Inhalt der gedruckten Ausgabe 26/2017

Leitartikel

Auf die Gangart kommt es an

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Salurn, Italien

Information

IS konnte im Irak keinen Christen zur Konversion zwingen
Schwestern bauen ihre zerstörten Klöster wieder auf

Trotz der Verfolgung und Bedrohung durch die Terrorgruppe IS ist im Irak kein Christ zum Islam übergetreten: Das hat der päpstliche Nuntius im Irak, Erzbischof Martin Alberto Ortega, in Valencia dargelegt. „Uns ist kein einziger derartiger Fall bekannt“, sagte der aus Spanien stammende Erzbischof laut Angaben des spanischsprachigen katholischen Portals „Infocatolica.com“. Die Verfolgung und das Martyrium hätten die Christen der verschiedenen Konfessionen des Landes immens geeint.

In Katar ist Christen vieles erlaubt, was in Saudi-Arabien streng verboten ist

Ermuntert von US-Präsident Donald Trump hat eine von Saudi-Arabien angeführte arabische Allianz vor wenigen Tagen begonnen, das kleine arabische Land Katar durch Blockade in die Knie zu zwingen.

Fragebogen zur Jugend-Bischofssynode online

Der seit längerem angekündigte Fragebogen zur nächsten Weltbischofssynode zum Thema Jugend ging am 14. Juni online. https://survey-synod2018.glauco.it/limesurvey/index.php/147718

Mehrheit in St. Andrä/Zicksee  für orthodoxes Kloster

Die Mehrheit der Bevölkerung von St. Andrä am Zicksee hat sich in einer Volksabstimmung am Sonntag für das ursprünglich geplante griechisch-orthodoxe Kloster ausgesprochen.

Weiße Evangelikale stehen hinter Trumps Klimapolitik

Weiße Evangelikale unterstützen US-Präsident Donald Trump bei seiner Politik gegen das Pariser Klimaabkommen stärker als jede andere religiöse Gemeinschaft in den USA.

Neffe von venezolanischem Kardinal Urosa offenbar ermordet

Ein Neffe des venezolanischen Kardinals und Erzbischofs von Caracas, Jorge Urosa, ist nach lokalen Medienberichten tot aufgefunden worden.

Graz: Muslimische Religionspädagogen an Theologischer Fakultät

„Integration durch interreligiöse Bildung“ – so nennt sich ein Projekt an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz, in dessen Rahmen mit 1. Juni erstmals zwei muslimische Religionspädagogen sowie ein Jurist an der Fakultät arbeiten.

Zulehner: Demütigung der arabischen Welt schürt Terrorismus

Europa sollte der vor allem von den USA ausgehenden „Demütigung der arabischen Welt“ eine weitsichtige Weltpolitik entgegensetzen, die Gräben nicht aufreißt, sondern überbrückt.

Vatikanbank  wieder deutlicher im Plus

Die Vatikanbank IOR hat 2016 nach einem mageren Vorjahresergebnis wieder mit einem deutlicheren Gewinn von 36 Millionen Euro abgeschlossen.

Papst plädiert für gesetzlich verankerte Frauenquoten
Kardinäle: Frauen gleiche Verantwortung übertragen

Papst Franziskus hat sich nachdrücklich für eine Beteiligung von Frauen in allen Gesellschaftsbereichen ausgesprochen. Dieses Recht müsse nötigenfalls mit gesetzlichen Mitteln abgesichert werden, sagte er am 9. Juni vor der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog.

Kardinalsrat erwägt Beteiligung des Volks bei Bischofsernennungen

Die Reformgruppe um Papst Franziskus („K9-Gruppe“) erwägt Möglichkeiten einer stärkeren Beteiligung des Kirchenvolks bei Bischofsernennungen.

Shopping-Malls und Fußballstadien als „Kathedralen der Moderne“

Shopping-Malls und Fußballstadien können aus guten Gründen als „Kathedralen der Moderne“ interpretiert werden.

