Inhalt der gedruckten Ausgabe 22/2017

Leitartikel

Kreuzritter-Chef oder Ideengeber?

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Information

Angst vor Islam: Langjähriger Präsident der Caritas Nordafrikas unterstützt Orbans Asylpolitik und wird deshalb Ungar

Die ungarische Asylpolitik hat unter Europas Politikern und Kirchenvertretern zahlreiche Gegner. Der islamkritische Budapester Regierungschef Viktor Orban hat jetzt jedoch einen bedeutenden Unterstützer gefunden. Der langjährige Präsident der Caritas Nordafrikas und des Mittleren Ostens P. Henri Boulad ließ sich genau wegen dieser Asylpolitik einbürgern.

Papst Franziskus sprach zwei Seherkinder von Fatima heilig
In Medjugorje sollen nur 7 von 42.000 Erscheinungen echt sein

Papst Franziskus hat die beiden Hirtenkinder Francisco (1908-1919) und Jacinta Marto (1910-1920), denen 1917 in Fatima die Gottesmutter erschien und Botschaften übermittelte, am 13. Mai in Fatima heiliggesprochen. Für die dritte Seherin, Lucia dos Santos (1907-2005), läuft derzeit das Seligsprechungsverfahren.

Bayerns Katholiken feiern 100 Jahre „Patrona Bavariae“

Mit einem großen Marienfest haben mehr als 10.000 Katholiken in der Münchner Innenstadt der Erhebung Marias zur Patronin Bayerns vor 100 Jahren gedacht.

Feuerwehr, Rettung und Polizei für Österreicher sehr glaubwürdig

Feuerwehr (93,1 Prozent), Rettung (90,9 Prozent) und Polizei (76,7 Prozent) – das sind jene Institutionen, die für die Österreicher am glaubwürdigsten sind, glaubt man dem Glaubwürdigkeits-Ranking der Kommunikationsberatungsagentur „klar“.

Deutschland: Kirchensteuer in 7 Jahren um 1 Milliarde gestiegen

Bei der Mittelvergabe für bundesweite Aufgaben der katholischen Kirche sollen nach Auffassung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) künftig auch Laien mitentscheiden. Das forderte das ZdK auf seiner jüngsten Vollversammlung in Berlin.

Pfarrer-Initiative mit neuer Website

Die Pfarrer-Initiative (PI) besitzt ab sofort eine neu gestaltete Website: www.pfarrer-initiative.at.

Erster Nuntius in Mauretanien

Erzbischof Michael W. Banach, US-amerikanischer Vatikandiplomat und zuvor unter anderem Vertreter des Heiligen Stuhls bei der OSZE und der Atombehörde in Wien, wird erster Botschafter des Heiligen Stuhls in der Islamischen Republik Mauretanien.

Papst unterstreicht Bedeutung der „Apostelin“ Maria Magdalena

Papst Franziskus hat die Bedeutung von Maria Magdalena für die Ausbreitung des Glaubens an Jesus Christus als auferstandenen Herrn betont.

Deutsche Caritas will humanitäre Hilfe für Nordkorea fortsetzen

Die deutsche Caritas hofft trotz der Spannungen um das Raketenprogramm Nordkoreas, das humanitäre Engagement in dem abgeschotteten Land fortsetzen zu können.

Italien: Flüchtlings-Pfarrer in Mafia-Veruntreuung involviert

Das süditalienische Mafia-Netz ‚Ndrangheta soll öffentliches Geld aus Italien und der EU in Millionenhöhe an einem Aufnahmezentrum für Flüchtlinge verdient haben.

Weltweit größte Kirchenglocke reist aus Österreich nach Bukarest

Die erste der sechs Glocken für die neue Kathedrale des rumänisch-orthodoxen Patriarchats, die „Catedrala Nationala“ im Izvor-Park in Bukarest, wurde in Österreich gegossen und ging am 16. Mai auf die Reise nach Rumänien.

Zeichen der Versöhnung: Donauschwaben-Gedenkstätte in Serbien eröffnet

Serben und Deutsche weihten am 6.Mai im serbischen Backi Jarak gemeinsam eine Gedenkstätte ein, die an die Internierung und den Tod Tausender Donauschwaben am Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert.

