Inhalt der gedruckten Ausgabe 26/2016

Leitartikel

Den Ermutiger ermutigen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Eleonore Rosenberg
Studienrätin i.R.
Heilbronn, Deutschland

Information

Papst Franziskus sieht sich zur Verteidigung veranlasst:
„Amoris laetitia“ steht auf dem Boden kirchlicher Lehre

Das hat es noch nie gegeben: Ein Papst verteidigt sich selbst gegen den Vorwurf der Häresie. Papst Franziskus ist der Kritik entgegengetreten, sein Schreiben zu Ehe und Familie, „Amoris laetitia“ stehe nicht vollständig auf dem Boden der kirchlichen Lehre.

Papst: Die meisten kirchlichen Ehen sind ungültig

Papst Franziskus hält die meisten kirchlich geschlossenen Ehen für „ungültig“. Der Mehrzahl der Paare fehle das nötige Verständnis von Dauer und Verpflichtung einer Ehe, sagte der Papst am 16. Juni  laut Vatikan-Bollettino.

„Forum XXIII“ löst sich auf

Das vor 23 Jahren von Laien, Priestern und Ordensleuten in der Diözese St. Pölten gegründete „Forum XXIII“ hat seine Tätigkeit eingestellt.

„Homo-Ehe“: EGMR bestätigt die österreichische Rechtslage

Dass gleichgeschlechtlichen Paaren eine Zivilehe verweigert wird, verletzt laut dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nicht ihre Grundrechte.

Erste Frau an Spitze des Österreichischen Pastoralinstituts

Mit Anna Findl-Ludescher ist erstmals eine Frau an der Spitze des Österreichischen Pastoralinstituts und als geschäftsführende Vorsitzende der Pastoralkommission gewählt worden. Sie folgt auf den Salzburger  Seelsorgeamtsleiter und Domkapitular Balthasar Sieberer.

Pionierin der feministischen Bibelforschung starb 89-jährig

Elisabeth Moltmann-Wendel ist am 7. Juni in Tübingen im Alter von 89 Jahren verstorben, wie die Evangelische Kirche in Deutschland am Freitag mitteilte.

Hassparolen auf Caritas-Auto

Das Caritas-Auto des Generalsekretärs der Wiener Caritas, Klaus Schwertner, wurde in der Nacht auf den 11. Juni zur Zielscheibe von fremdenfeindlichen Hassparolen.

Mehrheit der 26 Neupriester im Ausland geboren

Mindestens 26 Männer, die wesentliche Teile ihrer Priesterausbildung in Österreich absolviert haben, werden nach Kathpress bisher vorliegenden Angaben 2016 zu katholischen Priestern geweiht. 10 von ihnen sind in Österreich geboren, die anderen stammen u.a. aus Deutschland, Polen, Belgien oder Kamerun.

Krise statt Aufbruch: Orthodoxes Konzil steht vor Scherbenhaufen

Am 19. Juni, dem Beginn der  „Heiligen und Großen Synode“ stand die orthodoxe Kirchenfamilie vor einem Scherbenhaufen. Nach der kurzfristigen Absage der russisch-orthodoxen Kirche für das Konzil auf der griechischen Insel Kreta stritten die Patriarchate von Moskau und Konstantinopel über die Konsequenzen.

US-Pastor sorgt mit Hasspredigt zu Orlando-Massaker für Eklat

Ein kalifornischer Geistlicher hat mit einer Predigt zum Massaker von Orlando landesweite Empörung ausgelöst. Ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt Roger Jimenez, Pastor der Verity-Baptistenkirche in Sacramento, wie er die 49 Opfer aus dem Schwulen-Club „Pulse“ als „Sodomiten“ und „Sexualverbrecher“ beschimpft.

Bischöfe unterstützen Außenminister: Ausbau von humanitären Korridoren

Die Bischofskonferenz setzt in der Flüchtlingssituation auf den Auf- und Ausbau von humanitären Korridoren und unterstützt den entsprechenden Vorschlag von Außenminister Sebastian Kurz.

