Inhalt der gedruckten Ausgabe 22/2016

Leitartikel

Wahlen verändern – oder auch nicht

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Information

Prominenter evangelischer Theologe:
Mit Franziskus repräsentiert ein „echter Christ“ die Welt-Kirche

Mit Papst Franziskus repräsentiert für den 72-jährigen evangelischen Theologen und früheren DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer ein „wirklicher Christ“ die Welt-Kirche.

Rekordverdächtige Kirchenbesetzung in den USA geht zu Ende

Die Besetzer der katholischen St. Frances Xavier Cabrini Church bei Boston müssen die mehr als elf Jahre dauernde Protestaktion gegen die Schließung ihres Gotteshauses beenden.

Reaktionen auf Frauendiakonat
Frauenorden gegen Priesterinnen

Bischöfe auf den Philippinen und in Indonesien reagierten abwartend gegenüber der Ankündigung des Papstes, das Frauendiakonat prüfen zu lassen. Laienverbände zeigten sich erfreut, da Frauen schon jetzt Kommunion austeilten oder Beerdigungen durchführten.

Frauen sind oft die besseren Missionare

Frauen sind nach Ansicht von Papst Franziskus häufig die besseren Missionare.

Kirchenlob für mehr EZA-Geld

Die Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) im soeben beschlossenen Bundesfinanzrahmen ist ein „erster Schritt zur Trendwende in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Vatikan wirft ein schärferes Auge auf neue Orden

Der Vatikan bindet die Zulassung neuer Orden stärker an sich. Künftig ist die Errichtung einer Ordensgemeinschaft auf Diözesanebene nur dann kirchenrechtlich gültig, wenn zuvor ein Gutachten der römischen Ordenskongregation eingeholt wurde.

Christenverfolgung auch in Österreich

Acht von zehn Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen. Christenverfolgung ist aber nicht nur ein Phänomen in muslimischen Ländern oder Diktaturen wie Nordkorea, sondern auch in Österreich anzutreffen.

Papst fordert bessere Integration von Flüchtlingen
Europa kann Türen nicht einfach „weit aufmachen“

Papst Franziskus ruft zu einer besseren Integration von Flüchtlingen auf. Der schlimmste Empfang sei eine „Ghettoisierung“, sagte er im Interview der französischen Zeitung „La Croix“. Die Terroristen von Brüssel seien Kinder von Migranten gewesen, die aus einem Ghetto kamen.

Weihbischof Andreas Laun empfahl Wahl von FP-Kandidat Hofer

Für die katholische Kirche in Österreich äußerst ungewöhnlich mehrten sich kurz vor der Stichwahl um das Bundespräsidentenamt konkrete Wahlempfehlungen.

Kirche: Jeder zweite Asylwerber wird von Caritas betreut

Die kirchliche Hilfe für Flüchtlinge nimmt weiter zu und hat einen neuen Höchstwert erreicht.

Berlin: Experten beklagen Gewalt gegen christliche Flüchtlinge

Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben anhaltende Gewalt gegen Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten in deutschen Flüchtlingsunterkünften beklagt.

Papst will Dialog mit Piusbrüdern fortsetzen
Katholiken und Juden sind besorgt

Papst Franziskus will den Dialog mit der traditionalistischen Piusbruderschaft fortsetzen. Man komme in dem Dialog „langsam und mit Geduld voran“ und ihr Oberer Bernard Fellay sei ein „Mann mit dem man reden kann“, sagte er in einem Interview der französischen Tageszeitung „La Croix“.

Papst löst in Italien Debatte über Kirchenvermögen aus

Der Papst hat in Italien mit einer Äußerung über das Vermögen der dortigen katholischen Kirche Aufsehen erregt.

Erzdiözese Salzburg will neue  Wege erproben

Mit einer Auftaktveranstaltung im Salzburger Dom hat für die Erzdiözese am Pfingstmontag der „Zukunftsprozess 2018“ begonnen.