70 Jahre Katholische Frauenbewegung Österreich

Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in der Salzburger Basilika Maria Plain feierte die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) am 12. Mai ihr 70-jähriges Bestehen.

Diözesen werden immer „grüner“

Österreichs Diözesen werden immer „grüner“, die von der Österreichischen Bischofskonferenz im November 2015 unter dem Eindruck der Papstenzyklika „Laudato si“ und der Pariser Weltklimakonferenz beschlossenen Maßnahmen in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden Schritt für Schritt umgesetzt.

Fairer Handel steigerte 2016 Umsatz um 46 Prozent

Fair gehandelte Produkte verkaufen sich in Österreich immer besser: Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtumsatz damit insgesamt 270 Millionen Euro, ganze 46 Prozent mehr als ein Jahr davor, teilte Fairtrade Österreich mit.

Papst-Leo-Preis an Kärntner Unternehmensberaterin und KA-Präsidentin Straßer

Die Preisträger des „Papst Leo-Preises“ sind „Leuchttürme der Katholischen Soziallehre, die ihr ein Gesicht geben“ und regen zu einem sozialen Engagement in Gesellschaft, öffentlichem Leben und Kirche an: Das betonte der St. Pöltner Bischofsvikar Gerhard Reitzinger bei der Feier zur diesjährigen Verleihung der renommierten Auszeichnung am 12. Mai in Horn.

Wien ehrt Sozialpolitikerin und Ordensgründerin Hildegard Burjan

Überparteiliche Eintracht im Wiener Rathaus: Die Stadt Wien hat am 15. Mai die erste weibliche Parlamentarierin der Ersten Republik und Gründerin der „Caritas Socialis“ (CS), Hildegard Burjan (1883-1933), mit einer Gedenktafel im Arkadenhof des Wiener Rathauses geehrt.

In Deutschland gibt es mehr als 300 „Radwegekirchen“

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 300 „Radwegekirchen“. Diese Gotteshäuser mit dem leuchtend grünen Signet, das seit 2009 von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verliehen wird, laden Radfahrer zur geistlichen Besinnung und zur Andacht ein.

Leitartikel

Kreuzritter-Chef oder Ideengeber?

Vor dem Verfassungsreferendum am 16. April über eine Ausweitung seiner Macht hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versucht, muslimische Welt und Europa gegeneinander auszuspielen, um die Türken hinter sich zu vereinen. Erfolgreich.
Er nutzte das Kopftuch-Urteil des Europäischen Gerichtshofs dazu, den Europäern einen „Kreuzzug“ gegen den Islam vorzuhalten. Auf einer großen Wahlkampfkundgebung in Ankara beschimpfte er Anfang April Papst Franziskus als Chef einer „Kreuzritter-Allianz“ von EU-Politikern, die „lammfromm zu seinen Füßen saßen und ihm zuhörten“. Damit spielte Erdogan auf die  Papstaudienz von Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten im Vatikan zum 60. Jahrestag der Römischen Verträge von 1957 an.
Sein Außenminister  Cavusoglu drohte: „Heilige Kriege werden bald in Europa beginnen!“
Ganz anders klang bald darauf der Großimam al Tayyeb beim Besuch des Papstes in Ägypten. P. Paul Anis, Leiter eines Kairoer Studienzentrums, vermeint sogar, dass dieser von Franziskus gelernt hätte: „Was der Imam über die Würde der Person und die Gerechtigkeit sagte, sagte er zum ersten Mal. Er nimmt da eine Botschaft auf, auf die sich auch der Papst bezieht, nämlich die Menschenwürde. So wurde dieser Begriff zur Brücke. Auf dieser Basis kann man weitergehen.“

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 1, 12-14

Sie alle verharrten einmütig im Gebet

Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

 

Zweite Lesung:   1 Petr 4, 13-16

Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt

Schwestern und Brüder!
Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt.

 

Evangelium:   Joh 17, 1-11a

Vater, verherrliche deinen Sohn!

