Inhalt der gedruckten Ausgabe 24/2016

Leitartikel

Hier eine Woche, dort neun Monate

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Eleonore Rosenberg
Studienrätin i.R.
Heilbronn, Deutschland

Information

Befreiungstheologe Cardenal: Meine Berufung zum Mönch führte zur Vereinigung mit Gott und mit dem Volk

Er habe sich nicht zum Priester, sondern zum Mönch berufen gefühlt, zu einer „mystischen Ehe, einer Vereinigung mit Gott“.  Das führte ihn zur Vereinigung mit dem Volk, zur sozialen Verantwortung. Das sagte der nicaraguanische Befreiungstheologe und Schriftsteller Ernesto Cardenal (91) in dem Interview für ein Buch, das im Oktober erscheinen wird und „Christ & Welt“ am 2. Juni im Vorabdruck veröffentlichte.

Frauen plakatieren Priesterinnen-Porträts rund um den Vatikan

Mit einer Fotokampagne in Vatikannähe will eine Fraueninitiative Zugang zu katholischen Weiheämtern einfordern.

Türkei hebt Immunität der drei einzigen christlichen Abgeordneten auf

Die neue Regierung in Ankara will den von Staatspräsident Recep Tayyip  Erdogan geforderten Umbau der Türkei zu einer Präsidialrepublik zügig angehen.

Indischer Weihbischof spendet krankem Hindu eine Niere

Der indische katholische Weihbischof Jacob Muricken hat einem Hindu-Patienten eine seiner beiden gesunden Nieren gespendet.

Israel: Christliche Schulen vor dem finanziellen Kollaps

Wenige Tage vor dem Ende des Schuljahres befinden sich die insgesamt 47 christlichen Schulen in Israel in einer finanziellen Notlage, die verheerende Auswirkungen haben könnte.

Kreuz aus Österreich im EU-Parlament „verbannt“

Ein von HTL-Schülern aus Oberösterreich gestaltetes eineinhalb Meter hohes Kreuz zierte in den vergangenen eineinhalb Jahren einen zentralen Platz im Europäischen Parlament in Brüssel.

Papst: Guter Priester ist Hirte, nicht Polizeiinspektor

Ein guter Priester darf niemanden verachten und muss sich für andere auch die Hände schmutzig machen. Das sagte Papst Franziskus bei einer Messe zum kirchlichen Herz-Jesu-Hochfest am Freitag auf dem Petersplatz.

Startrainer Jose Mourinho leiht Papst die Stimme

Fußballgrößen betonen ihre Nähe zu Papst Franziskus.

„Cap Anamur“-Gründer gestorben

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki leitet am 14. Juni den Trauergottesdienst für Rupert Neudeck, der am 31. Mai nach einer Herzoperation im 77. Lebensjahr gestorben ist.

Bettler betreuen statt vertreiben

Erzbischof Franz Lackner ist gegen die umstrittene Ausweitung des Bettelverbots in der Stadt Salzburg.

Putins Athos-Besuch sorgte für diplomatische Verwicklungen

Für internationales Aufsehen sorgte Ende Mai der Besuch des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin in der Mönchsrepublik Berg Athos.

Medienbericht: Papst schließt Lockerung des Zölibats aus

Papst Franziskus soll laut einem Medienbericht ein Abrücken vom Zölibat für Priester ausgeschlossen haben.

40.000 beim Katholikentag in Leipzig

Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst unter freiem Himmel ist am 29. Mai in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen. Zu dem fünftägigen Christentreffen kamen nach Angaben der Veranstalter 40.000 Besucher.

Schweiz: Einsiedler Altabt Werlen segnete Gotthard-Tunnel

Der Gotthard-Basistunnel ist am 1. Juni feierlich gesegnet worden. Geistliche dreier Religionen, darunter der Altabt von Kloster Einsiedeln, Martin Werlen, führten vor der offiziellen Eröffnung gemeinsam eine Segnungszeremonie im Berg durch. Der Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Landau erneuert seine Forderung nach einer Integrationsmilliarde

Neben der bereits fixierten zusätzlichen Milliarde Euro im Budget für das Heer und der Milliarde für die Polizei sollte es auch dringend eine Milliarde für Integration geben.