Rom warnt charismatische Bewegungen, aber auch Orden

Die Glaubenskongregation hat am 14. Juni  einen Brief an die Bischöfe der Weltkirche über den Umgang mit charismatischen Bewegungen veröffentlicht.

Vor Olymipia-Beginn: Rios Erzbischof geriet in Feuergefecht

Kardinal Orani Joao Tempesta(66) geriet am 10. Juni in Rio de Janeiro in ein Feuergefecht zwischen der Polizei und Drogengangstern, berichteten Zeitungen. Zehn Minuten lang habe der Geistliche hinter einer Mauer im Touristenviertel Santa Teresa Schutz suchen müssen.

EGMR stoppt Abschiebung von mit Christ verheirateter Muslimin

Frankreich darf eine Muslimin, die wegen ihrer Heirat mit einem Christen misshandelt und bedroht wurde, nicht nach Guinea abschieben.

Griechisch-katholische Kirche präsentiert Sensationsfund zu Union

Das von sowjetischen und russisch-orthodoxen Vertretern lange behauptete Fehlen einer Beurkundung der Kirchenunion von 1646 zwischen der ruthenischen byzantinischen Ortskirche im Karpatengebiet und dem Papst in Rom ist jetzt widerlegt worden.

Papst Franziskus besucht das älteste christliche Staatsvolk

Papst Franziskus besucht von 24. bis 26. Juni Armenien. Die Armenier dürfen von sich behaupten, das älteste christliche Staatsvolk der Welt zu sein. 301 erhob der armenische König Trdat (Tiridates) III. das Christentum zur Staatsreligion.

Frauen sind integrationsbereiter

Für eine Wertevermittlung bei der Integration von Flüchtlingen, die über reine Fakteninformation hinausgeht, haben sich am 15. Juni Experten bei einem von Außenminister Sebastian Kurz veranstalteten Symposium in Wien ausgesprochen.

Papst kritisiert Diskriminierung von Behinderten in der Kirche

Papst Franziskus hat die Diskriminierung von Behinderten in der katholischen Kirche kritisiert. Es sei traurig, dass den Betroffenen in einigen Fällen weiter der Zugang zu den Sakramenten verwehrt werde, heißt es in einem Redetext, den der Vatikan am 11. Juni verbreitete.

Vor 60 Jahren trat Franz König sein Amt als Wiener Erzbischof an

Eine „machtvolle Kundgebung des katholischen Wien“ war es laut dem Archiv der katholische Presseagentur Kathpress. Begleitet von zehntausenden Gläubigen und den Glockenschlägen der Pummerin zog der neue Wiener Erzbischof Franz König (1905-2004) vor 60 Jahren, am 17. Juni 1956, zu seiner Amtseinführungsfeier von der Augustinerkirche zum Stephansdom.

Wien: Mit „Jugendkirche“ endete zehnjähriges „heiliges Experiment“

Mit einem Jubiläums- und Abschlussgottesdienst zog die Erzdiözese Wien den offiziellen Schlussstrich unter das seit zehn Jahren bestehende Projekt „Jugendkirche“.

Aleppo: Christen versorgen im Ramadan arme Muslime mit Speisen

Seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan versorgt die syrisch-orthodoxe Kirche arme muslimische Familien in Aleppo jeden Tag mit Lebensmitteln für das Frühstück und das Iftar-Essen nach Sonnenuntergang.