Deutscher Katholikentag diesmal ohne Merkel und mit Schwerpunkt Migration

Flüchtlinge, Asyl, Migration, Integration und Fremdenfeindlichkeit stehen im Mittelpunkt des 100. Deutschen Katholikentags von 25. bis 29. Mai in Leipzig.

Ungarn fehlen große Denker

In Ungarn fehlen sowohl in der Kirche als auch im öffentlichen Leben „Denker von großem Format schlechthin“: Diese Ansicht hat der Prior der Benediktinerabtei Tihany, Richard Korzenszky, kürzlich im Interview mit dem Onlineportal „mandiner“ vertreten.

Anmeldung für Jugendaktion „72 Stunden ohne Kompromiss“

Mit dem Beginn der Anmeldefrist startet am Samstag der Countdown für Österreichs größte Jugendsozialaktion: Bei der achten Auflage der „72 Stunden ohne Kompromiss“ werden sich von 19. bis 22. Oktober 2016 tausende Jugendliche aus ganz Österreich in verschiedensten Drei-Tages-Projekten für soziale Belange einsetzen und zeitgleich gemeinnützige Aufgaben lösen.

Stift Schlierbach: Abtweihe von Nikolaus Thiel

P. Nikolaus Thiel wurde am Pfingstsonntag zum 19. Abt des oberösterreichischen Zisterzienserstifts Schlierbach geweiht. Im Interview mit der Kirchenzeitung der Diözese Linz  betont Thiel, dass er das Stift künftig stärker als geistliches Zentrum positionieren will. Er fordert einen realistischen Blick auf die Pfarrseelsorge, die nicht nur mit einem Pfarrermangel, sondern auch mit einem Gläubigenmangel zu kämpfen hat.

Papst segnet Instagram-Gemeinde

Franziskus veröffentlichte auf der Foto- und Video-Plattform eine handschriftliche Botschaft: „Dir, der du mich aus der großen digitalen Gemeinschaft um Segen und Gebet bittest, möchte ich sagen: Du wirst in meinem Gebet das wertvolle Geschenk an den Vater sein. Und du vergiss nicht, für mich und meinen Dienst für das Evangelium der Barmherzigkeit zu beten“ heißt es auf dem Papst-Account www.instagram.com/franciscus.

Prominente unterstützen  „Tag des Lebens“

Die „aktion leben“ startet rund um den 1. Juni österreichweit Aktionen zum „Tag des Lebens“ – und erhält dafür prominente Rückenstärkung: Die Sängerin Timna Brauer und Opernstar Iva Schell gehören zu den ersten Unterstützern der Kampagne „Die Überraschung des Lebens“ zugunsten schwangerer Frauen in Not, teilte der Verein mit.

20.000 Kinder und Jugendliche beim youngCaritas „LaufWunder“

Am 18. und 19. Mai schnürten österreichweit mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche beim youngCaritas „LaufWunder“ ihre Turnschuhe und liefen für Kinder in Not im In- und Ausland.

Neue kirchliche Hilfsaktion für Christen in Not im Nahen Osten

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) startet eine breit aufgestellte Hilfsaktion für die schwer bedrängten und verfolgten Christen im Nahen Osten. Die Aktion wird gemeinsam mit den Hilfsorganisationen „Kirche in Not“, „Christian Solidarity International“ (CSI) und „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) durchgeführt, die schon im Nahen Osten aktiv sind.

Paris bekommt Gedenkplatz für die „Mönche von Tibhirine“

Zum 20. Todestag der sieben Trappistenmönche aus dem algerischen Kloster Tibhirine bekommt Paris einen Garten zum Gedenken an die christlichen Märtyrer.