Sekretär von Johannes XXIII. 100-jährig gestorben
„Was wir erleben, ist die Morgenröte der Kirche“

Loris Francesco Capovilla, ältester Kardinal der Welt, ist tot. Er starb am Fronleichnamstag  in Bergamo im Alter von 100 Jahren. Der langjährige Privatsekretär von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) lebte zuletzt im einstigen Haus seines Dienstherrn in Sotto il Monte Giovanni XXIII bei Bergamo.

Erstmals eine Muslimin zuständig für Kultusangelegenheiten

Von einer „ausgesprochen positiven“ ersten Begegnung mit der neuen, u.a. für Kultusangelegenheiten und damit für Religionsfragen zuständigen Staatssekretärin Muna Duzdar berichtete Kardinal Christoph Schönborn in seiner Kolumne in der Gratiszeitung „Heute“.

Papst traf einstige Gegnerin

Papst Franziskus hat die umstrittene argentinische Bürgerrechtlerin Hebe de Bonafini (87) zu einem Gespräch im Vatikan empfangen.

Sechsjähriger Mariazell-Pilger

Einer der 150 Pilger der traditio-nellen Fußwallfahrt von Pau-dorf nach Mariazell sorgte Ende Mai für Aufsehen: der sechsjährige Benedikt Havlena, ein Kindergartenkind aus dem süd-mährischen Jaromerice.

Leitartikel

Hier eine Woche, dort neun Monate

Vom 19. bis 26. Juni soll das erste Panorthodoxe Konzil seit Jahrhunderten auf Kreta stattfinden.
Zwei Wochen vorher steht es möglicherweise noch auf der Kippe. Denn die bulgarisch-orthodoxe Kirche teilte am 1. Juni  in Sofia mit, sie werde dem „Heiligen und Großen Konzil“ fernbleiben, wenn nicht zuvor ihre Bedingungen erfüllt würden. Das oberste Leitungsgremium der Kirche, der Heilige Synod, forderte einstimmig eine Verschiebung der Kirchenversammlung.
Da die Verfahrensordnung des Konzils vorsieht, dass Entscheidungen einstimmig von allen orthodoxen 14 Kirchen getroffen werden, droht das lange vorbereitete Gipfeltreffen der Orthodoxie an der angedrohten Nichtteilnahme der Bulgaren zu scheitern. Zuvor hatte bereits die georgisch-orthodoxe Kirche angekündigt, sie werde mehrere Textvorlagen ablehnen, unter anderem, dass nichtorthodoxe Religionsgemeinschaften als Kirchen eingestuft werden. Auch die Katholiken sind für sie Sektierer.
Der Unterschied zum Zweiten Vatikanischen Konzil der katholischen Kirche ist gravierend. Hier wurde von 1962 bis 1965 in vier Sitzungsperioden um Mehrheiten gerungen – insgesamt etwa 9 Monate lang. Es hat die Kirche entscheidend verändert. Stichworte: Liturgie oder Ökumene.
Man darf gespannt sein, wie und was die Orthodoxen in einer einzigen Woche beraten und beschließen werden.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   2 Sam 12, 7-10.13

Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben

In jenen Tagen sagte der Prophet Natan zu David: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt, und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben, und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.

 

Zweite Lesung:   Gal 2, 16.19-21

Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir

Schwestern und Brüder!
Wir haben erkannt, dass der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir dazu gekommen, an Christus Jesus zu glauben, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. So weit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat. Ich missachte die Gnade Gottes in keiner Weise; denn käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, so wäre Christus vergeblich gestorben.