Leitartikel

Den Ermutiger ermutigen

Das St. Pöltner „Forum XXIII“ hat sich aufgelöst. Den Anstoß zur Beendigung der Tätigkeit habe der Rückzug zahlreicher Vorstandsmitglieder gegeben, teilten die Verantwortlichen in einer Pressemitteilung nach der Generalversammlung mit.
Wesentliche Anliegen des Forums zu einer Reform der Kirche stünden heute auf der Agenda von Papst Franziskus, hielt der scheidende Vereinsvorstand fest. „Die von Millionen Katholiken weltweit erhoffte und angestrebte Erneuerung der katholischen Kirche in Rückbesinnung auf die Wegweisungen Jesu zeichne sich bereits in Ansätzen ab“, hieß es. Dieser Prozess sei aber „immer noch gefährdet“.
Tragisch: Auch um andere Reformbewegungen ist es in letzter Zeit ziemlich still geworden.
Anders die Gegenseite: Sie organisiert sich immer stärker und schießt aus allen Rohren gegen den Papst und seine Aufbruch-Ideen.
In einem letzten Appell bat das „Forum XXIII“ die bisherigen Mitglieder und Sympathisanten des „Forums XXIII“, die Reformbemühungen des Papstes „nach Kräften zu unterstützen“.
Müsste sich nicht gerade jetzt die Basis organisieren, um jenen Mann zu ermutigen, der sie ermutigt? So laut und deutlich, dass es alle hören: der einsame Papst und Bischöfe, die ähnlich müde sind wie manche Reformbewegungen.
Doch wer stellt sich an die Spitze?
Der Reformweg ist nicht unumkehrbar.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Kön 19, 16b.19-21

Elischa stand auf und folgte Elija

In jenen Tagen sprach der Herr zu Elija: Salbe Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, zum Propheten an deiner Stelle. Als Elija von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen, und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elija antwortete: Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe. Elischa ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.

 

Zweite Lesung:   Gal 5, 1.13-18

Ihr seid zur Freiheit berufen

Schwestern und Brüder!
Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! Ihr seid zur Freiheit berufen, Schwestern und Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt. Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, so dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt. Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.

 

Evangelium:   Lk 9, 51-62

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst

Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

 

Gedanken zum Sonntag

Eleonore Rosenberg
Studienrätin i.R.
Heilbronn, Deutschland

Das Dringendste zuerst

Die Jesusnachfolge ist tatsächlich immer wieder recht eigenartig. Liest man in den sozialen Netzwerken Kommentare religiöser junger Menschen, dann klingen sie manchmal wie aus dem Gesangsbuch des 19. Jahrhunderts. Nennen wir sie Daniel und Hanne, sie sind begeistert bis hin zum Fanatischen. Sie nehmen alles Mögliche auf sich, reisen zu Prayermeetings oder Jugendtreffen, schlafen auf dem Boden, teilen Essen und Erfahrung. Werden sie gefragt, ob diese Begeisterung und Bereitschaft zum Teilen auch für Nichtchristen gilt, flaut das gelegentlich ab. Elke und Klaus sind weniger religiös, aber höchst aktiv beim Roten Kreuz. Sie schieben ihre Nachtdienste ohne zu murren und kennen keinen Unterschied, wem sie gerade Hilfe leisten. Im Sonntagsgottesdienst trifft man sie eher selten, vielleicht zu den großen Feiertagen oder bei Familienfesten. Wäre ich Lukas würde ich fragen: Wer von ihnen folgt Jesus nach?
Ich kenne diese Episoden von Menschen meines Alters ebenso. Helene ist die begeisterte Wallfahrerin, aber ihre Abneigungen sind auch bekannt. Der wortkarge Emil ist in der Obdachlosenstube und im Flüchtlingshaus aktiv.
Alle diese Menschen sind absolut liebenswert. Ich kann nicht beurteilen, was vor Gott mehr wert ist. Ich weiß aber, was mir sympathischer ist. Das Göttliche ist in jedem Menschen, vielleicht haben sie verschiedene Berufungen. Aus der Notfallarbeit gilt aber: Das Dringendste zuerst! Und ich bin Teresa von Avila sehr dankbar für diese Worte: „Mache mich zu einer Heiligen, indem ich Mahlzeiten zubereite und Teller wasche. Nimm an meine rauen Hände, weil sie für Dich rau geworden sind.“

 

Information

Papst Franziskus sieht sich zur Verteidigung veranlasst:
„Amoris laetitia“ steht auf dem Boden kirchlicher Lehre

Das hat es noch nie gegeben: Ein Papst verteidigt sich selbst gegen den Vorwurf der Häresie. Papst Franziskus ist der Kritik entgegengetreten, sein Schreiben zu Ehe und Familie, „Amoris laetitia“ stehe nicht vollständig auf dem Boden der kirchlichen Lehre.