Leitartikel

Wahlen verändern – oder auch nicht

Kaum hatten in der vergangenen Woche die Leser das JA im Postkasten, wurde der Kommentar „Nicht nur die SPÖ ist gespalten“ prominent bestätigt.
Österreichs Bischöfe hüten sich seit Jahrzehnten, Wahlempfehlungen abzugeben. Doch diese „Wahl, die das Land verändert“, ist auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen.
Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun rief auf, Norbert Hofer zu wählen. Der aus der katholischen Kirche ausgetretene und zu den Evangelischen gewechselte Norbert Hofer würde „Gott in wesentlichen Punkten gehorchen.“ Katholiken, die den konfessionslosen Gegenkandidaten empfehlen, seien „gehirngewaschen.“
Gleichzeitig warf Launs Anhängerschaft anderen Bischöfen vor, indirekt Van der Bellen zu unterstützen.
Wenn Sie diese Zeilen lesen, steht das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl längst fest. Die Bischöfe können wieder über eine andere Wahl nachsinnen, nämlich jene von Jorge Bergolio vor drei Jahren. Franziskus unterscheidet von seinem Nachfolger noch mehr als der neue BP von Heinz Fischer.
Das Kirchenvolk wünscht sich, dass Franziskus die Kirche positiv verändert. Viele mächtige Bischöfe stemmen sich dagegen, nicht etwa nur ein kleiner Weihbischof.
Die BP-Wahl hat das Land verändert, ob jene von Bergoglio letztlich Wirkung zeigt, bleibt immer noch ungewiss.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Kön 8, 41-43

Herr, höre an den Fremden, der zu dir betet

Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen; denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand und deinem hoch erhobenen Arm hören. Sie werden kommen und in diesem Haus beten. Höre sie dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst, und tu alles, weswegen der Fremde zu dir ruft. Dann werden alle Völker der Erde deinen Namen erkennen. Sie werden dich fürchten, wie dein Volk Israel dich fürchtet, und erfahren, dass dein Name ausgerufen ist über diesem Haus, das ich gebaut habe.

 

Zweite Lesung:   Gal 1, 1-2.6-10

Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi

Paulus, zum Apostel berufen, nicht von Menschen oder durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien: Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet. Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel. Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht. Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.

 

Evangelium:   Lk 7, 1-10

Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden

Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

 

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Menschen wie wir

„Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen; denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand und deinem hoch erhobenen Arm hören“ – so haben wir es in der heutigen 1. Lesung aus dem ersten Buch der Könige gehört.
Die neuen und bereits weltweit verwendeten Kommunikationsmittel machen es möglich und informieren über die Fülle und den Reichtum in Europa, ja in vielen Regionen der westlichen Welt. Es ist daher verständlich und naheliegend, dass immer mehr Menschen aus den ärmeren Ländern und Kriegsregionen im Osten eine gewagte Reise der Hoffnung mit einem Gebäck voller Sehnsüchte antreten, auf der Suche nach menschlicheren Lebensbedingungen.
Dazu eine wahre Geschichte des zehnjährigen Enaiat, erzählt von Fabio Geda:
„Als Enaiat eines Morgens erwacht, ist er allein. Er hat nichts als seine Erinnerungen und die drei Versprechen, die er seiner Mutter gegeben hat – keine Drogen nehmen, nicht zu Waffen greifen und auch nicht stehlen. Er durchwandert die Länder des Ostens bis nach Europa. Er reist auf Lastwagen, arbeitet, schlägt sich durch, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen. Fabio fragt Enaiat: „Wie kann man sich so mir nichts, dir nichts an einem ganz normalen Vormittag von allem verabschieden? – „Man tut es einfach, Fabio, und denkt nicht weiter darüber nach. Der Wunsch auszuwandern entspringt dem Bedürfnis, frei atmen zu können. Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist stärker als alles andere.“
Aufgrund der derzeit stattfindenden gewaltigen Wanderungsbewegungen fühlen sich viele in der Tat bedroht. Eine mögliche Reaktion vor dem Unbekannten und Fremden ist die Angst. Aber das Phänomen der Migration ist zu komplex, als dass wir die damit verbundenen Probleme mit Zäunen, Mauern und Abgrenzungen lösen können.
Als Christen sollten wir uns daher an die Einladung in Gaudium et spes, Pastoralkonstitution des 2. Vatikanum, erinnern und den Flüchtlingen mit Offenheit und Wertschätzung begegnen: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“.
Und bei Mt 25,35 heißt es: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“. Durch einen direkten Kontakt mit ihnen erfahren wir dann, dass Flüchtlinge Menschen sind wie wir. Werden wir so Botschafter der Solidarität, die Vertrauen schaffen.