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

 

Gedanken zum Sonntag

Margarethe Furtner
Pädagogin
Salzburg

Gottes Versprechen

Wenn man/frau zwei oder drei Generationen nach dem Tod und dem Entschwinden eines geliebten Menschen in himmlische Sphären diese Worte des Evangeliums liest, klingen sie schon etwas überschwänglich. Die Vergangenheit verklärt oft. Der Verfasser des Johannesevangeliums hatte offensichtlich mit allerhand Gemeindeproblemen zu kämpfen: Manche Gemeindemitglieder könnten an der Göttlichkeit Jesu zweifeln, andere kommen nicht regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst, andere nehmen die Lehre nicht so ernst, andere nehmen die Lehrer beim Wort und das wird halt manchmal peinlich, weil es nicht so passt.
Da wird dann die Machtschiene ausgefahren und die Allmachtsversprechen Gottes werden bei der Predigt eingesetzt. Als Seelsorgerin lese ich Verzagtheit und Verzweiflung heraus. Wer kann die Botschaft Jesu noch retten? Wer garantiert die Aufforderungen zur Liebe, zum Verzeihen, zu Barmherzigkeit und ihren Werken? Wie können Menschen angesprochen werden, die auf der Suche nach Sinn sind?
Da lässt der Autor Jesus erklären, dass seine Legitimation wirklich von Gott kommt. Es lohnt sich an diesen Gott zu glauben, denn dieser ist ein mächtiger Tröster. Gott verspricht, mit seinen Menschen zu sein. Diejenigen, die die Botschaft von Liebe und Verzeihen, Barmherzigkeit und Geschwisterlichkeit suchen, werden mit göttlichem Geist ausgestattet. Es wird ihnen möglich sein, diese hohen Ziele erreichen zu können, im Vertrauen auf den göttlichen  Geist.
Dieses Versprechen und diese Hoffnung will ich mitnehmen in meine Arbeit, in meine Familie, zu meinen Freunden, zu den Fremden, mit hineinnehmen in mein tägliches Leben.

 

Information

Angst vor Islam: Langjähriger Präsident der Caritas Nordafrikas unterstützt Orbans Asylpolitik und wird deshalb Ungar

Die ungarische Asylpolitik hat unter Europas Politikern und Kirchenvertretern zahlreiche Gegner. Der islamkritische Budapester Regierungschef Viktor Orban hat jetzt jedoch einen bedeutenden Unterstützer gefunden. Der langjährige Präsident der Caritas Nordafrikas und des Mittleren Ostens P. Henri Boulad ließ sich genau wegen dieser Asylpolitik einbürgern.

Der Jesuit Henri Boulad ist seit Jahren eine jener Stimmen, die vor einem sich ausbreitenden Islam warnen.
Vor wenigen Wochen hat der langjährige ägyptische Jesuitenprovinzial und Direktor des „Jesuit Cultural Center“ in Alexandria nun die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen. Und zwar um die restriktive Migrationspolitik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban zu unterstützen und entsprechenden Einfluss auf die europäische Zuwanderungspolitik auszuüben.


P. Henri Boulad.

Das erklärte der 85-Jährige aus Alexandria stammende Ordensmann in einem Interview für die ungarische Wochenzeitung „Heti Valasz“, dessen Wortlaut das österreichische Magazin „Kirche In“ in seiner aktuellen Mai-Ausgabe auf Deutsch veröffentlicht hat.

„Migrationskrise gefährdet Existenz Europas“
Während einer Ägyptenvisite des ungarischen stellvertretenden Ministerpräsidenten Zsolt Semjen bat Boulad nach eigenen Angaben um die Verleihung der Staatsbürgerschaft.
Die Bitte wurde per Dekret erfüllt. Mitte März sprach der Jesuit bei einer Zeremonie im Budapester Parlament den entsprechenden Eid. Mit der Annahme der ungarischen Staatsbürgerschaft wolle er „signalisieren, dass das von Viktor Orban geführte Land in der Frage der Migrationskrise, welche die Existenz Europas gefährdet, die richtige Entscheidung getroffen hat“, sagte Boulad.  „Ich möchte (…) auf der Seite der Ungarn und Viktor Orbans für die Zukunft und für die christlichen Werte kämpfen“, erklärte der Jesuit.