„Zu ihrer Beruhigung muss ich ihnen sagen, dass das, was in der Exortation geschrieben steht, alles thomistisch ist, von vorne bis hinten. Das ist sichere Lehre“, sagte er laut einer vatikanischen Mitteilung vom 17. Juni  vor Vertretern der Diözese Rom. Damit greife er die Worte des „großen Theologen Kardinal Schönborn“ auf, so Franziskus.
Anlass für die Äußerungen war die Frage eines römischen Seelsorgers, wie sich die kirchliche Lehre und die Fürsorge für Familien in schwierigen Situationen vereinbaren ließen. Der Papst besuchte am Donnerstagabend, 16. Juni, einen Kongress der Diözese Rom in der Lateran-Basilika.
Konservative Kritiker wie etwa der italienische Kardinal Carlo Caffarra hatten behauptet, dass die Aussagen von „Amoris laetitia“ zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen unklar seien. Sie beanstandeten, dass das Schreiben dem Wortlaut nach auch im Sinne einer Zulassung der Betroffenen zur Kommunion und damit als Abweichung von der bisherigen Lehre verstanden werden könne. Eine korrekte Auslegung des Schreibens könne jedoch nur im Licht der Tradition erfolgen, die eine solche Möglichkeit nicht vorsehe.

Lehre bietet keine mathematische Gewissheit
Im Anfang April veröffentlichten nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ fordert der Papst mehr Barmherzigkeit und Realismus im Umgang mit Familien.
Franziskus sagte am Donnerstagabend weiter, es gehe da-rum, im Umgang mit Familien, deren Lebenssituation nicht der kirchlichen Lehre entsprechen, weder in Laxheit noch in Rigorismus zu verfallen. Oft wolle man, dass die kirchliche Lehre eine „mathematische Gewissheit hat, die nicht existiert“.

„Forum XXIII“ löst sich auf

Das vor 23 Jahren von Laien, Priestern und Ordensleuten in der Diözese St. Pölten gegründete „Forum XXIII“ hat seine Tätigkeit eingestellt.

Bei einer außerordentlichen Generalversammlung am 9. Juni wurde die freiwillige Auflösung des Vereins beschlossen. Das Forum war 1993 mit dem Ziel initiiert worden, im Geist des Konzilspapstes Johannes XXIII. für eine nach innen und außen offene und reformbereite Kirche einzutreten. Unmittelbarer Anlass waren Konflikte mit dem damaligen St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn (1936-2014) über dessen Amtsführung.

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V. l.n.r.: Abt Joachim Angerer, Vinzenz Höfinger, Kardinal Franz König und Karl Dillinger, der erste Präsident von „Forum XXIII“.

Papst Franziskus besucht das älteste christliche Staatsvolk

Papst Franziskus besucht von 24. bis 26. Juni Armenien. Die Armenier dürfen von sich behaupten, das älteste christliche Staatsvolk der Welt zu sein. 301 erhob der armenische König Trdat (Tiridates) III. das Christentum zur Staatsreligion.

Obwohl nur ein kleiner Prozentsatz der Armenier römisch-katholisch ist, während mehr als 90 Prozent der nicht mit Rom verbundenen Armenisch-Apostolischen Kirche angehören, hat der Papst die Herzen der Armenier schon vor seiner Ankunft gewonnen.
Das hat P. Tiran Petrosyan, Patriarchaldelegat der Armenisch-Apostolischen Kirche für Mitteleuropa, im „Kathpress“-Gespräch betont. Der Besuch sei als außerordentlich schöne Geste des Papstes zu bewerten, seine Solidarität mit dem armenischen Volk zu zeigen, so Petrosyan, der seinen Sitz in Wien hat.