 

Evangelium:   Lk 7, 36-50

Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat

In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.
Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

 

Gedanken zum Sonntag

Eleonore Rosenberg
Studienrätin i.R.
Heilbronn, Deutschland

Großzügigkeit gefragt

Schulden sind heutzutage mehr oder weniger normal. Kaum jemand hat genug Geld, sein Hausdach richten zu lassen, einen Garten oder eine neue Küche zu kaufen. An Autos denken wir dabei gar nicht.
Schuld haben wir selten an etwas; man kann sich ja entschuldigen.
Besonders gefällt mir aber die Kritik an dem Schuldner. Gefragt ist hier nämlich das große Herz dessen, dem viel nachgelassen wurde.
Man kann hier vom Einzelnen ausgehen, der von einer großen Last befreit wurde. Auch er oder sie müssen diese Großzügigkeit weitergeben.
Wenn wir aber weiterdenken als in diesem reichen Land Lebende, dann sind wir auch gefragt. Von nichts kommt nichts; keine Frage, die Landsleute sind echt fleißig, schaffen etwas und sparen. Wir zahlen Steuern und Kirchenbeitrag, viele Menschen spenden oder haben Daueraufträge für soziale Einrichtungen. Damit wird oft Nachhaltiges geschaffen: Straßen, Museen, Kirchen werden gebaut. Wir profitieren von den Leistungen früherer Generationen. Wir investieren auch in die Zukunft.
Nun denke ich aber über die Möglichkeit nach, dass uns vieles gegeben ist. Geben wir mit dieser Großherzigkeit weiter? Erlassen wir die Schulden, die andere bei uns, dem Staat, der Kirche, der Europäischen Union, der Weltbank,… haben. Können wir in Ruhe zuschauen, wie den Mindestrentnern, den Alleinerzieherinnen, vielen Kinder ihr „Fast-nicht-Einkommen“ gekürzt wird? Können wir ruhig schlafen, wenn Flüchtlingslager im Dreck versinken oder abgebrannt werden? Mag ich in ein Mittelmeer baden gehen, in dem täglich Kinder, Frauen, Männer ersaufen?
Wer ist schuld an dem Dilemma?
Welche Schulden haben die Katastrophen verursacht?
Ich kann diese Fragen nicht beantworten, aber ich kann sie stellen.

 

Information

Frauen plakatieren Priesterinnen-Porträts rund um den Vatikan

Mit einer Fotokampagne in Vatikannähe will eine Fraueninitiative Zugang zu katholischen Weiheämtern einfordern.

In den römischen Vierteln Borgo und Prati, die beide an den Vatikan angrenzen, sind seit 27. Mai Porträts von Frauen plakatiert, die aufgrund ihrer Priesterweihe exkommuniziert worden sind. Organisatorin der Kampagne „Einige Frauen gehorchen nicht“ ist die Aktivistin Kate McElwee.

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V.li.n.re.: P. Tony Flannery, Alicja Baranowska (Polen), Pat Brown (England), Dana English (USA), Kate McElwee, Erin Saiz Hanna, Miriam Duignan und Jamie Manson mit einem Transparent vor dem Petersdom.
Fotos: womensordination.

Die Aufnahmen stammen von der italienischen Fotografin Giulia Bianchi. Im Rahmen ihres „Women Priests Project“ porträtierte sie seit 2013 in Nordamerika rund 70 Frauen, die gegen die Weisung des katholischen Kirchenrechts eine Priesterweihe anstrebten und sich die Beugestrafe der Exkommunikation zuzogen.

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Papst: Guter Priester ist Hirte, nicht Polizeiinspektor

Ein guter Priester darf niemanden verachten und muss sich für andere auch die Hände schmutzig machen. Das sagte Papst Franziskus bei einer Messe zum kirchlichen Herz-Jesu-Hochfest am Freitag auf dem Petersplatz.

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Papst Franziskus.

Mehr als 6.000 Priester aus aller Welt nahmen teil. „Der gute Priester kennt keine Handschuhe“, betonte der Papst. Ein guter Priester gebe sich selbst für andere und Gott hin und richte sein Leben auf Gott und die Menschen aus. Er sei Hirte und nicht „Polizeiinspektor der Herde“ und dürfe „Tratsch, Urteile und Gift“ in seinem Leben nicht zulassen.