Vatikan nimmt an „Anti-Trump-Konferenz“ in Bolivien teil

Mehr als 3.000 internationale Persönlichkeiten, Aktivisten und Menschenrechtler werden zum Welttreffen der Volksbewegungen am 20. und 21. Juni in Bolivien erwartet. Zentrales Thema der Veranstaltung mit dem Titel „Für eine Welt ohne Mauern, für eine universelle Bürgerschaft“ wird eine Debatte über die weltweite Migrationspolitik sein.

Papst initiiert „Welttag der Armen“

Papst Franziskus hat am 13. Juni den „unverschämten Reichtum einer Minderheit Privilegierter“ kritisiert und betont, dass dadurch die Armut weltweit verschärft wird.

Bischofskonferenz in Mariazell

Die Österreichische Bischofskonferenz hat bei ihrer Sommervollversammlung in Mariazell das Land erneut der Gottesmutter geweiht und drei Erklärungen zu den Themen „Welttag der Armen“, Terror und Sicherheit sowie Jugendsynode 2018 verabschiedet.

Requiem für Alois Mock: Kirche und Politik sagen Dank

Mit einem Requiem im Wiener Stephansdom hat sich am 13. Juni das offizielle Österreich vom verstorbenen früheren Außenminister und VP-Obmann Alois Mock verabschiedet.

Caritas eröffnet österreichweit 50. Lerncafe

Die Caritas eröffnete am 14. Juni in Mürzzuschlag ihr österreichweit 50. Lerncafe. In den Einrichtungen erhalten Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15 Jahren – vor allem mit Migrationshintergrund – Hilfe beim Lernen.

Charismatiker im Aufwind dank „Wiederentdeckung der Ökumene“

Nach Jahrzehnten einer „Angst vor pfingstlicher Überfremdung“ unter den Katholiken entdeckt die katholische Charismatische Erneuerungsbewegung ihre besondere Aufgabe im Bereich der „geistlichen Ökumene“ wieder und wird dadurch „neubelebt“: Das hat der Wiener Diakon Johannes Fichtenbauer im Interview mit der „Tagespost“ dargelegt.

China: 7.000 Christen-NGOs

Religionen stellen an sich keinen Nährboden für Gewalt und Terrorismus dar, können aber – je nach ihrem Selbstverständnis mehr oder weniger leicht – dafür instrumentalisiert werden.

Abt von Michaelbeuern: Klöster müssen ökologisch wirtschaften

Einen „besonderen Auftrag der Klöster“ auch in ökologischer Hinsicht hat der Abt der Salzburger Benediktinerabtei Michaelbeuern, Johannes Perkmann, hervorgehoben.

Leitartikel

Auf die Gangart kommt es an

Priestermangel Deutschland:„Es gibt sehr viele Kirchen in Bayern – aber immer weniger Pfarrer. Für das Problem haben sich die Diözesen etwas einfallen lassen: Sie holen die Geistlichen aus Asien oder Afrika.“ Schrieb die „Süddeutsche Zeitung“.
Priestermangel Österreich: Die Wiener „Presse“ war erstaunt, dass  die Tatsache von nur 18 Priesterweihen 2017 die Bischöfe nicht sonderlich zu rühren scheine. Der jüngste Anstoß von Papst Franziskus, man müsse über die Weihe von Viri probati nachdenken, sei in der Kirche „von maßgeblicher Seite ohne öffentlich auch nur ansatzweise wahrnehmbare Resonanz verhallt“, wunderte sich Kommentator Dietmar Neuwirth. Und fragte, ob die Bischöfe wohl bei ihrer Tagung in Mariazell dazu Stellung nehmen. Nun, wir wissen es jetzt: Nein!
Jüngst hat die kirchliche Evangelisations-Akademie die Parteienkrise in Österreich analysiert. Vielleicht könnte sie eine ähnliche Veranstaltung auch zur Kirchenkrise auf die Beine stellen.
Rom liefert laufend neue Impulse – siehe Seite 3: „Papst plädiert für gesetzlich verankerte Frauenquoten.“
Franziskus: Wenn die Frauen die Chance haben, ihre Gaben voll in die ganze Gemeinschaft einzubringen, „dann verändert sich die Gangart, in der die Gesellschaft sich selbst versteht und organisiert, zum Positiven“. Wohl auch in der  Kirche.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jer 20, 10-13

Er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter

Jeremia sprach: Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen. Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter.