P. Tiran Petrosyan
P. Tiran Petrosyan.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Mutiger Mann Gottes
Der Papst wird bei seinem Besuch auch an der Völkermord-Gedenkstätte „Zizernakaberd“ einen Kranz für die Opfer niederlegen. Die Position des Papstes zum Völkermord sei klar, unterstrich Petrosyan. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt 2013 hatte der Papst vom „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“ gesprochen. Ebenso bei einem Gottesdienst im Vatikan im April 2015, als er den armenischen Heiligen Gregor von Narek zum katholischen Kirchenlehrer erhob. Wie P. Tiran sagte, hätten die Worte des Papstes das armenische Volk tief bewegt. Im Volksmund werde der Papst als „mutiger Mann Gottes“ bezeichnet.
Rund zehn Millionen Gläubige bekennen sich weltweit zur Armenisch-Apostolischen Kirche.
Zur Armenisch-katholischen Kirche bekennen sich rund 470.000 Gläubige weltweit, darunter rund 325.000 in Armenien selbst.

Vor 60 Jahren trat Franz König sein Amt als Wiener Erzbischof an

Eine „machtvolle Kundgebung des katholischen Wien“ war es laut dem Archiv der katholische Presseagentur Kathpress. Begleitet von zehntausenden Gläubigen und den Glockenschlägen der Pummerin zog der neue Wiener Erzbischof Franz König (1905-2004) vor 60 Jahren, am 17. Juni 1956, zu seiner Amtseinführungsfeier von der Augustinerkirche zum Stephansdom.

„Ich komme nicht als euer Herr, sondern als euer Mitbruder“, wandte er sich in der ersten Predigt an die Priester seiner neuen Diözese.
Das Bischofsamt laste auf seinen Schultern ebenso schwer, wie die Seelsorgsarbeit auf den Priestern, sagte König. Worte aus dem Mund einer der prägenden Gestalten in die Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts, die gar nicht Bischof und schon gar nicht Erzbischof hatte werden wollen.
Der Bauernsohn aus dem niederösterreichischen Pielachtal sah ursprünglich seine Zukunft neben dem Priesteramt eher in der wissenschaftlichen Theologie. Als er 1956 von der päpstlichen Entscheidung erfuhr, dass er nächster Erzbischof von Wien werden solle, war König jedoch schon seit vier Jahren Weihbischof und Koadjutor des St. Pöltner Bischofs Michael Memelauer.
In Wien war im Dezember 1955 Kardinal Theodor Innitzer gestorben. Viele rechneten damit, dass Papst Pius XII. (1939-1958) den Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym (1910-1984) zum Nachfolge Innitzers ernennen würde.

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Franz König nach seiner Ernennung
zum Erzbischof von Wien.

König hatte Bedenken
Die päpstliche Entscheidung war daher eine Überraschung, die angesichts bestehender großer Unsicherheiten über die Kirche Wiens und Österreichs Königs Unbehagen offenbar noch beförderte.
Bei einem geheimen Rom-Besuch trug er dem Papst persönlich seine Bedenken vor. Pius XII. habe ihm zugehört, schilderte König Jahrzehnte später in einem TV-Interview, und am Ende des Gesprächs gemeint: „Fahren Sie nach Hause – Sie werden von mir hören.“
Die endgültige Entscheidung des Papstes hörte König wenige Tage danach zuerst aus dem Mund des damaligen österreichischen Außenministers Leopold Figl. Er sagte: Hurra, Sie werden Erzbischof von Wien“, erinnerte sich König später genauso an die Worte Figls wie an seine eigene Antwort: „Für Sie ist es Hurra, für mich ist es nicht gerade ein Hurra.“

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Kardinal Franz König
bei einem Pastoralbesuch 1996 in Paudorf.

Kardinal-König-Stiftung
Wachablöse an der Spitze der Kardinal-König-Stiftung: Am 16. Juni nahm der emeritierte Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari bei der Sitzung des Kuratoriums Abschied als Präsident der Stiftung, sein Nachfolger ist der Linzer Bischof Manfred Scheuer.
Die Stiftung wurde durch Kardinal Franz König 1991 gegründet, damals unter dem Namen „Communio et Progressio – Neue Hoffnung für den Donauraum“.