Papst erinnert Priester an ihre Sünden
Am 2. Juni hat Papst Fran-ziskus die Priester zur Besinnung auf ihre eigene Verge-bungsbedürftigkeit gemahnt. „Fast alle großen Heiligen waren große Sünder“, sagte er  in der Basilika Santa Maria Mag-giore in Rom. Niemand könne andere besser vom Bösen abbringen als derjenige, der selbst Barmherzigkeit erfahren habe.
Die Bedürfnisse der Menschen seien auch die Bedürfnisse des menschgewordenen Gottes, sagte Franziskus. Priester müssten sich von der „Kurzsichtigkeit“ heilen lassen, die ihnen solche Wünsche lästig erscheinen lasse, aber auch von einer „Alterssichtigkeit“, die das Kleingedruckte übersehe, „wo die wichtigen Dinge des Lebens und der Familie auf dem Spiel stehen“.

Bischöfe sollen Priester einbinden
Bischöfe stünden in der Pflicht, ihre Priester vor dem Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit zu bewahren. Andernfalls drohten sie „eine Beute der Weltlichkeit“ zu werden.
Franziskus mahnte die Bischöfe auch, Priester in wichtige Entscheidungen einzubinden: „Bezieht sie in die großen Angelegenheiten ein, denn das Herz des Apostels wurde nicht für kleine Dinge geschaffen.“

Lob für „viele gute Priester“
Gleichzeitig mit seiner Warnung vor Fehlverhalten lobte der Papst auch „viele gute Priester“.
Er habe von einigen Priestern gehört, die sagten „dieser Papst prügelt uns zu viel“, sagte Franziskus am Donnerstag-abend in freier Rede vor mehreren Tausend Priestern und Seminaristen, die zum Heiligen Jahr nach Rom gereist waren. „Wir alle sind Sünder, aber es gibt viele gute Priester, die still und im Verborgenen arbeiten“, so der Papst. Dafür sei er Gott sehr dankbar. „Oft macht ein Baum, der umstürzt, mehr Krach, als ein ganzer Wald, der wächst“, so der Papst weiter.

Beistand für Bootsflüchtlinge
Priester müssen nach den Worten von Papst Franziskus den „herben Geruch des Elends wahrnehmen, in Feldlazaretten, Zügen und Booten voller Menschen“.
Die vorrangige Liebe der Kirche habe Notleidenden zu gelten, betonte Franziskus. Aufgabe sei es, eine „Kultur der Barmherzigkeit zu schaffen und zu institutionalisieren“.

Sekretär von Johannes XXIII. 100-jährig gestorben
„Was wir erleben, ist die Morgenröte der Kirche“

Loris Francesco Capovilla, ältester Kardinal der Welt, ist tot. Er starb am Fronleichnamstag  in Bergamo im Alter von 100 Jahren. Der langjährige Privatsekretär von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) lebte zuletzt im einstigen Haus seines Dienstherrn in Sotto il Monte Giovanni XXIII bei Bergamo.

Johannes XXIII., der Papst, der das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) auf den Weg brachte,  war der Angelpunkt im Leben Capovillas. Ein Glücksfall, als Angelo Giuseppe Roncalli ihn 1953 zu seinem Privatsekretär machte.

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+ Kardinal Loris Francesco Capovilla.

Lebensnah und weltoffen
Roncalli war damals Patriarch von Venedig; Capovilla, 1915 in Pontelongo bei Padua geboren, hatte schon eine bewegte Laufbahn als Seelsorger in einem Jugendgefängnis, Religionslehrer, Chefredakteur einer Kirchenzeitung und Zeremonienmeister im Markusdom von Venedig hinter sich. Im Krieg diente der 1940 zum Priester geweihte Capovilla bei der italienischen Luftwaffe.
Genau so jemanden schien der Patriarch zu brauchen, lebensnah und weltoffen, versiert, aber nicht geschmeidig. Ca-povilla wurde die rechte Hand von Roncalli, und Roncalli wurde Papst. Doch als dieser noch im Vertrauen die Pläne für ein Konzil andeutete, das die Kirche in die Moderne führen sollte, war es sein Sekretär, der ihn abzuhalten suchte: „Kühl und ablehnend“ sei seine erste Reaktion gewesen, erinnerte sich Capovilla später.

