend bestätigt worden.

Leitartikel

Beten und handeln

Vier kirchliche NGOs haben jüngst eine Hilfsaktion für ein Österreich-Dorf im Irak gestartet.
Tenor: Beten ist gut, Handeln besser.
Im Rahmen der Bischofs-Tagung in Mariazell haben die Bischöfevor wenigen Tagen Österreich erneut der Muttergottes geweiht.
Was hat Maria in Kana getan? Nur gebetet? Nein, gehandelt.
Vor Tagen hat Papst Franziskus die Jugend aufgefordert, sich an einer Umfrage vor der Bischofssynode 2018 zum Thema Jugend zu beteiligen.
Die Erzdiözese Köln hat nach einer Woche eine deutsche Version ins Internet gestellt – mit Zusatzfrage zur eigenen Diözese.
Österreichs Bischöfe haben die Jugend aufgefordert, sich an der Umfrage zu beteiligen, bis dato jedoch keine muttersprachliche Version präsentiert.
Die österreichischen Jugendlichen müssen Italienisch oder Englisch sprechen, um sich einbringen zu können.
Bischofskonferenz und Bischöfe verfügen über große Apparate. Diesen jedoch ist offenkundig niemand bekannt, der vom Italie
nischen ins Deutsche übersetzen kann.
Wirklich? Oder subtile Untergrabung dessen, was Papst Franziskus will?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   2 Kön 4, 8-11.14-16a

Dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ist ein heiliger Gottesmann

Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam. Sie aber sagte zu ihrem Mann: Ich weiß, dass dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann ist. Wir wollen ein kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter für ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen. Als Elischa eines Tages wieder hinkam, ging er in das Obergemach, um dort zu schlafen. Er fragte seinen Diener Géhasi, was man für die Frau tun könne. Dieser sagte: Nun, sie hat keinen Sohn, und ihr Mann ist alt. Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie, und sie blieb in der Tür stehen. Darauf versicherte ihr Elischa: Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen.

 

Zweite Lesung:   Röm 6, 3-4.8-11

Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe; wir sollen als neue Menschen leben

Schwestern und Brüder!
Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

 

Evangelium:   Mt 10, 37-42

Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

 

Gedanken zum Sonntag

Herwig Sturm
Bischof A.B. em.
Wien

Wasser - zur Taufe und zum Leben

Paulus über die Taufe: starke Worte. Da sind wir mit Christus gestorben und können, weil er auferstanden ist, mit ihm auch leben; jetzt und in Ewigkeit.
Martin Luther hat im Sinne dieser Worte die Taufe als die entscheidende und darum  auch einzige „Weihe“ des Christen verstanden: „Wer aus der Taufe gekrochen ist, der ist Priester, Bischof und Papst“  (An den christlichen Adel deutscher Nation.. 1520). In Konsequenz dessen hat er den Unterschied zwischen geistlichem und weltlichem Stand aufgehoben und vom „allgemeinen Priestertum aller Gläubigen“ gesprochen.
Das war ein riesengroßer Schritt weg von der Hierarchie der römischen Kirche, zugleich ein erster Schritt hin zu den allgemeinen Menschenrechten: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ (Erklärung der UNO 1948). Heute wird diese Erklärung konkretisiert, unter anderem  als das Recht auf Wasser und Bildung bzw. auf die ökologische Verantwortung der Menschen insgesamt. Das sind große Aufgaben, und unsere Zukunft hängt davon ab, ob wir dabei Zuschauer oder Teilnehmer sind.
In der Taufe wurden wir berührt mit dem Wasser des Lebens und berufen mit Worten der Liebe.
Als neue Menschen dürfen wir uns verstehen, die tot sind für Bequemlichkeit und Resignation, aber voller Leben für Gottes Schöpfung und alle seine Geschöpfe. Wir könnten ja so mutig sein wie Luther und das alles von der Taufe erwarten; und mit unseren Schwestern und Brüdern in Christus weltweit aufstehen für Versöhnung und Frieden in Gerechtigkeit. Und für Wasser; zur Taufe und zum Leben.