Kritik an eigener Kirche
Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen „richtig und gut“, sagte Boulad, „aber ein wenig klarer Kopf würde dabei auch gut tun“. Die Aufnahmefähigkeit Europas habe „ihre Grenzen“, kritisierte er eine „bedingungslose Zuwanderung“ und warnte vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit auf dem Kontinent.
Zurückhaltend bewertet der ehemalige Caritas-Chef für Ägypten, der von 1991 bis 1995 auch stellvertretender Vorsitzender von „Caritas Internationalis“ für Nordafrika und den Nahen Osten war, daher auch die Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche. Entsprechende Initiativen, wie etwa auch die Flüchtlingsmission der ungarischen Jesuiten oder die „Vorhaben des Papstes“ seien „großartig und vom Evangelium her motiviert“.
Man könne sich aber „trotz der Ehrlichkeit irren“, so der Ordensmann: „Ich meine, dass der Westen und der Papst die wahre Natur des Islam nicht kennen.“ Nach dem Selbstverständnis des Islam sei „ein friedliches Zusammenleben auf längere Zeit unmöglich, oder nur unter der Bedingung, dass sich die Christen als zweitrangige Bürger zufrieden geben“, sagte Boulad. Er „bewundere“ Papst Franziskus, sei aber mit ihm in der Frage der Migration und des Islam „nicht einverstanden“.

„Rom versteht Islam nicht“
Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die katholische Kirche unterschätzen aus seiner Sicht die von den beherrschenden Strömungen Islam ausgehende Gefahr. Politische Korrektheit, meinte der Jesuit wörtlich, „demoliert den Westen: sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen“.
Die Kirche habe sich die Sichtweise des französischen Islamologen Louis Massignon (1883-1962) angeeignet, für den der mystische Sufismus das Wesen des Islams bedeutet habe. Der Islam habe jedoch historisch nicht diesen „mekkanischen“, sondern den „medinischen“ Weg gewählt, der ihn bis heute bestimme: „Die Suren des Korans, die gegen die Ungläubigen zur Gewalt und zum Dschihad aufrufen, stammen aus der Medina-Zeit [des Propheten Mohammed, Anm.], die toleranten, mystischen Suren aus der Mekka-Zeit.“ „Rom“, befand Boulad, verstehe dies nicht und „die Christen des Ostens, die den Islam von innen kennen, werden nicht gefragt, man stellt sie auf die Seite“.

Christen im Orient werden nicht gefragt
Die katholische Kirche, so der Befund des Jesuiten, stütze sich beim Verhältnis zum Islam auf die Expertise von „Experten, die in Paris, Berlin oder Amerika als durchaus großartige Islamologen gelten, deren Ansichten aber rein akademisch sind“ und sei so „in die Falle des christlich-islamischen Dialogs geraten, der in Wirklichkeit einem Dialog von Tauben gleicht“.
Boulad sieht diesen Dialog auch nach 50 Jahren „noch immer bei seinem Ausgangspunkt“. Große Ankündigungen über Reformen im Islam hätten meist kaum Konsequenzen.

Bischöfe verhindern Boulads Auftritte
Der Jesuit beklagte sich auch, dass es mit ihm selbst ebenso wenig einen Dialog gebe. Französische und kanadische Bischöfe hätten seine Auftritte in ihren Ländern verboten.
„Massen von gemäßigten und intelligenten Muslimen und Muslima denken wie ich. Sie versuchen, den Islam zu zerstören, um die Muslima und Muslime zu retten“, zeigte sich Boulad in dem Interview überzeugt. Die Liberalen des Islam seien „den Schönheiten ihrer Religion treu. Um diese zu bewahren und zu verteidigen wollen sie sich von der ihnen aufgezwungenen Diktatur befreien.“