Von Nachfolgern geschätzt
Abschrecken ließ sich Johannes XXIII. dadurch nicht, auch nicht von anderen Widerständen an der Kurie. Aber 1963, mitten während der Konzilsarbeiten, starb der Papst. Sein Nachfolger Paul VI. (1963-1978) wusste, wie sehr Ca-povilla mit den Reformplänen vertraut war. Er ernannte den jungen Priester kurzerhand zum beratenden Experten der Bi-schofsversammlung.
Das Anliegen Johannes’ XXIII. weitertragen – das blieb das Werk Capovillas, auch als Erzbischof von Chieti von 1967 an und, vier Jahre später, als Leiter des Marienwallfahrtsortes Loreto. Dort wirkte er bis zu seiner Emeritierung Ende 1988. Danach zog er in den Geburtsort von Jo-hannes XXIII. und verwaltete dort das stattliche Haus, das sich Roncalli einst kaufte, als er noch Vatikandiplomat war.

Gefragter Zeitzeuge
Bis ins hohe Alter blieb Capovilla ein gefragter Zeitzeuge, wenn es um das Zweite Vatikanische  Konzil (1962-1965) oder das Pontifikat Roncallis geht. So konnte er 2012 aus persönlicher Kenntnis Berichte über eine angebliche Exkommunikation Fidel Castros durch Johannes XXIII. als Irrtum aufklären. Noch 2013 gab er den Briefwechsel Jo-hannes’ XXIII. mit dem späteren Papst Paul VI. heraus.
Im Februar 2014, zwei Monate vor der Heiligsprechung des Konzilspapstes Johannes XXIII., setzte Papst Franziskus ein Signal  und erhob Capovilla in den Kardinalsstand.
Und umgekehrt erkannte Ca-povilla in dem neuen Papst aus Argentinien einen Geistesverwandten und, mehr noch, einen Wesensverwandten seines verehrten Johannes XXIII.: Die Konkretheit, mit der Franziskus sein Hirtenamt wahrnimmt, das Zugehen auf die Einfachen, Armen, Randständigen, der unbefangene und herzliche Umgang – „das erinnert mich an die Spontaneität von Papst Johannes“, sagte Capovilla.
In einem Interview vergangenen Januar erinnerte er an die Hoffnung Johannes XXIII., dass die Kirche einmal wieder „ein Hirt und eine Herde“ werde, dass sie auf „dem Weg des Friedens, dem Weg der Nächstenliebe, dem Weg der Einheit“ voranschreite. Papst Franziskus nähre diese Hoffnung, sagte der Hundertjährige. Ca-povilla sah voraus: „Was wir erleben, ist die Morgenröte der Kirche. Es wird Tag, ganz allmählich.“

Erstmals eine Muslimin zuständig für Kultusangelegenheiten

Von einer „ausgesprochen positiven“ ersten Begegnung mit der neuen, u.a. für Kultusangelegenheiten und damit für Religionsfragen zuständigen Staatssekretärin Muna Duzdar berichtete Kardinal Christoph Schönborn in seiner Kolumne in der Gratiszeitung „Heute“.

Muna Duzdar - Bundesratsmitglied
Staatssekretärin für Kultusangelegenheiten
Muna Duzdar.
Foto: Österr. Parlament.

Die Tatsache, dass Duzdar Muslima ist, wertete Schönborn als „starkes Zeichen“ sowohl für die Kirchen und Religionsgemeinschaften als auch für die Regierung: „London hat einen muslimischen Bürgermeister. Österreich hat sein erstes muslimisches Regierungsmitglied. Es ist sicher erst ein Anfang“, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Österreich sei wei-terhin ein „Vorzeigeland für ein gutes Miteinander“ der Religionen mit einer ebenso vorbildlichen Religionsgesetzgebung – dennoch wachse die Sorge und die Angst in der Bevölkerung, ob dieses Miteinander weiterhin gelingt: Angst vor ‚Islamisierung‘ bewegt viele Menschen“.