 

Information

Abu Dhabi streckt Christen die Hände entgegen und gibt einer der größten Moscheen den Namen „Maria“

Eine der größten neuen Moscheen in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR), wurde jetzt in Moschee „Marias, der Mutter Jesu“ umbenannt. Das Gotteshaus mit vier Minaretten trug bisher den Namen „Scheich Mohammed Bin Zayed-Moschee“.


Moschee „Marias, der Mutter Jesu“.

Die Umbenennung wurde von Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, dem Kronprinzen des Fürstentums Abu Dhabi und stellvertretenden Oberkommandierenden der VAR-Armee, angeordnet.

Maria-Moschee neben Josefskathedrale
Er sehe in der Umbenennung der Moschee eine „wichtige Geste der Toleranz“, „eine positive Annäherung“ der muslimischen Führungsschicht an die Christen und einen Schritt, der „Offenheit und Interesse am Dialog“ zeige, sagte der für die Vereinigten Arabischen Emirate zuständige Apostolische Vikar, Bischof Paul Hinder, dem katholischen Nachrichtendienst  „AsiaNews“.
Hinder erinnerte daran, dass die Moschee nur wenige Schritte von der katholischen Josefskathedrale entfernt ist, damit werde der Wille zum Miteinander der beiden Religionen bekundet.

Auch Muslime ehren Maria
In einer offiziellen Erklärung des Apostolischen Vikariats wird darauf verwiesen, dass Muslime wie Christen Maria, die Mutter Jesu, verehren, die in Bibel und Koran eine erstrangige Gestalt sei und ein „wichtiges Bindeglied“ zwischen den beiden Religionen darstelle.
Die Geste des Kronprinzen werde nicht nur in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Frieden und wechselseitigem Verständnis beitragen, sondern auch „in der ganzen Region“.


Scheich Mohammed
Bin Zayed Al Nahyan.

„Geste der Toleranz und Entspannung“
Beobachter in Abu Dhabi interpretieren die Entscheidung des Kronprinzen als Hinweis auf die Entschlossenheit der Staatsführung, in einer „Zeit der Spannungen und der Gewalttätigkeit“ im Nahen Osten die Beziehungen zwischen den Gläubigen der unterschiedlichen Religionen zu konsolidieren. Scheicha Lubna Al-Qasimi, die Staatsministerin für Toleranzfragen, dankte dem Kronprinzen für seine Entscheidung, die ein „Beispiel“ und ein „schönes Bild der Toleranz und Ko-existenz“ in einem Staat wie den VAR sei, in dem Migranten aus mehr als 200 Ländern leben.

Bischof Zak wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden

Nachdem er gestorben ist, hat eine Krankenschwester gesagt, er habe zuletzt nicht Deutsch, nur Englisch gesprochen. Falsch, es war Tschechisch. Das war Bischof Franz Zaks Muttersprache. Franz Zak, Bischof der Diözese St. Pölten von 1961 bis 1991, wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden.


Bischof Franz Zak (1917- 2004).
Foto: Diözese St. Pölten.

Die Diözese hat in einer Aussendung an ihren früheren Oberhirten erinnert, der selbst immer wieder das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) als das „größte Ereignis meines Lebens“ bezeichnet hatte.
Nicht erwähnte sie die näheren Umstände seines Abschieds.
Seinen Rücktritt reichte der Bischof im Jahr 1991 aus Altersgründen regelgemäß vor seinem 75. Geburtstag (1992) ein. Kurz darauf erfuhr er aus dem Radio(!), dass er abgesetzt ist und der Wiener Weihbischof Kurt Krenn entgegen den ausdrücklichen Zusagen des Päpstlichen Nuntius in Wien sein Nachfolger werden sollte.
Dieser schnitt den verdienten Oberhirten, so viel es ging, und verbot ihm u.a. die  von ihm zugesagte Weihe der neuen Pfarrkirche in Paudorf.
Franz Zak wurde am 30. Juni 1917 in Niederedlitz im Waldviertel geboren und besuchte das Stiftsgymnasium der Benediktiner in Seitenstetten. Anschließend begann er im Priesterseminar St. Pölten mit dem Theologiestudium, das er wegen der Einberufung zum Militärdienst unterbrechen musste und erst nach dem Zweiten Weltkrieg – mit Kriegsverwundung  – abschließen konnte. Im Juli 1947 wurde er von Bischof Michael Memelauer zum Priester geweiht. Nach einem Kaplansjahr in Sieghartskirchen und Steinakirchen wurde er 1948 Domkurat in St. Pölten, ehe er 1951 zu Studien nach Rom ging und das Doktorat des Kanonischen Rechtes erwarb. 1954 kehrte er in das St. Pöltner Ordinariat zurück.
Im Dezember 1956 bestellte ihn Papst Pius XII. zum Bischof-Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge für Bischof Memelauer. Nach Memelauers Tod wurde er am 30. September 1961 Diözesanbischof von St. Pölten. Von 1957 bis 1969 war Bischof Zak auch „Jugend-Bischof“ und von 1969 bis 1985 Militärbischof. Als einer der damals jüngsten Diözesanbischöfe war Zak Teilnehmer am Zweiten Vatikanischen Konzil.