 

Information

Prominenter evangelischer Theologe:
Mit Franziskus repräsentiert ein „echter Christ“ die Welt-Kirche

Mit Papst Franziskus repräsentiert für den 72-jährigen evangelischen Theologen und früheren DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer ein „wirklicher Christ“ die Welt-Kirche.

schorlemmer friedrich
Professor Friedrich Schorlemmer.

In einem Interview der „Zeit“ bekannte der Wittenberger Pfarrer: „Manche tadeln mich, ich sei Papst-besoffen. Ich sage: Nein, ich bin Papst-begeistert!“ Er habe „lange auf einen Kirchenführer wie diesen argentinischen Kardinal aus den Slums gewartet“. Franziskus übe sein Amt ohne Hochmut aus. „Deshalb respektiere ich den Papst als meinen ‚Bischof von Rom‘“, so Schorlemmer. Der Papst verkörpere nicht nur ein Amt – er sei auch ein Mensch und damit fehlbar. „Wir Christen müssen begreifen, dass wir die Wahrheit nicht mit Löffeln gefressen haben. Auch wir suchen nur den Weg zur Wahrheit.“

Hoffe, dass er lange bleibt
Schorlemmer: „Es gibt Katholiken, die nur darauf warten, dass dieser Papst Franziskus bald wieder weg ist. Ich aber hoffe, dass er noch lange bleibt und uns seine Spontaneität, seine Lebensfreude und Barmherzigkeit vorlebt. Er geht dorthin, wo es stinkt. Er tadelt die Leute nicht, sondern wäscht ihnen die Füße: keine vorgewaschenen Statisten, sondern echten Obdachlosen. Wenn der Mann auf dem Stuhl Petri so etwas macht, kann ich mich über Rom überhaupt nicht mehr ärgern. Da freue ich mich, dass ein wirklicher Christ unsere Welt-Kirche repräsentiert.“

 „Selbst ein Heiliger“
Auf die Ökumene und das Reformationsjubiläumsjahr 2017 angesprochen betonte Schorlemmer: „Ich würde den Papst einladen. Wir könnten mit ihm zusammen das Große Gebet der Einheit aus dem Johannesevangelium sprechen. Das muss nicht unbedingt Wittenberg sein, es geht auch auf der Wartburg.“
Welches Gastgeschenk würde er dem Papst übereichen? „Am besten eine Vertonung des Sonnengesangs des heiligen Franz von Assisi. Für mich ist dieser Papst ja selbst ein Heiliger – aber menschennah.
Dann sollten zwei Ansprachen gehalten werden; eine vom Papst und eine vom Ratsvorsitzenden der EKD. Danach gehen die beiden zum Altar und sprechen mit allen zusammen das Vaterunser“.

 Spaltung durch Umkehr überwinden
Der Theologe sagte, er wolle die Spaltung überwinden – „aber nicht durch Jubilieren, sondern durch Umkehr“. Viele evangelische Christen seien nicht erpicht auf einen Besuch des Papstes in Deutschland: „Sie fürchten, dass er uns die Schau stiehlt.“ Die Ökumene sei „mittlerweile zur Bürokratie erstarrt. In der DDR war sie lebendiger. Manchmal schickt uns Gott eben eine Notlage, um uns Gemeinschaft zu schenken“, so der Theologe.