 

Zweite Lesung:   Röm 5, 12-15

Anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade

Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht wie Adam durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten; Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheim gefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteil geworden.

 

Evangelium:   Mt 10, 26-33

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

 

Gedanken zum Sonntag

Stefan Wedra
Personalberater
Salurn, Italien

Den Glauben aktiv und intellektuell wach bekennen

Das Christentum ist die am meisten verfolgte Religion weltweit. Der Text des Evangeliums zeigt, dass Christen schon sehr früh die Erfahrung gemacht haben, verfolgt zu werden.
Dem Wort „glauben“ klingt etwas Unverbindliches mit. Doch Christen glauben anders. Sagen Christen „ich glaube“, dann sind sie existenziell mit Jesus Christus verbunden, der ihnen im Evangelium zusagt, für sie einzutreten. Sie fühlen sich in Leben und Sterben mit ihm verbunden, denn sie haben die Gewissheit der Auferstehung. Diese Beziehung ermöglicht es christlichen Menschen, dem Tod ins Auge zu sehen, wie es in Libyen, Ägypten, Syrien und im Irak beinahe schon alltäglich ist. Mich beeindruckt die Haltung der koptischen Kirche in Ägypten, wie sie das Gedächtnis der Menschen aufrecht erhält, die von Islamisten ermordet wurden. Die Märtyrer der alten Kirchen des Orients müssen wir auch als unsere Märtyrer sehen: Die Menschen dieser Kirchen sind auf unsere Solidarität und Hilfe angewiesen – auch als Flüchtlinge in unseren Ländern.
Aber auch in Europa macht sich der Geist der Intoleranz gegenüber Christen breit. Er kommt als angeblich aufgeklärter Atheismus. Populärphilosophen propagieren ein naives Christentum, das sie dann publikumswirksam „besiegen“. Stellt man ihre Argumentation in Frage, ist die Antwort oftmals blanker Hass.
Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, unseren Glauben aktiv und intellektuell wach zu bekennen. Über Gegenangriffe unter der Gürtellinie sollten wir großzügig hinweg sehen, denn wir haben die Hoffnung und die Zusage: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“

 

Information

IS konnte im Irak keinen Christen zur Konversion zwingen
Schwestern bauen ihre zerstörten Klöster wieder auf

Trotz der Verfolgung und Bedrohung durch die Terrorgruppe IS ist im Irak kein Christ zum Islam übergetreten: Das hat der päpstliche Nuntius im Irak, Erzbischof Martin Alberto Ortega, in Valencia dargelegt. „Uns ist kein einziger derartiger Fall bekannt“, sagte der aus Spanien stammende Erzbischof laut Angaben des spanischsprachigen katholischen Portals „Infocatolica.com“. Die Verfolgung und das Martyrium hätten die Christen der verschiedenen Konfessionen des Landes immens geeint.

Als die IS-Truppen die irakischen Städte eingenommen haben, hätten sie den Christen stets drei Alternativen zur Wahl gestellt, berichtete Ortega: „Den Übertritt zum Islam, das Bezahlen einer Sondersteuer für das Behalten des Eigentums, oder das Verlassen der Stadt.“ Der Großteil der Christen hätten auf diese Weise alles verloren. Nach der Vertreibung des IS kehrten sie nun allmählich zurück, fänden dabei aber ihre Häuser und Besitztümer zerstört und verbrannt vor. „Das ist sehr hart“, so der Bischof.
Die Caritas und Kirche in Not hätten bereits jetzt „große Arbeit“ geleistet und die Christen unterstützt – beim Wiederaufbau der zerstörten Kirchen und Spitäler in den christlichen Dörfern der Ninive-Ebene um die weiterhin umkämpfte Stadt Mossul, oder auch durch die Bezahlung der Miete von Übergangswohnungen.