„Frauen in Weiß“ wollen Papst Franziskus als Vermittler in Kuba

Mit einer Petition will die kubanische Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ Papst Franziskus davon überzeugen, mit der kommunistischen Regierung in Havanna zu sprechen. Ziel der Aktion, die im Portal Change.org veröffentlicht wurde, ist es, den Bürgerrechtlerinnen zu ermöglichen, wieder an den sonntäglichen Gottesdiensten teilzunehmen, berichtete der kubakritische Sender Radio Marti.

Die „Frauen in Weiß“ (Damas de Blanco) sind ein Zusammenschluss von Frauen auf Kuba, deren Männer und Söhne wegen ihres Eintretens für Meinungs- und Pressefreiheit verhaftet wurden. Gegründet wurde die Bewegung 2003 als Reaktion auf den kubanischen „Schwarzen Frühling“, bei dem zahlreiche Regimekritiker festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.


Die Damen in Weiß: Friedlicher Protest für Menschenrechte trotz Gewalt, Einschüchterungen und willkürlichen Verhaftungen durch die kubanische Staatssicherheit

Seither protestieren die „Frauen in Weiß“ regelmäßig öffentlich, um die Freilassung politischer Häftlinge zu fordern. Sie tun das in der Regel sonntags nach dem Gottesdienst. Seit zwei Jahren werden die Gottesdienstbesuche zum Teil mit Gewalt durch die Sicherheitskräfte unterbunden. Dabei kommt es auch immer wieder zu Verhaftungen.
Ihre Bezeichnung geht auf die weiße Kleidung zurück, die sie als Zeichen ihres friedlichen Widerstands tragen. Auf Vermittlung der katholischen Kirche wurden in den vergangenen Monaten nahezu alle politischen Häftlinge freigelassen und ins Exil nach Spanien ausgeflogen. 2005 würdigte das Europaparlament die Arbeit der Bürgerrechtsbewegung mit dem Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit.

Von IS verschlepptes kleines Mädchen nach drei Jahren wieder bei ihren Eltern

Die Bilder im Internet verbreiteten sich wie ein Lauffeuer: Seit dem 10. Juni ist das sechsjährige Mädchen Christina aus der irakischen Ninive-Ebene wieder in den Armen ihrer Eltern. Drei Jahre lang waren sie getrennt: Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte das Mädchen verschleppt. Jetzt ist es frei und wurde zu ihrer Familie zurückgebracht, die sich derzeit als Flüchtlinge im nordirakischen Erbil aufhält.

Es ist wie ein Wunder, das neben der Solidarität der muslimischen Bevölkerung auch auf das Gebet der Familie von Christina zurückzuführen ist. Davon ist der syrisch-katholische Geistliche Ignatius Offy überzeugt. Er kennt die Familie seit langem. Über die Hintergründe der Befreiung, wie es Christina jetzt geht und wie sehr sich die Christen der Ninive-Ebene nach einer Rückkehr sehnen – darüber hat er mit Maria Lozano von der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ gesprochen.
Ignatius Offy: Christina ist verständlicherweise ängstlich und verschreckt. Als sie entführt wurde, war sie ja erst drei Jahre alt. Deshalb hatte sie gar keine Erinnerung mehr an ihre Eltern und Geschwister. Sie hat auch ihre syrische Muttersprache verlernt und kann nur Arabisch. Überhaupt redet sie sehr wenig. Manchmal lächelt sie mich an, wenn ich sie besuchen komme – an anderen Tagen nicht. Der Schock sitzt tief.