Taufe reicht für Abendmahl
Eine Einheit der Christen müsse eine „Neuvereinigung“ werden, betonte Schorlemmer. „Wir können nicht einfach vereinen, was vor 500 Jahren getrennt wurde.“ Fest stehe: „In Zeiten religiöser Versteppung müssen wir unsere Kräfte zusammentun und zeigen: Hier sind wir!“ Gegenseitig Bedingungen für die Ökumene zu stellen, führe nicht weiter. „Wir sind alle getauft, das reicht fürs gemeinsame Abendmahl.“

Friedrich Schorlemmer…
… gehörte in der DDR zu den wichtigsten Wegbereitern einer friedlichen Revolution. Er war viele Jahre Prediger an der Wittenberger Schlosskirche, wo sich Luthers „Thesentür“ befindet. Nach der Wende war er politisch in der SPD tätig.
Jüngst erschien im Herder-Verlag sein Buch „Die Erde ist zu retten. Haltungen, die wir jetzt brauchen.“

Weihbischof Andreas Laun empfahl Wahl von FP-Kandidat Hofer

Für die katholische Kirche in Österreich äußerst ungewöhnlich mehrten sich kurz vor der Stichwahl um das Bundespräsidentenamt konkrete Wahlempfehlungen.

Nachdem sich die Katholische Frauenbewegung für Alexander Van der Bellen ausgesprochen hatte, empfahl der Salzburger Weihbischof Andreas Laun die Wahl von Norbert Hofer.

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Weihbischof Andreas Laun.

Laun brach damit mit einem jahrzehntelangen Usus, wonach Bischöfe nicht für politische Kandidaten werben. Zuvor hatte Kardinal Christoph Schönborn in einem Zeitungsinterview betont, dass es in Österreich gute Tradition sei, dass die Bischöfe keine Wahlempfehlungen abgeben. Daran hielten sich alle heimischen Bischöfe, mit Ausnahme von Laun.
„So, wie das Angebot jetzt ist, kann man nur Hofer wählen und beten für ihn und für Österreich“, schrieb Laun in einem am 19. Mai auf dem Internetportal „kath.net“ veröffentlichten Gastbeitrag. Van der Bellen stehe „in allen heiklen und gefährlichen Fragen, vom Lebensschutz über die Gottesfrage bis Gender auf der falschen Seite“; was man von Hofer höre sei hingegen „vernünftig und in Ordnung“, so Laun.
Die Frauenbewegung hatte sich am 18. Mai im Hinblick auf die Bundespräsidenten-Stichwahl dezidiert für Van der Bellen ausgesprochen. Zuvor hatte die freiheitliche Frauensprecherin Carmen Schimanek in einer Aussendung fälschlich behauptet, die kfbö habe eine Wahlempfehlung für FP-Kandidat Hofer abgegeben.

Theologen wehren sich
Nach Launs Wahlempfehlung haben sich der Dekan und der Vizedekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg kritisch zu Wort gemeldet und dem Weihbischof einen Verstoß gegen zentrale Prinzipien und Positionen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgeworfen. Launs Bezeichnung anderer Positionen als „gehirngewaschen“ sei „diffamierend“ und entspreche nicht dem, „was ein Bischof ‚im Lichte des Evangeliums‘ zu sagen und zu urteilen hat“, heißt es in der von Dekan Prof. Dietmar Winkler und Vizedekan Prof. Ulrich Winkler unterzeichneten Erklärung. Die Aufgabe eines Bischofs bestehe darin, „sich sachkundig zu machen und einen Dialog zu eröffnen“ und nicht, Andersdenkende auszugrenzen.

Anmeldung für Jugendaktion „72 Stunden ohne Kompromiss“

Mit dem Beginn der Anmeldefrist startet am Samstag der Countdown für Österreichs größte Jugendsozialaktion: Bei der achten Auflage der „72 Stunden ohne Kompromiss“ werden sich von 19. bis 22. Oktober 2016 tausende Jugendliche aus ganz Österreich in verschiedensten Drei-Tages-Projekten für soziale Belange einsetzen und zeitgleich gemeinnützige Aufgaben lösen.