„Wir bauen unser Kloster wieder auf“
In der Ninive-Ebene im Irak sind 363 kirchliche Gebäude durch den Islamischen Staat beschädigt oder zerstört worden. Die Dominikanerinnen Schwester Luma Khuder und Schwester Nazek Matty sagen: „Wir hoffen, so bald wie möglich nach Teleskuf zurückzukehren. Die Familien brauchen uns.“ Pater Andrzej Halemba, der Interimsvorsitzende des Ninive-Wiederaufbau-Komitees: „Schon 450 Familien sind nach Teleskuf zurückgekehrt. Wir hoffen, dass viele weitere ihrem Beispiel folgen werden.“


Schwester Luma Khuder (rechts) und Schwester Nazek Matty wollen ihr Kloster wieder aufbauen.
Foto: Kirche in Not.

Vor 2014 hatten die Dominikanerinnen der heiligen Katherina von Siena Klöster in vielen Orten der Ninive-Ebene. Dann kam der Islamische Staat, und Schwester Luma und Schwester Nazek wurden zusammen mit rund 70 ihrer Mitschwestern zu Binnenflüchtlingen.
Sie bauten „Notklöster“ auf, um den Flüchtlingen dann mit Schulen und Kindergärten zu helfen.

Papst plädiert für gesetzlich verankerte Frauenquoten
Kardinäle: Frauen gleiche Verantwortung übertragen

Papst Franziskus hat sich nachdrücklich für eine Beteiligung von Frauen in allen Gesellschaftsbereichen ausgesprochen. Dieses Recht müsse nötigenfalls mit gesetzlichen Mitteln abgesichert werden, sagte er am 9. Juni vor der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog.

Frauen sollten in allen Bereichen der Gesellschaft, regional wie international, mehr zum Zug kommen. Franziskus brach damit laut Radio Vatikan indirekt eine Lanze für Frauenquoten und merkte an, eine wachsende Präsenz von Frauen wäre auch in der Kirche ein „heilsamer Prozess“. Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog hielt bis Freitag seine Vollversammlung in Rom zum Thema  Frauen und Friedenserziehung ab.

Tauran: Nicht nur zur Mutterschaft berufen
Für eine Chancengleichheit von Frauen gegenüber Männern hat sich Kurienkardinal Jean-Louis Tauran ausgesprochen. Frauen seien nicht allein zur Mutterschaft, sondern auch zur Wahrnehmung anderer gesellschaftlicher Aufgaben berufen, erinnert der Präsident des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog im Interview mit Radio Vatikan: „Die Frau hat nicht allein diese Aufgabe der Zärtlichkeit, der Mutter, sondern auch ihren Platz in der Gesellschaft. Frauen sind in der Lage dazu, Verantwortlichkeiten zu haben wie Männer.“

Marx: Viel Handlungsbedarf
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht in Fragen der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft noch viel Handlungsbedarf. Auch die Kirche selbst müsse hier „kritisch zurückschauen“, sagte der Erzbischof von München und Freising am 10. Juni bei einem Gottesdienst in Garching bei München.

Frauen können Gesellschaft verändern
Der Papst gliederte seine Rede in drei Punkte: die Rolle der Frau wertschätzen, zur Geschwisterlichkeit erziehen, Dialog führen. In der heutigen komplexen Gesellschaft brauche es „mehr Anerkennung der Fähigkeit der Frau, zur universellen Geschwisterlichkeit zu erziehen“. Wenn die Frauen die Chance haben, ihre Gaben voll in die ganze Gemeinschaft einzubringen, „dann verändert sich die Gangart, in der die Gesellschaft sich selbst versteht und organisiert, zum Positiven“, so der Papst.
„Es ist also ein heilsamer Prozess: die wachsende Präsenz der Frauen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben, national und international, sowie auch im kirchlichen Leben. Frauen haben ein volles Recht darauf, sich aktiv in allen Bereichen einzubringen, und dieses ihr Recht muss auch über rechtliche Mittel bestätigt und geschützt werden, wo dies nötig ist.“
Viele Frauen brächten ihre Begabungen und Kompetenzen „mitunter mit heroischem Mut“ ein.