Rufer nach einer Kirchenreform
P. Henri Boulad ist seit 50 Jahren in Ägypten tätig und war Oberer der Jesuiten von Alexandrien, Regionaloberer der Jesuiten Ägyptens sowie Professor der Theologie in Kairo. Von 1984 bis 1995 war er Leiter der Caritas in Ägypten und Präsident der Caritas Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Von 1991 bis 1995 war er Vizepräsident von Caritas International für den Nahen Osten und Nordafrika. 2004 wurde er Rektor des Jesuitenkollegs von Kairo.
Mit dem 2007 geschriebenen Brief „SOS pour l’Église d’aujourd’hui“ (SOS für die Kirche von heute) an Papst Benedikt XVI., der 2009 veröffentlicht wurde, mahnte er ein Umdenken in der katholischen Kirche an und schlug eine theologische und katechetische Reform, eine pastorale Reform sowie eine spirituelle Reform vor, die im Rahmen einer Generalsynode der Weltkirche abgestimmt werden sollte.
Boulad hat über 30 Werke in 15 Sprachen veröffentlicht, insbesondere in Französisch, Arabisch, Ungarisch und Deutsch.

Auch in Europa Angst vor Muslimen
Die aus dem Irak nach Österreich geflohenen chaldäischen Christen sind sehr um die Integration in ihrer neuen Heimat bemüht. Das hat der für die Chaldäer in Europa zuständige Bischof Saad Sirop im „Kathpress“-Interview betont.


Bischof Saad Sirop.
Foto: Stift Heiligenkreuz.

Zugleich gebe es große Ängste unter den geflohenen Christen, weil so viele Muslime nach Europa kommen würden.
Er selbst wurde 2006 in Bagdad von Islamisten entführt und 28 Tage gefangen gehalten. Er habe lange gebraucht, um wieder ins Leben zurückzufinden, bekannte der Bischof. Seine Erlebnisse hat er nun auch in einem Buch verarbeitet, das im Herbst erscheinen soll.

70 Jahre Katholische Frauenbewegung Österreich

Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in der Salzburger Basilika Maria Plain feierte die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) am 12. Mai ihr 70-jähriges Bestehen.

„Mystik und Widerstand“ postulierte die Pastoraltheologin Regina Polak in ihrer Festrede vor rund 200 Festgästen aus Politik, Kirchen und Frauenverbänden angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und eines wachsenden Autoritarismus als „Aufgabe der Stunde“. Frauen seien  „Treiberinnen“ einer solidarischen Weltordnung.
„Mischen wir uns immer nachdrücklicher ein, in einer Zeit, in der Armut und Ausgrenzung die Welt und Europa entzweien, Rechtspopulisten Auftrieb erhalten und Frauen einmal mehr betroffen sind, wenn sich Ängste und Hass Ventile suchen“, erklärte auch kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner, die aktuelle Spitzenvertreterin der mit 150.000 Mitgliedern größten Laienorganisation des Landes.


kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner.

Das Engagement der Frauenbewegung erfolge „aus der Überzeugung unseres Glaubens heraus, dass uns das Reich Gottes, dieses andere Modell des Miteinanders von Menschen in sozialer Gerechtigkeit, zugesagt ist“, hob Pernsteiner im Beisein prominenter Gratulanten, unter ihnen die Bischöfe Franz Lackner, Wilhelm Krautwaschl  und Maximilian Aichern, die Präsidentin der Katholischen Aktion, Gerda Schaffelhofer oder die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Sr. Beatrix Mayrhofer, hervor.
Diesem Gedanken sei auch das Motto des Festes „Frauen.Leben.Stärken“ verpflichtet, zu dem die Katholische Frauenbewegung in den kommenden beiden Jahren schwerpunktmäßig arbeiten werde, sagte Pernsteiner.

Papst-Leo-Preis an Kärntner Unternehmensberaterin und KA-Präsidentin Straßer

Die Preisträger des „Papst Leo-Preises“ sind „Leuchttürme der Katholischen Soziallehre, die ihr ein Gesicht geben“ und regen zu einem sozialen Engagement in Gesellschaft, öffentlichem Leben und Kirche an: Das betonte der St. Pöltner Bischofsvikar Gerhard Reitzinger bei der Feier zur diesjährigen Verleihung der renommierten Auszeichnung am 12. Mai in Horn.

Die Papst-Leo-Stiftung ehrt mit dem von ihr seit 1987 vergebenen Preis heuer die Unternehmensberaterin und Präsidentin der Katholischen Aktion (KA) der Diözese Gurk-Klagenfurt, Iris Straßer. Außerdem wurden in diesem Jahr erstmals zwei Jugendpreise vergeben.