Christina mit ihrer Mutter.

Wie kam es zu der Entführung?
Christinas Familie stammt wie ich aus der Stadt Karakosch in der Ninive-Ebene, 30 Kilometer südöstlich von Mossul. In der Nacht zum 7. August 2014 besetzte der IS unsere Stadt. Einigen Christen gelang die Flucht oder sie wurden deportiert. Hunderte Menschen aber saßen fest, so auch Khouder Ezzo, seine Frau Hanna und ihre kleine Tochter Christina – damals drei Jahre alt.
Schließlich erlaubte der IS ihnen, nach Erbil auszureisen. Alle Wertsachen hatte man ihnen vorher abgenommen. Am Tag der Evakuierung riss einer der IS-Schergen der Mutter das Kind aus den Armen. Die Mutter flehte ihn an, es ihr zurückzugeben. Der Kämpfer deutete ihr nur, in den bereitstehenden Bus zu steigen, sonst würde er das Mädchen töten. Die Mutter fügte sich, aus Angst um ihr Kind. Das war das letzte Mal, dass sie Christina sah – für fast drei Jahre.

Wo war Christina?
Christinas Vater fragte jeden, der aus der Ninive-Ebene stammte, ob er ihm etwas über den Verbleib seiner Tochter sagen konnte. Einer seiner Verwandten erzählte ihm: „Deine Tochter lebt. Sie wurde mit einem IS-Kämpfer in der Nähe der Moschee gesehen.“ Danach brachen alle Kontakte ab.
Erst viele Monate später erfuhren sie, dass das Kind mittlerweile bei einer muslimischen Familie in der Nähe von Mossul lebte.
Diese hatte das verwahrloste Kind bei einer Moschee gefunden, es mitgenommen und behandelten es jetzt wie ihr eigenes. Sie suchten die ganze Zeit nach einer Möglichkeit, Christina wieder zu ihrer Familie zurückzubringen. Aber es war zu gefährlich, das Kind aus den vom IS besetzten Gebiet zu bringen.
Christinas Vater betete täglich den Rosenkranz für ihre Heimkehr. An der Innenwand des Wohncontainers, in dem sie untergebracht sind, hängte er ein Heiligenbildchen neben das Foto seiner Tochter. Viele Gläubige schlossen sich dem Gebet für die Heimkehr von Christina und der anderen Vermissten an. Zwei Jahre lang hörte Christinas Familie hier und da kleine Neuigkeiten über sie, aber sie konnte nicht direkt mit ihr Kontakt aufnehmen.

Befreiung am 10. Juni
Der Süden von Mossul, wo Christina bei der muslimischen Familie lebte, ist nach wie vor heftig umkämpft. Die Familie brachte sich in einen anderen Stadtteil in Sicherheit. Von dort rief der muslimische Familienvater über Umwege bei Christinas älterem Bruder an. Die beiden Familien trafen sich, und Christina wurde ihrer richtigen Familie übergeben. Sie war gesund und wohlauf. Endlich war die Familie wieder vereint – auch dank der muslimischen Familie, die selbstlos gehandelt und sich damit in Gefahr gebracht hatte.


Christinas Familie in ihrem Wohncontainer.
Fotos: Kirche in Not.

Was mit Christina, ihrer Familie und mit uns geschah, ist ein himmlisches Wunder! Ihr wurde ein neues Leben geschenkt. Wir danken Gott dafür! Die Menschen hier haben das Mädchen mit Musik und Tanz willkommen geheißen. Jeden Tag kommen immer noch Leute in unser Flüchtlingslager, um der Familie zur Heimkehr ihrer Tochter zu gratulieren. Die Familie kann ihr Glück noch gar nicht fassen.
Was für Christina und ihre Familie Wirklichkeit geworden ist, liegt für andere noch in weiter Ferne. Es wurden ja noch andere Personen verschleppt.
Es sind Hunderte. Ich habe eine Liste erstellt und vielen Organisationen vorgelegt. Christina war auf der Liste bislang die Jüngste. Wir arbeiten hart daran, die Personen aufzuspüren. Von vielen haben wir seit Jahren nichts mehr gehört. Aber Christinas Rückkehr hat uns wieder Hoffnung gegeben!