Die von der Katholischen Jugend in Zusammenarbeit mit „young Caritas“ und „Hitradio Ö3“ organisierte erfolgreiche Jugendinitiative steht heuer unter dem Aktionsmotto „Schalt dich ein!“.

logo 72 stunden

Ab 21. Mai können sich Einzelpersonen im Alter von 14 bis 25 Jahren, aber auch ganze Jugendgruppen, Schulklassen, Lehrlinge und Jugendleiter auf der Projektwebseite www.72h.at für die Aktion anmelden. Auch die Einreichung von Projekten, die die Jugendlichen im Rahmen von „72 Stunden ohne Kompromiss“ umsetzen sollen, ist über die Website möglich. Dem Ideenreichtum ist dabei kaum Grenzen gesetzt: In der Vergangenheit reichte die Vielfalt der Projekte von der Renovierung einer Notschlafstelle für Obdachlose und eines Jugendzentrums für Flüchtlinge bis hin zur Beseitigung alltäglicher Barrieren für Rollstuhlfahrer in Gemeinden. Auch die Organisation von Benefizkonzerten für Bedürftige oder eine Apfelernte für eine Familie in Not fanden sich in den vergangenen Jahren unter den tausenden im Rahmen der „72 Stunden ohne Kompromiss“ umgesetzten regionalen Einzelprojekte.

Prominente unterstützen  „Tag des Lebens“

Die „aktion leben“ startet rund um den 1. Juni österreichweit Aktionen zum „Tag des Lebens“ – und erhält dafür prominente Rückenstärkung: Die Sängerin Timna Brauer und Opernstar Iva Schell gehören zu den ersten Unterstützern der Kampagne „Die Überraschung des Lebens“ zugunsten schwangerer Frauen in Not, teilte der Verein mit.

Bereits zum siebten Mal werden im Rahmen der Kampagne bundesweit in Einkaufszentren und Pfarren tausende hübsch verpackte „Überraschungs-Päckchen“ verteilt – gegen eine Spende ab fünf Euro. Darin befinden sich hochwertige Sachspenden, u.a. von dm drogeriemarkt, Henkel, Piatnik, Manner und Tesa. Das Leben sei Geschenk mit vielen oft unerwarteten Überraschungen und lasse sich – vor allem auch zu Beginn – nicht bis ins Detail planen, soll damit laut „aktion leben“ symbolisiert werden.

Martina Kronthaler, Iva Schell
Sängerin Iva Schell (rechts) erwartet selbst ihr erstes Kind und freut sich über das Überraschungs-Päckchen, das ihr aktion-leben-Geschäftsführerin Mag. Martina Kronthaler überreicht.   
Foto. Rupprecht@kathbild.at.

„Ich unterstütze die Kampagne sehr gerne, weil ich weiß, dass viele schwangere Frauen nicht so viel Glück haben wie ich“, erklärte Iva Schell, die selbst gerade ihr erstes Kind erwartet und bereits ein Überraschungs-Päckchen überreicht bekam. Sie finde es deshalb „wichtig, dass diesen Frauen geholfen wird“.
Mit dem Erlös der Kampagne unterstützt die „aktion leben“ Frauen, die aufgrund ihrer Schwangerschaft in Not geraten. „In unseren Schwangeren-Beratungszentren erfahren wir fast täglich, wie schnell Frauen in finanzielle Not kommen können, wenn sie überraschend ein Kind erwarten. In einer solchen Situation ist es dringend notwendig, Frauen und Familien rasch und unbürokratisch beizustehen“, betont „aktion leben“-Generalsekre-tärin Martina Kronthaler.
(Infos: www.aktionleben.at, Spendenkonto IBAN: AT91 3479 5000 0453 6777, BIC: RZOOAT2L795)