Erzieherinnen und Friedensstifterinnen
Gerade als Erzieherinnen haben Frauen nach den Worten von Franziskus eine besondere Berufung, die in der Gesellschaft dann „neue Formen der Aufnahme und der gegenseitigen Wertschätzung“ entstehen lassen. Im Bereich der Bildung im weitesten Sinn sei der Beitrag der Frauen „unschätzbar groß“. Durch ihre „Nähe zum Geheimnis des Lebens“ könnten sie viel dafür tun, einen Geist der Geschwisterlichkeit zu fördern, auch indem sie die Überzeugung weitertragen, „dass die Liebe die einzige Kraft ist, die die Welt für alle bewohnbarer macht“, so Franziskus.
Besonders würdigte der Papst die Rolle von Frauen als Friedensstifterinnen in kulturell schwierigen Situationen, etwa in Ländern, in denen dringend Dialog zwischen den Religionen geboten ist. Frauen seien da „oft mehr als Männer“ mit dem „Dialog des Lebens“ befasst, erklärte Franziskus, „und so tragen sie bei zu einem besseren Verständnis der typischen Herausforderungen einer multikulturellen Realität“.

Frauen heute nötiger als je
Papst Franziskus: „Die Frauen können sich auch mit vollem Recht in den Austausch religiöser Erfahrungen und in den theologischen Austausch einbringen. Viele Frauen sind gut vorbereitet, an Treffen zum interreligiösen Dialog auf den höchsten Ebenen teilzunehmen, und zwar nicht nur auf katholischer Seite. Das heißt, der Beitrag der Frauen darf nicht auf ‚weibliche Themen‘ beschränkt werden oder auf Treffen, an denen ausschließlich Frauen teilnehmen. Dialog ist ein Weg, den Frau und Mann gemeinsam zurücklegen müssen. Es ist heute nötiger als je, dass die Frauen anwesend sind.“

Shopping-Malls und Fußballstadien als „Kathedralen der Moderne“

Shopping-Malls und Fußballstadien können aus guten Gründen als „Kathedralen der Moderne“ interpretiert werden.

Darauf hat die deutsche Soziologin Stefanie Duttweiler in der aktuellen Ausgabe der in Linz erscheinenden „Theologisch-Praktischen Quartalschrift“ zum Thema „Sakrale Räume heute“ hingewiesen. Auch wenn Einkaufszentren und Fußballstadien „nicht explizit religiöse Orte“ seien, gebe es doch Parallelen hinsichtlich der Inszenierung, Funktion, architektonischen Gestaltung und Atmosphäre. All dies rechtfertige eine Deutung dieser profanen Orte als Schauplätze von „Ersatzreligion“ oder zumindest „Religionsersatz“.
Einschränkend merkte die in Frankfurt lehrende Sportsoziologin und Kulturwissenschaftlerin an: In einigen der zuletzt entstandenen Shopping-Malls und Stadienumbauten – wie in jenem von Österreich populärstem Verein SK Rapid Wien -, wurden explizit-religiöse Räume verortet.


Professorin Stefanie Duttweiler.

Damit werde eine Interpretation als Religionsersatz und Ersatzreligion „ergänzungsbedürftig“. „Es scheint also, als können Fußball-Arenen und Shopping-Malls religiöse Räume gerade nicht vollständig ersetzen“, so Duttweiler. Ob sich die Konsum- und Fußballreligion durch Kapellen oder Andachtsräume „selbst ver-edelt“ oder ob hier einem neuen Bedarf an religiösen Räumen Rechnung getragen wird, sei schwer zu entscheiden. „Doch es scheint, als wäre die Präsenz dieser Räume ein Signum der post-säkularen Gesellschaft, die gelernt hat, dass sie auf Religion als Bewahrerin fundamentaler, nicht hintergehbarer Werte nicht verzichten kann.“

Charismatiker im Aufwind dank „Wiederentdeckung der Ökumene“

Nach Jahrzehnten einer „Angst vor pfingstlicher Überfremdung“ unter den Katholiken entdeckt die katholische Charismatische Erneuerungsbewegung ihre besondere Aufgabe im Bereich der „geistlichen Ökumene“ wieder und wird dadurch „neubelebt“: Das hat der Wiener Diakon Johannes Fichtenbauer im Interview mit der „Tagespost“ dargelegt.