Netzwerk „Verantwortung zeigen“
Straßer bekam die Auszeichnung für das von ihr initiierte und geleitete Netzwerk-Projekt „Verantwortung zeigen“, das im Süden Österreichs versucht, verantwortliches Wirtschaften zu fördern. Die Netzwerkpartner aus mittlerweile 75 Unternehmen und diversen Organisationen bekennen sich dazu, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, und engagieren sich etwa beim Thema Nachhaltigkeit oder für soziale Anliegen. Zentral seien persönliche Begegnungen, Straßer nannte dazu ein konkretes Beispiel: „Es ist für alle ein Gewinn, wenn etwa Bankangestellte einen Tag mit älteren Menschen im Rollstuhl verbringen.“


Die Preisträgerin Iris Straßer, Bischofsvikar Gerhard Reitzinger und Roman Fröhlich.
Foto: Wolfgang Zarl.

„Wer etwas bewegen will, darf nicht alles selber delegieren, sondern kann selber etwas machen“, betonte KA-Präsident Haiderer in seiner Laudatio. Straßer sei dafür ein Paradebeispiel und Vorbild für eine „gelebte Soziallehre“.

Zwei Jugendpreise
Die Jugendpreise gingen zum einen an Lydia Steininger, die als Volontärin in einer von den Salesianern Don Boscos geleiteten Pfarre in der Republik Kongo ein Jahr lang mitgearbeitet hat. Seither versucht die 20-jährige Studentin, in Österreich durch Vorträge und andere Aktivitäten Vermittlerin zwischen zwei so unterschiedlichen Kulturen zu sein.
Den Gruppenpreis erhielt das „Wissensdurst Team“, das unter der Leitung von Mirjam Heigl aus Waidhofen an der Ybbs soziale, informative und actionreiche Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene im Mostviertel organisiert. Beheimatet fühlt sich das Team im diözesanen Seitenstettner Jugendhaus Schacherhof.

Wien ehrt Sozialpolitikerin und Ordensgründerin Hildegard Burjan

Überparteiliche Eintracht im Wiener Rathaus: Die Stadt Wien hat am 15. Mai die erste weibliche Parlamentarierin der Ersten Republik und Gründerin der „Caritas Socialis“ (CS), Hildegard Burjan (1883-1933), mit einer Gedenktafel im Arkadenhof des Wiener Rathauses geehrt.


Hildegard Burjan.

Bürgermeister Michael Häupl enthüllte die Tafel gemeinsam mit VP-Wien-Klubobmann Manfred Juracka, den Weihbischöfen Helmut Krätzl und Franz Scharl, CS-Generalleiterin Sr. Susanne Krendelsberger und der VP-Gemeinderätin Gudrun Kugler.
Burjan wurde am 16. Februar 1919 im Zuge der ersten freien und gleichen Wahl in der Geschichte der Ersten Republik ins Hohe Haus gewählt, nachdem sie 1918 in den Wiener Gemeinderat eingezogen war. Die Sozialpolitikerin war Teil der großen Koalition zwischen Christlichsozialen und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, die unter anderem den Achtstundentag durchsetzte und die Arbeiterkammer ins Leben rief, erinnerte Bürgermeister Häupl in einem Grußwort.


Foto: Caritas Socialis.

„Hildegard Burjan war nicht nur eine hervorragende Sozialpolitikerin im Wiener Gemeinderat und im Parlament, sie war auch durch und durch Humanistin. Und das bereits zu ihren Lebzeiten in einem heute immer noch fortschrittlichen und unkonventionellen Sinn“, so Häupl wörtlich. Das Hospiz der von ihr gegründeten „Caritas Socialis“ am Rennweg sowie ihre Seligsprechung im Wiener Stephansdom zeugten von Burjans Bedeutung für Wien und Österreich.
Damals wie heute gelte es, gemeinsam die Klüfte in der Gesellschaft zu überwinden und sich für die sozial Schwachen einzusetzen, so Häupl. Die Gedenktafel sei eine Auszeichnung, die weit über sonstige Ehrungen verdienter Persönlichkeiten hinausgeht, stellte der Bürgermeister fest.