Der Präsident des „European Network of Communities“ bezeichnete diese Entwicklung als „Segen“, der genau zum richtigen Zeitpunkt komme und auf vielen Ebenen zu Versöhnung beitragen könne.
Die Charismatische Erneuerung besitze eine „besondere ökumenische Gnade“, erklärte Fichtenbauer mit Verweis auf die Ursprünge ab 1967: Katholische Studentengruppen in Nordamerika und anderen Kontinenten traten damals in Kontakt mit „charismatisch erneuerten“ anglikanischen und methodistischen Christen und machten danach auch selbst Erfahrungen einer „Erweckung im Heiligen Geist“. Fichtenbauer: „Die gemeinsame, konfessionsübergreifende Erfahrung Gottes schuf eine Innigkeit der Begegnung, wie sie in der rein intellektuell-theologischen Suche nach Einheit kaum erlebbar war und ist.“


Diakon Johannes Fichtenbauer.

Ab Mitte der 1970er-Jahre sei die geistliche Ökumene jedoch für fast 30 Jahre vernachlässigt und heruntergespielt worden. „Was für ein Verlust!“, so dazu der Kommentar des Wiener Diakons. Gleichzeitig habe es jedoch vielerorts auch andere „Kinderkrankheiten“ gegeben, wie zunächst einen „gewissen anfänglichen Fanatismus“ mit Selbstüberschätzung oder in den 1990er-Jahren eine „falsche Nivellierungs- und Anpassungsphase“, bei denen „das eigentliche Charismatische“ – Fichtenbauer nannte hier den Lobpreis, die Praxis der Charismen sowie die „dienenden Kräfte nach Außen“ – selten geworden seien. Als Problem sehe er auch die Traditions- und Theologievergessenheit in manchen charismatischen Kreisen.

Neue Dynamik seit Jahrtausendwende
Etwa seit der Jahrtausendwende sei es jedoch wieder zu einer „Verlebendigung“ der Szene gekommen. Vor allem auf der Südhalbkugel – wo „größere Offenheit für das nicht Planbare, nicht Kontrollierbare, für den Einbruch Gottes mitten in die Welt“ bestehe – seien unzählige dynamische Kommunitäten, Gebetshäuser, Evangelisationsschulen und Heilungszentren entstanden und hätten das Kirchenbild belebt.
Auch in Europa und Nordamerika sei momentan eine „charismatische Neubelebung“ in Gange, „die Zeit der Ermüdung scheint vorbei zu sein“, erklärte Fichtenbauer. Neben den weiter bestehenden kleinen Gebetsgruppen hätten sich vielerorts auch neue Formen charismatischen Lebens eta-bliert, darunter etwa „neue Gemeinschaften, Gebetszentren, Heilungsorte, Evangelisationskampagnen für ganze Großstädte oder Pfarrerneuerungskonzepte für ganze Diözesen“. Vieles davon sei durch protestantische und freikirchliche Vorbilder angeregt und „ohne falsches Kopieren klug in die ‚katholische Welt‘ übersetzt, was erstaunlich gut gelingt“, so der Diakon.
Fichtenbauer erinnerte an die Papstansprache während der ökumenische Virgilfeier am Pfingstsamstag (3. Juni) auf dem Circo Massimo.
Der Papst, der sich schon in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires den charismatischen Bewegungen geöffnet hatte, bezeichnete in seiner Rede die Entstehung der charismatischen Bewegung als ein „ökumenisches Ereignis“.